Der Polt - Claudia Pichler - E-Book

Der Polt E-Book

Claudia Pichler

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Beschreibung

Claudia Pichler zeigt, was Satire noch kann und spricht mit dem deutschen Kabarettisten Gerhard Polt über menschliche Schwächen und die Kunst, mit ihnen die Widersprüchlichkeit der menschlichen Existenz überhaupt auf die Bühne zu bringen. `Satire, Ironie oder Humor-das ist ja zum Teil ein Kokettieren mit dem Missverständnis oder mit der Doppelbödigkeit. Du nimmst die Ambiguität eines Begriffs, einer aufgeladenen Stimmung auf und stellst damit die Willkürlichkeit des Gesagten noch mal infrage. Es wär ja zu blöd, wenn der, der mit dem Missverständnis kokettiert, meint, er muss jetzt auch noch verstanden werden. Das muss man nicht, keineswegs. Das Missverständnis ist der natürliche Begleiter des Menschen, solang er lebt. Die Falschinterpretation, die gehört dazu wie der Tod zum Leben.´ Gerhard Polt

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Seitenzahl: 18

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Claudia Pichler | Der Polt. Was Satire so überhaupts kann

Anhang

Die Autorin

Impressum

Claudia PichlerDer PoltWas Satire so überhaupts kann

Ab Januar 2018 soll der sogenannte »Majestätsbeleidigungsparagraf« in Deutschland endgültig außer Kraft gesetzt sein. Die Große Koalition will Paragraf 103 StGB, der die Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe stellt, abschaffen. Hintergrund ist das Strafverfahren, das Recep Tayyip Erdoğan gegen den Satiriker und ZDF-Moderator Jan Böhmermann 2016 angestrengt hat. Dieser hatte bekanntlich den türkischen Präsidenten in seiner Sendung »Neo Magazin Royale« mit einem »Schmähgedicht« verunglimpft. Böhmermann nutzte dazu einen gängigen Kunstgriff der Satire – den des uneigentlichen Sprechens. Seinen provokant-geschmacklosen Spottversen schickte er den Hinweis voraus, dass ein Gedicht dieser Art rechtlich in unserem Land nicht zulässig sei. Das schützte ihn zwar letztlich nicht vor der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft gegen ihn, das aber ist wegen nicht nachweisbarer strafbarer Handlungen wieder eingestellt worden. Die Fälle sind rar gesät, in denen es Satire gelungen ist, ein mediales und politisches Echo dieser Dimension zu provozieren. Böhmermann beschwor den »Erdogate«; der im Jargon als »Schah-Paragraf« bezeichnete Gesetzesabschnitt wird nun wohl als »Böhmermann-Paragraf« in die Geschichte eingehen. Wer die Wirkmächtigkeit von Satire in einer liberalen Gesellschaft bezweifelte, wurde durch diesen Fall eines Besseren belehrt. Auch in einer pluralistischen Demokratie kann Satire noch zum Staatsakt werden.

Rund 30 Jahre vor Jan Böhmermann löste Gerhard Polt durch seine Auftritte immer wieder kontroverse Diskussionen und breite mediale Resonanz aus – auch wenn es bei ihm nie bis zu einem Strafverfahren gekommen ist. 1981 zum Beispiel nutzte der Satiriker die ZDF-Liveübertragung der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises dafür, sich für eine vorangegangene Zensur durch Redakteure des Zweiten Deutschen Fernsehens zu revanchieren. Aus seinem Manuskript für die Sendung »Einwürfe aus der Kulisse« wurden einige Passagen über einen vom damaligen Innenminister Zimmermann geleisteten Meineid kurzerhand gestrichen. Für diesen Eingriff rächte Polt sich bei seinem Auftritt als Preisträger im Mainzer Theater Unterhaus auf ganz eigene Art – und sagte einfach »nix«. Er ließ seine zehnminütige Redezeit weitgehend wortlos verstreichen. »I sag nix. Ehrlich, i sag nix. Naa, also nicht