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Die Frage, was der Mensch sei, ist schon seit der Antike ein zentrales Thema der Philosophie. Um das Wissen des Menschen zu begründen, gingen einige Denker von der Hypothese aus, der Mensch sei von Natur aus gut und strebe demzufolge auch nach dem Guten (z.B. Aristoteles). Andere lokalisieren das Wesen des Menschen in der Vernunft (z.B. Kant), während Realisten zunächst einmal Defizite des menschlichen Wesens in den Blick rücken, um Perspektiven für ein wahres Menschsein zu entwickeln (z.B. Schopenhauer). Ob systematisch als Ethik formuliert oder unterschwellig in ihren philosophischen Werken erkennbar, so ist es doch bemerkenswert, dass alle Philosophen es für unabdingbar zu halten scheinen, Werte und moralische Normen zu konzipieren, die dem Menschen als Richtmaß seiner Existenz dienen könnten. Diese Ansätze und Zusammenhänge versucht die Autorin exemplarisch an einschlägigen Beispielen darzustellen und auf ihre Aktualität hin zu untersuchen, insofern sie aufgrund der heutigen Weltlage von eminenter Bedeutung für die Selbstreflexion eines jeden Menschen sind. Denn es stellt sich besonders in der Gegenwart erneut die Frage nach dem Wesen des Menschen in einer Zeit der Globalisierung und des unbegrenzten Individualismus, dessen Auswüchse inzwischen zu einer weltweiten Bedrohung werden.
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Seitenzahl: 230
Veröffentlichungsjahr: 2018
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„Ein heiliger Ehrgeiz dringe in unsere Seele, daß wir, nicht zufrieden mit dem Mittelmäßigen, nach dem Höchsten verlangen und uns mit ganzer Kraft bemühen, es zu erreichen – denn wir können es, wenn wir wollen.“
Pico della Mirandola, Über die Würde des Menschen
Vorwort
Die Krone der Schöpfung – religiöse Grundlagen der menschlichen Hybris
Sonderstellung des Menschen – Offenbarungsreligionen – Islam – Hinduismus – Konfuzianismus – Freiheit – Würde – Menschenbild – Wahrheit
Die Dämonen der Seele – Hieronymus Bosch und seine bildnerische Analyse der menschlichen Abgründe
Diesseits – Jenseits – Reales – Irreales – Moral – Abgeschiedenheit – Glaube – Innenwendung – Erlösung – Verdammung – Zeit – Weltbild – Renaissance – Individuum
Anthropologische Erklärungsversuche zum Status des Menschen
Menschenbild – Geist – Selbstbewußtsein – Metaphysik – Bildung – Vernunft – Moral – Wert – Kritizismus – Macht – künstliche Intelligenz – digitale Revolution – Glück
Freiheit und Verantwortung im Widerstreit
Demokratie – Liberalismus – Hedonismus – Hierarchie – Vernunft – Selbstwertgefühl – Empathie – Sinn – Lebenssteigerung - Masse
Philosophische Kritik am Menschen – Schopenhauer und Nietzsche im Dialog
Kulturkritik – Mitleid – Ethik – Wille – Metaphysik – Selbstreflexion – Außenwelt – Erfahrung – Periagoge – Egoismus – Empathie – Macht – Oupnek‘hat – Leiden – Wahrheit – Dasein – Masse – Humanismus
Schlußbetrachtung
Bibliographie
Die provokative Frage, ob der Mensch ein mißlungenes Objekt der Schöpfung sei, läßt sich begründen durch einen Blick auf die Menschheitsgeschichte, deren Belege einerseits zwar für die wissenschaftlichen und kulturellen Erfolge durchaus eindrucksvoll erscheinen, andererseits aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen können, daß sich die menschliche Geschichte auch als Schreckensgeschichte erweist. Herausragende Leistungen wechseln sich ab mit katastrophalen Fehlentwicklungen, die bis heute zu beobachten sind, und die das eigentlich Menschliche – so wir es vor allem im Geistigen und in der moralischen Entwicklung erwarten können - immer wieder in den Hintergrund rücken. Hat der Mensch aus seiner Geschichte nichts gelernt, oder ist er vielleicht überhaupt nicht dazu prädestiniert, diesem unsäglichen Geschehen ein Ende zu setzen? Wenn letzteres den Tatsachen entspräche, dann liegt der Gedanke in der Tat nahe, daß der Mensch ein mißlungenes Objekt der Schöpfung ist. Oder ist es einfach so – wie Heidegger es einmal formulierte – daß der Mensch der Gegenwart trotz seines bereits erreichten Wissens vom Menschen weniger weiß als je zuvor? Ist vielleicht in keiner Zeit der Mensch so fragwürdig geworden wie in der unsrigen und bedarf es daher nicht immer wieder neuer Reflexionen über sein Wesen? Auch Max Scheler betont, daß der Mensch sich zu keiner Zeit in der Geschichte so problematisch geworden sei wie in der Gegenwart, eine Erkenntnis, die ihn schließlich dazu geführt haben mag, die Anthropologie als philosophische Disziplin zu etablieren, um tiefere Einblicke in das Wesen des Menschen zu gewinnen.
Am schonungslosesten war Schopenhauers Blick auf den Menschen und die Welt, so daß seine Schriften gelegentlich den Anschein erwecken, er selbst sei an der Tragik des Lebens verzweifelt. Deshalb unterstellt man ihm gern Pessimismus, ein Vorurteil, dem wir weiter unten kritisch begegnen werden. Denn Schopenhauers Philosophie stammt aus dem Leben selbst (das er letztlich affirmativ betrachtet). Er lehrte uns, die Welt distanziert zu betrachten, um zugleich nach Lösungen zu suchen, die das Leid der Welt verhindern könnten. Diesen Ausweg aus der Misere unserer Welt fand er in seiner Mitleidsethik, die zugleich voraussetzte, zunächst das Wesen des Menschen zwar kritisch zu betrachten, sich dann aber dem Anderen zu öffnen und teilzuhaben an seinem Schicksal. Ein solches Verhalten ist in unserer Gegenwart nur noch selten zu beobachten, wenn man einmal den heutigen ausufernden Individualismus in Betracht zieht, durch den alle Skrupel und damit eine kritische Selbstreflexion, aber auch Empathie zu schwinden scheinen.
Der in Düsseldorf lebende Künstler Günther Uecker hat mit seiner über zwei Jahrzehnte in aller Welt gezeigten Ausstellung „Der geschundene Mensch“ die Bedrohung und Verletzung des Menschen durch den Menschen visualisiert, um deutlich zu machen, welches Leid seit Jahrtausenden in unserer Welt durch das Verhalten des Menschen verursacht wird. Von der Auseinandersetzung mit dieser Thematik erhoffte er sich vermutlich ein Nachdenken über diese Problematik und zugleich die Entwicklung von Empathie und moralischen Einsichten, die er in allen Gesellschaften und Kulturen mit Recht zu vermissen glaubte.
Seit der Antike hat es im abendländischen Raum immer wieder Versuche der Philosophie, Psychologie, Soziologie oder anderer Disziplinen gegeben, die mit unterschiedlichen Axiomen und unterschiedlichen weltanschaulichen Vorgaben Überlegungen zum Begriff und Wesen des Menschen angestellt haben. Das waren teils kritische, aber auch durchaus der jeweiligen sozio-politischen oder religiösen Situation angepaßte Reflexionen, die jedoch nur selten eine positive Wirkung in der Lebenswelt besaßen. Das bedeutet nicht zuletzt, daß es immer wieder neuer Klärungsversuche bedarf, die zwar die jeweilige gesellschaftliche Lage miteinbeziehen, aber auch den Versuch wagen, sich in gewisser Weise appellativ, zeitübergreifend und auch provokativ zum Status des Menschen und den moralischen Folgen seiner Handlungen zu äußern. Denn man kann nur eine Veränderung des bisherigen menschlichen Verhaltens erwarten, wenn Einsicht in sein Wesen gewährt und zur Selbstreflexion des Menschen angeregt wird. Die Religionen oder staatliche Reglementierungen haben bezüglich menschlichen Fehlverhaltens augenscheinlich versagt, wie sich immer wieder – und auch gegenwärtig – in der modernen, von Gewalt geprägten Welt dokumentieren läßt. Daß der Mensch von Natur grundsätzlich gut, vernünftig oder sozial sei, ist eine Aussage, die in der Philosophie häufig auftritt, sich indes keineswegs auf Allgemeingültigkeit berufen kann. Möglicherweise können Aufklärung, Erziehung und Bildung etwas mehr dazu beitragen, daß der Mensch sein ureigenes Wesen nicht nur als Konsument in einer Spaßgesellschaft begreift oder seinen egoistischen Bedürfnissen nachgeht, sondern als geistiges Wesen mit Verantwortung und Prinzipien. Dazu müßte sich jedoch im Sinne Max Schelers eine „Wandlung“ im Menschen vollziehen, wie dies schon Platon in seinem Höhlengleichnis der Politeia beschrieben hat.
Wir versuchen im folgenden, ein wenig Klarheit in dieses Problem zu bringen, wobei zunächst ein Rekurs auf religiöse Prämissen zwingend erforderlich ist, die einen bedeutenden Einfluß auf den Menschen und auf sein Verhältnis zur Welt besitzen. (1. Kapitel). Daran schließen sich Beispiele aus der Kunst an, um visuell einmal nahezubringen, wie der Mensch in der beginnenden Neuzeit betrachtet wurde und in welcher Weise dieses Menschenbild in der Gegenwart noch Einfluß besitzt und welche Auswirkungen sich daraus ergeben. (2. Kapitel). Ferner befassen wir uns mit einschlägigen Positionen der Anthropologie (unter besonderer Berücksichtigung Max Schelers, dem Begründer der Anthropologie als philosophische Disziplin im 3. Kapitel) und schließlich konzentrieren wir uns im 4. Kapitel auf Theorien zu unseren die Abhandlungen leitenden Gedanken (Freiheit und Verantwortung), in denen besonders auf ethische Prinzipien eingegangen werden soll. Ein Fazit unserer Überlegungen bildet die philosophische Kritik des Menschen am Beispiel Schopenhauers und Nietzsches unter Einbeziehung kritischer Stellungnahmen einiger Philosophen der Gegenwart (5. Kapitel). Hier geht es nicht zuletzt auch um die Frage, was Leben für das Wesen des Menschen bedeuten und wie er diesem gerecht werden kann.
Mit allen hier vorlegten Aspekten, die immer auch nur einen Ausschnitt der zahlreichen Publikationen zur Thematik bieten können, soll zumindest der Versuch unternommen werden, hinreichend Belege inbezug auf menschliche Eigenschaften und menschliches Fehlverhalten zu liefern, welche die Geschicke der Menschheit immer wieder in Katastrophen führten. Zugleich soll auch gezeigt werden, daß es hinreichend Möglichkeiten einer Veränderung der lebensweltlichen Zustände und des menschlichen Wesens selbst gibt, die z.B. in der Philosophie immer schon diskutiert worden sind, ohne daß sie je in der Realität eine nachhaltige Wirkung erzielt hätten.
Die nachfolgenden Überlegungen sind mithin zu verstehen als kulturkritische Studie auf dem Fundament spezifischer anthropologischer Positionen, deren Absicht es ist, das Wesen des Menschen aufgrund der aktuellen Weltlage und im Blick auf einschlägige Erkenntnisse der Fachdisziplinen zu beleuchten sowie den Hintergründen menschlicher Verfehlungen nachzuforschen und vor allem auch das Welt- und Menschenbild zu analysieren, durch welches die behauptete, aber fragwürdige „Sonderstellung“ des Menschen zu begründen versucht wird. Denn die Vorstellung einer Sonderstellung trägt offensichtlich maßgeblich zur Vermessenheit menschlichen Verhaltens bei, so daß sich der Mensch zu Grenzüberschreitungen aller Art berechtigt fühlt. Der Anspruch einer Sonderstellung tritt dabei in tragischer Form auf verschiedene Weise hervor. Zum einen geht es um die Herrschaft über die Natur im allgemeinen, zum anderen aber auch um Herrschaft über Mitmenschen, denen Gleichwertigkeit aberkannt wird, wie wir weiter unten erläutern werden.
Die Auswirkungen unserer hart erkämpften Demokratie, die gleichwohl durch verschiedenartige Auswüchse in ihrer Substanz gefährdet zu sein scheint, treten bereits deutlich zutage, wenn man einmal an den aufscheinenden Nationalismus, an die Ausbeutung von Mensch und Natur, aber auch an die Gewalt in der ganzen Welt denkt. Vor allem stellen auch Machtfragen ein anwachsendes Problem dar, das nicht zuletzt dazu beiträgt, daß es inzwischen Millionen Sklaven in unserer ´modernen´ Welt gibt und Menschenhandel selbst in Europa keine Seltenheit mehr ist. Die genannten menschenverachtenden Fakten wären tatsächlich Anlaß genug, zu verzweifeln und sich jedweder Einlassung zu enthalten. Es gilt aber, immer wieder zur Besinnung aufzurufen, auch wenn die Resonanz zunächst nicht vielversprechend erscheinen mag. Unsere Überlegungen sind daher zu verstehen als bescheidener Beitrag zur Neubesinnung der menschlichen Existenz, zur Reflexion über die Bedeutung der Menschenwürde und Menschenrechte und zu Freiheit und Verantwortung. Diesen Überlegungen steht voran immer auch der Gedanke an die Ungerechtigkeiten in der Welt, die wiederum aus Machtgier oder Gleichgültigkeit negiert werden. Daß es jedem Menschen möglich sein muß, sein Leben in Sicherheit, Würde und ohne bedrohlichen Mangel zu gestalten, muß nicht eigens betont werden, denn Schlagworte dieser Art sind allbekannt, verhallen aber allzu schnell in der Betriebsamkeit von Äußerlichkeiten.
Es wird vermutlich als Provokation verstanden, wenn man den Menschen als mißlungenes Objekt der Schöpfung bezeichnet, und dies aus zwei Gründen: zum einen werden Zweifel an der Unfehlbarkeit einer schöpferischen Instanz geäußert, was dem Gläubigen gewiß unverständlich und blasphemisch erscheinen mag. Zum anderen aber wird auch die Individualität, die Einzigartigkeit des Menschen und seine „Sonderstellung im Kosmos“ durch den Begriff „Objekt“ in Frage gestellt. Eine weiterer Grund für eine solch abenteuerliche These zielt jedoch in eine andere Richtung, indem ganz offensichtlich das „animal rationale“ dazu aufgefordert werden könnte, seinen Status in der Welt einmal zu überdenken und seine Handlungsweisen zu überprüfen. Denn falls wir es tatsächlich mit der „Krone der Schöpfung“, also dem Endpunkt der Evolution zu tun haben, so muß die Frage erlaubt sein, welche Konsequenzen sich wohl aus einem solchen „Sonderstatus“1 für den Menschen ergeben. Diese Frage ist natürlich eine ethische, die an den ebenso zunächst nur angenommenen, aber immer wieder vorausgesetzten Verstand, besonders aber an die Vernunft des Menschen appelliert, an das Bewußtsein seiner selbst und die damit verbundenen Kriterien wie Verantwortung und Verpflichtung.
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Daß der Mensch sich recht selbstbewußt und sogar überheblich als Krone der Schöpfung und Ebenbild Gottes zu bezeichnen pflegt, mag man als Hybris, als Selbsttäuschung oder als Zeichen von Realitätsferne betrachten. Diese Vorstellung aber hat unübersehbare Folgen, denn mit ihr erhebt er sich über die gesamte Natur, die er zu beherrschen gedenkt und zu seinem Nutzen ausbeutet. Eine solche Vorstellung legitimiert mithin vordergründig sein Denken und Handeln und enthebt ihn in vielfältiger Weise der Verantwortung für seine Taten und verleiht ihm ein Machtgefühl, welches er aus seiner Sonderstellung in der Schöpfung ableitet.2
Diese Überheblichkeit durchzieht die gesamte Menschheitsgeschichte, und sie tritt in der Gegenwart nicht weniger hervor als vor vielen tausend Jahren. Worauf beruht also eine solche Selbsteinschätzung, oder anders gefragt: welche Instanz könnte den Menschen in seinem Selbstbild zu dieser Aussage legitimiert haben? Zunächst gibt ein kurzer Blick auf die Religionen einen ersten Hinweis auf den Status des Menschen in der Natur und seiner daraus abgeleiteten Haltung zur Welt.
Fundament der Offenbarungsreligionen ist der Glaube an einen Schöpfergott, der die Welt, die Natur und den Menschen erschaffen hat. In der jüdischen bzw. christlichen Religion verleiht Gott dem von ihm erschaffenen Menschen zugleich einen Sonderstatus, wenn es im ersten Buch Mose, Vers 27 heißt: „Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde..“ und weiter in Vers 28: „machet sie (die Erde, E.J.) euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
Der Mensch wird mithin nicht nur zum „Ebenbild“ seines Schöpfers, sondern auch zum Herrscher über die Erde erhoben, Verpflichtungen und eine Verantwortung über das ihm Gegebene werden ihm indes nicht auferlegt. Interessant ist nun allerdings, daß Gott – wie es heißt - es bereute, den Menschen erschaffen zu haben, weil sich dieser in der Folgezeit nicht seiner Funktion als Ebenbild Gottes entsprechend verhielt: „da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen“ (1. Mose 6, Vers 6). Moralisches Handeln konnte der Mensch allerdings erst realisieren, als er durch den „Sündenfall“ zur Erkenntnis gelangte und Gut und Böse zu unterscheiden in der Lage war. Ihm wurde nun also auferlegt, eine sittliche Weltordnung durch eigene Willensentscheidung zu etablieren. Gott selbst hatte sie ihm zuvor indes nicht ausdrücklich abverlangt. Diese scheinbare Willensfreiheit befähigte den Menschen nun dazu, eigenständig zu handeln. Allerdings fiel er aufgrund seiner in der Folgezeit keineswegs moralischen Taten zugleich in Ungnade.
Susanne Talabardon hat sich in ihrem Aufsatz über „Tugenden im spätantiken rabbinischen Judentum“ unter Berufung auf die Thora ausführlich mit dem von Gott dem Menschen gegebenen „freien Willen“ und den Verlockungen des Bösen befaßt und erklärt: „Es war also der Ewige selbst, der das Böse (bzw. das Schlechte) in seiner Schöpfung implementierte. Im Falle des Menschen verankerte Er es sogar in diesem selbst“. Allerdings sei entscheidend für die „tatsächliche Ausrichtung des ´bösen Triebs´ also der Gebrauch, den der Mensch von ihm macht“. Folglich stehe der Mensch in der Verantwortung und ist „als Teil der Schöpfungsordnung, deren Plan und Prinzip in der Thora niedergelegt wurde, dazu aufgerufen, sich selbst an der Vollendung der Welt zu beteiligen: durch ´Zähmung´ des intrinsischen ´bösen Triebs´, welcher ´metaphysisch´ mittels der Ausrichtung am Ewigen, praktisch im Studium der Thora und im Leben nach ihrem Gebot zu bewerkstelligen ist“.3
Zwei Ereignisse verdienen allerdings in diesem Zusammenhang bezogen auf den biblischen Text Beachtung. Erstens hatte der Schöpfer den Menschen offensichtlich mit einem freien Willen ausgestattet (ausdrücklich wird dieser Tatbestand in der Bibel indes nicht erwähnt). Zweitens war der Mensch vor dem „Sündenfall“ noch nicht in der Lage, Gut und Böse zu erkennen. Das bedeutet, seinen Ungehorsam gegenüber Gott, der ihm befohlen hatte, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, konnte der Mensch zunächst nicht als Vergehen (als Tat des Bösen) erkennen. Erst nachdem der Mensch durch seinen Ungehorsam zur Erkenntnis gelangt war, wurde ihm bewußt, der Anordnung seines Schöpfers nicht gefolgt zu sein und sich also schuldig gemacht zu haben. In der Thora hingegen ist nach Talabardon das Böse bereits im Menschen angelegt, und er ist aufgrund des göttlichen Gesetzes dazu verpflichtet, diesem zu widerstehen, denn auch hier drohen Strafen für Vergehen, die im Jenseits geahndet werden.
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Auch im Islam, einer weiteren monotheistischen Religion, ist von einem Gott (Allah) die Rede, der als Schöpfer die Welt und mit ihr den Menschen erschaffen hat. Wiederum wird der Mensch als höchstes Wesen bezeichnet, dem uneingeschränkte Willensfreiheit verliehen wurde, wobei jedoch zugleich ein vorgezeichnetes Lebensschicksal seine Entscheidungen und seinen Lebensweg einschränkt. Ein Lebensweg mithin, der auch den menschlichen Irrtum und einen gewissen Fatalismus einschließt. Sowohl im Christentum als auch im Islam haben wir es nicht zuletzt mit einer Ansammlung moralischer Vorschriften zu tun, die den Gläubigen sowohl Richtmaß ihres Handelns als auch Halt in allen Lebenslagen bieten sollte. Strafen aller Art bei Mißachtung dieser Vorschriften sollten die Gläubigen disziplinieren und ihr Leben gottgefällig gestalten. Der Islam unterscheidet sich indes durch seine dogmatische Tendenz vom modernen Christentum, sodaß – wie in der Gegenwart zu beobachten ist – religiöse orthodoxe Diktaturen entstanden sind, die mit der Demokratie und aufgeschlossenem, modernen Denken nicht vereinbar sind. Dies zeigt sich besonders in den Extremformen islamischer Staatenbildungen, in denen archaische Rechtsnormen gelten, die zwar im Einklang mit der Tradition und dem Koran stehen (und von daher aus ihrer Entstehungszeit verstanden und einer zeitadäquaten Exegese unterzogen werden müßten4), aber zwangsläufig zu Konflikten mit modernen säkularen Staaten führen.5 Darüber hinaus ist auch der Anspruch des orthodoxen Islam auf Weltherrschaft ein sich stetig steigerndes Problem, welches inzwischen bedrohliche Ausmaße annimmt. Bekanntlich hatte Mohammed aber einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Muslimen und Andersgläubigen gesehen und ein Zusammenleben nur durch den Übertritt zum Islam für möglich gehalten. Anderenfalls sah er für Ungläubige nur ihre Unterwerfung oder deren Tötung vor. Die Auswüchse dieses rückwärts gerichteten und heute noch wirksamen Gedankenguts beunruhigen die modernen Zivilisationen zur Zeit besonders, wie die Terrorakte im nahen Osten, in Afrika und der gesamten westlichen Welt belegen. Man kann feststellen, daß der Dschihadismus sich inzwischen als globale Bewegung und Bedrohung der freien Welt darstellt, der besonders für fehlgeleitete Jugendliche immer mehr an Attraktivität gewinnt. Daß allerdings der islamistische Terror nichts mit dem Islam gemein habe, wie die meisten in Europa angesiedelten muslimischen Verbände immer wieder behaupten, darf mit Recht bezweifelt werden, wenn man die Korantexte einmal genau studiert. Auch daß der Islam eine grundsätzlich friedliche Religion sei, wirft Fragen auf, denn die im Koran geäußerte Friedfertigkeit bezieht sich einseitig und eindeutig auf die ´umma´ (die islamische Gemeinde) und schließt Andersgläubige rigoros aus.
Nach den feigen und hinterhältigen, islamistisch gesteuerten Mordanschlägen in Amerika 2001, Paris im November 2015 und darüber hinaus auch später in verschiedenen europäischen Staaten und auch der Türkei, die in der Gegenwart in der gesamten Welt Entsetzen auslösen, weil sie alle ethischen Normen außer Kraft setzten und als Terror gegen die Aufklärung, gegen Freiheit, Gleichheit und Gesetz verstoßen, zeigt sich erneut ein Radikalismus, der in völliger Verblendung eine Religion instrumentalisiert und zur Rechtfertigung von Verrohung und martialischem Gehabe heranzieht.6 Es ist eine Kampfansage an die Menschlichkeit und zugleich auch gegen einen Islam, der von sich behauptet, eine friedliche Religion zu sein. Die hier sichtbare beispiellose Entmenschlichung kann indes im 21. Jahrhundert in keiner Weise und etwa mit Billigung der islamischen Gemeinden auf dem Koran begründet werden. Eine eindeutige Distanzierung von diesen Greueltaten durch muslimische Staaten und Gemeinden in aller Welt bleibt indes größtenteils aus. Zudem trägt zur Eskalation der Gewalttaten nicht zuletzt auch das Machtgehabe um die Vorherrschaft der unterschiedlichen muslimischen Richtungen bei (z.B. Sunniten gegen Schiiten, Aleviten, Wahhabiten usw.), die sich gegenseitig der Häresie bezichtigen.
Unrealistisch wäre es nun aber auch, die im Koran mehrfach zum Ausdruck gebrachten Gebote zur Befolgung des „heiligen Krieges“ zu unterschlagen, die sich sehr wohl als Aufforderung zur Verfolgung und Tötung von Andersgläubigen (den „Ungläubigen“) lesen lassen (denn der Islam fordert wie keine andere Religion so ausdrücklich zu Gewalttaten auf, wozu auch die archaischen, menschenverachtenden Praktiken der Scharia gehören7). So sprechen schon die ersten Suren von der ewigen Verdammnis und Vernichtung der Ungläubigen (die „den Tieren gleich sind“, 2/169). Und in der vierten Sure folgt schließlich neben weiteren Geboten die eindeutige Aufforderung zur Tötung der „offenen Feinde“ (der Ungläubigen).8
Daß nun solche Mörderbanden wie der selbsternannte „islamische Staat“ unter Berufung auf den Koran derartig Zulauf unter jungen kampf- und mordbereiten Menschen findet, versuchen Psychologen mit deren Versagen in der Gesellschaft, mit sozialer Benachteiligung, geringer Bildung und vielerlei andersgelagerten Gründen (wie z.B. Manipulation und Gehirnwäsche) zu erklären. Doch kann eine solche Erklärung tatsächlich Verrohung und Verwahrlosung begründen und gar rechtfertigen? Sollte man in diesem Zusammenhang hinsichtlich der Erklärungsversuche nicht vielmehr von Euphemismus sprechen? Oder kann man sogar von menschlicher Überheblichkeit sprechen, die zu Herrschaftsansprüchen gegenüber anderen Menschen zu legitimieren scheint? In diesem Zusammenhang verdient eine von Bernhard Uhde 2011 publizierte Abhandlung notwendigerweise Beachtung, in der sich Erklärungen und Begründungen der koranischen Vorstellungen über die behauptete Vorrangstellung des Islam und die Abwertung anderer Religionen finden.9 Als Schlüsselbegriff nennt der Autor die Wahrheit und ihren Absolutheitsanspruch auf Unbedingtheit und Unwiderlegbarkeit, eine Festlegung, die Intoleranz und sogar Gewalt zwangsläufig mit sich bringe. Daraus wäre zu folgern, daß Toleranz und Glaube an eine offenbarte Wahrheit Gegensätze sind und Unwahrheit für jede Glaubensrichtung zu gelten hat, die im Widerspruch zum Koran steht.10 Der Bezug auf Gott als einzige und unwandelbare Wahrheit charakterisiert diese Auffassung von Wahrheit indes als bloß religiösen Wahrheitsbegriff, der vermutlich in dieser Form auch bis heute noch erhalten wurde, weil eine Exegese der alten Texte nicht erfolgte und der veränderten Zeit nicht angepaßt wurde – etwa durch aufklärerische Gedanken der Neuzeit (dennoch finden sich immer häufiger liberale Texte, die den Koran primär im historisch-kritischen Kontext sehen wollen, so daß einerseits dessen absolute Gültigkeit infragegestellt, andererseits aber auch seine unzeitgemäße und orthodoxe Auslegung zu verhindern gesucht wird). Im Salafismus bzw. Wahhabismus gilt hingegen bislang nur das überlieferte Wort Gottes als konstitutiv für den Islam, und eine Abkehr oder veränderte Interpretation wird folglich als unverzeihliche Sünde geahndet. Denn ´Koran´ bedeutet ´Rezitation´ aus dem ewig bestehenden göttlichen Wissen und wird also nicht als religiöse Schrift verstanden, die menschlichen Ursprungs ist.
Natürlich finden wir auch in anderen Religionen deutliche Hinweise auf menschenverachtende Normen sowie auf daraus resultierende Verhaltensweisen, die indes immer auch auf unbedingte Wahrheit religiöser Vorschriften zurückgeführt und von den Gläubigen kritiklos hingenommen werden. Dies trifft vor allem auch auf den Hinduismus Indiens zu, einem Land mit moderner Verfassung, jedoch mit einem verhängnisvollen archaischen Patriarchat und einer Religion, die aufgrund von Abstammung oder Geschlechterzugehörigkeit Diskriminierung und Ausbeutung legitimiert. Im Hinduismus, dem ca. 80% der Bevölkerung angehören, geschieht nach dem Konzept des Karma Gewalt in allen Lebensbereichen, was dem Prinzips der Gewaltlosigkeit Gandhis diametral entgegensteht. Als eine der großen Weltreligionen ist der Hinduismus vor allem durch das Kastenwesen geprägt und damit verantwortlich dafür, daß dieses System trotz angeblicher Modernität bestehen bleibt, weil die oberen Kasten mit ihrem Einfluß und auf den Fatalismus der unteren Schichten bauend, auf ihre durch die Religion erworbenen Privilegien nicht verzichten wollen.11 Dabei ist bemerkenswert, daß sie weder Empathie mit den Unterdrückten (z.B. den Dalits als den Unberührbaren, den Frauen, aber auch anderen Religionsangehörigen) noch ein schlechtes Gewissen hinsichtlich ihres Verhaltens besitzen, - denn die Religion stützt und legitimiert diese von Gewalt geprägte Gesellschaft bis heute. Die Verachtung denen gegenüber, die in der Hierarchie am unteren Ende stehen, zerstört folglich ein friedliches Zusammenleben und führt – wie gegenwärtig wieder erkennbar ist – zu Nationalismus und weiterer sozialer und politischer Ungleichheit. Der unumstößliche und als gottgegebene hierarchische Aufbau der hinduistischen Lehre verhindert mithin jeden Ansatz einer egalitären Gesellschaft. Aber die immer noch vorhandene Legitimation dieser Klassengesellschaft durch die Religion läßt zumindest zur Zeit noch keine Änderung der soziopolitischen Struktur erkennen. Dies wohl auch, weil der wirtschaftliche Aufschwung und die private Vorteilnahme wesentlich von der Arbeitskraft der rechtlosen Unterschicht abhängt. Die Religion legitimiert mithin ein Gesellschaftssystem, welches den Egoismus des Einzelnen geradezu fördert. Ein System, aus dem es für die Ausgegrenzten kein Entrinnen gibt und in dem Menschenrechte keine Rolle spielen, indem ganze Bevölkerungsschichten stigmatisiert und diffamiert werden und Gleichwertigkeit eine Utopie ist.
Obwohl der Dharma (das ewige Sittengesetz) zu ethischen, rechtlichen, sozialen und rituellen Geboten verpflichtet und jede Tat ihrem ethischen Wert entsprechend karmisch geahndet wird, konterkariert die Rangordnung innerhalb der Gesellschaft alle moralischen Vorschriften und mit ihnen eine demokratische Rechtsordnung.12 Eine solche ist im Hinduismus allerdings auch nicht verankert, wie Heinrich Zimmer ausführt:
„Jeder Mensch steht in einer klar umrissenen Ordnung festgelegter und sorgfältig befolgter Normen und Tabus. … Eine selbständige Entwicklung, wie wir sie kennen und schätzen, ist darum ausgeschlossen… Die höchste Tugend ist, sich mit rückhaltloser Hingabe der uralt-zeitlosen, völlig unpersönlichen Maske der traditionellen Rolle einzufügen, in die man hineingeboren ist“.13
Heinrich Zimmer hat in seiner die indische Philosophie und Religion Indiens behandelnden Schrift einen wesentlichen Grund für die unterschiedliche Stellung der Menschen im Sozialsystem genannt: die Philosophie bzw. Religion als Macht. Er legt dar, daß der Philosoph über Erfahrung und Wissen (vidya) verfügt, aufgrund derer er zu einem höheren Stand im Diesseits wie im Jenseits gelangt sei. Eine solche Art von Kenntnissen verschafft ihm zugleich Macht über die Unwissenden, sodaß dieses Wissen auch sorgsam gehütet und geheimgehalten werden mußte: „Damit hängt auch zusammen, daß die vedischen Hymnen sich ursprünglich ausnahmslos im Besitz gewisser mächtiger Geschlechter befanden“. Sie wurden immer an die jeweilige Generation weitergegeben, um den Machterhalt zu sichern.14 Diese Konstellation führte schließlich auch dazu, daß beispielsweise besiegte Völker zu einer unteren Kaste (shudra) zusammengefaßt wurden, denen keinerlei Rechte zugestanden und ihnen selbst die Teilnahme an Kulthandlungen versagt wurde: „Diese Form der archaischen Geheimhaltung und Ausschließlichkeit hat sich durch alle Zeiten und in allen Abschnitten des indischen Lebens erhalten“ und ist auch heute noch aktuell, wie wir bereits erläutert haben.15
Nicht anders verhält es sich durch den in China einflußreichen Konfuzianismus16, dessen hierarchische Struktur die ursprüngliche Absicht des Philosophen, Sozialpolitikers und Staatsmannes Konfuzius (552 v. Chr.), eine das gesamte soziale, ethische und religiöse Gefüge des alten China umfassende Sitten- und Staatslehre aus überlieferten klassischen Werken des alten China zu entwickeln, durchaus konterkarierte. Zwar geht es im Konfuzianismus zunächst um eine sittliche Grundhaltung und das moralische Zusammenleben aller Menschen im Einklang mit der Natur sowie ein darauf aufbauendes funktionierendes Staatsgefüge und eine allgemeinen Weltordnung, aber die Festlegung auf ´höhere´ und ´niedrigere´ Menschen läßt schon erahnen, daß seinem umfassenden Anspruch einer moralischen Gesellschaft Grenzen gesetzt sind. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sein Denksystem zu einer Erhaltung bzw. Wiederherstellung der gesellschaftlichen Feudalordnung mit einer klar definierten Rangordnung tendiert. Schon aufgrund des festgelegten Status, den ein Mensch in der Rangordnung der Gesellschaft besaß, war er der Willkür der „höheren“ Menschen ausgesetzt und hatte sich ihr zu beugen. Charakteristisch für das von Konfuzius entwickelte „soziale“ Feudalsystem war ferner die Bindung an religiöse Vorgaben, die ein spezifisches und bedeutendes Moment darstellte, um seinen Ansatz zu etablieren. Der Einfluß der konfuzianischen Lehre ist zwar in vielerlei Hinsicht auch heute noch im modernen China zu spüren, aber seit das sich immer als anderen Nationen überlegen darstellende Land mit den westlichen Mächten in nähere Berührung gekommen war, „war damit die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz in Gesellschaft und Geschichte bedroht“.17 Indem die konfuzianischen Herrscher mit der geistigen Herausforderung der westlichen Welt konfrontiert wurden, wuchsen zugleich die Zweifel an der Überlegenheit der chinesischen Zivilisation. Man kann diesen von außen bewirkten Zustand in der chinesischen Politik und Gesellschaft durchaus als Erschütterung der Grundfeste einer bislang homogenen und nach außen hin bewußt abgeschotteten Struktur begreifen, insofern auch die über Jahrhunderte andauernde Tradition in Frage gestellt wurde. Immerhin bereitete diese neue kritische Haltung gegenüber dem Konfuzianismus und seiner Zivil- und Moraltheorie den Boden für Umwälzungen im Staatswesen (z.B. später auch durch den Kommunismus), die aber keineswegs ihren Abschluß gefunden haben etwa durch demokratische Formen. Schließlich ging es immer noch einerseits um die Restauration des alten orthodoxen konfuzianischen Systems und andererseits um die Zersetzung der bislang praktizierten Zivilordnung, die jedem Bürger seinen festgelegten Platz in der Gesellschaft zuordnete. Vermutlich haben zu den Konfusionen im chinesischen Staat auch die freiheitlichen Gedanken der westlich Welt beigetragen, die der strengen konfuzianischen Reglementierung diametral entgegenstanden, sodaß Reformen im Bereich der bürgerlichen Rechte durchaus ins Blickfeld gelangten. Gleichwohl wechselten sich in der Folgezeit restaurative und reformerische Kräfte im Land ab, sodaß eine wirkliche Erneuerung der Zivilordnung nicht realisiert werden konnte. Die Beseitigung des alten hierarchischen Staats- und Familiensystems, die Emanzipation des Individuums und eine demokratische Staatsordnung konnten in China mithin bislang noch nicht erreicht werden, um eine Modernisierung des Landes und eine freiheitliche Lebensordnung einzuleiten. Denn immer noch gilt das konfuzianische Ideal eines funktionierenden Gemeinwesens auf Kosten des Einzelnen, seines Selbstwertgefühls und seiner Lebensqualität, welches den heutigen Potentaten sehr wohl gelegen sein konnte.
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