Der Hexer von Hymal, Buch VIII: Freund und Feind - N. Bernhardt - E-Book

Der Hexer von Hymal, Buch VIII: Freund und Feind E-Book

N. Bernhardt

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Beschreibung

Die Fortsetzung des Fantasy-Epos. Nach diesem Hochzeitsfest hält den Jungen nichts mehr in Sinál. Auf der eigenen Burg gibt es ohnehin genug zu tun. Auch nach Skingár führen ihn die Geschäfte, wo der Nekromant natürlich wieder eine Lektion parat hat. Diesmal läuft jedoch so einiges anders. Ist der Graf von Skingár wirklich, wer er zu sein vorgibt? Führt es nicht doch Übles im Schilde oder wollen andere Mächte den Adepten manipulieren? Es gilt, eine wichtige Entscheidung zu treffen, die den Werdegang des Jungen entscheidend verändern kann. Null Papier Verlag

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2025

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N. Bernhardt

Buch VIII: Freund und Feind

Der Hexer von Hymal

N. Bernhardt

Buch VIII: Freund und Feind

Der Hexer von Hymal

Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2024Klosterstr. 34 · D-40211 Düsseldorf · [email protected] 2. Auflage, ISBN 978-3-954183-82-1

null-papier.de/neu

Inhaltsverzeichnis

Ers­tes Ka­pi­tel: Gro­ße Plä­ne

Zwei­tes Ka­pi­tel: Be­schwö­rung für An­fän­ger

Drit­tes Ka­pi­tel: Be­schwö­rung für Fort­ge­schrit­te­ne

Vier­tes Ka­pi­tel: Be­schwö­rung für Verzwei­fel­te

Fünf­tes Ka­pi­tel: Ver­dien­te Stra­fe

Sechs­tes Ka­pi­tel: Der Tag da­nach

Sieb­tes Ka­pi­tel: End­lich Meis­ter!

Aus­blick

Der Hexer von Hy­mal

Der Hexer von Hy­mal, Buch I: Ein Jun­ge aus den Ber­gen

Der Hexer von Hy­mal, Buch II: Der Un­ter­gang des Fürs­ten­tums

Der Hexer von Hy­mal, Buch III: Eine Rei­se in den Sü­den

Der Hexer von Hy­mal, Buch IV: Ein ta­len­tier­ter Schü­ler

Der Hexer von Hy­mal, Buch V: Rück­kehr ins Un­be­kann­te

Der Hexer von Hy­mal, Buch VI: Die Fes­tung im Fein­des­land

Der Hexer von Hy­mal, Buch VII: Der leid­li­che Her­zog

Der Hexer von Hy­mal, Buch VIII: Freund und Feind

Der Hexer von Hy­mal, Buch IX: Kein leich­tes Spiel

Der Hexer von Hy­mal, Buch X: Schuld und Schmach

und wei­te­re …

Nach die­sem Hoch­zeits­fest hält den Jun­gen nichts mehr in Sinál. Auf der ei­ge­nen Burg gibt es oh­ne­hin ge­nug zu tun. Auch nach Skingár füh­ren ihn die Ge­schäf­te, wo der Ne­kro­mant na­tür­lich wie­der eine Lek­ti­on pa­rat hat.

Dies­mal läuft je­doch so ei­ni­ges an­ders. Ist der Graf von Skingár wirk­lich, wer er zu sein vor­gibt? Führt es nicht doch Übles im Schil­de oder wol­len an­de­re Mäch­te den Adep­ten ma­ni­pu­lie­ren? Es gilt, eine wich­ti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen, die den Wer­de­gang des Jun­gen ent­schei­dend ver­än­dern kann.

Website

Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zur Rei­he und zum Au­tor fin­den Sie un­ter:

hy­mal.info

Erstes Kapitel: Große Pläne

Nik­ko wäre es lie­ber, wenn er sich gar nicht mehr an die ver­gan­ge­ne Nacht er­in­nern könn­te, wie da­mals im Freu­den­haus von Zun­daj. Doch ganz so be­trun­ken war er dies­mal nicht ge­we­sen. Lei­der. Sonst könn­te er ja al­les auf den Rausch schie­ben.

Er hät­te sich ver­wei­gern kön­nen. Nein, er hät­te sich ver­wei­gern müs­sen! Auch wenn die Her­zo­gin ihn ziem­lich über­rum­pelt hat­te. Was war bloß in die Frau ge­fah­ren? Und warum hat­te er mit­ge­macht?

Oje! Wie war er nur schon wie­der in einen sol­chen Schla­mas­sel ge­ra­ten? Gera­de Fy­dal so et­was an­zu­tun, war un­ver­zeih­lich. Wie soll­te er dem Freund und Gön­ner je wie­der in die Au­gen se­hen kön­nen?

Es war nun schon ge­gen Mit­tag des Ta­ges nach dem großen Fest. Nik­ko hat­te sich in sei­ner Kam­mer im Turm ver­kro­chen und ver­spür­te kei­ner­lei Ver­lan­gen, die­se je wie­der zu ver­las­sen. Er woll­te nie­man­den se­hen, mit nie­man­dem spre­chen. Es war schlimm ge­nug, sich selbst er­tra­gen zu müs­sen.

Was soll­te er nun ma­chen? Ewig konn­te er ja nicht in sei­nem Quar­tier blei­ben. Doch lie­fe er drau­ßen stets Ge­fahr, dem Her­zog über den Weg zu lau­fen. Oder, viel schlim­mer noch, des­sen Ehe­frau.

Nein, hier in Sinál konn­te er nicht blei­ben. Er muss­te weg. Weit weg. Am bes­ten so­fort. Es hielt ihn hier ja auch kein Amt. Pe­ryn­dor hat­te ihm den Pos­ten des Hof­ma­giers schließ­lich weg­ge­schnappt. Zwar hat­te der Adept Fy­dal ver­spro­chen, am Hofe zu blei­ben, aber der Jun­ge wür­de schon ir­gend­ei­ne Aus­re­de fin­den.

Hal­fuár oder doch gleich Skingár? Eine schwie­ri­ge Ent­schei­dung. In Skingár wäre es leich­ter, et­was Ab­stand zu ge­win­nen und all das Ge­sche­he­ne zu ver­ges­sen. Doch hat­te er schon den gan­zen Som­mer dort ver­bracht. Hal­fuár hin­ge­gen war sein ei­gent­li­ches Heim. Dort war er es, der das Sa­gen hat­te. Aber könn­te er auf der ei­ge­nen Burg den Kopf über­haupt wie­der frei­be­kom­men?

Nik­ko hat­te sich erst im Tele­por­traum ent­schie­den, zu­nächst nach Hal­fuár zu rei­sen. Ohne ein Ab­schieds­wort hat­te er sich in den Kel­ler des Turms ge­schli­chen und dort den Zau­ber ge­wirkt. Da­ran, dass man ihn ver­mis­sen könn­te, hat­te er da­bei kaum einen Ge­dan­ken ver­schwen­det.

Nun war er also wie­der auf der ei­ge­nen Burg. Weit ge­nug weg von Sinál. Doch wür­den ihn die Ge­schäf­te hier nicht un­ent­wegt an Fy­dal er­in­nern? Die Zeit heilt so man­che Wun­den, mach­te er sich Mut. We­nigs­tens brauch­te er hier nicht zu fürch­ten, dem Her­zog über den Weg zu lau­fen. Das muss­te fürs Ers­te Er­leich­te­rung ge­nug sein.

Der Adept ver­spür­te noch im­mer kei­ne Lust, je­man­den zu se­hen und schlich sich so hin­auf auf sein Zim­mer, wo ihm nur der un­to­te Die­ner Ge­sell­schaft leis­ten wür­de. Mor­gen hät­te er dann hof­fent­lich die Kraft, sich selbst um die Ge­schäf­te der Burg zu küm­mern. Er soll­te schließ­lich den An­schein von Nor­ma­li­tät wah­ren. Hier in Hal­fuár brauch­te ja nie­mand zu wis­sen, warum er aus Sinál ge­flo­hen war.

In sei­ner Turm­kam­mer hat­te sich nichts ver­än­dert. Das war auch so zu er­war­ten ge­we­sen. Im­mer­hin be­wach­te der Un­to­te die­se seit vie­len Mo­na­ten. Nun, da der Jun­ge hier wie­der län­ge­re Zeit woh­nen wür­de, könn­te man das Ge­mach ein­mal or­dent­lich sau­ber ma­chen und viel­leicht auch et­was ver­schö­nern. Oder soll­te er als Bur­gherr und Graf sich nicht oh­ne­hin ein an­ge­mes­se­ne­res Do­mi­zil im Haupt­haus su­chen?

We­nigs­tens einen Au­gen­blick lang hat­te ihn die­se Fra­ge von der ei­ge­nen Scham ab­ge­lenkt. Lei­der eben nur einen Au­gen­blick. Seuf­zend hol­te Nik­ko sei­ne un­to­te Rat­te aus dem Ruck­sack und kraul­te ihr den Kopf. Heu­te war mit dem Adep­ten wirk­lich nichts mehr an­zu­fan­gen. Am bes­ten, er ver­such­te jetzt erst ein­mal, sich or­dent­lich aus­zu­schla­fen. Zu sehr steck­ten ihm die Ge­scheh­nis­se des gest­ri­gen Ta­ges noch in den Kno­chen.

Nik­ko fühl­te sich er­staun­lich wohl, als er am nächs­ten Mor­gen auf­wach­te. Er muss­te über einen hal­b­en Tag lang ge­schla­fen ha­ben und hat­te die Er­ho­lung of­fen­bar auch bit­ter nö­tig ge­habt. Jetzt aber ging es ihm wie­der bes­tens. Mit kla­rem Kopf woll­te er nun lie­ber für die Zu­kunft pla­nen, als sich von den Pein­lich­kei­ten der Ver­gan­gen­heit wei­ter­hin die Lau­ne ver­der­ben zu las­sen.

Vi­el­leicht war ja al­les bes­ser so, wie es letzt­lich ge­kom­men war. Im­mer­hin war die Burg sein neu­es Heim. Zu oft war er ihr schon fern ge­blie­ben. Zu lan­ge hat­te er ihr Schick­sal in die Hän­de an­de­rer ge­legt. Er war hier der Herr und wür­de sich fort­an um ihre Ge­schi­cke küm­mern.

Hof­ma­gier? Pah! Soll­te der eit­le Pe­ryn­dor sich doch in die­ser Rol­le ge­fal­len! Der jun­ge Adept hat­te Bes­se­res zu tun. Er wür­de es al­len zei­gen und Hal­fuár aus eig­ner Kraft zu al­ter Blü­te füh­ren. Au­ßer­dem gab es noch im­mer un­end­lich viel zu ler­nen, um spä­ter ein großer Meis­ter zu wer­den.

Ja, es war gut, dass die­ser Kelch an ihm vor­bei­ge­gan­gen war. So konn­te er sich schließ­lich auf all die Din­ge kon­zen­trie­ren, die ihm wirk­lich wich­tig wa­ren. Was war ein Pos­ten in der ers­ten Rei­he schon wert, wenn er doch nur die Ei­tel­keit be­frie­dig­te? Nichts, ver­such­te er sich selbst zu über­zeu­gen.

Nun aber war es end­lich Zeit für Ta­ten! Was war in­des zu tun? Zu­nächst wür­de er sich über die Lage be­rich­ten las­sen und dann ent­schei­den, wie wei­ter vor­zu­ge­hen war. Ganz ein­fach. Also hieß es, sei­ne Ge­treu­en zu­sam­men­zu­trom­meln.

Schon am spä­ten Mor­gen hat­ten sich der Kas­tel­lan, Aco von Abâr, der Burg­kom­man­dant, Ma­jor von Pe­ryl, und der heu­te übel­lau­nig wir­ken­de Kom­man­deur der gräf­li­chen Trup­pen, Haupt­mann von Bald­hon, im Be­spre­chungs­raum ver­sam­melt. Mit da­bei war auch wie­der ein Pro­to­kol­lant.

»Eure Er­laucht«, ver­beug­te sich der Kas­tel­lan, der wie die an­de­ren hin­ter sei­nem Stuhl stand. »Es ist schön, dass Ihr ein­mal mehr hier weilt.«

»Habt Dank«, lä­chel­te Nik­ko und setz­te sich auf sei­nen Thron. »Nehmt bit­te Platz, die Her­ren.«

»Be­rich­tet mir zu­nächst über den ak­tu­el­len Stand der Din­ge«, fuhr der Jun­ge fort und ver­such­te da­bei, selbst­be­wusst zu wir­ken. »Fangt Ihr bit­te an, von Abâr.«

»Mit größ­tem Ver­gnü­gen«, lä­chel­te der Kas­tel­lan, als sich alle ge­setzt hat­ten. »Viel gibt es je­doch nicht, was er­wäh­nens­wert wäre. Tat­säch­lich hat sich in der Wo­che Eu­rer Ab­we­sen­heit nur… we­nig ge­tan.«

»Nun, ähm…«, drucks­te er dann. »Ma­jor von Pe­ryl… wollt Ihr?«

Was ging hier vor? Wa­rum stam­mel­te der Kas­tel­lan so her­um? Das hör­te sich ja gar nicht nach gu­ten Nach­rich­ten an.

»Eure Er­laucht«, be­gann der Ma­jor und schi­en et­was pein­lich be­rührt. »Wie Ihr si­cher­lich wisst, man­gelt es uns noch im­mer an Holz. Gera­de jetzt, da der Win­ter bald an die Pfor­ten klop­fen wird, müs­sen wir grö­ße­re Men­gen Brenn­ma­te­ri­al ein­la­gern.«

»Das Pro­blem ist mir be­kannt«, er­wi­der­te Nik­ko, als der Sol­dat ei­ni­ge Mo­men­te ge­schwie­gen hat­te. »Habt Ihr denn nicht mehr Holz aus Sinál an­ge­for­dert?«

»Si­cher­lich«, ant­wor­te­te der Kas­tel­lan. »Doch ist Holz auch dort Man­gel­wa­re, wie über­all in Hy­mal.«

»Über­all?«, höhn­te der Ma­jor. »Über­all au­ßer hier, wo der Wald im Nor­den uns Holz ge­nug für das gan­ze Her­zog­tum böte.«

»Ich hat­te Euch vor den… Be­woh­nern des Wal­des ge­warnt, Ma­jor«, zisch­te der Haupt­mann. »Nun ha­ben wir den Är­ger!«

»Was ist denn pas­siert?«, woll­te der Adept ge­nau wis­sen, ob­wohl ihn schon eine üble Vorah­nung be­schlich.

»Ich hat­te einen Trupp Män­ner zum Wald ge­schickt, dort un­se­re Holz­vor­rä­te auf­zu­bes­sern«, zuck­te der Ma­jor die Schul­tern. »Sie wur­den je­doch von wil­dem Wald­volk über­rascht. Es gab… ei­ni­ge Ver­letz­te… und… auch ein paar Tote.«

»Über die Hälf­te mei­ner Män­ner ist ge­fal­len!«, schnauz­te der Haupt­mann. »Und das al­les trotz mei­ner War­nung.«

»Habt Euch nicht so, Haupt­mann«, ent­geg­ne­te der Ma­jor. »Man kann eben nicht jede Schlacht ge­win­nen. Wir for­dern ein­fach Er­satz an.«

Das wa­ren ja wie­der ein­mal tol­le Nach­rich­ten! Kaum war der Adept eine Wo­che weg, hat­te der Kom­man­dant schon die hal­be Burg­be­sat­zung an die El­fen ver­lo­ren.

»Wa­rum habt Ihr nicht auf den Haupt­mann ge­hört, Ma­jor?«, frag­te Nik­ko in ei­nem Ton, der die Wän­de zu ge­frie­ren droh­te.

»Eure Er­laucht«, senk­te der Kom­man­dant den Blick und stam­mel­te: »Ei­nem Haupt­mann, der vor kur­z­em noch… Leut­nant war, kann man nicht… den nö­ti­gen… tak­ti­schen… ich mei­ne… sei­ne Ein­schät­zung der… ähm… La­ge…«

»Sei­ne Ein­schät­zung der Lage?«, wur­de der Jun­ge lang­sam ver­är­gert. »Im Ge­gen­satz zu Euch war der Haupt­mann da­bei, als wir da­mals auf die El­fen stie­ßen. Er war da­bei, als ich mit ih­nen zu ei­ner… Übe­rein­kunft kam. Wie kommt Ihr über­haupt dazu, Euch dar­über hin­weg­zu­set­zen?«

»Ver­zeiht, Eure Er­laucht«, schluck­te der Ma­jor. »Von ei­ner Übe­rein­kunft war mir gar nichts be­kannt.«

»Habt Ihr ihm denn da­von nichts er­zählt?«, zisch­te der Adept den Haupt­mann an.

»Von Eu­rem Ge­spräch mit die­ser… El­fen­frau hat­te ich nicht viel mit­be­kom­men, Eure Er­laucht«, ver­tei­dig­te sich der Kom­man­deur.

Da konn­te der Kerl so­gar Recht ha­ben. Nik­ko hat­te ihm ja auch nichts vom In­halt der Un­ter­re­dung er­zählt. Nun gut, es war wohl bes­ser, nicht län­ger auf die­sem Vor­fall her­um­zu­rei­ten. Der Ma­jor hat­te eben einen Feh­ler ge­macht. So et­was pas­sier­te.

»Also gut«, keuch­te der Jun­ge, »ver­ges­sen wir die An­ge­le­gen­heit. Ma­jor, sorgt da­für, dass die Ver­lus­te als­bald er­setzt wer­den.«

»Ja­wohl, Eure Er­laucht«, schi­en der Of­fi­zier jetzt er­leich­tert.

»Es schmerzt mich, Euch dar­an er­in­nern zu müs­sen, dass un­ser Holz­pro­blem da­durch noch lan­ge nicht ge­löst ist, Eure Er­laucht«, schal­te­te sich der Kas­tel­lan wie­der in das Ge­spräch ein. »Es ist schließ­lich nicht von der Hand zu wei­sen, dass wir im Win­ter deut­lich mehr Brenn­holz brau­chen wer­den.«

Da hat­te der Be­am­te na­tür­lich Recht. Es führ­te kein Weg dar­an vor­bei, ein für alle Mal ge­nü­gend Holz zu be­sor­gen. Doch wie? Ma­gie? Si­cher­lich, er könn­te es her­bei­zau­bern. Aber dies wäre eine rie­si­ge Pla­cke­rei. Holz war schließ­lich viel mas­si­ver als der Pro­vi­ant, den er da­mals be­schwö­ren hat­te müs­sen, um von Bald­hons jäm­mer­li­chen Trupp durch­zu­füt­tern. Auch brauch­te er Un­men­gen Holz, um die Burg den gan­zen Win­ter lang mit Brenn­ma­te­ri­al zu ver­sor­gen.

»Ich wer­de über die­ses Pro­blem nach­den­ken, von Abâr«, be­schwich­ti­ge der Jun­ge. »Doch lasst uns nun über an­de­re Punk­te spre­chen.«

»Wie Ihr wollt, Eure Er­laucht«, lä­chel­te der Kas­tel­lan. »Wor­über wür­det Ihr ger­ne re­den?«

»Wir kön­nen nicht auf Ewig­keit von Lie­fe­run­gen aus Sinál ab­hän­gig blei­ben«, stell­te der Adept mit fes­ter Stim­me klar. »Wir müs­sen ir­gend­wann auf ei­ge­nen Bei­nen ste­hen kön­nen.«

»Da habt Ihr na­tür­lich Recht, Eure Er­laucht«, schi­en der Kas­tel­lan et­was ver­wirrt. »Doch herrscht ja noch Krieg hier im Her­zog­tum. Soll­ten wir nicht den ers­ten Schritt vorm Zwei­ten ma­chen?«

»Der Krieg ist längst ge­won­nen«, wie­gel­te der Jun­ge ab und wur­de sich erst da be­wusst, dass man hier noch gar nichts da­von wis­sen konn­te. »Die Trup­pen des Groß­her­zogs und die kö­nig­li­chen Le­gio­nen wer­den Hy­mal noch vor dem Win­ter­ein­bruch ver­las­sen.«

»Tat­säch­lich?«, freu­te sich der Ma­jor. »Das sind ja aus­ge­zeich­ne­te Nach­rich­ten!«

»Dem kann ich nur beipflich­ten«, lä­chel­te der Haupt­mann. »Dann ist es wohl in der Tat Zeit, zum zwei­ten Schritt an­zu­set­zen.«

»Ich stim­me dem voll und ganz zu«, nick­te auch der Kas­tel­lan. »Da die Ge­fahr durch die Orks nun ge­bannt ist, soll­ten wir über die Zu­kunft Hal­fuárs nach­den­ken.«

»Ich will, dass mein Le­hen ein Vor­bild für alle an­de­ren ist«, sporn­te Nik­ko sei­ne Ge­treu­en an. »Ich möch­te nicht von Lie­fe­run­gen aus der Haupt­stadt ab­hän­gig sein.«

»Lang­sam, Eure Er­laucht«, lach­te der Kas­tel­lan. »Wie wollt Ihr das denn be­werk­stel­li­gen?«

»Ich mei­ne ja nicht, dass wir dies von heu­te auf mor­gen schaf­fen kön­nen«, ru­der­te der Adept zu­rück. »Den­noch müs­sen wir ja ir­gend­wie an­fan­gen.«

»Dem ist selbst­ver­ständ­lich zu­zu­stim­men«, nick­te der Ma­jor. »Die Ebe­ne scheint mir frucht­bar und Was­ser ha­ben wir ge­nug. Bes­te Grund­la­gen, um das Land zu be­a­ckern oder Vieh zu hal­ten.«

»Dann könn­ten wir zu­min­dest für un­ser ei­ge­nes Es­sen sor­gen«, freu­te sich Nik­ko. »Sehr gut. Wir soll­ten also Dör­fer bau­en und Fel­der an­le­gen.«

»Wo wollt Ihr denn die Bau­ern und Hir­ten her­neh­men, Eure Er­laucht?«, schüt­tel­te der Kas­tel­lan sein Haupt. »Es steht zu ver­mu­ten, dass Sei­ne Ho­heit das Au­gen­merk zu­nächst auf Sinál und des­sen Um­ge­bung le­gen wird, um dort einen Keim des Wohl­stands zu schaf­fen.«

Da hat­te der Be­am­te wie­der ein­mal Recht. Es schi­en ja auch schwie­rig, Bau­ern und Hand­wer­ker von an­de­ren Re­gen­ten zu kau­fen. So je­den­falls hat­te es der Se­ne­schall in ei­nem frü­he­ren Ge­spräch er­klärt.

Ho­ca­tin! Der Her­zog war doch of­fi­zi­ell auch der Fürst des vom Feind be­setz­ten Lan­des. Wa­ren des­sen Be­woh­ner so­mit nicht sei­ne Un­ter­ta­nen, nicht die des Ag­gres­sors? Was sag­te der Ko­dex zu die­ser Si­tua­ti­on?

»Wie wäre es mit Ho­ca­tin?«, kam sich der Jun­ge ge­ris­sen vor. »Sei­ne Ho­heit, der Her­zog von Hy­mal ist schließ­lich auch der ge­kür­te Fürst von Ho­ca­tin.«

»Das stimmt«, nick­te der Kas­tel­lan. »So­lan­ge Sei­ne Ma­je­stät die Kür nicht für un­gül­tig er­klärt, wo­von mir nichts be­kannt wäre, sind die Ge­wöhn­li­chen des Fürs­ten­tums al­le­samt Leib­ei­ge­ne der Rit­ter, die wie­der­um Va­sal­len des Fürs­ten sind. Eine aus­ge­zeich­ne­te Idee, Eure Er­laucht.«

»Es ist zu­dem kaum denk­bar, dass Sei­ne Ho­heit et­was da­ge­gen hät­te, Bau­ern aus Ho­ca­tin hier in Hal­fuár an­zu­sie­deln«, pflich­te­te der Ma­jor bei. »Ja, so könn­te es tat­säch­lich funk­tio­nie­ren.«

»Dann sind wir uns ja ei­nig«, suhl­te sich Nik­ko im Glan­ze sei­ner tol­len Idee.

»Aber wie wollt Ihr die Un­ter­ta­nen hier her­ho­len?«, mein­te von Bald­hon. »Der Her­zog von Khond­harr wird wohl kaum ein­fach so zu­se­hen, wenn wir ihm die Un­ter­ta­nen ab­wer­ben.«

»Wir müs­sen de­zent vor­ge­hen«, ant­wor­te­te der Kas­tel­lan. »Be­stimmt ha­ben wir noch Kon­tak­te in Ho­ca­tin, oder?«

»Si­cher­lich«, grins­te der Adept. »Vor al­lem in Skingár, wo sich vie­le Flücht­lin­ge auf­hal­ten. Auch mei­det der Her­zog von Khond­harr die­ses Tal. Wenn wir die Wil­li­gen in Skingár oder Vyl­rah­do sam­meln, kön­nen wir sie un­be­hel­ligt über den Vyldam­pass füh­ren.«

»Das könn­te klap­pen«, nick­te der Haupt­mann, der dem Na­men nach ja selbst aus Ho­ca­tin stamm­te. »Wir bräuch­ten ei­ni­ge Wer­ber, die die Flücht­lings­la­ger ab­ge­hen und dort ge­will­te Leu­te für uns ge­win­nen. Die­se müss­ten sie dann nur noch ins Tal schi­cken.«

»Wenn wir die Wer­ber zu­sätz­lich mit reich­lich Klim­per­mün­zen aus­stat­ten, sol­len wir so eine ge­hö­ri­ge An­zahl Frei­wil­li­ger zu­sam­men­be­kom­men«, freu­te sich der Kas­tel­lan. »Wir brä­chen da­durch noch nicht ein­mal das Ge­setz.«

»Die Wer­ber soll­ten aber Leu­te aus Ho­ca­tin sein«, mein­te der Haupt­mann. »Die ken­nen sich dort schließ­lich am bes­ten aus und ge­win­nen auch schnel­ler das Ver­trau­en der Leu­te.«

»Ha­ben wir denn ge­nü­gend ge­eig­ne­te Män­ner aus Ho­ca­tin hier?«, woll­te der jun­ge Zau­be­rer wis­sen.

»Ge­nü­gend aus Ho­ca­tin, ja«, lach­te von Bald­hon. »Doch ob sie ge­eig­net sind?«

»Wir kön­nen sie ja gut vor­be­rei­ten oder ih­nen er­fah­ren­de Un­ter­händ­ler zur Sei­te stel­len«, nick­te der Kas­tel­lan. »Wir ha­ben schließ­lich den gan­zen Win­ter lang Zeit, die Ak­ti­on ge­nau zu pla­nen.«

»Den gan­zen Win­ter?«, war Nik­ko er­schro­cken. »Wa­rum so lan­ge war­ten?«

»Ich ver­mu­te, dass der Pass schon jetzt schwer zu über­que­ren ist«, recht­fer­tig­te sich der Be­am­te. »Es wäre wohl bes­ser, bis zum Früh­ling zu war­ten.«

»Un­sinn!«, wie­gel­te der Jun­ge ab. »Ich tele­por­tie­re die Wer­ber di­rekt nach Skingár. Von dort aus kom­men sie noch vor dem Win­ter nach Ho­ca­tin.«

»Im Fürs­ten­tum an sich sind die Win­ter meist mild«, pflich­te­te der Haupt­mann bei. »So kön­nen die Wer­ber die nächs­ten Mo­na­te schon nut­zen, um alle Wil­li­gen ins Tal zu schi­cken.«

»Kei­ne schlech­te Idee«, nick­te der Ma­jor. »Im kar­gen Win­ter, wenn alle am Hun­ger­tuch na­gen, sind auch mehr Leu­te ge­willt, sich in ein sol­ches Aben­teu­er zu stür­zen.«

»Da könn­tet Ihr Recht ha­ben, Kom­man­dant«, lach­te von Abâr. »Dann sind wir uns also ei­nig, die Her­ren!«

»Rei­chen Euch zwei Wo­chen zur Aus­wahl und Vor­be­rei­tung der Un­ter­händ­ler?«, woll­te Nik­ko wis­sen.

»Ich den­ke schon«, lä­chel­te der Kas­tel­lan. »Wir wer­den uns als­bald ans Werk ma­chen.«

»Sehr gut«, war der Jun­ge zu­frie­den. »Ich wer­de die Zwi­schen­zeit nut­zen, mir über un­ser Holz­pro­blem Ge­dan­ken zu ma­chen.«

Seit der Be­spre­chung hat­te ihn die­ses Pro­blem nicht mehr los­ge­las­sen. Holz. Im­mer wie­der Holz. Dass ein rie­si­ger Wald in der Nähe war, mach­te den Man­gel zur schie­ren Iro­nie. Nein, eher zur Pro­vo­ka­ti­on! Soll­te er den El­fen ein für alle Mal den Garaus ma­chen?

Kei­ne gute Idee. Da­nu­wil hat­te ihn ja ge­warnt ge­habt, dass es wei­ter im Sü­den noch große El­fen­rei­che gab. Soll­te es zum of­fe­nen Krieg mit de­nen im Wald kom­men, könn­te er das gan­ze Reich in Ge­fahr brin­gen. Gera­de Fy­dal hat­te schon ge­nug Pro­ble­me in Hy­mal. Ein El­fen­heer auf Ra­che­feld­zug käme ihm da wohl kaum ge­le­gen.

Der Jun­ge selbst hat­te al­ler­dings auch über­haupt kei­ne Lust, die nächs­ten bei­den Wo­chen lang nur Holz her­bei­zu­zau­bern. Es war zu­dem schwer ab­zu­schät­zen, wie viel er da­von be­schaf­fen konn­te. Schließ­lich wäre es un­gleich schwie­ri­ger, har­tes Holz zu be­schwö­ren als wei­ches Brot.

Be­schwö­ren? Ei­gent­lich war dies kei­ne gute Be­schrei­bung des­sen, was da ge­sch­ah, wenn er et­was her­bei­zau­ber­te. Da­bei er­schuf er ja et­was aus der Kraft. Be­schwö­ren hie­ße aber, es von ir­gend­wo hier­her zu be­we­gen. Mo­ment! War das die Lö­sung?

Gar kei­ne so schlech­te Idee! An­statt das Holz selbst zu er­schaf­fen, was eine Pla­cke­rei ohne Glei­chen wäre, könn­te er es doch ein­fach her­schaf­fen. Aber von wo­her? Per Tele­port aus ir­gend­ei­nem Wald? Das könn­te funk­tio­nie­ren. Lei­der kann­te er aber nur die Mus­ter für Skingár und Sinál, so­wie na­tür­lich das der ei­ge­nen Burg. Gera­de in Skingár gab es al­ler­dings jede Men­ge Wald.

Na­tür­lich! Wa­rum war er da nicht eher drauf­ge­kom­men? Er wür­de das Zeug ein­fach in Skingár kau­fen. Der di­cke Fo­daj könn­te si­cher­lich einen Kon­takt her­stel­len. Dann müss­te er das Holz nur noch hier her tele­por­tie­ren und das Pro­blem wäre ge­löst.

Per­fekt, freu­te sich der Adept. Es war oh­ne­hin kei­ne schlech­te Idee, den Gra­fen schon ein­mal vor­zu­war­nen. Schließ­lich muss­te er die Un­ter­händ­ler in zwei Wo­chen zur Burg Skingár tele­por­tie­ren, von wo aus sie sich dann auf den Weg nach Ho­ca­tin ma­chen wür­den. Da soll­te er den Ne­kro­man­ten vor­her na­tür­lich um Er­laub­nis fra­gen.

Schon am Abend des­sel­ben Ta­ges saß Nik­ko mit Fo­daj in der schar­ti­gen Spitz­hacke, wo sie das Ge­schäft mit kräf­ti­gen Zü­gen aus ih­ren Bier­krü­gen be­sie­gel­ten.

Es muss­te bald ein Jahr her sein, als er das ers­te Mal hier in der Knei­pe des Dor­fes Skingár ge­ses­sen hat­te. Da­mals war Fo­daj ganz un­ver­hofft her­ein­ge­pol­tert, was sich letzt­lich als Be­ginn der Kür Fy­dals zum Fürs­ten von Ho­ca­tin her­aus­ge­stellt hat­te.