Der kleine Lord Teil 2 - Gregory Herger - E-Book

Der kleine Lord Teil 2 E-Book

Gregory Herger

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Beschreibung

Dieses Buch ist die Fortsetzung der Geschichte "Der kleine Lord". Ceddie ist nun erwachsen geworden und muss das Haus Dorincourt durch die Abenteuer des 20. Jahrhunderts steuern. Er lernt neue Freunde kennen, von denen später viele zu berühmten Persönlichkeiten werden.

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Seitenzahl: 56

Veröffentlichungsjahr: 2015

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«Weisst du, wann Ceddie heimkommt?» - «Er sollte heute Abend eintreffen, meine Liebe.» Die Mutter sah zur Uhr, die halb 5 anzeigte. Gegen 6 Uhr verkündete die Hausdame das Eintreffen von Ceddie aus London. Ceddie betrat den Speisesaal und begrüsste als Erstes seine Mutter, danach begrüsste er seinen Grossvater.

Seine Mutter fragte ihn über London aus, während der Grossvater leicht bekümmert Ceddie folgte. Der Grossvater wartete, bis die Mutter ihre Fragen gestellt hatte und lenkte das Thema auf das Haus der Lords. Ceddies Miene versteinerte, worauf sich der Grossvater in seiner Besorgnis bestärkt sah. «Es war also mehr als die üblichen Eifersüchteleien?» - «Uns droht ein Generalstreik.» - «Was ist ein Generalstreik?», fragte der Grossvater; auch die Mutter sah Ceddie fragend an.

«Es wird in allen Fabriken, Geschäften die Arbeit niedergelegt, auch unser Gesinde würde streiken. Kurz, das ganze Land wäre lahmgelegt.» - «Das klingt nach Chaos, vielleicht sollte man die Armee in Bereitschaft halten?», befand der Grossvater. «Keine Sorge, als Erstes hat heute das Haus eine Empfehlung an den Premierminister abgeben, in dem der Premierminister aufgefordert wurde, die Armee zu mobilisieren.» - «Ich nehme an, es gab noch weitere Differenzen zwischen Dir und dem Haus of Lords?» - «Das Haus sieht nicht, welche Konsequenzen ein solcher Generalstreik haben wird. Ich bin für Verhandlungen, das Haus nicht!» Ceddie trank sein Weinglas leer, ein Diener schenkte ihm sofort nach. Der Blick des Grossvaters blieb weiter nachdenklich auf seinen Enkel gerichtet, er entschloss sich aber, vorerst keine Fragen zu stellen. Die Stimmung entspannte sich nach dem Essen, als Grossvater und Enkel sich eine Zigarre anzündeten. Die Mutter nahm das Gespräch wieder auf. «Ceddie, hast du in London eine Frau kennen gelernt?» Ceddies entspannte Gesichtszüge entschwanden augenblicklich. «Mutter, nicht schon wieder dieses Thema.» - «Es wäre aber Zeit, vielleicht können Grossvater und ich dir dabei helfen», hakte die Mutter nach. Ceddies Blick huschte zu Grossvater‘s Gesicht, das von Gelassenheit nur so strahlte. Das ergrimmte ihn und er brummelte: «Grossvater, hilf mir doch!» - «Ich fürchte, ich muss deine Mutter unterstützen. Zu deinen Aufgaben gehört es auch, einen Erben für das Haus Dorincourt zu zeugen.» - «Wir dachten, ein Ball hier im Haus könnte dir weiterhelfen», sagte die Mutter. Ceddie geriet beinahe in Panik. «Ein Ball mit den dummen Hühnern aus der Gegend? Ohne mich.» - «Ceddie, du warst zwölf, als du Tanzen gelernt hast und mit den damaligen Mädchen schlechte Erfahrungen gemacht hast.» - «Ihr wollt mir helfen? Gut, ladet die Damen zum Tee ein und ihr werdet feststellen, dass sie noch immer eingebildete dumme Puten sind.»

Damit stand Ceddie auf und wünschte allen eine gute Nacht. Am nächsten Tag ritt Ceddie mit seinem Grossvater aus, sie hatten eine unbeschwerte Zeit. Auch der harmonische Abend mit Mutter und Grossvater halfen Ceddie, London zu vergessen. Doch am nächsten Morgen hiess es dann zurück nach London. Der Grossvater machte sich grosse Sorgen um Ceddie und seine Situation in London; er behielt sie aber vorerst für sich.

Ceddies Mutter war auch nicht untätig geblieben; sie lud die ersten drei Frauen zum Tee ein. Die Mutter hatte grosse Erwartungen an die jungen Damen, die kamen. Der Grossvater war eher gespannt auf das, was da kommt. Leslie hiess die Erste. «Wie sehen sie ihre Rolle an Lord Fauntleroys Seite?» «Meine Rolle? Das Haus in Schuss halten, Kaffeestunden organisieren, Bälle ausrichten und Kinder zu zeugen.» Sie kicherte. Die Mutter lächelte gequält, das war nicht die richtige Frau für Ceddie. Die Zweite hiess Maria und hatte lange schwarze Haare. «Meine Rolle? Als Lady in diesem Haus und in dieser Grafschaft den Standard zu halten.» Sie war es auch nicht, das war der Mutter sofort klar. Auch die anderen drei jungen Damen waren an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten.

Der ganze Nachmittag war ein Sprung ins kalte Wasser, Mutter und Grossvater waren bedient. Ceddie war nach London zurückgekehrt. Die Stimmung war am Brodeln, auf der Strasse war mehr Polizei unterwegs als sonst. In seinem Haus wurde er von mehreren Mitgliedern der Labour Party empfangen. «Lord Fauntleroy, wir sind erfreut, dass Ihr nach London zurückgekehrt seid. Es gilt, eine Katastrophe abzuwenden.» Aber sie liess sich nicht abwenden, am nächsten Tag trat am Mittag der Generalstreik in Kraft.

Die Polizei knüppelte die Demonstration nieder. Ceddie war betrübt, er hatte gehofft, das zu verhindern. Sein Hauspersonal streikte im Übrigen nicht; anders in Dorincourt, dort legten die Pächter ihre Arbeit nieder und auch ein grosser Teil des Personals des Schlosses streikte. Der Streik dauerte drei Tage, dann ging das Oberhaus auf die Forderungen der Gewerkschaften ein. «Das wird das Problem nicht lösen», sagte Ceddie zu seinem Grossvater, als er wieder auf Dorincourt war. «Wir brauchen eine Reform des Regierungssystems.» – «Meinst du, Ceddie?», antwortete der Grossvater. «Es wird schwierig sein, das Oberhaus zu überzeugen, auf seine Privilegien zu verzichten.» – «Ich weiss Grossvater, aber wenn wir es nicht schaffen, werden wir in England bald Chaos mit ungeahnten Konsequenzen haben.» – «Ceddie, ich könnte einen Brief an den Premierminister schreiben und ihn bitten, dich zu einem Minister zu machen. Das würde das Oberhaus wieder besänftigen.» – «Das würdest du machen, Grossvater?» Grossvater lächelte: «Ich denke, die Zeit ist reif dafür, Ceddie.» – «Glaubst du, dass dir das nicht zu viel werden könnte?», fragte die Mutter besorgt. «Mama, ich bin sicher, dass ich das schaffen kann und im Kabinett zu sitzen, wäre das Grösste überhaupt.» Ceddie brannte richtig bei diesen Worten. Die Mutter warf einen vielsagenden Blick Richtung Grossvater. «Du wirst auf jeden Fall im Nachteil sein, weil du keine Frau hast, die dir beim Repräsentieren hilft.» Das sass, Ceddie war ins Mark getroffen und sein Grossvater sorgte nicht für Linderung.

«Ceddie, deine Mutter hat Recht, wenn du in die Regierung gehst, musst du schnellstens heiraten.» Ceddie stöhnte. «Mit diesen Frauen hier wird das nichts.» – «Es gibt noch mehr Frauen als hier in der Umgebung. Wir könnten einen Ball geben und die besten heiratsfähigen Frauen dazu einladen.» – «Na wunderbar, ein Heiratsbazar nur für mich.» Der Grossvater musste lachen. Der Ball fand zwei Wochen später statt. Ceddie liess eine Frau nach der anderen vorstellen, keine weckte in ihm Begeisterung. Bis ihm eine junge Schottin vorgestellt wurde: «Lord Fauntleroy Lady MC Brighton!» Sie knickste vor ihm, sah ihm aber verschmitzt ins Gesicht. Das gefiel Ceddie und er wählte sie für den ersten Tanz aus. Sie hatte lange schwarze Haare und war schlank, sie schwebte förmlich über die Tanzfläche. «Wie ist Ihr Vorname?», fragte Ceddie. «Mein Name ist Mary» – «Mary! Ein wunderschöner Name.

Woher kommen sie?» – «Aus der Nähe von Edinburgh.» Ceddie lächelte sie nur an und sie lächelte zurück, schweigend tanzten sie das Stück zu Ende. Danach musste Ceddie mit anderen Frauen tanzen, aber nach fünf Tänzen forderte er