Der Glückliche - Hansjörg Schertenleib - E-Book

Der Glückliche E-Book

Hansjörg Schertenleib

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Beschreibung

Der Jazztrompeter This Studer wird von seinem Freund Henk nach Amsterdam eingeladen, um mit dessen Quintett einige Konzerte im Kapitein Bird zu spielen. Gemeinsam mit seiner Frau Daniela lässt sich This durch die Grachtenwelt treiben und zeigt ihr seine geheimen Lieblingsorte der Stadt. Eines Nachts trifft er auf einen Hund, der ihn an die Schuld erinnert, die er als Kind auf sich geladen hat. Als er sie begleichen will, steht für einen Augenblick die Zeit still ... Hansjörg Schertenleibs lebenszärtliche Fabel erzählt in federleichter, poetischer wie präziser Sprache von Glück, Liebe, Freundschaft, Musik und den niemals auszulöschenden Spuren der Erinnerung.

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Hansjörg Schertenleib

Die Glückliche

Novelle

Kampa

Per Capitano,

dal Häuptling

Fortuna caeca est.

Cicero

I

1

Der Nachtzug der Schweizerischen Bundesbahn fuhr zielstrebig Richtung Norden, so gewöhnlich beginnt unsere Geschichte.

Die Lichter hinter den Fenstern der Waggons schrieben eine Linie in die Dunkelheit, die bald schnurgerade und bald geschwungen verlief und die sich, aus großer Höhe betrachtet, wie eine leuchtende Schlange durch die finstere Landschaft wand. Der Mann, mit dem wir uns näher befassen wollen, stand auf dem Gang des zweitvordersten Schlafwagens, eine Flasche Mineralwasser in der Hand, deren Plastik jedes Mal knackte, wenn er daraus trank. Auf den ersten Blick wirkte er jünger, als er war. Das lag einerseits an seiner Kleidung, die, obwohl für Jüngere gedacht, perfekt saß, vor allem jedoch an seiner aufrechten, selbstbewussten Haltung, die vermuten ließ, dass er regelmäßig Sport trieb. Dabei ist This Studer, so heißt der Mann, den wir auf seiner Reise begleiten, ein träger, ein fauler Mensch, der sich gar nicht gern bewegt. Und auf den zweiten Blick sehen wir ihm seine 48 Jahre auch durchaus an.

Im Übrigen ist nichts Besonderes an ihm. Sollen wir trotzdem versuchen, ihn zu beschreiben? Er gehört zu den Menschen, an deren Aussehen man sich nicht genau erinnern kann, obwohl er eigentlich kein Allerweltsgesicht hat. Oder doch? Man erinnert sich allenfalls an den Höcker auf seinem Nasenrücken, an seine spitzen Koteletten oder daran, dass er groß und kräftig ist und sich beim Gehen leicht nach vorne neigt wie ein Skispringer, der im Begriff ist, vom Schanzentisch abzuheben. Das Auffälligste an ihm ist sicherlich sein Lächeln, das wohl die Ursache der Falten und Fältchen ist, die sich wie ein Kranz um seine Augen ausbreiten. Oder bildet man sich diese Falten, diese Narben der Fröhlichkeit, in der Erinnerung etwa bloß ein? Es gibt Menschen, die sein Lächeln, das weder dümmlich noch einfältig ist, nicht ertragen und abweisend, ja verärgert auf This Studer reagieren. Sie fühlen sich von ihm auf den Arm genommen, ausgelacht oder gar verhöhnt. Was hat der Kerl zu lachen, wundern sie sich? Weiß er etwas, was ich nicht weiß? Warum geht es ihm besser als mir? Jemand, der immer gut gelaunt ist, ist eine Herausforderung, jemand, der immer lächelt, eine Zumutung. Was gibt es Schlimmeres als das Glück des anderen? Nicht, dass wir uns über sein Unglück freuen, aber wir brauchen es, um unser eigenes zu tragen.

 

Vor den Fenstern flogen Bahnhöfe vorbei, Dörfer. Die Landschaft war längst in Dunkelheit versunken, der Nachthimmel kaum hell genug, sich vom Horizont abzuheben. Weit entfernt stand die weiche Linie eines Hügelzuges wie ausgeschnitten auf dem rötlichen Gegenschein einer Stadt. Hin und wieder trieben Lichter abgelegener Höfe durch den schwarzen Raum, und wenn sie über Weichen fuhren, knackten die Waggons, als breche der Zug auseinander.

This Studer liebte es, mit der Bahn zu reisen. Es hob ihn aus der Zeit und gab ihm die Gelegenheit, seine Gedanken ziellos von da nach dort schweifen zu lassen. Er war derart in Gedanken versunken, dass er den Mann, der aus einem der Schlafabteile auf den Gang hinaustrat, erst bemerkte, als er neben ihm stand und ihn ansprach.

–Können Sie auch nicht schlafen?, wollte der Mann wissen.

–Ich bin nicht müde.

–Ich bin immer müde. Aber schlafen kann ich trotzdem nicht.

Der Mann zog einen Flachmann aus der Brusttasche seines Sakkos und schwenkte ihn auffordernd hin und her.

–Wollen Sie?

This Studer schüttelte den Kopf. Die Augen des Mannes waren mit einem feuchten Schleier belegt, vielleicht hatte er geweint. Seine stark aufgewölbten Brauenwülste gingen über in eine fliehende Stirn, die ihm ein gehetztes Aussehen gab. Vor den Fenstern drehten Lichter einer Neubausiedlung vorüber.

–Ein Schlückchen, kommen Sie! Hat noch keinem geschadet.

Der Mann schraubte den Deckel ab, der zugleich als Becher diente, füllte ihn und reichte ihn This Studer.

–Schnaps?

–Grappa. Jetzt nehmen Sie schon!

Die Flüssigkeit rann brennend durch seinen Hals und verbreitete angenehme Hitze in Brust und Magen.

–Da wird Ihnen doch gleich warm ums Herz, was?, fragte der Mann und nahm selbst einen tiefen Schluck.

Die Tür am Ende des langen Ganges schob sich auf, und eine Gruppe Japaner kam auf sie zu. Alle Männer trugen dieselben dunkelblauen Anzüge, die Frauen, ihre Kostüme wirkten wie Uniformen, senkten beschämt die Köpfe und gaben sich Mühe, nicht mit den beiden in Berührung zu kommen, als sie sich an ihnen vorbeidrängten.

–Die sind mittlerweile überall, sagte der Mann, nachdem die Gruppe den Waggon wieder verlassen hatte.

–Mich stören sie nicht.

–Mich auch nicht. Sind aber trotzdem überall. Ob sie mich nun stören oder nicht. Japaner! Einer wie der andere!

–Genau wie wir.

–Sind Sie geschäftlich unterwegs?

This Studer nickte. Er mochte es nicht besonders, über seinen Beruf zu reden. Klang »Jazztrompeter« nicht affektiert und angeberisch? Es fiel ihm leichter, von den Musikstunden zu erzählen, die er gab, oder von seinen drei, vier begabten Schülern zu schwärmen. Er war ein guter Trompetenlehrer, weil er eigentlich kein Lehrer war. Wie man unterrichtet, wusste er nicht, aber er wusste, wie er die Leidenschaft für die Trompete entfachte und am Leben erhielt. Er brachte den Schülern bei, jeden Ton mit einer Erinnerung zu verbinden und so direkt mit ihren Gefühlen kurzzuschließen. Außerdem war er ein guter Lehrer, weil er Schülern, die kein Talent hatten, nie falsche Hoffnungen machte.

–Lassen Sie mich raten! Architekt! Sie fahren nach Amsterdam, weil einer Ihrer Entwürfe ausgewählt worden ist. Stimmt’s?

–Ich bin Musiker.

–Künstler! Hab ich’s nicht gesagt! Darf man fragen, welches Instrument? Wie ein Sänger sehen Sie nicht aus.

–Trompeter.

–Trompeter! Klassisch? Nein, warten Sie! Sie spielen in einem Tanzorchester.

–Jazz.

–Sag ich doch! Künstler! Das hab ich doch sofort gesehen.

–Künstler, ich weiß nicht …

–Treten Sie in Amsterdam auf?

–Ein Freund von mir leitet ein Quintett. Sein Trompeter hatte einen Unfall …

Als ihn Henk Scharpenzeel, der Pianist, mit dem er seit vielen Jahren befreundet war, angerufen hatte, um ihn zu fragen, ob er Zeit und Lust habe, eine Woche lang mit seinem Quintett im Kapitein Bird zu spielen, weil sein Trompeter Kees van Dijk nach einem Motorradunfall mit gebrochenem Handgelenk im Krankenhaus lag, hatte This Studer sofort zugesagt.

–Und wo treten Sie auf?

–In einem Club in der Nähe vom Bahnhof.

–Hat dieser Club einen Namen?

–Kapitein Bird.

–Also, ich halte ja nicht viel von Jazz. Aber jetzt, wo ich Sie kennengelernt habe! Wann genau spielen Sie denn in diesem Kapitein Bird?

–Die ganze nächste Woche. Und Sie? Was arbeiten Sie?

–Ich? Vertreter. Kosmetika. Wir haben Cremes für die Schönheit, Cremes für die Jugend, Cremes für die Hände, die Füße und fürs Gesicht. Cremes gegen Falten und gegen Augenringe. Ich reise mit Lippenstift, Bodylotions und Babypuder. Aber jetzt mach ich erst mal Urlaub. Kennen Sie das Krasnapolsky? Meine Frau hat natürlich keinen Schimmer, dass das Hotel gleich neben dem Viertel mit den Damen liegt, wenn Sie wissen, was ich meine! Sie sind ja bestimmt auch alleine unterwegs, oder?

–Nein, mit meiner Frau.

–Mit Ihrer Frau! Sie Glückspilz! Die Liebe ist ein Märchen.

–Und im Märchen, sagte This Studer, im Märchen ist alles möglich.

2

Seine Frau Daniela lag auf dem unteren Bett, rücklings, mit ausgebreiteten Armen, die Decke ans Fußende gestrampelt, wehrlos und voller Vertrauen. Als er neben ihr niederkauerte, schlug sie die Augen auf.

–Wo bist du gewesen?

–Kerosin Budnitz hat dich bewacht.

–Kero … heißt du heute nicht Gasparus Gasparius?

–Seit zehn Minuten nicht mehr. Seit zehn Minuten bin ich Kerosin Budnitz. Er hat dich bewacht.

–Bewacht?

–Beschützt.

–Wo sind wir?

–Irgendwo in Deutschland.

–Legst du dich zu mir?

–Das wird dir wohl nicht erspart bleiben.

–Da hab ich ja noch mal Schwein gehabt.

–Allerdings. Wir könnten das zweite Bett vermieten.

–Gute Idee.

–An eine junge Frau. Eine Rothaarige mit …

–An den jungen Schaffner!

–Ich könnte mich nach oben legen!

–Oder ich!

–Wir legen uns beide ins obere Bett und vermieten das untere!

–Komm endlich.

Er zog sich aus, stieg über Daniela hinweg und schmiegte sich an ihren Rücken, beide Arme um sie gelegt. Dann schob er ihre Haare zur Seite, als teilte er einen Vorhang, und küsste ihren Nacken, der von einem zarten Schweißfilm bedeckt war.

–Morgen zeig ich dir, wo es die besten Poffertjes in ganz Amsterdam gibt.

–Ich mag keine Poffertjes.

–Diese wirst du lieben.

–Wie heißt du noch mal?, fragte sie schläfrig.

–Budnitz.

–Und mit Vornamen?

–Kerosin, sagte er und zog die Decke über sie.

–Ein blöder Name.

–Saublöd!

–Freut mich trotzdem, Sie kennenzulernen, Kerosin Budnitz.

–Ganz meinerseits. Ich handle übrigens mit Treibstoffen aller Art. Falls Sie interessiert sind – Sie wissen ja, wo Sie mich finden.

–Treibstoff? Da bin ich aber froh.

–Fahren Sie auch bis Amsterdam?

–Hm, vielleicht, murmelte sie, mal sehn.

Kurz darauf war sie eingeschlafen. Er presste sein Gesicht in ihre Haare und sog den Geruch ein, den er über alles liebte und den er manchmal in der Nase hatte, wenn er von ihr getrennt war. Gerüche haben keine Namen, und wir sind auf Vergleiche angewiesen, um sie zu beschreiben, darum vergessen wir sie nicht, darum ist der Geruchssinn der beste Hüter unserer Erinnerung. Danielas Haar roch nach Vanille und Sommer, selbst im Frühling, wenn es seit Tagen schüttete und ein kalter Wind den letzten Schnee von den Trottoirs fegte. Das Bett war nicht nur schmal, es war auch kurz, und seine Füße berührten das kühle Glas. Natürlich hat jede Geschichte einen Anfang, aber erinnern wir uns nicht besonders gern und deutlich an den Anfang einer Liebesgeschichte? Auf der durchlässigen Grenze zwischen aufgekratzter Müdigkeit und schläfriger Aufregung sah sich This Studer noch einmal das Töpferatelier in Ftan betreten: Er ist achtundzwanzig und mit seiner Band Torso für drei Gigs im Engadin, sie haben in Sils und Pontresina gespielt, an diesem Abend treten sie in Scuol auf. Wir kennen das Licht, das in dem Töpferatelier herrscht, aus den Gemälden flämischer Meister: fuchsbraun, golden, ein Licht wie am Anbeginn der Welt. Für ein Geschäft, in dem etwas verkauft werden soll, ist es verblüffend dunkel in dem Gewölbe; die Schalen, Schüsseln, Tassen und Teller aber, die auf unbehandelten Holzregalen stehen, leuchten derart intensiv, dass er sie berühren muss. Ihre Farben und ihre Lasur sind etwas ganz Besonderes, das sieht selbst er, der keine Ahnung hat vom Geschäft des Töpferns. Die eine Tasse, sie hat die Farbe des Sommerhimmels in den Bergen, ist so zart, dass es ihn erstaunt, nicht durch sie hindurchsehen zu können. Sie besteht aus Nichts, umfasst Nichts. Darf man daraus trinken? Und was? Luft? Das Licht? Ist sie nicht eher dafür gemacht, Musik auf ihr zu spielen, unhörbare Musik? Er muss sie haben. Die junge Frau, die an einem Tischchen in der Ecke sitzt, bemerkt er erst, als sie sich räuspert.

–Das ist die schönste Tasse, die ich je gesehen habe.

–Ich hab schon schönere gemacht.

–Was kostet sie?

–Was willst du denn daraus trinken?

–Weiß ich noch nicht.

–Kaffee?

–Hast du was gegen Kaffee?

–Gar nicht. Aber vielleicht meine Tasse.

–Wahrscheinlich stell ich sie zu meinen Lieblingssachen.

–Es ist eine Teetasse.

–Ich mag Tee nicht besonders. Was kostet sie?

–Was ist sie dir denn wert?

–Das weiß ich noch nicht.

–Machst du Ferien in Ftan?

–Ich bin in einer Band. Wir spielen heute Abend in Scuol.

–Was macht ihr für Musik?

–Jazz-Rock.

–Rock?

–Also eigentlich mehr Jazz als Rock.

–Und welches Instrument spielst du?

–Trompete.

–Ich kann Jazz nicht ausstehen. Und Trompete, also Trompete find’ ich grässlich!

Ihre Hände sind viel zu groß, gehören zu einer anderen Frau. Sie hat Dreck unter den kurzgeschnittenen Fingernägeln, ihr Wollpulli ist voller Löcher. Sie ist barfuß und trägt einen Zehenring aus zwei ineinander verschlauften Silberbändern. Er ist auf der Stelle in sie verliebt. Und sie in ihn. Das sieht er, obwohl er damals noch keine Erfahrung hat mit Frauen.

 

Und die Tasse? Er hat damals dreißig Franken für sie bezahlt, ohne mit der Wimper zu zucken, auch wenn er den Preis unverschämt hoch fand. Die Tasse stand lange Zeit auf dem Bücherregal neben seinen anderen Lieblingssachen, neben Steinen und Muscheln von Ferienreisen, seinem allerersten Mundstück und dem Ticket für ein Miles-Davis-Konzert, aber seit einigen Jahren hat sie ihren festen Platz auf dem Fenstersims seines Musikzimmers, wo sie mit dem Sonnenlicht spielt und ihn an den Augenblick erinnert, an dem er seine Frau kennenlernte. Daraus getrunken hat er nie, weder Kaffee noch Tee.

 

Später versank er in Halbträumen, die ihm aber einer wie der andere entglitten, gestört durch das Halten und Anfahren des Zuges, verwehte Lautsprecherdurchsagen und Türenschlagen. Einmal lag er in einem Kanu aus Holz, das einen Fluss hinabtrieb, vorbei an Feuern, die am Ufer brannten, denn es war Nacht, weiter und immer weiter flussabwärts trieb er, bis das Kanu aus der Strömung geriet und vor einer Kurve stehen blieb. Was mag hinter der Biegung liegen, fragte er sich, schreckte hoch, hörte die Stimmen anderer Fahrgäste, die durch den Gang gingen und mit ihrem Gepäck gegen die Wand ihres Abteils stießen, und ließ sich in den nächsten Halbtraum gleiten. Er begegnete Fischen aus Glas, einem Lehrer von früher, ging auf einem Weg, auf dem sich nichts bewegte, nur der Weg selbst, sah Schneegestöber, Schmetterlinge, groß wie aufgeschlagene Bücher, und seinen Großvater, die verbeulte Trompete im Schoß, bis er die eigene Zunge verschluckte, im Traum war sie gelb und weich wie ein Federkissen, weshalb er entschlossen aus den verwischten Bildern an die Oberfläche seines Bewusstseins auftauchte, sich aufsetzte und benommen auf ein Perron hinausblickte, das im Licht der Neonröhren wie eine Bühne wirkte. Die Bahnhofsuhr, sie hing direkt vor ihm, zeigte drei Uhr zwölf. Am Ende des Bahnsteiges, dort, wo die Dunkelheit begann, stand eine Frau. Sie redete auf zwei Hunde ein, die sie musterten, zwischendurch aufgeregt balgten und mit den Schwänzen wedelten, die Schnauzen offen, die Gebisse spielerisch ineinander verkeilt. Hinter der Frau schimmerten silbern Schienenstränge. Und dann, der Zug setzte sich eben mit einem Ruck in Bewegung, hob die Frau einen Spazierstock und ließ ihn auf den Rücken des kleineren Hundes niedersausen.

3

Wir schauen durch die staubigen Fenster der Centraal Station auf den Vorplatz hinaus: Da stehen sie, This Studer und seine Frau, und warten. Die Sonne hat sich bereits auf die obersten Etagen der Häuser gelegt und lässt Türme und Dachfirste aufgleißen, dabei hat der Tag doch eben erst angefangen. Der Himmel, hoch und weit, spannt seine blauen Segel auf, als möchte er sich mitsamt der ganzen Stadt davonmachen. This Studer atmet gierig die frische Luft ein, reckt und streckt sich, den Kopf in den Nacken geworfen. Erinnert er nicht an einen Jäger, der Witterung aufnimmt? Er flöge wohl gern mit den Tauben über die Dächer, das Gefieder ausgebreitet, hoch hinaus auf den Bändern der Wolken. Er lacht, streckt die Arme in die Höhe, dreht sich im Kreis. Was für ein Tag! Sie sind in Amsterdam! Fast zerreißt es ihn vor Tatendrang. Daniela ist auch darum mit ihm zusammen: Seine