Die Dreigroschenoper. Königs Erläuterungen. - Rüdiger Bernhardt - E-Book

Die Dreigroschenoper. Königs Erläuterungen. E-Book

Rüdiger Bernhardt

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Beschreibung

Königs Erläuterung zu Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper - Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben. In einem Band bieten dir die neuen Königs Erläuterungen alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst. Das spart dir lästiges Recherchieren und kostet weniger Zeit zur Vorbereitung. Alle wichtigen Infos zur Interpretation. - von der ausführlichen Inhaltsangabe über Aufbau, Personenkonstellation, Stil und Sprache bis zu Interpretationsansätzen - plus 4 Abituraufgaben mit Musterlösungen und 2 weitere zum kostenlosen Download ... sowohl kurz als auch ausführlich. - Die Schnellübersicht fasst alle wesentlichen Infos zu Werk und Autor und Analyse zusammen. - Die Kapitelzusammenfassungen zeigen dir das Wichtigste eines Kapitels im Überblick - ideal auch zum Wiederholen. ... und klar strukturiert. - Ein zweifarbiges Layout hilft dir Wesentliches einfacher und schneller zu erfassen. - Die Randspalte mit Schlüsselbegriffen ermöglichen dir eine bessere Orientierung. - Klar strukturierte Schaubilder verdeutlichen dir wichtige Sachverhalte auf einen Blick. ... mit vielen zusätzlichen Infos zum kostenlosen Download.

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 333

Textanalyse und Interpretation zu

Bertolt Brecht

DIEDREIGROSCHENOPER

Rüdiger Bernhardt

Alle erforderlichen Infos für Abitur, Matura, Klausur und Referat plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper. Nach John Gays „The Beggar’s Opera“. Berlin: Suhrkamp Verlag, 44. Aufl. 2015 (edition suhrkamp 229).

Über den Autor dieser Erläuterung: Prof. Dr. sc. phil. Rüdiger Bernhardt lehrte neuere und neueste deutsche sowie skandinavische Literatur an Universitäten des In- und Auslandes. Er veröffentlichte u. a. Studien zur Literaturgeschichte und zur Antikerezeption, Monografien zu Henrik Ibsen, Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Peter Hille, gab die Werke Ibsens, Peter Hilles, Hermann Conradis und anderer sowie zahlreiche Schulbücher heraus. Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender der Gerhart-Hauptmann-Stiftung Kloster auf Hiddensee. 1999 wurde er in die Leibniz-Sozietät gewählt.

Hinweis: Die Rechtschreibung wurde der amtlichen Neuregelung angepasst. Zitate von Bertolt Brecht müssen aufgrund eines Einspruches in der alten Rechtschreibung beibehalten werden.

Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52 a UrhG: Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

1. Auflage 2017

ISBN 978-3-8044-7036-1

© 2017 by C. Bange Verlag, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Ulrich Tukur als Mackie Messer in einer Inszenierung der Dreigroschenoper am St. Pauli Theater Hamburg 2003/04 © ullstein bild – AP

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Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

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INHALT

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Bertolt Brecht: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit

Vor der Weltwirtschaftskrise 1929 – Brechts ästhetisches Konzept

Polemik gegen die Händel-Renaissance?

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

Die Dreigroschenoper im Umfeld des epischen Theaters

Zusammenhänge mit zuvor entstandenen Werken und Projekten

Werke im direkten Zusammenhang mit dem Stück

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

Die Vorlage von John Gay

Die Bedeutung Villons

Wesentliche Veränderungen Brechts gegenüber John Gay

3.2 Inhaltsangabe

Vorspiel

1. Akt

2. Akt

3. Akt

3.3 Aufbau

Die Fabel

Die dramatische Struktur

Der Titel

Die Rolle der Moritaten, Songs und Balladen

Die Rolle der Musik

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

„Liebes“-Konflikt und Personenkonstellation

Jonathan Jeremiah Peachum

Macheath (Mackie Messer)

Jackie Brown (Tiger-Brown)

Polly Peachum

Lucy Brown

Die Spelunken-Jenny

Die Platte

Die Bettler

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Die Stilebenen

Begriffe aus Bibel und Religion

Mittel der sprachlichen Verfremdung

Die Auswirkungen der Parodie

3.7 Interpretationsansätze

Querschnitt eines sozialen Gefüges

Die (noch) fehlende Alternative

Die Dreigroschenoper als Konflikt zwischen Mann und Frau

Die Regulation von Raub, Betrug und Geschäft

4. Rezeptionsgeschichte

Der schwierige Weg zur Uraufführung

Demaskierung oder Verklärung?

Die Verfilmung von 1931

Weitere Verfilmungen und Adaptionen

Der Plagiatsstreit mit Alfred Kerr

Rezeption bis 1945

Rezeption bis heute

Spätere Fortsetzungen und Variationen

5. Materialien

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 *

Aufgabe 2 ***

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 **

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Quellen

Sekundärliteratur

1.Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich jeder Leser in diesem Band rasch zurechtfindet und das für ihn Interessante gleich entdeckt, folgt eine Übersicht.

Im 2. Kapitel wird Bertolt Brechts Leben beschrieben und auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund verwiesen:

Bert(olt) Brecht lebte von 1898 bis 1956. Sein umfangreiches Schaffen umfasst alle literarischen Gattungen, seinen literarischen Durchbruch erlebte er 1924 in Berlin.

Nach Berlin kehrte er 1948 aus dem Exil zurück, in das er 1933 von den Nazis gezwungen wurde, und leitete seit 1949 gemeinsam mit seiner Frau Helene Weigel das weltberühmte Berliner Ensemble (BE), das seit 1954 ein festes Haus im Theater am Schiffbauerdamm bekam.

Ein sensationeller Welterfolg Brechts wurde die Dreigroschenoper (1928, mit der Musik von Kurt Weill); sie richtete sich polemisch gegen die „kulinarische Oper“, wirkte jedoch entgegen Brechts Absicht ähnlich wie diese.

Die Dreigroschenoper gehört zu den sozialkritischen, antikapitalistischen Werken Brechts und richtet sich vor allem gegen das Bürgertum.

Im 3. Kapitel werden eine Textanalyse und -interpretation geboten.

Die Dreigroschenoper – Entstehung und Quellen:

Brechts Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann wurde 1927 auf Londoner Aufführungen von John Gays The Beggar’s Opera (1728) aufmerksam und übersetzte das Werk.

Die Dreigroschenoper wurde Brechts erste Auftragsarbeit (für den Theaterdirektor Ernst Josef Aufricht, zur Eröffnung des Theaters am Schiffbauerdamm, Berlin) und entstand 1928, gemeinsam mit der Musik Kurt Weills.

Dichtungen von François Villon und Rudyard Kipling wurden dabei von Brecht ebenfalls verwendet.

Inhalt:

Der Bettlerkönig Peachum betreibt in London ein Geschäft, das Betteln mit Betrug und Manipulationen zum durchorganisierten Wirtschaftszweig entwickelt. Das Geschäft scheint bedroht, als seine Tochter Polly sich mit dem legendären Gangster Macheath (genannt Mackie Messer) eingelassen hat. Bei der Hochzeit von Polly und Macheath stellt sich auch Londons oberster Polizist, Tiger-Brown genannt, ein. Er und Mackie kennen sich aus der gemeinsamen Soldatenzeit in Indien. Peachum will Mackie beseitigen, denn dessen Verbrechen lenken die Aufmerksamkeit auch auf seine Bettler, und durch Polly bekommt Macheath Einblick in Peachums Geschäfte. – Mackie flieht, nachdem Polly das Geschäft übernommen hat. Doch geht er, wie immer donnerstags, zu seinen Huren und wird von ihnen an die Polizei verraten. Lucy, Browns Tochter, auch eine Geliebte Macheath‘, verhilft ihm zur Flucht; Peachum droht Brown daraufhin, die in London bevorstehenden Krönungsfeierlichkeiten mit seinen Bettlern zu stören. Mackie, der erneut zu seinen Huren geht, wird deshalb auf Browns Befehl wiederum verhaftet und in die Todeszelle gebracht. Doch findet die Hinrichtung nicht statt; ein reitender Bote der Königin verhindert sie und verkündet gleichzeitig Mackies Erhebung in den erblichen Adelsstand samt Rente und Schloss.

Chronologie und Schauplätze:

Der Schauplatz ist das verrufene Soho in einem fiktiven London; die Akteure sind vor allem Verbrecher, Bettler und Huren. Die im 18. Jahrhundert John Gays praktizierten moralischen Grundsätze hatten sich, wie Brecht glaubte, seither wenig geändert, und so sind die „soziologischen Anlässe“ (Brecht)[1] zwischen dem fiktiven London von 1728 bei Gay und dem realen Berlin in der Weimarer Republik von 1928 bei Brecht einander ähnlich.

Aufbau:

Die Fabel bezog Brecht im Wesentlichen von John Gay; den Konflikt zwischen Peachum und Macheath verschärfte er. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Fassungen von 1928 und 1932.

Das Werk ist ein „Versuch im epischen Theater“ und weist Verfremdungseffekte (V-Effekte) auf, die allerdings in einen aristotelischen, also traditionell klassischen Ablauf eingefügt wurden.

Die dramatische Struktur besteht durchgängig aus einem Oben und einem Unten, die gegenseitig durchlässig und austauschbar sind. Es dominiert der Gegensatz von hohem Anspruch (Oper) und polar entgegengesetzter Gossenterminologie (Bettler, Huren).

Die Parallelität von Text und Musik war für Brecht Anlass, in der Dreigroschenoper „den Urtypus einer Oper“ zu sehen, sie wird jedoch wesentlich von Songs bestimmt, die zu den vielfach eingesetzten parodistischen Mitteln gehören.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Jonathan Jeremiah Peachum

Geschäftsmann und „Bettlerkönig”,

strebt nach Herrschaft und Macht,

ein „Schurke im Sinn des älteren Theaters“.

Macheath

genannt Mackie Messer, ca. 40 Jahre,

ein bekannter Krimineller in Soho,

führt seine Bande wie ein Gewerbe,

repräsentiert den Bürger.

Brown

genannt Tiger-Brown, ca. 40 Jahre

befreundet mit Macheath,

sozial als Polizist der Gegensatz zu Macheath, dem Verbrecher,

beteiligt an dessen illegalen Geschäften, daher erpressbar.

Polly Peachum

die ca. 18-jährige[2] Tochter des Bettlerkönigs,

gehört für Peachum zu seinem Betriebskapital,

ihre Liebe zu Macheath ist vorurteilslos,

Widersacherin von Lucy.

Lucy Brown

die ca. 18-jährige Tochter des Polizeipräsidenten,

Geliebte des Macheath,

befreit ihn nach der ersten Verhaftung aus dem Gefängnis,

bestreitet mit Polly den „Kampf um das Eigentum“: Macheath.

Die Spelunken-Jenny

hat eine Parallele in der Songgestalt der Seeräuber-Jenny,

erfahrene ältere Hure,

Macheath war ihr Zuhälter.

Die Platte

österr. Bezeichnung für eine Bande, hier: Verbrecher,

es „sind natürlich gesetzte Männer“,

zeigen „die Nützlichkeit bürgerlicher Tugenden“.

Die Bettler

eine weitgehend anonyme Masse,

nur teilweise die „Armen“, tatsächlich manipuliert,

sind zu kriminellen Machenschaften bereit.

Stil und Sprache Bertolt Brechts:

Das Werk besteht aus einer balladenähnlichen Lyrik (mit Moritaten, Songs, Choräle u. a.)  und einer Prosa, zu der Dialoge, aber auch epische Vorwegnahmen (Überschriften und Spruchbänder) und Regieanweisungen gehören.

Drei Stilebenen bestimmen den sprachlichen Gesamtcharakter: die hohe Sprache einer sozialen Oberschicht, der Jargon der sozialen Unterschicht sowie Sprachmuster der Neuen Sachlichkeit. Die drei Stilebenen werden für die sprachliche Verfremdung verwendet.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

Das Stück bietet den Querschnitt eines sozialen Gefüges, der von Brecht kritisierten bürgerlichen Gesellschaft. Der Mensch lebt in dieser vorgestellten (bürgerlichen) Gesellschaft davon, dass er ständig „den Menschen peinigt, auszieht, anfällt, abwürgt und frißt“ (70).

Eine (sozialistische) Gesellschaftsalternative wie in späteren Stücken Brechts fehlt in der Dreigroschenoper noch.

Nach der Deutung John Fuegis steht im Zentrum des Stückes der Konflikt zwischen Mann und Frau, biografisch zwischen Brecht und Elisabeth Hauptmann.

Eine besondere Spannung ergibt sich aus dem Dreigestirn Macheath – Peachum – Brown. Durch Brown und seine Polizei wird die Zirkulation von Raub, Betrug und Geschäft reguliert.

Rezeptionsgeschichte:

Die Dreigroschenoper wurde 1928 uraufgeführt. Ihre Wirkung war von Beginn an überragend, fiel aber anders aus, als von Brecht beabsichtigt.

Der Theaterkritiker Alfred Kerr erhob kurz darauf Plagiatsvorwürfe, Brecht entschuldigte sich mit seiner „grundsätzlichen Laxheit in Fragen geistigen Eigentums“.

Die Verfilmung von 1931 wurde gegen Brechts Willen ein unpolitisches Unterhaltungsspektakel (vgl. Brechts Dreigroschenprozess, 1932).

Zur Systemkritik des Kapitalismus gelangte Brecht erst im Dreigroschenroman (1934).

1960 wurde das Stück von Erich Engel (dem Regisseur der Uraufführung) im Berliner Ensemble eindrucksvoll inszeniert.

Peter Hacks schrieb mit Polly oder Die Bataille am Bluewater Creek (1963) eine Fortsetzung, Lars von Trier ließ sich für seinen Film Dogville (2003) von Brechts Stück anregen.

Das Stück ist bis heute eines der erfolgreichsten Werke der deutschen Theatergeschichte (z. B. 70 000 Zuschauer bei Karl Maria Brandauers Inszenierung von 2006 mit dem Toten-Hosen-Sänger Campino in der Hauptrolle).

2.Bertolt Brecht: Leben und Werk[3]

Bertolt Brecht (1898–1956) © ullstein bild – ullstein bild

2.1Biografie

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1898

Augsburg

10. Februar, Auf dem Rain 7: Eugen Berthold Friedrich B. wird als Sohn des Kaufmanns und späteren Direktors der Papierfabrik Haindl Berthold B. (1869–1939) und seiner Ehefrau Sophie, geb. Brezing (1871–1920), geboren. 20. März: Taufe in der evangelischen Barfüßerkirche.

1904

Augsburg

Volksschule bei den Barfüßern.

6

1908– 1917

Augsburg

Besuch des Kgl. Bayerischen Realgymnasiums.

10

1912

Augsburg

Konfirmation.

14

1914

Augsburg

Januar: Erscheinen des Stückes Die Bibel. Erste kriegsbegeisterte Gedichte mit Kaiserhuldigung in den Augsburger Neuesten Nachrichten und der München-Augsburger Abendzeitung unter dem Pseudonym Berthold Eugen.

16

1916

Augsburg

Erstmals ein Gedicht (Das Lied der Eisenbahntruppe von Fort Donald) mit dem Namen Bert Brecht veröffentlicht. Beginn der Freundschaft mit dem späteren Bühnenbildner Caspar Neher.

18

1917

Augsburg

Vor Ostern: Not-Abitur.

19

Tegernsee

September: Hauslehrer.

München

Ende September: zieht zu einer Tante Caspar Nehers. 2. Oktober: Immatrikulation an der Philosophischen Fakultät (Literatur- und Theaterwissenschaft), im 2. Semester Wechsel zur Medizin.

1918

München

Januar: Musterung, bis August zurückgestellt.

Augsburg

1. Oktober 1918–9. Januar 1919: Militärdienst, Sanitätssoldat in einem Seuchenlazarett (Lied an die Kavaliere der Station D). Seit November Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, ohne besonders aufzufallen.[4]

1919

Augsburg

Januar/Februar: Trommeln in der Nacht (Spartakus) entsteht. Uraufführung: 29. September 1922. 30. Juli: Frank, Brechts erster Sohn, geboren, Mutter: Paula (Bi) Banholzer. Herbst: Mehrere Einakter entstehen, darunter Die Kleinbürgerhochzeit.

21

1920

Berlin

Erste Berlinreise, März: Rückkehr nach München.

22

München

21. Oktober bis 12. Januar 1921: Theaterkritiken für den Volkswillen (Tageszeitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei).

1921

München

November: Exmatrikulation ohne Abschluss.

23

Berlin

November–April: Zweite Berlinreise. Verlagsverhandlungen. Gedichtsammlung Hauspostille liegt vor. Erscheint erst 1927.

1922

München

Oktober: Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Beschäftigt sich mit dem Marxismus. November: Eheschließung mit Marianne Zoff.

24

Berlin

Kleist-Preis auf Anregung Herbert Jherings für Trommeln in der Nacht. Begegnet erstmals Helene Weigel.

1923

Berlin

Freundschaft mit Arnolt Bronnen, nach dessen Vornamen er sich von nun an „Bertolt“ nennt. Geburt der ersten Tochter Hanne, Mutter: Marianne Zoff.

25

1924

Berlin

Nach Besuchen Capris mit Marianne Zoff übersiedelt er nach Berlin zu Helene Weigel. Dramaturg am Deutschen Theater. Elisabeth Hauptmann wird seine ständige Mitarbeiterin und Geliebte. November: Sohn Stefan wird geboren, Mutter: Helene Weigel.

26

1926

Darmstadt

Uraufführung: Mann ist Mann. Oktober: Beschäftigung mit Marx‘ Das Kapital.

Ende des Jahres: Zehn Gedichte werden zu dem Zyklus Aus einem Lesebuch für Städtebewohner zusammengestellt.

28

1927

Berlin

Preisrichter in einem Lyrik-Wettbewerb. Beginn der Zusammenarbeit mit Kurt Weill. Songspiel Mahagonny (Uraufführung: 17. Juli in Baden-Baden).

29

London

Zusammenarbeit mit Erwin Piscator.

Berlin

Elisabeth Hauptmann wird durch die englische Presse auf John Gays The Beggar’s Opera aufmerksam und übersetzt bis Anfang 1928 den Text.

1928

Saint-Cyr-sur Mer

10. Mai–13. Juni: Mit Helene Weigel, Kurt Weill, dessen Frau Lotte Lenya Arbeit an der Dreigroschenoper. 23. August: Schlussdatum in WeillsPartiturautograph.

30

Berlin

Der Verlag Felix Bloch Erben veröffentlicht den Text unter dem Titel The Beggar’s Opera/Die Luden-Oper.31. August: Uraufführung der Dreigroschenoper am Theater am Schiffbauerdamm. 16. September: Scheidung von Marianne Zoff.

1929

Berlin

8. Februar: Uraufführung der Kleinen Dreigroschenmusik von Kurt Weill,einer Suite aus der Oper, in einem Konzert der Berliner Kroll-Oper (Dirigent: Otto Klemperer). 10. April: Eheschließung mit Helene Weigel. Selbstmordversuch Elisabeth Hauptmanns, Bruch Marieluise Fleißers mit Brecht.3. Mai: Im Berliner Tageblatt erscheint Alfred Kerrs Artikel Brechts Copyright mit dem Vorwurf des Plagiats. Mai: Bekanntschaft mit Walter Benjamin.

31

1930

Leipzig

9. März: Uraufführung: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny; Musik: Kurt Weill. 28. Oktober: Geburt der Tochter Barbara (Mutter: Helene Weigel). 13. Dezember: Uraufführung des Lehrstücks Die Maßnahme.

32

1931

Berlin

19. Februar: Filmpremiere: Die Dreigroschenoper (Regie: Georg Wilhelm Pabst). Herbst: Dramatisierung von Maxim Gorkis Roman Die Mutter.

33

1932

Berlin

Lernt bei den Proben zur Mutter Margarete Steffin kennen, die seine Mitarbeiterin und Geliebte wird. Kauft einen Landsitz am Ammersee. Mai: Besuch in Moskau zur Uraufführung des Films Kuhle Wampe, trifft Sergej Tretjakow.

34

1933

28. Februar: B. verlässt nach dem Reichstagsbrand mit Helene Weigel und Sohn Stefan Deutschland, emigriert über die Tschechoslowakei, Österreich, Schweiz (Begegnung mit Anna Seghers, Alfred Döblin, Kurt Kläber und Bernard von Brentano), Frankreich nach Dänemark (Einladung durch die Schriftstellerin Karen Michaelis).

35

Skovsbostrand

August: B. kauft ein Haus in Skovsbostrand bei Svendborg. Lernt die Schauspielerin Ruth Berlau kennen, die seine Mitarbeiterin und Geliebte wird.

Paris 

Mit Margarete Steffin Vorbereitung des Zyklus Lieder, Gedichte, Chöre.

1934

Skovsbostrand

Hanns Eisler und Walter Benjamin zu Besuch.

36

London

Oktober–Dezember: Zusammenarbeit mit Leo Lania an einem Film über Semmelweiß.

1935

Moskau

Frühjahr: Reise nach Moskau. Begegnung mit Sergej Tretjakow, Carola Neher und anderen. 8. Juni: Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft „wegen Schädigung der deutschen Belange und Verstoßes gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk“ (Veröffentlichung am 11. Juni im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger).

37

Paris

7. Oktober: Reise zu Proben zur Mutter. 19. November Premiere.

New York

21. bis 25. Juni: Mit Karen Michaelis nimmt B. am I. Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur teil. 7. Oktober: Reise zu Proben zur Mutter. 19. November Premiere.

1936

London

Arbeitet mit Fritz Kortner.

38

Skovsbostrand

August: Besuch Benjamins.

1937

Paris

28. September: Auf Initiative Aufrichts Erstaufführung der Dreigroschenoper.

39

Sanary-sur-Mer

Oktober: Besuch bei Feuchtwanger.

1938

Paris

Proben für Furcht und Elend des Dritten Reiches. 21. Mai: Uraufführung (Musik: Paul Dessau). Zusammenstellung der Svendborger Gedichte. Erste Fassung von Leben des Galilei.

40

1939

Stockholm

April/Mai: Übersiedlung nach Schweden. Juli: Zieht in ein Landhaus auf der Insel Lidingö. Schreibt Mutter Courage und ihre Kinder (Uraufführung 1941 in Zürich).

41

1940

Helsinki

17. April: Siedelt mit der Familie und Margarete Steffin nach Finnland über. Auf Einladung der finnischen Schriftstellerin Hella Wuolijoki Übersiedlung auf das Gut Marlebäck, dorthin folgt auch Ruth Berlau.

42

1941

Moskau

Mai: B. trifft mit seiner Familie, Margarete Steffin und Ruth Berlau in Moskau ein. Erkrankung der Steffin, die bald darauf stirbt. Juni: Nach Wladiwostok und Abreise in die USA.

43

Los Angeles

21. Juli: Ankunft in San Pedro (Hafen von L. A.). August: Umzug nach Santa Monica, erfolglose Arbeit an Filmszenarien.

1942

Santa Monica

Zusammenarbeit mit Hanns Eisler, dem Regisseur Fritz Lang und Lion Feuchtwanger. Juni: Szenen aus Furcht und Elend des Dritten Reiches werden in deutscher Sprache aufgeführt. Es entstehen die Hollywood-Elegien.

44

1943

New York

Lebt für drei Monate, Ende des Jahres für vier Monate bei Ruth Berlau.

45

Zürich

Uraufführung des Stücks Der gute Mensch von Sezuan (Februar) und Leben des Galilei (September).

1944

Santa Monica

Mit Charles Laughton Arbeit an einer amerikanischen Fassung des Galilei.

46

1945

Santa Monica

Beginnt die Versifizierung des Kommunistischen Manifestes.

47

New York

Mai: Zwei Monate Aufenthalt bei Ruth Berlau. Aufführung: Furcht und Elend des Dritten Reiches.

1946

New York

Drei Monate, u. a. Besuch bei Ruth Berlau in der Klinik (Nervenzusammenbruch). Zusammenarbeit mit W. H. Auden.

48

1947

Hollywood

30. Juli: Premiere des Galileo. Mitte September: Vorbereitung der Abreise. 30. Oktober: Verhör vor dem Ausschuss für unamerikanische Betätigung. Verlässt einen Tag später die USA in Richtung Paris.

49

Paris

1.–5. November: Begegnung mit Anna Seghers.

Zürich

5. November: Ankunft, am nächsten Tag Besuch im Zürcher Schauspielhaus. Trifft mit Carl Zuckmayer, Erich Kästner, Werner Bergengruen und Max Frisch – ihre Beziehung wird intensiv – zusammen.

1948

Chur

Inszenierung der Bearbeitung der Antigone des Sophokles. Uraufführung am 15. Fbruar.

50

Zürich

5. Juni: Uraufführung von Herr Puntila und sein Knecht Matti.

Prag

17. Oktober: Über Prag nach Berlin.

Bad Schandau

22. Oktober: Begrüßung durch Ludwig Renn und andere.

Berlin

12. Dezember: Mit Wolfgang Langhoff Absprache über ein eigenes Ensemble im Deutschen Theater.

1949