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Oh Gott - Hauptkommissar Karl Nagel hat Dienst und muss in die Nachbarschaft zu einer männlichen Leiche. Peenemünderstraße. Ein notorischer Schwerverbrecher scheint als Schuldiger sofort ausgemacht, weil er auf Nagel und seine Kollegen mit einem blutigen Messer losgeht. Als man feststellt, dass das Opfer ein Malteser ist und nichts ist, wie es scheint, startet Nagel seinen eigenen Ritter-Kreuzzug...
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Ingo M Schaefer
Der tote Malteser
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Der tote Malteser
Grundsätzliches
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Impressum
Impressum neobooks
Ingo M. Schaefer
Für Melanie, meine liebste Große
Nichts, aber auch gaaar nichts, verbindet meine Krimis mit der real existierenden Polizei, deren Methoden, Zugehörigkeiten oder Instituten.
Alles hier Niedergeschriebene ist frei erfunden: die Figuren, die Handlungen, einfach alles.
Ich ritt meinen Hightech-Karbon-Alu-Hengst die Halmstraße hoch zur Bördestraße. Es war neun Uhr abends und ich hatte Bereitschaft. Ich bin Karl Nagel, Hauptkommissar und Leiter der Bremer Mordkommission K007, einem kleinen Splitter im Eichenkreuz der Bremer Verbrechensbekämpfung. Vor zehn Minuten geschah folgendes:
„Äh, Hauptkommissar Nagel!“
„Ja?“, fragte ich in den Hörer.
„In Lesum, Peenemünder Straße, wurde eine männliche Person tot aufgefunden. Äh, Sie haben ja Bereitschaft …. Sie wissen schon, Lesum, da-“
„Bin unterwegs“, unterbrach ich den Kollegen und legte auf. Ich lief in die Knochengrotte hinunter, in der die verführerische Herrscherin einen Oberschenkelknochen zärtlich streichelte. Sie hatte diese neumodischen Stöpsel im Ohr. Sie sah auf und nahm die Pfropfen raus. Deep Purple, hörte ich. Die Musik lief weiter.
„In Lesum ist ein Toter gefunden worden“, rief ich.
„Oh mein Gott, Karl, und du hast Bereitschaft!“ Sie klatschte ihre Hände an die Wangen. „Kein Überstundenabbau! Kein Urlaub!“, grinste sie. Ich kam mir ein bisschen verulkt vor. Dann wurde sie ernst. „Karl, unser gemütliches Lesum verwandelt sich in einen großen Tat-Ort. Mach‘ was dagegen!“
Sie stöpselte sich die Mini-Lautsprecher in die Ohren, kam auf mich zu und küsste mich. Highway to Hell drang gedämpft an meine Ohren.
Sommer in Lesmona. Seit Wochen trocknete die Sonne die Gärten aus. Das Paragrafenverbot des Gartensprengens oder in Amtssprache Regulierung zur Bewässerung nichtkommerziellen Pflanzenbewuchses stand kurz vor der Verabschiedung – empfohlen war es schon. Als erstes traf es die Poolbesitzer, die ihre offenen Wasserreservoirs nicht frisch befüllen durften.
Am Ende der Halmstraße angekommen bot mir die Bördestraße an, nach rechts oder links zu fahren. Mir gegenüber lockte der glatte Asphalt mit Zeitsparen. Ich zischte in die Treptower Straße und fuhr am Fittjenberg vorbei. Bevor ich die Rotdornallee überquerte, wartete ich auf grün. Ich hatte kein Martinshorn am Lenker. Ich ahnte, ich war der Fahrradfahrer in Bremen, der an einer roten Ampel an der Bremse zog statt erst recht in die Pedale zu treten.
Vor mir sah ich das riesige Bauareal. Das ehemalige Gebiet der Übergangsbaracken wurde bis auf drei zweistöckige Wohnheime links der Peenemünder Straße und einem baugleichen Wohnhaus dahinter komplett abgerissen, um neu und mehrstöckig zu bauen. Supermärkte, Ärztehäuser. Sogar die Bus-Linie 91 wollte man hier durchfahren lassen. Die Rotdornallee mit dem Friedehorst-Areal wurde aus dem Reihenhaus-Dornröschenschlaf gebaggert.
Grillfleisch duftete die Umgebung zu und andere Schalenfeuerdämpfe kratzten in der Nase. An lauwarmen Freitagabenden feuerten die Männer und kokelten die Frauen. Da erinnerte ich mich an heute Nachmittag. Obi-wa-kenobi, in seinem Pass stand Hinnerk, pries mir einen Smoker an. Die Amerikaner zelebrierten im Dampf gegartes Fleisch. Bald würden solche Smoker die deutsche Grillkultur revolutionieren. Mir lief bei seinen Worten ein Wasserfall über die Unterlippe. Meine Hände zuckten bereits, um die Brieftasche heraus zu pfriemeln, bis meine Frau meinen Rücken als Trommel benutzte, meinen Wasserlauf zum Versiegen brachte und Hinnerks Wörterquelle stilllegte. Marga genügte dazu ein fester Blick. Ich durfte nicht alleine zum Baumarkt, zu meinem Obi-wa-kenobi. Roter Teppich? Ade.
Die Ampel wurde grün, und ich strampelte los. Die Kollegen des Lesumer Reviers sperrten bereits die Straße komplett. Am rechten Straßenrand, ungefähr dreihundert Meter von der Kreuzung entfernt, sah ich einen aufgeklappten Sichtschutz. Doktor Sonja Marker hatte diese Neuerung aus Amerika mitgebracht. Was kam nicht aus dem Kaugummiland? Gelbes Flatterband mit warnenden schwarzen Lettern ,crime scene - don‘t enter‘ , auch das importiert aus Disneys Mutterland, sperrte die Straße vor und hinter dem Fundort. Die Schmalfolie hing in der mit Rauchfleisch und Holzkohle geschwängerten Luft.
Ich hielt vor dem Band, sah die Pathologin knien. Sie winkte mich zu ihr. Ein Schutzpolizist stellte sich mir in den Weg.
„Moin, Karl“, sagte er. „Vorschrift ist Vorschrift.“
„Moin, Hannes.“ Hauptkommissar Hannes Morat war seit Jahr und Tag Bereitschaftspolizist mit Seele und wollte niemals woandershin versetzt werden. Ich zeigte meinen Ausweis. Er winkte seine Leute herbei. Vier Männer und zwei Frauen.
„Warum sitzt du nicht hinterm Schreibtisch?“, fragte ich.
„Wir haben neue Kollegen. Diese Gelegenheit hier“, er zeigte auf den Schirm, „lasse ich nicht entgehen, sie anzulernen. Sie brauchen eine feste Hand.“
Ich wurde vorgestellt.
„Könnt Ihr mir einen Gefallen tun?“, bat ich.
„Welchen?“, fragte er argwöhnisch.
„Verbraucht bitte die ganzen Rollen aus dem Wagen bei jedem Einsatz zehnfach. Umso schneller flattert wieder unser geliebtes Bremer rot - weiß Band.“
Sie lachten. Hannes brachte mich zur Pathologin, nicht ohne Erklärungen an die Neuen. Dann verteilte er sie wieder.
„Moin, Doktor Marker.“ Diesmal betonte ich den Namen.
„Moin, Hauptkommissar Nagel.“ Sie betonte ebenfalls meinen Namen auf die gleiche Art. Ich ging um den Schirm herum.
Ein Mann, etwa vierzig, lag mit seltsam angewinkelten Beinen auf dem Asphalt. Seine Brust schien auf den Boden geklebt. Sie schob das Hemd des Toten hoch. Um die Hüfte zog sich ein violetter Streifen quer über den Rücken und ein breiterer die Wirbelsäule hoch. Die Hände waren blutig.
„Sieht aus wie ein ...“
„Kreuz, ja“, pflichtete sie mir bei. „Die Tat ist vor kurzem geschehen.“
„Wo kommt das Blut her?“ Der Mann lag in einer Blutlache.
„Ich habe ihn bisher nicht umgedreht. Der Fotograf ist unterwegs.“
„Was ist mit seinen Fingerkuppen?“
Die Fingerkuppen waren blutig und rau ausgefranst.
„Schnittwunden. Vielleicht Abwehrwunden eines Messers.“
Ich ging zu meinem Rad und nahm den Strahler ab. Das Licht offenbarte reflektierende runde Flecken auf dem Boden. Dem Aberglauben nach machte die Farbe Stiere wütend.
„Hannes!“, rief ich, winkte ihn herbei. „Kommst du bitte mit“, bat ich ihn. „Mach‘ deine Waffe locker!“, befahl ich ihm.
„Wenn du es sagst, Herr Hauptkommissar.“
„Ja, das sage ich, Herr Hauptkommissar.“
Auf der linken Seite standen drei Gebäude für Flüchtlinge. Das vierte Haus benutzte die Stadt seit den siebziger Jahren. Hannes und ich kannten die besondere Verwendung des vierten Blocks. Ich prüfte mit einem Blick, ob er mich verstand. Seine Hand ging automatisch zur Pistole. Die Blutstropfen auf den Steinen führten uns zum vierten Wohnhaus. Baugleich wie die anderen drei. Zwei Eingänge, zwei Etagen. Anderer Inhalt. Keine Mehrbettzimmer, keine Gemeinschaftsküche sondern Einzelzimmer mit Waschbecken und Kochgelegenheit. Damit die Bewohner so wenig wie möglich miteinander zu tun hatten.
