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Die Welt steckt in einer Krise, die so schwer ist wie schon lange keine mehr. Es toben Kriege und Konflikte, der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran und der innere Zusammenhalt unserer Gesellschaften bröckelt zusehends. Vor allem aber ist es eine große Last der Menschheit, welche sich durch diese Katastrophen noch verschärft hat: das Welthunger- und Armutsproblem. Noch immer müssen hunderte Millionen Menschen hungern und schwere Not erleiden. Betroffen sind vor allem Subsahara-Afrika und der Süden Asiens. Doch es gibt eine Lösung für dieses Problem. Es gibt einen Weg aus dieser Misere der Menschheit - und zwar den "Offenen Weg". Der offene Weg - Zur Beseitigung von Hunger und Armut präsentiert einen nie da gewesenen politischen und wirtschaftlichen Plan, wie Hunger und schwerer Armut tatsächlich ein Ende gesetzt werden könnte. In gewählter aber dennoch verständlicher Sprache zeigt das Buch auf unnachahmliche Weise, wie wir uns tatsächlich eine bessere Welt errichten könnten. Es wäre eine Welt, in der kein Kind mehr abgemagert wäre und sich jeden Abend in den Schlaf weinen müsste. Es wäre darüber hinaus eine Welt, in der für eine bestimmte Zeit sogar ein umfassender Frieden herrschte: eine Welt, die tatsächlich Wirklichkeit werden könnte - wenn die Botschaft dieses Werkes nur genügend Gehör findet.
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Seitenzahl: 483
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Vorwort
Einleitung: Das Elend der Welt
1. Die Ursachen der Not: Hunger und Armut auf der Spur
1.1 Von allen verlassen: Die Misere der kleinen Bauern
1.2 Entrechtet und hilflos: Die ländlichen Arbeiter
1.3 Entbehrung und Schmutz: Das Elend der großen Städte
1.4 Der Hunger ist weiblich: Das Leid der zweiten Hälfte der Menschheit
Zusammenfassung
2. Unser Weg in eine bessere Zukunft
2.1 Ein klarer Blick: Wie sich Hunger und Armut abschaffen ließen
2.2 Auf der richtigen Spur: Lichtblicke aus Vergangenheit und Gegenwart
2.3 Gemeinsam ans Ziel: Die geeinte Weltgemeinschaft
Zusammenfassung
3. Der ganz große Wurf: die Beseitigung von Hunger und Armut
3.1 Der ländliche Neuanfang: Die Rettung der Ärmsten der Armen
3.1.1 Erträge wie nie: Mit Nachhaltigkeit zu vollen Mägen
3.1.2 Vom Acker zum Markt: Mit Absatz zu einem neuen Leben
3.1.3 Das Land erwacht: Ein Millionenheer in Lohn und Brot
3.1.4 Der Ansporn des Nutzens: Der sanfte Weg zum Wandel
Zusammenfassung
3.2 Das globale Armengeld: Die letzte Hoffnung der großen Slums
3.2.1 Genialer Plan gesucht: Die Anforderungen an eine globale Sozialhilfe
3.2.2 Der Plan ist da: Eine spektakuläre neue Währung!
Zusammenfassung
3.3 Wie aus einem Guss: Das Zusammenspiel beider Pläne
3.3.1 Der neue Käufer: Stadt und Land finden wieder zueinander
3.3.2 Der Weg der neuen Währung: Vom Datensatz zum baren Einkommen
3.3.3 Gesprengte Ketten: Die neuen Gelder für die Südhalbkugel
Zusammenfassung:
4. Die große Bedingung: 7 Jahre Frieden
4.1 Die Reform der UNO: Zwei Neuerungen verändern die Welt
4.1.1 Das leidige Veto der Supermächte: Ein Moratorium
4.1.2 Ein weiterer Ständiger Sitz: Die Moral kriegt eine Stimme
4.2 Die Stärke des Rechts: Der neue Rang globaler Gerichte
4.3. Unsere wichtigsten Verbündeten: Die neubeseelten Massen
Zusammenfassung:
5. Die Kardinalfrage: Die Finanzierung eines Jahrhundertwerkes
5.1 Das kleine Stück vom Kuchen: Was uns eine bessere Welt kosten würde
5.2 Der Ruf der Menschlichkeit: Wie wir unserer Verantwortung gerecht werden
Zusammenfassung:
6. Vom Wunschtraum zur Wirklichkeit: Was jetzt zu tun ist
6.1 Der Stein kommt ins Rollen: Die Verbreitung der Botschaft
6.2 Jeder muss Farbe bekennen: Die Suche nach Verbündeten
6.3 Unser gemeinsamer Anfang: Die "Allianz für Veränderung".
Schlusswort
Wahre Größe erfordert, etwas immer wieder zu versuchen, was andere nicht einmal
beginnen würden.
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Vorwort
Dieses Buch ist anders. Es unterscheidet sich von anderen Büchern, die von ähnlichen Themen handeln. Vielleicht ist es sogar anders als alles, was Sie bislang gelesen haben. Ob das vorliegende Werk sogar etwas wirklich Besonderes ist, wird jedoch die Zeit zeigen: Nur sie kann enthüllen, ob diese Schrift nicht nur ungewöhnlich war, sondern ob sie auch ihrem hohen Anspruch gerecht werden konnte – nämlich etwas zu bewegen!
Doch wovon handelt die vorliegende Schrift eigentlich? Nun, sie handelt davon, wie wir das Leben von sehr vielen Menschen ein gewaltiges Stück besser machen könnten. Ja, in ihr geht es darum, ungezählte Leben zu retten.
Vor allem aber behandelt das Buch die Frage, wie wir dieses hohe Ziel gemeinsam erreichen könnten: als neue Allianz aller Länder und Nationen, die damit zum vielleicht ersten Mal in der Geschichte einen gemeinsamen Willen hätten. Es wäre der Wille, eine der gewaltigsten Herausforderungen der Menschheit endlich zu meistern und damit etwas erreicht zu haben, was schon lange eine Selbstverständlichkeit sein sollte: dass sich jeder Mensch auf der Welt satt essen kann und das Nötigste zum Leben hat!
Dieses Buch enthält also nichts weniger als ein Programm dafür, Hunger und Armut ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Es ist ein Plan, der wirklich umgesetzt werden könnte – wenn nur der weltweite gesellschaftliche und politische Wille vorhanden wären.
Das sind sehr starke Behauptungen. Es ist gewagt, ein Buch zu veröffentlichen, das einen solch gewaltigen Anspruch hat. Wer ein derartiges Buch herausbringt, läuft deshalb Gefahr, dass die Menschen einen ganz bestimmten Eindruck von einem bekommen. Hierzu muss ich mich äußern. Gleichzeitig werde ich die Gelegenheit nutzen, dem Buch einige weitere Gedanken voranzustellen.
Zunächst einmal: Bescheidenheit ist sicher eine angenehme Eigenschaft. Mit ihr eckt man nirgendwo an. Überhebliche Menschen sind den meisten nämlich unsympathisch.
So bin ich auch nicht. Jeder, der mich persönlich kennt, weiß das. Trotzdem glaube ich, dass jemand mit einer wichtigen Botschaft verpflichtet ist, sie auch zu teilen – und für die Annahme, dass meine Botschaft bedeutend sein könnte, gibt es einen ganz entscheidenden Grund: Sie ist rein der Sache verpflichtet.
Mit welcher Idee ich bei der Entwicklung des hier vorliegenden Programms auch konfrontiert war: Ich habe sie ausschließlich danach beurteilt, ob sie dabei helfen könnte, Hunger und Armut zu lindern oder nicht. Mir ging es also stets um den Zweck und um das Ziel.
Ein derart pragmatisches Vorgehen ist in wirtschaftlichen und vor allem in politischen Büchern aber selten. Wie häufig geht es hier stattdessen um die Zugehörigkeit zu bestimmten Denkschulen und politischen Richtungen?
Wie häufig tut der Konservative oder der Liberale daher eine Idee ab, nur weil sie „sozialistisch“ erscheint?
Wie oft macht der Linke dasselbe bei „kapitalistischen“ Gedanken und Konzepten?
Wie oft sind eine Idee oder eine politische Maßnahme „links“ oder „rechts“ und in den Augen vieler allein deshalb schon falsch?
Wie häufig aber wird auf diese Weise eine altbekannte und große Weisheit auf fahrlässige Weise verkannt – nämlich dass die Wahrheit meistens irgendwo dazwischen liegt!
Ich hingegen gehöre keiner weltanschaulichen Richtung an. Solche Dinge hatten in meinem Leben nie eine Bedeutung. Was das betrifft, bin ich also unabhängig und frei. Das ist keine Eigenleistung. Es ist ein großer Glücksfall meines Lebens. Genau deshalb aber kann ich bestimmte Dinge so sehen, wie sie sind, ohne auf ideologische Prinzipien Rücksicht nehmen zu müssen: Ich habe schlicht keine Ideologie.
Bei der Entwicklung meines Planes konnte ich daher alle Ansätze würdigen, die für die Sache hilfreich wären, während andere sie von vornherein zurückgewiesen hätten.
Wegen dieser Sachverhalte glaube ich, dass mein Plan tatsächlich funktionieren würde – und dass er angesichts des Scheiterns so vieler anderer Versuche zur Lösung des Weltproblems Hunger und Armut deshalb wirklich etwas Besonderes wäre.
Dieses Buch mag ungewöhnlich sein, jedoch steht es nicht allein da. Es stellt sich in die lange Reihe der Versuche, Gutes zu bewirken und den Lauf der Welt zum Besseren zu wenden. Mit meinem Vorhaben reihe ich mich ein in die lange Tradition derjenigen, die mehr erreichen wollten und die ihr Leben darum einer höheren Sache gewidmet haben – einer Sache, die größer war als sie selbst. Dieses Buch ist daher nur ein weiteres Zeugnis darüber, dass trotz all der Schlechtigkeiten in der Welt der Mensch im Kerne gut ist und dass in ihm immer wieder eine aus der Tiefe des Herzens kommende Gewissheit aufflammt. Es ist die Gewissheit, dass es nur eine Sache gibt, die letztlich zählt – und zwar das Leid in der Welt zu lindern.
Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob das Leben nicht noch mehr zu bieten hat. Die meisten Menschen wollen nämlich etwas aus sich und ihrem Dasein machen. Jedoch herrscht ein Mangel an Sinnangeboten, die wirklich überzeugen können und die ein Feuer entfachen, das so leicht nicht mehr zu löschen ist.
Wenn auch Sie zu diesen Suchenden gehören, dann sind Sie vielleicht soeben fündig geworden. Möglicherweise habe ich ein solches Angebot für Sie. Ja, vielleicht wird dieses Buch tatsächlich Ihr Leben verändern. Auch das würde es zu etwas Besonderem machen – und zwar zu etwas Besonderem für Sie. Sie wären es wert.
Doch mein großer Wunsch ist, dass dieses Buch mehr ist. Der Zustand unserer Welt lässt nämlich keine weiteren Fehlschläge zu – und vor allem keine weiteren enttäuschten Hoffnungen.
Einleitung:
Das Elend der Welt
Die Welt wird von einem Fluch heimgesucht: einem Fluch, der so alt ist wie die Menschheit selbst und der trotz aufrichtiger Mühen und so mancher Erfolge bis heute von keinem gebrochen werden konnte. Die Menschheit hat noch immer ein Problem, das angesichts eines nie dagewesenen Reichtums auf Erden ein großer Schandfleck unserer Welt ist: Fast 700 Millionen Menschen müssen Hunger leiden.
Das ist eine Aussage, die so oder so ähnlich jeder schon einmal gehört oder gelesen hat. Doch solche Sätze können die Größenordnungen, um die es hier geht, nicht greifbar machen. Sie können vor allem nicht deutlich machen, was Hunger und Armut für die Betroffenen bedeuten. Nackte Zahlen – so hoch und so erschreckend sie auch sein mögen – sind dafür nicht geeignet.
Um das wahre Ausmaß des noch immer grassierenden Weltelends zum Ausdruck zu bringen, muss man Vergleiche mit Vertrautem bemühen. Ein solcher Vergleich aber würde die skandalöse Tatsache zu Tage fördern, dass fast so vielen Menschen, wie in der ganzen Europäischen Union und in den USA zusammen leben, noch immer etwas vorenthalten wird, was zumindest für uns selbstverständlich ist: ausreichend zu essen.
Ein solcher Hunger ist aber nicht der Hunger, den wir kennen. Er ist nicht das leichte Knurren im Magen, das sich einstellt, wenn eine Mahlzeit überfällig ist. Es ist auch nicht der kleine Appetit, der einen zwischendurch beschleicht. Ein derartiger Hunger ist etwas grundlegend anderes: Es ist ein Zustand, der einem Menschen die Möglichkeit nimmt, richtig zu leben und der ihn allmählich zugrunde richtet. Ein solcher Hunger ist eine körperliche und geistige Lage, die einem menschlichen Wesen seine Würde raubt.
Menschen, die von ihm betroffen sind, werden häufiger krank, sie leiden unter den vielfältigsten Beschwerden und haben oftmals nicht genug Kraft für ihre zumeist schwere tägliche Arbeit. Sie müssen regelmäßig mit leerem Magen ins Bett gehen und ihre Gedanken drehen sich allein darum, wie sie an die nächste notdürftige Mahlzeit für sich und ihre Familien gelangen können.
Ein solches Leben lässt einen Menschen jeden Tag spüren, dass ihm etwas Grundlegendes fehlt: etwas, das andere besitzen.
Die besonders Leidtragenden sind wie so oft Kinder. Mehr als 140 Millionen unserer Kleinsten sind von einem solchen Leben bereits gezeichnet: Sie sind zu klein und zu leicht für ihr Alter und nur allzu oft auch in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben.
Noch immer soll alle 13 Sekunden ein kleines Kind an dieser Art von Hunger und Armut und seinen schrecklichen Folgen sterben.
Einem nachdenklichen Menschen können allein schon kurze Einblicke wie der vorangegangene zu so mancher Frage Anlass geben: Wie viele dieser Menschen werden wegen ihrer schlimmen Lebensumstände wohl einen vorzeitigen und leidvollen Tod sterben?
Wie viele wird also ein Ende ereilen, das so viel besser hätte sein können?
Wer von ihnen wird Krankheiten bekommen, die vermeidbar gewesen wären und die ihr hartes Leben nur noch schlechter machen?
Wie viel besser würden sich wohl die erst eben erwähnten Kinder entwickeln, wenn sie nur richtig versorgt wären?
Ja, welche günstigere Entwicklung würden vielleicht ganze Länder durchlaufen haben, wenn ihre Bewohner sich nur richtig hätten ernähren und normal entwickeln können – oder wenn sie je eine Schule besucht hätten?
An dieser Stelle weitet sich bereits unser Blick und offenbart auch die anderen Dimensionen und damit das wahre Ausmaß des unvermindert andauernden Weltelends. Der Mangel an Nahrung ist nämlich nicht das einzige Problem dieser Abermillionen Leidenden. Es ist nicht nur ihr Hunger, der ungestillt bleibt. Es sind alle ihre grundlegenden Wünsche und Bedürfnisse: Diese Menschen können sich nicht angemessen kleiden. Sie leben in heruntergekommenen und oft nur behelfsmäßigen Unterkünften ohne Strom- und Wasseranschluss. Sie haben keine gesicherte medizinische Versorgung und sie können ihre Kinder in vielen Fällen eben auch nicht zur Schule schicken.
Wer in diese anderen Gesichter der globalen Not blickt, wird sich unweigerlich weitere nagende Fragen stellen: Wie muss es sich etwa anfühlen, wenn es zu Hause hineinregnet, man aber nicht genug Geld hat, diesen Schaden zu beheben?
Wie verzweifelt muss man sein, wenn man zu zweistelligen Zinsen Schulden beim örtlichen Geldverleiher aufnimmt, weil ein geliebtes Familienmitglied krank geworden ist und man ansonsten die Arztrechnung nicht bezahlen kann?
Was muss einem durch den Kopf gehen, wenn die eigene Behausung von Bulldozern niedergewalzt wird und man mit seiner Familie von nun an obdachlos ist, weil man nicht das Geld hat, herkömmliche Wohnungen zu beziehen?
Was für ein Gefühl muss eine Mutter haben, die wegen ihres winzigen Einkommens ihr Kind zum Schuheputzen auf die Straße oder sogar auf den Bau schicken muss – und was für Vorwürfe wird sie sich erst machen, wenn ihm dabei etwas Schreckliches zustößt?
Wie sehr muss es Eltern aber vor allem schmerzen, wenn sie ihr begabtes Kind wegen Geldsorgen von der Schule holen müssen und ihm so seine einzige Chance nehmen, selbst einmal in einer besseren Lage zu sein?
Alle diese Erfahrungen müssen bitter sein. Manche von ihnen sind schlicht unvorstellbar. Trotzdem ist es das Schicksal von noch immer annähernd 700 Millionen Menschen.
Selbst mit solchen Schreckensbildern ist das Elend dieser untersten Schicht der Weltbevölkerung aber noch nicht vollständig abgebildet. So gibt es Menschen, die in einer dermaßen üblen Lage sind, dass ihr Schicksal selbst mit der Eindringlichkeit solcher rhetorischen Fragen nicht hinreichend vermittelt werden kann. Diese Menschen sind in einer ganz besonderen Notsituation: Sie träumen nicht von einem besseren Leben – sie kämpfen um ihr Leben. Bei ihnen handelt es sich um die Ärmsten der Armen: Kinder aus solchen Familien sind abgemagert und haben dennoch einen dicken Bauch. Sie wirken wie vorzeitig gealtert und haben trotz ihrer jungen Jahre das Lachen bereits verlernt. Bilder von ihnen kennen wir alle aus dem Fernsehen. Über so einen ausgemergelten kleinen Körper gewinnt jede Krankheit schnell die Oberhand. Frauen in einer solchen Verfassung sind zu schwach, um ihre schreienden Säuglinge zu stillen, die dadurch ebenfalls immer schwächer und anfälliger für Krankheiten werden.
Solche Menschen sind auf unmittelbare und weitreichende Hilfe angewiesen. Derartige Zustände und Lebenslagen sind nämlich akut lebensbedrohlich. In einer solchen dramatischen Form töten Hunger und Armut daher ganz unmittelbar.
Besonders schlimme Szenarien wie diese entstehen meistens dann, wenn bereits arme Länder in Krisen geraten. Sie entstehen zum Beispiel, wenn es infolge internationaler Verwerfungen Schwierigkeiten beim weltweiten Handel gibt und deshalb nicht mehr genug Getreide importiert werden kann. Auch die sich verschlimmernde Klimakrise bringt immer mehr Dürren, Überschwemmungen und weitere Extreme mit sich, die ganze Ernten vernichten können.
Die verhängnisvollste Rolle bei der Zuspitzung von Hunger und Elend spielen aber noch immer Kriege und bewaffnete Konflikte.
Trotz so mancher Verbesserungen der letzten Jahrzehnte muss man daher einen ernüchternden Befund ausstellen: Es wird noch immer gelitten und es wird noch immer gestorben – hundertmillionenfach. Der hauptsächliche Grund hierfür ist aber nicht die zu geringe Menge an Nahrung auf der Welt. Die soll sogar genügen, um 10 Milliarden Menschen satt zu machen. Die eigentliche Ursache für Hunger und massenhaftes Elend ist und bleibt daher schwere Armut.
Doch wer genau sind diese armen und hungrigen Menschen?
In welchen Weltregionen und Ländern leben sie?
Welche Bevölkerungsteile sind am schwersten betroffen?
Sich hierüber im Klaren zu werden, ist einer der ersten Schritte auf dem langen Weg, den wir gemeinsam in diesem Buche gehen werden.
Nun: Hunger und Armut kommen zum Teil in Südostasien, in der Karibik und auch wieder anderswo auf der Welt vor. Hieran sind vor allem die neuen Kriege und Konflikte schuld. Die vordersten Fronten im Kampf gegen dieses Weltproblem Nummer Eins aber bleiben Südasien und Subsahara-Afrika. Länder wie etwa Indien, Pakistan und Bangladesch, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien oder Nigeria: Sie sind noch immer die großen Brennpunkte des Weltelends. Diese Staaten weisen auch heute noch die höchsten Zahlen chronisch Hungernder und Armer auf.
Wenn wir unseren Blick abermals ein wenig schärfer stellen, dann werden wir ein weiteres klares Muster erkennen: 70 bis 80% dieser Hungernden und Armen leben in ländlichen Gebieten. Dort fristen sie ihr kärgliches Leben als Fischer, Viehhirten oder Händler. Vor allem aber leben sie von einfacher landwirtschaftlicher Arbeit. Sehr viele der ärmsten Bewohner des ländlichen Globalen Südens sind also ungelernte Arbeitskräfte, die zu bestimmten Jahreszeiten bei Tätigkeiten wie Aussaat und Ernte helfen oder die für andere Arbeiten auf dem Acker herangezogen werden.
Die meisten dieser Hungernden und Armen haben jedoch eine ganz andere Gemeinsamkeit: Sie sind Kleinbauern. Es ist tatsächlich wahr: Der größte Teil der vom Hunger gequälten Landbewohner Afrikas und Asiens baut selber Nahrungsmittel an. Diese Menschen verfügen also über Nahrung, können sich jedoch nicht ausreichend ernähren. Ihnen stehen Lebensmittel – also die Mittel zum Leben – zur Verfügung und doch können sie nicht richtig leben. Ironie ist manchmal bitter. Die Welt steht wirklich Kopf.
Neben diesen ländlichen Armen gibt es eine weitere große Gruppe Leidender: Es sind die Armen in den Städten. Genauer gesagt: Es sind die Bewohner der Slums der großen Metropolen im Globalen Süden. Sie fristen ihr menschenunwürdiges Dasein in den großen Elendsvierteln von Städten wie Mumbai, Lagos und Nairobi. Sie sind zwar die kleinste, aber die mit Abstand am schnellsten wachsende Gruppe der Hungernden und Armen dieser Welt.
Unter all diesen Bemitleidenswerten gibt es merklich mehr arme und hungrige Frauen als Männer. Dieser wohl empörendste Ausdruck von Geschlechterungleichheit hat sowohl seine ganz eigenen Ursachen als auch seine ureigenen verhängnisvollen Folgen: Ursachen und Folgen, auf welche wir beizeiten noch tiefgehender zu sprechen kommen werden.
Die Regierungen der Welt und die Vereinten Nationen sind sich des Problems natürlich bewusst: Im Jahr 2015 hatten sie die Agenda 2030 verabschiedet und sich damit 17 globale Nachhaltigkeitsziele – die Sustainable Development Goals – gesetzt. Zu diesen Zielen gehört auch die Beseitigung von Hunger und Armut. Zu keinem Zeitpunkt war jedoch erkennbar, dass diese Ziele mit den bislang angewandten Mitteln auch erreicht werden könnten. Wie bei anderen bloßen Absichtsbekundungen fehlt allzu vielen wohl auch der wirkliche Wille dazu. Ihre Unterschrift haben Staats- und Regierungschefs zwar sehr schnell auf internationale Dokumente gesetzt, aber nur, wenn man sie nicht darauf festnageln kann. Auch die oben genannte Erklärung ist völkerrechtlich nicht verbindlich. Auf manche Verbesserung der Lage unserer Welt erfolgten deshalb auch schwere Rückschläge.
Nicht zuletzt hatte der derzeitige Krieg in Europa durch seinen verheerenden Einfluss auf den globalen Handel und auf die Weltmarktpreise von Lebensmitteln die Situation der Hungernden und Armen abermals verschärft und ihnen weitere Massen Gequälter zugeführt.
Erneut war demonstriert worden, dass Wohlstand nur im Frieden möglich ist und dass unsere so unvollkommene Weltordnung einen solchen Frieden nicht dauerhaft gewährleisten kann.
Hunger und Armut bis zum Jahr 2030 zu überwinden, so wie es in den Papieren zur erwähnten UN-Nachhaltigkeitsagenda geschrieben steht, ist aus den genannten Gründen wohl nicht mehr möglich. Auch wir könnten nicht dafür eintreten. Möchte die Welt bis dahin aber zumindest die richtige Richtung zur Erreichung dieses Zieles einschlagen, dann müssen wir jetzt das Ruder herumreißen. Die gegangenen Wege haben sich nämlich als falsch erwiesen. Zumindest aber haben sie sich als zu lang und zu steinig erwiesen, um auf ihnen ein besseres Schicksal für uns alle anzusteuern. Denn eines muss klar sein: Es ist allmählich genug gelitten und gestorben worden.
Wir haben jetzt ein klareres Bild von unserer desolaten Lage. Manch einem wird dieses Bild sogar schon zu deutlich und zu eindringlich geworden sein. Leider ist es aber so, dass uns manchmal nur die Konfrontation mit der ungeschminkten Wahrheit wachrütteln kann. Denn nur wer sich in die Lage des anderen hineinversetzt, kann auch dessen Schmerz fühlen – und auch wenn es zunächst wehtut: Es ist dieser Schmerz, der uns schließlich tätig werden lässt. Er ist unser stärkster Motor für Veränderung.
Genau das ist auch die These dieses Buches: Veränderung ist möglich. Die von unserer Weltgemeinschaft vereinbarten Ziele sind tatsächlich erreichbar – wenn auch nicht mehr in der dafür festgelegten Zeit. Dennoch ist es wirklich machbar, Hunger und Armut ein Ende zu setzen und jedem Menschen ein Leben zu ermöglichen, das eines Menschen auch würdig ist. Dazu bräuchten wir keine Wunder und auch nicht Jahrzehnte an Zeit. Vielleicht könnte das vermeintlich Unmögliche schon nach ein paar Jahren vollbracht sein.
Was wir aber in der Tat bräuchten, ist ein umfassender und unverbrauchter neuer Ansatz. Vor allem aber benötigten wir die weltweite Entschlossenheit, diese große Herausforderung endlich ernsthaft anzugehen und es nicht länger nur bei feierlichen Absichtsbekundungen zu belassen, die oft dann schon wieder verhallt sind, wenn der internationale Gipfel, auf dem sie salbungsvoll ausgesprochen wurden, zu Ende gegangen ist.
In beide Lücken springt das vorliegende Werk. Es beinhaltet einen solchen Ansatz: einen Ansatz, der den Anspruch erhebt, nicht nur umsetzbar zu sein, sondern Hunger und Armut tatsächlich beenden zu können – wenn die Regierungen dieser Welt die richtigen Prioritäten setzen und den aufgezeigten Weg auch wirklich gehen.
Ebenso soll das vorliegende Buch dazu beitragen, jene notwendige Entschlossenheit zu dieser großen Aufgabe herbeizuführen. Das vorliegende Werk will also auch mobilisieren. Auch wenn eine solche Vorgehensweise bei Büchern wie diesem wahrscheinlich unüblich ist, so war sie dennoch nötig. Wie erwähnt, soll diese Schrift nicht bloß der intellektuellen Befriedigung dienen. Sie soll etwas bewegen. In einer kühlen und nüchternen Weise nur das Vorhaben selbst darzustellen, wäre dafür jedoch nicht genug gewesen. Der Inhalt und der ganze Stil des Buches werden vor diesem Hintergrund vermutlich verständlicher werden.
Weil diese Schrift also gar nicht den Anspruch erhebt, ein trockenes und formales Fachbuch zu sein, kann es auch in anderen Hinsichten andere Wege gehen: Auch wenn es Themen behandelt, zu denen man Tabellen und Zahlen zu Hauf bemühen könnte, wird man dergleichen nur in jenem Teil des Buches finden, in dem wir die finanzielle Machbarkeit unseres Vorhabens nachweisen müssen. Eine solche Beweiskraft haben manchmal eben nur die nackten Zahlen. Zu viele solche Inhalte aber hätten den Lesefluss gestört, das Buch unnötig verlängert und ihm einen Anschein gegeben, der manche abgeschreckt hätte.
Dennoch muss klar sein, dass dieses Werk Fachthemen behandeln wird: Es wird um Ökonomie, Finanzpolitik und um unsere politische Weltordnung gehen. Da es jedoch so viele Menschen wie möglich erreichen soll, wird es trotzdem gut lesbar und verständlich sein. Wann immer nötig, wird es daher Fachbegriffe und erwähnte Institutionen erklären und mit Beispielen und Vergleichen schwierige Zusammenhänge klarer machen. Nirgendwo wird dieses Buch weitergehendes Wissen über Wirtschaft oder über etwas anderes voraussetzen. Seine wichtige Botschaft wird es daher in Form möglichst einfacher und klarer Worte überbringen – und die sind auch mächtig genug.
Dennoch sind Worte immer bloß Äußerlichkeiten. Das Entscheidende sind natürlich die Inhalte. Nach diesen grundlegenden Einordnungen und Klarstellungen kommen wir deshalb nun zum eigentlichen Buch und dazu, was es genau bereithält.
Der bedauerliche Zustand unserer Welt ist bereits klar geworden. Er wurde auf den zurückliegenden Seiten eindrücklich geschildert. Die am schwersten unter dieser Misere leidenden Bevölkerungsteile sind uns ebenfalls bereits bekannt – zumindest dem Namen nach. Dieses erste Kennenlernen war wichtig, denn wir werden im Verlaufe dieses Buches noch sehr oft einander begegnen.
Das erste Kapitel des Werkes wird tiefgehend über die wirtschaftlichen, politischen und anderweitigen Zusammenhänge berichten, die für die bemitleidenswerte Lage dieser Kleinbauern, Landarbeiter und Einwohner der städtischen Elendsviertel verantwortlich sind. Zu Beginn dieses Buches wird also danach gefragt werden, was genau die Armen und die Hungrigen eigentlich hungrig und arm macht.
Die Antworten auf diese Fragen werden grundlegend wichtig sein: Nur wer nach den eigentlichen Schwierigkeiten fragt, kann auch die Stellen finden, an denen er den Hebel ansetzen muss. Um die richtige Medizin zu wählen, muss man zunächst einmal wissen, was überhaupt die Krankheit ist.
Über die genauen Ursachen und Zusammenhänge hinter Hunger und Armut im Bilde zu sein, wird deshalb die unerlässliche Voraussetzung dafür sein, die in diesem Buch vorgestellten Lösungen verstehen und voll würdigen zu können. Jene Ursachen und Zusammenhänge werden darum gleich zu Beginn unserer gedanklichen Reise eingehend betrachtet werden.
Es wird sich noch als sehr zweckmäßig herausstellen, dass wir nach dieser Untersuchung der genauen Probleme nicht sofort zu den konkreten Maßnahmen der Abhilfe schreiten werden. Es wird die Sache merklich verständlicher machen, aus den erkannten zugrunde liegenden Problemen zunächst einige allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen. Wir werden also erst einmal schauen müssen, welche ganz grundsätzlichen Gesichtspunkte ein Vorhaben berücksichtigen muss, um überhaupt als ernstzunehmender Versuch zur Lösung des Welthunger- und Armutsproblems betrachtet zu werden.
Vom Weg, den wir zur Erreichung unseres Ziels der Beseitigung des weltweiten Elends gehen müssten, wird zu Beginn dieser Schrift also erst die grundsätzliche Richtung erkennbar werden.
Im selben Teil des Buches werden darüber hinaus Ansätze vorgestellt werden, die trotz der vielen Fehlschläge und Irrwege in der langen Geschichte der Bekämpfung von Hunger und Armut positiv hervorstechen. Es wird um Ansätze gehen, die zwar bereits den Weg in genau die richtige Richtung gewiesen haben, die jedoch entweder immer nur versuchsweisen Charakter hatten oder nie im großen Maßstab umgesetzt worden sind. Die Erwähnung solcher Ansätze und die Erinnerung an sie werden den grundsätzlich zu gehenden Weg nochmals klarer hervorscheinen lassen und es uns ermöglichen, diese in der Vergangenheit fallengelassenen Fäden wieder aufzunehmen und auf unsere ganz eigene Weise gedanklich weiterzuspinnen.
Die Lösung für ein Problem kann aber ohnehin so bestechend sein, wie sie nur will: Die Politik hat nicht die Veranlassung dazu, sie aufzugreifen, wenn davon nicht in irgendeiner Weise auch ihre eigenen Interessen berührt sind. Nicht alle Menschen möchten einer Sache nämlich allein schon deshalb dienen, weil sie richtig und gut ist. Am allerwenigsten wollen das Politiker. Im zweiten Kapitel soll es deshalb ebenso darum gehen, wie angesichts dessen ein solcher großer Wandel überhaupt eingeleitet werden sollte. Die Frage wird demnach lauten: Wie könnten all die Menschen guten Willens, die von unserem Ansatz überzeugt sind, damit bis zur internationalen Politik durchdringen und die Entscheidungsträger der Welt zur Umsetzung dieses Planes bewegen?
Dies ist eine der wichtigsten Fragen, die wir in diesem Buch überhaupt stellen werden. Die Antwort, die wir darauf geben werden, wird einen künftigen neuen Mitspieler auf der Bühne der Weltpolitik enthüllen, der auch für die Verwirklichung entscheidender Teile unseres Planes unerlässlich sein würde.
Noch weiter führende Erwägungen darüber, wie die breite Masse der Menschen und nicht zuletzt auch der Einzelne diesen gewaltigen Stein ins Rollen bringen könnten, werden an anderer Stelle ebenfalls angestellt werden.
Es zeichnet sich wohl bereits ab, wie sehr das vorliegende Werk nicht bloß ein neuartiges wirtschaftliches und politisches Programm formulieren will. Tatsächlich ist diese Schrift Sachbuch, Programmschrift und Anleitung zum politischen Aktivismus in einem.
Im danach folgenden Teil des Werkes wird es jedenfalls um den verheißungsvollen Plan selbst gehen. Diese Abschnitte werden das visionäre Herzstück dieses Buches sein. Dieses beachtliche Vorhaben umfasst zwei eigenständige aber sich perfekt ergänzende Programme, die all die großen Probleme unserer Zielgruppen adressieren und sie einer tragfähigen Lösung zuführen würden. Mit den Ursachen ihrer Armut könnte so auch das Elend dieser vielen Millionen Menschen endlich beseitigt werden.
Mehr von unserem Plan kann an dieser Stelle noch nicht offenbart werden. Ihn kann man ohnehin nicht andeuten oder schnell umreißen, sondern man muss ihn gebührend entfalten. Die Einleitung und damit der Anfang dieses Titels sind dafür aber nicht der richtige Ort und die richtige Zeit. Wenn wir an der dafür passenden Stelle des Buches angelangt sind, werden die nötigen Kenntnisse vorhanden sein, um dieses beachtliche Vorhaben zur Gänze nachvollziehen und begreifen zu können. Damit wird zugleich die richtige Zeit gekommen sein, das Vorhaben voll zu entfalten und in die Tiefe gehend zu behandeln.
Sobald unser Plan enthüllt ist, werden wir auch in der Lage sein, eine Frage zu beantworten, mit der an jeden herangetreten würde, der einen Lösungsvorschlag für dieses Weltproblem Nummer Eins zu besitzen behauptet – und zwar die Frage der Finanzierung.
Die Erkenntnis der genauen Bestandteile unseres Programms wird nämlich auch Rückschlüsse auf die notwendigen finanziellen Kraftanstrengungen zulassen. Denn erst wenn man weiß, wie hart der bevorstehende Kampf wird und einem deshalb dämmert, welches “Geschütz” erforderlich ist, stellt sich die Frage nach den Kosten dieser "Kanonen" – und wie man an dieses Geld kommen könnte. Auch das Geld für die Beseitigung von Hunger und Armut müsste eben erst noch aufgebracht werden.
Zu Beginn des betreffenden Kapitels wird deshalb zunächst eine Schätzung stattfinden, wie viel Geld unser globales Programm wohl kosten würde. Durch welche spektakulären und nie dagewesenen Maßnahmen wir tatsächlich auch an diese Summe gelangen könnten, so dass wir eine Welt errichten dürften, in der niemand mehr Hunger leiden müsste, wird am Ende dieser Erörterungen auch feststehen.
Was hingegen am Schlusse eines jeden Kapitels stehen wird, sind einige zusammenfassende Worte über die jeweils zurückliegenden Inhalte. So werden alle in diesem Werk angestellten Überlegungen und deren Ergebnisse auch in kompakter Form zu finden sein. Jedes Kapitel wird nämlich seine eigene klare Essenz haben, die für das Verständnis unseres zunächst rein gedanklichen Weges zur Beseitigung des Elends unverzichtbar sein wird.
Neben allen diesen Darlegungen wird im späteren Verlauf unseres Buches eine letzte große Schwierigkeit vorgestellt. Es wird die eine große Hürde aufgezeigt werden, an der dieses ehrgeizige Vorhaben zur Beseitigung von Hunger und Armut auf unserem Planeten doch noch scheitern könnte – selbst dann, wenn sich die einmütige Bereitschaft herbeiführen ließe, diesen großen Versuch wirklich zu wagen. Es sind Kriege und bewaffnete Konflikte.
Das Chaos, das sie stiften und das Geld, das sie verschlingen, würden ein so ambitioniertes Weltprojekt von vornherein zum Scheitern verurteilen. Nur eine Welt, in der wenigstens für eine gewisse Zeit Frieden und Sicherheit herrschen, könnte deshalb die Kraft und die Mittel aufbringen, um diese Menschheits- und Jahrhundertaufgabe tatsächlich zu bewältigen.
Doch auch das könnten wir gemeinsam erreichen: Für eine ganz bestimmte Zeit könnten wir wirklich einen umfassenden Weltfrieden herbeiführen. Wie? Auch das wird sich noch zeigen.
Eines aber darf man bei all dem nie vergessen: Der hier beschriebene Plan ist kein bloßes Hirngespinst. Er ist keine wirklichkeitsfremde und verträumte Utopie, die auch in hundert Jahren noch nicht realisierbar wäre. Nein: Dieser Plan ist wirklich umsetzbar. Das Ziel eines besseren Lebens für alle ist tatsächlich erreichbar.
Schauen wir nun, wie wir zusammen an dieses große Ziel gelangen könnten. Fangen wir also an und ergründen wir nach und nach diesen offenen Weg.
1. Die Ursachen der Not:
Hunger und Armut auf der Spur
Eine Krankheit kommt nicht von allein. Sie hat ihre Ursachen. Diese Ursachen liegen manchmal tiefer und manchmal sind sie offensichtlich. Im einen Fall muss man lange und gründlich suchen, während in einem anderen die Ursache der schädlichen Wirkung klar erkennbar ist. In jedem Fall aber muss man diese Ursachen kennen, um die Krankheit erfolgreich zu bekämpfen: Probleme kann man nur lösen, wenn man weiß, worin genau sie liegen.
Nicht anders ist es bei den beiden größten Problemen und den wohl schlimmsten Krankheiten, unter denen unsere Welt zu leiden hat – und zwar Hunger und bittere Armut: Wenn es ganz bestimmten Bevölkerungsgruppen in weiten Teilen der Welt offenbar unmöglich ist, sich ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften und diese zwei unheimlichen Phänomene aus diesem Grund nicht nur zu den hässlichsten, sondern auch zu den langlebigsten Erscheinungen unseres Planeten gehören, dann muss das ganz bestimmte Ursachen haben.
Wie angekündigt wird es an unserem gemeinsamen Anfang daher um die Frage gehen, welche genauen Umstände die am meisten Benachteiligten der Welt bis heute in Hunger und Armut halten. So wie bei einer Krankheit werden auch die Ursachen hierfür entweder auf der Stelle erkennbar oder erst nach langem Suchen aufzudecken sein. In der Wirtschaft und im menschlichen Gemeinschaftsleben ist nun einmal alles mit allem verbunden, so dass man häufig ein zunächst unentwirrbar erscheinendes Knäuel an Ursachen und Wirkungen vor sich hat, das man erst einmal entwirren muss. Im Folgenden werden wir deshalb sowohl auf offensichtliche Tatsachen stoßen, als auch an der einen oder anderen Stelle ein bisschen tiefer graben müssen.
Ein ungetrübtes Bild über die schlimme Situation der Schwächsten dieser Welt und den Ursachen ihres Leids zu bekommen, ist jedenfalls der erste Schritt zur Besserung ihrer Lage – und es ist daher auch der erste Schritt, den wir in diesem Werk zu gehen haben. Denn man muss nicht nur wissen, mit welchem Problem man es zu tun hat, um selbst die richtige Lösung zu finden: Nur wenn einem klar ist, mit welchen Schwierigkeiten man konfrontiert ist, kann man auch die Lösung beurteilen, die ein anderer dafür anbietet.
In diesem Sinne: Was macht Kleinbauern, einfache Landarbeiter und die Bewohner der großen Metropolen im Globalen Süden dafür anfällig, zu den am schlechtesten Gestellten der Welt zu gehören, die sich nicht einmal satt essen können und denen auch sonst alles fehlt, was wir auf unserer Insel der Seligen für selbstverständlich halten?
1.1 Von allen verlassen:
Die Misere der kleinen Bauern
In der Einleitung waren wir bereits auf die paradoxe Tatsache gestoßen, dass ein großer Teil derer, die Hunger leiden, selbst Nahrung anbaut. Weil solche Widersinnigkeiten in den Augen vieler wohl ganz besonders nach einer Erklärung verlangen, wollen wir mit der Lage von kleinen Bauern und den damit verbundenen Schwierigkeiten beginnen.
Zum besseren Verständnis müssen wir zunächst klären, wer genau diese Kleinbauern in Südasien, Afrika und in anderen armen Erdteilen überhaupt sind. Bevor wir uns ihnen und ihren Nöten mit voller Aufmerksamkeit widmen können, brauchen wir nämlich ein genaues Bild von ihnen und davon, was sie eigentlich ausmacht.
Nun: Kleinbauern auf der Südhalbkugel sind Landwirte, die lediglich zwischen einem und zwei Hektar Landfläche bearbeiten und sich und ihre Familien damit notdürftig selbstversorgen. Kleinere Anteile ihrer Ernte werden auch lokal verkauft, wobei die Landwirtschaft als hauptsächlicher Broterwerb meistens jedoch aufgegeben wurde. Gearbeitet wird in der Regel mit einfachsten und manchmal geradezu primitiven Mitteln.
Wer mit Landwirtschaft bislang nicht in Berührung gekommen ist, dem mag ein Acker der genannten Größe vielleicht gar nicht so klein vorkommen. Er könnte einem vielleicht sogar als recht groß erscheinen. Immerhin ist ein Hektar deutlich größer als etwa ein Fußballfeld, welches normalerweise ca. 0,7 Hektar groß ist.
Dass ein solches Feld aber tatsächlich klein ist, ergibt allein schon der Vergleich: Die durchschnittliche Ackergröße in den USA beträgt fast 180 Hektar. In der Europäischen Union sind es ca. 17 Hektar, die der durchschnittliche Acker misst.
Allein durch eine solche Gegenüberstellung wird die vollkommen anders geartete Lage von kleinen Bauern im Globalen Süden schnell ersichtlich: Ihre Arbeit und ihr Leben finden in einem ganz anderen Rahmen statt. Dieser Rahmen ist deutlich einfacher und überschaubarer. Vor allem aber ist er ungleich kleiner als der ihrer oftmals vollindustrialisierten nördlichen Berufsgenossen.
Ungleich größer sind jedoch ihre Mühen und ihr Leid – und schon wären wir beim eigentlichen Thema dieses Unterkapitels angelangt. Kleinere Flächen bedeuten unter sonst gleichen Bedingungen nämlich auch kleinere Erträge. Zu geringe Erträge aber sind in der Welt dieser Menschen gleichbedeutend mit Hunger und Armut.
Trotzdem ist das große Elend der Kleinbauern im Globalen Süden mit der geringen Größe ihrer Felder noch nicht erklärt. Die bloßen Maße eines Ackers sind eben nicht die einzige Warte, von der aus sich die Erfolgschancen eines Bauern absehen lassen. Worauf es ebenso ankommt, sind die Art der Bearbeitung dieser Fläche und die grundsätzlichen Bedingungen des Anbaus. Wichtig ist also auch und gerade die Produktivität der Bewirtschaftung.
An dieser Stelle unserer Betrachtungen wird es deshalb nötig, auf besagte Arbeits- und Lebensumstände unserer kleinen Bauern einmal einen genauen Blick zu werfen. Wenn letztlich die Produktivität entscheidend ist, dann sollten wir uns auch einmal die Mittel ansehen, die unseren ärmlichen Landwirten zur Verfügung stehen, um den Böden ihre Früchte abzuringen.
Ein derart geweiteter Blick lässt uns ihre Lage jedoch besser begreifen: Diese Menschen besitzen nur sehr wenig, womit sie die im Vergleich winzige Größe ihrer Äcker ausgleichen könnten. Ihre hoffnungsvolle und fleißige Arbeit findet vielmehr unter Bedingungen statt, welche die geringe Größe ihrer Schollen beinahe schon als ihr geringstes Problem erscheinen lassen.
Ein naheliegender Einstieg in derartige Vertiefungen ist das Thema Wasser: Wasser ist unerlässlicher Bestandteil eines jeden Pflanzenwachstums und damit auch der Landwirtschaft. Es ist die Quelle allen Lebens. Für viele Kleinbauern im Süden ist diese Quelle aber äußerst unergiebig. Sie verfügen in weiten Teilen noch nicht einmal über die einfachsten Vorrichtungen zur Bewässerung ihrer Felder, sondern sie sind allein auf den Regen angewiesen. Bleibt er aus, dann bleiben ihre Felder leer – und damit auch die Mägen ihrer Kinder. Werden sie stattdessen von Starkregen und Fluten heimgesucht, wird ihre Ernte schlicht davongespült und mit ihr auch jede Hoffnung auf ein Jahr, das vielleicht besser ist als das vorangegangene.
Selbst aber, wenn der Himmel einmal die genau richtige Menge Wasser für ihre Felder schickt, wird trotzdem viel davon verschwendet: In diesen Breitengraden fehlen auch vielfach die Methoden, um den Niederschlag wirksam zu verwenden oder aufzuspeichern.
Wegen dieser starken Abhängigkeit von der Natur und dem, was sie dem Menschen gibt, bleiben für viele Bauern im Globalen Süden die Früchte ihre harten Arbeit oftmals aus – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die üblen Folgen, die das für die Betroffenen und für ihre Familien hat, lassen sich an einer Hand abzählen. Erahnen lässt sich jedoch auch, was diese Menschen erst erwartet, wenn die ohnehin schon störrische Natur aufgrund des Klimawandels künftig noch viel unbarmherziger sein wird.
Auch wenn ohne Wasser alles andere nichts ist, so ist Wasser aber längst nicht alles. Für die landwirtschaftliche Produktivität ist eben nicht nur wichtig, was die Natur dazu beiträgt, sondern auch, welche Arbeitsmittel der Mensch mit einbringt.
Auch hier aber scheint die Arbeit unserer armen Kleinbauern unter keinem guten Stern zu stehen. Die vor allem auf den Feldern Afrikas noch weit verbreitete Handhacke ist nicht einmal das größte Problem.
Eine ernste und immer wiederkehrende Schwierigkeit hingegen ist die Verfügbarkeit von Düngemitteln: Eine heranwachsende Pflanze entzieht dem Boden Nährstoffe. Wird sie bei der Ernte entfernt, dann sind insofern auch diese Stoffe fort. Ein Boden, der auch für die ferne Zukunft fruchtbar und ergiebig bleiben soll, muss diese mit der Zeit verschwindenden Substanzen irgendwie zurückerlangen. Soll heißen: Er muss gedüngt werden.
Die verlässliche und nachhaltige Deckung dieses Bedarfs ist aber ein großes Problem. Herkömmliche Düngemittel geraten immer wieder in Zeiten schlechter Verfügbarkeit und starker Teuerung.
Der Ruin der kleinen Bauern ist stets dann vorprogrammiert, wenn die Ernte wegen der zahllosen anderen Gefahren der kleinbäuerlichen Landwirtschaft trotz des teuren Düngers miserabel ist oder wenn die Marktpreise der mühsam herangezogenen Gewächse wieder einmal im Keller sind. In beiden Fällen haben die Landwirte mehr Geld ausgegeben als sie wieder einnehmen können. Diejenigen, die sich für die Anschaffung solcher Produktionsmittel sogar verschuldet haben, werden zeitlebens nicht mehr glücklich werden. Manche von ihnen wurden eines traurigen Tages von ihren Frauen oder ihren Kindern an einem Baume hängend vorgefunden: Sie hatten sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen.
Die am meisten Benachteiligten – diejenigen also, um die es uns hier gehen muss – können sich solche Produktionsmittel jedoch ohnehin nicht verschaffen. Weder bekommen sie einen Kredit von jemandem, noch können sie diese Kosten aus eigener Kraft stemmen. Das, was man für natürliche Düngemittel bräuchte, fehlt ihnen aber ebenso in genügenden Mengen. Auch ist oft gar kein ausreichendes Wissen über heilsame natürliche Alternativen vorhanden.
Die genügende Rückführung von Nährstoffen in den Boden ist für Kleinbauern also eine echte Schwierigkeit – vor allem in Subsahara-Afrika. Gerade diejenigen also, die von ihrem Boden am meisten abhängen, weil sie nichts anderes haben, sind am wenigsten in der Lage, seine Kraft und damit auch die Zukunft ihrer Kinder zu sichern.
An diese Verletzlichkeit hatte uns auch und gerade der neue Krieg in Europa erinnert. Er machte kommerzielle Düngemittel selten und für viele unerschwinglich. Einmal mehr also verschärften Kriege und Konflikte das globale Hunger- und Armutsproblem.
Hiermit verwandt ist eine andere schwere Hypothek der Bauern der ärmsten Regionen der Welt: Die allgemeine Verschlechterung ihrer Böden mit ihren desaströsen wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Auch diese Nachricht klingt zunächst recht widersinnig – wenigstens mit dem nötigen spannenden Hintergrundwissen: Ein großer Teil der biologischen Vielfalt dieser Welt soll sich im Boden befinden. Von der Amöbe oder dem Insekt über den Pilz bis hin zum Maulwurf befindet sich die Hälfte aller Lebewesen auf diesem Planeten unter unseren Füßen. Doch ist es gerade diese so unvorstellbar lebendige Welt, die selbst allmählich stirbt. Ein Drittel des gesamten Bodens unseres Planeten gilt bereits als geschädigt.
Wieder einmal sind es die kleinsten und die ärmsten Bauern, die am meisten von ungünstigen Umständen betroffen sind. Ihre Böden sind ganz besonders von derartigen Verödungen betroffen.
Dieses Phänomen hat die allerverschiedensten Ursachen: Oftmals ist es bereits die Art und Weise der Nutzung von Boden, die ihm zusetzt. Wenn etwa Bauern in ihrer Unsicherheit über die Zukunft das verfügbare Land stark beanspruchen, um möglichst viel aus ihm herauszuholen, dann wird der Scholle vermutlich nicht allzu lange überhaupt Lebenskraft bleiben. Werden keine ausreichenden Ruhezeiten im Ackerbau eingehalten, dann können diese unverzichtbaren Nährstoffe nämlich nicht ersetzt werden.
Aus Unwissen und aus Mangel an Alternativen kommt es oft auch zum Anbau von Flächen an ungünstigen Stellen wie etwa in Hanglagen. Diese Bauern bearbeiten also einen Acker, der sozusagen steil geneigt ist. Das ist für den betreffenden Boden natürlich folgenreich, weil seine fruchtbare Oberschicht bei starkem Niederschlag schlicht davongespült wird.
Eine ähnlich verhängnisvolle Wirkung hat die fortschreitende Abholzung der Wälder: Wenn die dichte Wand aus Bäumen eingerissen wird, dann wird der darunter liegende Boden entblößt. Der nun völlig ungebremst wehende Wind und die nicht mehr abgehaltenen Wassermassen können den kostbaren Boden mit den Jahren und Jahrzehnten auf diese Weise ganz allmählich abtragen.
Es ist wohl ganz besonders tragisch, wenn ein solcher aus Not betriebener Raubbau an der Natur dazu führt, dass die Lebensgrundlage der ärmlichen Landbevölkerung nur noch unsicherer wird.
Völlig andere Ursachen der Landverödung sind hingegen die Versalzung oder chemische Belastungen. Die großangelegten Versuche mancher Regionen, mit industriellen Methoden das Hungerproblem der Welt zu lösen, hatten einen hohen Preis: Die bei einer solchen Anbauart verwendeten Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel und großangelegten Bewässerungssysteme haben riesengroße Flächen versalzen oder chemisch vergiftet und die betroffenen Böden bis an den Rand des biologischen Kollaps gebracht.
Auch was diese Bodenverschlechterung anbelangt, wirkt der fortschreitende Klimawandel verschärfend und verschlimmernd. Außergewöhnliche Wetterereignisse wie Dürren, Starkregen oder Überflutungen nehmen in seinem Gefolge beständig zu und lassen den Boden sterben, von dem hunderte Millionen leben.
Die landwirtschaftlichen Flächen werden also immer schlechter – und sie werden immer weniger. In jedem Jahr verliert die Welt fruchtbare Bodenfläche, die größer ist als Österreich oder die Schweiz. Besonders schwer betroffen ist einmal mehr der Globale Süden – und damit die Ärmsten der Armen.
Alle genannten Umstände sind in ihrer Gesamtheit folgenschwer: Sie führen zu einer äußerst niedrigen landwirtschaftlichen Produktivität. Unsere ärmlichen kleinen Bauern haben also wirklich nicht nur zu kleine Felder. Diese Felder werfen tatsächlich auch sehr wenig ab – zu wenig, um davon leben zu können aber oft noch zu viel, als dass man sterben müsste. Auch die härteste und zuversichtlichste Arbeit kann einer solchen Übermacht an schlechten Bedingungen manchmal eben nichts entgegensetzen.
Wahrscheinlich wird allmählich klar, warum es um unsere kleinen Bauern Afrikas und Asiens so schlecht bestellt ist. Dabei haben wir bislang nur die misslichen Bedingungen ihres Anbaus betrachtet. Tatsächlich sind es jedoch nicht bloß die verglichen mit Farmern aus anderen Erdteilen miserablen Umstände der Produktion, unter denen sie leiden: Sie haben auch weitaus schlechtere Möglichkeiten, diese ohnehin schon mickrigen Ernten fachgerecht zu lagern.
Wenn Dinge wie Kühlräume fehlen, weil allein schon die Energieversorgung auf dem Land nicht sicher ist, dann verlängert sich damit die Kette ungünstiger Umstände um ein gehöriges Stück. Wer seine Ware nicht zurückhalten kann, der muss sie nämlich verkaufen – im Zweifelsfall auch zu Zeiten, zu denen niedrige Preise herrschen und es daher vorteilhafter wäre, mit dem Verkauf zu warten. Erschwerend kommt hinzu, dass die schlecht ausgestatteten Kleinbauern über die gängigen Preise auf den weit entfernten Märkten ohnehin nur wenig Bescheid wissen. Die Gefahr, von anderen übervorteilt zu werden, ist deshalb genauso real wie ihr Hunger und ihre nagende Sorge um die Zukunft ihrer Kinder.
Hier zeichnet sich bereits ein Problem ab, das die verhängnisvollen Folgen der niedrigen Erträge dieser Menschen weiter verschlimmert, weil es das Geld, das sie letztlich in die Hände bekommen, abermals vermindert. Es ist ihre denkbar schlechte Verhandlungsmacht gegenüber ihren Käufern. Wir werden darauf zurückkommen.
Die ganz unmittelbare Folge fehlender Lagermöglichkeiten ist aber noch immer der schlichte Verlust: Getreide oder Gemüse, das nicht ordnungsgemäß aufbewahrt werden kann, verrottet entweder auf dem Feld oder es wird von Ratten gefressen. Die ohnehin schon dürftige Ernte, die nicht einmal zu einem gerechten Preis verkauft werden kann, geht zu einem großen Teil also auch noch verloren. Gerade in Subsahara-Afrika – einem der Brennpunkte unserer ganzen Betrachtungen – soll den kleinen Bauern so viel Ernte abhandenkommen wie nirgendwo sonst auf der Welt.
Die Lebensgeschichte der kleinen Bauern auf der Südhalbkugel ist deshalb genauso einfach wie sie traurig ist: Diese Menschen haben zu geringe Erträge und deshalb auch ein zu niedriges Einkommen – und damit haben sie auch ein schlechtes Leben.
Für jemanden, der sich eine Existenz aufbaut, ist es durchaus etwas völlig Normales, zunächst nur mit einfachen Produktionsmitteln zu wirtschaften und seine Güter daher nur mit großem Aufwand produzieren zu können. Sein Ausstoß ist anfangs also gering – und damit auch sein Einkommen. Wenn nun aber ein Kredit aufgenommen oder über irgendeine andere Geldquelle der Betrieb verbessert wird, dann vereinfacht dies die Produktion und es können von nun an mehr Güter hergestellt und abgesetzt werden: Die Produktivität ist gestiegen und mit ihr auch das Einkommen. Es hat eine Investition stattgefunden.
Dies ist der Weg, den erfolgreiche Unternehmen gehen und den sie auch gehen müssen. Diesen normalen Weg wirtschaftlicher Entwicklung können die betrachteten Kleinbauern aber zumeist nicht gehen. Gerade ihnen, die es so dringend benötigten, ist der Weg zu einem solchen Aufstieg versperrt: Ihnen fehlt das Geld, um beispielsweise ihre geschädigten und kranken Böden zu sanieren oder um sich als Dorf einen Gemeinschaftsbrunnen zu bauen – und sie bekommen es auch von niemandem.
Die Länder des Globalen Südens hatten immer wieder angekündigt, ihre ländlichen Regionen und besonders ihre Landwirtschaft zu unterstützen und so den am meisten von Hunger und Armut Heimgesuchten zu helfen. Im Jahr 2003 etwa hatten die Länder Afrikas in der „Erklärung von Maputo“ festgehalten, mindestens 10% ihrer Staatsbudgets für die Förderung der Landwirtschaft zu verwenden. Mehr als 20 Jahre später erfüllen nur wenige Regierungen diese auferlegte Selbstverpflichtung.
Zu einem großen Teil scheiterten solche Vorhaben schlicht an der bitteren Realität: Länder, die aufgrund ihrer miserablen Wirtschaftslage und der schlechten Lebenssituation ihrer Bürger nicht genügend Steuergelder einnehmen, können verständlicherweise nicht die Mittel für ein derartiges Unterfangen aufbringen – zumal dann nicht, wenn Großkonzerne sich mit billigen Rechtskniffen oder Buchhaltungstricks um ihre Verantwortung drücken, ihre Steuern zu zahlen.
Das verhängnisvollste Problem für viele dieser Länder ist jedoch die Verschuldung – vor allem jene gegenüber dem Globalen Norden: Eine Regierung, die dauerhaft einen großen Teil ihres Budgets für die Tilgung von Auslandsschulden aufwenden muss, kann den Belangen des eigenen Landes und vor allem den Bedürfnissen seiner ärmsten Bewohner unmöglich die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wo unruhige Länder noch dazu immer wieder mit Kriegen und Konflikten konfrontiert werden, da muss jede Aufbauarbeit hintanstehen: Rüstung und Krieg sind bekanntlich die mitunter teuersten Dinge, für die man Geld ausgeben kann – und ausgeben kann man Geld ebenso bekanntermaßen nur einmal.
Die vielen gut gemeinten und meist sogar gut gemachten Aufbauprojekte von NGO's oder anderen Stellen sind gemessen an der Masse der Bedürftigen leider auch bloß ein Tropfen auf dem heißen Stein. Hier machen sich die fehlenden Mittel ebenfalls bemerkbar.
Auch wenn nennenswerte Hilfe für die hunderten Millionen Kleinbauern daher ausbleibt und sie das nötige Geld nicht einfach unter der Matratze liegen haben, können sie es sich trotzdem nicht einfach beschaffen. Wie bereits angeklungen ist, erhalten sie zumeist auch keine Kredite – und wenn doch, dann nur zu erdrückenden Wucherzinsen. Ein Grund dafür ist ihre desolate Lage. Es ist nun einmal zweifelhaft, dass ein Farmer, der im Hinterland sein winziges Feld bestellt, allein schon wegen der weit entfernten Märkte je genug verkaufen wird, um seine Schuld begleichen zu können.
Ein anderer Grund sind fehlende Sicherheiten. Wer sein Land nicht bei der Bank als Sicherheit hinterlegen kann, weil es ihm nicht selbst gehört, bekommt auch keinen Kredit. Landeigentum und Landbesitz funktionieren auf der Südhalbkugel nämlich anders als im Norden: Allen voran in den Weiten Subsahara-Afrikas ist formelles und dokumentiertes Privateigentum an Grund und Boden selten. Dort finden sich andere Vorstellungen von Eigentum und persönlichen Rechten. Viel häufiger nämlich werden Eigentum, Nutzung und der Besitz von Land informell geregelt. Vielfach kann man sich das so vorstellen, dass ein Dorf ein traditionelles Oberhaupt hat und diese Autorität ein Stück Land einer Person oder einer Familie auf Zeit zuteilt. Der formelle Eigentümer des Landes bleibt dabei oft der Staat.
Wem Boden aber nicht selbst gehört und wer es von daher nicht als Sicherheit hinterlegen kann, der bekommt auch keinen Kredit. Selbst aber wenn unsere Kleinbauern ihn bekämen: Ihre Lage und ihre wirtschaftlichen Aussichten sind so trübe, dass sie den damit verbundenen Schuldendienst tatsächlich unmöglich leisten könnten.
Wie man aus einer so verfahrenen Lage jemals wieder herausfinden soll, erscheint in der Tat schwer zu beantworten. Anderenfalls wäre es kein Problem von ungezählten Millionen.
Zu allem Überfluss besteht eine Gefahr, die wie ein Damoklesschwert ständig über den Köpfen nicht nur der armen Kleinfarmer, sondern über dem des gesamten Landvolkes schwebt: Gerade weil in vielen südlichen Ländern dem Staat beziehungsweise der Regierung das Land gehört, kann es jederzeit an fremde Investoren verpachtet werden. Es ist ein Phänomen, das vor allem in den zurückliegenden Jahrzehnten stark zugenommen hat. In Anbetracht unserer unsicheren Zeit entschließen sich nämlich immer mehr Regierungen dazu, sich in anderen Weltregionen Land anzueignen, damit im Falle des Falles die Ernährungssicherheit der eigenen Bevölkerung gewährleistet ist.
Gegen einen solchen Akt harten Rechtes kommen die überlieferten Nutzungsrechte jedoch nicht an: Wenn das Land auf einmal jemand anderem gehört, dann muss die angestammte Bevölkerung schlicht und einfach gehen. In vielen Fällen sollen Menschen auch schon mit Gewalt vertrieben worden sein, wenn sie in ihrer Verzweiflung die neu geschaffenen Tatsachen nicht anerkennen wollten oder schlicht nicht fassen konnten, was da gerade mit ihrer angestammten Heimat geschieht. Es sind brutale Kollektivschicksale, wie sie in den Ländern des Globalen Südens nicht selten zu finden sind.
Was eine solche Unsicherheit jedoch mit der Bereitschaft machen kann, Verbesserungen am bebauten Grund und Boden vorzunehmen, liegt auf der Hand: Niemand steckt viel Geld und Mühen in ein Stück Land, von dem er und seine Familie jederzeit verjagt werden könnten. Die ernüchternde Folge kann daher nur eine sein: Investitionen in ein Landstück, die zur dringend nötigen Erhöhung der Produktion und zu einer Verbesserung des Einkommens führen könnten, blieben selbst dann aus, wenn das Geld dafür vorhanden wäre – und damit auch die Chance auf ein besseres Leben.
Auch wenn bereits viele Hürden und Herausforderungen genannt worden sind, ist die wahrscheinlich größte Schwierigkeit unserer abgehängten Kleinbauern eine völlig andere. Ihr Hunger- und Armutsproblem wäre deshalb erst dann gelöst, wenn eine weitere Frage abschließend beantwortet würde: die des verlässlichen Absatzes ihrer Waren. So viel schwere Arbeit, Herzblut und Entbehrungen in ihnen nämlich auch stecken mögen: Die Erzeugnisse der kleinbäuerlichen Familienbetriebe können sich nur dann in Einkommen verwandeln, wenn sie auch von irgendjemandem gekauft werden.
Wenigstens die Supermärkte nach westlichem Vorbild zeigten aber stets nur geringes Interesse an der Ware ihrer armen Landsleute. Sie bieten seit jeher lieber westliche Ware oder jene von Großbauern an, weil sie von höherer Qualität ist. Nur die besten Produkte wecken eben das Interesse der immer zahlungskräftigeren städtischen Mittelschicht, die nun einmal der wichtigste Kunde dieser modernen Kaufhäuser ist. Wer hat, dem wird also gegeben – und zwar das, wonach er kaufkräftig verlangt. Wer jedoch etwas hat, wonach niemand verlangt, der geht eben leer aus – wie sehr in Not er auch sein mag.
Das Problem sind aber nicht allein die Supermärkte und die hohen Ansprüche bestimmter Bevölkerungsteile. Das Problem sind auch die Preise – vor allem für die einfache städtische Bevölkerung. Importware war in diesen Ländern zumeist erste Wahl, weil Grundnahrungsmittel in westlichen Ländern mit ganz anderen Mitteln und in einem völlig anderen Maßstab hergestellt werden und sie deshalb meistens auch viel billiger angeboten werden können.
Vor allem in der Vergangenheit war es deshalb immer schwer, das Interesse von auch nur irgendwem an den mühsam hergestellten Erzeugnissen der heimischen Kleinbauern zu wecken. Über viele Jahre wurden in der Europäischen Union sogar die Kosten für den Export dieser Nahrungsmittel von offiziellen Stellen teilweise getragen.
Auch wenn solche besonders fragwürdigen Zustände mittlerweile abgestellt worden sind: Den allgemeinen Nachteil wenig konkurrenzfähiger Preise haben viele heimische Erzeugnisse im Globalen Süden bis heute. Er trägt die Hauptschuld daran, dass die Kleinbauern der starken Rivalität aus dem Norden und von anderswo so oft erlegen sind und deshalb nicht mehr die ehrenwerte Aufgabe der Versorgung ihrer Länder übernehmen können. Dieser Preisnachteil ist vor allem einem Umstand geschuldet, der in unseren kommenden Überlegungen noch eine entscheidende Rolle spielen wird. Es ist die oft nur sehr schwere Erreichbarkeit der Märkte.
Auch wenn das Wort „Markt“ heute ein eher abstrakter Begriff ist, mit dem man in der Regel keinen wirklichen Ort mit Verkäufern oder Ständen meint, ist er hier wortwörtlich zu verstehen. Für die Kleinfarmer ist es nämlich eine große Schwierigkeit, ihre Ware überhaupt auf die Marktplätze zu bringen. Die Straßen und die Wege in ihren Ländern sind häufig so schlecht, dass außerordentlicher und deshalb kostspieliger Aufwand betrieben werden muss, um das Getreide und das Gemüse aus dem Hinterland in die fernen Städte zu schaffen.
Wenn sie auf einer solchen Odyssee Waren verlieren, dann sehen sich diese Menschen noch dazu gezwungen, die so entstandenen Verluste auf den Endpreis der verbliebenen Ware aufzuschlagen. Es ist nur eine weitere Ironie, wie sich diese Bauern ausgerechnet durch ökonomisches Kalkül selbst das wirtschaftliche Genick brechen.
Ähnliches gilt für die noch näher zu behandelnden Händler, die unseren Kleinbauern ihre Erzeugnisse abnehmen: Wenn sie auf ihrem buchstäblich steinigen Weg von den Bauern zu den Märkten mehrmals die Reifen wechseln oder zu seiner Bewältigung gar ein besonderes Fahrzeug mieten müssen, dann verlieren die kleinbäuerlichen Feldfrüchte auch in ihren Händen an Konkurrenzfähigkeit. Auch in diesem Fall ist die Ware am Ende nämlich spürbar teurer geworden – zu teuer für die einfachen einheimischen Städter, die damit ebenfalls lieber nach der deutlich günstigeren Importware greifen. In vielen Fällen bleibt ihnen schlicht nichts anderes übrig.
Gerade in Subsahara-Afrika sind es auch immer wieder Chaos und Krieg gewesen, durch welche die ohnehin schon dramatische Lage von armen Kleinbauern eskaliert ist: Wo Granaten einschlagen, dort werden auch wichtige Straßen und Wege zerstört und die entfernten Märkte werden gänzlich unerreichbar.
Kriege und bewaffnete Konflikte gefährden aber nicht allein den Verkauf der Früchte der eigenen Arbeit. Wenn Pflugscharen wieder einmal zu Schwertern werden und Menschen einander vertreiben und sich bekämpfen, statt gemeinsam die Ernte einzuholen, dann bleiben auch die Bauern selbst und ihre armen Kinder hungrig.
Selbst zu Zeiten von Frieden und einer stabilen Ordnung war die an diese Menschen gestellte Aufgabe auf Dauer jedoch unlösbar. Sie lautete nämlich: das ohnehin schon wenige, was sie aufwendig und teuer produzierten und auf genauso aufwendigen und teuren Wegen auf die Märkte brachten, zu dennoch günstigen Preisen anzubieten, damit es überhaupt irgendjemandes Interesse weckt.
Dieses Knäuel misslichster Umstände stellte für einen abgelegenen kleinen Bauern mit der Zeit eine entscheidende Frage in den Raum. Es war eine Frage, die nunmehr vor allen anderen Fragen gestellt und beantwortet werden musste: Ein solcher Kleinbauer fragte nicht mehr danach, was und wie viel er produzieren konnte. Er fragte danach, ob er unter diesen Umständen überhaupt noch produzieren sollte.
Die millionenfache Antwort auf diese Frage lautete in den letzten Jahrzehnten: „Nein“. Sämtliche Anreize zur erwerbsmäßigen Landwirtschaft und damit auch zur Versorgung der eigenen städtischen Landsleute waren mit der Zeit verloren gegangen. Vielen Landwirten war diese Frage vom Lauf der Dinge ohnehin abgenommen worden: Sie waren bereits ruiniert. Zuvor marktmäßig produzierende Kleinbauern bauten somit nur noch für den Eigenbedarf an oder sie gaben den Ackerbau ganz auf.
Dieser langsame Niedergang des Kleinbauerntums und damit des wichtigsten ländlichen Brötchengebers musste jedoch auch für eine ganz andere Gruppe weitreichende Folgen haben.
1.2 Entrechtet und hilflos:
Die ländlichen Arbeiter
Bereits in der Einleitung war festgestellt worden, dass die meisten Hungernden und Armen auf der Welt in ländlichen Regionen leben. Wie ebenfalls enthüllt wurde, sind es jedoch nicht nur die uns nun bestens bekannten Kleinbauern, die zu den noch immer leidenden Bewohnern dieser Landstriche gehören. Es gibt eine weitere Bevölkerungsgruppe, die abseits der Städte lebt und die einen großen Teil der Hunger- und Armutslast der Welt zu tragen hat. Es sind die einfachen ländlichen Arbeiter. Ihnen wollen wir uns nun widmen.
Um die folgenden Ausführungen besser verstehen zu können, muss auch hier zunächst ersichtlich werden, wer überhaupt gemeint ist. Die hier behandelten ländlichen Arbeiter sind Landbewohner, die zumindest zeitweise ihre Arbeitskraft an andere verkaufen müssen, um zu überleben. Sie sind einfache Menschen, die wegen ihrer oftmals fehlenden Schul- und Berufsausbildung in den ländlichen Gebieten der südlichen Hemisphäre nach einfachen Tätigkeiten suchen – meistens in der Landwirtschaft.
Zur Klarstellung: Arme Menschen in den am meisten hinterherhinkenden Regionen dieser Welt müssen die größten und vielfältigsten Anstrengungen unternehmen, um sich und ihren Kindern das tägliche Brot zu sichern. Ihre beruflichen Tätigkeiten und ihre Überlebensstrategien sind daher oftmals sehr unübersichtlich und es gibt sehr viele Mischformen. Daher kann es sein, dass auch ein armer Kleinbauer einen Teil seiner Zeit für Lohnarbeit aufwenden muss, um zu überleben. Das ist sogar ein recht häufiger Fall. Neben der Bewirtschaftung seines eigenen Ackers hilft er also auf den Feldern anderer Bauern mit oder er verdient im außerlandwirtschaftlichen Bereich ein wenig Geld dazu. Deshalb kann es sein, dass einige der im Folgenden beschriebenen ländlichen Arbeitskräfte zu anderen Zeiten ihr eigenes kleines Feld bearbeiten und insofern auch Kleinbauern sind.
Nichtsdestotrotz gibt es wichtige Dinge, die ländliche Arbeiter in ihrer Eigenschaft als solche gemeinsam haben. Wie die Kleinbauern, so sind auch sie Umständen ausgesetzt, die zu bestimmten Problemen führen und denen sie sich alle gleichermaßen unterworfen sehen. Von daher sind ländliche Arbeiter als eigene Bevölkerungsgruppe zu betrachten, die im täglichen Kampf ums Überleben ihre ganz eigenen Kämpfe bestehen muss – und für die wir an späterer Stelle deshalb auch ganz eigene Lösungen werden finden müssen.
Wie unsere Kleinbauern, so gehören jedenfalls auch die ländlichen Arbeiter der Südhalbkugel zu den am meisten Benachteiligten der Welt. Bei ihnen dreht sich alles darum, das Wichtigste zum Leben für sich und ihre Kinder zu sichern. Es ist eine Aufgabe, welche die Betroffenen jeden Tag aufs Neue fordert und ihnen alles abverlangt.
Denn auch wenn sogar Länder wie Indien, Kongo oder Nigeria ihre hell erleuchteten Megastädte mit ihren aufstrebenden Industrien und ihre immer größer werdende Gruppe der Superreichen besitzen: Ihre ländlichen Gegenden gehören noch immer zu den am meisten vernachlässigten und unwirtlichsten Orten der Welt. Ob wir also über das indische, das pakistanische oder über das afrikanische Hinterland reden: Diesen Landstrichen fehlt es noch immer an Vielem. Es fehlt ihnen nicht bloß an erreichbaren und gut ausgestatteten Krankenhäusern, Apotheken oder Schulen. Den ländlichen Siedlungen fehlen ebenfalls ganzjährig passierbare Straßen, fließendes Wasser und ein funktionierendes Abwassersystem.
Ihr verhängnisvollster Mangel lässt sich jedoch an ihren Gebäuden ablesen: Ihnen fehlt der verheißungsvolle Lichterschein ihrer fernen großstädtischen Gegenstücke. Die meisten abgelegenen ländlichen Regionen verfügen nämlich auch nicht über eine zuverlässige und durchgängige Stromversorgung.
