Der Mann mit der Jukebox - Erica-Laurence Schneeberg - E-Book

Der Mann mit der Jukebox E-Book

Erica-Laurence Schneeberg

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Beschreibung

Ein spannender Thriller- es ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Ein Kaufmann, der mit Jukeboxen handelt, wird von seinem Freund und Kompagnon hereingelegt und betrogen. Lange durchschaut er seine Spiele nicht. Er landet im Gefängnis und nur ein Mädchen, das er während dieser Zeit kannte, wird ihm helfen können. Ein Anwalt wird nach langen Recherchen beigezogen, der es weiterverfolgt, bis die Sache auffliegt.

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Über dieses Buch

Ein Kaufmann, der mit Jukeboxen handelt, wird von seinem Freund und Kompagnon hereingelegt. Lange durchschaut er seine Spiele nicht und wird weiterhin betrogen. Er landet im Gefängnis und nur ein Mädchen, das er während dieser Zeit kannte, wird ihm helfen können. Ein Anwalt wird beigezogen, bis die Sache endlich auffliegt.

Die Autorin

Erica-Laurence Schneeberg wurde 1944 in Zürich geboren und lebt und arbeitet bis heute dort. Sie schreibt Prosa, Kurzgeschichten, und hier auch einen Roman. In ihrem früheren Beruf war sie Musikerin und Grafikerin. Sie illustriert ihre Geschichten selber.

Thriller in 2 Teilen

Die Hauptpersonen

Fred Schmidt

Kaufmann, handelt mit Jukeboxen, wird reingelegt

Daniel Mul

die sein Angestellter und Copain, nutzt Wirte aus und seinen Freund

Myriam

Mädchen, das beobachtet und teilweise mitmacht

Hans, ihr Vater

immer auf Reisen mit seiner Frau, kommt auf ein krummes Ding

Konrad Sibler

Ein Geschäftsmann und Freund von Hans

Ein Anwalt

Freund von Sibler

Wirtin, Mamma Lea

mietet eine Jukebox, lässt sich nicht reinregen

Wirt

ebenfalls Mieter einer Jukebox, wird übers Ohr gehauen

Tamara

Tänzerin in einem Nachtclub, Freundin von Fred S.

Achill, der Bursche

lässt sich zur Komplizenschaft einwickeln

Inhaltsverzeichnis

Teil 1

Kapitel 1 -3 Tearoom

4 Der Fototermin

5 Parkplatz

6 Ein Angebot

7 Hobby-Malerei

8 Die Leere

9 Die Abfahrt

10 Misswahl

11 Schluss

12 Die Dorfkirche

13 Lift-Girl

14 Hiobs-Botschaft

15 Untreue Geschäfte

Teil 2

16 Keine Antwort

17 Olé-Olé

18 Aufgestöbert

19 Info

20 Mamma Lea

21 Hellsehen

22 Die Jukebox

23 Beim Anwalt

24/25 Nach Will

26 Beim Copain

27 Späte Unterredung

28 Beschattet

Teil 1

1

Tearoom

In einem eben aufwachsenden letzten Bezirk am Rand der Stadt Zürich, gab es einen beliebten, wie attraktiven Anziehungspunkt, das Tearoom Karrer. Es gab da nämlich Musik, und das von einer Jukebox. Das Lokal war recht geräumig, in zwei Flügel aufgeteilt und bei weniger gutem Wetter meistens voll besetzt. Viele Musikliebhaber, gross und klein, warfen da ihre Münzen ein, sodass die Stimmung im Raum immer voll Musik war mit den neusten Hits aus den Charts.

Ein Hit waren auch die feinen Glacee-Cups und die Vitrinen waren voll von den verschiedenen Confiserien, Backwaren, Wähen, Frucht-Törtchen, und kleinere Kinder, an der Hand ihrer Mütter bettelten davor herum. Es machte aber beinahe den Eindruck, als ob sich hier die Fliegen noch besser ernährten. Coca-Cola und Rivella waren die beliebtesten Getränke, nebst dem Kaffee. Das war keine gewöhnliche Teestube, vor allem nicht für diesen doch noch ärmlichen Bezirk. Da waren also lauter Dinge zum Schmunzeln fürs Ohr und für den Gaumen. Am Eingang stand ein grosses Bukett Gladiolen in einem hohen Kübel. Das Gebäude befand sich an einer stark befahrenen Strasse, wo Bus und Autos hastig vorbeifuhren. Zudem hatte es vor dem Café eine schöne Gartenwirtschaft von Blumenbehältern eingefasst. Die halben Dorfbewohner verkehrten hier, vor allem die Frauen, Mütter mit ihren Kleinkindern, Jungen und Mädchen aber auch einige ältere Leute, die miteinander einen Jass klopften. Wer mochte da fehlen? Und bei schönem Wetter sassen die Gäste alle draussen.

Es gab aber noch eine weitere Attraktion, nämlich hinter dem Gebäude war ein grosser Parkplatz, worauf die schönsten Amerikaner-Autos parkierten. Diese wurden dann vor allem von den Jungen aus dem Dorf gehörig bewundert und die Musikbox stand dann verlassen im leeren Raum. Nur ein noch sehr junges Mädchen, Myriam, sass dann allein bei der Box und warf ab und zu eine Münze ein und wählte meistens nur ihren einzigen geliebten Song.

Unter ihrem Tisch stand ein leerer Blumenkorb, sie hatte ihre Blumen bereits an die Gäste verkauft und die Gladiolen am Eingang stammten aus ihrem Garten. Dafür bekam sie jeweils einen Glace-Coup vom Wirt spendiert. Sie mochte sich nicht zu den Müttern setzen mit dem ewigen Geschrei ihrer Kleinkinder, und die älteren, die ihr auch noch Sträusse abkauften wollte sie nicht stören bei ihrem Jass. Die grösseren Kinder waren gar nicht da, denn es war Sommerferien. «Ach, ich glaube ich gehe nicht mehr hin in diese Schule, am besten haue ich ab während den Sommerferien, wenn ich alle Blumen aus dem Garten verkauft habe. Ich komme dann vor dem Herbst wieder, wenn die Astern blühen. Die Eltern sind auch weggefahren, ohne mich, und da sitze ich nun allein. Ich könnte die Eltern suchen unten in der Camargue, das wäre eine Überraschung, aber ich glaube die hätten gar keine Freude.

Draussen hörte sie eine Motorradbande vorbeiknattern, sodass sie einen Moment die Musik kaum mehr hörte. Zudem heulten die Hupen der Amerikanerautos wie die Wölfe. Aber niemand liess sich stören. Es war im Jahr 1959, als die noch wenig bekannten Musik-Boxen und die Ami-Schlitten enorm viel Interesse auf sich zogen.

Schon geraume Zeit sah sie zu dem einzigen Gast hinüber. Neben der farbenschillernden Box, an einem kleineren Tisch, sass ein elegant gekleideter Herr mittleren Alters. Er war in einem dunklen Anzug mit weissem Hemd, das er offen trug, schmalen Hosen und brillanten weissen Schuhen mit kleinen Löchlein verziert, mit schwarzen Kappen und leicht erhöhtem Absatz. Es ertönte der wundervolle Song von ‘The Platters’, R&B aus 1955, ‘Only You’.

Myriam, das junge Mädchen, ca. 15jährig, sass unauffällig, aber neugierig an einem Nebentisch, und betrachtete bewundernd diese glänzenden Schuhe in schwarz und weiss. Seine elegante Erscheinung bannte ihre Aufmerksamkeit auf diesen fremden Herrn. Seine schmale Stirn, wie sein Antlitz, hatten, wenn man einen Tiervergleich heranziehen möchte, etwas von einem stolzen Ziegenbock, oder einem Steinbock. Myriam sah in ihm etwas Edles und sehr Stolzes. Die Jugend, eben dem Kinderalter entschlüpft, kann da noch die fabelhaften Vergleiche projizieren mit der Tierwelt, was Erwachsene leider mit der Zeit verlieren. Sein dichtes, zur Seite gekämmtes Haar war pomadisiert, dunkel, und an den Schläfen grau meliert. Er hatte auch einen Schnauz und seine blaugrauen Augen blitzten schelmisch im Lokal umher. Vor ihm, auf seinem Tisch, lag ein kleiner Stapel mit Single-Platten. Er durchblätterte diese sorgfältig, zog eine hervor, machte sich Notizen, legte sie zurück, und begann wieder von vorn. Ab und zu murmelte er leise etwas vor sich hin und vor lauter Konzentration bildete sich ein senkrechter Strich zwischen seinen schwarzen Augenbrauen. Die ganze Zeit beobachtete sie ihn, aber er liess sich nicht aus der Ruhe bringen.

Dann stand er auf und warf eine Münze in die Jukebox. Durch ihre rundgebogene Glasscheibe flimmerten die schönsten Regenbogenfarben und aus dem Sockel reflektierte das Licht in den ganzen Raum, mal rot-violett über blau und abwechselnd bis gelb und türkis zu Azur. Wie magisch nahm sie ihren Platz ein und dominierte in eigenartigem Kontrast das Dämmerlicht in der Tea-Stube. Jetzt erschien hinter dem Glas der Bügel des Plattentransporters mit einer schwarzen Scheibe und rastete alsbald ein. Er hatte eine Melodie von Paul Anka gewählt, ‘Diana’, und wie berauschend verbreitete sich die Musik im Raum. Hier drin war alles so gemütlich und harmlos, während draussen die Weiber schnatterten und mit den Kindern rumschrien.

Der Herr setzte sich wieder und sein Blick streifte flüchtig zu dem Mädchen hinüber. Dann ging er wieder zur Box, warf abermals einen prüfenden Blick in ihre Richtung und tippte erneut etwas über der Auswahlliste ein. ‘All I Have to Do is Dream’ von den ‘Everly Brothers’ ,1957. Es war Nachmittag, schönes Wetter, die Gäste weilten glücklicherweise alle draussen und Myriam sass vor der spendierten Tutti-Frutti- Vanille-Eiscrème, und lauschte verzückt, dabei beobachtete sie das weitere Geschehen durch die Fenster, draussen vor dem Lokal. Sie sah einen Jungen, Achill, den sie bereits kannte vorbeistreichen und sah, wie er die Nase an der grossen Scheibe plattdrückte. «Wenn jetzt der bloss nicht reinkommt, ich glaube der sucht mich, der stört mich bloss immer. Er kann es einfach nicht lassen, ihn interessiert doch die Musik gar nicht, er will nur immer knutschen, dabei versteht er keinen Pieps englisch.»

2

Jetzt öffnete sich eine Tür im Hintergrund. Der Wirt kam aus der Küche und wischte sich die Hände an seiner weissen Schürze ab. Er kam beflissen zu dem Tisch rüber und setzte sich zu dem eleganten Herrn. Sie begrüssten sich wie zwei alte Bekannte und schüttelten sich die Hände. «Hallo Herr Schmidt. Endlich kommen sie!» Der Händler nickte bloss: « Ja habe lange gewartet.» Es begann ihre Konversation. «Nun, sind sie zufrieden mit der Jukebox? Ist ja auch ein Prachtstück!» und die stille Beobachterin konnte einige Worte davon aufschnappen wie: ‘Wurlitzer’, Kaufvertrag, Mietvertrag, Monats-Abrechnung. Der Gast hatte immer noch den kleinen Stoss Singles auf dem Tisch liegen und schob ihn etwas zur Seite. «Sie brauchen die Box nicht zu kaufen, ich mach einen günstigen Mietvertrag für sie. Der Vertrag ist immer für einen Monat gültig, aber sie können ihn laufend verlängern». Der Wirt überlegte es sich etwas und fragte:

«Gibt es auch einen Miet-Kaufvertrag?». «Das könnte ich für sie machen, aber es würde sich kaum für sie lohnen, es wäre eher für einen Nachtclub oder ein Tanzlokal geeignet, es würde sie auch etwas mehr kosten». Der Wirt winkte entrüstet ab:

«Nein, wo denken sie hin, mir genügt die Miete». Sie hatten Formulare vor sich und der Händler, sicher war er das, schob elegant eines davon vor den Wirt, ihn auffordernd zu unterschreiben. Myriam sah hin, wie der Griffel über das Papier kritzelte, während sich der Wirt über das Blatt beugte und mit dem Kopf nickte. Dann ging auch sie zu der Box und las die vielen Nummern auf den farbigen Plättchen der Auswahl. Ja! Sie war drin, die ‘Everly Brothers mit ‘Rip it Up’. Sie suchte weiter nach ‘Elvis Presley’, ‘Don’t Be Cruel’, aus 1955, ihr absoluter Liebling. Sie kramte einen Fünfziger aus ihrer Börse hervor, wählte, und füllte ihre letzten Münzen nach für ‘Blue Suede Shoes’ und ‘Tutti Frutti’. Jetzt hatte sie nur noch die grossen Geldstücke von ihren Blumenverkäufen im Sack. Wieder war sie völlig fasziniert von den leuchtenden Farben, die abwechselnd durch die Röhren flimmerten, sodass sie sich danach im Raum umsah.