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Die zweite Kriminalerzählung mit Hauptkommissar Nagel. Karl Nagel radelt gerade zur Ausgrabung seiner Ehefrau Marga, um zu helfen. Stattdessen liegt eine Tote in der Grube. Als Nagels Team feststellt, dass erfolgreiche Geschäftsfrauen das Ziel des Mörders sind, ist Eile geboten.
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Seitenzahl: 45
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Ingo M Schaefer
Die Tote am Steinkamp
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Tote am Steinkamp
Grundsätzliches
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Impressum
Impressum neobooks
Ingo M. Schaefer
Für Melanie, meine liebste Große
Nichts, aber auch gaaar nichts, verbindet meine Krimis mit der real existierenden Polizei, deren Methoden, Zugehörigkeiten oder Instituten.
Alles hier Niedergeschriebene ist frei erfunden: die Figuren, die Handlungen, einfach alles.
Auf der Straße Hinterm Halm radelte ich am einzigen Hochmoor Norddeutschlands vorbei zur Straße Am Ruschdahl. Rechts auf der kleinen Wiese malmten die schwarzen Mufflonschafe im durchsichtigen Frühnebel, der aus dem Feuchtgebiet aufstieg. Eine Elster flog aus der Richtung, in die ich wollte, recht niedrig auf mich zu. Ich stellte das Treten ein und rollte in der Hoffnung dahin, der Vogel gewänne an Flughöhe, statt auf meinem Kopf zu landen. Erst das silberne Blinken im Maul des Ahnherrn der Diebe ließ meine Finger die Bremshebel niederdrücken. Der fliegende Vater des Kontrastes vermied das typische Schäkern, wenn er aufgeregt war, fast sang er zu mir. Weil mir gerade Greifbares fehlte - der Lenker flog schlecht mit anhängenden Rädern und Gestell – schrie und wedelte ich mit den Armen. Das Rad fiel zu Boden, während der asiatische Glücksbote vor mir in die Höhe schoss. Dabei fiel ihm etwas aus dem Schnabel. Der Tag begann glücklich, weil eine silberne dicke Fingerzierde auf den Asphalt prallte, mehrmals hüpfte und direkt vor meine Schuhe rollte. Mit dem Taschentuch nahm ich das Kleinod auf und betrachtete das Silber, das pica pica, diedeutscheUnglücksbotin, mir vor die Füße gespuckt hatte.
Auch wenn ich eine böse Ahnung bekam, wollte ich starr an meinem Versprechen festhalten, das zwei Tage alt war. Mein gegebenes Wort enthielt unter anderem Überstundenabbau.
Ich sah im Baumwolltuch den Einen Ring, obwohl ich mich bisher nie zu den Herren zählte. In Silber lag er da. Im Kino verführte er in Gold. Die Realität ist trister. Klar, dass ich kein Feuer brauchte, um die eingravierten unlesbaren Kritzeleien zu sehen. Allein die dunkelroten Tupfer offenbarten, dass der besitzende Finger den Verschwindeschmuck unter Zwang abgeben musste.
Taschentuch und Ring stopfte ich in die Hosentasche und setzte mich auf meinen Alu-Carbon-Mustang.
Ich überquerte die Straße Am Ruschdahl, um schräg links in den kleinen Schleichweg zur Schule am Steinkamp zu radeln.
Die beste Schule der Welt, zumindest architektonisch, konnte man über Straßen erreichen oder nutzte eben heimliche Schleichwege, die nur die Schüler benutzten, um noch vor dem Lehrer in die Klasse zu schlüpfen. Die Matschschneisen waren so alt wie die Schule selbst und der erdige Trampelpfad gabelte sich vor mir. Nach rechts kam man zum Abstellplatz für Pennäler-Räder, vorbei an der Zimmerei; blieb man links, erreichte man den Heimlichkeit-Bereich. Ein paar Steinplatten lümmelten auf dem Boden. Aus dem Baumschatten herausgetreten breitete sich vor den Schülern eine riesige freie Fläche aus. Mit zunehmendem Alter wandelte sich riesig in überschaubar. Gute hundertfünfzig Meter von mir entfernt lag der Asphaltplatz mit zwei Fußball-Stahltoren. Dahinter befand sich der Basketballplatz und bildete zugleich die gegenüberliegende Schulgrenze. Zwei Asphaltplätze für Fußball und Basketball sorgten für Spiel und Gesundheit, eine große Wiese mit Büschen, Sichtschutzhecken und einem Tümpel mit Schilf sorgten für Spaß. Die seitlichen Grenzen dieser Zone-außer-Sicht waren rechts die Fensterfassaden der Klassenräume und links ein Schotterweg, der die Linie zwischen Schulgelände und Gärten zog.
So war das früher, als ich hier zur Schule ging.
Vor drei Tagen rasierte ein Bagger einem Teil der Wiese den Humus ab. Dunkle Planen lagen über scharfkantigen meterbreiten Gruben. Auf dem asphaltierten Fußballplatz lag Abraumerde, und auf dem Basketballplatz stand der Erdschieber.
Als Yannick und ich hier zur Schule gingen, hieß sie bereits Schulverbund Lesum. In jeder Pause, ob große mit zwanzig Minuten oder kurze mit fünf Minuten, lief unsere Klasse zum Fußballplatz. Tennisball in die Mitte und los ging es. Nur Koordinationskrüppel spielten mit einem großen Ball, den traf nämlich jeder. Unsere Mädchen schauten zu und lachten den aus, der nicht traf. Das war genug Antrieb für jeden. Heute würden Psychologen Mobbing schreien. Ich nannte es sich durchbeißen. Natürlich spielten die Frauen in Ausbildung öfters auch mit. Dann liefen wir im Sommer mit blauen Schienbeinen herum. Niemand wollte ein Weichei sein und trug Schoner.
Mir war egal, was andere sagten, die Schule am Steinkamp war die Schönste der Welt und die künstlerisch Ambitionierteste auf jeden Fall.
Nun sollten gesund haltende und schlankmachende Schülerareale einem großen, dick machenden Parkplatz für Lehrer und Besucher weichen. Der Teich sollte trockengelegt und die Zufahrt über die jetzige Grabungsfläche erfolgen.
