Krankenschwester Adelheid - Erica-Laurence Schneeberg - E-Book

Krankenschwester Adelheid E-Book

Erica-Laurence Schneeberg

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Beschreibung

Dies ist ein authentischer Bericht einer Krankenschwester und dem Femegericht. Sie ist die Autorin und lebt nicht mehr. Er führt durch manche Krankenhäuser und Anstalten der Schweiz des vergangenen Jahrhunderts und schildert hautnah die Mühsal der Schwester. Ihre Stationen führen von Köniz, Bern über Diakonissenhäuser, über Münsingen und viele mehr. Der bürgerliche Name der Krankenschwester ist unbekannt.

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Seitenzahl: 60

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Über dieses Buch:

Ein authentischer Bericht einer Krankenschwester. Der Schreibstil dieser Autorin ist äusserst einfach, beschränkt mit nur geringem Wortschatz. Ich habe es wortwörtlich übernommen. Aber es ist darum umso glaubwürdiger. Sie berichtet aufrichtig über ihr Leben wie in einem Protokoll, meistens sehr vorsichtig und gegen das Ende immer mehr mit einem angeschlagenen Selbstgefühl. Aber am Schluss schrieb sie dennoch «HALLELUIA». Sie war ihr Leben lang völlig wehrlos, denn ihr Wille wurde gebrochen. Dennoch hat sie immer wieder einen neuen Anlauf genommen.

Die Verfasserin:

Erica-Laurence Schneeberg, Zürich. Sie hat bisher drei Bücher geschrieben und bei BoD veröffentlicht.

Inhalt

Vorwort

Zum Buch Adelheid

Köniz

Bern, Kinderkrippe

Basel

Glion Montreux

Liebefeld, Heilsarmee

Kantonsspital Aarau

Diakonissenhaus

Frauenklinik Zürich

Bührle

Rotes Kreuz Herisau

Pflegerinnenschule

Spital Neumünster

Spital Bern

Arzt in Biel

Uhrenfabrik

Münsingen

Zürich, Burghölzli

Vorwort der Verfasserin

Als ich neulich wieder einmal meine kleine Haushaltsbibliothek durchstöberte, fiel mir ein kleiner Einband aus früheren Jahren in die Hände. Es handelt sich dabei nur um eine Kopie eines Manuskriptes, welches mir persönlich von einer Krankenschwester überreicht wurde. Ihre klare Absicht war Gehör zu finden und damit an die Öffentlichkeit zu gelangen. Sie ist somit die eigentliche Autorin. Ihren bürgerlichen Namen habe ich nie erfahren können. Den Kontakt zu dieser Frau fand ich durch die Teilnahme in einem kleinen Gesangschor einer methodistischen Kirche in Zürich. Hier wollte ich nur ein wenig meine Stimme üben und hatte keine weiteren Ambitionen, denn ich war in meinem Beruf ziemlich gefordert. Für diese Schwester hatte ich eigentlich keine Zeit. Es war eine kleine, nette und hübsche Person mit Berner-Dialekt. Ihre Statur war etwas mollig und ihr immer noch blondes, gelocktes Haar, war es auch, mollig und wollig. Da war kein Mangel, alles war hübsch aufgesteckt und frisiert, beinahe wie bei einer Puppe. Ihr Alter war schwierig zu schätzen, aber sie war schon in Pension. Ihr blaues Augenpaar leuchtete mir hoffnungsvoll entgegen, als sie mir die Blätter überreichte. Klein und unscheinbar stand sie dabei in dem mit bunten Glasfenstern ausgestatteten Kirchenchor. Nur ein paar Wenige überragten diese bescheidene Kleinigkeit. Es waren dies der Leiter und zugleich Prediger, seine Gemahlin, die Organistin und etwa zwei ihrer näheren Freunde.

Als ich dann zuhause dieses Manuskript vor mir hatte, es war in Schreibmaschine, gut übersichtlich und fehlerfrei, da begann ich mit Spannung zu lesen und konnte nicht mehr aufhören damit, bis ich durch war. Ich war zutiefst erschüttert über die Tragik, die sich mir offenbarte. Ich konnte das nicht einfach wegstecken und sogleich flimmerten mir Bilder aus ihrer Geschichte entgegen und ich begann diese zu zeichnen. Dieser armen Frau wollte ich irgendwie helfen, und so verfertigte ich im Kopierverfahren ein kleines Ring-Buch mit meinen Illustrationen, welches ich ihr im Doppel, in A5 Format übergab. Eines davon ging auch in die Hände der Chorleitung. Dass ich dies hier vermerke, hat einen bestimmten Grund, einen Rechtlichen. Als ich nämlich dieses Buch jetzt wiederfand, wollte ich wissen, ob es inzwischen bereits jemand veröffentlicht hatte. So machte ich mich auf die Suche nach dem ehemaligen Leiter der Kirche und fand ihn schlussendlich in dem nahestehenden Altersheim dieser religiösen Gemeinschaft. Ich konnte mit ihm in telefonischen Kontakt treten und er mochte sich schwach an mich erinnern. Auch an Krankenschwester Adelheid erinnerte er sich gut, wie sie am Schluss bei ihnen in der obersten Etage gewohnt hätte. Als ich dann aber von dem Manuskript anfing, wurde er ziemlich heftig: «Sie müssen wissen, dass man ihr nicht alles glaubte. Sie war gewiss eine Liebe, aber eben, sie hat auch viel phantasiert und geredet. Lassen sie das mit diesem Buch, das interessiert sowieso kein Mensch». Da war ich schon etwas verblüfft, wie der jetzt sprach, so als ob Adelheid nicht recht im Kopf wäre. Mir jedenfalls war sie völlig normal vorgekommen. So drang ich weiter in ihn mit Fragen nach dem Grund seiner Ablehnung. Aber er wollte nicht weiter darauf eingehen und schrie beinahe durchs Telefon: - «Hören sie auf, das dürfen sie gar nicht, sie war ja sogar schon in der Irrenanstalt!» Unser Gespräch fand somit bald darauf ein höfliches Ende. Nun überlasse ich es Euch, es anzunehmen, zu lesen, oder zu verwerfen. Was sie aber zuvor unbedingt wissen sollten ist das Historische über die Erziehungsanstalt auf Schloss Köniz. Ich habe folgende Recherchen in der Presse via Internet gefunden.

Schloss Köniz bei Bern CH

Früher war das Schloss Ort politischer und kirchlicher Macht. Das leere Schloss war ab 1835 voll von Handicapierten und Benachteiligten. Zunächst wurden Landsassen-knaben, einquartiert, Knaben aus Familien die über keinen Heimatort verfügten, Kriegswaisen, und darum keine Unterstützung der Gemeinde erhielten. Auf die historischen Sanspapiers folgten Abkömmlinge von Fahrenden, Liederliche und anderweitig «Missratene».

1835 schuf Bern sein erstes Schulgesetz für die Volksbildung und Volksveredelung. Seine Ziele waren unter anderem die Allerärmsten in Erziehungsanstalten zu versorgen. Damit hat Köniz sein «Anstaltsjahrhundert» eingeläutet. Es folgte eine Einrichtung für Mädchen, ein Blindenheim, darauf ein Arbeitsheim für schwachsinnige Mädchen. In demselben Gemäuer wirkte eine Institution mit ganz unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen, die sogenannte `schwarze Pädagogik`. Sie war darauf ausgerichtet, den kindlichen Willen zu brechen um damit brachial die Armutsfolgen auszumerzen. Ich zitiere den Schweizer Theologen und Aufklärer Johann Georg Sulzer: «Diese ersten Jahre haben unter anderem den Vorteil, dass man da Gewalt und Zwang brauchen kann. Die Kinder vergessen mit den Jahren alles, was ihnen in der ersten Kindheit begegnet ist. Kann man da den Kindern den Willen nehmen, so erinnern sie sich hernach niemals mehr, dass sie einen Willen gehabt haben, und was sie waren». Tipp für Eltern: Wer wissen will, womit man die Kleinen schrecken kann, wird in Köniz fündig!» (Der Bund)

Ps. Das waren noch schreckliche Zeiten!

Und nun zum Buch der Schwester Adelheid

Ich wurde am 19. Dezember 1909 in Bern geboren. Heimatberechtigt bin ich in Worb bei Bern. Nur acht Jahre konnte ich bei meinen Eltern verbringen.

Als ich noch nicht ganz acht Jahre alt war, starb meine Mutter an der Geburt des achten Kindes. Sie war schon längere Zeit herzkrank gewesen. Mein Vater litt jahrelang an einer Knochentuberkulose. Wir mutterlosen Kinder – ich war die viertälteste – konnten nicht beisammenbleiben und wurden teils in Heimen und teils bei Verwandten untergebracht.

Die schönere Zeit, Längenberg

So kam ich zu einer Tante meines Vaters, also der Schwester meines Grossvaters auf den Längenberg. Sie mochte so ca. um die 58 Jahre alt sein. Dort erlebte ich die drei schönsten Jahre meiner Jugend und denke noch jetzt gern an diese Zeit zurück. Der Mann meiner Grosstante war Prediger der evangelischen Gemeinschaft. Alle waren lieb zu mir. Ich erhielt schöne Spielsachen, und bei den Schulaufgaben wurde mir geholfen. Die acht Jahre ältere Tochter hatte ich besonders ins Herz geschlossen. Ich nannte sie oft «Goldiges liebes Engelchen», weil sie so gut zu mir war.

Längenberg:

Sie durften immer im Freien sein und unternahmen auch Wanderungen. Ein schöner Tag unter blauem Himmel. Golden leuchtet die Sonne über die weiten, grünen Matten. Ein Kornfeld kündigt vom baldigen Segen, den die beiden Bauernhäuser weit hinten am Horizont erwartet. Hier konnte Adelheids Seele viel Kraft für ihr späteres Leben schöpfen.