Der Rummelplatzkater vom Öcher Bend - Elke Haut - E-Book

Der Rummelplatzkater vom Öcher Bend E-Book

Elke Haut

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Beschreibung

Der Öcher Bend gehört keinem allein und tagtäglich erkämpfen sich die Katzen rund um den Rummelplatz die Vorherrschaft in den Straßen. Ein fremder Kater wie Cervantes ist hier im Nachteil, denn anders als Kühlwetter und Henrici steht er in der Rangordnung der Katzen ganz unten. Die Berechtigung für einen längeren Aufenthalt kann ihm nur der König des Bendplatzes gewähren: Kater Süsterfeld. Als dieser aber von der Katzenhilfe eingefangen wird, steht die Welt der Katzen Kopf und es kommt zu ausufernden Machtkämpfen und Verwicklungen. Währenddessen sieht sich Süsterfeld mit ganz anderen Problemen konfrontiert: Soll er sich auf sein neues, behagliches Leben bei einer Schriftstellerin einlassen oder zu seinem Katzenvolk zurückkehren?

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Elke Haut

Der Rummelplatzkater vom Öcher Bend

Der Rummelplatzkater

vom Öcher Bend

Elke Haut

Impressum

1. Auflage 2019

© Eifeler Literaturverlag

In der Verlagsgruppe Mainz

Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germany

Eifeler Literaturverlag

Verlagsgruppe Mainz

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.eifeler-literaturverlag.de

Gestaltung, Druck und Vertrieb:

Druck & Verlagshaus Mainz

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.verlag-mainz.de

Abbildungsnachweis (Umschlag):

https://www.needpix.com/photo/download/506769/cat-light-painting-mainecoon-cats-eyes-animal-portrait-cat-portrait-silhouette-cats-silhouette-face

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:TakeOffAchen.JPG

Druckbuck:

ISBN-10: 3-96123-001-3

ISBN-13: 978-3-96123-001-3

E-Book:

ISBN-10: 3-96123-011-0

ISBN-13: 978-3-96123-011-2

Kleine Prosa poetischer Gedanken

Spätestens nach dem Lesen dieser Story weiß man, dass Katzen denken können, sogar eine Seele besitzen. Soweit stehen sie den Hunden in nichts nach, denen wir schon längst Intelligenz und Gefühl zuerkennen.

Einen gemeinsamen Vorteil dem Menschen gegenüber besitzen beide: Während ein Kleinkind noch emotional und instinktiv reagiert, diese Fähigkeit aber beim Älterwerden schnell verliert, bleibt Tieren ein Leben lang der Instinkt erhalten.

Katzen und Hunde würden sich schon verstehen, wenn nicht gerade ihre beiden besten Eigenschaften, auch gleichzeitig das Aus ihrer Beziehung bedeuten könnten.

Anhänglichkeit und Treue stehen nun einmal in Konkurrenz zum Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und sie sollten nicht als Fehlverhalten beider interpretiert werden.

Auch gibt es benachbarte Katzen und Hunde, die sich allmorgendlich freundlich schmusend begrüßen und zu einem gemeinsamen Spaziergang verabreden.

Früher dachte ich, dass das Schnurren einer Katze allein ihr Wohlbehagen ausdrückt. Mittlerweile weiß ich es besser: Immer, wenn eine Katze in meiner Gegenwart schnurrt, will sie mir etwas erzählen. Sie möchte mich an ihrem bewegten Leben teilhaben lassen.

Hauptprotagonisten:

Kater Süsterfeld, König vom Bendplatz (später: Balu)

Merkmale: pechschwarz, mäßig aktiv, grüne Augen

Kater Kühlwetter

Merkmale: grauweiß-getigert, lange Nase, Narben am Ohr, Einzelgänger, bernsteinfarbene Augen

Kater Henrici

Merkmale: Chocolate-Schildpatt, kupferfarbene Augen

Kater Cervantes

Merkmale: rotblond-getigert, weißer Latz, weiße Glacéhandschuhe, braune Augen

Katze alte Lady

Merkmale: silbergrau, zart-weiße Gesichtszeichnung, smaragdgrüne Augen

Katze Facey, Agentin aus der Süsterfeldstraße

Merkmale: schwarz, Gesicht und Halskrause weiß, schwarzer Fleck auf der Nase, graue Augen

Katzen Mucki und Strolchi (zwei Pummelchen)

Merkmale: schwarz-weiß getigert, blaue runde Augen

Hahn Jokri

Merkmale: buntes Gefieder, scharfer Schnabel, allwissend

Ebenfalls beteiligt: Ratte Selma, Schäferhund Alex, Sancho, eine Schriftstellerin, ein Professor und Tochter Elise, sowie Mitarbeiter der Katzenhilfe Aachen e.V. und andere.

So ein Angeber! Nur weil er aus Richtung Merowingerstraße kommt, kann er sich doch nicht einbilden, etwas Besseres zu sein. Da hatte Kühlwetter schon ganz andere blonde Jungs gesehen, die ihm alle nicht imponieren konnten. Mit dem Streuner wird er sich bestimmt nicht den gutriechenden Bratfisch teilen, der jetzt vor seiner Nase liegt.

Hm, es war oft noch sehr geschmackvoll, was alles in den Müllcontainern landete. Heran kam man allerdings nur, wenn diese übervoll waren und offenstanden. Da genügte schon ein kleiner Spalt, und in der Hauptsaison von Veranstaltungen gingen die großen Deckel nie ganz zu. War man clever, ließ es sich am Bend das Jahr über gut leben, ausgenommen vielleicht in den Wintermonaten.

Den leckeren Rest eines Fischbrötchens fand Kühlwetter allerdings neben der Tonne liegend und deshalb, eben weil der Seelachs so einladend roch, kam es zu einem Zusammenstoß mit dem Merowinger. Zudem erkannte Kühlwetter viel zu spät, dass er auch noch seine Lieblingsspeise übersehen hatte.

Der Tag fing schon mies an, und ein Kater taugte nichts, wenn er sein Revier kampflos einem anderen überließ. Seine Reifeprüfung hatte er längst hinter sich. Ohne schon in die Jahre gekommen zu sein, war er aber noch im besten Alter. Nachdem er damals die alles entscheidende Schlacht gewonnen hatte, gehörte die Kühlwetterstraße anschließend ihm. Seitdem herrschte er über ein kleines Katzenvolk rechtsseitig vom Bend, jedenfalls aus der Sicht der Süsterfeldstraße.

Dort lebte der König. Ein alter Veteran, der bestimmt schon fünfzehn Jahre auf dem Buckel hatte. Pechschwarz, mit Augen, die grün, wie phosphoreszierende Steine leuchteten. Bis jetzt war er menschlicher Nähe entkommen und machte seiner Freiheit alle Ehre.

Kühlwetter hatte die Katzenjäger schon oft von weitem gesehen. Er kannte die Autos der Katzenhilfe und hatte schnell gelernt, zwischen den Guten und Bösen zu unterscheiden. Dachte er da an die gemeinen Fänger für Versuchstiere, wurde ihm speiübel.

Bei denen landete man in irgendeinem Labor oder endete als Rheumafell. Deshalb betrachtete er ausgelegtes Futter erst einmal mit viel Abstand, sonst war es mit dem freien Leben vorbei. Manche Kumpel kamen auch zurück, wenn sie für eine Zeit verschwunden waren. Aber immer wirkten sie verändert. Dann hatten besonders die Damen vom Bend für Kühlwetter ihren Reiz verloren, auch bekamen sie keinen Nachwuchs mehr.

Eigentlich schob er in den letzten Wochen eine ziemlich ruhige Kugel und dieser halbwüchsige Blonde mit den roten Tigerstreifen und weißen Glacéhandschuhen an den Vorderpfoten, konnte schon als frühmorgendliche Sensation betrachtet werden.

Man baute den Kirmesplatz ab. In dem schwülen Sommer hatte es die ganze Nacht geregnet. Die Wiese, auf dem die Container standen, war aufgeweicht. Von Abfall übervoll, hatte die Stadtreinigung sie noch nicht geleert. Es ratterte und knatterte von allerlei Maschinen, während die Arbeiter Achterbahn, Karussells und das mächtige Riesenrad wie von Geisterhand verschwinden ließen. Wie nie da gewesen, sackte die Amüsierstadt in sich zusammen.

Am Vorabend gab es ein großes abschließendes Feuerwerk für den Sommerbend. Den unangenehmen Krach der Böller und Schüsse spürte Kühlwetter noch in seinen Ohren. Während der Rummeltage hatte er sich nur am frühen Morgen in der Nähe von Kirmesbuden aufgehalten. Seine Streifzüge landeten meistens bei den Müllresten und den üppigen Hinterlassenschaften der Besucher. Heute war es auch nicht anders. Mit einem Unterschied, dass er hier nicht allein unterwegs war. Von einer richtigen Auseinandersetzung mit dem fremden Kater ließ sich eigentlich nicht reden. Da gab es schon andere, schlimmere Zusammenstöße. Einige Narben und Einrisse an Kühlwetters Ohren zeugten davon. Eigentlich war er überhaupt kein schöner Kater.

Abgesehen von seinen Luchsaugen und der etwas zu langen Nase, die ihm eher das Aussehen eines Fuchses verliehen, konnte er nur mit einem grau getigerten Fell aufwarten. Damit war er nichts anderes, als die treudeutscheste Gattung einer Katze.

Nun ließen sich beide nicht mehr aus den Augen. Sie umkreisten sich im Zeitlupentempo mit ungeheurem Buckeln und mit elektrisiert zitterndem Schwanz. Das sollte anfangs genügen. Letztlich hielt Kühlwetter seine Drohung für ausreichend. Schließlich befanden sich beide jetzt auf einem Niemandsland.

Der Bend gehörte keinem allein. Täglich musste um eine kurzfristige Vorherrschaft gekämpft werden. Fremde Katzen waren natürlich immer im Nachteil, weil sie keine Straßenzugehörigkeit vorzuweisen hatten. Darin verhielten sie sich nicht anders als die Menschen. Die Berechtigung für eine längere Aufenthaltsgenehmigung wurde endgültig vom Herrscher aus der Süsterfeldstraße erteilt.

Heute war Kühlwetters erfahrener Nase ein besonderer Leckerbissen entgangen, den er jetzt, ohne sein Gesicht zu verlieren, dem Jüngeren abtreten musste. Den herzhaften Duft von Bratwurst mit Pommes rot-weiß musste er schweren Herzens von seiner Speisekarte streichen.

Gerade hatte er seinen Frust abgebaut, als Henrici vorbeischlenderte. Sein Revier lag der Süsterfeldstraße gegenüber, also auf der anderen Seite vom Bendplatz. Katzen lebten sehr gut ohne eigenen Namen.

Bei ihnen hatte allenfalls die Herkunft eine Bedeutung. Ohne Herrchen oder Frauchen gab es bei ihnen keine speziellen Rufnamen, die bekamen nur Hauskatzen. Denen begegneten sie hier selten.

Henrici wirkte sehr aufgebracht. Als Schildpatt war er ein schmucker Typ, für gewöhnlich nicht aus der Ruhe zu bringen.

Jetzt kam er mit einer sehr beängstigenden Nachricht: »Sie haben den König gefangen, was können wir tun?«

Süsterfeld hinter Schloss und Riegel zu bringen, schien fast nicht möglich. Er war der Gewiefteste unter allen und wurde von seinen Damen, die wie Spioninnen überall lauerten, bestens informiert.

Eine große Schwäche hatte er. Immer war er hinter den Weiberröcken her. Die jungen Dinger ließen ihm keine Ruhe, sehr zum Ärger seiner alten Lady. War ihre beste Agentin mit Schuld daran, dass man ihn jetzt doch fangen konnte?

Mittlerweile wusste jeder, wann die Patrouillen der Häscher unterwegs waren. Dann sollte man sich besser nicht auf der Straße sehen lassen.

Was bezweckte die Alte damit, ihm gerade heute eine seiner bevorzugten Gespielinnen aufreizend vor die Nase zu setzen. Ein Gerücht ging um, dass ein blonder Kater gesichtet wurde. Hatte sie vielleicht schon an dem Fremden Gefallen gefunden? Wollte sie Süsterfeld mit der Kleinen verkuppeln?

Als die Verführerin seiner Zudringlichkeit entkommen wollte und das Weite suchte, war er sofort hinter ihr her. Ab ging es in die Wiese und da passierte das Malheur.

Kaninchenleber und allerlei Gekröse sollten das gewesen sein, was den Freiersfuß zum Stoppen brachte. Da war der Lockvogel schon längst hinter einigen Büschen verschwunden.

Bei ihr hatte die Aachener Katzenhilfe schon vor geraumer Zeit ganze Arbeit geleistet. Deshalb war sie nicht mehr besonders interessiert an einem Flirt mit dem alten Kerl, wenn es auch der König höchstpersönlich war. Als beste Kämpferin in seinem Harem wollte sie der Lady eigentlich nur einen Gefallen tun, ihn ein wenig spielerisch locken. Jetzt musste sie in ihrem guten Versteck mit ansehen, wie ein großes Netz über seine Majestät geworfen wurde und anschließend grobe Menschenhände zupackten. Sie wusste, jetzt geht es mit ihm ab in eine Kiste. Dann hörte sie nur noch seine lauten Proteste und den Motor eines startenden Autos.

Damals, vor ihrer Kastration, war es nicht anders. Zusammen mit drei Geschwistern wurde sie eingefangen und hinter Gitter gebracht. Anschließend wurde sie, als besonders Hübsche, privat vermittelt, die anderen kamen ins Tierheim. Glücklicherweise hatte man die Haustür einmal zu lange offengelassen, und sie konnte entwischen. Nach vielem Umherirren fand sie die Gegend der Süsterfeldstraße wieder und damit ihr Zuhause. Die Agentin war sich sicher, direkt aus der Nachkommenschaft des Königs zu sein.

Oft wünschte sie sich insgeheim, er hätte sich in früheren Jahren mit seiner alten Lady gepaart und sie wäre die süße Frucht einer schmerzlichen Liebeserfahrung.

Nicht umsonst hörte man die Schreie der Katzen beim Sex.

Eigentlich sollte sie den Menschen dankbar sein, dass ihr das Leid einer Vergewaltigung erspart geblieben war. Die Geburt allerdings, mit der anschließenden Kinderstube, bereitete allen Katzen viel Freude.

Jetzt allerdings musste die Unglückliche erst einmal ihren Leuten berichten, was passiert war. Als auf dem Rückweg auch noch Henrici vorbeischlich, wusste sie, dass nun der ganze Öcher Bend in Flammen stehen würde, und sie sich als Verursacherin dieses Vorfalls verantworten musste. Süsterfelds Lady würde sie auch keines Blickes mehr würdigen. Selbst als Mutter, sah sie schon lange nicht mehr in ihr das einstige Kind. Sie würde ausgestoßen werden, eine Namenlose, die ihr Gesicht verloren hatte. Besser war, sie zog sich erst einmal zurück und legte sich eine neue Identität zu.

Süsterfeld erwachte in einem engen Gehäuse in irgendeiner Tierpraxis. Ihm dämmerte so einiges, worüber er nicht nachdenken wollte. Dumm gelaufen, konnte er da nur sagen. Aber er hätte es besser wissen sollen. Auf Menschen durfte man sich nicht einlassen. Das Kaninchengekröse war eine ganz gemeine Falle. Ohne sein vernebeltes Hirn mit der Lust auf Sex, wäre er denen nicht auf den Leim gegangen. Die verflixte Spionin gefiel ihm trotzdem noch. Daraus machte er keinen Hehl.

Schließlich war sie kastriert und er hatte nicht darüber nachgedacht, dass die Lady immer noch eifersüchtig sein könnte. Als seine alte Liebe gehörte sie ihr Leben lang zu den Glücklichen, die den Fängern immer wieder entkommen konnte. Deshalb hinterließ sie viele Nachkommen.

Er allerdings hatte schon lange kein körperliches Interesse mehr an ihr und andere Kater wagten sich bisher nicht in sein Revier.

Ihre schönste Tochter, die kleine Salomé, verzauberte ihn ständig aufs Neue. Gerade ihre Gleichgültigkeit und ihr kess gezeigtes Nichtinteresse waren es, worauf er abfuhr.

Als sie damals aus Menschenhand ins Revier zurückkam, war er überglücklich, seine kleine Prinzessin wiederzusehen. In der Nacht feierten sie eine große Party, umkreisten sich stundenlang und lautstark. Die Begeisterung aller währte bis in die Morgenstunden. Dazu kamen Gäste aus der Henrici- und Kühlwetterstraße sowie aus der Soerser Gegend. Die vornehmen Merowinger und Karolinger fehlten bei derartigen Angelegenheiten nie. Das Fest endete mit einer großen Ehrung der zurückgekehrten, kastrierten Jungfrau. Es geschah ja höchst selten, dass eine geraubte Tochter in den Schoß der Familie zurückfand.