Der mit dem Ordnungsfimmel - Bernhard Riedl - E-Book

Der mit dem Ordnungsfimmel E-Book

Bernhard Riedl

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Beschreibung

Das Buch wendet sich zum einen an Fachleute wie Psychologen, Sozialarbeiter und Familienberater, die vom "Familienstellen nach Bert Hellinger" gehört haben und Genaueres darüber wissen möchten. Gleichfalls ist es für interessierte Laien gedacht. Es versteht sich als kritisch begleiteter Einführungskurs, was bedeutet: Die einzelnen Themenbereiche sind übersichtlich und praxisnah dargestellt und zusätzlich mit Fragen, Einwänden und Kommentaren versehen. Aus dem Inhalt Vergleicht man die Systemische Therapie als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren mit der Konzeption Bert Hellingers, springt es ins Auge, dass die therapeutischen Grundsätze kaum gegensätzlicher sein könnten. Eine Testleserin "Ich wollte in das Buch ,hineinlesen', habe dann aber aus Versehen doch das Ganze lesen müssen, weil es mich gefesselt hat. Das Thema hat mich vor dem Lesen nicht sonderlich interessiert. Dann war ich aber doch gebannt, und gelinde gesagt schockiert von Hellingers kruden Ansichten und deren mitunter verheerenden Wirkungen ..." (Lonnie Wegener, MA-Studentin)

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Seitenzahl: 108

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Autor:

Bernhard Riedl (M. A.), katholisch erzogen, kam in den Genuß der Bildung durch Jesuiten. Aus Überzeugung und formal durch Austritt kehrte er schließlich der Kirche den Rücken. Dennoch verlor er das Thema Religion nicht aus den Augen.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit im Bereich der Pädagogik studierte er Erziehungs- und Religionswissenschaft. Anlassgebend für dieses Büchlein war sein Interesse an Philosophie, Psychologie und Psychotherapie.

Ein großes Dankeschön

an die Testleser bzw. die Testleserin.

An M. S., dem es stets gelingt, auf den Punkt zu kommen, und der vor allem schneller denkt als ich.

An L. M., mit seinem besonderen Sinn für Teufel, die sich im Detail verstecken.

An L. W., die sich in neue, ihr bislang unbekannte Regionen wagte.

Und auch an R. W., den Liebhaber von Sprachspielen.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 - Der Aufstellungs-Boom - Zur aktuellen Relevanz

2 - Grundlegende Unterschiede: Die Systemische Therapie und Familienaufstellungen nach Hellinger

3 - Das Verhältnis von Mann und Frau – Wie du mir, so ich dir.

4 - Eltern und Kinder – Einbahnstraße des Gebens und Nehmens

5. Familienbande – Die Ordnungsprinzipien und das ungerechte „Gewissen“

6 - Das Schicksal und die Über-Macht – am Beispiel von NS-Tätern und derenNachkommen

7 - Erkenntnistheorie - Wer weiß denn sowas ... und woher?

8 - Die Wucht des Faktischen - Keine Chance für Erläuterungen, Fragen und Einwände

9 - Von Nachsorge ist im Grundsatz abzuraten

10. Wer trägt die Verantwortung ... und wohin?

11. Vom katholischen Missionar ... zum Missionar in eigener Sache

Resümee

Literatur

Einleitung

Sucht man hierzulande in einer psychisch belastenden Lage nach sachkundiger Unterstützung, ist es nicht gerade einfach, das Passende zu finden, das Angebot ist reichhaltig. Möglicherweise käme ein Schamane in Frage, oder auch Kartenlegen, Pendeln, die Astrologie, ein Hellseher, ein Seelsorger oder eine Kräuterkur etc.

Doch auch an neuzeitlichen Verfahren ist die Auswahl groß. Sucht man die Ursachen für die seelischen Beschwerden in der eigenen Vergangenheit, liegt die Psychonanlyse nahe. Pragmatiker hingegen werden zur Verhaltenstherapie neigen. Wem beides nicht so recht behagt, der könnte eine Systemische Therapie wählen. Diese Verfahren sind von den Krankenkassen zugelassen.

Darüber hinaus gibt es für SelbstzahlerInnen beispielsweise die als seriös anerkannten Methoden der Gesprächspsychotherapie, der Gestalttherapie und der Logotherapie. Auch HeilpraktikerInnen für Psychotherapie kämen in Betracht, und gleichfalls Methoden, die keine offizielle Zulassung benötigen. Dazu gehören die sogenanten Familienaufstellungen nach Hellinger.

Die Beurteilungen dieser speziellen Art von Familienaufstellungen - ob nun von Laien oder Fachleuten – fallen sehr unterschiedlich aus. Die Bandbreite reicht vom „Stein der Weisen“ bis hin zu „esoterischer Mumpitz“1. – In dieser Frage kann der komprimiert gehaltene Einführungskurs bei der Entscheidungsfindung eine Hilfe sein; eine Hilfe für Menschen, seien es Professionelle oder Laien, die mit dieser Form psychologischer Unterstützung nicht näher vertraut sind.

1 Nico Frühwind: Esoterischer Mumpitz. In: Report Psychologie, 6/2004

1 | Der Aufstellungs-Boom - Zur aktuellen Relevanz

Hellinger wurde 1925 geboren, studierte unter anderem katholische Theologie und wurde 1952 zum Priester geweiht. Anschließend arbeitete er als Ordensmitglied in leitender Funktion in einer katholischen Missionssschule in Südafrika. Nach 16 Jahren verließ er den Orden und begann eine psychoanalytische Ausbildung. Er besuchte zudem zahlreiche Kurse und Weiterbildungen diverser Schulrichtungen der Psychotherapie, und er begann ein eigenes therapeutisches Konzept zu entwickeln.

Dabei ging Hellinger im Wesentlichen von einem einzigen Element der Systemischen Familientherapie aus, bei welchem außer den KlientIinnen auch andere Personen eines Familiensystems direkt erfahrbar als Akteure in den therapeutischen Prozess einbezogen wurden.

Diese sogenannten Aufstellungen vermitteln ein Bild vom Zusammenwirken der Beteiligten. Hellinger verwarf jedoch die bestehende theoretische Konzeption systemischer Therapie und reduzierte die therapeutische Praxis allein auf kurz gehaltene Familienaufstellungen. Ein weiterer Unterschied gegenüber der ursprüglichen Form ist der, dass nicht mehr die tatsächlichen Familienmitglieder aufgestellt wurden, sondern an ihrer statt unbeteiligte StellvertreterInnen. (Detailliert zu den Unterschieden, vgl. Kapitel 2.) - Alles in allem führte dies dazu, dass Hellinger sich in Fachkreisen und darüber hinaus teils vehementer Kritik ausgesetzt sah. Letztlich distanzierten sich die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (2003 und die Systemische Gesellschaft (2004)

explizit von Hellingers Arbeit.2 Bert Hellinger ist 2019 gestorben.

Im Gegensatz zur angesprochenen Kritik erhielt Hellinger auch umfassenden Zuspruch, teils auch von fachlicher Seite. Anklang fand er in besonderem Maße auf dem sogenannten Psychomarkt. Hier kam es zu einer regelrechten Hellinger-Euphorie bzw. zu einem Aufstellungs-Boom.

Die Anhängerschaft war breit gestreut. Das Spektrum umfasste allgemein Interessierte, Menschen aus sozialen Berufen, Ärzte sowie diplomierte und promovierte Psychologen und Pychiater. Einige Schilderungen aus dieser Zeit können den Boom veranschaulichen:

„Etwa 500 Menschen hatten sich in einem Hörsaal der Universität Leipzig eingefunden, um an seinem (B. Hellingers) Selbsterfahrungsseminar „Wie Liebe gelingt“ teilzunehmen.“

3

(FOCUS 1998)

„Den 2400 Besuchern in der prall gefüllten Halle stockt der Atem. Wer ganz hinten sitzt, starrt auf die zwei großen Leinwände links und rechts der Bühne, wo alles noch schöner und größer zu sehen ist, live und in Farbe.“ - Angesichts einer Familienaustellung von Hellinger bei der 4. Internationalen Tagung für Systemaufstellungen. (DIE ZEIT 2003)

4

Die Durchführung von Großveranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern, eine große Anzahl von Büchern sowie Unmengen von Videoaufzeichnungen und Audiocassetten aus Veranstaltungen und Interviews tragen zur Popularität der Methode bei.“ (Bayerisches Landesjugendamt 2006)

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„Dass daraus eine Massenbewegung geworden ist, wird man in den nächsten Tagen wieder in Köln feststellen: Vom morgigen Mittwoch an treffen sich dort 1000 Anhänger, von denen sich viele als »Therapeuten nach Hellinger« bezeichnen. ... Mal kommen hundertfünfzig Zuschauer ... mal sind es tausend wie bei einer Abendveranstaltung im Münchner Vorort Germering ...“ (SZ 2010)

6

Sicher hat der Boom in dieser Dimension und mit derartiger Öffentlichkeitswirksamkeit deutlich nachgelassen. Dennoch scheint sich das Familienstellen nach Hellinger weiterhin recht großer Beliebtheit zu erfreuen.

Beispielsweise verzeichnet der aktuelle Bestand des Verbundes Öffentlicher Bibliotheken von Berlin rund 82 Bücher von Hellinger (inkl. Mehrfachtitel). Ein stärkerer Hinweis ist, dass etwa Hellingers quasi Standardwerk „Ordnungen der Liebe“ (zuerst veröffenlicht 1994) mittlerweile die 12. Auflage erlebte (2022).

Ebenfalls ein - den Ordnungen der Liebe vorausgehendes - Standardwerk zum Familienstellen ist: Zweierlei Glück - Das Familienstellen Bert Hellingers von Gunthard G. Weber. (Dieser fungiert als Herausgeber. Das Werk ist als Vorläufer der „Ordnungen der Liebe von Hellinger approbiert.7) Das Buch brachte es zur 19. Auflage im Jahr 2023.

Weiterhin ist auf ein verbreitet reges Interesse daraus zu schließen, dass Hellingers Bücher in 25 Sprachen übersetzt und alleine in Deutschland hunderttausendfach verkauft wurden.8

In der Praxis wird Hellingers Arbeit nun fortgeführt von seiner Frau Sophie Hellinger. Seit 2018 ist sie - wie es auf der „hauseigenen“ Netzseite heißt - „die alleinige, maßgebende Repräsentantin des Original Hellinger Familienstellens.“ Die von ihr geleitete „Hellinger®schule“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „Qualität und die Reinheit des Familienstellens“ im Sinn seines Urhebers und auch ihrem eigenen Verständis entsprechend zu förden; durch Bildungsabeit in Form von Seminaren, Vorträgen, Workshops, Kongressen sowie Beratungen und Ausbildungen zum Familiensteller; wofür keinerlei psychologische Vorkenntnisse erforderlich sind.

Das heißt, es werden laufend in kurzer Folge Seminare zu diversen Themen und Ausbildungsmodule angeboten, an denen man wahlweise in Präsenz oder Online teilnehmen kann. Sie werden simultan in mehrere Sprachen übersetzt, unter anderem in Spanisch, Italienisch, Russisch und Chinesisch. Letztlich finden gelegentlich weltweit Workshops, Seminare und Präsentationen statt, etwa in Italien, Brasilien oder China.

Vertraut man annähernd den Angaben der Hellingerschule, so stoßen die Angebote zu verschiedenen Veranstaltungen allerorten auf reges Interesse. Beispielsweise kamen zu einer allgemeinen Präsentation des Familienstellens in Hangzhou (China) mehr als 1000 TeilnehmerInnen.

Wenn auch die ausgesprochene Hellinger-Euphorie aus früheren Jahren nachgelassen hat, scheint das Familienstellen nach Hellinger dennoch weiterhin ein beachtenswertes Element des Psycho-Marktes zu sein.

Deutschlandweit bieten rund 2000 Therapeuten Familienaufstellungen nach Hellinger an.9 Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf das theoretische Fundament wie auch auf die Praxis zu werfen.

2 Siehe: https://dgsf.org/service/was-heisst-systemisch/hellinger.htm, (letzter Zugriff 15.01.2025) Und: https://systemische-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2014/01/potsdamer_erklaerg_aufstellarbeit.pdf (letzter Zugriff 15.01.2025

3 FOCUS Magazin Nr. 13 (1998). Frank Gerbert: Wenn Therapeuten Gott spielen. https://www.focus.de/kultur/leben/wenntherapeuten-gott-spielen-psycho-szene_id_1899290.html (letzter Zugriff 15.01.25)

4 Martin Buchholz: Da sitzt das kalte Herz! In: DIE ZEIT, 21.08.2003 https://www.zeit.de/2003/35/Hellinger-Haupttext (letzter Zugriff 15.01.2025)

5https://www.blja.bayern.de/service/bibliothek/fachbeitraege/Wunsch0106.php, (letzter Zugriff 15.01.2025

6 Felix Berth: Seelenheilung im Minutentakt. Süddeutsche Zeitung, 19.05.2010 https://www.sueddeutsche.de/wissen/psycho-guruseelenheilung-im-minutentakt-1.911817 (letzter Zugriff 15.01.2025)

7 „Beide Bücher sind jedes ein in sich geschlossenes Ganzes. Dennoch sind sie aufeinander bezogen und bilden zusammen ein Paar.“ Bert Hellinger (1995), S. 21

8 So bei Amazon über den Autor.

9https://www.therapie.de/psyche/info/therapiefamilienaufstellung/die-klassische-familienaufstellung/ (letzter Zugriff 15.01.2025)

2 | Grundlegende Unterschiede: Die Systemische Therapie und Familienaufstellungen nach Hellinger

a) Der anerkannte systemische Ansatz - Die Suche nach individuellen Lösungen

Das grundlegende Prinzip des Familienaufstellens als therapeutische Methode geht zurück auf eine Perspektiverweiterung einer Reihe von Forschern und Therapeuten im Hinblick auf psychische Krankheiten und seelische Konflikte. Kurz gesagt, die KlientInnen wurden von ihnen nicht mehr als Einzelwesen gesehen (wie etwa in der klassisch-psychonanlytischen Sichtweise), sondern als Teil eines sozialen Umfeldes; als Teil eines Systems von zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen.

Leicht lässt sich beispielhaft solch eine Verschiebung des Fokus anhand einer frühen Forschungsarbeit von G. Bateson zur Entstehungsgeschichte von Schizophrenie verdeutlichen. Demnach ist sie mitunter häufigen „Double-Bind“-Erlebnissen im Kontext der Familiengeschichte geschuldet, d. h. sie ist Folge von sich widersprechenden Botschaften bzw. Anforderungen seitens der Eltern.10 – Hier kommt es nicht darauf an, inwieweit Batesons These in Bezug auf die Schizophrenie zutreffend ist. Es ist lediglich ein Beispiel für besagte Blickverschiebung in der Forschung. (Zumindest kann die Alltagserfahrung wohl bestätigen, dass Beziehungen, die von Doppelbotschaften geprägt sind, einen leicht verrückt machen bzw. durcheinanderbringen können.)

Im Fortgang wurden verschiedene systemischtherapeutische Konzepte (mit unterschiedlicher Bezeichnung) entwickelt, denen als wesentliches Merkmal gemeinsam ist, dass sie das jeweils relevante Familiensystem in den Vordergrund stellen.11

Dies hatte das Ziel, dass die KlientInnen (und nicht nur diese) durch das Einbeziehen der Standpunkte anderer Beteiligter – mit therapeutischer Unterstützung – eigene Sichtweisen und Interpretationen etwa revidieren, erweitern bzw. modifizieren können; was in der Folge - so der theoretische Ansatz - mit einer Veränderung des jeweils eigenen Verhaltens und Empfindens verbunden ist und somit zu einer Modifikation des Familiensystems führt.

Nach heutigem Stand sind Methoden der VorgängerInnen (Genogrammarbeit, Familienskulpturen, Familienaufstellungen u. ä) durchaus Elemente der wissenschaftlich anerkannten und kassenärztlich zugelassenen Systemischen Therapie, eingebettet – und das ist von entscheidender Bedeutung in ein umfassenderes Konzept. Der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie folgend liegen diesem im Wesenlichen folgende Prämissen zu Gunde12:

In der Systemischen Familientherapie – wie überhaupt in Systemischer Therapie oder Beratung – „werden Probleme nicht als Eigenschaften einzelner Personen gesehen. Sie sind Ausdruck der aktuellen Kommunikationsund Beziehungsbedingungen in einem System.“ Ihr geht es um Erweiterung der Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten der Hilfe- bzw. Ratsuchenden. Es geht darum, bestehende Muster und Vorannahmen in Frage zu stellen, um auf diese Weise neue Interpretationsvarianten und Interaktionsregeln zu fördern.

Der Therapeut bzw. die Therapeutinnen nutzen „besondere Gesprächstechniken, beispielsweise das Umdeuten als die Kunst, etwas >in einen anderen Rahmen< zu stellen, oder zirkuläre Fragen, durch die Menschen angeregt werden, ihre eigenen handlungsleitenden Annahmen über Beziehungen und ihre Einschätzungen der Motive und Prämissen der anderen auszusprechen und damit zur Diskussion zu stellen. Um Beziehungen erfahrbar zu machen, kann der Therapeut bzw. die Therapeutin die Familien auffordern, sich in einer Skulptur darzustellen.“ (Anm.: Oder eben auch eine Familienaufstellung anregen.) - Die TherapeutInnen begreifen sich nicht als Experten, die Diagnosen stellen und Lösungen vorgeben. Vielmehr stehen sie im „Dialog mit ihren KlientInnen, einem Einzelnen, einem Paar oder einer Familie, um sie darin zu unterstützen, Blockaden in ihrer Entwicklungsdynamik aufzulösen und neue Perspektiven und befriedigendere Muster des Zusammenlebens zu entwickeln.“

Ein zentraler Punkt ist demnach – wie bei den genannten historisch vorhergehenden therapeutischen Methoden –, dass es sich um solche handelt, die der Suche nach individuellen Lösungen dienen sollen. Die Funktion des Therapeuten liegt nicht darin, Besserwissender und Lösungsexperte zu sein. Er hilft nur beim Suchen. Ob etwa – für TherapeutInnen wie für KlientInnen unbefriedigend – das "Drama" sich fortsetzt, oder sich gleichsam in Wohlgefallen auflöst, ob es in eine Komödie übergeht oder ob Klienten schließlich dem ursprünglichen Problem mit stoischer Gelassenheit begegnen, bleibt offen.

b) Familienaufstellungen nach Hellinger – Die Suche nach der richtigen Lösung

Familienaufstellungen nach Hellinger hingegen (auch Familienstellen bzw. einfach Aufstellen genannt) sind nicht in eine wissenschaftlich orientierte Konzeption eingebettet, sondern Hellinger begreift sie und sich bei seiner therapeutischen Arbeit als verbunden mit einer allgemeinverbindlichen höheren Ordnung (wie später eingehender zu sehen sein wird). Ihr Ablauf geht in der Grundform in gleicher Weise vonstatten: Jemand mit einer Problemlage stellt diese in knapper Form vor. Lediglich sachorientiere Eckdaten sind erwünscht.

In aller Regel fragt der Leiter darüber hinaus ggf. nach besonderen Ereignissen in der Familiengeschichte, etwa nach Krankheiten, Todesfällen oder Scheidungen. Anschließend wählen die Ratsuchenden aus einer Gruppe Bereitwillliger (mitunter vor hunderten oder gar tausend ZuschauerInnen, s. o.) spontan jeweils gleichgeschlechtliche StellvertreterInnen aus für sich selbst und die Mitglieder der Familie, um die es ihnen geht. (Das kann die aktuelle Familie oder ggf. auch die Herkunftsfamilie sein.)