Der Kuss des Hexers - Scarlett Draven - E-Book

Der Kuss des Hexers E-Book

Scarlett Draven

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Beschreibung

210 Normseiten Humorvolle Fantasy-Romance-Reihe Die Halbdämonin Daria soll dem chaotischen Hexer Aidan wertvolle magische Artefakte stehlen, mit denen man die Welt vernichten und eine neue Welt voller Grauen und Pein neu erschaffen kann. Sie muss sich entscheiden, ob sie den Mann, den sie liebt, verraten wird oder das Leben ihrer besten Freundin aufs Spiel setzt.

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Scarlett Draven

Der Kuss des Hexers

Crazy Magic 2

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Inhaltsbeschreibung

 

 

 

Die Halbdämonin Daria soll dem Hexer Aidan wertvolle magische Artefakte stehlen, mit denen man die Welt vernichten und eine neue Welt voller Grauen und Pein neu erschaffen kann. Sie muss sich entscheiden, ob sie den Mann, den sie liebt, verraten wird oder das Leben ihrer besten Freundin aufs Spiel setzt.

 

 

 

 

 

Kapitel 1

 

 

 

Aidan

 

Ozark-Plateau, Arkansas

Irgendwo in der Einöde zwischen Kensington und Elephant Butte

»Die spinnen, die Menschen«, sagt Logan, der Wer-Mensch, zu mir. Er besitzt dunkle Augen und schwarze Haare. Bis auf die rosa-hellblau geblümte Kittelschürze mit Spitzenborte ist er nackt. Mir ist seine Aufmachung egal, solange er mir hilft, das Chaos in meinem Haus zu beseitigen.

»Ich weiß nicht, warum ich mir das antue. Ich bin ja nicht mal dein Vertrauter«, jammert Logan. Er entfernt gerade mit einem Straußenfedernwedel Staub von meiner Deckenlampe Marke Eigenbau, die früher mal ein Wagenrad gewesen ist.

Jede Hexe und jeder Hexer besitzt einen Vertrauten, ein Tier oder anderes Wesen, das ihm nahe steht und ihn bei seinen magischen und schamanischen Unternehmungen unterstützt. Mein Vertrauter ist Romeo, der Rabe. Logan ist ein Freund, den ich mal im Wald kennengelernt habe. In seiner normalen Gestalt ist er ein schwarzer Wolf, aber bei Vollmond und zu anderen höchst unpassenden Zeiten verwandelt er sich sehr zum Schock seiner Mitwölfe in einen Menschen.

Der Rabe Romeo sieht Logan an. »Ich kann mich im Gegensatz zu dir nicht in einen Menschen verwandeln, sonst würde ich meinem Hexer ja auch mehr helfen, aber ich konnte gerade mal seine Pornosamm...«

Rasch unterbreche ich ihn. »Wir machen das alles, weil die Oberhexe ihr baldiges Erscheinen in meiner bescheidenen Bude angekündigt hat«, erkläre ich, während ich wie ein Irrer mit meinem Mob durch die Gegend wische, sodass der Zombie-Kater Teutobald entsetzt durchs offen stehende Fenster flieht. Bei der Oberhexe sollte man schon einen guten Eindruck machen. Schließlich könnte sie einen sonst als unprofessionell ansehen, was natürlich jeder Hexer und jede Hexe fürchtet. Zudem ist es das erste Mal, dass ich die Oberhexe sehe, und der erste Eindruck zählt ja bekanntlich.

»Und das alles tun wir uns nur an, weil dein Hexen-Kumpel außer Landes ist. Der hätte das Chaos schon längst weggezaubert. Mach‘s doch wie wir Wölfe: Wenn du nicht so viel Gerümpel hast, musst du auch nicht aufräumen. Menschen mit ihrem ganzen Ramsch, den sie gar nicht brauchen …«, meint Logan zerknirscht.

Es ist verboten, die Hexerei für selbstsüchtige Zwecke zu verwenden. Mein Mit-Hexer Byron und ich haben diese alte Regel geschickt umgangen, indem wir füreinander hexen, was der andere gerade benötigt. Ob die Oberhexe Griseldis davon erfahren hat und deshalb hier erscheint? Oder ob sie, was noch schlimmer ist, weiß, dass ich mich mit einem abtrünnigen Hexer, also einem Warlock, herumtreibe, der zudem noch ein Vampir ist, und somit einer der Erzfeinde der Hexen? Das wäre gar nicht gut. Ich wage gar nicht, daran zu denken, welche Strafe mich in solch einem Fall erwarten würde.

»Die Oberhexe kann jeden Moment hier auftauchen. Arbeitet schneller, ihr Sklaven!«, krächzt mein Rabe.

Ich schließe das Fenster. Teutobald wird sich vermutlich so schnell nicht mehr hier blicken lassen. Yasmeen und Byron haben ihn offenbar nicht mitgenommen, was mich nicht wundert, denn er neigt zum Voyeurismus.

»Du kreischst auch nur so, weil du nicht als Besen inkarniert bist. Ich bin ein Hexenbesen und zum Fliegen gemacht und nicht als Haushaltssklave«, beschwert sich mein Besen Liam lautstark.

»Aber die Oberhexe ...«, beginne ich.

»Die ist mir so langsam schnuppe. Mein Stecken tut mir schon weh vom vielen Kehren. So langsam habe ich die Borsten voll. Ich habe keine Lust mehr.«

»Nun jammere nicht so oder denkst du, Wölfe sind vom Universum dazu erschaffen worden aufzuräumen? Das, was die Menschen und Hexen als Schmutz bezeichnen, ist für uns nur Materie am falschen Ort – und selbst das bietet Raum für Interpretation.«

Ich verdrehe die Augen und setze zu einer Erwiderung an, da wird die Tür meines bescheidenen Hauses plötzlich von einer starken Windböe aufgerissen und Blätter, Staub und abgebrochene Äste werden hereingeweht. Auch das noch. Wie sollen wir das so schnell wieder beseitigen?

Eine Frau fliegt sogleich herein, die aussieht wie die Rapperin Missy Elliott mit ihren großen Silbercreolen, bunten Armreifen, Baggy-Jeans, schwarzem Hoodie und Rastas, nur dass sie größer ist und ihre Haare länger sind. In der Hand hält sie ein zusammengerolltes Blatt Papier. Was will die hier?

Ob das eine von den Hexen in Griseldis’ Gefolge ist oder irgendein anderes magisches Wesen? Normale Menschen und Wandler in Menschengestalt können nicht fliegen.

»He, du da, was fällt dir ein, mein Haus zu verwüsten? Ich erwarte Besuch von der Oberhexe und kann das gar nicht gebrauchen«, rufe ich frustriert aus. Was soll nur die Oberhexe von diesem Saustall halten? Die ganze Arbeit war umsonst gewesen, und das finde ich verdammt frustrierend.

»Ich bin die Oberhexe, du Dumpfbacke.«

»Ja, klar und ich bin Marilyn Manson im Urlaub.« Da könnte ja jede kommen und so etwas behaupten ...

Zornig sieht mich die große, schlanke, schwarze Frau an. Grünblaue Blitze schießen plötzlich aus ihren Fingerspitzen und treffen mich, bevor ich ausweichen oder einen Schild aufbauen kann.

Der magische Angriff erwischt mich frontal. Ich werde gegen die Wand geschleudert und fühle mich auf einmal deutlich kleiner, was wohl daran liegt, dass ich nun zu Füßen der Oberhexe liege, die näher zu mir heran tritt.

»Quak«, sage ich. Meine Aussprache war auch schon mal besser gewesen, das muss ich zugeben. Dabei habe ich gestern gar nichts getrunken.

»Wenn du mich noch einmal beleidigst, wirst du den Rest deines Lebens als Frosch verbringen, du Wurm«, fährt sie mich an.

»Quak, quak«, sage ich. Schließlich will ich sie darauf hinweisen, dass zwischen einem Frosch und einem Wurm ein Unterschied besteht, und sie sich gefälligst mal entscheiden soll, was ich in ihren Augen bin.

Ein Frosch? Von Panik erfüllt starre ich an mir herab. Es ist wahr, sie hat mich nicht nur gegen die Wand geschleudert, sondern auch in einen Frosch verwandelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Frauen auf mich geflogen sind. Mit dieser ungesunden grünen Hautfarbe habe ich nur noch Chancen bei den Froschdamen. Und die Ernährung erst … Mücken! Würg.

»Quak«, sage ich protestierend, denn das will ich mir natürlich nicht bieten lassen. Oberhexe Missy Elliott hin oder her, das geht eindeutig zu weit.

Erneut schießen Blitze, diesmal jedoch silberne, aus ihren Fingerspitzen, und ich bin wieder größer. Sicherheitshalber sehe ich an mir herab. Die Götter seien gepriesen. Ja, ich bin wieder ein Mann und gar nicht mehr grün.

»Okay, okay, ich werde dich nicht mehr beleidigen. Konnte ja wirklich keiner ahnen, dass du aussiehst wie eine Rapperin«, sage ich beschwichtigend.

Griseldis wirft ihre langen Rastas nach hinten. »Ich sehe nicht nur aus wie eine Rapperin, ich bin eine Rapperin und zwar eine verdammt bekannte. Ich habe schließlich den Bobo Popo Rap geschrieben.«

Verständnislos sehe ich sie an. »Was für ein Ding hast du geschrieben?«

»Davon hast du keinen Plan, Alter, und das ist auch nicht der Grund, weswegen ich hier bin. Ich habe eine Aufgabe für dich. Es ist schlimm genug, dass ausgerechnet du Chaot der Auserwählte bist.« Sie seufzt theatralisch.

Wovon spricht die Alte? Ist die hackedicht?

Ihr Blick schweift durch den Raum, dann blinzelt sie ungläubig. »Hat dieser heiße Typ wirklich nur eine Schürze an?«

Ich folge ihrem Blick. Logans geblümte Schürze ist wirklich verdammt knapp und bedeckt natürlich nicht seinen nackten Hintern.

»Zieht man denn etwas dazu an?«, fragt Logan.

»Nicht unbedingt. Kannst du mal bei mir zum Putzen vorbeikommen?« Griseldis schenkt ihm einen lüsternen Blick und betrachtet seinen nackten Hintern ungeniert. Es ist eindeutig, dass sie nicht Putzen im Sinn hat. Wenn mich nicht alles täuscht, versucht sie, einen Blick unter seine Schürze zu erhaschen. Ärgs.

Als er nicht auf ihre flirtenden Blicke reagiert, wendet sie sich an mich. »Ist er etwa ... Ich meine, steht er auf Männer?«

»Ich habe keine Ahnung«, sage ich wahrheitsgemäß. »Ich glaube, er steht auf Wölfe.«

Griseldis verzieht das Gesicht. »Wow. Das ist ja mal wirklich kinky, würde ich sagen.« Sie räuspert sich. »Ist er vertrauenswürdig?«

»Ich wollte ohnehin gerade gehen«, sagt der Wer-Mensch, zieht die knappe Umbinde-Schürze aus, was die Augen der Oberhexe fast dazu bringt, aus ihren Höhlen zu fallen, als sie sein prächtiges Gemächt anstarrt – der Perverse hat sogar eine Halberektion –, und reicht sie mir. »Die gehört dir.«

Indigniert sehe ich das peinliche, geblümte Stück Stoff an. »Das wage ich zu bezweifeln.«

»Doch, doch, ich habe sie erst heute Morgen in deinem Keller gefunden«, sagt Logan voller Überzeugung.

Ups, das kann sogar sein. Ich habe den Kellerinhalt von der Vorbesitzerin, einer alten Dame, übernommen. Offenbar hätte ich wirklich mal ausmisten sollen, war bisher aber zu faul dazu gewesen. Hoffentlich befindet sich da unten nicht noch mehr verfängliches Zeug wie etwa Lockenwickler oder geblümte Dildos.

Griseldis hebt eine schwarze Augenbraue und sieht mich schief grinsend an. »So so, sind wir also ein wenig auf trans, hä?«

Ich spüre, wie mir das Blut ins Gesicht schießt. Byron würde sich als Lachkrampfleiche auf dem Boden wälzen, wäre er hier. Es ist also ganz gut, dass er außer Landes ist. »Äh nein, und wenn, dann würde ich bestimmt nicht so etwas tragen.«

»Ja, aber rosa Rüschenhemden oder was? Das sieht mir ja fast aus wie dieser groteske Vampir-Look. Du hast doch nicht etwa Kontakt mit Vampiren?«, fragt sie mit einem angewiderten Blick auf meine Gewandung.

So schrecklich ist die doch auch wieder nicht. Ich habe das Hemd von Byron bekommen und der ist schon lange so rumgelaufen, bevor er zu einem Vampir geworden ist. Scheiße, ahnt sie etwa, dass er mein bester Freund ist?

»Ich habe nur Umgang mit Hexern, wie es sich gehört«, sage ich indigniert. Byron ist ja auch ein Hexer, ein Warlock zwar, also ein abtrünniger Hexer, aber das ist nicht seine Schuld. Meiner Meinung nach ist er eher ein Opfer der Umstände, aber das sehen die anderen Hexen leider anders. »Außerdem ist das kein Rosa, sondern ein sehr dunkles Violett, Euer Farbenblindheit, und dieses Hemd ist der absolut letzte Schrei«, sage ich rasch, um sie von dem Vampir-Thema abzulenken.

»Ja, der letzte Schrei des Modepapstes, bevor er sich vor Verzweiflung über deine Kleidung aus dem Fenster gestürzt hat. Das Zeug ist seit mindestens zweihundert Jahren out.«

Was hat sie gegen mein Hemd? Klar ist es alt, aber das heutige, in China hergestellte Zeug geht viel schneller kaputt als dieses Hemd. Damals hat man, im Gegensatz zu heute –, was man ja sehr deutlich an Griseldis‘ zerfetzter Jeans erkennen kann – eben noch Qualität hergestellt.

»Hey, beleidigen lassen muss ich mich nicht«, sage ich.

»Ich mich auch nicht. Wir sind jetzt quitt«, unterbricht sie mich, bevor ich zu einer Gegen-Beleidigung über ihre halbzerfetzte Baggy-Jeans ausholen kann, und das wäre vielleicht nicht so klug gewesen. Es ist Zeit, das Thema zu wechseln.

Ich wende mich an Logan. »Was hattest du eigentlich in meinem Keller zu suchen?« Nur weil mir der Wolf hilft, heißt das nicht, dass er überall in meinen Sachen rumschnüffeln kann. Wollte der nicht eigentlich längst abhauen?

Logan grinst mich an. »Na, ich habe natürlich nach einem Staubwedel gesucht. Deine Putzkammer ist äußerst schlecht sortiert. Das meiste darin ist Bier! Wer putzt denn schon mit Bier? Du solltest mir dankbar sein, denn dein Haus war wirklich in einem üblen Zustand gewesen, bevor diese Dame gekommen ist.«

»Das musst gerade du sagen.« Immerhin lebt Logan in einer Höhle.

»Ein Messie bist du also auch noch?«, fragt Griseldis fies grinsend, während sie sich Tabak, irgendein grünes Kräuterzeug und Zigarettenpapier aus der Jeans-Tasche holt und sich eine Tüte dreht. Sie scheint sich ja wirklich prächtig zu amüsieren.

»Nein!«, rufe ich aus. »Ich bin nur leicht unordentlich.« Es gibt Wichtigeres im Leben, als den ganzen Tag zu putzen oder aufzuräumen. Nicht, dass es diese verrückte Tante etwas anginge ... Schließlich will sie was von mir und nicht ich von ihr. Warum tue ich mir das überhaupt an? Ach ja, weil ich kein Frosch sein will.

»Ich geh dann mal. Schließlich will ich meine Zähne bald in zuckendes, blutiges Fleisch schlagen.« Mit diesen Worten verlässt Logan mein Haus.

Griseldis sieht ihm perplex nach. »Woher kennst du den eigentlich? Der Typ ist absolut heiß, aber er hat eindeutig ’nen Schaden im Regal.« Sie verstaut ihren Tabak und das Zigarettenpapier wieder. Dann zündet sie sich ihren Joint an und zieht daran. Sogleich schwängert der typische, leicht süßlich-krautige Geruch von Marihuana den Raum.

»Eigentlich ist er vollkommen normal für einen ...«

Sie unterbricht mich. »Es interessiert mich nicht, mit welchen Leuten du dich umgibst, solange du dich an die Regeln der Hexen hältst.«

Hat die eine Ahnung ... Bisher gibt es keine Regel, die ich nicht bereits erfolgreich umgangen hätte. Oh oh, hoffentlich ist sie nicht hier, um mich zu bestrafen. Ich schlucke.

»Lass uns nun zur Sache kommen«, spricht sie weiter. »Es gibt eine alte Prophezeiung, eine orakelhafte Botschaft, die wir erst kürzlich an Irlands Westküste gefunden haben.«

»Wir?«

»Ja, ein Vampir war der Sache bereits auf der Spur.«

»Ein Vampir? Ihr arbeitet mit Vampiren zusammen? Ich dachte, ihr verabscheut diese Kreaturen?«, frage ich verwundert. Das wird ja immer seltsamer. Vor allem werde ich bei allem, was Vampire betrifft, immer hellhörig, seit mein bester Freund gegen seinen Willen zu einem gemacht worden ist und seitdem aus diesem Grund als ein Ausgestoßener der Hexengesellschaft gilt.

Sie nickt. »Nein, natürlich arbeiten wir nicht mit Blutsaugern zusammen. So etwas würden wir nie tun. Einer unserer Agenten hat ihn verfolgt, weil er einer wichtigen Sache auf der Spur war.«

»Wie heißt dieser Vampir?«

»Das tut nichts zur Sache. Er ist spurlos verschwunden, aber in seinem Haus konnten wir Hinweise auf den Verbleib eines wichtigen Artefaktes finden. Schon lange sind wir auf der Suche nach einer legendären Stele, die im Buch der Schatten einer schon lange verstorbenen Hexe beschrieben worden ist. Es geht um einen Auserwählten, der eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Und dieser Auserwählte bist leider rein zufällig du.«

»Ich?«

Sie nickt. »Ja, du. Ich kann es selbst immer noch nicht glauben.«

Ich schnuppere. »Ist das ein Joint?«

»Ja.«

»Darf ich auch mal dran ziehen?«

»Nein, du musst einen klaren Kopf bewahren und genau zuhören, was ich dir zu sagen habe.«

Weil die Alte ja gar keinen Knall hat ...

»Ja, klar, während du dich zuhaschst.«

»Mir macht das nichts aus, ich bin die Oberhexe. Marihuana kann meinen Verstand nicht umnebeln.«

 ... weil er immer umnebelt ist. Aber diesen Gedanken behalte ich lieber für mich, denn die Alte ist nicht nur völlig gaga, sondern auch leider verdammt mächtig. Mit ihr legt man sich lieber nicht an, vor allem, wenn man selbst keine nennenswerten Hexenkräfte besitzt.

Sehnsüchtig starre ich auf den Joint, den sie zwischen ihre vollen Lippen klemmt. »Was auch immer du sagst, Oberhexe. Und was steht auf dieser sagenumwobenen Stele, die einer deiner Hexer sichergestellt hat?«, frage ich neugierig.

»Lies selbst. Das hier ist eine Abschrift davon.« Ihre Armreifen klirren leise, als sie mir die Papierrolle überreicht.

Ich rolle das Papier auf und starre neugierig auf die seltsamen Zeichen. »Das kann ich nicht lesen. Ist das Keilschrift?«

»Nein, es sind Runen.«

»Wusste ich doch, dass mir diese Zeichen bekannt vorkommen. Und warum bin ich der Auserwählte? Ich bin einer der schwächsten Hexer, die man sich nur vorstellen kann.«

»Das liegt daran, dass deine Kräfte noch nicht erwacht sind. Offenbar bist du ein Spätzünder. So etwas soll vorkommen.«

Dasselbe hat Byron mir auch schon gesagt. Ich hoffe, das stimmt, denn in meinem Alter hatten alle, die ich kenne, bereits ihre Kräfte.

»Dann bin ich damit aber verdammt spät dran.« Ehrlich gesagt glaube ich selbst kaum noch daran, dass das eines Tages passieren wird. Für die Hexen ist es ein großes Ereignis, das meist während der Pubertät oder in den drei Jahren danach stattfindet oder ich bin einer der eher seltenen Fälle, bei denen das später erfolgt. Auch bei den Wandlern soll es schon ausgesuchte Spätzünder gegeben haben. Manche Abkömmlinge von Wandlern können sich gar nicht verwandeln, während auch nicht jeder, der von einer Hexe abstammt, auch eine wird. Manchmal überspringt die Fähigkeit eine Generation, und dass dies bei mir der Fall sein könnte, ist meine größte Angst.

»Du bist spät dran, aber das Erwachen steht kurz bevor«, sagt Griseldis.

»Hoffen wir es, sonst werde ich dieser Aufgabe vielleicht nicht gewachsen sein. Was soll ich überhaupt tun?«

»Es steht alles auf dem Papier.«

Na toll ... »Aber ich kann das nicht lesen.«

»Dann lerne eben, es zu lesen. Sei froh, es hätte auch chinesisch sein können. So viele Runen gibt es ja nicht, zweiundzwanzig oder dreiundzwanzig, wenn ich mich nicht täusche. Es ist eine Weile her, dass ich zur Schule gegangen bin.«

»Aber so gut wie niemand kann heutzutage mehr Runen lesen.« Klar haben wir auf der Hexenakademie zumindest die Bedeutung der einzelnen Runen erlernt. Ich hätte wohl nicht so oft schwänzen sollen ...

»Dann ändere das, du Jammerlappen. Alternativ kannst du deine Tage als Frosch fristen, falls dir das lieber ist.«

Okay, das ist keine Option für mich. Frauen stehen nicht auf Frösche. Klar gibt es dieses Märchen, in dem eine schöne Prinzessin einen Frosch küsst, aber ich bezweifle ernsthaft, dass Griseldis’ Zauber dadurch aufgehoben wird.

Außerdem hat Madame Oberhexe mit ihren Worten meinen Stolz getroffen.

»Ich werde mit Sicherheit nicht ein Frosch sein!«

»Dann zeig es mir, lese den Text, finde das Zeug, tue, was drauf steht und rette die Welt.«

»Was? Die Welt retten?«, frage ich ungläubig. Davon war aber zuvor nicht die Rede gewesen. Nicht, dass das Ganze eine Nummer zu groß für mich ist. Das ist schließlich eine ganze Menge Verantwortung.

»Ja, natürlich, denn es ist dein Schicksal, genau die Anweisungen auf der Stele zu befolgen.«

Ich bin vermutlich der Hexer, der am schlechtesten darin ist, Anweisungen zu befolgen.

»Diese Aufgabe ist äußerst wichtig. Es gibt Wesenheiten und Mächte, die versuchen werden, dich zu stoppen, um selbst an die Artefakte zu gelangen«, spricht die Oberhexe weiter.

»Und was passiert, wenn ich es nicht tue?«

»Du musst es tun, und nur du kannst diese Aufgabe erfüllen laut dieser alten Prophezeiung. Sonst wäre ich wohl kaum heute hier. Damit das Gleichgewicht dieser Welt gewahrt wird, müssen die Artefakte an die Götter zurückgegeben werden. Denn sonst werden böse Kräfte die Macht an sich reißen, und das darf nicht passieren. Sie werden eine Welt erschaffen, in der du nicht leben willst.«

»Gerade hast du noch was vom Weltuntergang gefaselt. Was denn jetzt? Wird die Welt denn nun zerstört oder nicht?«

Griseldis starrt mich wütend an. »Ich fasele nicht. Die Welt, die du bisher gekannt hast, wird untergehen und ersetzt werden durch eine dunkle, die erfüllt ist von Grauen, Qual und Schmerz.«

Wie melodramatisch. Und vermutlich wird es dort kein Budweiser, keine willigen Frauen, keine Schokolade, kein Marihuana und keine Abende mit meinen Kumpels geben, denn das wäre ja das Gegenteil von alledem. Das kann ich nicht zulassen.

»Okay, ich bin dabei«, sage ich.

»Natürlich bist du das, denn es ist dein Schicksal. Du bist der Auserwählte.« Mit diesen Worten verschwindet sie in einer Marihuana-Qualmwolke, die mich erstmal zum Husten bringt und mir dann tatsächlich leicht zu Kopf steigt. Die Alte raucht wirklich einen guten Stoff.

»Ich würde sagen, du hast ein Problem«, sagt Romeo, mein Rabe. Er hat schon immer das Talent besessen, mich ›aufzumuntern‹.

Womit er nicht ganz unrecht hat, denn ich habe jetzt tatsächlich ein Problem. Mir schwirrt immer noch der Kopf von all den Dingen, die laut Griseldis auf dem Spiel stehen. Vor mir allein hängt so viel ab. Das ist verdammt viel Verantwortung, viel mehr als ich jemals hatte tragen wollen.

Aber das erste Problem ist: Wie soll ich die Runen nur entziffern? Ich könnte im Internet danach googeln, aber vermutlich handelt es sich um Altnordisch. Wie auch immer eine altnordische Stele nach Irland gelangt ist ... Andererseits gibt es Überschneidungen zwischen deren Mythologien, glaube ich, mich entfernt an den Unterricht an der Hexenakademie zu erinnern. Ich hätte wirklich nicht so viel schwänzen, haschen, saufen und Weibern nachjagen und lieber was lernen sollen.

Ich hab‘s. Ich kenne doch eine heiße Rothaarige, die genau das studiert. Die wollte ich schon lange mal näher kennenlernen und nicht nur einmal flachlegen. Nur leider ist sie das Gegenteil von mir und sehr strebsam, was ihr Studium angeht.

Das wäre die Gelegenheit, sie endlich näher kennenzulernen, nachdem ich es das letzte Mal versemmelt habe.

Leider habe ich das Problem, dass ich ihre Telefonnummer verloren habe, die sie mir während einer Party gegeben hat. Die Jeans, die ich damals getragen hatte, als ich sie kennengelernt habe, hatte so seltsame kleine Taschen, aus denen alles so leicht raus fällt. Ich hätte beinahe sogar meinen Hausschlüssel verloren. Die Jeans habe ich natürlich sofort in die Altkleidertonne gegeben.

Ich habe später den Gastgeber der Party und einige andere Leute, die dort gewesen sind, nach Daria gefragt, aber niemand weiß, wo sie wohnt und keiner hat ihre Telefonnummer. Und eigentlich war sie auch gar nicht eingeladen gewesen ...

Zweifel schleichen sich bei mir ein. Wer weiß, ob sie überhaupt alte Sprachen an dieser Uni studiert, wie sie es mir damals erzählt hat. Vielleicht war nicht mal der Name, den sie mir genannt hat, richtig gewesen. Und vermutlich hat sie mir gar nicht ihre richtige Telefonnummern, sondern die des nächsten Puffs oder die eines Bestatters gegeben. Von jemandem, der sich illegal auf Partys einschleicht, ist nichts anderes zu erwarten. Von dieser Frau, selbst wenn ich sie irgendwo auftreiben kann, ist gewiss keine Hilfe zu erwarten.

Ich werde mich wohl anderweitig umhören müssen. Es muss doch irgendjemanden geben, der Altnordisch lesen kann. Notfalls könnte ich einen der Professoren der diversen Universitäten anhauen. Von denen laufen ja genug rum. Auch gibt es womöglich irgendwo einen Lehrstuhl für alte Sprachen und Schriften oder so was Ähnliches.

 

Kapitel 2

 

 

 

Daria

 

Springfield, Missouri

»Geh mir aus dem Weg«, fahre ich den widerlichen, roten Dämon an.

Der hat mir gerade noch gefehlt. Ich bin auf dem Nachhauseweg vom Studenten-Café, das bis spät nachts geöffnet hat. Es ist gegen zwei Uhr morgens, und ich bin hundemüde. Ich will einfach nur noch einen warmen Brombeerblättertee trinken und mich dann in mein kuscheliges Bett werfen. Ich unterdrücke ein Gähnen.

»Du bist eine Widerwärtigkeit, eine Mutation«, sagt der rote Dämon mit seiner tiefen, kehligen Stimme.

Ich verdrehe die Augen. »Das musst gerade du sagen, Keratokokafurzquozl.«

»Ich bin wenigstens ein richtiger Dämon – im Gegensatz zu dir. Du bist eine große Enttäuschung für deine Mutter.« Seine Stimme klingt gehässig. Es bereitet ihm bestimmt Freude, mir meine angeblichen Unzulänglichkeiten unter die Nase zu reiben. So ein Arsch. Ich lasse nicht auf mir herumtrampeln!

Zornig blitze ich ihn an. »Was hat sie denn erwartet, wenn sie sich von einem Menschen ficken lässt? Dass daraufhin ein Alligator ausschlüpft?« Zwar besitze ich noch eine andere, etwas dämonischere Gestalt, aber davon muss nicht jeder wissen. Ich nehme diese auch nicht allzu gerne an. Da ich unter Menschen aufgewachsen bin, bin ich es gewohnt, diese zu verbergen.

Keratokokafurzquozl verzerrt sein Gesicht zu einem bösartigen Grinsen. »Du hast also doch etwas von deiner Mutter: deine Art, dich auszudrücken.«

Ich schnaube empört. »Glaube, was du willst. Mit dieser Frau will ich nichts zu tun haben.« Meine Mutter Corarschana könnte ebenso gut tot sein. Ich habe sie seit Jahren nicht gesehen und das ist auch gut so, denn sie ist einfach nur böse und abartig.

Hämisch grinst er mich an. »Das solltest du aber, denn sie hat deine beste Freundin in ihrer Gewalt.«

Mein Herz setzt einen Schlag aus, um danach schneller weiter zu klopfen. »Welche angebliche Freundin meinst du? Ich habe keine Freunde.« Ich hoffe, er fällt auf den Bluff rein. Eigentlich gehört es für Dämonen unserer Art ja zum guten Ton, keine Freunde zu haben, doch selbst in dieser Hinsicht bin ich eine Enttäuschung für jene Frau, die mich geboren hat.

»Leticia. Und tue erst gar nicht so, als würdest du sie nicht kennen. Ich weiß genau, dass sie dir was bedeutet.«

»Ich glaube nicht, dass du sie wirklich hast.« Corarschana hat schon öfters versucht, mich mithilfe fieser Tricks zu manipulieren. Sie kann es einfach nicht lassen. Der rote Dämon ist ihr Lakai.

Keratokokafurzquozl wirft mir mehrere Fotos vor die Füße. Als ich die Bilder aufhebe, lasse ich den Dämon keinen Moment aus den Augen, da ich mit einem miesen Trick rechne.

Dann sehe ich sie mir an. Auf allen ist meine Freundin abgebildet und sieht verdammt ängstlich aus.

»Das ist ein übler Scherz, nicht wahr?«, frage ich, obwohl ich die Landschaft hinter ihr erkenne. Leticia befindet sich tatsächlich eindeutig in der Hölle. Ich bemühe mich, mir meinen Schrecken nicht anmerken zu lassen.

»Nein, ist es nicht, es ist Corarschanas bitterer Ernst.«

»Was will sie von mir?«

»Deine Kooperation. Rein zufällig bist du Studentin und kennst eine gewisse Person.«

»Welche Person denn?«, frage ich.

»Einen gewissen Aidan.«

Natürlich kenne ich den. Wut steigt in mir auf, wenn ich nur an ihn denke. Das ist ein chaotischer, aber interessanter Typ mit einem etwas zu langen, dunkelbraunen Kurzhaarschnitt, einem Traumbody und schönen dunklen Augen, in denen man sich verlieren kann. An einer Bushaltestelle habe ich ihn kennengelernt und bin ihm später nochmal auf einer Party begegnet. Leider hat er mich nie angerufen, dieser Idiot.

Mir schwant Übles. »Was ist mit ihm?«

»Er wird zu dir kommen.«

Ich seufze. »Das bezweifle ich.«

»Er wird, denn die Zukunftsseherin hat es deiner Mutter gesagt. Er ist der Auserwählte einer alten Prophezeiung und dazu bestimmt, gewisse Artefakte zu bergen, auf die wir schon sehr lange scharf sind, weil sie große Macht besitzen. Er wird die Abschrift eines alten Runengedichtes dabei haben, auf dem steht, wie man den alten Zauber webt.«

Mir kann der auserwählte Hexer-Idiot gestohlen bleiben.

Ich gähne. »Aha, ich soll also dieses Gedicht stehlen und meiner Mama vorbeibringen, damit sie die Welt wegfurzen kann.«

»Nein, du sollst ihn, sofern möglich, begleiten oder zumindest verfolgen. Nur er kann die Artefakte bergen, sonst hätten wir uns ihrer schon längst bemächtigt. Und Corarschana wird die Welt nicht wegfurzen, sondern in ihrem Sinne neu gestalten.«

Was in ihrem Fall wohl aufs Gleiche hinauslaufen dürfte ...

»Und warum lässt der Auserwählte die Artefakte dann nicht einfach da, wo sie sind? Wäre das nicht sicherer oder hat die Oberhexe einen Joint zu viel geraucht, um auf solche Gedanken zu kommen?«

»So einfach ist es nicht. Vor langer Zeit haben die Götter den Menschen diese Artefakte übergeben, damit sie mit ihrer Hilfe gewisse Werke erfüllen konnten. Danach wurden diese Dinge verborgen gehalten, anstatt sie den Göttern zurückzugeben. Doch diese Welt verträgt nicht so viele magische Gegenstände auf einmal für eine solch lange Zeit. Das Gleichgewicht der Welt droht aus den Angeln zu kippen, wenn der Auserwählte diese Artefakte nicht bis zu einem gewissen Zeitpunkt zurückgibt. Wie und bis wann das zu erfolgen hat, steht alles in dem alten Gedicht. Außerdem soll jenem, der das Ritual vollzieht, ein Wunsch gewährt werden.«

»Und was ist Corarschanas Wunsch?«, frage ich, obwohl ich mir das schon vorstellen kann ...

»Dass diese Welt vernichtet und eine neue erschaffen wird, die unseren Zwecken dient. Schmerz, Lust, Qual, Betrug, Lüge und derlei Dinge werden diese formen. Wenn du nicht so entartet wärst, so wüsstest du ihre Bemühungen mehr zu schätzen.«

»Gib dieser Welt genügend Zeit. Sie entwickelt sich doch schon von allein in diese Richtung«, sage ich sarkastisch.

»Corarschana will es aber sofort haben. Mit solch mächtigen Artefakten kann man so einiges anstellen.«

»Sie hat noch niemals Geduld gehabt. Ich soll dem Hexer also diese Dinge wegnehmen, sobald er sie beisammen hat?«

Er nickt. »Genau. Versuche, sein Vertrauen zu gewinnen. Du kannst natürlich auch versuchen, sie ihm vor der Nase wegzuschnappen, aber laut unseren Informationen vermutet die Oberhexe offenbar, dass einige der Artefakte oder alle davon nur er beschaffen kann. Und ein paar andere Dämonen, die nicht mit uns zusammen arbeiten, sollen das schon versucht haben und dabei gescheitert sein.«

»Warum ist sie sich dessen so sicher? Vielleicht waren die Typen einfach nur Trottel. Dieser Aidan ist doch ein Chaot? Warum ausgerechnet er?«

»Es gibt diese alte Legende, nach der er der Auserwählte ist. Die Oberhexe konnte sich ihn nicht aussuchen.«

»Ich glaube nicht an Legenden«, sage ich.

»Ich habe früher auch nicht daran geglaubt, aber allzu oft hat sich herausgestellt, dass es dabei einen wahren Kern gibt. Also, wirst du machen, was wir von dir verlangen?«

»Habe ich eine andere Wahl?«, frage ich.

»Es kommt darauf an, was Leticia dir bedeutet. Sie ist deine Schwäche, das weißt du ja sicher. Sie macht dich verwundbar und angreifbar. Als Dämonin kannst du dir das nicht leisten.«

»Du redest schon wie meine Mutter.« Die Alte würde mich ohne mit der Wimper zu zucken opfern, wäre ich das Opfer einer Entführung, mit der man sie zu erpressen versucht. Da mache ich mir gar keine Illusionen.

»Ich bin im Auftrag deiner Mutter hier.«

»Und was hast du davon?«

Er lächelt böse. »Genügend.«

Was auch immer das heißen mag ...

»Wahrscheinlich schläfst du mit ihr. Genügt dir das wirklich?«

Sein Lächeln versiegt. »Du bist ganz schön vorlaut.«

»Ich bin schließlich eine Dämonin.«

»Ja, und das wirst du immer sein, auch wenn aus du aus der Art geschlagen bist.«

Ich verdrehe die Augen. Nun fängt er schon wieder damit an. »Und was ist mit diesem Aidan? Du sagst, er wäre ein Hexer. Ist er sehr stark?« Diese Typen sind nicht zu unterschätzen. Sie können einem Dämon gehörigen Ärger bereiten. Je mehr Infos ich über ihn habe, desto besser. Er mag mir zwar bekannt sein, aber ich kann nicht behaupten, ihn richtig zu kennen.

Der rote Dämon grinst. »Der ist so schwach, dass er nicht mal einen Regenzauber zustande bringt.«

»Manchmal überspringen die Fähigkeiten eine Generation.«

Er nickt. »Ja, das passiert. Das könnte bei ihm auch der Fall sein. Er kann nicht mal einen Suchzauber initiieren. Aber er hat mächtige Freunde, wie den Warlock Byron. Daher schicken wir dich, damit er nicht misstrauisch wird. Schließlich kennt Aidan dich bereits und du lebst schon lange in der Welt der Menschen.«

Die Angelegenheit erscheint mir reichlich obskur. Am Ende jage ich einem Phantom nach, aber das ist nicht mein Problem, sondern Corarschanas. Ich beschaffe ihr diese Artefakte und kann dadurch Leticia befreien. Soll meine Mutter mit den Dingern machen, was sie will. Wenn es nicht funktioniert, ist das nicht mein Problem. Es könnte sich natürlich herausstellen, dass Aidan gar nicht der Auserwählte ist und diese Artefakte nur alter Plunder sind, aber das werden wir ja sehen. Die Oberhexe ist meiner Ansicht nach nicht ganz bei Trost. Bestimmt stellt sich das alles als Hirngespinst heraus. Zumindest rede ich mir das ein, denn ich kann Leticia nicht meiner Mutter überlassen. Eine Vernichtung der Welt wäre nicht in meinem Sinne. Schließlich habe ich noch nicht mal mein Studium abgeschlossen.

Siegessicher grinse ich in mich hinein. Okay, der Typ hat also so gut wie keine Macht. Das wird ja leichter als erwartet.

»Und was ist, wenn ich es nicht tue?«, frage ich.

»Dann wird deine Mutter Leticia töten – auf eine möglichst langsame, grausame Weise.«

»Wie nett.«

 

Kapitel 3

 

 

 

Aidan

 

»Es handelt sich also um eine Stele mit Runen, die man in Irland gefunden hat. Wo genau soll das gewesen sein?«, fragt mich Professor James Mallory gelangweilt gähnend. Es war echt harte Arbeit gewesen, zu ihm vorzudringen, um ihm mein Anliegen vorzutragen.

»An der Westküste.«

»Von wem?«