Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Manchmal geschehen Dinge, die uns am eigenen Verstand zweifeln lassen. Und manchmal sind es gerade diese Dinge, die uns klar machen was uns im Leben fehlt. Was tun, wenn plötzlich der eigene Küchenschrank zu sprechen beginnt? 1. Mit viel Schokolade im Bett verstecken. 2. Alles verdrängen. 3. Sich darauf einlassen. ...Und dann? Verliert man den Verstand? Oder gibt es eine natürliche Erklärung für dieses Phänomen?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2014
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Marie Grünberg
Der Mann im Küchenschrank
Eine kurze Geschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Der Mann im Küchenschrank
Impressum neobooks
Auftritt des kleinen Mannes
Vor einiger Zeit wohnte in einem der Schränke in meiner Küche ein kleiner Mann. Genau genommen wohnte er in dem Schrank, in dem ich meine Teller, Schüsseln und Tassen aufbewahre. Eines Morgens, ich hatte eine besonders kurze Nacht hinter mir, da ich unbedingt eine Deadline einhalten musste, tappte ich verschlafen in die Küche, um mir meinen allmorgendlichen Milchkaffee zu brauen. Meine Haare waren ein wirres Chaos aus brauen Locken. An meinem Schlafanzug fehlten zwei Knöpfe und einen meiner Socken musste ich auf dem Weg vom Bett zur Küche verloren haben. Es muss ein furchtbarer Anblick gewesen sein und trotzdem grüßte mich eine tiefe Männerstimme mit einem fröhlichen „Guten Morgen,“ das mir aus dem Schrank entgegen schallte, aus dem ich gerade eine Tasse nehmen wollte.
Nur aus Reflex antwortete ich mit sehr viel verschlafenerer Stimme und wesentlich weniger Fröhlichkeit „Guten Morgen,“ und schloss die Schranktür. Erst dann wurde mir klar, was so eben passiert war und ich hielt mitten in der Bewegung inne.
Kaffee braucht der Mensch
Die Tasse noch in der Hand, sie einige Zentimeter über der Ablage haltend, stand ich da und versuchte den Ablauf in meinem Kopf noch einmal nachzuvollziehen. Dass die Stimme wirklich aus meinem Küchenschrank kam, konnte ich mir nicht vorstellen, also drehte ich mich langsam um und schaute mich in der Küche und dem daran anschließenden Wohnzimmer um. Natürlich konnte ich dort niemanden entdecken, wer außer mir hätte auch in meiner Wohnung sein sollen? Wie, um meine Halluzination zu überprüfen, öffnete ich noch einmal langsam die Schranktür. Die Tasse hielt ich immer noch in meiner Hand.
„Sie haben wohl in der letzten Nacht nicht so gut geschlafen oder?“
Die Tür hatte nur einen kleinen Spalt breit offen gestanden und ich ließ sie wieder zufallen. Teller und Tassen schepperten leise im Schrank und ich setzte endlich die Tasse ab, die ich noch immer in der Hand gehalten hatte. Ich ließ den Schrank Schrank sein und setzte mir Wasser für den ersten Kaffee meines Tages auf.
Das Unvermeidliche ignorieren
