Der schwarze Rabe - erich kaiser - E-Book

Der schwarze Rabe E-Book

erich kaiser

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Beschreibung

Ist es in unseren Genen angelegt, ob wir gute oder böse Menschen sind? Eigentlich kann sich jeder Mensch selbst entscheiden in welche Richtung er geht. Sollte man meinen. Ich kenne aber mindestens zwei Personen, die das widerlegen, ihre Eltern waren Verbrecher und sie wurden Verbrecher. Sind das Ausnahmen, oder die Regel?

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Seitenzahl: 178

Veröffentlichungsjahr: 2025

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erich kaiser

Der schwarze Rabe

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

DER SCHWARZE RABE

RABE

Antibes

Manchester

Cote Azur, DI Morris

Manchester

Impressum neobooks

DER SCHWARZE RABE

RABE

Ein Retro KRIMI

K. Ericson

Ich blicke aus dem Fenster. Meine Freundin verabschiedet sich von ihrem Lehrer, ihres Aquarell Malkurses. Er hat sie mit seinem zugegeben, etwas protzigen Jaguar MKIII nach Hause gebracht.

Sie gibt ihm zu Abschied einen Kuss auf die Wange.

Ich liebe Claire.

Ich bin ein emphatischer Mensch und weiß,

ein flüchtiger Kuss ist in Künstlerkreisen ist

nichts Besonderes.

Ich bin theoretisch auch ein Künstler.

Ich bin Schriftsteller, wie gesagt theoretisch.

Ich habe zwei Sachbücher geschrieben, aber in Manchester, wir schreiben, den zehnten August, des Jahres neunzehn neunundachtzig, wird anscheinend

wenig gelesen.

Die beiden Bücher haben abzüglich der Kosten, für den Verlag, Lektor und so weiter fast nichts eingebracht.

Ein Null Summen Spiel.

Jetzt bin ich Werbetexter, habe aber auch als Ghost Writer, zwei Biographien, für mittelmäßig bekannte

Leute geschrieben.

Wir sind alles Andere, als reich, doch wir lieben uns und nur das zählt.

Claire schließt das Haustor auf, der Mal Kursleiter, geht zu seinem dunkelgrünen MKIII, der unter einer großen, alten Eiche parkt.

Ein großer, schwarzer Rabe sitzt auf einem dürren Ast über dem Wagen und beobachtet ihn.

Claire schließt die Wohnungstüre auf, legt ihre Mal Utensilien in unseren alten Kasten und die Bankauszüge auf den Resopal Küchentisch.

»Eric, wir haben das Konto schon wieder überzogen.«

»Ich könnte einen Teilzeitjob annehmen.«

Das Telefon klingelt und mein Leben ändert sich.

»Hi, hier ist Alfred Turner, ich hätte eventuell einen Job für sie. Vielleicht kennen sie mich ja.«

Natürlich kenne ich ihn. Er ist ein Immobilien Tycoon und öfters in den Zeitungen vertreten als ihm lieb ist.

Doch ich antworte:

»Leider nein, wobei kann ich ihnen helfen?«

»Ich werde langsam alt und finde ich sollte meine Lebensgeschichte aufschreiben, aber ich brauche jemanden, der mir dabei hilft. Abgesehen davon, dass ich nicht Maschine schreiben kann.«

Mein Herz schlägt, vor Freude etwas unregelmäßig und ich versuche sofort, mich ins rechte Licht zu rücken.

»Ich habe schon einigen Leuten geholfen, ihre Biografie zu schreiben, kein Problem.«

»Ich denke bei ihnen bin ich richtig, sie haben sicher auch einen professionelleren Schreibstil als ich.«

»Ich verdiene mein Geld damit, dass ich ein Profi bin. Wo treffen wir uns?«

»Das Anwesen liegt etwas außerhalb von Manchester, »Lonesdale Abbey«, kennen sie es?

Natürlich kenne ich es.

»Leider nein, aber ich finde es schon. Wann?«

Morgen achtzehn Uhr. Ist das in Ordnung für sie?«

»Einen Moment, ich blicke kurz in den Terminplaner.«

Ich raschle etwas mit den verdammten Bankauszügen.

»Einverstanden, morgen achtzehn Uhr.«

Am nächsten Tag, kurz vor siebzehn Uhr blicke ich nochmals auf den Plan, gebe Claire einen Kuss und starte meine zweihundert fünfziger Suzuki Enduro.

Ich überlege kurz, ob ich mit meiner Jean und meiner schwarzen Lederjacke adäquat angezogen bin und denke mir, wenn ihm etwas nicht passt, kann ich das ja beim zweiten Mal ändern.

Ich schlängle mich durch die verstopften Straßen Manchesters, bis auf einer kurvenreichen Überland Straße die Gegend langsam grüner wird.

Nach einer weiteren halben Stunde, sehe ich auf einer kleinen Anhöhe , umsäumt von alten, grünen Fichten, »Lonesdale Abbey«.

Es ist ein Um und Neu zugebautes ehemaliges, kleines Kloster.

Ich muss zugeben, aus der Nähe wirkt es, mit seinen großen, grauen Steinblöcken für einen so reichen Mann, eher bescheiden.

Ich stelle die Enduro auf dem von Wiesen gesäumten Kiesplatz ab, schließe den Benzinhahn und suche vor der großen, dunklen Eichentüre, die Klingel.

Ich besinne mich, natürlich hat ein solches Gebäude keine Klingel.

Ich betätige den gusseisernen, abgenutzten Ring, in Form eines Löwenkopfes.

Ich werde versuchen, mich freundlich, aber laut, bei dem vermutlich schwerhörigen Butler, nach Mr. Turner zu erkundigen.

Doch ein älterer, leicht grauhaariger Mann, mit freundlichen Gesicht öffnet die Türe.

»Hi ich bin Alfred, kommen sie bitte.«

Wir gehen durch eine große Halle, die mit alten Ritterrüstungen voll gestellt ist.

»Sind das ihre Vorfahren?«

»Nein, das sind Repliken. Es ist mir leider nicht gelungen, meine Vorfahren aus dem Mittelalter zu eruieren, ich bin bis zu dreißigjährigen Kriege gekommen, dann war Schluss. Meine Vorfahren, waren unter anderem Gaukler, Bischöfe und Söldner, die für Geld getötet haben.«

»Seine Vorfahren kann man sich nicht aussuchen.«

»Das ist richtig, leider. Aber mein Großvater hatte eine kleine Knopf Fabrik. Sie denken sicher, ein sehr bescheidenes Auskommen. Falsch, im ersten Weltkrieg, bekam er den Auftrag Uniform Knöpfe herzustellen. Das war der Grundstein. Mein Vater bekam einen Rüstungsauftrag im zweiten Weltkrieg, mit diesem Geld kaufte er Gemälde und mit Diesem nach dem Krieg Grundstücke. Nach dem Krieg stiegen die Grundstückspreise. Ich war ein Spätzünder, mit Knöpfen war es vorbei. Ich übernahm die Firma.

Ich kaufte abgewirtschaftete Gebäude, renovierte sie in Luxus Herbergen und verkaufte sie mit großem Gewinn.«

»Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu?«

»Richtig. Was wollen sie trinken, Whisky Gin?«

»Danke nichts. Ich bin mit dem Motorrad hier.«

»Eine Enduro? Eine Suzuki? Ich habe sie kommen gesehen, beziehungsweise auch gehört, toller Sound. Ich hatte vor Jahren auch ein Motorrad. Wir sind uns ähnlicher, als sie glauben.

»Ach so? Also, wobei kann ich ihnen helfen?«

»Ich brauche jemanden, der mich versteht. Ich habe eine etwas seltsame Lebensgeschichte und nur jemand der mich versteht ist in der Lage, meine Biographie zu schreiben. Vielleicht ein stilles Mineralwasser?«

Er geht langsam zur verchromten Anrichte und ebenso andächtig kehrt er mit einem Glas zurück.

Es dämmert bereits und ich schalte das Aufnahme Gerät ein.

»Ich war, wie ich bereits gesagt habe, ein reiches, verwöhntes Kind. Ich hatte viele Freunde, aber ob sie mich echt gemocht haben, wage ich nicht zu sagen.

Es war nach dem Krieg und England war arm. Unsere Familie nicht. Ich lud meine Freunde in den Eis Salon ein, oder spendierte eine Cola, so etwas konnte sich nicht jeder leisten. Ich war damals ungefähr sechzehn und hatte, wie gesagt einen Menge Freunde, auch Freundinnen.

Aber ein Mädchen, aus der Schule, hatte es mir angetan. Ich versuchte sie nach Schulschluss, auf dem nach Hause Weg, zu begleiten.

Sie hatte rötlich, blonde Haare, die in der Sonne schimmerten, wunderbare blaue Augen und schon damals eine tolle Figur.«

Als ich sie fragte, ob sie mit mir ins Kino gehen will sagte sie kurz angebunden:

»Sicher nicht, du denkst, mit Geld kannst du dir alles kaufen? Aber mich interessiert Geld nicht im Geringsten! Ich habe ganz andere Interessen.«

Ich war wie vor den Kopf gestoßen.

»Also nein?«

»Bist du schwerhörig? Nein!«

Sie lies mich einfach stehen.

Die totale Niederlage.

Wir verloren uns schnell aus den Augen, ich denke sie ist weg gezogen.

Ich lebte mein Sunny Boy Leben weiter, ging auf Partys, trank damals schon viel Alkohol, ein Leben ohne Sorgen, doch ich muss zugeben, die Abfuhr hat mir schwer zugesetzt.

Die Zeit verging.

Was macht ein junger Mann, aus reichem Haus, ich war mittlerweile zwanzig, im Sommer?

Er fährt nach Brighton, ans Meer.

Brighton war zu dieser Zeit, noch nicht so mondän. Doch die Strand Boulevards, die Steg Häuser, das Publikum, umwehte damals schon ein Hauch von weiter Welt.

Ich lies es mir gut gehen, in der Sonne liegen, schwimmen, am Abend in den Pub.

In einem dieser Pubs, erzählte mir der Barkeeper, dass es, etwas außerhalb von Brighton, einen Strand gibt, der, es waren die ersten warmen Tage, fast

menschenleer ist.

Ich hatte, wie ich ihnen auch schon gesagt habe, ein Motorrad, eine BSA.

Ich fuhr sofort am nächsten Tag, an den besagten Geheimtipp.

Der naturbelassene Strand war fast menschenleer, doch als ich die Maschine auf den Mittelständer hieve, taucht vor mir ein junge Frau auf.

Rotblonde Haare, tolle Figur, Sie war es.

Mir verschlägt es die Sprache.

Doch dann steigt der Zorn in mir auf.

»Was machst du hier, du blonde Schlampe?

Habe ich nirgends von dir Ruhe!«

Sie sieht mich kurz an, lächelt und geht ohne ein Wort zu sagen, in die andere Richtung.

Die nächste Niederlage.

Ich setzte mich zornig auf die BSA und blicke ihr nach, bis sie hinter einer Sand Düne verschwindet.

Ich hole aus meiner schwarzen Lederjacke, ein Päckchen amerikanische Luky Strike heraus.

Unten am Strand gehen zwei Typen, mit aufgekrempelten Hosen am Wasser entlang. Mir egal, ich habe genug von diesem blöden Strand.

Ich versuche die BSA zu starten, der Motor röchelte, aber er springt nicht an.

Kunststück, vor lauter Ärger habe ich vergessen, den Benzinhahn zu öffnen. Als ich mich bücke, höre ich einen Schrei aus den Dünen.

Ich werfe die Zigarette auf den Boden, hänge die Lederjacke über den Rückspiegel und laufe zu den Dünen.

Ein schwarzhaarige Typ, reißt meiner unerreichbaren Traumfrau die Bikini Hose vom Leib, daneben steht sein blonder Freud und schlägt auf sie ein.

Ich laufe schneller.

Der Blonde sieht mich grinsend an.

»Verschwinde!«

Ich reiße den Dunklen Typ von runter von ihr, doch der Blonde schlägt mir brutal in den Rücken.

Ich taumle Richtung Wasser, er kommt mir grinsend hinterher.

Als ich wieder einen klaren Gedanken fassen kann, trete ich ihm auf das Schienbein, packe ich ihn an den Haaren und ziehe in Richtung Meer.

Ich war immer ein guter Schwimmer und schätze meine Chancen, im Wasser besser ein.

Ich merke er wird unsicher, vermutlich kann er nicht schwimmen.

Er schlägt nach mir, doch in einem günstigen Augenblick gelingt es mir, ihn unter Wasser zu drücken. Im Wasser sind seine Schläge wirkungslos, aber ich lasse ihn nicht los.

Ich drücke ihn, eine gefühlte Ewigkeit unter Wasser, bis seine Hände schlaff werden.

Der Andere dreht sich nicht einmal um, er ist der sicheren Meinung, sein Freund verprügelt mich.

Er dringt in sie ein, doch als er mich sieht,

ist Angst in seinen Augen.

Ich nehme einen faustgroßen Stein und schlage ihm sofort, mit voller Kraft, auf die Schläfe.

Er fällt um wie ein Stück Holz.

Ich drehe mich um, der Blonde wurde an den Strand gespült und liegt auf dem Rücken. Die Gischt umspült seine dreckigen Füße.

Ich sehe sie an.

Sie nickt dankbar.

Sie legt zwei Finger auf die von der Schläfe des Kopfes, blutigen Halsschlagader.

»Der ist tot, ich kenne mich aus, ich war einmal Hilfskrankenschwester in den Schulferien.«

Sie steht auf und geht nackt, zu dem vermutlich ertrunken unten am Wasser.

Sie fühlt seinen Puls und meint:

»Dieses Schwein lebt noch.«

Sie kommt zurück, ich betrachte sie mit einer Mischung aus Erregung und Bewunderung.

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, nimmt sie den blutigen, faustgroßen Stein.

Sie geht wieder zurück zum Meer und schlägt dem Blonden, zweimal kräftig gegen den Kopf und fühlt noch mal seinen Puls.

»Auch tot.«

Ich halte ihre Bikinihose in der Hand, sie nimmt sie lächelnd.

»Wir müssen die Beiden in das seichte Wasser legen. Ich kenne mich aus mit den Gezeiten hier auf diesem Strandabschnitt, die Flut zieht sie hinaus in das offene Meer.«

Ich nehme sie an der Hand und führe sie zu meinem Motorrad.

»Darf ich dich nach Brighton mitnehmen, ich bin Fred.«

»Ich bin Alice.«

Ich schalte das Aufnahmegerät ab und stehe auf.

» Ich bin nicht der Richtige für sie, wenn sie einen Kriminalroman schreiben wollen, müssen sie es selbst tun.«

Er sieht mich sichtlich betroffen an.

»Das ist meine Lebensgeschichte. Ich habe mich über sie erkundigt und dachte, sie sind der Richtige.«

»Da haben sie falsch gedacht, ich helfe Leuten bei ihrer Biographie.«

»Das ist eine Lebensgeschichte!«

»Suchen sie sich jemand anderen.«

Schweigend geleitet er mich durch die Eingangshalle.

Vor der großen Eichentüre sieht er mich nochmals durchdringend an.

»Bitte überlegen sie es sich nochmals, ich zahle gut und ich weiß, sie haben finanzielle Sorgen.«

»Sie müssen sich ja sehr genau über mich erkundigt haben, doch meine finanzielle Situation geht sie überhaupt nichts an! Lassen sie mich in Ruhe und suchen sie sich jemand anderes!«

»Ich bitte sie nur, überlegen sie es sich .«

Ohne mich umzudrehen, gehe ich den Kiesweg entlang, starte energisch meine Enduro und gebe Gas, dass der Kies in das Gras spritzt.

Als ich vor unserer Wohnung den Schlüssel aus meiner Lederjacke nehme und die Türe aufsperre, bin ich froh wieder Daheim zu sein.

Claire hantiert in der Küche, der heimelige Geruch meiner Wohnung ist mir vertraut.

»Wie war es bei dem Alten? Hast du den Auftrag?«

»Nein, ich habe abgelehnt.«

»Abgelehnt? Warum?«

»Der alte Depp, will einen Thriller oder so etwas in diese Richtung schreiben.«

»Abgelehnt? Hast du die letzten Bankauszüge gesehen? Wir brauchen das Geld. Wie viel würde er den zahlen?«

»Fünfzig Pfund, für einen Nachmittag.«

»Fünfzig Pfund! Und du lehnst ab? Ist doch egal, wobei du ihm hilfst! Der alte Depp, soll schreiben, was er will, kann dir doch egal sein.«

Ich setzte mich auf einen, unserer alten, verchromten Küchensessel und blicke aus dem Küchenfenster auf den aufziehenden Nebel.

»Du hast Recht, ich rege mich wirklich zu schnell über jede Kleinigkeit auf. Wenn ich es mir nochmals überlege, kann es mir wirklich egal sein, was ich schreibe, besonders wenn ich die letzten Bankauszüge betrachte. Ich werde ihn anrufen.«

Am nächsten Morgen läutet unser Telefon, Claire hebt ab, hält absichtlich die Hand nur leicht über die Sprechmuschel und sie lächelt.

»Es ist für Dich. Ein Mr. Turner.«

Ich nehme den Hörer und lasse mir absichtlich etwas Zeit.

»Hi, hier ist Turner. Ich mache ihnen einen Vorschlag. Sie hören sich an, was ich zu erzählen habe, dann können sie immer noch entscheiden, ob sie es schreiben werden.«

»Gut, mit dem kann ich leben.«

»Morgen um vierzehn Uhr in Lonesdale?«

Als ich das ehemalige Kloster erblicke, habe ich ein seltsames Gefühl. Aber ich kann es nicht beschreiben.

Claire hat Recht, ich rege mich zu schnell auf.

Sie meint ich bin zu impulsiv.

Von wem ich das habe, kann ich ich nicht sagen, ich bin ein Waisenkind.

Ich wurde später an zwei Pflegefamilien weitergereicht und hatte es nicht leicht im Leben.

Ein Kind kann sich nicht wehren.

Doch ich bin ein anständiger, recht schaffender Mensch geworden.

Ich liebe meine Frau und werde sicher später ein treu sorgender Vater sein.

Aber dazu braucht man Geld.

Also werde ich versuchen, mir ohne Vorbehalte die Geschichte anzuhören und diese Hirngespinste später, in meinen altersschwachen PC zu schreiben.

Ich tue es für Claire.

Mr. Turner dürfte meine Enduro gehört haben, er steht schon, vor der geöffneten Eichentüre.

»Danke, dass sie gekommen sind, ich bleibe dabei, sie sind der Einzige, der meine Geschichte aufschreiben kann und ich möchte mich entschuldigen. Ich denke, ich habe sie gestern überfordert. Ich werde nochmals beginnen, dieses Mal, von Anfang an.«

Er geleitet mich wieder durch die Eingangshalle, vorbei an den Replica Ritterrüstungen.

Ich habe das imaginäre Gefühl, dass mich diese Gestalten beobachten.

Ich klappe das Visier einer Rüstung auf, zucke mit den Schultern und lächle Mr. Turner an.

»Sicher ist sicher.«

»Wir haben leider keinen Schlossgeist, was

trinken sie?«

»Ein Tonic Water wäre fein.«

Während er sich einen Single Malt und mir das Tonic einschenkt, drücke ich die Aufnahmetaste, des kleinen Recorders.

Er sieht mich fragend an.

Ich nicke.

»Also dieses mal von Anfang an. Ich war, wie ich gestern schon gesagt habe, ein reicher Kind Eltern.

Mir ging nichts ab. Außer mein Vater.

Meinen Vater sah ich nur am Wochenende und da sprach er mit mir, fast kein Wort Er lebte für seine Firma, Knöpfe waren ihm wichtiger als ich. Doch für meiner Mutter, war ich ihr, Ein und Alles. Ich bekam was ich wollte. Also, eigentlich gute Start Bedingungen.

Aber kein Mensch kann es sich aussuchen, ob er gut, oder böse geboren wird. Sicher das Umfeld, die Freunde, die Erziehung, aber ich bin der Meinung, dass die Genetik, die Veranlagung, schon bei der Geburt festgelegt ist. Es gibt Gute und es gibt Böse Menschen.

Ich drücke auf die Stopp Taste des Aufnahme Recorders.

»Ich bin trotz allem, ein guter Mensch geworden!

Und ich hatte es nicht leicht. Ich bin in einem von anglikanischen Schwestern geführten Waisenheim erzogen worden. Wenn man das so nennen kann.

Ich erinnere mich heute noch sehr genau, an die Erziehungsmethoden in diesem Heim.

Nur ein Beispiel, es gab des öfteren eine undefinierbare Rahm Suppe, die meisten konnten sie nicht herunter schlingen, mein Freund erbrach sich über dem Suppen Teller, die Schwestern zwangen ihn, das Erbrochene zu essen! Wir weinten uns des öfteren in den Schlaf. Das waren frustrierte, vermutlich lesbische Schwestern, die einen Hass auf alles männliche hatten. Aber es gab auch einige, die sich um uns sorgten. An diesen Menschen, muss man sich orientieren. Es sind nicht immer alle schlecht.«

»Das sage ich ja, es gibt gut und böse.«

Ich merke, dass ich mich schon wieder zu sehr aufrege. Es ist seltsam, dass mich solche Kleinigkeiten, immer wieder auf die Palme bringen.

Ich atme einmal tief durch und schalte den Recorder wieder ein.

Jetzt schaltet er ihn wieder aus.

»Sie sind zu impulsiv und ich sage ihnen, je älter sie werden, um umso mehr werden Kleinigkeiten sie aufregen. Sie müssen sich besser im Griff haben.

Das ist ein gutgemeinter Ratschlag.«

Er drückt auf die rote Aufnahmetaste.

»Wo war ich stehengeblieben? Nirgends, ich

sitze ja, ha, ha. Ich verliere immer so leicht den Faden. Also von Anfang an.

Am Anfang schuf ich Himmel und Erde.«

Jetzt schlägt er sich vor lachen auf die Oberschenkel.

Ich muss zugeben, ich schmunzle auch leicht.

Diesen Satz werde ich mir merken und vielleicht in einem Pub bei meinen Freunden zum Besten geben.

Doch mir fällt auf, er beobachtet meine Reaktion.

»Kann man den Anfang löschen? Na, ist egal, auf jeden Fall nicht verwenden. Ich finde den Anfang meiner Geschichte nicht, aber ich muss zugeben, so gut aufgelegt, war ich schon lange nicht. Das muss ihre Gegenwart sein!«

Ich sehe ihn fragend an.

»Also gut, weiter im Text. Kann es sein, dass mir die Anerkennung meines Vaters abgegangen ist?

Ganz sicher.

Es ist seltsam, aber die meisten Söhne kopieren im Unterbewusstsein und im weiteren Leben ihren Vater. Trinker Söhne werden Trinker, ehrbare Väter, haben ehrbare Söhne.«

»Kompletter Schwachsinn!«

Ich strecke meine Hand aus, um den Recorder abzuschalten, doch Turner ergreift mit eisernen Griff mein Handgelenk und hindert mich daran.

»Sie können nicht immer wenn etwas mit ihrem Weltbild nicht übereinstimmt, andere Meinungen nicht gelten lassen. Beherrschen sie sich!«

So viel Kraft hätte ich Turner gar nicht zugetraut und vielleicht hat er sogar recht, wenn ich an mein Bankkonto denke.

»Also gut, erzählen sie weiter.«

Als Turner, den ersten Satz sagt, macht es »Klick«.

Die Kassette ist aus, ich muss das nächste Mal daran denken, längere Bänder mitzunehmen.

Ich drehe die Kassette um um drücke auf »Play«.

Turner sieht mich fragend an, ich nicke.

»Wenn ich heute zurück denke, bezweifle ich, dass ich richtige Freunde hatte. Ich bezahlte und jeder wollte mein Freund sein. Man bildet sich ein, viele Freunde zu haben, doch in Wirklichkeit hatte ich keine. Man bildet sich ein, ein junger Gott zu sein.«

Ich beschließe mich nicht mehr aufzuregen, das Band

einfach laufen zu lassen.

Ich werde versuchen, nur mehr gerechtfertigte Fragen zu stellen. Ich werde bei der Ausarbeitung der Aufzeichnung, meine Beiträge einfach negieren.

Vielleicht hat er ja tatsächlich ein interessantes Leben geführt, dass sich im Gegensatz zu meinem langweiligen Leben lohnt, aufgezeichnet zu werden.

Doch wenn ich so überlege, so langweilig war mein Leben eigentlich nicht.

Mein Leben war ein einziger Überlebenskampf.

Ich kenne meine Eltern nicht, es ist mir auch egal.

Dass Waisenkinder unbedingt wissen wollen, wer ihre Eltern sind, ist kompletter Blödsinn. Welchen Vorteil sollte das bringen?

Ich war immer mir selbst, mein bester Freund und egal was ich tue, ich werde es immer für Richtig halten, egal welche Handlungen ich setze und setzen werde.

Das ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens.

Man muss sich selbst lieben.

Ich habe seinen letzten Sätzen gar nicht zugehört, nur auf die sich drehende Kassette gestarrt.

Er schnippt einmal kurz mit den Finger, anscheinend kann er Gedanken lesen.

»Wir haben uns auch selbst geliebt. Aber, eigentlich waren wir junge Götter, nicht alle, aber viele meiner Freunde hatten auch reiche Eltern, manche hatten zwar strenge Eltern, aber eigentlich konnten

wir tun was wir wollten, denn unsere Eltern waren einflussreich.

Wir hatten alles, und das kurz nach dem Krieg, das war bei weitem nicht selbstverständlich.

Ich erinnere mich an einen schwarzen Chevrolet, mit Weißwand Reifen in unserer Straße. Der gehörte einem amerikanischen Offizier, der eine englische Freundin, ein paar Häuser weiter hatte.

Mein Vater hatte einen Rover, ein Auto wie es sich gehört, englische Wertarbeit.

Was hatte dieser Ami Angeber bei uns verloren? Natürlich nichts! Mit diesem Auto soll er doch in Kentucky angeben. Wir haben ihm alle vier Reifen, mit unseren Taschenmessern aufgestochen.

Die »Bobbys kamen, sogar die Militärpolizei, doch es passierte nichts.«

»Euch ist nichts passiert? Keine Strafe?

Im Waisenhaus war das anders!

Wir duften auf der Wiese vor unserem Heim spielen. Einer kam auf die Idee, einen Erdbrocken aus einem

der akribisch gepflegten, Blumenbeeten der Schwestern auf mich zu werfen.

Ich warf in kindlichen Übermut zurück,

es entwickelte sich eine kleine Schlacht, an der mehrere Kinder beteiligt waren.

Einige der Erdbrocken landeten auf der Terrasse des Heimes.

Die Oberschwester blickte aus dem Fenster und öffnete wutentbrannt die Türe.

»Alle sofort reinkommen!«

Sie betrachtete die schmutzigen Hände.

»Ab in den Waschraum, Hände mit Seife und heißem Wasser waschen!«

Wir taten wie befohlen, am Ausgang des Waschraumes wartete sie auf uns. Sie hatte sich einen Rohrstab geholt.

»Hände vorzeigen!

Noch immer schmutzig!«

Dann sauste der Rohrstab auf die Handflächen.

»Waschen, aber ordentlich!«