Die Tote im Heidbergbad - Ingo M. Schaefer - E-Book

Die Tote im Heidbergbad E-Book

Ingo M. Schaefer

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Beschreibung

Eigentlich wollte Karl Nagel an seinem ersten Urlaubstag nur ein paar Fischbrötchen holen. Stattdessen findet er einen goldenen Ring und eine Leiche im stillgelegten Lesumer Freibad. Bis er entdeckt, dass er zwei Fälle hat, kämpft er gegen das Vorurteil, dass der Mörder immer aus der nächsten Umgebung sein soll und lüftet ein altes Bremer Geheimnis.

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Seitenzahl: 44

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Ingo M. Schaefer

Die Tote im Heidbergbad

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Tote im Heidbergbad

Grundsätzliches

1

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Impressum

Impressum neobooks

Die Tote im Heidbergbad

Ingo M. Schaefer

Für Melanie, meine liebste Große

Grundsätzliches

Nichts, aber auch gaaar nichts, verbindet meine Krimis mit der real existierenden Polizei, deren Methoden, Zugehörigkeiten oder Instituten.

Alles hier Niedergeschriebene ist frei erfunden: die Figuren, die Handlungen, einfach alles.

1

Die Ratte nagte an einem Finger, den ein dicker goldener Ring zierte. Der Nager schaute mich an, jederzeit bereit mit Finger und Ring abzuhauen. Mein Urlaubstag sollte also nicht mit Fisch und Brötchen beginnen.

Der kleine Weg, den ich geradelt war, führte am verrosteten Zaun des ehemaligen Heidbergbades entlang bis zu einer scharfen Kurve. Seit ich denken konnte, roch ich hier Abwasser, hielt die Luft an und fuhr schnell weiter. In dem Moment hatte ich die Ratte gesehen, stoppte, ließ das Rad fallen und jagte dem jetzt fliehenden Flohhotel hinterher - tief atmend. Das Tier verschwand in einem der Tunnel der Ihle, dem trennenden Bach der Bremer Ortsteile Lesum und Burgdamm. Den Finger bekam ich nicht. Dafür hob ich den Ring auf.

Der Siegelring zeigte ein Wappen: Drei Türme. Ich wickelte das massive, geradezu museale Schmuckstück in mein Taschentuch.Zurück am Fahrrad schaute ich auf das seit Jahren sich selbst überlassene Gelände, woher die Ratte anscheinend gekommen war. Ein Riss durchbrach den Maschendrahtzaun, der drei Seiten des großen Areals eingrenzte. Eine betonierte Fläche mit einem Basketballkorb dämmte den Wachstumswillen der Natur. Man ahnte zwei Plätze für Beach-Volleyball. Zerfetzte Netze hingen zwischen Pfosten. Weder eine teure Rutsche noch diese nutzlosen Investitionen hatten das Freibad vor der Schließung bewahren können. Rechts durchbrach das leere Schwimmbecken wie ein Fremdkörper die wuchernde Vegetation. Angewehter Schmutz hatte verschiedenen Pflanzen Nahrung und Halt auf dem Betonboden verschafft. Mit einer drei Meter hohen Kachelklippe schien dieser überdimensionale Tümpel in Lesum in einer anderen, einer alten unberührten Welt zu liegen. Den Grund des Beckens konnte ich von meiner Position nicht erkennen.

Ein menschlicher Finger im Maul einer Ratte, die vom verwilderten Heidbergbad kam. Ab da sollte jeder Bürger die Polizei anrufen. Verdacht auf ein Kapitalverbrechen. Sollte! Ich bekam diese Anrufe.

Das Loch im Zaun war groß genug und ich schlüpfte hindurch.

Hohes Gras, emporstrebende Bäume und kleinere Büsche durchsetzten die frühere Spielwiese. Das schmale Flüsschen trennte das steppenähnliche Gelände von Buschlandschaft mit Schwimmbecken.

Ganz früher hatte sich das Wasser der Ihle zum Klostermühlenteich angesammelt, aus dem dann nach dem Krieg das Heidbergbad entstanden war. Ich schaute mich um, suchte den Körper zu dem Finger im Rattenmaul. Ich überquerte die Wiese und ging zu einer der zwei Brücken, die beide Areale - ehemaliges Schwimmbecken und Liegewiese – verbanden. Im Norden, der vierten Seite, schirmte ein hoher Holzzaun und dichtes Buschwerk das Spekulationsgelände ab. Dahinter flitzten Autos und Busse über den Lesumer Schnellweg oder auf Straßendeutsch - die A270.

Eine tote Frau lag mit dem Kopf nach unten im Nichtschwimmerbereich. Jetzt gab es kein Aufschieben mehr. Ich rief Marga an.

„Hm, du bist gerade los. Du kannst also nicht mehr als ein paar Hundert Meter Luftlinie von mir weg sein.“ Genaugenommen war ich näher. Ich konnte unser Haus wegen des hohen Blätterwaldes nicht sehen. „Du rufst mich jetzt an? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Du hast Urlaub! Hallooo!“

Ich liebe Marga, seit sie als Siebzehnjährige meinen damaligen Halbstarken-Weg änderte. Ohne sie wüsste ich nicht, was Urlaub ist.

„Ich stehe im Heidbergbad und betrachte eine Leiche im Schwimmbecken. Ich melde mich, wenn ich bei FischJäger bin. Jetzt rufe ich die Kollegen!“, sagte ich einfach. Sie ist die Frau eines Polizisten. Sie kennt das. Wir legten auf.

2

Ich bin Karl Nagel, Leiter der K007, einem kleinen Löwenzahn auf der Wiese der Bremischen Verbrechensbekämpfung. Während ich wartete, blickte ich hinüber zu den alten verwahrlosten Flachgebäuden. Das ehemalige Wohnhaus des Badleiters stand auf einer Anhöhe, daneben die Umkleiden und Toiletten. Meterhohe Eschen verwehrten mir einen Überblick. Ich sah keine Fußspuren.

Der Trubel stellte sich nach einer dreiviertel Stunde ein. Bereitschaftspolizisten sicherten den Zaun, vor dem bereits ein paar Rentner Abwechslung in ihren Trott brachten. Herein kamen nur die Leute, die nicht gaffen, sondern arbeiten wollten: Einsatzleitung, Rechtsmedizin, Fotograf, Spurensicherung oder im Nagel-Jargon kurz und bündig Spurg. Ich winkte den Chef der Fadenzähler herbei.

Yannick Helmke baute sich vor mir auf. Groß, schlank und schlecht gelaunt. Der Laborchef. Wir kannten uns seit Schulzeiten. Während er mit Chemie- und anderen Baukästen regelmäßig sein Zimmer demoliert hatte, war ich mehr daran interessiert gewesen, Handball zu spielen und vor bestimmten Mädchen eine Show hinzulegen. Als seine und meine Schwester, die, wie Yannick und ich, gleich alt waren, mal von einer Jungenbande ausgeraubt worden waren, kamen wir zusammen und wurden ein unschlagbares Team. Dann trennten sich die Wege, bis wir uns in der Polizeikantine begegneten. Ich, ein junger unerfahrener Kriminalmeister, und er, Labortechniker auf Probe. Er war nun der Albus Dumbledore der Spurensicherung und wusste das.