Der Wald - ein mystischer Kraft- und Sehnsuchtsort - Manuela Molk - E-Book

Der Wald - ein mystischer Kraft- und Sehnsuchtsort E-Book

Manuela Molk

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Beschreibung

Im Wald sind die Gerüche intensiv, die Luft rein und man hat den Eindruck, als würde man sich in einer anderen Welt befinden. Wälder sind magisch, sie verzaubern uns mit ihren unzähligen Farben und Gerüchen, ihrer Stille und Erhabenheit. In der Romantik war der Wald sowohl Sehnsuchtsort als auch Kulisse für unzählige Märchen, darüber hinaus waren Wälder für unsere Vorfahren auch Kultstätten und heilige Tempel. Der Wald, der uns heute beim Spazierengehen begegnet, ist allerdings im Normalfall ein Wirtschaftswald und hat kaum mehr etwas mit dem unberührten Wald zu tun, der in Sagen und Märchen zu finden ist. Vielfach ist den Menschen heute der Bezug zum Wald und seinen Lebensformen abhanden gekommen, daher ist dieses Buch ein Versuch, darüber nachzudenken, welche Rolle der Wald früher im Bewusstsein der Menschen, aber auch in der Literatur, der Kunst bzw. der Philosophie spielte, um dadurch wieder eine neue Blickweise auf den Wald entwickeln zu können. Weg vom Wald als "Ware" hin zu den "wahren" Möglichkeiten, die uns Wälder bieten können.

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Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Wald: Begriffsdefinition und Symbolik

Phänomenologie des Waldes

Wald und Mensch

Ort der Initiation

Der Wald als Ritual- und Rückzugsort

Der Wald als Tempel

Vom Zauber der Bäume

Der Wald: Schauplatz von Märchen, Sagen und Mythen

Der Wald in der Literatur – eine Auswahl

Der Wald in der Philosophie

Der Wald in der Kunst

Die Heilkraft des Waldes

Ein Tag im Wald – ein Mini-Retreat

Nachwort

Vorwort

„Und ich schreibe, daß ich sehr glücklich bin und daß ich froh wäre, wärest du hier, denn in den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man Jahre lang im Moos liegen könnte.“ (Franz Kafka)

Diese Zeilen finden sich auf einer Ansichtskarte, die Franz Kafka im Jahr 1908 an Max Brod, seinen Freund, schickte. Der Wald war für Kafka eine Inspirationsquelle und er löste in ihm das Gefühl einer tiefen Naturverbundenheit aus. Auch ich habe in den letzten Jahren sehr viel Zeit im Wald verbracht. Er erdet mich und die bemoosten Riesen, die hier völlig eins mit sich sind, scheinen mir ihre Geschichten erzählen zu wollen. Im Wald sind die Gerüche intensiv, die Luft rein und klar und man hat den Eindruck, als würde man sich in einer anderen Welt befinden. Wälder sind magisch, sie verzaubern uns mit ihren unzähligen Farben und Gerüchen und ihrer Stille und Erhabenheit. In der Romantik war der Wald sowohl Sehnsuchtsort als auch Kulisse für unzählige Märchen wie Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen, darüber hinaus waren Wälder für unsere Vorfahren auch Kultstätten und heilige Tempel. Aber auch heute haben Bäume im Jahreskreis noch eine ganz besondere Bedeutung, man denke beispielsweise an den Weihnachts- oder Maibaum, der für Wachstum und Gedeihen steht.

Der Wald, der uns heute beim Spazierengehen begegnet, ist allerdings im Normalfall ein Wirtschaftswald und hat kaum mehr etwas mit dem unberührten Wald zu tun, der in Sagen und Märchen zu finden ist. Vielfach ist den Menschen heute der Bezug zum Wald und seinen Lebensformen abhanden gekommen, daher ist dieses Buch ein Versuch, darüber nachzudenken, welche Rolle der Wald früher im Bewusstsein der Menschen, aber auch in der Literatur, der Kunst bzw. Philosophie spielte, um dadurch wieder eine neue Blickweise auf den Wald entwickeln zu können: Weg vom Wald als „Ware“ hin zu den „wahren“ Möglichkeiten, die uns Wälder bieten können.

Der Wald: Begriffsdefinition und Symbolik

Der Terminus Wald stammt aus dem Germanischen und laut Wörterbuch versteht man darunter eine „größere, dicht mit (hochstämmigen) Bäumen bestandene Fläche.“ Früher bestanden die heutigen deutschsprachigen Gebiete fast vollständig aus Wald, dadurch erklärt sich auch der Kult um ihn, der von den Germanen herrührt. Ursprünglich war der Wald ein Symbol für die unendliche Natur, durch Rodung wurde die Fläche dann aber kultiviert. Dadurch ist auch sein Bedeutungswandel erklärbar: War der Wald im Mittelalter noch ein mystischer Lebensraum, so wurde er in der Neuzeit eher zu einem Ort der Abgeschiedenheit. Neben den Germanen sahen aber auch die Kelten den Wald als ein sehr wichtiges Heiligtum an und für die Balten war er bis zum 19. Jahrhundert Opfer- und Versammlungsplatz.

Die indischen Religionen sind zudem der Ansicht, dass in ihm der Schöpfergott zuhause sei. Darüber hinaus steht der Wald auch symbolisch für das Unterbewusste und er ist ein Ort der Initiation und Prüfung. So zieht es die Menschen dorthin, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, in Sagen und Märchen schickt man sehr häufig junge Menschen in einen mystischen Wald, in dem Zwerge, Riesen, Hexen, Feen oder Dämonen zuhause sind. Durch die Begegnung wird ein Initiationsritus vollzogen, sodass eine Seite, die bislang verborgen war oder verdrängt wurde, zum Vorschein kommt und der Mensch an Erfahrung gewinnt. In der Neuzeit wird das Motiv des Waldes auch in der Musik, in der Literatur bzw. in der Kunst gerne aufgegriffen, vor allem in der Romantik bzw. im Idealismus.

In der Parzival-Dichtung hält die Mutter den Helden im Wald fest, bevor er sich dann seinen Weg sucht, was so gedeutet werden kann, dass der Mann Angst vor dem Venushügel der Frau hat. Also steht der Wald hier symbolisch für die Verführungskraft bzw. die Weiblichkeit. In den Bildern von Max Ernst erscheint der Wald wie eine düstere Wand, hinter der eine andere Welt zu finden ist, was zeigen soll, dass der Mensch sich von der Natur entfremdet hat. Diese Entfremdung findet sich auch heute noch in Sprichwörtern wie zum Beispiel „Ich glaub, ich steh im Wald.“ Gleichzeitig birgt der Wald aber auch sehr viel Selbstfindungspotential: „Wie man in den Wald ruft, also schallt es wieder hinaus“ heißt es in einem anderen Sprichwort, was zeigt, dass wir im Wald immer nur uns selbst begegnen. Treffen wir auf Tiere, so erscheint uns das unheimlich und fremd, es hat aber gleichzeitig auch etwas sehr Faszinierendes. Das Andere zeigt uns die Untiefen der Seele auf, bietet uns gleichzeitig aber auch die Möglichkeit, uns selbst sowie unseren Wünschen und Ängsten zu begegnen, was uns letztendlich auch wachsen lässt.

Phänomenologie des Waldes

Als Phänomenologie bezeichnet man die Lehre von den Erscheinungen, den Phänomenen. Damit meint man, wie wir bestimmte Sachverhalte oder Dinge in unserem Bewusstsein erleben. So empfindet beispielsweise eine Person einen Wald als erschreckend, während er für eine andere äußerst anziehend ist.

Was ist ein Wald? Grundsätzlich verstehen wir darunter eine Ansammlung von Sträuchern und Bäumen, wobei diese eine Größe annimmt, dass der Mensch, wenn er im Wald unterwegs ist, mit dem Außen keinen Kontakt mehr hat, da die Sicht verstellt wird. Andersrum formuliert muss ein Wald eine solche Größe annehmen, dass wir uns anstrengen müssen, wenn wir ihn wieder verlassen wollen. Sind wir hingegen nur mit einer Baumgruppe in Kontakt, so sind wir auch mit der Umgebung, die uns umgibt, visuell und auch vom Gefühl her verbunden. Demnach ist ein Wald ein geschlossener Raum, der eine Grenze zum äußeren Umfeld bildet. Zudem kann uns der Wald auch eine eigene Zeit – eine sogenannte Waldzeit – bieten. Im Inneren des Waldes eröffnen sich uns eine Vielzahl an Möglichkeiten. Hier finden wir Lichtungen und Wege, Baumgruppen, kleine Felsen, Flüsse oder Teiche. Außerdem können wir Pilze, Kräuter oder Stauden bestaunen und natürlich verschiedenste größere und kleinere Tiere, ganz egal ob Vögel, Säugetiere,