Der Junge muss an die frische Luft - Hape Kerkeling - E-Book
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Beschreibung

»Was, um Himmels willen, hat mich bloß ins gleißende Scheinwerferlicht getrieben, mitten unter die Showwölfe? Eigentlich bin ich doch mehr der gemütliche, tapsige Typ und überhaupt keine Rampensau. Warum wollte ich also bereits im zarten Kindesalter mit aller Macht "berühmt werden"? Und wieso hat das dann tatsächlich geklappt? Nun, vielleicht einfach deshalb, weil ich es meiner Oma als sechsjähriger Knirps genau so versprechen musste ...« Hape Kerkeling, der mit seinem Pilgerbericht »Ich bin dann mal weg« seine Fans überraschte und Leser jeden Alters begeisterte, lädt auf die Reise durch seine Memoiren ein. Sie führt nach Düsseldorf, Mosambik und in den heiligen Garten von Gethsemane; vor allem aber an die Orte von »Peterhansels« Kindheit: in Recklinghausens ländliche Vorstadtidylle und in die alte Bergarbeitersiedlung Herten-Scherlebeck. Eindringlich erzählt er von den Erfahrungen, die ihn prägen, und warum es in fünfzig Lebensjahren mehr als einmal eine schützende Hand brauchte.

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Dank an den G.

Reichel Verlag für die Genehmigung des Textabdrucks von Shri Babaji Haidakhan, 1984 aus »Babaji – Unergründlich tief wie das Meer: 108 Begegnungen«

Der Autor spendet zehn Prozent seines Honorars an die Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn.

Spendenkonto:

Deutsche AIDS-Stiftung

Sparkasse Köln Bonn

IBAN: DE85 3705 0198 0008 0040 04

BIC: COLSDE33

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe 1. Auflage 2014

ISBN 978-3-492-96739-6

September 2016

© Piper Verlag GmbH, München 2014 Covergestaltung: FAVORITBUERO, München Covermotiv: Stephan Pick Abbildungen auf den beiden Fotoseiten: Privatarchiv Hape Kerkeling; Institut für Stadtgeschichte Recklinghausen (3); Stadtarchiv Stadt Herten (2) Redaktion: Matthias Teiting, Duisburg Litho: Lorenz & Zeller, Inning a.

A. Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden.

Dieses Buch widme ich meiner Mutter Margret.

Liebe die ganze Menschheit.

Hilf allen Lebewesen.

Sei glücklich. Sei höflich.

Sei eine Quelle unerschöpflicher Freude.

Erkenne Gott und das Gute in jedem Gesicht.

Kein Heiliger ist ohne Vergangenheit, kein Sünder ohne Zukunft.

Sprich Gutes über jeden.

Kannst Du für jemanden kein Lob finden, so lasse ihn aus Deinem Leben gehen.

Sei originell. Sei erfinderisch.

Sei mutig – schöpfe Mut, immer und immer wieder.

Ahme nicht nach. Sei stark. Sei aufrichtig.

Stütze Dich nicht auf die Krücken anderer.

Denke mit Deinem eigenen Kopf. Sei Du selbst.

Alle Vollkommenheit und Tugend Gottes sind in Dir verborgen – offenbare sie.

Auch Weisheit ist bereits in Dir – schenke sie der Welt.

Lasse zu, dass die Gnade Gottes Dich frei macht.

Lasse Dein Leben das einer Rose sein – schweigend spricht sie die Sprache des Duftes.

Shri Babaji Haidakhan, 1984

GRUSS AN DIE LESER

Liebe Leser,

es ist schon ein ziemliches Ding, dass jemand, dessen Namen man im deutschen Sprachraum nicht einmal wirklich kennt, großspurig ein Buch über seine Kindheit verfasst.

Tatsächlich kann sich kaum jemand meinen Namen wirklich merken, auch wenn ich selbst inzwischen recht bekannt bin. Es würde mich zum Beispiel überhaupt nicht wundern, wenn Sie nicht wüssten, wie mein Name eigentlich geschrieben wird. Ach, geben Sie es doch zu! Vermutlich müssen Sie genau in diesem Moment auf dem Buchdeckel nachsehen. Dort angekommen, werden Sie dann etwas perplex feststellen, dass ich eben nicht Harpe Kerpelin, Herpes Ferkeling, Herbert Harleking oder Hete Kerkerdings heiße, sondern schlicht: Hape Kerkeling.

Obwohl ich so ja eigentlich auch nicht heiße. Tatsächlich ist und war mein Vorname immer Hans-Peter. So steht er auch im Pass.

Hape Kerkeling!? Tja, wer soll sich diesen knappen, skandinavisch anmutenden Vornamen auch schon merken können oder wollen – zumal in Verbindung mit dem besonders auswärtig klingenden Zunamen, welcher hochdeutsche Ohren vermutlich ans Zuchthaus denken lässt? Abgesehen natürlich von meinen treuesten Fans Dinah und Moreen aus Magdeburg. Auch so Namen, die immer falsch geschrieben oder schlecht verstanden werden. Welch humoriger kleiner Zufall.

Hape also! Diese radikale Verstümmelung meines Taufnamens zu Karrierezwecken war im fernen Jahre 1984 die glorreiche Idee meines ersten Managers Manfred Schmidt. Man hätte mich damals auch auf den Namen Silvio La Palma oder Tino Teufel taufen können. Ich hätte das wahrscheinlich mitgemacht, ganz toll gefunden und mit einem halben Liter klebrig süßem Prosecco beschwingt darauf angestoßen.

Franz Elstner, Uwe Jürgens oder Ulli Glas. So hätte ich mich mal nennen sollen. Das sind Namen, die sich ein geneigtes deutsches Publikum wenigstens hätte merken können. Tatsache ist: Für manchen Bayern bin ich »der Harpe«, in Sachsen »der Herbe« und im Rest der Welt vermutlich »der Dings aus dem Ruhrpott«. Manche denken auch, ich heiße Hefe. Dazu verkneife ich mir jetzt mal jeden Kommentar zu meiner Figur.

Mittlerweile habe ich allerdings meinen Frieden mit meinem zweisilbigen Künstlervornamen gemacht. Vor allem seitdem mir meine liebe Freundin Penny McLean – ihres Zeichens Welt- und Popstar der späten 1970er-Jahre sowie vor allem auch Numerologin – erläutert hat, welch mysteriöse Kraft angeblich hinter dieser Abkürzung steckt. Ohne den »Hape« hätte ich ihrer Auffassung nach niemals einen so erfolgreichen Lebensweg beschritten.

»Ha-« steht demnach für das erleichterte Seufzen des Herzens und, wie kann es anders sein, für ein befreites Lachen.

»-pe« hingegen steht für Vitalität und Macht.

Also steht Hape für ein mächtiges Herz, welches vital lacht. Gar kein schlechtes Bild.

Kerkeling hingegen ist niederländisch oder auch niederdeutsch und bedeutet nichts anderes als: Kirchling. Also jemand, der nahe bei der Kirche, der Kerke, lebt, sie auffallend oft in frommer Absicht besucht oder schlicht als Küster arbeitet. Mit meinem Buch Ich bin dann mal weg scheine ich der in meinem Nachnamen verankerten religiösen Strebung meiner niederländischen Urahnen schlussendlich brav nachgegeben zu haben und ihr auf angenehme Weise erlegen zu sein.

Gleich hier im Vorwort muss ich unumwunden und ganz offen etwas bekennen. Trotz der scheinbar schicksalhaft richtigen Vornamenwahl habe ich dennoch den falschen Beruf gewählt. Definitiv! Was allerdings ein großes Glück war. Denn was hätte ich alles für verrückte, erschreckende und schöne Erfahrungen nicht gemacht, wenn ich die Weichen nicht von Anfang an so gänzlich falsch gestellt hätte …

Vielleicht merken sich einige auch genau deshalb meinen Namen nicht, weil sie unterschwellig spüren: Hey, dieser gemütliche, tapsige Typ passt doch gar nicht ins grelle Rampenlicht!?

Wie dem auch sei: Egal, wo in Deutschland ich sitze, liege oder stehe, tue ich das inzwischen als sogenannte öffentliche Person. Und das, obwohl ich es eigentlich eher ruhig und beschaulich mag und es mir lieber ist, wenn ich nicht der Mittelpunkt des Geschehens bin. Rote Teppiche finde ich dämlich und unnütz. Call me Mr.Boring!

Kunstlicht setzt meinen Augen massiv zu. Mein Augenarzt hat mir mehrfach eindringlich empfohlen, doch besser den Beruf zu wechseln. Fernseh- und Filmproduktionen überstehe ich nur mit verschreibungspflichtigen Augentropfen, die ich mir quasi ampullenweise in mein Sehorgan eintröpfele, um den beißenden Schmerz auf der geröteten Netzhaut zu lindern.

Wenn also auf jemanden die unschöne Titulierung »Rampensau« eigentlich nicht zutrifft, dann auf mich!

Was, um Himmels willen, hat mich dann ins gleißende Scheinwerferlicht getrieben und somit mitten unter die Showwölfe? Warum wollte ich bereits im zarten Kindesalter mit aller Macht »berühmt werden«? Und wieso hat das dann tatsächlich geklappt, und zwar sehr viel besser, als ich es mir in meiner kindlichen Naivität jemals hätte vorstellen können? Nun, vielleicht einfach deshalb, weil ich es meiner Oma Anna als sechsjähriger Knirps genau so versprechen musste.

Jeder Lebensroman ist einmalig, und allein diese Tatsache macht ihn bedeutsam. Dies ist meine Geschichte. Oder besser gesagt: der entscheidende Teil meines bisherigen Lebensfilms. Ein schlichter Holzstuhl am Küchenfenster spielt dabei keine ganz unbedeutende Rolle.

Wenn Sie mich nun begleiten wollen auf der Reise durch meine Memoiren, dann sind Sie herzlich eingeladen. Immer hat da irgendwer schützend seine Hand über mich gehalten, manchmal ganz konkret, manchmal auf mir unbegreifliche Weise.

Jetzt sollen Sie mich mal kennenlernen. Ich habe jetzt schon Kreislauf!

In diesem Sinne: Prosit!

KAPITEL 1

NIEMAND BETRITT DIESEN GARTEN

Niemand, behaupte ich, kann

so überzeugend harmlos und

ungefährlich dreinschauen wie ich.

»Niemand betritt diesen Garten. Was meinen Sie, warum wir einen Zaun drum herum gebaut haben? Wahrscheinlich, damit jeder hier durchlatscht, wie er will? Haben Sie das Schild draußen nicht gelesen?«

Der grauhaarige, griesgrämige Wärter mit dem dicken Schlüsselbund in der sonnengegerbten Hand spricht zwar nur gebrochenes Englisch, ist aber trotzdem unerbittlich. Obwohl uns die Sonne schon jetzt am frühen Morgen wieder erbarmungslos auf den Pelz brennt, bleibt mein Produzent und Regisseur wie stets höflich und distinguiert. Genau auf diese Art und Weise hat Gero von Boehm zum Wohle unserer gemeinsamen Fernseharbeit noch fast immer seinen Willen durchgesetzt.

Auf der Jagd nach spektakulären und einzigartigen bewegten Bildern für unsere sechsteilige und aufwendige ZDF-Dokumentation »Unterwegs in der Weltgeschichte« sind der Produzent, sein Team und ich bis zum Oktober dieses abenteuerlichen Jahres 2009 bereits einmal fast um den gesamten Erdball gejettet und haben unter anderem die Pyramiden in Mexiko und die Freiheitsstatue in New York fernsehtechnisch »abgefrühstückt« und in das rechte historische Licht gerückt.

»Dann lassen wir das eben mit dem Dreh in dem Garten!«, sage ich resignierend, wohl auch ein bisschen überreizt infolge meines Dauer-Jetlags.

Während ich mir den Schweiß mit einem penetrant nach billigem Fliederparfüm riechenden Papiertaschentuch von der Stirn wische, arbeite ich allerdings innerlich an einer möglichst konstruktiven Alternative. Schließlich schlage ich vor: »Wir könnten doch über den Zaun hinweg drehen. Ganz einfach!«

Der Produzent schaut mich verdutzt an. So, als wollte er sagen: Haben wir uns auch nur ein einziges Mal während unserer Dreharbeiten mit dem Nein eines mürrischen Schwellenwächters zufriedengegeben?

Wo wir überall eigentlich nicht hätten drehen dürfen! In der Blauen Moschee in Istanbul, im Herzen des Vatikans oder auch im großen Tempel in Luxor. Überall hieß es: Nein! Nicht mit uns! Wir haben uns trotzdem nicht vertreiben lassen. Und auch diesmal bleibt unser Produzent auf charmante Weise ungehorsam. Er weiß, dass die jeweils Verantwortlichen es nie bereuen, ihren anfänglich rigorosen Widerstand schlussendlich aufgegeben zu haben.

Es ist uns stets gelungen, ihren guten Willen nicht zu enttäuschen, und das, obwohl wir zum fahrenden Volk der »Fernsehfuzzis« gehören. Und so lautet Gero von Boehms etwas halsstarrige Antwort nun vollkommen zu Recht: »Das kommt gar nicht infrage! Das Bild, das wir für den Film brauchen, bist du im Garten und nicht irgendwo vor einem Eisengitter. Von außen ansehen darf sich den Ort ja jeder Tourist.«

Der Produzent hält dem skeptischen Wärter entgegen, dass wir eigens aus Deutschland angereist seien und eine Drehgenehmigung vom zuständigen Ministerium für das gesamte Areal in der Tasche hätten. Im Übrigen würde ich – der Moderator der Sendung – selbstverständlich nur schweigend und andächtig durch den geheimnisumwitterten Garten wandeln.

Das ist ein wirklich kluger Schachzug, denke ich, auch wenn mir diese Tatsache völlig neu ist. Denn ich hätte eigentlich einen zwar poetischen, aber doch ellenlangen Text im Garten zu sprechen gehabt. Der wird nun aus gegebenem Anlass gestrichen. Bilder sind eben manchmal aussagekräftiger als Worte. Eine Stärke jedoch werfe auch ich in den Ring, um Gero stumm lächelnd zu unterstützen. Ich gucke harmlos! Niemand, behaupte ich, kann so überzeugend harmlos und ungefährlich dreinschauen wie ich, zumindest wenn es, so wie jetzt, darauf ankommt.

Die Argumente und vor allem aber die hypnotisierende Ausstrahlung unseres Produzenten scheinen indes auf fruchtbaren Boden zu fallen, denn der störrische Wärter des Allerheiligsten wirft einen nachdenklichen Blick auf seinen Schlüsselbund und verkündet dann verschwörerisch, während er dabei auf mich deutet:

»Okay. Aber nur fünf Minuten, und er darf im Garten nicht sprechen!«

Er greift nach einem der halb verrosteten Schlüssel am Bund und öffnet tatsächlich das kleine schmiedeeiserne Tor zum Garten Gethsemane in Jerusalem. Dem letzten Zufluchtsort Jesu vor seiner Kreuzigung. Der Platz, an dem der Messias verraten wurde.

Was schier unmöglich schien, ist mit einem Mal und allein durch Herrn von Boehms diplomatisches Geschick und sein Fingerspitzengefühl zum Greifen nahe. Mit einer knappen und wenig einladenden Geste fordert mich der grimmige Wärter auf, den Garten zu betreten. Er selbst setzt den Fuß nicht einmal auf die Schwelle und bleibt mahnend am Tor stehen. Der Kameramann folgt mir samt seinem technischen Equipment still ins Allerheiligste.

Es ist ein eigenartiges Gefühl der besonderen Ehre, welches uns beschleicht, als wir zwei diesen zweifellos bedeutenden Ort der Menschheitsgeschichte betreten dürfen.

Ein schlichter kleiner sonnendurchfluteter Olivenhain mit exakt acht uralten und ehrwürdigen Bäumen; mehr ist es zunächst gar nicht. Ein sanfter Wind lässt die Blätter an den Olivenbäumen leise rascheln. Das also ist der Lieblingsplatz Jesu.

Eigentlich bin ich jemand, der heiligen Stätten oder sogenannten spirituellen Orten eher skeptisch gegenübertritt, da diese Plätze meist nur das sind, was Menschen unbedingt in ihnen sehen wollen.

Aber dieser Garten ist ganz anders als alles, was ich bisher an Vergleichbarem sehen durfte. Er besitzt so etwas wie eine eigenständige Wirksamkeit, die unabhängig von meinem Wünschen, Wollen, Denken oder Betrachten arbeitet. Mit einem Mal wird etwas in mir sanft »verrückt« oder, besser gesagt, gerade gerückt. Wild durcheinanderkreisende Gedanken in meinem Kopf scheinen sich hier wie von selbst in einer sinnvollen Reihenfolge zu ordnen.

Das karge Wäldchen durchströmt spürbar eine liebevolle Kraft, der ich mich, selbst wenn ich es wollte, nicht erwehren kann. Energetisch ist hier alles im harmonischen Fluss, mein Geist und mein Körper geraten automatisch in Einklang mit dieser zarten und friedvollen Schwingung.

Seltsam befreiend fühlt es sich an, still durch diesen Garten zu wandeln. Die heilsame Kraft, die von diesem grünen Fleck ausgeht, ist für mich körperlich wahrnehmbar und beschert mir unerwartet einen der schönsten und damit unvergesslichsten Momente meines Lebens. Tatsächlich empfinde ich es als eine Art Gnade, meinen Fuß in dieses gut bewachte Heiligtum setzen zu dürfen.

Der Ort selbst wirkt dabei so verletzlich. Ein falsches, lautes oder unbedachtes Wort an diesem Platz würde die friedensstiftende Energie vermutlich trüben, und ein einziger glühender Funke würde ausreichen, um das trockene Grün innerhalb kürzester Zeit lichterloh in Flammen aufgehen zu lassen.

Wie hat dieser fragile Ort bloß die vergangenen 2000Jahre vollkommen schadlos überstanden? Und das quasi mitten im von Krisen und Krieg geplagten Jerusalem? Vermutlich muss man vielen Generationen von argwöhnisch dreinschauenden Wächtern dafür danken, dass der Ort noch intakt ist. Die ungewöhnliche Widerborstigkeit des wachhabenden Hüters kann ich nun nachvollziehen. Es muss im Innersten des Gartens allzeit absolute meditative Stille herrschen. Der hier gewirkt hat, hat seine nachhaltigen Spuren im Schatten der Olivenbäume fühlbar hinterlassen.

Als wir den Garten, förmlich verwandelt, durch das kleine Tor nach gut fünf Minuten wieder verlassen, steht da immer noch der schlecht gelaunte Wärter und raunzt mir leise zu: »Haben Sie es gespürt?«

Zwar bin ich etwas verblüfft über seine Frage, sage aber dann doch freiheraus: » Ja, das habe ich in der Tat!«

»Gut!«

Mit diesem gegrummelten Wort verschließt er das Tor auch wieder. Der Produzent lächelt mehr als zufrieden. Und für mich bleibt Jerusalem der bewegendste Ort, an dem ich je sein durfte. Ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Das, was ich im Oktober des Jahres 2009 in diesem Garten gespürt habe, es festigt meinen Glauben.

Dass mein kurioser Weg als Fernsehkomiker und Moderator mich nach knapp 26Berufsjahren in den Garten Gethsemane führen würde, hätte ich wohl selbst für am wenigsten wahrscheinlich gehalten. Eine selten glückliche und durchaus schräge Fügung. Letztlich war der kurze Aufenthalt in Gethsemane ausschlaggebend dafür, dass ich die Kraft und die Überwindung aufbringen konnte, das vorliegende, für mich stellenweise schwierige Buch überhaupt zu schreiben.

Glaubt man der Kabbala, der uralten mystischen Tradition des Judentums, dann steckt hinter jedem Namen oder Wort neben seiner offensichtlichen noch eine verborgene Bedeutung. Anagrammspezialisten würfeln die Buchstabenfolge eines Wortes so oft neu zusammen, bis sich ihnen ein neuer, geheimer Sinn des Namens erschließt. Ein an der Kabbala interessierter Leser hat das mit dem Titel meines ersten Buches versucht und ist zu einem frappierenden Ergebnis gelangt. Ich bin dann mal weg wird zu: »Weib, Mann, Ding, lach!«

Diesen Satz dürfen Sie gern als dringende Lebensempfehlung meinerseits verstehen. Aber wozu wird wohl Der Junge muss an die frische Luft? Ich bin gespannt.

KAPITEL 2

DU BIST WIE ICH, HORST SCHLÄMMER!

Erkenne Gott und das Gute

in jedem Gesicht.

Der 11.11.2011 ist ein matschig verregneter, nasskalter Tag in Düsseldorf. Ob allein aufgrund des miesen Wetters oder der drolligen Schnapszahl wegen, das weiß ich nicht genau, jedenfalls bedeutet dieser Tag eine Zäsur in meinem Leben. Es endet etwas Altvertrautes, und etwas aufregend Neues scheint sich Bahn zu brechen.

Richtig hell ist es den ganzen Tag nicht geworden; jetzt am frühen Nachmittag ist es eigentlich schon wieder dunkel. Selbst in Reykjavik ist das Wetter heute wahrscheinlich freundlicher. Die fünfte, närrische Jahreszeit hält im Rheinland in diesem Jahr eher schlapp ihren Einzug, zu hören ist bestenfalls ein ganz maues Helau, das sich am liebsten wohl unter einem Regenschirm verschanzen würde. Bei diesem Aschermittwochwetter bleibt selbst der närrischste Jeck zu Hause, um jetzt schon für die kleinen Sünden zu büßen, welche er noch gar nicht begangen hat und die er, wenn das Wetter so bleibt, aus purer Lustlosigkeit auch nie begehen wird.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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