Der Ruf der Geister - Sonia Emilia Rainbow - E-Book
SONDERANGEBOT

Der Ruf der Geister E-Book

Sonia Emilia Rainbow

0,0
10,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 15,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Einzigartige Einblicke in die geheimnisvolle Welt des Schamanismus: Naturgeister, Medizinrad, Krafttierreisen – Sonia Emilia Rainbow zeichnet ihre spannende Entwicklung zur Schamanin und Heilerin nach und gibt Einblick in das uralte Wissen der Schamanen. In einer bildreichen Sprache erzählt sie von faszinierenden Erfahrungen, die sie während ihrer langjährigen Lehrzeit bei Juan Moreno gemacht hat, einem traditionellen kolumbianischen Schamanen, dem sie schicksalhaft im Alter von 17 Jahren begegnete. Praktische Schilderungen überlieferter Zeremonien helfen, Kräfte und Energien gezielt zu bündeln und diese heilsam einzusetzen.
Sonia Emilia Rainbow richtet sich mit dieser sehr persönlichen Einführung in die Welt des Schamanismus an alle, die bereit sind, sich dem spirituellen Wachstum zu widmen und ihr Herz zu öffnen, um hinter die Dinge zu sehen – an Menschen, die an der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch, Natur und Kosmos mitwirken und ihr Bewusstsein neu und zum Wohle aller ausrichten wollen. Dieser Einweihungsweg offenbart ungeahnte Kräfte aus dem Reich der Natur und zahlreiche Wunder des menschlichen Seins.

Mit vielen praktischen Anleitungen, farbigem Bildteil und schwarz-weiß-Fotos im Text.

  • Die geheimnisvolle Welt des Schamanismus entdecken
  • Eine faszinierende Mischung aus spannendem Erfahrungsbericht und praktischer Anleitung
  • Mit vielen schamanischen Techniken und Ritualen für innere Ruhe, geistige Klarheit und eine bewusste Lebensführung
  • Einzigartige Erlebnisse und Erkenntnisse der bekannten Schamanin Sonia Emilia Rainbow für alle, die ihre verborgenen Kräfte entdecken wollen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 401

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über dieses Buch:

»Aus schamanischer Sicht haben alle Menschen, die jetzt inkarniert sind, als geistige Wesen die Entscheidung getroffen, an dem großen Transformationsprozess mitzuwirken. Nicht, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen, sondern indem wir uns selbst betrachten – unsere Handlungen, unsere Worte, unsere inneren Überzeugungen.« Sonia Emilia Rainbow

Der Ruf der Geister ist eine wahre Schatzkiste für Schaman*innen und alle, die verborgenes Wissen und praktische Handlungsanweisungen für ihr Leben finden wollen. Anhand ihres eigenen schamanischen Einweihungsweges zeigt Sonia Emilia Rainbow, wie wir die Kräfte aus dem Reich der Natur nutzen und unsere innersten Energien bündeln können, um an der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch, Natur und Kosmos mitzuwirken und unser Bewusstsein neu und zum Wohle aller ausrichten. Mit vielen einzigartigen Ritualen und Techniken, u. a. auch die jahrtausendealte Heilkunst mit dem Ei.

»Dieses Buch ist ein Quell des alten Wissens und Inspiration für die Gestaltung des neuen Zeitalters, dessen Schwelle wir bereits überschritten haben.« Dr. med. Christian Kieberl

Über die Autorin:

Sonia Emilia Rainbow ist schamanische Naturheiltherapeutin und Speakerin. Seit 1980 ist sie auf dem schamanischen Medizinpfad und seit 1997 international als schamanische Lehrerin und Heilerin tätig. Viele Schamaninnen und Schamanen aus unterschiedlichen Traditionen begleiteten ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung: Die Lakota-Ojibways Medizinfrauen Henrietta BeaverWoman und TwoStarWoman, Maestra Olivia Arevalo und Maria Arevalo vom Stamme der Shibipo-Conibo im Amazonastiefland, Maria el Uevo aus Yucatan, Mexiko, sowie Juan Perez, Don Eduardo Calderon und besonders auch die Lakota-Sioux-Ältesten Singing Bird und Crow Wolf prägten ihre Berufung als schamanische Heilerin. Die Autorin ist glückliche dreifache Mutter und fünffache Großmutter und lebt in Österreich.

Weitere Informationen:

www.schamanismus.net

Sonia Emilia Rainbow

Der Ruf

der

Geister

Eine schamanische Einweihung

Die in diesem Buch vorgestellten Informationen und Empfehlungen sind nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. Dennoch übernehmen die Autorin und der Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier beschriebenen Anwendungen ergeben. Bitte nehmen Sie im Zweifelsfall bzw. bei ernsthaften Beschwerden immer professionelle Diagnose und Therapie durch ärztliche oder naturheilkundliche Hilfe in Anspruch.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 2021

Copyright © 2021 by Ansata Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.

Die Originalausgabe dieses Buchs erschien 2006 unter gleichnamigem Titel im Ibera Verlag, European University Press, Wien.

Redaktion: Sabine Zürn

Umschlaggestaltung: Guter Punkt GmbH, München

unter Verwendung eines Motivs von: Ruysen Flores, Künstler aus dem Amazonas. Instagram: @ruvexen

Text (siehe hier) aus Oriah Mountain Dreamer, »Die Einladung«: Copyright © 2000 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH Übersetzerin: Ulla Rahn-Huber

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-27740-6V002

www.Integral-Lotos-Ansata.de

www.facebook.com/Integral.Lotos.Ansata

Für meinen SohnJoel Enoch Melchizedek

Inhalt

Vorwort

1. Schamanismus und westliche Kultur

Was ist Schamanismus?

Die vielen Parallelwelten im schamanischen Weltbild

Die drei Parallelwelten des menschlichen Bewusstseins

Das schamanische Verständnis von Heilung

2. Mein Weg zur Schamanin: Erste Begegnungen mit Don Juan

3. Wie ich lernte, alte Wunden zu heilen

Die hohe Kunst der Eiheilung

Die Kraft der Steinspirale

4. Naturgeister: Die Welt der Pflanzen, Tiere und kleinen Wesen

Praxistipp: Räucherrituale mit Pflanzen und Baumharz

5. Die Medizin der Wassergeister

6. Der heilige Kreis: das Medizinrad

Praxistipp: Aufbau eines Medizinrads

Tiefe Erfahrungen einer langen Visionsnacht

7. Der Ruf zur Heilerin

8. Verbindung mit dem Reich der Toten

Tor zu den Geisterwelten in der Parapsychologie

Gabys Botschaft: Organtransplantationen

Sterben im schamanischen Kontext

Geburt in eine andere Dimension

9. Im Dschungel

10. Verbindung mit dem Ahnenreich

Praxistipp: Ritual zur Kontaktaufnahme mit Verstorbenen

11. Verbündete im Pflanzenreich

12. Schamanische Diät

13. Mein Hüter der Schwelle

14. Die Angst besiegen

15. Begegnung mit dem persönlichen Krafttier

Praxistipp: Der Weg zum Tiergeist

Illusion oder Wirklichkeit?

Nachwort

Der Blick des Mediziners

Danksagung

»Shamanic Medicine« – der Online-Kurs mit Sonia Emilia Rainbow

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mehr als vierzig Jahre ist es nun her, dass ich meinen schamanischen Weg in Begleitung von Don Juan Moreno begonnen habe. Damals war Schamanismus noch etwas, worüber in unserer christlich geprägten Kultur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde. Menschen, die sich damit beschäftigten, galten als unheimlich, ja sogar teuflisch. Als alleinerziehende Mutter auf dem Land lebend, weiß ich, was es bedeutet, wegen der kompromisslosen Hingabe an den Medizinweg eine Außenseiterin zu sein. Da durften die Nachbarskinder nicht mit meinen Kindern spielen, und meine damals kleine Tochter wurde vom Religionsunterricht ausgeschlossen.

Obwohl sich seither vieles verändert hat, findet die Hexenverfolgung noch immer statt. Erst kürzlich wollte ich in der Nähe meines Dorfes für ein Wochenende mit einer Gruppe ein katholisches Bildungshaus buchen. Das Institut selbst rühmt sich, gegenüber anderen religiösen Glaubensrichtungen offen zu sein. Dennoch bekam ich eine klare Absage mit der Begründung, meine Arbeit sei mit ihren Statuten nicht vereinbar.

Vor vier Jahrzehnten erhielt die Öffentlichkeit über einige Medienberichte einen kleinen Einblick in die Welt des Schamanismus. Dazu gehörte ein Interview mit den beiden Schamanen Don Juan und Don Eduardo Calderon. Gemeinsam saßen wir in einer Wohnung in Bad Gastein, wo sie mit dem Journalisten über ihre Visionen sprachen. Die beiden waren nicht gerade beste Freunde aus Gründen, die mir verschlossen blieben. Doch sie achteten und respektierten einander.

Beide hatte Träume, die ihnen den Weg nach Europa gewiesen hatten. Don Eduardo meinte, dass die neuen Hüterinnen der Erde aus dem europäischen Alpenraum kommen würden. Beide waren überzeugt davon, dass auch Weiße zu Schamanen werden könnten und dass es bei diesem Weg nicht um eine von Geburtsrecht vererbte Gabe gehe, sondern um die freie Entscheidung einer Person, sich selbst zu erforschen.

Sehr aufmerksam wurde ich immer, wenn das Gespräch auf die vor uns liegende Zukunft kam. Die beiden Schamanen diskutierten alte Prophezeiungen ihrer Stämme und waren der Ansicht, dass in den nächsten Jahrzehnten extreme Veränderungen auf die Menschheit und den Planeten Erde zukommen würden. Sie vertraten die Ansicht, dass es in den Parallelwelten – das sind die unsichtbaren Realitäten, die neben unserer Alltagswelt existieren – Bewusstseinsströme gebe, die zukünftige globale Ereignisse initiieren. Dies sei notwendig, um den Transformationsprozess der menschlichen Spezies in Gang zu setzen. Ihre Aufgabe sahen beide darin, Schülerinnen und Schüler auf das, was kommen wird, vorzubereiten.

Don Eduardos schamanische Arbeit wurde damals von der westlichen Wissenschaft am intensivsten untersucht. Er stand im Mittelpunkt einer aufwendigen Dokumentationsreihe, die der Wiener Filmemacher Lhotsky in den Achtzigerjahren produzierte. Soweit ich mich erinnern kann, musste der ORF die Dokumentation wegen Beschwerden der katholischen Kirche nach wenigen Folgen absetzen – heute findet man sie auf YouTube. Don Eduardo erhielt dadurch auch im deutschsprachigen Raum viele Einladungen, seine berühmten Heilzeremonien abzuhalten. Zu dieser Zeit interessierten sich vor allem Wissenschaftler und Ärzte für schamanische Techniken und Weisheiten.

Heute ist der Schamanismus modern und gesellschaftsfähig geworden und wird mit Sicherheit in der westlichen Welt genauso populär werden wie Yoga. Aus dem spirituell-geistig sehr disziplinierten, strengen Weg des Yogas wurde ein zumeist oberflächlicher Körperkult, der nur noch wenig mit den ursprünglichen traditionellen Lehren aus Indien zu tun hat. Im Feld des Schamanismus findet dasselbe statt. Jedes Jahr strömen Tausende neue »Schamaninnen« und »Schamanen« auf den Markt. Dabei wird recht großzügig mit dem Begriff und den Angeboten umgegangen. Die meisten haben lediglich ein paar Kurse besucht. Einige wenige von ihnen sind nach Südamerika geflogen, um an einem Retreat oder einer privaten Veranstaltung teilzunehmen, und kommen nach einem Monat als initiierte Schamanen zurück. Versprechen wie »Schamane in zwei Jahren« sind weitverbreitete und sehr erfolgreiche Werbestrategien. Denn heute will man so schnell wie möglich am Ziel sein, und ein »Diplom« ist doch was zum Herzeigen und Beweisen.

Eine tiefe, langjährige und fundierte Ausbildung möchte heute fast niemand mehr machen. In all den Jahrzehnten habe ich Tausende Menschen begleitet, doch nur die wenigsten waren bereit, sich wirklich in aller Tiefe und mit ihrem ganzen Sein auf den Medizinweg einzulassen und die notwendige Geduld dafür aufzubringen. Das ist der Zeitgeist und lässt sich kaum ändern. Wahrscheinlich braucht es heute andere und neue Wege der Vermittlung. Denn bis heute haben die wunderbaren Weisheiten und Methoden des traditionellen schamanischen Feldes nichts von ihrer Wirksamkeit und Gültigkeit verloren. Ganz im Gegenteil, sie schenken uns Orientierung, einen Rahmen, Halt und Vertrauen. Und dies brauchen wir heute mehr als dringend, denn moderne Techniken, Internet und Handy haben die Welt verändert.

Täglich werden wir mit Millionen von Informationen bombardiert, was unseren Verstand in große Bedrängnis bringt, da er keine Zeit mehr findet, sich zu entspannen. Dazu kommt die Zerstörung der Natur, die der Mensch immens vorangetrieben hat. Die Fläche des Regenwaldes, die grüne Lunge der Erde, verkleinert sich täglich dramatisch. Jedes Jahr werden dreizehn Millionen Hektar Wald weltweit gerodet, das ist ungefähr eineinhalbmal die Größe von Österreich. Unser luxuriöser Lebensstil ist nur durch Ausbeutung möglich. Und der Mensch scheut sich auch nicht davor, andere Menschen auszubeuten. Weil wir alles so billig wie möglich kaufen wollen, wird die Produktion in Länder ausgelagert, in denen Kinder- und Sklavenarbeit an der Tagesordnung sind und Umweltauflagen fehlen.

Dazu kam die Corona-Pandemie. Sämtliche Sicherheiten zerplatzten wie Seifenblasen. Über viele Jahre aufgebaute Existenzen wurden vernichtet. Wir konnten und durften uns nicht mehr frei bewegen. Unbeschwertes Reisen war nicht mehr möglich. Kinder wurden in Kindergärten und Schulen trainiert, einen Abstand von eineinhalb Metern zu anderen einzuhalten, niemand zu berühren und die Hände x-mal am Tag zu desinfizieren. Wochenlang durften sie ihre Spielgefährten nicht sehen. Jugendliche durften all ihren Freiheitsbedürfnissen nicht nachkommen und verloren sich in Traurigkeit und Zweifeln.

Der Flugverkehr brach ein, ebenso ging der Reiseverkehr mit dem Auto zurück. Für die Natur, die Pflanzen und Tiere war die weltweite Krise eine Chance zur Regeneration. Wir Menschen wurden auf uns selbst zurückgeworfen. Man konnte sich vielleicht ein wenig mit Netflix und digitaler Kommunikation ablenken, doch diese Situation ließ es nicht mehr zu, nur in der oberflächlichen Genusswelt zu leben. Der Mensch wurde damit konfrontiert, sich selbst und seine Handlungen zu überprüfen und bewusster zu leben.

»Es wird die Zeit kommen, in der es wichtig ist, Geheimnisse ans Licht zu bringen, um sie mit der Welt zu teilen und die Menschen in ihren Wandlungsprozessen zu unterstützen«, sagten Don Juan und Don Eduardo an dem Abend vor vierzig Jahren. Bis dahin wurden schamanische Lehren fast ausschließlich von Herz zu Herz, von Ohr zu Ohr, von Auge zu Auge weitergegeben und nur an auserwählte Schülerinnen und Schüler, die die Geduld und Hartnäckigkeit für die entsprechenden Prüfungen aufbrachten. Nun sollen dieses Wissen und die Magie an Menschen weitergegeben werden, die nicht die Möglichkeit zum Reisen oder zum Zusammenleben mit indigenen Stämmen haben.

Heute blicke ich auf vierzig Jahre schamanisches Leben und vierundzwanzig Jahre Lehrtätigkeit zurück, in denen ich international als schamanische Lehrerin und Heilerin arbeitete. Dabei hielt ich mich so gut wie möglich an die Art und Weise, wie mir persönlich das schamanische Feld eröffnet worden war – nämlich Schritt für Schritt, auf festem Fundament aufbauend. In die tieferen Schichten und Geheimnisse nahm ich Schülerinnen mit, die bereit waren, sich auf mehrjährige intensive Wege der Selbstheilung einzulassen. Lange Zeit war ich vorsichtig und behutsam mit dem, was ich weitergab.

Nun, da Schamanismus immer mehr eine oberflächliche Angelegenheit wird und ich kurz vor meiner Pensionierung stehe, bekam ich von den geistigen Welten die Botschaft, all das, was ich erfahren habe, zu teilen. In aller Tiefe. Die erste Fassung dieses Buchs erschien im Jahr 2006. Damals standen die Begegnungen mit Juan und meine Lernjahre im Mittelpunkt. Inzwischen sind fünfzehn Jahre vergangen, und ich verfüge über einen umfangreichen Erfahrungsschatz. Da kam der Wunsch meines Verlages, den Inhalt für die Neuausgabe um hundert Seiten zu erweitern, genau zur rechten Zeit. Es ist mir ein Bedürfnis, über Themen zu schreiben, die noch nicht in den x-tausend Büchern über Schamanismus zu finden sind, zum Beispiel über die uralte Tradition der schamanischen Arbeit mit dem Ei und deren Deutung. Neu hinzugekommen sind außerdem die Themen Tod und Organtransplantationen.

Die Arbeit mit dem Ei kann gerade in dieser Zeit eine tägliche wertvolle Reinigung deines Energiefeldes sein. Sie wird dir ermöglichen, den Herausforderungen des Alltags mit Klarheit und Weisheit zu begegnen. Die Pandemie hat uns eine große Ungewissheit gebracht. Wir haben vergessen, dass wir nie wissen können, was der nächste Tag bringt. Wir können alles durchplanen und uns absichern, doch schon der nächste Tag kann uns vor schwere Herausforderungen stellen. Es könnte auch unser letzter Tag sein, denn wir können jederzeit von dieser Welt abberufen werden. Es ist eines der wichtigsten schamanischen Teachings, jeden Tag so zu leben, als ob es der letzte wäre. Aus diesem Grund habe ich das Thema Tod und Sterben in das Buch aufgenommen.

Viele alte Prophezeiungen berichten über eine Wendezeit. Sie haben vorausgesagt, dass der Mensch in seiner Gier nach Materie und Ego die Natur und seine Mitmenschen ausbeuten wird. Dann werden globale Ereignisse eintreten, die den Menschen zum Umdenken und zu einem anderen Handeln zwingen. Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich, es werde einen weiteren Weltkrieg geben. In den Achtzigerjahren, der Zeit der Atommächte, wurde in den Medien immer wieder darüber spekuliert. Nun denn, Kriege sind in der Tat einige geschehen, doch sie haben immer nur einen Teil betroffen, nämlich die Menschen, die gerade darin verwickelt waren. Doch die Corona-Pandemie betraf alle Menschen und zwang uns zum Innehalten und Nachdenken.

Vom schamanischen Verständnis her haben alle Menschen, die jetzt inkarniert sind, als geistige Wesen die Entscheidung getroffen, an dem großen Transformationsprozess mitzuwirken. Dies geschieht nicht auf einer Verstandes- oder übergeordneten Meta-Ebene, sondern wir stellen uns mit unserem Körper, unserer Seele, unseren Gedanken und Gefühlen zur Verfügung. Es geht darum, all die Werte und Konditionierungen, die sich die Menschheit in den letzten Jahrtausenden aufgebaut hat, zu überprüfen. Nicht, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen, sondern indem wir uns selbst betrachten – unsere Handlungen, unsere Worte, unsere inneren Überzeugungen. Dabei sollte die Frage gestellt werden, welche der alten Traditionen und Glaubenssätze so gut und wertvoll sind, um sie weiter in die Zukunft für die nächsten sieben Generationen zu tragen, und was wir erlösen sollten. Und darin besteht deine Aufgabe. Das ist nichts, was sich in wenigen Wochen oder Monaten vollbringen lässt. Du wirst dein ganzes Leben damit beschäftigt sein. Vergiss dabei die Überzeugung, dass etwas mit dir falsch sein könnte, wenn es im Leben nicht glatt und ruhig verläuft. Nimm diesen Druck von dir.

Vor allem anderen sollten die meisten von uns eine gesunde Selbstliebe lernen. Gerade Frauen wissen oft nicht genau, was Selbstliebe eigentlich ist. Natürlich geht es nicht um Selbsterhöhung oder andere narzisstische Ausprägungen, die in der spirituellen Szene gerne zelebriert werden. Es sind die einfachen Übungen, die dich Selbstliebe lehren können. Kochst du für dich genauso liebevoll und gut wie für deine Familie? Sorgst du dich um dich selbst so, wie du dich um andere kümmerst? Kannst du für dich einstehen, ohne von der Angst vor Zurückweisung oder Liebesentzug erdrückt zu werden? Kannst du dir treu bleiben, indem du dich selbst nicht verrätst?

Wenn wir uns immer wieder in unglücklichen Beziehungen wiederfinden, wenn sich unsere Visionen und Träume nicht erfüllen, wenn wir krank werden, wenn, wenn, wenn … Das ist keine Bestrafung, sondern eine Chance. Es geht immer nur um das Wachstum der Seele, den inneren Frieden, ein guter Mensch zu sein, ohne sich ausnutzen und benutzen zu lassen, zu geben und zu schenken, ohne zu erwarten.

Die Schatten unserer Seele sind keine inneren Dämonen mehr, wenn wir diese erkennen und Wege finden, mit ihnen gemeinsam das Licht scheinen zu lassen. Jahrhundertealte Glaubenssätze lassen sich nicht einfach so durch einige Rituale erlösen. Eigentlich ist dein ganzes Leben dafür vorgesehen. Denn sich in den Dienst eines Reinigungsprozesses zu geben ist nicht nur für dich gedacht, sondern für die ganze Welt. Möglich, dass du die Früchte deiner Arbeit noch in diesem Leben ernten wirst. Möglich, dass dich deine Themen dein ganzes Leben lang begleiten werden, jedoch wirst du mit der Zeit zu einem anderen Umgang damit finden. Es wird leichter werden, die Dramatik entschärft sich. Was für dich wichtig ist: Jedes Mal, wenn du in dir destruktive und ungesunde Kräfte bereinigst und erlöst, hat dies Auswirkungen in der ganzen Welt. Denn alles, was du denkst und fühlst, bewegt sich schneller als das Licht und verbindet sich im Sinne des Resonanzgesetzes mit ähnlich schwingenden Feldern. Diese verdichten sich, je nachdem wie sie von den Menschen gefüttert werden, und es entstehen sogenannte Elementale. Das sind von Menschen erschaffene Wesenheiten, die ihren Unfug oder auch ihren Segen verströmen. »Be the Change« ist ein Slogan, der die letzten Jahre geprägt wurde. Wir müssen bei uns und in uns selbst forschen und uns zum Guten verändern. Hierfür kann das traditionelle schamanische Wissen ein gutes Werkzeug sein.

Das vor dir liegende Buch ist durchwoben von autobiografischen Erzählungen. Ich teile mit dir meine Lebensgeschichte und berichte von meinen Begegnungen mit Don Juan Moreno Perez, dem traditionellen kolumbianischen Schamanen. Ich bringe das uralte, verborgene Wissen indigener Schamaninnen und Schamanen, die Lehren und Weisheiten der Ältesten ans Licht, zum Wohle aller Menschen, die bereit sind, sich dem spirituellen Wachstum zu widmen und ihr Herz zu öffnen, um hinter die Dinge zu sehen. Und für alle, die an der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch, Natur und Kosmos mitwirken und ihr Bewusstsein neu ausrichten wollen.

Manche Kapitel sind sehr ausführlich und mit vielen Informationen versehen. Auf diese Weise möchte ich meinen in vielen Jahren erworbenen Wissensschatz an die nächste Generation weitergeben. Meine Ausführungen sollen jungen Schamaninnen und Schamanen dabei helfen, ihren eigenen Weg als Heilerin oder Heiler zu gehen, gut gerüstet mit fundiertem Wissen und voller Hingabe.

Mögen meine Worte eure Herzen berühren und euch Mut machen für die Heilung eurer Seele von allem, was ihr in dieses Leben mitgebracht habt, und für das Erwecken eures Heiligen Traumes!

Euch, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich wertvolle Inspirationen durch dieses Buch. Fühlt euch aus der Feme ein Stück weit begleitet! Mögen einander alle Menschen, alle Lebewesen in Schönheit begegnen!

In Verbundenheit

Eure

Sonia Emilia Rainbow

PS: Gendersprache

In der deutschen Sprache werden Substantive hauptsächlich in der männlichen Form geschrieben. Es ergibt für Lesende ein anderes Bild, ob ich nun Schamane oder Schamanin schreibe. Automatisch denkst du an einen Mann oder eine Frau. Deshalb habe ich mir für dieses Buch die Freiheit genommen, vornehmlich in der weiblichen Form zu schreiben. Natürlich sind die Männer ebenfalls angesprochen, so wie die Frauen in der männlichen Allgemeinform mit gemeint sind. Dennoch tut sich ein anderes Leseabenteuer auf. Manchmal bleibe ich in der männlichen Form, manchmal achte ich darauf, beide Schreibweisen zu verwenden. Ich habe mir eine künstlerische Freiheit erlaubt, so wie es gerade passend für mich schien.

Dazu mein Sohn Joel, Musiker und Sozialarbeiter: »Ich finde, dein Buch in der weiblichen Form zu schreiben ist ein sehr guter Denkanstoß für uns Männer. Vor allem für diejenigen, die sich dadurch diskriminiert fühlen. Genau diesen Männern kann ich empfehlen, ihre Rolle und die Selbstverständlichkeit ihrer männlichen Vorherrschaft in der Gesellschaft zu hinterfragen. All die anderen, die sich nicht angegriffen fühlen, haben diesen Prozess schon durchlebt.«

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst. Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du es wagst, davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den Kern deines eigenen Leids berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist oder zusammengezogen und verschlossen aus Angst vor weiterem Schmerz.Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, in meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern oder in Ordnung zu bringen.Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, mit meiner oder deiner eigenen; ob du mit Wildheit tanzen und dich bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen von Ekstase erfüllen lassen kannst, ohne dazu zu ermahnen, vorsichtig und realistisch zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählst, wahr ist.Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.Ich will wissen, ob du treu sein kannst und darum vertrauenswürdig.Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus der Gegenwart des Großen Geheimnisses entspringen lassen kannst.Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, mit deinem und meinem, und trotzdem am Ufer eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen: »JA!«

Es interessiert mich nicht, zu wissen, wo du lebst und wie viel Geld du hast.Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen, um dich um die Kinder zu kümmern.

Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie es kommt, dass du hier bist.Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, zu wissen, wo oder was oder mit wem du studiert hast.Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.Ich will wissen, ob du allein sein kannst und auch in den Momenten der Leere wirklich gerne mit dir zusammen bist.

(Oriah Mountain Dreamer)

1. Schamanismus und westliche Kultur

Die traditionellen schamanischen Wege des Wissens und der Kraft sind seit meinem 17. Lebensjahr mein Lebensinhalt. Seit 1998 bin ich als schamanische Naturheiltherapeutin selbstständig tätig und lebe meinen Heiligen Traum und meinen Dienst an den spirituellen Welten und den Menschen ohne Kompromisse. Dieser Weg ist alles andere als romantisch und mit sehr vielen Entbehrungen und Einschränkungen, vor allem im privaten Bereich, verbunden.

Leider wird in unserer Kultur dieser Weg, wie ich ihn gehe und lebe, von den meisten immer noch als Humbug oder Scharlatanerie abgetan. Es gibt sogar Bestrebungen der österreichischen Ärztekammer, schamanische und komplementärmedizinische Behandlungen verbieten zu lassen. Die Hexenverfolgung ist also noch lange nicht Geschichte.

Natürlich sollte es den Menschen vorbehalten sein, zu denken und zu glauben, was sie möchten, was für sie stimmig ist. Zumindest ist dies ein gewährleistetes Recht im österreichischen Verfassungsgesetz. Dieses Recht findest du in allen EU-Ländern. Die Realität hingegen zeigt, dass sehr eng begrenzte Vorstellungen darüber herrschen, was sein darf und was nicht. Unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unsere Religionen erlauben nur bestimmte Wahrnehmungen, Verfassungsrecht hin oder her.

Für mich war es auf der spirituellen, religiösen Ebene immer schon rätselhaft, wie das Christentum oder der Islam Spirits, Geisterwelten, Göttinnen und Götter als etwas Böses und Frevelhaftes ablehnen und gleichzeitig Engel und Heilige anbeten können. Warum lösen wir uns nicht einfach von unseren Glaubenssätzen, was spirituelle oder medizinische Wahrheit zu sein hat und was Lüge ist? Betrachten wir doch alles, was in unser Leben einwirkt, als Ressource, die uns zur Verfügung steht, um sie in die Heilung und Selbstheilungskräfte von Seele und Körper einfließen zu lassen, und zwar miteinander und nicht gegeneinander.

Das mag für die einen das Gebet sein, für die anderen eine schamanische Reise, für wieder andere Atemtechnik oder Energiearbeit oder eine der vielen alternativen Optionen, die uns in diesem Jahrhundert zur Verfügung stehen. Eine uralte Kulturtechnik anzuprangern und sie als »Humbug« zu diffamieren, nur weil sie seit der christlichen Missionierung bekämpft wird oder man sie nicht kennt, zeugt von enormer Unwissenheit und Angst. Es gibt einfach so viel mehr zwischen und hinter dem, was wir kennen und gelernt haben, und meines Erachtens tun wir gut daran, unser Bewusstsein dafür zu öffnen.

Wahrlich wäre damit allen geholfen. Aber es werden wohl noch einige Jahrzehnte ins Land ziehen, bis Rechthaberei, Neid, Profitgier und Rentabilität nicht mehr im Vordergrund stehen. Es ist höchste Zeit, dass die heiligen und medizinischen Kriege aufhören und wir ein verantwortungsvolles Miteinander leben, in Respekt und Wertschätzung.

Natürlich gibt es Menschen, die glauben, nach dem Besuch von ein paar Seminaren schon selbst Schamanin zu sein. Natürlich sind viele der Ausschreibungen im Internet abenteuerlich und entbehren jeder soliden Grundlage. Das darf jedoch niemals ein Grund sein, den Schamanismus verallgemeinernd zu verurteilen. Es gibt zahlreiche Schamaninnen und Schamanen, die durch eine jahrelange intensive Ausbildung gegangen sind und deren Arbeit profund und seriös ist. In Mittel- und Südamerika gibt es viele Krankenhäuser und Ärzte, die erfolgreich Hand in Hand mit ihnen zusammenarbeiten.

Don Juan Moreno Perez, der mich sechzehn Jahre lang intensiv in der traditionellen Form unterrichtete, brachte mich auch mit Schamaninnen und Schamanen anderer Kulturkreise in Verbindung, um meine Erfahrungen zu vertiefen. Nach meiner Lehrzeit habe ich mich all die Jahre hindurch ständig meiner persönlichen und spirituellen Weiterentwicklung – immer im Feld des traditionellen Schamanismus – gewidmet. Wenn ich darüber spreche, was Schamanismus ist und bedeutet, so sind dies meine persönlichen Erfahrungen.

Was ist Schamanismus?

Der Begriff Schamanismus bezeichnet beim Volk der Tungusen in Ostsibirien wissende Menschen. Der Begriff wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts von Reisenden geprägt, die aus Sibirien nach Europa zurückgekommen sind. Er hat sich in der Zwischenzeit über die ganze Welt verbreitet. In Nord-, Mittel- und Südamerika werden die Bezeichnungen »Schamanin« oder »Schamane« jedoch nach wie vor nicht gern gehört, und manche indigenen Völker lehnen den Begriff völlig ab. Auch die Bezeichnungen »Medizinfrau« oder »Medizinmann« werden nicht gern verwendet. Jedes indigene Volk hat seine eigene Bezeichnung für das, was eine Schamanin ausmacht. Sie sind Heilerinnen, Priesterinnen, Kräuterkundige, Magierinnen, Sozialarbeiterinnen, Psychologinnen und vieles mehr. Sie verstehen sich als spirituelle Heilende und Lehrende.

Es gibt verschiedene Formen schamanischer Traditionen. In der einfachen Erscheinungsweise des Schamanismus wird viel mit Angst gearbeitet. Das Böse und Schlechte im Außen wird durch schwarze Magie und Verhexungen bekämpft.

Im bewussten und höher entwickelten Schamanismus hingegen bringt die Natur selbst nichts Schlechtes oder Negatives hervor. Wir Menschen sind leuchtende Wesen, und die vermeintlichen Dämonen sind die Schattenaspekte unserer Seele, die gesehen werden möchten, umarmt und transformiert in positive Kräfte.

Im Schamanismus indigener Kulturen weicht die Weltsicht in den lokalen Überlieferungen und Erzählungen oft voneinander ab. Bei näherer Betrachtung entdeckt man jedoch einen gemeinsamen Kern, der alle Traditionen miteinander verbindet und ihre Basis bildet. Und diese Basis, verbunden mit meinen eigenen Erfahrungen, möchte ich mit euch teilen.

Schamanismus ist wohl die älteste bekannte ganzheitliche Heilkunde. Die schamanische Heilkunst entstand aus der Erfahrung, dass jede Krankheit ein Spiegel für eine Disharmonie zwischen den Menschen, der Natur und dem Kosmos ist. Der Schamanismus nutzt den Erfahrungsschatz vieler Generationen, um die Heilkräfte der Elemente, der Natur und des Kosmos wahrzunehmen, zu verstehen und anzuwenden. Im schamanischen Weltbild ist alles belebt und beseelt.

In der schamanischen Arbeit wird grundsätzlich mit dem Spirit und der Seele dieser Kräfte gearbeitet. Mit Spirits sind jene unsichtbaren Schöpferintelligenzen gemeint, die jeder Pflanze, jedem Tier, den Steinen, den Elementen, den kosmischen Welten, ja auch den Atomen innewohnen. Schamaninnen wissen um diesen Geist in allen Dingen. Sie wissen, dass alles miteinander verbunden ist, sich gegenseitig unterstützt und auch Wechselwirkungen hat. Die Schamanin ist eine Wanderin zwischen den Welten. Die Spirits sind ihre Verbündeten und Helferinnen. Die Schamanin kann mit ihrer Hilfe in andere Wirklichkeiten reisen, von dort Botschaften erhalten und heilende Kräfte der spirituellen Ebenen in die körperliche/materielle Welt transportieren.

Für Schamaninnen ist der Raum zwischen Menschen oder Dingen und auch der leere Raum kein durchsichtiges Nichts, kein Vakuum. Dieser Raum ist belebt von Energie. Und hinter jeder Energie steht eine Wesenheit, eine Seele, auch wenn wir sie nicht mit unseren Augen sehen können. Wir wissen ja, dass physische Materie nicht fest ist, sondern sich aus Atomen zusammensetzt, die ihrerseits auch nicht aus fester Masse bestehen, sondern aus Elektronen, die um den Atomkern kreisen. Besonders spannend ist, dass jedes Atom 99,9 Prozent Hohlraum – also Leere – hat. Das ist messbar. Doch was in dieser Leere ist und wie diese wirkt, das haben wir noch nicht herausgefunden.

Der Raum im Inneren und dazwischen kann erfahren werden. Hier können Schamaninnen wahrnehmen, was andere nicht zu sehen vermögen. Es ist eine Erweiterung des Bewusstseins auf nicht physische Welten und Dimensionen. Die Aufgabe der Schamanin ist es, die Welt der Spirits, der inneren und äußeren Räume, mit der körperlichen, der psychischen und der mentalen Welt in Einklang zu bringen.

Im schamanischen Sinne gibt es weder Gut noch Böse. Alles ist neutral. Nur wenn irgendwo ein Defizit oder ein Überschuss an Energie herrscht oder wenn etwas einen Platz eingenommen hat, wo es nicht hingehört, muss es wieder in ein harmonisches Gleichgewicht gebracht werden. Im schamanischen Heilprozess lernen wir Quellen der Kraft kennen, die dazu beitragen, Gleichgewichtsstörungen der Seele aufzulösen und Unstimmigkeiten des Körpers zu bereinigen. Die Balance von Körper, Geist und Seele aktiviert die Selbstheilkräfte des Organismus.

Die vielen Parallelwelten im schamanischen Weltbild

Im Schamanismus existieren gleichzeitig zu unserer Alltagswelt viele Parallelwelten. Die Alltagsrealität ist die Ebene, in der wir sehen, fühlen, hören, aus der heraus wir agieren und reagieren und täglich Entscheidungen treffen, die unsere menschliche Existenz ermöglichen.

Träume

Zu den Parallelwelten zählt die Kraft und Magie von Tag- und Nachtträumen. Tagträume sind unter anderem die bewusste Visualisierung von inneren Bildern, Gedanken und Gefühlen. Wir wissen, dass Gedanken und Emotionen reine Energie sind, die sich schneller als die Lichtgeschwindigkeit vorwärtsbewegt. Im Sinne des Resonanzgesetzes verbindet sich nun exakt diese Energie mit ähnlich schwingender Energie. Ein Feld bildet sich, das sich immer mehr verdichtet, bis Materie daraus entsteht. Formen wir also in unseren Gedanken eine Absicht, ergänzen diese mit positiven Gefühlen und fokussieren sie stark genug, so können wir diese inneren Bilder in unsere Wirklichkeit träumen.

Spirituelle Seele

Eine weitere Parallelwelt ist die Verbindung mit unserer spirituellen Seele. Das ist der Seelenaspekt in uns, der uns erlaubt, die Welt und unser Leben aus höheren Perspektiven in Ruhe zu betrachten. Die eigenen Emotionen und Gedanken sind zwar immer noch in unserem Bewusstsein vorhanden, aber wir sind in der Lage, ihnen mit einer gesunden Distanz zu begegnen, den Blick zu erweitern und hinter und zwischen die Dinge zu sehen.

Anderswelt

Die Schöpfung, unser wunderbarer Blauer Planet, sowie alles, was hier auf der Erde ist und existiert, ist nichts als pure Energie. Diese Energie ist geordnet, organisiert und strukturiert, und so kann Materie entstehen. Jenseits dessen, was wir sehen können, existiert das, was manche als »Anderswelt« bezeichnen. Denn jegliche Form von Energie beherbergt in sich Seelenpräsenzen, die als Spirits bezeichnet werden. Die Verbindung und Kommunikation mit diesen Wesenheiten ist eine weitere Parallelwelt, die ununterbrochen auf die Materie und unser Leben einwirkt.

Don Juan zufolge soll es sieben mal sieben Parallelwelten geben, wobei uns Menschen lediglich sieben bis vierzehn zugänglich sind. Nur einige wenige können nach jahrzehntelangem Training eventuell weitere Parallelwelten erreichen.

Die drei Parallelwelten des menschlichen Bewusstseins

Im westlichen Schamanismus haben sich Trommelreisen für die Kommunikation mit den Geistern etabliert. Gearbeitet wird mit dem Konzept der Ober-, Mittel- und Unterwelt. Es geht zurück auf den US-amerikanischen Anthropologen Michael Harner (1929–2018), der bei verschiedenen indigenen Stämmen gelebt und geforscht hat, um auf der Grundlage dieser Erfahrungen ein eigenes Schamanismus-Konzept für die moderne Kultur des Westens zu entwickeln. Seine Intention war es, grundlegende Praktiken und Rituale zu übernehmen und anzuwenden, um sie zu bewahren und die schamanische Heilarbeit allgemein bekannt zu machen. Dabei achtete er bewusst darauf, heilige Zeremonien, die eine langjährige Ausbildung erfordern, ebenso wie Rituale, die für das jeweilige Volk einen tiefen religiösen, spirituellen Aspekt in sich tragen, nicht in seine Arbeit aufzunehmen. Ich empfinde tiefen Respekt für diesen Mann.

Die Vorstellung, dass die schamanische Welt aus der Unter-, Mittel- und Oberwelt besteht, finden wir vor allem im sibirischem Schamanismus. Bei den indigenen Völkern im süd-, mittel- oder nordamerikanischen Raum sind die Weltbilder noch um einiges vielschichtiger und komplexer. Die untere Welt steht für das Unterbewusstsein, die mittlere Welt für das spirituelle Bewusstsein und die obere Welt für das kosmische Bewusstsein.

Untere Welt – Unterbewusstsein

Das Unterbewusstsein ist eine Ebene unserer Seele, auf die wir normalerweise keinen Zugriff haben. Hier sind Erinnerungen und Erfahrungen gespeichert, die nicht aktiv in unserem Bewusstsein sind und dennoch wirken, zum Beispiel automatisch ausgeführte Tätigkeiten. Ist es dir auch schon passiert, dass du mit dem Auto gefahren bist und das Ziel erreicht hast, ohne dich bewusst und aufmerksam der Fahrt zu widmen? Dein Unterbewusstsein hat für dich die Autofahrt übernommen. Dasselbe geschieht bei vielen unserer täglichen Handlungen. Oder betrachten wir Körperfunktionen, wie das Atmen, Sehen, Hören, Bewegen, ganz abgesehen von der unglaublichen Leistung unseres Körpers in jeder Sekunde, damit wir leben können. Etwa neunzig Prozent unserer Körperfunktionen und Handlungen sollen dem Unterbewusstsein entspringen. Es speichert Gewohnheiten und integriert diese in die alltäglichen Verhaltensweisen.

Bis zu 100000 Informationen in der Sekunde (!) soll das Unterbewusstsein aufnehmen und verarbeiten können. Unser Gehirn sortiert alles, was auf uns einströmt, in brauchbar und unbrauchbar. Das Brauchbare nehmen wir bewusst wahr, das Unbrauchbare wandert in das Unterbewusstsein. Welche Fülle an Informationen dort vergraben ist, können wir kaum erahnen. Unser Unterbewusstsein ist mit dem Feld des kollektiven Bewusstseins verbunden, in dem alle Erfahrungen, Gedanken und Emotionen der Menschheit aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft gespeichert sind.

Wenn Menschen sich auf den persönlichen schamanischen Medizinweg begeben, so wird als Erstes ihre persönliche Kraft gestärkt und zentriert. In Verbindung mit der Vorstellung, bei der Suche nach einem Krafttier über einen Eingang in das Innere der Erde in den Bereich der Tiergeister zu gelangen, tauchen wir dabei gleichzeitig tief in unser Unterbewusstsein ein. Denn hier sind das Wissen und die Magie um unsere spirituellen Verbündeten der Erde beheimatet.

Im Unterbewusstsein wirken jedoch auch viele verdrängte und unerwünschte Erfahrungen, Gedanken und Gefühle, Konditionierungen und Glaubenssätze, mit denen wir aufgewachsen sind. Sie beeinflussen im Hintergrund unsere Worte und Handlungen.

In der schamanischen Unterweltreise spüren wir mit Unterstützung des Krafttiers und der Pflanzenverbündeten auf, was uns nicht guttut und was wir verabschieden sollten. Hier können wir unseren eigenen Schattenseiten geschützt begegnen, diese umarmen und dadurch den leuchtenden göttlichen Funken entflammen, der in allem, was ist, vorhanden ist. Alles ist ein Teil der Schöpferkraft und somit auch mit dem Licht verbunden. Und es ist eine nie endende Mission, unsere Seelenkräfte in das Gute, Schöne, Positive, Friedliche und in die Kraft der Liebe zu transformieren.

Mittlere Welt – Bewusstsein und erweitertes Bewusstsein

Die Mittelwelt ist der Lebensraum der Menschen, Pflanzen, Tiere, Steine und Elemente. Hier finden wir die Astralebene der materiellen Welt. Das ist ein Teil unserer Welt, der sehr feinstofflich schwingt und die Anderswelt beherbergt. Auch Landschaften haben einen Astralkörper. Bei einer schamanischen Reise stellt man sich bildlich vor, dass man sich genau an dem Ort zu einer Reise in die Mittelwelt aufmacht, an dem man sich in diesem Moment befindet.

In der Mittelwelt finden wir die Spirits der Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft. Das sind unter anderem Salamander und Drachen, Zwerge und Kobolde, Nixen und Wassermänner, Sylphen und Elfen. Auch mystische Orte wie Shambala, Atlantis oder Avalon können über die Mittelweltreise besucht werden. Im Amazonas wird diese Form der Reise immer noch angewendet, um Orte oder eine Situation auszukundschaften. Werden Personen vermisst oder ist eine Heilung aus der Ferne nötig, können diese Aufgaben mithilfe des Bewusstseins und das Eintreten in die mittlere Welt vollbracht werden.

Unser Bewusstsein hat unbegrenzte Möglichkeiten. Neben dem begrenzten Alltagsbewusstsein gibt es das erweiterte Bewusstsein. Schamaninnen erreichen diesen Zustand ohne die Unterstützung psychoaktiver Substanzen. Jede hat ihre eigenen Zugangsmöglichkeiten. Monotone Musik, etwa der gleichmäßige Trommelschlag oder das Rasseln, verändert unsere Hirnfrequenz und lässt uns mehr sehen, hören, fühlen, riechen bis hin zu anders sehen, wenn sich die Tore zu den Anderswelten öffnen. Auch Meditationen, das langsame Wandern in der Natur, ein prasselndes Feuer, ein fließender Bach oder die Wellen des Meeres tragen dazu bei, die Grenzen des Bewusstseins zu erweitern. Die damit verbundene Entschleunigung bewirkt das Loslassen der vielen Gedanken und Gefühle. Die Natur beruhigt und entspannt unsere Körperzellen.

Wir Menschen haben neben unserem materiellen Körper auch einen spirituellen Körper. Es wäre gut, wenn diese beiden Körperebenen miteinander in Balance wären, aber das ist wohl bei kaum jemandem der Fall. Normalerweise ist der spirituelle Körper – der auch Nagual genannt wird – verkümmert. Wenn wir nun bewusst in die Entspannung kommen, sei es über die Natur, den Atem, Körperübungen, Meditationen oder andere spirituelle Praktiken, dehnt und erweitert sich der verkümmerte Nagualkörper. Wir können dies durch eine tiefe innere Ruhe und ein Gefühl des Friedens spüren. Wir nehmen alles wahr, was in unserem Leben ist, aber mit einer inneren Distanz. Wir sind in einem veränderten Bewusstsein.

Durch traumatische Erfahrungen können sich Anteile der Seele aus dem Körper lösen. In der Psychologie nennt man dieses Phänomen »dissoziative Störung«. Die Seelenanteile lösen sich nicht auf oder verschwinden einfach. Aus schamanischer Sicht halten sie sich in der Astralwelt auf und können aus dieser wieder in den Körper zurückgebracht werden. Manchmal ist es für einen Prozess der Selbstheilung notwendig, in die Vergangenheit bzw. zu einem früheren Leben zu reisen. Traumatische Erfahrungen einer vergangenen Inkarnation können zu Blockaden und Krankheiten in diesem Leben führen.

Die Astralebene der Mittelwelt ermöglicht es, in die Vergangenheit und Zukunft zu sehen. Auf diese Weise kommt es zu Prophezeiungen aus der Mittelwelt.

Obere Welt – kosmisches Bewusstsein

In der Oberwelt befindet sich das kosmische Bewusstsein, in dem wir vollkommen mit unserer spirituellen Seele verbunden sind. Tiefe spirituelle Erfahrungen, Erleuchtungserlebnisse und das absolute Einssein mit der Schöpfung erleben wir hier als einzigartige mystische Erfahrungen. Sind wir in diesem Bewusstsein, so fühlen wir absoluten Frieden und unendliche Liebe. Wir wissen, dass wir eingebunden sind in einen göttlichen Plan. Der Heilige Traum in unserem Herzen ist der Grund unserer Inkarnation auf der Erde.

Hier sind die kosmischen Geister zu Hause, Engel, Göttinnen und Götter. Zudem wirken hier die Intelligenzen und Wesenheiten der verschiedenen Planeten, Sterne, Sonnen und Monde. Auch Verstorbenen, unseren Ahninnen und Ahnen, begegnen wir hier. Manche Seelen wandern zwischen Mittel- und Oberwelt hin und her. In der schamanischen Reise wird entweder ein Baum oder eine Spiraltreppe in den Himmel visualisiert, über die wir die Oberwelt betreten können. So wird auch die Kommunikation mit Verstorbenen auf dieser Ebene durchgeführt.

In Heilzeremonien werden die kosmischen Geister herbeigebeten, damit sie die heilenden Kräfte des Lichts in den Körper leiten. Im schamanischen Verständnis werden wir unser ganzes Leben lang von himmlischen Kräften begleitet, geführt und beschützt. Wir kommen alle aus einer der unendlichen Dichten und Weiten des Universums. Diese Verbindung bleibt auch während unseres Erdenlebens bestehen. Durch eine Oberwelt-Reise können wir herausfinden, woher wir kommen, wer wir sind und was unsere Mission hier auf der Erde ist.

Das schamanische Verständnis von Heilung

Die Hauptaufgabe einer Schamanin besteht darin, spirituelle Voraussetzungen für die Genesung ihrer Klienten zu schaffen. Die Schamanin arbeitet nie in erster Linie körperlich und auch nicht psychologisch, sondern spirituell. Sie stellt sich in der Heilarbeit als Vermittlerin spiritueller und energetischer Heilkräfte zur Verfügung und bittet ihre Spirits um Unterstützung. Nicht sie ist die Heilende, sondern höhere Kräfte, die durch ihre Vermittlung in den Körper der Klienten einfließen und die Selbstheilung aktivieren.

Die Pflanzen – als älteste Kinder der Erde – geben uns Nahrung, Kleidung, Schutz und Heilung. Sie sind wichtige Lehrkräfte einer Schamanin. Jahrelange spezielle Disziplinen und Pflanzendiäten sind vor allem im traditionellen Medizinweg ein Pfad, um von ihnen zu lernen.

Übertragung von spirituellen Kräften

Es gibt es vielfältige Möglichkeiten, die spirituellen Kräfte zu übertragen, um die Selbstheilungskräfte der Klienten zu unterstützen und zu aktivieren, wie ich an folgendem Beispiel darstellen möchte:

Die Schamanin erhält die Information, dass eine bestimmte Pflanze den Prozess eines Klienten unterstützt. Die Heilkraft dieser Pflanze kann nun auf verschiedene Arten übertragen werden:Die Schamanin unternimmt eine Reise in die nicht alltägliche Wirklichkeit und besucht das spirituelle Energiefeld der Pflanze. Mithilfe ihrer Spirits transportiert sie deren reinigende und heilende Kräfte aus der spirituellen Wirklichkeit (»Nagual«) in die alltägliche Wirklichkeit (»Tonal«). Zurück von dieser Reise, wird sie die Kraft der Pflanze einblasen, einrasseln, eintrommeln, über die Hände einleiten, über einen Gesang einschwingen.Die Schamanin nimmt die Pflanze persönlich ein – als Tee oder indem sie ein Blatt kaut –, um die Information der Pflanze über die Schleimhäute aufzunehmen und die reinigende und heilende Wirkung auf den Klienten zu übertragen.Die Pflanze wird vom Klienten selbst eingenommen.

Dies kann durchaus eine Pflanze sein, die keinerlei Wirkstoffe beinhaltet, die im klassischen Sinne auf die Krankheit des Klienten aber positiv einwirkt. Die Pflanze wird gewählt, weil sie zu den Pflanzengeistern gehört, mit deren spiritueller Energie die Schamanin persönlich gut zusammenarbeitet. In meinem Fall sind das neben anderen Pflanzen zum Beispiel die Mistel und der Frauenmantel. Ich bezeichne diese Pflanzen als meine persönlichen Verbündeten. Die Kraft in diesen Pflanzen liegt nicht in krankheitsspezifischen Stoffen, sondern sie sind Träger der heilenden Kräfte meiner Verbindung in die Anderswelten. Welche Vorgehensweise ich wähle, teilen mir ihre Spirits mit.

Heilen von spirituellen Feldern

Nach schamanischer Vorstellung hat jeder Mensch auf der körperlichen, der psychischen und der mentalen Ebene verschiedene Kräfte und Energien, die Verbindungstore in die spirituellen Nagualwelten bilden. So hat jeder Mensch beispielsweise ein Krafttier. Es repräsentiert eine Medizin und eine Energiefrequenz, die heilend, stärkend und unterstützend unser Leben begleitet. Vernachlässigen wir unseren Körper, unsere Psyche oder unseren Geist durch Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Fehlernährung, mangelnde Bewegung, durch Phlegma oder negative Gefühle, wird sich unser Krafttier nicht mehr bei uns wohlfühlen und unser Energiefeld verlassen. Dadurch entsteht ein Defizit, das in der Folge mit einer Energie besetzt wird, die nicht dorthin gehört. Schwäche, Erkrankungen und Beschwerden entstehen. Wenn wir nicht auf uns selbst achten, verlassen uns auch andere spirituelle Energien und Kräfte.

Schwere Schicksalsschläge, Liebeskummer, Traumen und Stress hingegen können im schamanischen Heilkonzept zur Flucht von Seelenanteilen führen. Auch dadurch entsteht im Seelenfeld ein Vakuum. Eine Schamanin kann nun mithilfe ihrer Krafttiere und Verbündeten die verlorenen Kräfte und Energien wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückführen.

Die Selbstheilungskräfte stärken

Eine Schamanin kann keine fachspezifische ärztliche Betreuung ersetzen. Aber Schamanismus kann helfen, einen Selbstheilungsprozess in Gang zu setzen, der sich auf einer spirituellen Ebene abspielt und sich in den psychischen und körperlichen Energiefeldern der Patienten manifestiert. Schamanische Heilarbeit erfordert sicherlich, die Grenzen unseres westlichen Denkens zu überschreiten. Die Wirksamkeit dieser Arbeit spricht jedoch für sich.

Im Medizinstudium lernt man wenig über Pflanzen und Naturheilmittel. Es wird angenommen, dass sie nicht wirken. Zu begrüßen ist, dass sich wenigstens die Homöopathie etwas durchsetzen konnte und von vielen Ärzten in ihr Behandlungskonzept eingewoben wird. Gerade bei Kindern wird dies gut akzeptiert. Doch wie wirkt Homöopathie? In den Kügelchen und Tropfen, die ja auch lediglich Trägersubstanzen sind, ist nichts von der ursprünglichen Pflanze nachweisbar. Und je höher eine Potenz der homöopathischen Mittel ist, umso wirksamer ist sie, sagen die Menschen, die damit arbeiten. So wird zum Beispiel bei C 200 – einer Hochpotenz – die ursprüngliche Extraktion der Pflanze 200-mal um das Hundertfache verdünnt.

Viele Gegner der Homöopathie denken, die Wirkung beruhe auf einem Placebo-Effekt. Es gibt jedoch viele Studien, die die Wirksamkeit homöopathischer Mittel auch in hohen Verdünnungen nachweisen. Beispielsweise konnten sich Kaulquappen, denen die Schilddrüsen entfernt wurden, mithilfe homöopathischer Mittel trotzdem zu Fröschen entwickeln. Ohne Behandlung wäre das nicht möglich gewesen. Beim Menschen mag es sich da ein wenig anders verhalten, denn hier kommen der Gedanke und die Emotion, also die Absicht und der Glaube, hinzu.

Es gibt viele Forschungen im schulmedizinischen Bereich, bei denen einer Probandengruppe ein Medikament, einer anderen Gruppe lediglich ein Placebo verabreicht oder sogar eine Operation vorgetäuscht wird. Die Ergebnisse sind verblüffend. Die Menschen mit Placebo hatten teilweise höhere Heilungschancen als die Gruppe, die nach herkömmlichen Methoden behandelt wurde.

Und das, meine Lieben, ist schon schamanische Arbeit: die Ausrichtung auf die Heilung, der Glaube daran, der ja bekanntlich auch durchaus mal Berge versetzen kann. Allein das Lesen des Beipackzettels eines homöopathischen Präparats oder das Bewusstsein, eine bestimmte Pflanze einzunehmen, lässt uns die Verbindung mit der Seele der Pflanze aufnehmen. Hinzu kommen Dankbarkeit, Freude und Hoffnung, dass das Leiden gelindert wird.

Ich persönlich trenne nicht strikt zwischen der westlichen Schulmedizin und ganzheitlicher Naturheiltherapie. Gerade in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, dass wir all unser Wissen und unsere Ressourcen zusammenführen und einen gemeinsamen Weg finden, der sich bewusst von der Ausbeutung von Natur, Tier und Mensch entfernt. Egal, ob dies nun in der Schulmedizin oder in der Komplementärmedizin der Fall ist, in der ja ebenfalls Tierversuche durchgeführt werden.

Welches Glück haben wir, in Mitteleuropa zu leben und eine sehr gute medizinische Versorgung genießen zu können. Im Bereich der Chirurgie kann eine Schamanin wenig bis gar nichts ausrichten. Eine gute Schamanin kennt ihre Grenzen und weiß, in welchen Fällen schamanische Arbeit nicht weiterführt. Sie wird ihren Klienten dann anraten, sich ärztlich beraten und therapieren zu lassen.

Wie gesegnet sind wir, all dieses Wissen und kompetente Menschen zur Verfügung zu haben. Das Medizinstudium ist hart und herausfordernd, mit wenig Verdienst in den Anfangsjahren, aber unzähligen Überstunden. Und die Mediziner vertreten das, was sie gelernt haben, auch wenn die Studieninhalte teilweise modernisiert gehören. Jedoch bin ich Optimistin. Ich glaube an das Beste im Menschen, weiß und sehe auch viele Veränderungen in diesem Bereich, zum Wohle aller. Auf jedem meiner Seminare sind auch Schulmediziner dabei, um mehr über das alte Wissen der Schamanen zu erfahren und zu lernen, vor allem aus der jüngeren Generation. Aber auch berufserfahrene Ärztinnen und Ärzte im höheren Alter finden sich immer wieder ein, um sich Inspirationen zu holen und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu erweitern. Für mich ist dies ebenfalls wunderbar, da ich um Rat und Unterstützung bitten darf und der Erfahrungsaustausch sehr spannend und informativ ist.

Die Zusammenarbeit zwischen westlicher Medizin und Naturheilmethoden erachte ich als wichtig und zukunftsweisend für unser Überleben als Menschen hier auf der Erde.

1: Sonia heute, Bregenzerwald

2. Mein Weg zur Schamanin: Erste Begegnungen mit Don Juan

Die Erde ist für diejenigen, die ein Leben führen,das stets offen für die Lehren der Schöpfung ist, ein magischer Ort und der Ursprung unerschöpflichen Staunens.

(SUN BEAR und WABUN)

Ich bin in Vorarlberg aufgewachsen, einem Gebiet in den Voralpen, das reich an Wäldern, Quellen, Blumen und Tieren ist. Den Sommer verbrachte ich am liebsten auf einer der unzähligen Almen. Vor allem im Bregenzer Wald fühlte ich mich seit jeher besonders wohl.

Während eines dieser sommerlichen Aufenthalte – ich war damals siebzehn Jahre alt – war ich abends wieder einmal unterwegs, um frische Milch für meine Familie zu holen. Dafür musste ich etwa einen Kilometer bis zu einer bewirtschafteten Nachbaralpe gehen. Ich liebte diese abendlichen Spaziergänge, wenn die Vögel den Sonnenuntergang besangen und das Abendrot die Berggipfel im berühmten Alpenglühen eindrucksvoll aufleuchten ließ.

Der Senn war noch beim Melken, und so setzte ich mich auf eine kleine Bank vor dem Stall und genoss die Schönheit der Abendstimmung. Plötzlich sah ich jemanden mit langem, schwarzem Haar auf die Hütte zukommen. Neugierig beobachtete ich den Mann, etwa Ende dreißig, dunkelhäutig mit indianischen Gesichtszügen; seine exotische Erscheinung weckte mein Interesse.

Er kam auf mich zu und fragte mich in gebrochenem Deutsch, ob ich aus der Gegend stamme. Ich bejahte. »Ich suche hier in der Nähe einen Platz an einem Gewässer, wo es laichende Fische, viele Tiere und seltene Blumen gibt«, sagte er. Es wurde immer interessanter.

»Ich kenne mich hier ganz gut aus«, antwortete ich, »aber auf solche Dinge habe ich noch nie geachtet. Darf ich fragen, warum Sie das so genau wissen wollen?«

»Ich bin das, was ihr einen Schamanen nennt«, sagte er, »und ich suche diesen Platz, um ein Fruchtbarkeitsritual durchzuführen.«

Schamane war das Stichwort, dem von nun an meine volle Aufmerksamkeit galt. Seit Monaten standen die Bücher von Carlos Castaneda auf den Bestsellerlisten. Ich hatte sie, angeregt von meinen Cousinen, verschlungen. Auch wenn ich zugegebenermaßen eigentlich nur den ersten Band wirklich verstanden hatte. Was Castaneda da beschrieb, hatte in mir ein Gefühl von Vertrautheit ausgelöst. Und nun stand tatsächlich ein Schamane vor mir!

»Und was machst du hier in den Bergen?«, wollte er wissen. »Ich hole Milch«, stammelte ich, »und wohne in der Hütte dort drüben.« Ich wies mit einer Handbewegung nach links. »Dann haben wir einen gemeinsamen Heimweg, ich möchte dich einladen, ein Stückchen gemeinsam mit mir zu gehen«, sagte er freundlich.

Aus diesem kleinen Stückchen wurden insgesamt sechzehn Jahre.