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Die Überschrift der kleine Satire lautet: " Die haarsträubenden Geschichten von kleinen Tieren und großen Menschen." Der florierende Handel zwischen den Partnerstädten Bollehorst und einem nordöstlichen Dörfchen namens Schwerbaikalsk gerät jäh in Gefahr, als das tierische Gastgeschenk "Wuffie", durch die unsachgemäße Behandlung des Bürgermeisters Maier ernsthaft zu Schaden kommt. Um das sehr auf Freundschaft und Tradition bedachte Völkchen des Nordostens weder zu beunruhigen, noch unnötig zu verärgern wird das vermutliche Ableben ihres exotischen, vierbeinigen Gastgeschenks geschickt vor der Öffentlichkeit verschleiert. Als sich jedoch das derbe Naturvolk unerwarteten zu einem Überraschungsbesuch nach Bollehorst aufmacht, und die Kleine Jelanina ihren geliebten "Wuffie" wiedersehen möchte, müssen sich der ungeschickte Ortsvorsteher Maier und seine Gemeinde schnell etwas einfallen lassen. Es werden in langen Ratssitzungen die verwegensten Ideen geprüft! Dabei wird getrickst und geschummelt um die Freundschaft und den Handel mit der Partnerstadt nicht zu gefährden. Zudem muss ein internationaler Skandal verhindert werden. Doch wie heißt es so schön : " Lügen haben kurze Beine!" Und über Nacht wird der Ort Bollehorst zum Schauplatz eines internationalen Konflikts, der immer weitere Kreise zieht. In dieser dunklen Stunde scheint der einträgliche Handel, sowie die freundschaftliche Beziehung zu Schwerbaikalsk nicht mehr zu retten. Kann der umtriebige Kommunalpolitiker Maier mit etwas Glück die Angelegenheit zum Guten wenden?
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2026
Mirko Krumbach
Der Hund des Bürgermeisters
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel16
Kleiner Nachtrag
Impressum neobooks
Hört, hört!
Aber für Länder und Gemeinden hat es einmal eine andere Zeit gegeben. In der hat ein regelmäßiger Austausch von Waren und Dienstleistungen, über deren eigene Grenzen hinaus, noch eine seltene Ausnahme dargestellt. In jener Epoche ahnte keine Menschenseele, dass dieses rege und selbstverständliche Geschäftsleben unserer Tage einmal als globaler Welthandel für die Menschheit überaus wichtig und unverzichtbar werden würde!
Wenn es doch einmal ein besonderes Produkt über die eigenen Landesgrenzen geschafft hatte, dann war damit zuvor viel Planung, Bürokratie und enormer finanzieller Aufwand verbunden!
In dieser vorsintflutlichen Ära steckten selbst die Konsultationen von politischen, sowie wirtschaftlichen Persönlichkeiten noch in niedlichen Kinderschühchen. Kamen diese Treffen dann Mal zustande, wirkten sie oftmals steif und hölzern und erregten in seltenen Fällen öffentliches Interesse; und waren deshalb kaum erwähnenswert! Diese Verhältnisse scheinen heute für manchen von uns vollkommen unvorstellbar zu sein!
Doch als Wegbereiter von Frieden, Verständigung, sowie Wohlstand und all der wundervollen Segnungen, die dann der ungehemmte Warenaustausch mit sich bringen würde, entstand hierzulande in einer kleinen, unbedeutenden Gegend etwas ganz Außergewöhnliches... In einem Ort namens Bollehorst hielt dieses Wunder eines Tages wirklich Einzug!
Sie kennen die kleine Verbandsgemeinde Bollehorst nicht?!
Dieser Ort liegt etwa fünf Kilometer von Schiefenstein entfernt und etwa sieben Kilometer Luftlinie von der A1 Richtung Nirgendwo, am Rande des Schachtelgebirges, im schönen idyllischen Filzerwald. Es ist ein kostbares Kleinod an unberührter Natur, sauberer Luft und viel, viel Ruhe. Und wegen seines besonders feuchten Klimas, einer der ertragreichsten Anbaugebiete für ein ballaststoffreiches Sporengewächs!
Soweit zu Orientierung!
Seinen abenteuerlichen Anfang nahm die Geschichte von freiem Handel und tiefer Freundschaft durch einen besonders glücklichen Irrtum. Denn eines schönen Tages hatte sich der rustikale Nordmann namens Prestkowe nach Bollehorst, in das Zentrum des “Schnüffelpilzanbaus“ verirrt. Völlig orientierungslos stapfte er durch die Gemeinde, von einer Straße zur nächsten. Immer eine Landkarte vor seinen Augen studierend und mit dem Kopf anschließend sich winden und wendend, die angegebenen Punkte in der näheren Umgebung verzweifelt suchend.
Zunächst verfolgte der Bürgermeister von Bollehorst, Herr Maier vom Fenster seines überschaubaren Amtssitzes, wie der bärtige Naturbursche mehrmals über den Dorfplatz trabte. Dabei schienen seine Schritte von Mal zu Mal langsamer und beschwerlicher zu werden.
Das fruchtlose Treiben des erschöpften Fremden ließ dem Ortsvorsteher irgendwann keine Ruhe mehr. Er konnte dem Elend und Leiden des erschöpften Mannes nicht länger untätig zuschauen. Die Hilfsbereitschaft der Frauen und Mannen in Bollehorst war eben eingeübte Tradition und schon sprichwörtlich. Durch das beherzte Eingreifen des aufmerksamen Gemeindeführers, nahm im Handumdrehen das Leiden des üppig behaarten Fremden ein glückliches Ende. Und bald fand sich dieser in der gut ausgestatten Küche des Bürgermeisters wieder.
Während einer deftigen Mittagsmahlzeit, zur Stärkung für die bevorstehende Weiterreise, lernte der robuste Hüne schnell das einheimische Sporengewächs geschmacklich sehr schätzen und lieben.
Hier bot sich nun eine einmalige Gelegenheit!
Nach diesem ausgiebigen Mahl ließ der geschäftstüchtige Bürgermeister die führenden Pilzproduzenten eilig herbeirufen. Geschickt legte er dem euphorisierten Nordmann eine farbenprächtige, beeindruckende Präsentation des unheimlich schmackhaften Agrarprodukts vor. Ziel blieb es, mit dem weit entfernten Schwerbaikalsk in einen wirklich überschaubaren Warenaustausch zu treten. Nach der gelungenen Verkaufsshow zog der behaarte Nordmann unvermittelt eine Feldflasche seines einheimischen Nationalgetränks aus der Innentasche hervor. Mit seinem dicken fleischigen Daumen zeigte er auffällig nach oben.
„ Sehr gut“, schnurrte der rustikale Besucher und hob die Flasche an. Die Bollemänner schaute sich fragend an. Ihnen war vor einiger Zeit, von zufällig Durchreisenden die Wirkung dieses glasklaren Gebräus zu Ohren gekommen. Schnell war der Inhalt unter den Handelnden aufgeteilt und die lockere Abmachung wurde gebührend gefeiert. Schon nach zwei kräftigen Zügen aus der Flasche glühte der Bürgermeister über seine speckigen Bäckchen.
Durch den enthemmten Alkoholgenuss wurde das Urteilsvermögen der Anwesenden enorm eingeschränkt. Für sie gab es plötzlich weder Regeln, noch internationale Gesetzte mehr. Im endlosen Freudentaumel und der grenzenlosen Begeisterung setzte sich die illustre Runde einfach über störende Handelsbeschränkungen, bestehende Zölle und Wechselkurse der jeweiligen Landeswährungen schlicht hinweg. Angenehmer Nebeneffekt war, dass bei dem lockeren Umtrunk ein gleichwertiges Importprodukt gefunden wurde. Nämlich das süffige Gebräu!
Zunächst wurde per Handschlag vereinbart, dass für eine Kiste “Schnüffelpilze“, deren Verwendung scheinbar keine Grenzen kannte, die Bolle- Männer und Frauen zwei Kisten unscheinbare, selbst gebrannte Flüssigkeit aus dem Nordosten erhielten.
Tatsächlich entfaltete die nach einem Monat eingetroffene Lieferung, bei sachgerechter Verwendung, zum Beispiel in der Medizin, eine heilende Wirkung; bei unsachgemäßem Gebrauch jedoch, exemplarisch auf Festivitäten unter der zurückhaltenden Bevölkerung enthemmte Gefühlsausbrüche!
Trotz des oftmals fehlerhaften Gebrauchs der beiden speziellen Importgüter, tat es den guten und freundschaftlichen Beziehungen beider Nationen keinerlei Abbruch! Und so kamen sich die politischen und wirtschaftlichen Vertreter der beiden Gemeinden schnell näher. Weitere, harmonische Treffen der illustren Frauen und Männer folgten Schlag auf Schlag. Hierbei wurden immer wieder die guten Beziehungen in höchsten Tönen gelobt und weiter gefestigt. Schlussendlich vereinbarten die zuversichtlichen Abgesandten beider Ortschaften eine feste Partnerschaft und darüber hinaus weitreichende, regelmäßige und fruchtbare Handelsbeziehungen.
So in Eintracht und Glücksseligkeit schnüffelte die Gemeinde im frostigen Nordosten selig ihren Vorrat an Pilzen, während die Anwendungsgebiete der kristallklaren, berauschenden Flüssigkeit in der Gemeinde Bollehorst immer vielfältiger und ausgefallener wurden.
Nach einer Weile bestand bei allen Beteiligten nicht mehr der geringste Zweifel! Das Verhältnis der beiden Städte war außerordentlich innig geworden!
Wegen eben dieser herzlichen und freundschaftlichen Beziehung, sah sich das rustikale Völkchen aus Schwerbaikalsk eines Tages zu einer unmissverständlichen Geste des immer währenden Friedens und der Eintracht genötigt. Denn tief in deren kultureller Tradition wurzelte der Wunsch, einem guten Freund und Vertrauten ein wertvolles Gastgeschenk zu überreichen. In der Hoffnung, er möge diese materielle Zuwendung so gut pflegen und wertschätzen, wie die Freundschaft selbst!
Bei dem jährlichen Treffen der Abgesandten, welches nun bald wieder anstand, sollte diese außerordentlich wertschätzende Geste des traditionsbewussten Volkes, huldvoll und beeindruckend in die Tat umgesetzt werden.
Die Bollehörster waren beeindruckt und beschämt zugleich. Denn sie hatten im Gegenzug kein wertvolles Gastgeschenk, gar eine Aufmerksamkeit zu bieten, welches die Freundschaft und tiefe Verbundenheit zu den Frauen und Männer aus Schwerbaikalsk ausdrücken könnte.
Doch die einfachen und genügsamen Menschen aus der eisigen Wüste waren zufrieden und forderten keinerlei Gegenleistung! Die Freude der Mitmenschen war ihnen Lob genug. Und die tiefe Freundschaft!
Der Tag der Freundschaft, mit einer feierlichen Geschenkübergabe war nun endlich gekommen. Während die eigens mitgereiste Blaskapelle das Lied der wilden, unberührten und schneebedeckten Tundra erklingen ließ, wurde dem Bürgermeister von Bollehorst ein zierliches Exemplar der nordöstlichen Tierwelt in den Arm gelegt. Das tierische Wesen, ein sehr seltener Nackthund, war ein besonderes Geschöpf in Gestalt, sowie dem Verhalten. Der Name sollte “Wuffie“ lauten. Diese Gattung schien nach genauer Betrachtung, in Aussehen und Proportion völlig aus der Art geschlagen. Im weiteren Umfeld der Tierwelt von Bollehorst hatte diese nichts vergleichbares zu bieten. Mit seinen markant heraustretenden Augen, aus einem kleinen länglichen Kopf, einer dicken Nase, den langen stacksigen Beinchen und einem Rumpf einer zu lang geratenen Speckkugel, schien es keine besondere Aufgabe auf Gottes Erdboden erfüllen zu können. In Willen und Wesen war es aber letztlich ein gutmütiges Tier. Dann und wann gab es ein kleines „Wauwuf“ aus seinem schmalen Schnäutzchen zum Besten, nachdem es seine heraus pendelnde Zunge zu diesem Zweck leicht in den seitlichen Bereich des Mauls hängen ließ.
„ Ein Geschenk des Bürgermeisters der selmanischen Partnerstadt Schwerbaikalsk an die Bürgerinnen und Bürger von Bollehorst“, taten die versammelten Gemeindevertreter des Nordostens frohlockend kund. Und der Chor summte dazu die Melodie einer schneebedeckten Landschaft im Sonnenschein.
Jedoch, einzig dem Herrn Bürgermeister Maier sollte die besondere Ehre zuteil werden, dieses überaus ungewöhnlich exotische Exemplar persönlich in seinem Heim aufzunehmen und liebevoll und artgerecht zu pflegen. Bei dieser Bemerkung der selmanischen Abordnung griente der Bürgermeister von Bollehorst über beide rosige Bäckchen und hielt sein Gesicht in eine zufällig aufgestellte Kamera; die allerdings nicht aufzeichnete.
