Der kranke Gesunde - Joachim Müller-Jung - E-Book

Der kranke Gesunde E-Book

Joachim Müller-Jung

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Beschreibung

Am Beispiel des Brustkrebs-Gens BRCA1 stellt Joachim Müller-Jung in seinem Beitrag zum Kursbuch 175 Chancen und Probleme der Gen-Forschung dar. Unter Berücksichtigung ihrer statistischen Basis werden die blinden Flecken der Methode aufgezeigt.

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Seitenzahl: 18

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Joachim Müller-Jung

Der kranke Gesunde

Die Grenzen der Genmedizin

Vielleicht war es einen Hauch zu sehr auf Werbung gebürstet. Vielleicht ist Angelina Jolie als Propaganda- und Sexsymbol wirklich schon zu sehr in dieser hypertrophen Welt des schönen Scheins gefangen (womöglich waren es aber auch die betreuenden Redakteure), dass es gar keine andere Option gab als diesen Auftritt in der New York Times, der meistgelesenen Zeitung der Welt: »My Medical Choice«, meine medizinische Wahl. So lautete der Titel eines persönlichen Bekenntnisses, das die Welt in diesem Frühsommer für ein paar Wochen in Atem hielt und mehr noch, das sie spaltete in Bewunderer auf der einen und Spötter auf der anderen Seite. In solche, die den Mut der Hollywoodschönheit anpriesen, körperliche Defizite und ihr medizinisches Schicksal öffentlich zu machen, einige auch darunter, die sich dankbar äußerten, eine überfällige Debatte über genetische Vorsorge angestoßen zu haben. Und dann gab es noch die anderen, die sich furchtbar daran störten, dass eine Frau auf der Sonnenseite des Lebens sich selbst entblößte und ihre privatesten Geheimnisse, wie es eine vorsorgliche Mastektomie mit anschließendem Wiederaufbau beider Brüste eigentlich sein sollte, zur Pflege ihres Starkultes nutzte und dazu, einer gut betuchten Minderheit ins medizinische Gewissen zu reden.

Zu vermuten ist, dass beide Lager nicht ganz falschliegen. Angelina Jolie, die 38-jährige Hollywoodikone, eine der attraktivsten und bestverdienenden Frauen der Welt, hat sich am 14. Mai in das Schaufenster einer privaten Brustkrebsklinik gestellt. Als Werbeträger für sich selbst, gewiss, wie immer, wenn sich jemand wie sie mit solchen brisanten Einzelheiten aus ihrem Privatleben outet, aber vor allem auch für ein Thema, das die sperrige Bezeichnung Gesundheitsvorsorge trägt und keineswegs so neu ist, wie es nach der Bekanntmachung durch Jolie in der New York Times den Anschein hatte. Denn der humangenetische Umgang mit der genetischen Veranlagung für Brustkrebs ist jahrzehntealt, und auch die Frage einer vorsorglichen Brustentnahme ist alles andere als neu.