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La città del Sole oder auch Civitas solis (deutsch "Sonnenstadt") ist ein 1602 von dem Dominikaner Tommaso Campanella verfasstes und 1623 publiziertes Werk, das den wirtschaftlichen und politischen Aufbau des idealen Staates darstellt. Er führt alle sozialen Übel auf das Privateigentum zurück. Dieses will er mit seiner voll kollektivistischen Gesellschaftsordnung, welche sämtliche Lebensbereiche umfasst, beseitigen. Genau ermittelte Bedarfspläne bestimmen nach ihm die Produktion.
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Seitenzahl: 102
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Der Sonnenstaat
Idee eines philosophischen Gemeinwesens.
Ein poetischer Dialog
Tommaso Campanella
Inhalt:
Tommaso Campanella – Biografie und Bibliografie
Der Sonnenstaat
Der Sonnenstaat, T. Campanella
Jazzybee Verlag Jürgen Beck
Loschberg 9
86450 Altenmünster
ISBN: 9783849608057
www.jazzybee-verlag.de
Eigentlich Giovan Domenico, ein als Philosoph hervorragender ital. Mönch, geb. 5. Sept. 1568 zu Stilo in Kalabrien, gest. 21. Mai 1639, ward in seinem 15. Jahre Dominikanermönch. Durch eine Schrift: »Philosophia sensibus demonstrata« (Neap. 1590), worin er Telesius, den Bekämpfer des Aristoteles, verteidigte, machte er sich den Anhängern des letzteren so verhasst, dass er aus seiner Heimat fliehen musste. Der Zauberei angeklagt, wurde er, als er nach längerem Aufenthalt in Rom, Florenz, Venedig, Padua und Bologna 1599 in seine Vaterstadt zurückkehrte, auch in politischer Hinsicht verdächtigt, so dass ihn die spanische Regierung wegen eines beabsichtigten Majestätsverbrechens in den Kerker werfen ließ, in dem er 26 Jahre lang schmachtete. Siebenmal auf die Folter gebracht, jedes Umganges und anfänglich selbst aller Lektüre beraubt, verfasste er im Gefängnis über 40 z. T. verloren gegangene Schriften, bis er endlich auf Verwendung des Papstes Urban VIII. in Rom interniert und drei Jahre später (1629) mit einem Jahrgehalt freigegeben wurde. Auch in Rom vor den Spaniern sich nicht sicher fühlend, ging er nach Paris, wo Ludwig XIII. und Richelieu ihn gütig aufnahmen. Lebensmüde zog er sich zuletzt in ein Kloster seines Ordens daselbst zurück. Der Tod überraschte ihn, ehe er die Sammlung seiner Werke vollendet hatte; nur die vier ersten Bände (Par. 1630) waren erschienen. Außer dem angeführten Werk erwähnen wir noch von ihm: »De sensu rerum et magia« (Frankf.1620; 2. Aufl., Par. 1636); »Universalis philosophiae seu metaphysicarum rerum juxta propria dogmata partes III« (Par. 1638); »Civitas solis« (Frankf.1623; deutsch: »Der Sonnenstaat«, von Wessely, Münch. 1900); »Atheismus triumphatus s. contra antichristianismum« (Rom 1631). Der Katholizismus und Papismus werden vertreten in »Monarchia Messiae« (Aix 1633) und in »Della libertà e della felice suggezzione allo stato ecclesiastico« (das. 1633), wodurch er sich die Gunst des römischen Stuhles sicherte. Von seinen Gedichten besorgte Tobias Adami eine Ausgabe u. d. T.: »Scelta d'alcune poesie filosofiche de Settimontana Squilla« (Frankf. 1622; neue Ausg. von Orelli, Lugano 1834), woraus Herder in der »Adrastea« (Bd. 3)[724] Stücke ins Deutsche übersetzt hat. Über seine eignen Schriften gibt C. Nachricht in »De propriis libris et recta ratione studendi syntagma« (beste Ausg. von Naudé, Par. 1643). Seine Theologie war die des Thomas von Aquino, seine Naturphilosophie von Telesius, seine Logik von Lullus beeinflusst; nur in der praktischen Philosophie bewegte er sich freier. Der Theologe sollte sich so wenig auf Naturgesetze wieder Physiker sich auf die Bibel berufen. Grundlage aller Erkenntnis ist die Wahrnehmung (sentire est scire) und der Glaube. Aus ersterer entsteht in wissenschaftlicher Arbeit die Philosophie, aus letzterem die Theologie. Die Metaphysik umfasst die Urgründe aller Dinge, das Seiende (ens) und das Nichts (non-ens), und deren Eigenschaften: potentia, sapientia und amor. Das Gewisseste ist ihm die eigne Existenz; dieser Satz findet sich mit Beweisen Campanellas für das Dasein Gottes später bei Descartes wieder. In Campanellas »Sonnenstaat«, der der »Republik Platons« nachgebildet ist, steht an der Spitze ein Metaphysikus (mit dem Namen Sonne), dem die drei Repräsentanten der Potentia, Sapientia und des Amor zur Hand gehen. Mit Campanellas universalistischer Natur- und monarchistischer Staatsansicht stimmte auch seine Vorliebe für die päpstliche Universalkirche und spanische Weltmonarchie sowie seine Abneigung gegen die Reformation Luthers zusammen. Eine neue Ausgabe seiner »Opere« besorgte A. d'Ancona (Turin 1854). Vgl. Rixner und Siber, Thomas C. (Sulzb.1826); Tröbst, Der Sonnenstaat des C. (Weimar 1860); Berti, La vita e le opere di T. C. (Rom 1878); Amabile, Fra Tomm. C. e la sua congiura, i suoi processi, ecc.(Neapel 1882, 3 Bde.); Sigwart, Thomas C. und seine politischen Ideen (»Kleine Schriften«, Bd. 1, Freib. 1889); Felici, Le dottrine filosofico-religiose di Toma C. (Lauriano 1895); v. Kozlowski, Die Erkenntnislehre Campanellas (Leipz. 1897).
Personen des Gesprächs.
Der Großmeister der Hospitaliter.
Ein genuesischer Schiffskommandant, sein Gast.
DER GROSSMEISTER. Wohlan, ich bitte dich, erzähle mir, was dir während deiner letzten Seefahrt Alles widerfahren ist?
DER GENUESE. Ich habe dir schon auseinandergesetzt, in welcher Weise ich meine Weltumsegelung ausgeführt habe und endlich nach Taprobana gekommen und gezwungen worden bin zu landen, dann, aus Furcht vor den Einwohnern mich in einem Walde verborgen habe, den ich nach einiger Zeit wieder verließ, um mich in einer großen Ebene direkt unter dem Aequator zu befinden.
DER GROSSMEISTER. Und was ist dir da widerfahren?
DER GENUESE. Ich gerieth in einen Haufen bewaffneter Männer und Weiber, deren Viele unsere Sprache kannten. Sie führten mich geraden Wegs nach der Sonnenstadt.
DER GROSSMEISTER. Laß hören, wie dieses Staatswesen konstruirt ist und wie es regiert wird.
DER GENUESE. In einer weitgestreckten Ebene erhebt sich ein mächtiger Hügel, auf dem der größte Theil der Stadt staffelförmig angelegt ist. Die vielfachen Umkreise der Stadt erstrecken sich eine lange Strecke über den Fuß des Berges hinaus, so daß der Durchmesser der Stadt zwei, ihr Umfang aber über sieben Meilen beträgt. In Folge ihrer hügeligen Lage nimmt sie mehr Raum ein, als wenn sie in der Ebene läge.
Sie ist in sieben große Kreise eingetheilt, die nach den sieben Planeten benannt sind. Aus einem in den andern gelangt man auf vier Wegen und durch vier Thore, die nach den vier Weltgegenden gerichtet sind. Diese Stadt ist so gebaut, daß, wenn Jemand den ersten Kreis erobert hätte, er die doppelte Anstrengung daranwenden müßte, um den zweiten zu erobern, und noch größere, um den dritten in die Hand zu bekommen, und so hätte er immerfort gesteigerte Bemühungen und Anstrengungen aufzubieten, so daß die Stadt siebenmal von ihm erobert werden müßte. Ich bin aber der Ansicht, daß nicht einmal der erste Kreis eingenommen werden könnte, mit so breiten Erdwällen ist er eingefaßt und mit Bollwerken aller Art befestigt und bewehrt, wie Thürmen, Gräben, Bombarden.
Als ich nun durch das nördliche Thor eingetreten war, das mit Eisen überzogen und so gearbeitet ist, daß es in die Höhe gezogen und herabgelassen werden kann, und sich mit Leichtigkeit und völliger Sicherheit schließen läßt, indem seine Angeln sich höchst kunstvoll in den Rinnen starker Balken bewegen, erblickte ich einen ebenen Zwischenraum von siebzig Schritt, der die erste Mauer von der zweiten trennt. Dann sieht man großartige Paläste, die alle an die Mauern des zweiten Kreises angebaut sind, so daß man sie sämmtlich für einen einzigen Gebäudekomplex halten könnte. In halber Höhe der Paläste sieht man den ganzen Kreis entlang fortgeführte Schwibbogen mit Spazierdächern auf denselben, von schönen, unten breit auslaufenden Säulen getragen, die wie Peristyle oder Klosterräume eine Säulenhalle umsäumen.
Unten sind nur Eingänge in den konkaven Partien der Mauern; in die unten belegenen Zimmer gelangt man ebenerdig und in die oberen Stockwerke auf Marmortreppen, die zu Spazierdächern im Innern führen, von denen man wieder in die oberen prächtigen Stockwerke gelangt. Diese empfangen Licht durch zierlich gestaltete Fenster, die sich im konkaven und im konvexen Theile der Wände befinden.
Die konvexe, d.i. die sich ausbauchende oder vorspringende Mauer, hat eine Dicke von 8 Spannen, die konkave auf der Innenseite von nur drei Spannen, die Zwischenmauer nur von einer Spanne oder vielleicht noch einer halben.
Wenn man über die erste Ebene hinüber ist, gelangt man auf die zweite, die etwa um drei Schritte schmäler ist. Von hier aus erblickt man die erste Mauer des zweiten Kreises, mit ähnlichen Wandelgängen oben und unten geschmückt, und mehr nach rückwärts ist eine zweite Mauer, welche die dort befindlichen Paläste umfängt, und unten befinden sich von Säulen getragene Erker und Peristyle, oben aber, wo die Ausgänge der höher gelegenen Häuser sind, sind ausgezeichnete Gemälde angebracht.
So geht man durch ähnliche Kreisrundgänge und doppelte Mauern, die Paläste zwischen sich einschließen und mit Wandeldächern nach außen geschmückt sind, die von Säulen gestützt werden, und gelangt zum obersten Rundgang, immerfort auf gerader Fläche. Nur wenn man durch die Thore der einwärts und der auswärts gebogenen Mauer schreitet, steigt man über Stufen, was man aber kaum gewahr wird, da sie sehr schräg angehen und die Steigung der einzelnen Stufen kaum merkbar ist.
Am Gipfel des Berges aber ist eine geräumige Ebene, in deren Mitte ein Tempel errichtet ist, der sich als ein wunderbarer Kunstbau erhebt.
DER GROSSMEISTER. Fahre fort, fahre fort, ich beschwöre dich.
DER GENUESE. Der Tempel ist von vollkommen runder Gestalt und nicht von Mauern umgeben, sondern schwebt auf starken, zierlich gearbeiteten Säulen. Die größere Kuppel in der Mitte des Daches, gleichsam der Pol des Tempels, ist von einer kleineren überhöht, die im Mittelpunkt ein Guckloch hat, durch welches man direkt auf den Altar herabsieht, der sich in der Mitte des Tempels befindet, dessen Peripherie dreihundertfünfzig Schritt übersteigt. Auf der Außenseite der Säulenkapitäle und auf diese gestützt, erheben sich etwa acht Schritt vorragende Schwibbogen, die von unten auf einer dicken, drei Schritt hohen Mauer basiren, so daß die Säulen des Tempels und jene, welche den äußeren Schwibbogen tragen, mit ihren Zwischenräumen eine niedere Galerie bilden, die ein prächtiges Pflaster hat. Die Innenseite der niedrigen Mauer ist von zahlreichen Thüren unterbrochen, und hier und da erblickt man unbewegliche Sitze, wenn gleich auch zahlreiche zierliche, tragbare Stühle zwischen den inneren Säulen des Tempels selbst vorhanden sind.
Ueber dem Altar sind nur zwei Globen zu sehen, weiter nichts; auf dem größeren derselben ist der gesammte Himmel abgebildet, auf dem zweiten die ganze Erde. In der größeren Kuppel sind die Sterne von der ersten bis zur sechsten Größe abgebildet und mit ihren speziellen Namen verzeichnet, auch ist ihr Einfluß auf die irdischen Dinge je in drei Versen geschildert. Darauf sind auch die Pole und die größeren und kleineren Himmelskreise in perspektivischer Zeichnung, doch nicht fertig ausgeführt, da die Mauer nach untenzu abbricht, der Globus also, wie die Kuppel, nur eine Halbkugel ist. Man kann sich durch Betrachtung dieser Globen wissenschaftlich belehren. Der Estrich schimmert von kostbaren Steinen. Sieben goldene Lampen hängen von der Decke herab und brennen beständig. Sie führen die Namen der sieben Planeten.
Die kleinere Kuppel des Daches umgeben zierliche kleine Zellen und hinter jener Terrasse oder Plattform über den Schwibbogen der inneren und äußeren Säulen befinden sich viele große und schmucke Zellen, worin die Priester und Mönche wohnen, neunundvierzig an der Zahl.
Ueber der kleinen Kuppel ragt eine nach allen Seiten bewegliche Fahne empor, welche die Winde anzeigt, deren man bis zu sechsunddreißig unterscheidet. Sie kennen die einzelnen Winde, die im Jahre herrschen und was für Wetterwechsel zu Lande und zur See stattfinden, aber nur in ihrem Himmelsstriche. Unter der Fahne wird ein Buch aufbewahrt, worin diese meteorologischen Angaben mit goldenen Buchstaben verzeichnet sind.
DER GROSSMEISTER. Ich bitte dich, edler Held, setze mir die Verfassung und Regierung dieses Volkes auseinander. Ich habe mit Ungeduld gewartet, bis du zu diesem Punkte kommen würdest.
DER GENUESE. Der oberste Fürst bei ihnen ist ein Priester, den sie in ihrer Sprache Sol (Sonne) nennen; wir würden ihn in unserer Sprache Metaphysikus nennen, Er ist der höchste Machthaber in geistlichen und weltlichen Dingen; alle Angelegenheiten und Streitigkeiten werden durch sein Urtheil entschieden.
Ihm stehen drei andere Häupter gleichberechtigt zur Seite: Pon, Sin und Mor, in unserer Sprache, Macht, Weisheit und Liebe.
Dem »Macht« liegen die Interessen des Krieges und Friedens ob, so alle militärischen Angelegenheiten; darin ist er unbedingter Herr, doch nicht über dem Sol. Er hat die Oberaussicht über die militärischen Behörden, über das Heer, über die Kriegsvorräthe, die Befestigungen, die Belagerungen, die Kriegsmaschinen und über alle dahin einschlägigen Dinge.
Dem »Weisheit« unterstehen die freien und die mechanischen Künste und die Wissenschaften, die betreffenden Behörden und die Unterrichtsanstalten. Es gibt einen Beamten, der Astrolog heißt, desgleichen einen Kosmographen, einen Geometer, einen Historiographen, einen Dichter, Logiker, Rhetor, Grammatiker, Arzt, Physiker, Politiker, Moralisten.
Sie haben nur ein einziges Buch, das sie »Weisheit« nennen, ein Compendium aller Wissenschaften, die mit wunderbarer Leichtigkeit zusammengefaßt sind. Dieses lesen sie dem Volke nach der Weise der Pythagoräer vor.
