IMAGINATION - Erica-Laurence Schneeberg - E-Book

IMAGINATION E-Book

Erica-Laurence Schneeberg

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Beschreibung

Erlebnisse, die tatsächlich passiert sind. Imaginationen, Flugträume, unerklärliches Wiedersehen und Wiederfinden, wundervolle Heilung, Mystik, Telepathie und theologische Diskussionen und Fragmente.

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Seitenzahl: 79

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Über dieses Buch

Erlebnisse, die tatsächlich passiert sind. Imaginationen, Flugträume, Wiedersehen und Widerfinden, wundervolle Heilung, Telepathie und theologische Diskussion.

Die Autorin

Erica-Laurence Schneeberg, wurde 1944 in Zürich geboren und lebt und arbeitet bis heute dort. Sie ist Musikerin in ihrem ehemaligen Beruf, schreibt heute Prosa, und illustriert diese.

Inhalt, Titelei

Imagination, Nichtschwimmer

Der Klinik-Priester

Telepathie, Kiosk

Der Musterschüler

Das Augenwunder

Inhaltsverzeichnis

IMAGINATION

Nichtschwimmer

Die Schwimmschüler

Die gespielte Katalepsie

Flugtraum

Die Feuerprobe, Nachwort

DER KLINIK-PRIESTER

Besuch vom Priester

Gottesvertrauen

Die gute Bekannte

In der Sakristei

Gespräche, supertheologisch

Die Rache

Auf Beobachtungsposten

Rauch in der Sakristei

Samstag, Besuchstag

TELEPATHIE

Vorwort, Der Kiosk

Der Tick

Träume

Nirvana

DER MUSTERSCHÜLER

Die Entdeckung

Die Erinnerung

Segelregatten

DAS AUGENWUNDER

Die Leidenszeit

Das Wunder

IMAGINATION

Nichtschwimmer

Diese Geschichte basiert ca. aus dem Jahr 1956, sie handelt von seltsamen Dingen. . .

Wir, in unserem noch neuen, und letzten Kreis der Stadt Zürich, hatten noch kein Schwimmbad. Wollte man schwimmen gehen, musste man mit dem Bus bis Bad Allenmoos fahren. Dabei stieg man zuvor bei der Regensbergbrücke aus, und marschierte noch eine Station weiter zu Fuss, denn der Bus bog bei der Brücke ab, Richtung Katzensee. Dann gab es da noch eine Alternative, das Schwimmbad Wallisellen. Das war gut zu Fuss zu erreichen, das heisst, wenn man gut zu Fuss war, und für den, der eine Entfernung von zwei Kilometern nicht scheute. Das Bad lag erhöht auf einem Hügel über unserem Tal, dem Glatt Tal. Nun konnte man aber auch noch in einem Fluss, der Glatt schwimmen, und sich dabei auf einem Pneu flussabwärts treiben lassen. Diese Fahrt konnte bis zum Katzensee führen. Da gondelte so manches Kind dahin, vor allem die aus den Schrebergärten, egal ob Schwimmer, oder Nichtschwimmer. Ich, damals in der vierten Klasse, gehörte noch zur letzten Kategorie. Dennoch beschaffte auch ich mir einen Pneu aus dem Abfallhaufen von ‘Pneu-Mäder’. Zuerst wurde der Pneu getestet, ob er auch dicht sei, und flugs schlüpfte man durch den Reifen, liess sich in den Fluss gleiten, die Füsse voran, und schon trieb man in der leichten Strömung abwärts. Das Ufer war gesäumt von hohem Schilfrohr, Frösche quakten, Libellen zirpten um uns herum, und aufgescheuchte Enten erhoben sich mit Geschnatter plötzlich zum Flug in die Höhe aus ihrem Schilfrohr Versteck. Das dunkle Grün des Flusses wirkte beruhigend wie Samt auf Seele und Geist. Die kühlen Fluten, die Sicherheit im Gummi-Ring, gaben meinem erhitzten Körper, wie dem Hirn, die nötige Kraft, zu einem Entschluss zu kommen; nämlich endlich auch schwimmen zu lernen.

Die Schwimmschüler

Am frühen Morgen, noch vor neun Uhr, zog ein Sturm auf, es war ein Sturm von Schülern mit ihren Badesäcken, welche sich in den Bus drängten nach Bad Allen Moos. Sie hatten sich die bunten Badebeutel, welche von einer dicken Kordel zusammengezogen wurde, lässig über die eine Schulter gehängt. Das einseitige Gewicht gab ja keine Rückenverkrümmung, nur die einen, die Kleineren, liefen etwas schief, obschon, der Inhalt war nicht viel und somit nicht schwer. Proviant wurde keinem eingepackt, denn man sollte ja nicht mit vollem Magen schwimmen. Ein starker Chlorgeruch wehte mit dem kühlen Morgenwind durch die Luft in der Anlage. Der Morgen war immer noch kühl, obschon es bereits Frühsommer war. Und so, mit nüchternem Magen, war die Schulklasse zum Schwimm-Unterricht aufgeboten. Das konnte man besonders gut sehen an einem sehr mageren Knaben, der immer so schlotternd am Schwimmbecken stand. Ich hatte diesen Jungen noch nie auf unserem Schulareal gesehen, so musste er aus einem anderen Quartier kommen und zu einer anderen Klasse gehören, als einer unseres Schulhauses. Die anderen Schüler waren längst eingetaucht, mit oder ohne Korkringe. Er aber stand abseits am Nichtschwimmer-Becken und schon blau angelaufen, und fror entsetzlich. Es war ein feiner Knabe, bleich und schmächtig, und er passte irgendwie nicht hierher. Er stand einfach da, unentschlossen, ängstlich, so halb nackt in seiner schlotternden Badehose. Bereits schon angepasst, atmete man den starken Chlordunst ein, der vom Schwimmbecken emporstieg. Er zögerte noch lange, und wollte einfach nicht rein, das Wasser war ja gut desinfiziert, aber es war auch durchaus möglich, dass einige Kinder eben ins Wasser gepinkelt hatten. Ich stand neben ihm, ebenfalls unfroh, aber ich betrachtete mehr ihn sorgenvoll, als an mich zu denken.

Vor allem bemerkte ich seine blau angelaufenen Lippen in seinem bleichen, weissen Gesicht. Ich wusste; bläuliche Lippen weisen auf eine Herzkrankheit hin.

«Bist du krank?», sprach ich ihn mitleidig an. Er wiegte nur etwas mit dem Kopf hin und her. Eine Schwimmerin tauchte vor uns auf und rief: «Kommt ihr endlich?» Aber ich hörte nicht hin, sondern sah immer noch zu dem Jungen hin.

Er war nicht schön von Statur, ein Pykniker, er hatte solche schmalen pyknischen Schultern und auf seinem runden Brustkorb zeichneten sich die Rippen ab. Aber es passte zu seinem schmalen sehr zarten Gesicht. Seine graublauen Augen starrten abweisend ins türkisblaue Wasser.

Er verfolgte wie im Traum die Spiegelung der gelben Ringe der Sonne, die ab und zu zwischen Wolken hervorschien. Es war immer noch kühl und sein nasses, am Kopf klebendes Haar wies darauf hin, dass er bereits unter der Dusche war.

Auch die Badehose klebte an ihm, zu seinem Ungemach. Er tat mir leid und ich fragte ihn: «Woher kommst du?» Er schüttelte den Kopf und sagte nichts. Ich forschte weiter: «Wie heisst du?». Seine dünnen Lippen bewegten sich etwas und er lispelten fast unhörbar:

«Max Rey». Da horchte ich auf: «Und du bist zum Schwimm-Unterricht hier?». Wiederum sagte er nichts. Und ich überlegte, dass ich diesen Namen schon einmal gehört hatte, ja sogar von ihm gelesen hatte in einem Boulevard-blatt, der Revue.

Zu dieser Zeit war nämlich das Fürstenhaus Monaco in aller Munde. Es war die Hochzeit von Fürst Rainier und Grace Kelly. Alle verfolgten jetzt ihre demnächst erwartete Niederkunft. Dabei sah man auch die Verwandtschaft von Rainier auf vielen Bildern ihrer Galas. Ich erinnerte mich an seine Schwester, Baronin Antoinette-Louise de Massy, wie sie jetzt ein Verhältnis mit Jean-Charles Rey einging und eben von ihrem ersten Mann getrennt oder bereits geschieden wurde. Jetzt erinnerte ich mich auch, was Jean-Charles Rey am Hof von Monaco für eine Rolle spielte und was er beabsichtigte.

«Du bist nicht von hier?» fragte ich nochmals nach. Max verneinte stumm und stand immer noch steif und frierend da. Ich erinnerte mich, dass ich gelesen hatte, dass Rey der Bundesgenosse von Fürstin Antoinette war, im Bund gegen ihren Bruder, der 1955 während dem Bankskandal entstand und die Opposition entfachte. Rey war der Anführer der politischen Gruppe die gegen Fürst Rainier opponierte.

Man wusste auch bereits, dass Rey einen Sohn hat im Internat ‘Le Rosey’ im Welschland zwischen Lausanne und Genf. Vielleicht hatte er noch einen zweiten Sohn, so begann ich zu mutmassen, dann eine Ähnlichkeit mit diesem Bruder war da. Um sich einen freien Weg am Hof von Monaco zu schaffen, könnte er diesen Sohn verschwinden lassen für ein besseres Ansehen, oder einer bequemeren Präsenz wegen.

Dieser Sohn, dieser Max sah einfach ganz anders aus als wir. Ich sah wieder zu ihm hin und sprach: «Ich kann auch nicht schwimmen». Er sah mich bloss verständnislos an.

«Ich glaube du solltest dich lieber abtrocknen, warte hier, ich hole ein Badetuch». Er nickte: «Ja gerne», war seine knappe Antwort. Ich eilte rasch zur Kabine und war ebenso schnell zurück und gab ihm mein Frottiertuch. «Bist du aus dem Internat ‘Le Rosier’» fragte ich schüchtern. Er nickte:

«Bin bloss in den Ferien hier». Jetzt dachte ich alles zu wissen. Jean-Charles Rey kannte den Leiter des Internats, den Rektor Louis Johannot. Dieser war Major der Schweizer Armee und Stadtrat von Rolle, verheiratet mit einer Schwester von einem Schweizer Botschafter. So war der Kontakt zu den anderen Schweizer Familien durchaus möglich und dieser Knabe war in einer solchen untergebracht.

«Wie lange bleibst du?» fragte ich ihn. Er sagte bloss: «Ich weiss es nicht». Er hatte diesen Deutsch-Französisch Akzent.

Jetzt wurden wir unterbrochen und eine Schwimmlehrerin kam auf uns zu und gab uns Korkgürtel zum Umschnallen. Ich legte meinen an, aber er sagte höflich ab und blieb stehen, während ich nun mit der Schwimmlehrerin zum Bassin ging.

Es kamen noch ein paar andere Mädchen hinzu, ebenfalls mit Korkringen. Eine von ihnen hatte diese grünen Haare, welche sich bei weiss- blondem Haar zu grün verfärbten. Diese obligatorische Schwimmstunde war schon eine rechte Qual.

Zuerst musste man die Froschbewegungen üben und nachahmen, dann lag man im Wasser mit dem Korkgürtel um den Bauch und die Instruktorin lief neben dem Bassin auf und ab, während man mit diesen lächerlichen Bewegungen kaum vorwärtskam. Die Meisterin hatte einen langen Stecken, der manchmal noch die Gürtel fasste, wenn darunter ein Mädchen hilflos zappelte, vermeintlich es richtig zu machen, in der Annahme, schon etwas schwimmen zu können.

Dabei ging es aber auch noch um die Atemübung; im richtigen Moment ein- und ausatmen. So ging das mit Husten und Wasser schlucken und wieder ausspucken von einem Beckenrand zum andern. Vor und zurück, mit Lob und Kritik. Als wir wieder mal nach zehn Minuten zurückkamen, war der Max verschwunden.

Am nächsten Schwimmtag stand er aber wieder da, wie zuvor, angewurzelt und schlotternd an seinem Platz. Es war wieder so ein kühler Morgen. An seiner Hand baumelte schlaff ein Korkgürtel und schleifte am Boden nach, bei seinen wenigen Schritten, die er nachdenklich am Beckenrand tat, beinahe provozierend.