Der Schatz des Kurfürsten - Levin Schücking - E-Book

Der Schatz des Kurfürsten E-Book

Levin Schücking

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Beschreibung

In seinem fesselnden Roman "Der Schatz des Kurfürsten" entführt Levin Schücking die Leser in die Welt des 17. Jahrhunderts, eine Zeit voller politischer Intrigen und kultureller Umbrüche. Mit einem eindrucksvollen literarischen Stil gelingt es Schücking, die Handlung um den mythischen Schatz eines Kurfürsten lebendig und eindringlich darzustellen. Neben historischen Ereignissen spinnt der Autor fesselnde Charakterstudien und nutzt eine bildreiche Sprache, um die Emotionen und Spannungen seiner Figuren zum Leben zu erwecken. Der Roman, der sowohl als Abenteuer- als auch als Historienroman klassifiziert werden kann, reflektiert die großen Thematiken von Macht und Gier in einer sich verändernden Gesellschaft. Levin Schücking, ein in der literarischen Welt Deutschlands geschätzter Autor, ist bekannt für seine tiefgründige Auseinandersetzung mit historischen Themen. Seine umfassenden Recherchen und sein Interesse an der deutschen Geschichte spiegeln sich in diesem Werk wider. Schückings eigene Erfahrungen und seine Faszination für die Verflechtungen von Macht und Wirtschaft im historischen Kontext haben ihn inspiriert, eine Erzählung zu kreiieren, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt. "Der Schatz des Kurfürsten" ist ein Muss für alle Liebhaber historischer Romane und Genießer literarischer Schatzsuchen. Mit seiner exquisiten Sprache und seinem packenden Plot bietet das Buch eine perfekte Mischung aus Spannung und Bildung. Es lädt die Leser ein, in eine längst vergangene Epoche einzutauchen und über die relevanten Themen der menschlichen Natur und der Geschichte nachzudenken.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Levin Schücking

Der Schatz des Kurfürsten

Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2024
EAN 8596547844112

Inhaltsverzeichnis

Cover
Titelblatt
Text
Historische Erzählung von Levin Schücking.
1.

Das Jahr 1807 nahte sich seinem Ende. Napoleon hatte durch einige neue blutige Schlachten, durch einige neue Vergewaltigungen empörter Völker im Laufe desselben die Welt seinem großen Ziele, der Herrschaft des ewigen Friedens, um mehrere Etappen näher gebracht. Er hatte in demselben Gedanken, in seinem rastlosen Drang, die Segnungen der Civilisation zu sichern – so priesen es die kaiserlichen Hofrhetoren – ein ganz neues Königreich geschaffen. In Ermangelung eines besseren hatte er ihm den Namen Westphalen gegeben. Die Hauptstadt dieses „Westphalens“ war die alte Landgrafenresidenz Cassel geworden. Seine Provinzen waren aus aller Herren Ländern zusammengeschnitten; die Grenzen waren von der Willkür gezogen worden, und dieselbe Willkür hatte einen hoffnungsvollen jungen Marineofficier als König desselben angestellt, dem der zusammengeflickte Herrschermantel vortrefflich zu seinem krausen Haar und seinem lustigen Italienergesichte stand.

Der Hof des „niedlichen Königs“ Jerôme residirte auf der Wilhelmshöhe, die nun die Napoleonshöhe hieß; hoch über dem Frontispiz des Schlosses erhob sich eine schlanke Fahnenstange und daran flatterte die französische Tricolore, mit dem neuen Wappen des neuen Königs eines neuen Reiches in der Mitte. Der junge Seemann ließ lustig seine Flagge wehen, dem scharfen, kalten Nordwinde zum Trotz, der zornig über den Habichtswald herüberblies und sie hin- und herpeitschte, als ob er sie in Stücke zerreißen wollte, aber vergebens; der Sturm, der sie in Stücke zerriß, sollte von einer andern Seite kommen.

Derselbe scharfe Winterwind, der sich so mit König Jerôme’s Flagge raufte und an der Stange rüttelte, ohne sie bezwingen zu können, spielte auch mit dem langen, grünen Reitermantel eines hohen, starkgebauten jungen Mannes, welcher, die Allee von Cassel herauf kommend, dem Schlosse zuschritt und zuweilen sich wenden mußte, um die Enden seines Mantels, wenn der Wind sie weit auseinander geweht hatte, wieder um sich schlagen zu können. In solchen Augenblicken sah man, daß er die hübsche grüne Uniform eines neu gebildeten westphälischen Regiments trug … unter dem Mantelkragen verrieth sich eine auf der linken Schulter liegende Epaulette; der junge Mann mußte also Lieutenant sein.

Er hatte ein hübsches, höchst gewinnendes Gesicht, welches weit davon entfernt war, Züge classischer Schönheit zu zeigen; es war mit seiner stark ausgebildeten Stirn, seinen breiten Wangen, seiner kurzen Nase gewiß nicht danach angethan, zum Modell eines Bildhauers zu dienen, aber es verrieth die volle Kraft und Frische der Jugend. Die unter starken Brauen ein wenig tief liegenden braunen Augen leuchteten von Intelligenz, von Jugendmuth und vielleicht auch Uebermuth; um die vollen rothen Lippen des Mundes lag ein Zug von großer Gutmüthigkeit, und Alles in Allem, auch der beste Patriot konnte dies blühende, vom Sturm und der Anstrengung des Kampfes mit ihm doppelt geröthete Gesicht nicht ansehen, ohne diesem „deutschen Jünglinge“ in der französischen Uniform gut zu werden.

Von dieser französischen Uniform konnte ja auch er wohl sagen: „Ach, es war nicht meine Wahl!“ wie es Tausende mit ihm sagten!

Von einem der Baumstämme in seinem Wege leuchtete ihm ein großer weißer Anschlagzettel entgegen, halb abgerissen, so daß unten die Fetzen des Papiers im Winde flatterten und gegen die Rinde des alten Baumes schlugen – oben aber stand die Zahl 100,000 mit weithin sichtbaren großen Ziffern darauf gedruckt.

„Hunderttausend Franken!“ murmelte der junge Mann, flüchtig den Zettel mit den Augen streifend und weiter schreitend. „Ein Schuft würde für weniger zum Verräther! Wozu so viel?“

Er schritt, als er in die Nähe des Schlosses bis an das große Bowlinggreen gekommen, rechts ab, dem Gebäude des Marstalls zu. Die Seitenthür zu demselben stand weit offen und ließ in eine lange düstere Perspective blicken, aus der wie eine monotone Musik der Schall von aufgestampften Hufen und das Auf- und Niederrollen der Halfterketten – dazwischen das ungeduldige Gewieher und Schlagen eines Pferdes, der zornige Ausruf eines Stallknechts drangen. Dunkle Gestalten, Männer in grauen Stalljacken, bewegten sich im Mittel- und Hintergrunde dieser Perspective, aber kaum sichtbar mehr, denn in dem tiefen, langen Raum herrschte bereits völlige Dämmerung. Ganz hinten wurde schon die erste der in der Mitte des breiten Ganges hängenden Laternen angezündet.

Der Officier warf seinen Mantel zurück, als er in die behaglich warme Atmosphäre eintrat, welche den Raum erfüllte.

Bei einem der Pferdestände, in welchem ein Stallbedienter beschäftigt war, einem stattlichen Rappen die Abendstreu unterzuwerfen, blieb er stehen.

„Guten Abend, Wilhelm,“ sagte er, „ich komme aus der Stadt und bringe Dir einen Gruß von Deiner Mutter.“

„Ich danke Ihnen, Herr Lieutenant,“ antwortete der junge Mann, wie es schien, mißvergnügt.

„Wie geht es Euch, meinem Rappen und Dir?“

„Wie es eben geht, dem Rappen besser als mir … heut’ zu Tage geht’s den Thieren besser als den Menschen; die Thiere bleiben, was sie waren, die Menschen aber müssen sich in Dinge fügen, welche ihnen an der Wiege wahrhaftig nicht vorgesungen sind. Meine arme Mutter, die ihre Wittwenpension verloren, sie hat eine Schneiderin werden müssen, und ich habe meinen Graveurstichel fortwerfen müssen, um diese lange Strohgabel in die Hand zu nehmen und Piqueur im Leibstall Seiner königlichen Majestät zu werden … Gott besser’s!“

„Darüber solltest Du eigentlich nicht so bitter klagen,“ antwortete der Lieutenant zu dem Pferde tretend und seinen glänzenden Hals klopfend, „ich kann Dir sagen, daß mit der Luft da draußen verglichen eine außerordentlich behagliche Atmosphäre in Seiner Majestät Leibstall herrscht, und wenn Dir Deine alte Liebhaberei für Pferde, Reiten und Fahren zu Deiner jetzigen bescheidenen Stelle verholfen hat, so dank’ Du Gott dafür; es giebt Leute, die mehr verloren haben, als ihre Gehülfenstelle beim Hofgraveur und die Aussicht, einmal selber ein schlecht bezahlter Hofkünstler zu werden. Und übrigens da Du mir in melancholischer Stimmung zu sein scheinst, will ich Dir noch einen Gruß bringen, der Dich heiterer stimmen wird … Du weißt, von wem er kommt.“

Wilhelm warf einen fragenden Blick aus seinen großen blauen Augen auf den Lieutenant.

„Wirklich?“ sagte er.

Der Lieutenant nickte lächelnd. „Ich habe die Frauenzimmer,“ fuhr er fort, „bis über die Ohren in Sammet, Seide, Blumen und Flittertand versunken gefunden … sie hatten Arbeit vollauf mit Maskenanzügen für die Damen vom Hofe, Deine Elise stichelte sich die Finger wund an einem Griechinnencostüm für Mademoiselle de Boucheporn …“

„Aha,“ sagte Wilhelm lächelnd, „und im Auftrage der Mademoiselle de Boucheporn haben der Herr Lieutenant auch wohl nur bei meiner Mutter vorgesprochen, um dann im Schlosse berichten zu können, wie weit die Arbeit gefördert ist …“

„Da irrst Du, Wilhelm, ich habe Deine Mutter besucht, um nach der guten Frau, bei der ich fünf Jahre im Hause gewohnt habe und die mich in dieser Zeit wie einen Sohn verpflegt hat, zu schauen. Und diesem Umstande verdankst Du es ganz allein, wenn ich Deine Elise gesehen habe und Dir Nachrichten von ihr bringen kann. Sie sieht ein wenig blaß und angegriffen aus, Deine Elise; ich hoffe, Du hast ihr keinen Kummer gemacht,“ setzte der Lieutenant scherzend hinzu.

„Ich? nein, ich bin’s nicht,“ entgegnete Wilhelm mit einem Seufzer.

„Du bist’s nicht? Das lautet, als ob’s ein Anderer wäre, der ihr Kummer machte? Ist’s etwa die Sorge um ihren Vater? Der gute Steitz sieht freilich schon lange wie ganz verändert und umgewechselt aus – ich glaube, es ist im ganzen Lande Keiner, dem, was geschehen ist, so zu Herzen geht, wie dem alten Steitz. Er scheint ohne seinen gnädigen Kurfürsten nicht leben zu können, der Mann schleicht umher wie ein Gespenst, so still und gebückt und in sich versunken.“

Wilhelm stützte das Kinn auf seine Hand und nachdenklich zu Boden blickend antwortete er:

„Was er eigentlich hat, weiß ich nicht, aber so viel ist gewiß, daß Elise sehr schwer mit ihm auskommt und daß er ihr auch zornig erklärt hat, sie müsse sich das Verhältniß zu mir ganz und gar aus dem Kopf schlagen, und ich solle mich nicht mehr in seiner Wohnung betreten lassen …“

„In der That?“ fragte der Lieutenant überrascht, „das hat der gute alte Herr doch wohl nur im Zorn gesagt …“

„Im Zorn, ja, doch ist es sein bitterer Ernst gewesen – und was ist am Ende auch daran Wunderbares? Als meine Mutter noch ihre Pension als Predigerwittwe hatte und ich die Aussicht auf eine kleine Hofanstellung, da mochte ich dem Herrn Steitz willkommen sein als Schwiegersohn. Seitdem ist meine Mutter eine Schneiderin, eine Putzmacherin und ich bin Reitknecht geworden – nichts als ein armer Reitknecht … Sie müssen gestehen, Herr Lieutenant, daß das die Sachen ändert,“ fügte Wilhelm mit einem bittern Lächeln hinzu.

Der Lieutenant war still geworden.

„Willst Du, daß ich einmal mit dem Herrn Steitz rede?“ sagte er dann.

„Nein,“ versetzte Wilhelm, „das ist für’s Erste unnütz und würde nichts helfen. Es ist unnütz, denn die Elise und ich bleiben uns doch treu, das weiß ich von ihr und sie weiß es von mir, ein glühendes Eisen brächte uns nicht auseinander. Und helfen wird uns nichts, als bis einmal der Wind von einer andern Seite bläst und diese Franzosen …“

„Pst!“ machte der Lieutenant und räusperte sich … Der Stallbediente, welcher die Laternen anzündete, war bis zu der gekommen, welche unmittelbar neben ihnen hing, und zog sie jetzt tief zu sich herab, um den Docht darin zu entflammen.

Als er sie wieder in die Höhe geschoben und Wilhelm zu dem aufflammenden Lichte empor sah, nahm der Lieutenant in den Zügen des jungen Mannes, in welche der helle Schein fiel, einen tief schmerzlichen Ausdruck wahr … Dieser blonde, so ernst und nachdenklich aussehende jugendliche Kopf paßte nicht zu der grauleinenen Stalljacke und der langen Strohgabel Wilhelm’s.

„Du hast Recht,“ sagte der Lieutenant, als der Laternenanzünder gegangen war … „auch ich denke, es können und es müssen andere Zeiten kommen … ich glaube jedoch nicht, daß sie so rasch kommen, wie Viele sagten, und ich fürchte, Du und Deine Elise, Ihr könntet Beide darüber alt werden. Aber deshalb verliere den Muth nicht, Du weißt, der König beehrt mich mit seiner besonderen Gunst …“

„Das thut er freilich,“ fiel Wilhelm ein, „sonst hätte er Ihnen den Rappen da nicht geschenkt …“