Die Tote Am Heidbergstift - Ingo M Schaefer - E-Book

Die Tote Am Heidbergstift E-Book

Ingo M. Schaefer

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Beschreibung

Der vierte Nagel. Kaum zurück aus der Antarktis fährt Hauptkommissar Karl Nagel wieder Fahrrad und, genau, findet eine Frauenleiche an der Bushaltestelle Am Heidbergstift. Die Mordwaffe baut sich langsam selber ab. Es sei denn man beschleunigt dies. Nicht nur die Freundin seiner Frau Marga ist verdächtig...

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Seitenzahl: 62

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Ingo M Schaefer

Die Tote Am Heidbergstift

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Die Tote Am Heidbergstift

Grundsätzliches

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Impressum

Impressum neobooks

Die Tote Am Heidbergstift

Ingo M. Schaefer

Für Melanie, meine liebste Große

Grundsätzliches

Nichts, aber auch gaaar nichts, verbindet meine Krimis mit der real existierenden Polizei, deren Methoden, Zugehörigkeiten oder Instituten.

Alles hier Niedergeschriebene ist frei erfunden: die Figuren, die Handlungen, einfach alles.

1

Marga und ich radelten von meiner Schwägerin Anna kommend nach Hause. Wir Lesumer fuhren jeden Meter mit unseren Aluhengsten oder Alustuten. Durch Treten sich selbst fortzubewegen bedeutete zurück und zuhause zu sein. Die letzten dreieinhalb Monate bewegten wir uns auf Trimm-Dich-Maschinen im Fitnessraum des Forschungsschiffs Alfred Wegener.

Jetzt strampelte das Ehepaar Nagel die Düne hoch zum Heidbergstift. Marga blieb etwas hinter mir. Vielleicht hatte sie auf der Party ein Sektchen zu viel getrunken. Es war drei Uhr nachts und Sonntag. Bereitschaft hatten andere. Ich lächelte einem ruhigen Tag entgegen. Lange ausschlafen, Frühstücksbuffet.

Ich fuhr etwas langsamer. Sie war schließlich meine Frau, meine Gefährtin und gehörte an meine Seite. Sie holte auf.

Ich blickte zur ihr nach hinten, als wir an dem dreieckigen Gewerbegelände vorbeifuhren.

„Karl!“, warnte sie.

Ich sah nach vorn und stoppte, um eine schwarze Katze vorbei zu lassen, die von links nach rechts über die Straße lief. Statt auf das ehemalige Glasergelände zu huschen, jagte das lebende Funkenfell den Bürgersteig entlang geradewegs zur Kreuzung Am Heidbergstift. Der Mäuseschreck kurvte, den Gehwegplatten folgend, nach rechts. Dort stand das Bushaltestellenhäuschen und ein Weg führte zur Ihle. Was die Sieben-Leben-Pfote fressen wollte, konnte ich nicht erkennen.

Marga hielt ebenfalls an.

„Was ist?“, fragte ich, und wollte gerade Schwung nehmen, um weiterzufahren. „Das war eine streunende Katze auf Mäusejagd, wie es sich gehört. Sie hat nicht mal miaut.“

Das plötzliche schrille Fauchen ließ mich erstarren.

„Ich weiß nicht“, meinte Marga leise. „Mir ist komisch. Ich hab Angst.“

Das war meine Frau. Nie etwas verbergen. Geradeheraus. Ich spürte ein bekanntes Gefühl. Mist.

„Gut, dann schieben wir“, wollte ich sie beruhigen und mich. Mein Dienst begann am Montag. „Wenn da jemand ist, der uns Böses will, werfen wir unsere Räder auf ihn.“

„Auch bei einer Bösen?“, fragte sie gequält. Sie fand die Situation nicht komisch.

Um diese Zeit fuhr niemand über den Heidbergstift - außer ein paar Etagen tiefer auf der A270, die hier in die eiszeitliche Düne schnitt. Wir schoben die Räder auf der einsamen Straße und erreichten die Kreuzung. Die paar Birken an der rechten Ecke versperrten die Sicht auf die Haltestelle Richtung Gröpelingen und den Ihle-Weg. Ich lugte nach rechts zur Haltestelle und weiter zur spitzen Grasecke mit Maschendrahtzaun. Im Gestrüpp lag eine Frau und zeigte ihren Rücken. Marga schrie.

„Bleib hier!“, bat ich fast zart. Fleisch, Haare und Sehnen waren nicht ihr Ding. Sie war die Knochenmama.

Ich stellte das Fahrrad ab und ging die paar Meter zum Grasbelag, der zwischen Haltestelle und Brombeeren wuchs. Rechts hinunter führte der stinkende Weg. Links und ein paar Meter weiter stand der gläserne Regenschutz mit dem runden H-Schild. Ich beugte mich zur Liegenden und sah den Tod, wusste es, bevor ich die kalte, steife Hand berührte. Blond, mittelgroß, etwas füllig um die Bauchgegend.

„Ist sie wirklich...?“

„Fahr nach Haus, Schatz!“, meinte ich und schrägte mein Gesicht. Sie wollte den Mund zusammenkneifen, besann sich.

„Das wird wohl dauern, wie?“

Ich zuckte mit der Schulter.

„Verdammter Kater“, fluchte sie und fuhr heim. Sie konnte später ihre Aussage machen. Jetzt rief ich die Bereitschaft. Ich bin Karl Nagel, Hauptkommissar und Leiter der Bremer Mordkommission K007.

„Chef? Du bist doch gestern erst angekommen“, staunte Markus Stenhagen, der Bereitschaft hatte und meine Nummer auswendig kannte. Zudem hatte irgendjemand meine Handynummer im Bereitschaftstelefonnetz eingespeichert. So wusste jede Bereitschaft, dass ich in Lesum neben einer Leiche stand. Ich gab die wichtigsten Informationen durch und sah wehmütig der radelnden Ehefrau hinterher. Ich nahm das Licht vom Rad und leuchtete den Tatort ab. Nach fünf Minuten kam die jung aussehende Doktor Sonja Marker gefolgt von dem viel älter aussehenden Yannick Helmke, dem Leiter der Spurg. Andere nannten die Einrichtung Spurensicherung. Er und ich alterten seit Raufbold-Zeiten gemeinsam. Sie waren, wie Marga und ich, aus dem Haus mit den verschobenen Stühlen herangaloppiert.

„Ist das ein neuer Rekord?“, fragte er. „Das sind nicht mal vierhundert Meter Luftlinie.“

Ich sah ihn böse an. Um diese Zeit fehlten sogar mir die Worte. Wir hielten beide unsere Lampen, damit die Pathologin etwas sah. Natürlich hatte sie keinen Koffer dabei.

„Das nächste Mal zahle ich Euch ein Taxi“, spielte er darauf an, dass ich in Lesum auf einem Fahrrad saß und sofort über eine Leiche stolperte. Die Pathologin blieb stumm, was mir erst viel später auffiel.

Dieser Tatort war seltsam, die Gefahr gesehen zu werden groß. Zudem wurde er überwacht, was geheim war. Darum sollte sich die Spurg kümmern.

Stenhagen kam angefahren und belegte blau blinkend den Bushalteplatz.

Monate ohne Kopfarbeit. Mein Überstundenabbau zwang mir noch einen Tag Abwesenheit auf. Besser ich fuhr jetzt meiner Frau hinterher, bevor meine Thesenplantage zu wuchern begann.

2

Annas Wunsch zurück in die Bremer Schweiz zu ziehen verursachte einen „Endlich“-Ausruf meiner Frau - eher Schrei. Das war vor drei Wochen. Da schipperten wir entspannt auf der riesigen stählernen Walnuss, die mit anderthalb Monaten Verspätung atlantische Wellen zurück nach Norden abschaukelte. Die bisher ungenutzte Kommunikation lief über Satellit perfekt. Die Knochen-Keramik-Mafia, kurz KKM, schloss sich mit dem neu auftretenden Leichen-Patronen Klan, ebenso kurz LPK, zur Wohnungssuche zusammen. Margas Schwester bekam kurz darauf ein Angebot am oberen Klostermühlenweg, das sie annahm. In unserer Nähe. Eine Heuschrecke springe weiter, sagte meine Ozeangefährtin. Was war nur aus den Katzen geworden, fragte ich mich.

Soviel zur Effektivität dieser Drei-Buchstaben-Allianz. Vor drei Tagen zog Anna, mutmaßliche Patin des Leichen-Patronen-Klans, ein. Samstag rückten wir Stühle umher, Sonntag früh fanden wir eine Tote und heute begann mein erster Arbeitstag.

Mein Chef und die Verwaltung freuten sich über meinen antarktischen, technisch bedingten Zwangsurlaub, da der Überstundenberg von der Größe des Mount Everest auf die Höhe des K2 zusammenschmolz. Die Verspätung hinderte Marga einen Kongress-Vortrag zu halten. Die internationale Tagung in Hamburg schloss die Saaltüren ab, wenn wir in Bremerhaven ankommen sollten. Mein Vorschlag, sie könne die Rede über Satellit live übertragen, wurde über die uns kreuzenden Eisberge gejagt. Niemand wollte die Kosten zahlen.

Doktor Sonja Marker lief auf diesem Kongress der Forensiker und Pathologen umher, um Bremen zu vertreten. Wissenschaftler machten das, wurde mir vor langer, sehr langer Zeit erklärt. Zwei Wochen zuvor war sie heil aus den Staaten zurückgekommen. Darüber war ich erleichtert. Sie erklärte sich bereit den Vortrag stellvertretend zu halten.