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Jeder Mensch hat gewisse Vorlieben. Der eine liebt Sport, der andere Musik, ein Dritter übt gerne Macht aus. Andere mögen religiös, spielsüchtig oder Autonarren sein, an Tanz und Sex Gefallen finden, oder besonders bedacht auf ihren Partner sein. Bei manchen sind diese Eigenschaften jedoch so stark ausgeprägt, dass sie zu Obsessionen werden, denen sie sich nicht mehr entziehen können. Von solchen Menschen handeln die Geschichten dieses Buches.
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Seitenzahl: 249
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Die handelnden Personen und die Handlung der einzelnen Episoden sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich existierenden Personen und/oder realen Ereignissen ist völlig zufällig.
Ein Wort zur „Neuen Rechtschreibung“: Ich folge ihr mit großem Widerwillen, mache aber nicht jede Änderung mit, die sich sogenannte Experten einfallen haben lassen. Es ist also nicht alles ein Rechtschreibfehler, was danach aussieht ...
Vorwort
Stella
Leo
Jack
Pelikan (Der Menuett-Tänzer)
Lucy
Sergio
Jochen
Lukas
Thomas
Pedro
Megan
Ronald
Lenny
Unknown
Denise
Jeder Mensch hat gewisse Vorlieben. Der eine liebt Sport, der andere Musik, ein dritter ist völlig erfüllt von dem Bestreben, möglichst unbeschränkte Macht zu erlangen. Einige mögen sexbesessen oder Autonarren sein. Im Prinzip ist nichts gegen persönliche Neigungen einzuwenden. Manchmal sind diese Charaktereigenschaften allerdings derart stark entwickelt, dass sie zu Leidenschaften, ja zu Obsessionen, werden. Die Betroffenen selbst halten diese Charakterzüge zumeist für völlig normale Äußerungen ihrer Persönlichkeit und sind oft sogar von einem ausgeprägten Sendungsbewusstsein erfüllt, obwohl sie damit zumeist anderen oder sich selbst schaden.
Es sind nur wenige, die das Netz ihrer Obsessionen zu zerreißen fähig sind. Doch diejenigen, die es schaffen, gehen gestärkt daraus hervor.
Die Geschichten dieses Buches handeln von derartigen zwanghaften Vorlieben, die bis zur Besessenheit reichen können, welche mit dämonischer Konsequenz so manchen Menschen in den Untergang führt. Manchmal dringen diese in Randbereiche des Seins vor, wo die Grenze zwischen realer und mystischer Welt zusehends zu verschwimmen beginnt.
Wo aber liegt die Grenze, wo die Vorliebe für etwas aufhört und die Besessenheit beginnt?
Neulengbach,
im April 2015
Alfred L. Rosteck
Michel schlendert unschlüssig durch die Rue Norvins am Montmartre. Er wollte endlich wieder einmal in Ruhe an einem Tischchen in seinem Stammcafé am Place du Tertre am Fuße der Basilique de Sacré Coeur sitzen und den vielen Touristen zusehen, die sich im berühmten Künstlerviertel von Paris ergingen. Vielleicht konnte er eine der reichen Ausländerinnen aufreißen, die oft hierher kamen, um das Leben in Künstlerkreisen hautnah zu erleben. Hautnah, das war es, worauf es ihnen meistens ankam. Und er war bereit, ihnen diese Erlebnisse zu ermöglichen.
Er war Maler. Kein besonders erfolgreicher, obwohl er durchaus Talent hatte. Die Berufsbezeichnung trug er mehr als Kostüm, was ihm das entsprechende Flair gab, um Damenbekanntschaften zu machen.
Zugegeben, er sah sehr gut aus. Sein schwarzes Haar, seine blitzenden blauen Augen und seine muskulöse Statur wirkten sehr anziehend auf die Frauen. Die unvermeidliche Baskenmütze und ein rotes Halstuch gehörten ebenso zum Kostüm wie eine ärmellose Weste über einem weißen, lockeren Hemd sowie die schwarzen Hosen. Das alles signalisierte: Ich bin Künstler. Dazu noch ein paar Farbspritzer auf der Hose. Das machte ihn interessant.
Und die schönen, verwöhnten Frauen, besonders aus den USA, waren sehr neugierig auf Künstler aus Paris. Viele ließen sich gerne zeichnen. Als Akt. Bei einigen war etwas Überredungskunst nötig, um sie dazu zu bringen, sich auszuziehen. Aber dann ...
Es endete meistens im Bett. Oft aber auch gleich auf dem Tisch. Diese Frauen schienen es zu genießen, einmal abseits des Gewohnten die Liebe erleben zu können. Michel war immer wieder überrascht, wie leicht letzten Endes auch als sittsam einzuschätzende Frauen seinem Charme erlagen, so, als ob sie endlich das erleben wollten, was sie zu Hause nie bekamen. Und sich auch nicht zu fordern trauten. Warum ihnen das einem Fremden gegenüber leichter fiel, verstand Michel nur ansatzweise. Nicht zuletzt aus diesem Grunde hatte er bisher allzu enge und länger dauernde Beziehungen vermieden.
Michel verstand sich auf die Liebe. Keine, die nicht hoch beglückt von ihm geschieden wäre. Natürlich nicht, ohne sich entsprechend erkenntlich gezeigt zu haben. Sie kauften ihm die Zeichnung ab, die er, quasi als Vorspiel, ohne allzu große Ambitionen auf das Papier geworfen hatte.
Michel brauchte diese Kontakte wie die Luft zum Leben. Manchen Tag brachte er es auf zwei, manchmal auf drei Bekanntschaften. Er war unersättlich.
Man könnte auch sagen, er war sexsüchtig. Seine Freunde nannten ihn deshalb scherzhaft „Le Coq“, den Hahn.
Er wusste manchmal nicht, woher er die Kraft nahm. Es gab Tage, da fühlte er sich völlig ausgebrannt und erschöpft. Da nahm er sich oft vor, eine Pause einzulegen und auf Frauenbekanntschaften zu verzichten. Wenigstens für ein, zwei Tage. Doch dann trieb ihn eine unerklärliche Begierde wieder hinaus auf die Straßen von Paris, und er hielt Ausschau nach lohnenden Opfern. Er wollte nicht, doch er musste. Warum, wusste er nicht. Und dann klappte es meistens auch wieder damit, jemanden kennenzulernen. Und er gab sein Bestes ...
Auch heute war so ein Tag. Er fühlte sich müde und erschöpft. Gestern waren es zwei Frauen, die sich ihm bereitwillig hingegeben hatten. Selten zuvor hatte ihn das so angestrengt. Und trotzdem hielt er wieder Ausschau nach vielversprechenden Objekten, die seine Lust stillen konnten, die unerklärlicherweise wieder erwacht war.
Er ließ sich an einem der Tischchen nieder und bestellte einen Cognac. Heute gönnte er sich dieses für ihn teure Getränk. Die Damen an den Vortagen waren überaus großzügig gewesen. Schließlich hatte er sich alle Mühe gegeben.
So saß er da und beobachtete das lebhafte Treiben auf dem Platz. Schließlich versank er in einen Zustand, in dem er die Dinge in seiner Umgebung mehr unbewusst und wie in Trance wahrnahm. Ein merkwürdiges Gefühl durchflutete ihn. Er verspürte ungeheure Lust auf eine Frau und dennoch... Ihm war, als stünde er neben sich und beobachtete sich selbst, erstaunt und ungläubig. Er begehrte und war gleichzeitig so unsagbar müde, fühlte sich völlig ausgebrannt und erschöpft. Und dennoch spürte er, wie sich sein Gefühl zu regen begann, wenn er an eine Frau dachte. Diese Diskrepanz war ihm unerklärlich. Zwar liebte er es, wenn sich seine Manneskraft bemerkbar machte, aber gleichzeitig verabscheute er den Gedanken, sie wieder an eine Fremde zu vergeuden. In letzter Zeit war es ihm passiert, dass er nach dem Liebesabenteuer neben der Befriedigung auch einen unerklärlichen Ekel empfand. Vor der Frau, vor sich selbst, vor der Welt, vor allem. In solchen Augenblicken kamen ihm dann merkwürdige Gedanken in den Sinn. Er dachte, wie schön es sein müsste, nichts mehr zu wissen, ganz einfach Schluss zu machen mit allem. In die Nacht einzugehen, in einen endlosen Traum vom Nichts.
Früher hatte er nie solche Anwandlungen gehabt. Wann hatte er eigentlich damit begonnen, diese Exzesse mit fremden Frauen zu suchen? Zwar hatte er auch vorher immer eine, bei der er seine ausgeprägten sexuellen Bedürfnisse abreagieren konnte, wobei er sich auch immer Mühe gegeben hatte, es auch der Frau recht zu machen und nicht nur auf sich selbst zu schauen. Aber diese, wie sollte er es nennen, Obsession, es täglich gleich mit mehreren zu treiben, hatte ihn erst allmählich überkommen.
Michel seufzte und kehrte langsam in die Realität zurück. Er erblickte eine attraktive Frau von etwa vierzig Jahren, die langsam daherschlenderte und den Eindruck machte, als suche sie etwas. Sie war sehr hübsch und gepflegt. Sie wirkte auf ihn wie eine etwas gelangweilte Ehefrau, die einen Schaufensterbummel machte. Michel tippte auf Ausländerin, am ehesten Amerikanerin. Er hatte mit der Zeit einen gewissen Blick dafür entwickelt.
Obwohl er eben noch sein Leben verabscheut hatte, erwachte in ihm wieder die alte Jagdlust. Er zog einen Skizzenblock aus der Tasche und begann mit schnellen Strichen eine Skizze von der Frau. Als sie nahe genug herangekommen war, sprang er auf und sprach sie an.
„Excusez-moi, Mademoiselle, würden Sie mir die Güte erweisen, mir für einen Augenblick Modell zu sitzen? Ich bewunderte eben Ihr Profil, und ich muss sagen, auch Ihre Figur, als Sie so daherschlenderten. Für mich als Maler ganz einfach unwiderstehlich! Wollen Sie? Ich lade Sie auch auf einen Drink ein, während Sie hier sitzen und ich Ihr reizendes Profil zeichne. Ich bitte Sie, nehmen Sie Platz!“
Die Frau verhielt erstaunt ihren Schritt und sah Michel gerade ins Gesicht. Sie hatte strahlend blaue Augen, gleichmäßige Züge und schön geschwungene Lippen, die nur eine Spur von Lippenstift aufwiesen. Auch ansonsten war sie nur leicht geschminkt, was ihrer Erscheinung jedoch keinen Abbruch tat. Im Gegenteil. Sie strahlte einen jungmädchenhaften Charme aus, der vergessen ließ, dass sich um ihre Augen und ihren Mund schon das eine oder andere Fältchen zeigte. Manche Frauen können sich diese Ausstrahlung bis ins Alter bewahren und bezaubern damit die Männer stets aufs neue. Sie gehörte zweifellos zu diesen Glücklichen.
Sie musterte ihn augenscheinlich. Obwohl ihr offenbar gefiel, was sie sah, erwiderte sie mit leicht amerikanischem Akzent (Michel gratulierte sich zu seiner Menschenkenntnis) nicht unfreundlich, aber bestimmt: „Monsieur, ich bin an einem Porträt nicht interessiert, ich bedaure!“, und schickte sich an, weiterzugehen.
Michel war es gewohnt, dass die Damen sich zierten und gab nicht so schnell auf. „Ich bitte Sie, Mademoiselle,“ (er nannte stets alle Frauen Mademoiselle, weil er hoffte, ihnen damit zu schmeicheln), „ich verstehe, dass Sie an allen Straßenecken angesprochen werden, weil sämtliche Künstler dieser Stadt, die Sie sehen, Sie malen möchten! Aber ich will Ihnen nichts verkaufen. Nein! Ich will Ihr Bild behalten und es jeden Tag betrachten! Sie sind schön, wissen Sie das? – Natürlich wissen Sie es! Lassen Sie mich Sie malen, oder wenigstens zeichnen, dann lasse ich Sie schon in Ruhe! Das dauert nicht lange. Ein, zwei Stunden! Ich bitte Sie, sagen Sie ja!“ Er beendete seine Suada mit einem treuherzigen Hundeblick, der normalerweise auf Frauen sehr überzeugend wirkte.
Die Frau zog die rechte Augenbraue hoch und musste wider Willen lachen. „Ich bitte Sie, Monsieur, machen Sie nicht so ein Theater! Na gut, wenn Ihnen so viel daran liegt.“
Sie setzte sich an das Tischchen. „Ich nehme auch einen Cognac“, sagte sie und deutete auf Michels Glas.
„Ich danke Ihnen sehr, Mademoiselle!“, sagte Michel erfreut. Er deutete dem Garçon, noch einen Cognac zu bringen. „Sie werden sehen“, setzte er fort, „es wird ein Meisterwerk.“
Er nahm den Stift und setzte seine eben begonnene Skizze fort. Michel war nicht gänzlich unbegabt. Mit wenigen Strichen vermochte er dem Entwurf ein unverwechselbares Etwas zu geben. Die Frau war eindeutig zu erkennen. Und doch war sie künstlerisch so verfremdet, dass sie nicht einem exakten Abbild der Realität glich.
Die Frau bemerkte etwas zögernd, er möge sie nicht immer Mademoiselle nennen, sie sei schließlich – sie errötete etwas – sie sei schließlich verheiratet und kein Teenager mehr.
Michel mimte den Ungläubigen und fragte sie schließlich: „Darf ich Sie nach Ihrem Namen fragen? Ich heiße übrigens Michel.“
„Mein Name ist Stella. Ich begleite meinen Mann auf einer Geschäftsreise, habe also nicht allzu viel Zeit. Er wird seine Besprechung sicherlich bald beendet haben. Wir haben vereinbart, dass ich ihn im Hotel erwarte. Also machen Sie schnell!“
„Natürlich, so schnell ich kann. Aber es ist zu schade!“ Er murmelte unverständliches Zeug vor sich hin.
„Was sagten Sie?“, fragte Stella irritiert, da sie kein Wort verstanden hatte.
„Ich sagte“, wiederholte Michel etwas lauter und tat verlegen, „ich sagte, es sei jammerschade, dass Sie nicht mehr Zeit haben. Denn ... na, egal!“
„Was ist egal?“, begehrte Stella zu wissen und sah Michel an.
„Nicht bewegen, Stella! Schauen Sie auf den Punkt dort unter der Laterne. Nicht auf mich. Ich möchte Ihr überaus bezauberndes Profil festhalten.“
„Was ist egal?“, wiederholte Stella und versuchte, den besagten Punkt zu fixieren.
„Dass Sie nicht mehr Zeit haben. Es ist jammerschade! Ich würde Sie gerne auch malen. Aber das geht hier nicht.“ Er legte den Kopf schief und musterte seine Skizze kritisch. Dann machte er einige Korrekturen und setzte fort. „Das geht nicht hier auf der Straße. So ein Modell wie Sie habe ich mir schon immer gewünscht. Und Sie haben keine Zeit. Jammerschade! Der Kunst so etwas vorzuenthalten!“ Er schüttelte wie fassungslos den Kopf.
Stella blickte ihn überrascht an, obwohl er es ihr verboten hatte. „Ich bitte Sie, Michel, hier laufen zu Hunderten die schönsten Mädchen umher, und Sie, wie sagt man, versteifen sich auf mich? Ich bin nicht mehr die Jüngste. Ich muss das einfach sagen, obwohl ich es nur ungern zugebe. Suchen Sie sich eine Jüngere.“
„Das geht nicht. Diese jungen Dinger haben nicht die Ausstrahlung einer Frau in ihren besten Jahren. Wissen Sie nicht, dass die Liebesfähigkeit einer Frau am größten zwischen dreißig und vierzig ist? Und für den Mann am reizvollsten?“ Michel sah sie von der Seite her an.
„Ich dachte, Sie sind Maler? Und jetzt reden Sie wie ein Don Juan? Ich glaube, Sie sind ein ganz Schlimmer!“ Stella drohte ihm halb schelmisch, halb tadelnd mit dem Finger.
Michel kannte diese Geplänkel von vielen anderen derartigen Anbahnungsgesprächen und dachte: ‚Es läuft nicht schlecht, die krieg ich herum.’
Laut tat er beleidigt und sagte entrüstet. „Ich bitte Sie, Stella! Ich bin Künstler! Ich muss die ganze Persönlichkeit eines Modells erfassen, und da gehört das eben dazu. Ich muss Sie malen! Stürzen Sie mich nicht ins Unglück. Ich bitte Sie, Stella!“, wiederholte er.
Sie sah ihn an. Lange und eindringlich. Sie schien ihn zu mustern und offenbar den Versuch zu machen, in seine Gedanken einzudringen, um seine wahren Absichten zu ergründen. „Wissen Sie, Michel, ich bin keine Frau für Abenteuer. Natürlich gefällt mir der Gedanke, auf einem Bild verewigt zu werden. Wer wird denn schon von einem echten Maler gemalt. – Sie sind doch wirklich ein echter Maler?“, setzte sie misstrauisch hinzu.
„Ich bitte doch sehr, Madame, sehen Sie doch diese Skizze an. Bin ich Maler oder nicht?“
Er hielt ihr den Entwurf hin. Sie musste zugeben, dass die Skizze durchaus gelungen war. Sie blickte auf die Uhr. „Mein Mann erwartet mich in etwa einer Stunde. Soviel könnte ich erübrigen.“
„Großartig, Stella!“, rief Michel. „Dann gehen wir und nützen die Zeit.“ Er warf einen Geldschein auf den Tisch und stellte den Aschenbecher darauf. „Gehen wir! Es ist nicht weit bis zu meinem Atelier.“
Unternehmungslustig hakt er Stella unter und zog sie fort.
Er fühlte bereits die Wärme in seinem Unterleib, die Lust, die sich steil zu erheben begann ...
Als Stella ihn nach gut zwei Stunden verließ, waren Michels Gefühle gespalten. Es war alles so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte: Er hatte begonnen, das Porträt Stellas fertigzustellen – was nicht allzu lange dauerte – , schlug dann vor, Stella möge ihm doch als Akt Modell stehen, zumindest aber als Halbakt, mit entblößtem Oberkörper. Stella zierte sich ein wenig, aber warum war sie dann mitgekommen?
Sie willigte schließlich ein. Michel deutete auf einen Paravent, hinter dem sie sich entkleiden könnte und wies sie auf den großen Schleier hin, um sich fürs erste damit zu bedecken und sich auf diese Weise langsam an das für sie ungewohnte Gefühl zu gewöhnen, einem fremden Mann nackt gegenüberzutreten, auch wenn er sie nur mit den Augen eines Künstler betrachtete.
Stella trat nach kurzer Zeit hinter dem Paravent hervor, den Schleier verlegen vor ihre Brust haltend.
Michel war entzückt über den Fortschritt, den die Sache nahm.
„Stella, stellen Sie sich bitte dort zu der großen Blumenvase auf der antiken Säule! Und nehmen Sie dann den Schleier weg, damit ich Sie malen kann.“
Stella tat, wie ihr geheißen. Scheu stand sie da und musste erneut gebeten werden, sich zu entblößen. Endlich ließ sie den Schleier sinken und fragte Michel ängstlich, ob er denn wirklich glaube, dass es sich lohne, sie zu malen. „Ich sagte doch schon, es gäbe so viele jüngere und schönere Frauen als mich. Ich schäme mich so!“ Sie senkte den Blick und zog gleichzeitig das Tuch wieder vor ihren Körper. Michel konnte somit ihren nackten Oberkörper nur ganz kurz sehen. Doch auch ein kurzer Blick hatte ihm gezeigt, dass Stella sehr schön war. Sie hatte wunderschön geformte feste Brüste mittlerer Größe, die sich in wunderbarem Kontrast weiß von ihrem ansonsten gebräunten Oberkörper abhoben.
„Stella! Ich bitte Sie! Entziehen Sie mir nicht diesen wunderbaren Anblick. Sie sind es wert, gemalt zu werden. Ihr Bildnis muss für alle Zeiten auf die Leinwand gebannt werden. So zeigen Sie sich mir jetzt. Bitte!“ Und mit leichtem Zögern setzte er hinzu „Am liebsten wäre mir, wenn Sie sich ganz ...! Sie verstehen? Ohne das lästige Zeug, das Ihre Schönheit verhüllt. Auf so ein Modell habe ich schon lange gewartet. Bitte, legen Sie den Schleier ganz ab!“
Stella schien zu erröten und rang offensichtlich mit sich selbst, ob sie der Aufforderung Folge leisten sollte. Dann gab sie sich einen Ruck und ließ den Schleier zu Boden fallen. Zu Michels Erstaunen hatte sie auch ihr Höschen hinter dem Paravent abgelegt.
Da keimte in Michel ein leiser Verdacht auf, dass Stella mit ihm spielte, nicht er mit ihr. Aber er schüttelte diese Gedanken rasch ab. „Wunderbar!“, rief er begeistert aus. „Sie sind wunderbar! Superbe!“ Er trat zu ihr hin und sagte: „Gestatten Sie, dass ich Sie kurz anfasse? Ich möchte Sie so aufstellen, wie es meinem künstlerischen Auge am vorteilhaftesten erscheint.“ Er legte den Kopf schief und betrachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. „Obwohl“, er hielt kurz inne, um seinen Worten die nötige Wirkung zu verleihen, „obwohl es bei Ihnen egal ist, wie Sie stehen. Sie sind von allen Seiten wundervoll.“
Michel ging um sie herum und betrachtete sie eingehend. „In der Tat! Ich weiß gar nicht, von welcher Seite Sie schöner sind.“ Er nahm sie beim Oberarm, drehte sie ein wenig, hob ihren anderen Arm, so dass sie dastand wie Venus, wenn sie huldvoll auf einen Sterblichen herabblickte, verlieh ihren Hüften mit leichtem Druck einen ihm angemessen erscheinenden Schwung. Dabei ließ er seine Hand wie unabsichtlich länger als nötig auf ihr ruhen und sagte seufzend: „Mon Dieu, wie schade, dass man das nicht malen kann.“
„Was nicht malen kann?“, fragte Stella erstaunt.
„Na, wie Sie sich anfühlen. Diese glatte, weiche und doch so straffe Haut. Einfach verführerisch! Wissen sie eigentlich, wie schön Sie sind?“
Stella sah ihn mit verschleiertem Blick an und sagte mit etwas heiserer Stimme: „Finden Sie? Aber wann gedenken Sie – zu beginnen? Ich habe nicht endlos Zeit.“
„Ich muss mich doch erst in mein Modell einfühlen, sonst wird das nichts. Das müssen sie doch verstehen.“ Er zögerte kurz, ehe er fortfuhr. „Darf ich Sie noch einmal berühren? Ich brauche das, um mich einzustimmen.“
Er wartete gar nicht erst auf ihre Antwort, sondern begann sie zart zu streicheln. Spätestens jetzt war es offensichtlich, was er wirklich wollte. Wenn sie jetzt nicht protestierte, hatte er gewonnen, das wusste er.
Sie protestierte nicht. Vielmehr machte sie das Spiel mit, tat ahnungslos und gab sich naiv, so, als ob es eben zur Vorbereitung eines Künstlers gehörte, bevor er mit dem Malen begann.
Es kam, wie es immer kam. Sie landeten auf dem Diwan, der wie zufällig im Atelier stand, auf dem Teppich, der so herrlich weich war. Sie ließen nichts aus und fanden große Übereinstimmung in den unterschiedlichsten Varianten des Liebesspiels.
Michel vermeinte zu träumen. So eine Frau war ihm schon lange nicht begegnet. Eine Frau, die nicht nur alles mitmachte, sondern vielmehr die Initiative ergriff und Dinge tat, die er sich nie im Leben von ihr zu verlangen getraut hätte. Amerikanerinnen waren in gewisser Weise sehr prüde. Aber wenn man es schaffte, sie aufzutauen, ließen sie ihrem Hunger meist freien Lauf. Aber Stella schlug sie alle um Längen. Und sie trieb ihn immer weiter, ließ ihn in ihrer Unersättlichkeit nicht zur Ruhe kommen.
Schließlich lag Michel schwer atmend auf dem Teppich. Er konnte beim besten Willen nicht mehr und war total erschöpft. „Du bist ein Wahnsinn!“, stöhnte er. „Stella! Wie lange hast du schon nicht ...?“
Stella lächelte und sagte leise. „Das wolltest du doch, oder? Von Anfang an? Das hast du bekommen. Du warst nicht einmal schlecht, muss ich sagen.“ Nach einem Blick auf Michels Wanduhr sagte sie wie erschrocken. „Jetzt muss ich aber gehen! Mein Mann wird sich schon Sorgen machen.“ Sie sprang auf, verschwand hinter dem Paravent und tauchte kurz darauf fertig angezogen wieder auf. Sie drückte Michel einen flüchtigen Kuss auf die Wange und sagte: „Das fertige Bild kannst du mir ja zuschicken. Du kannst mich sicher aus dem Gedächtnis malen. Zur Genüge studiert hast du mich ja. Au revoir!“
Als Stella die Rue Poulbot entlang ging, die zum Place du Tertre zurückführte, dachte sie, wie leicht es doch war, die Männer hinters Licht zu führen. Ein bisschen auf naiv und unwissend gespielt und schon waren sie verloren. Setzten alles darein, um die ach so Naive herumzukriegen. Natürlich am liebsten unter irgendeinem Vorwand. Gerade vernachlässigt scheinende Frauen wirkten auf Männer wie Licht auf Motten. Stella hatte da so ihre Methoden und Erfahrungen. Paris bot sich dafür so wunderbar an. Es wimmelte nur so von Künstlern und solchen, die sich entweder dafür ausgaben oder sich wirklich dafür hielten. Für sie, Stella, machte das keinen Unterschied. Sie sah gut aus, das wusste sie. Und die Kerle wollten sie malen. Sie war ständig auf der Suche nach solchen Typen. Wenn sie ihr gefielen, ließ sie sich ansprechen und bekam dafür über kurz oder lang das, was sie suchte. Das, was sie so sehr brauchte. Das, was ihr ein Mann allein schon längst nicht geben konnte: Sex. Hemmungslosen Sex. Und das nicht einmal, sondern viele Male. Sie konnte nicht genug kriegen. Kein Mann war stark und ausdauernd genug, um sie auch nur für einige Zeit zufriedenstellen zu können.
Stella hielt bereits wieder Ausschau nach dem nächsten. Der junge Maler dort drüben könnte passen, überlegte sie.
Sie schlenderte auf Touristenart scheinbar unschlüssig und gelangweilt auf die andere Straßenseite und begann, die ausgestellten Bilder zu betrachten ...
Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. In der jungen Frühlingssonne schien die Welt in einen Glückstaumel verfallen zu sein. Die Natur war erwacht und wollte die lange Winterpause offenbar auf einen Schlag vergessen. Das erste zarte Grün zeigte sich an den Bäumen und Sträuchern, und auf den Wiesen in den Parks leuchteten gelb die Primeln. Auch die Tierwelt war außer Rand und Band. Endlich Frühling! Endlich Sonne! Wieder leben! Die Vögel sangen ihr Glück in die Welt hinaus.
Und die Menschen atmeten frei und erleichtert auf. Nach dem langen Winter der erste schöne Tag. Der erste richtige Frühlingstag! Da ging alles gleich viel leichter von der Hand. Die Leute waren viel freundlicher zueinander. „Herrlicher Tag heute, nicht wahr, Frau Nachbarin?“ „Ja, das meine ich auch. Jetzt sollte man Zeit haben, um hinauszuwandern in die Natur.“
So und so ähnlich sprachen die Menschen miteinander und waren glücklich, wenn auch nur für den Augenblick. Bis der Alltag sie wieder voll in Anspruch nahm.
Auf Leo Novotny schien der schöne Tag im jungen Frühling keinen besonderen Eindruck zu machen. Er schlurfte mit hängendem Kopf und Leichenbittermiene durch die Naglergasse in Wien und nahm kaum Notiz von seiner Umwelt. Er war unrasiert und schmuddelig. Seine Kleidung hatte er offensichtlich seit längerem nicht gewechselt und sah einem Landstreicher weit ähnlicher als einem zivilisierten Bürger der Stadt.
Als er den Graben im Zentrum Wiens erreichte, hob er erstmals den Kopf, als ob er Ausschau hielte nach irgendetwas Bestimmtem.
„Er ist noch nicht da“, murmelte er sichtlich erleichtert, als er bemerkte, dass die Ecke zur Dorotheergasse offenbar frei war. Leo pflegte nämlich hier den Tag zu verbringen. Bettelnd. Nur manchmal machte sich hier, an seiner Ecke, ein anderer breit. Und für zwei Bettler an einer Ecke war kein Platz. Das lohnte sich nicht.
Heute war alles in Ordnung. Leo ließ sich an der Ecke nieder und verbarg sein Bein so geschickt unter seinem Körper, dass der Eindruck entstand, er wäre einbeinig. Er holte einen Stock aus der schmuddeligen Jacke und zog ihn auseinander. Dann lehnte er ihn neben sich an die Hausmauer. Vor sich stellte er seinen alten, zerbeulten Hut und legte ein paar größere Münzen und einen 5 Euro-Schein hinein, um die Passanten zu reichlichen Spenden zu animieren. Das Bild war fertig arrangiert und sollte mitleidige Passanten zu einer mehr oder minder großzügigen Gabe anregen.
Wiens Zentrum hatte das ganze Jahr über Saison. Aber im Frühling kamen die Touristen ganz besonders gerne. Die Stadt hatte ein ganz besonderes Flair. Andere Städte mögen größer, prunkvoller, hektischer und verrückter sein. Aber in Wien fühlten sich die meisten Menschen einfach wohl. Es bot alles, nur in kleinerem Ausmaß. Die Stadt war prächtig, aber nicht so weitläufig, dass man unbedingt ein Fahrzeug brauchte, um überall hin zukommen. Und trotz der Menschenmassen, die sich besonders in den schönen Jahreszeiten in der Inneren Stadt ergingen, verlor die Stadt nicht ihre sprichwörtliche Gemütlichkeit. Sie war überschaubar. Die meisten Prunkbauten lagen am Ring und innerhalb davon. Gerade mal Schönbrunn und das Belvedere bildeten da eine Ausnahme.
Was aber kaum eine europäische Großstadt zu bieten hatte, war der grüne Gürtel, der die Stadt umgab: der berühmte Wienerwald mit dem Kahlenberg und dem Leopoldsberg. Nicht zu vergessen die historischen Vororte, die sich malerisch an die Weinberge schmiegten. Und kaum einer der Touristen versäumte einen Besuch beim weltberühmten Wiener Heurigen.
Leo Novotny, als echter Wiener, kannte alle Heurigenlokale. Er konnte wunderbar Auskunft geben, wenn ihn jemand nach einem guten Heurigenlokal fragte. Er schickte die Leute zu den Nobelheurigen in Grinzing, Neustift und Nußdorf. Er selber ging nie dorthin. Er kannte kleine, alteingesessene Heurige, die urig und weniger vornehm waren, aber dafür ausgezeichneten Wein und gutes, preiswertes Essen boten. Genau das Richtige für Leo Novotny.
Novotny hatte sein mitleiderregendes Gesicht aufgesetzt. Er ließ die Unterlippe etwas hängen, kniff ein Auge zu und zog das Gesicht ein wenig zur Seite. Er verstand es meisterhaft, sich ein sehr einfältiges, fast tölpelhaftes Aussehen zu geben. Viele der vorbeikommenden Touristen ließen sich täuschen und gaben ihm ein Almosen. Wenn man im Urlaub ist, lässt man sich offenbar eher zu solch gönnerhaftem Verhalten hinreißen. Die Wiener nahmen hingegen kaum Notiz von Novotny. Sie kannten alle Bettler im Umkreis und durchschauten zumeist ihre Masche.
Gegen Mittag hatte Leo bereit eine Menge Münzen und sogar ein paar Scheine in seinem verbeulten Hut. Mit einem Auge schätzte er den Betrag ab, wozu ihn langjährige Übung recht gut befähigte. Er brummte vor sich hin: „Na ja, in ein, zwei Stunden habe ich genug ...“
Er dachte bereits mit Sehnsucht, um nicht zu sagen, Gier, an das alte kleine Heurigenlokal in Sievering. Dort würde er bis zur Sperrstunde sitzen und die „verdienten“ Euros in Wein umsetzen. Die alten Wirtsleute, ein Ehepaar schon an die achtzig, hatten nicht mehr viel Kundschaft. Nur Stammgäste, die zum Teil schon Jahrzehnte bei ihnen verkehrten. Die Speisekarte des Lokals war nicht sehr umfangreich, bot aber alles, was eingefleischte Heurigengänger schätzten.
Leo seufzte. Er hielt die Stellung mit dem untergeschlagenen Bein beinahe nicht mehr aus. Doch er musste höllisch aufpassen, dass ihn keiner beobachtete, wenn er den Platz verließ. Aber er hatte es zu großer Meisterschaft darin gebracht, den günstigsten Moment zu nutzen, um aufzustehen und sich leise davonzumachen.
Dann, beim Heurigen, nahm er an seinem Stammtisch Platz, der immer für ihn reserviert war. Er war jemand in dem Lokal. Jetzt gutbürgerlich gekleidet, fiel er nicht weiter auf. Er saß stundenlang an seinem Tisch, und das alle Tage. Und trank und aß und trank. Dann trank er nur mehr. Er trank bis zur Sperrstunde, oder bis sein Geld verbraucht war. Da an guten Tagen die Spendenfreudigkeit der Touristen groß war, konnte er eine Menge trinken um sein Geld.
Um Mitternacht war er voll, sternhagelvoll. Aber er fiel nie ungut auf. Er war still und ruhig. Da war irgendetwas in seinem Gesicht, das den unbeteiligten Zuschauer Mitleid empfinden ließ. Und Neugier, was einen Menschen dazu treiben konnte, sich derart zu betrinken. Er war den übrigen Stammgästen in dem Lokal seit Jahren bekannt.
Die anderen kamen wohl auch jeden Tag, aber nur, um etwas zu essen und ein paar Vierteln, wie man in Wien sagte, zu trinken. Richtige Trunkenbolde waren eher selten, so in dem Sinn, dass sie sich hemmungslos volllaufen ließen und ungut laut wurden. Hier verkehrten eher die „Weinbeißer“, die Genießer, die den Wein mit beinahe religiöser Inbrunst tranken.
Leo Novotny war eine Ausnahmeerscheinung. Wenn er das Lokal verließ, strich er die Häusermauern entlang, sich vorsichtig stützend, und erreichte meist nur mit viel Mühe seine Wohnung, die ein paar Häuserblocks weiter lag. Er bewohnte ein kleine Altbaugarconnière, die recht schäbig möbliert war und im Ganzen den Eindruck machte, als ob sie ihre besten Zeiten bereits hinter sich hatte.
So auch an diesem Abend. Er ließ sich angezogen auf sein Bett fallen und fiel sofort in einen unruhigen Schlummer. Die Nächte fürchtete er, denn er litt unter schlimmen Albträumen. Er fühlte, dass jemand oder etwas in seinem Kopf ständig auf ihn einredete, um ihn zu etwas zu bewegen, was er eigentlich gar nicht wollte. Aber die Stimmen, oder wie immer man diese Eindrücke nennen mochte, waren zu diffus, um in den Wachzustand mitgenommen werden zu können. Leo wusste am nächsten Morgen meist nur, dass irgendetwas in seinem Kopf war, das ihm schadete.
In lichten Augenblicken verstand er nicht, warum er seinen Beruf aufgegeben hatte, denn er war ein nicht unbegabter Tischler gewesen. Er hatte gelernt, alte Möbel zu restaurieren. Der Meister, bei dem er in die Lehre gegangen war, hatte große Hoffnungen in ihn gesetzt, denn er hatte selbst keinen Sohn und dachte oft daran, Leo sein Geschäft zu übergeben, wenn er sich einmal zur Ruhe setzte. Das hatte er diesem gegenüber des öfteren angedeutet.
Leo hätte also zufrieden sein können, aber in ihm breitete sich aus unerfindlichen Gründen eine Unruhe aus, der er immer schwerer widerstehen konnte. Ihm war anfangs nicht klar, was er wirklich wollte, aber mit der Zeit nahmen seine Vorstellungen konkretere Formen an. Er wollte Freiheit. Und Unabhängigkeit. Immer öfter verspürte er ein unbestimmtes Verlangen. Er wusste nur nicht, wonach. Sein ganzer Körper begann förmlich zu vibrieren, er wurde unstet und begann, an seinem Arbeitsplatz Fehler zu machen.
Eines Tages vertraute ihm der Meister eine schwierige Arbeit an. Es handelte sich um eine alte Kommode aus der Biedermeierzeit. Ein kostbares Stück, das allerdings ziemlich ramponiert aussah, weil es schon durch viele Hände gegangen war, die es nicht sehr achtsam behandelt hatten. Die Besitzerin hatte dem Meister ans Herz gelegt, sehr vorsichtig zu sein. Das Möbelstück war ihr lieb und teuer, denn es stammte noch von ihrer Großmutter, die es ihrerseits nach vielen Generationen ererbt hatte.
