Der Weg der Deutschen - Franz Lechermann - E-Book

Der Weg der Deutschen E-Book

Franz Lechermann

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Beschreibung

Im Band II werden folgende Themen behandelt: - Erster Weltkrieg mit seinen großen Umwälzungen in Europa - Weimarer Republik, NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg - Nachkriegszeit, Bundesrepublik mit Einbindung in die westliche Staatengemeinschaft - Wiedervereinigung und neue Rolle Deutschlands in Europa

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Seitenzahl: 526

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Franz Lechermann

Der Weg der Deutschen

Band II: Deutschland im Zwanzigsten Jahrhundert

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Vierte Innenseite (dieses ist eine linke Seite)

Auf dieser Seite 4 steht immer das Impressum (ohne Seitenzahl). Bitte geben Sie hier die Personen an, die maßgeblich an dem Dokument mitgearbeitet haben, insbesondere den Inhaber der Rechte (das sind i. d. R. Sie als Autor ggf. unter Ihrem Pseudonym, ggf. mit Ihren Co-Autoren) und tragen die ISBN ein.

© 2013 Franz Lechermann

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8495-0230-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik - Deutschland bis 1933

Die Bündnisfalle schnappt zu - verhängnisvolle Entwicklung für Deutschland und Österreich-Ungarn

Das Attentat von Sarajewo – die Bombe wird gezündet

Die Kriegserklärungen – Weichenstellungen ins Verderben

Die Kriegsschuldfrage - bis heute nicht beantwortet

Der Erste Weltkrieg – eine neue Dimension des Grauens

Kriegsparteien - Kriegsziele

Der Schlieffenplan – eine militärische Fehlkalkulation

1914 – die Westfront erstarrt – wichtige Siege im Osten

1915 – schwere Kämpfe an allen Fronten – keine Entscheidung

1916 – Verdun und die Schlacht an der Somme – beispiellose Verluste

1917 - Kriegseintritt der USA - Revolutionen in Russland - der Krieg in seiner entscheidenden Phase

1918 - die letzten Schlachten werden geschlagen

1918 – Kriegsende – zeitlicher Ablauf

Verfassunggebende Nationalversammlung in Weimar - eine neue Staatsform wurde gefunden

Blutiges Ende der kommunistischen Revolution in Deutschland

Der Frieden von Versailles – ein „Schandvertrag“?

Die Folgen des Ersten Weltkrieges - die Welt verändert sich

Die „Dolchstoßlegende“ – eine Geschichts- und Propagandalüge

Die Weimarer Republik - ein Demokratieversuch

Terror von rechts und links – die Republik muss sich wehren

Die Regierung sucht den Ausgleich - Politiker bezahlen dafür mit ihrem Leben

Besetzung des Ruhrgebietes und Geldentwertung - Deutschland weiter in der Krise

Der Faschismus in Italien - vorbildhaft für die Nazibewegung

Sammelbecken für Rechtsextreme – Bayerns Rolle in der Weimarer Republik

Der Hitlerputsch – Angriff auf die Deutsche Republik

Die „Goldenen Zwanziger“ – Intermezzo mit kurzen Lichtblicken

Weltwirtschaftskrise – der Niedergang der Republik beginnt

Das Kabinett Brüning – eine Pseudodemokratie

Papen und Schleicher – das Ende der Demokratie

Adolf Hitler wird Reichskanzler – die Nazis haben gesiegt

Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg – Deutschlands dunkelstes Kapitel

Die Machtergreifung – Hitlers schnelles Handeln

Ermächtigungsgesetz und Gleichschaltung – die Parlamente lösen sich auf

Der Terror verschärft sich – Judenboykott und Bücherverbrennungen

Die Führungsclique des NS-Staates – Hitlers Paladine

Die Rolle der Kirchen in der Nazizeit

Festigung der Macht – Röhm-Putsch – Oberbefehl über die Reichswehr

Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung – die Wirtschaft im NS-Staat

Das Saarland bleibt deutsch – ein großer Erfolg für Hitler

Rheinland-Besetzung und Spanischer Bürgerkrieg – die Wehrmacht wird erstmals eingesetzt

Die Propaganda – wichtiges Instrument der NS-Bewegung

Mahner gegen die Nazis – erster Widerstand regt sich

Die „Reichskristallnacht“ – die systematische Verfolgung der Juden beginnt

Die Wehrmacht – Hitlers Instrument zum Krieg

Hitlers Außenpolitik – Scheinmanöver und zweifelhafte Bündnisse

Mit dem „Anschluss“ Österreichs zum „Großdeutschen Reich“

Sudetenkrise und Münchener Abkommen – letzter Versuch der Appeasementpolitik

Spannungen mit Polen – die Kriegsgefahr wird greifbar

Der Hitler-Stalin-Pakt – eine Rückendeckung für Deutschland

„Seit 05:45 wird jetzt zurückgeschossen“ – der Zweite Weltkrieg beginnt

Vernichtung und Ausbeutung – Polens Leidensweg

Der Krieg holt Atem – die Kriegswirtschaft läuft an

Albert Speer – „Hitlers Liebling und Architekt des Krieges“

Das „Unternehmen Weserübung“ – Kampf um Nordeuropa

Krieg im Westen – ein weiterer deutscher Sieg

Dünkirchen – erste deutsche Fehlentscheidung

Der Waffenstillstand von Compiegne und das Vichy-Regime

Die Luftschlacht um England – ein schicksalhafter Kampf

Die Politstrategie der Nazis – ein erfolgloses Unterfangen

Der Krieg weitet sich aus – die Wehrmacht ist gefordert

Das Afrikakorps und Erwin Rommel – Erfolg und Rückzug

Das „Unternehmen Barbarossa“ – der ungewisse Marsch nach Osten

Die Schlacht um Moskau – blutiger Sieg für die Russen

Der Russlandfeldzug – ein Vernichtungs- und Ausbeutungskrieg

Der Kriegseintritt der USA – die entscheidende Wende

Pearl Harbor – Japans Tanz auf der Rasierklinge

Höhenflug und Absturz – Japan und das „Ostasiatische Reich“

Der Seekrieg im Atlantik – die deutschen U-Boote schlagen zu

Das Blatt wendet sich – die alliierten Flotten siegen

Die „Wannsee-Konferenz“ – Logistik des Holocaust

Auschwitz – Zentrale der systematischen Menschenvernichtung

Das KZ Auschwitz-Birkenau – die Fabrik des Todes

Der Bombenkrieg – Tod und Vernichtung aus der Luft

Stalingrad – der Anfang vom Ende

Rettung oder Untergang einer Armee – Hitlers fatales Beharren

Gefangen im Kessel – das Ende der 6. Armee

„Operation Zitadelle“ – letzte Großoffensive der Wehrmacht an der Ostfront

Alliierte Invasion in Italien – die Achse zerbricht

Monte Cassino – Rom – Italien wird befreit

Das „Unternehmen Overlord“ – Westeuropa wird befreit

6. Juni 1944 – die Front im Westen wird eröffnet

Letztes Aufbäumen der Wehrmacht – der Vormarsch der Alliierten verzögert sich

Widerstand gegen die Naziherrschaft – eine Mentalitätsfrage?

Die Rolle der deutschen Militärs – eine zwiespältige Sache

20. Juli 1944 – der Anschlag auf den Führer

Die Konferenz von Jalta – die Welt wird geteilt

Endkampf an allen Fronten – das Deutsche Reich bricht zusammen

Tod im Führerbunker – das Ende der Naziherrschaft

Die Kapitulation – Deutschland am Nullpunkt

Deutschland nach dem Krieg – die Siegermächte regieren

Die Nürnberger Prozesse – die Abrechnung mit den Schuldigen

Deutschlands Zukunft – Agrarstaat oder Industrienation?

Preußens staatsrechtliche Auflösung – hier waren sich sämtliche Alliierten einig

1948 – ein entscheidendes Jahr für Westdeutschland

Der Marshall-Plan – ein Hilfsprogramm für Europa

Die Währungsreform – ein entscheidender Schritt für Westdeutschland

Die Berlin-Blockade – der Kalte Krieg beginnt

Deutschland ab 1949 – ein Neustart

Bundesrepublik und DDR – zwei deutsche Staaten entstehen

Deutschland – ein Partner für Westeuropa und die USA

Pariser Verträge und NATO-Beitritt – Deutschlands Rolle in Europa wird neu definiert

Fußballweltmeisterschaft und Wirtschaftswunder – mit Deutschland geht es aufwärts

Die Soziale Marktwirtschaft – Leitschnur der deutschen Wirtschaftspolitik

Mauerbau und Stacheldraht – Deutschland im Spannungsfeld von West und Ost

Die Ära Adenauer/Erhard geht zu Ende – ein Politikwechsel zeichnet sich ab

Aus Protest wird Terror – das System soll verändert werden

Die sozialliberale Politik – Licht- und Schattenseiten

Die Ostverträge – Schlüssel zur späteren Wiedervereinigung

Helmut Schmidt – ein neuer „Kapitän“ für das Staatsschiff

Terror gegen Staatsgewalt – ein ultimativer Kampf

Der NATO-Doppelbeschluss – ein Knackpunkt für die sozial-liberale Koalition

Helmut Kohl wird Bundeskanzler – die Nachrüstung wird beschlossen

Michail Gorbatschow beendet den Kalten Krieg

Wackersdorf und Tschernobyl – Fanal des Widerstandes gegen die Atomkraft

Der Ostblock – ein Imperium von kurzer Dauer

Der Niedergang des „zweiten“ deutschen Staates

Die Endphase der DDR oder „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.

Ausreisewelle und Fall der Mauer – die Freiheit hat gesiegt

Die Blockparteien – ein Schlüssel zur Einheit?

1990 – der Weg zur Deutschen Einheit – eine Chronologie

Kehrseite der Medaille – die Einheit hat ihren Preis

Die Treuhand – Flott- bzw. Plattmacher der DDR-Wirtschaft

Die Stasiaufarbeitung – bis heute ein unbewältigtes Thema

Die Zeit nach 1990 bis zur aktuellen Politik

Literatur- und Quellenverzeichnis

Vorwort

Die unheilvolle Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts darzustellen, ist für jeden Autor eine gewaltige Herausforderung. Aus heutiger Sicht ist vieles schwer zu begreifen und es erscheint einem unfassbar, zu welchen Handlungen Menschen fähig sind. Dennoch gehört auch diese Zeit zur Geschichte unseres Volkes. Es war die dunkle Seite der Deutschen, die hier zum Vorschein kam und die ihre Ursache im Nationalismus, Imperialismus und Antisemitismus hatte.

Das nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erstandene Deutschland hat dann eine zweigeteilte Entwicklung genommen, die aber mit der deutschen Wiedervereinigung ein historisches Ende gefunden hat. Neben dem erfreulichen Wirtschaftsaufschwung der Bundesrepublik im Westen, der nach dem totalen Zusammenbruch 1945 nicht unbedingt so zu erwarten war, ist die lange Friedenszeit, die nun fast schon 70 Jahre währt, wohl die positivste Erkenntnis der Deutschen Geschichte.

Liebe Leserinnen und Leser, auch zum Band II wünsche ich Ihnen viel Lesespaß, aber auch etwas Nachdenklichkeit.

Franz Lechermann

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik - Deutschland bis 1933

Die Bündnisfalle schnappt zu - verhängnisvolle Entwicklung für Deutschland und Österreich-Ungarn

Die Politik des Deutschen Reiches seit 1894 hatte eine entscheidende Wende genommen. Sie war zunehmend nationalistisch und imperialistisch geprägt und erschien den übrigen Großmächten Europas nicht mehr berechenbar. Man sah, wie Deutschland militärisch aufrüstete, die anderen Staaten taten natürlich das gleiche, aber wie wir wissen, gilt nicht immer für alle das gleiche. Mit anderen Worten, das Deutsche Reich wurde schon seit seinem Entstehen im Jahre 1871 mit einer anderen Elle gemessen. Und jetzt sah man sich in seinem Misstrauen bestätigt, vor allem seit die deutsche Politik nicht mehr von Bismarck gestaltet wurde, der als Staatsmann in ganz Europa respektiert worden war, sondern vom neuen Kaiser Wilhelm II., der für sich in Anspruch nahm, das Reich zu führen. Dass er sich dabei von den reaktionärsten Kreisen beeinflussen ließ und ein überzogenes Machtgehabe zur Schau stellte, wurde nun vielfach, selbst wenn es so nicht beabsichtigt war, als Imponiergehabe und Herrenmenschentum angesehen.

Bereits 1894 schlossen Russland und Frankreich den Zweiverband, ein Bündnis, das beide Staaten aus ihrer isolierten Lage befreite. In wie weit aus deutscher Sicht die Nichterneuerung des Rückversicherungsvertrages dazu beigetragen hat, ist bis heute umstritten. Jedenfalls bestand für Deutschland nun die Gefahr eines Zweifrontenkrieges. Doch im Dreibund mit Österreich-Ungarn und Italien sah man diesem Umstand noch relativ gelassen entgegen.

Für Otto von Bismarck, den Reichskanzler im Ruhestand, galt dies sicher nicht. Tatenlos zusehen zu müssen, wie das mit so vielen Opfern entstandene Deutsche Reich, dessen unbestrittener Gründer er ja war, in immer größere außenpolitische Schwierigkeiten geriet, versüßte seinen Lebensabend nicht gerade. Zwar hätte er mit seinem untrüglichen politischen Instinkt und kraft seiner beindruckenden Persönlichkeit manche Scharte auswetzen können, doch in Europa hatte sich allgemein der Größenwahn breitgemacht, jede Nation wollte sich Weltgeltung verschaffen und es ist fraglich, ob sich hier Bismarck mit seinem rationalen Verstand noch hätte durchsetzen können. Dass es mit Wilhelm II. sowie so nicht ging, haben wir ja schon festgestellt. Nachdem seine geliebte Frau Johanna bereits 1894 gestorben war, ging es dem Exkanzler auch gesundheitlich immer schlechter und so starb er am 30. Juli 1898 im Alter von 83 Jahren in Friedrichsruh, wo sich auch in einem Mausoleum neben seiner Gattin seine letzte Ruhestätte befindet. Die Grabinschrift lautet: Fürst Otto von Bismarck. Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I. Die zwei Jahre als Kanzler unter Wilhelm II. hat er damit unterschlagen, ein letzter Hieb gegen den Herrscher, der ihn entlassen hatte. Jedenfalls hat ihn der Tod davor bewahrt, zu erleben, wie Deutschland immer mehr in die Katastrophe hineinschlitterte.

Im Jahre 1902 hatte nämlich England seine „Splendid Isolation“ verlassen, eine Politik, die sich bisher hauptsächlich auf die Insellage Britanniens stützte und damit keine festen Bündnisse mit anderen Staaten eingegangen war. Doch die Weltpolitik hatte sich geändert und vor allem die erdumspannende Ausdehnung des British Empire ließ die Engländer umdenken. So schlossen sie in diesem Jahre eine Allianz mit Japan, der aufstrebenden Industrienation im asiatischen Raum (die Japaner siegten 1905 gegen Russland in einem Krieg um die Vorherrschaft in Korea) und 1904 die Entente Cordiale mit Frankreich. Dieses Abkommen, das wörtlich übersetzt „Herzliches Einverständnis“ heißt, kam nicht zuletzt auf Veranlassung des englischen Königs Eduard VII., des Sohnes und Nachfolgers der 1901 verstorbenen Queen Viktoria zustande, der schon seit längerem ein britischfranzösisches Übereinkommen anstrebte. Man hatte es verstanden, koloniale Streitigkeiten beizulegen und sich in Afrika die Gebiete aufgeteilt. So sollte Ägypten unter britischem Einfluss stehen, während Marokko dem französischen Staatenverband in Afrika angehörte.

Diese englisch-französische Übereinkunft, die zunächst nur kolonialpolitischen Charakter hatte, bekam aber bald eine größere Bedeutung durch den Beitritt Russlands im Jahre 1907 und wurde damit zur Triple Entente. Möglich geworden war dies durch einen britisch-russischen Interessenausgleich, der diesmal mit Persien und Afghanistan den Mittleren Osten betraf. Auch hier teilte man sich die Einflusssphären auf, so dass Persien in eine russische, englische und neutrale Zone aufgeteilt wurde. Afghanistan dagegen sollte den Briten vorbehalten sein. Hier zeichnete sich deutlich der Unterschied zwischen den anderen Großmächten und Deutschland ab. England, Frankreich und auch Russland verfügten eben über eine Verhandlungsmasse in Form von Kolonien, die zur Abrundung der jeweiligen Herrschaftsbereiche „verschoben“ werden konnten. Dem Deutschen Reich war dies nicht möglich, hier ging es ans „Eingemachte“, wie z.B. eine Zurücknahme der Flottenrüstung. Auch in der Verhandlungsführung zeigten sich die Anderen diplomatischer und gewandter, die Deutschen beriefen sich auf Rechtspositionen, wie im Falle der Marokkokrise 1905/06, wo es um die Wahrung von Handelsinteressen ging, aber man war so unflexibel, dass man sich letztlich gegen Frankreich und England (das die Franzosen unterstützte) nicht durchsetzen konnte. Nur Recht zu haben, nützt eben oft herzlich wenig, wenn man auf Grund der Machtverhältnisse nicht Recht bekommt und auch nicht in der Lage ist, dem Gegenüber etwas abzuhandeln. Die europäischen Großmächte betrachteten die auswärtige Politik eben als geschäftliche Angelegenheit, für die Deutschen zählte mehr das Recht auf eine Sache bzw. deren juristische Würdigung. Dazu passt auch ganz gut, wie sich Italien bereits 1902 aus dem Dreibund verabschiedete. Zumindest so gut wie, denn es hatte mit Frankreich einen Neutralitätsvertrag abgeschlossen, so dass in einem Kriegsfall die beiden anderen Partner, Deutschland und Österreich-Ungarn keine Hilfe zu erwarten hatten. Nennen wir es gerissen oder auch weitsichtig, die Südeuropäer sahen wohl schon, was auf sie möglicherweise zukommt, auch hatten sie Gebietsinteressen, bei deren Erfüllung sie sich von den Westmächten mehr erwarten konnten als von den beiden bisherigen Partnern (und so kam es dann auch – doch davon später).

In dieser Situation außenpolitischer Misserfolge übernahm Theobald von Bethmann Hollweg, der bereits Bülows Stellvertreter war, das Amt des Reichskanzlers. Er war ein Mann des Ausgleichs und versuchte zwischen den national und monarchisch eingestellten Konservativen und den zunehmend republikanisch denkenden Sozialdemokraten Brücken zu bauen. Und so stimmte die SPD schließlich 1914 bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Reichstag auch für die Bewilligung der Kriegskredite (durch Ausgabe von Kriegsanleihen) zur Entfesselung der Militärmaschinerie. Ihre Politik war zwar immer auf Friedenserhaltung ausgerichtet (als einzige Partei bemühten sich die Sozis ernsthaft darum), dennoch sah sie es als ihre vaterländische Pflicht an, die eigene Armee zu unterstützen, nachdem der Krieg ohnehin nicht mehr zu verhindern war. Für die Partei bedeutete es eine Zerreißprobe (der linke Flügel war gänzlich gegen den Krieg), die zeitweise auch zur Spaltung der SPD führte, doch auch davon später mehr. Außenpolitisch bemühte sich Bethmann Hollweg um eine Verständigung mit England, doch die Militärs hatten das Szepter schon in der Hand, vor allem Großadmiral Tirpitz war ein Hindernis in den Verhandlungen mit Großbritannien.

Die Falle hatte zugeschnappt, Deutschland und Österreich-Ungarn waren sich dessen aber in aller Klarheit noch gar nicht bewusst, man vertraute auf das feste Zweierbündnis der beiden Reiche und glaubte daran, dass die Anderen an diesem ehernen Schild abprallen würden.

Das Attentat von Sarajewo – die Bombe wird gezündet

Wie wir wissen, war der Balkan schon seit Jahrhunderten ein Brandherd, blutiges Spielfeld des Osmanischen Reiches, der Österreicher und Russen und seit einigen Jahrzehnten auch einiger inzwischen unabhängig gewordener Staaten wie Serbien und Rumänien. Im Zuge des Berliner Kongresses 1878 wurden die Gebiete Bosnien-Herzegowina unter österreichische Verwaltung gestellt, doch nicht genug damit, 1908 annektierte das Habsburgerimperium diese Länder (mit vollständiger Billigung des verbündeten Deutschen Reiches). Ein Vorgang, der die beiden Mittelmächte immer mehr ins politische Abseits drängte. Vor allem das seit 1878 selbständige und 1882 zum Königreich erhobene Serbien war mit dieser Politik der K.u.k.-Monarchie nicht einverstanden. Es träumte selbst von einem slawischen Großserbien, dem auch Bosnien-Herzegowina angehören sollte. Hier gab es also erhebliche Spannungen, die sich auch in Terror- und Gewaltakten entluden.

Bevor wir uns nun mit dem schicksalsträchtigen Tag von Sarajewo beschäftigen, wollen wir einen Blick auf das österreichische Kaiserhaus werfen. Kaiser Franz Joseph regierte die Donaumonarchie bereits seit 1848 (er starb 1916) und war damit der dienstälteste europäische Herrscher. Erzherzog Rudolf, der als sein Sohn eigentlich die Nachfolge antreten sollte, beging 1889 zusammen mit seiner Geliebten, der Baronin Mary Vetsera im Schloss Mayerling (in Niederösterreich) Selbstmord. Damit war Erzherzog Franz Ferdinand, der Neffe des Kaisers, der designierte Thronfolger. Kaiserin Elisabeth, die berühmte Sissi aus Bayern, war 1898 in Genf von einem Anarchisten erstochen worden und Maximilian, der Bruder Franz Josephs war als Kaiser von Mexiko erschossen worden. Man kann also schon von einer großen Tragik des Habsburgerhauses sprechen und das folgende Ereignis verstärkt diesen Eindruck noch. Mehr noch, die Geschichte Europas, wenn nicht der ganzen Welt, erhielt damit eine unheilvolle Wendung.

Der Besuch Franz Ferdinands in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo im Zuge einer Manöverinspektion am 28. Juni 1914 stand auf Grund der krisenhaften Stimmung in dieser Region nicht gerade unter den besten Vorzeichen. Dennoch fuhr der österreichisch-ungarische Kronprinz mit seiner Gemahlin Sophie in einem offenen Automobil durch die Stadt, wo beide durch Revolverschüsse des erst achtzehnjährigen bosnisch-serbischen Nationalisten Gavrilo Princip getötet wurden. Der junge Täter wurde festgenommen und später zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit verurteilt. In der serbischen Hauptstadt Belgrad feierten ihn die Zeitungen als Helden.

Zunächst rechnete niemand in den europäischen Zentralen der Macht mit einem so großen Krieg. Attentate auf Fürsten und andere hochgestellte Persönlichkeiten hatte es immer wieder gegeben und mussten deshalb nicht zwingend zu einem Krieg führen. Doch hier lag der Fall anders, die Bündnisblöcke standen sich ja schon kriegsbereit gegenüber, auch wenn den Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt das ganze Ausmaß der kommenden Geschehnisse noch nicht bewusst war. Österreich-Ungarn wollte Serbien, das es für den Anschlag verantwortlich machte, in irgendeiner Form zur Rechenschaft ziehen und fragte deshalb in Berlin an, ob man in diesem Falle mit der Hilfe des Deutschen Reiches rechnen könne. Kanzler Bethmann Hollweg versicherte der K.u.k.-Monarchie, dass Deutschland in jedem Falle zum Bündnis stehen würde. Er tat dies sicherlich unter dem Einfluss der hohen Militärs, die es aber besser hätten wissen müssen. Denn es war fatal, den Österreichern sozusagen einen Freibrief für jedwede Aktionen auszustellen. Bei einem Angriff Österreich-Ungarns gegen Serbien würde Russland zu Gunsten des slawischen Königreiches militärisch intervenieren, so viel war klar und damit würden alle Bündnisse greifen. Wenn allerdings den Österreichern ein schneller Schlag gegen Serbien gelingen würde, so rechnete man bei den Deutschen, kämen die Russen nicht zum Eingreifen und es würde nur einen lokal begrenzten Krieg geben. Eine mit vielen Fragezeichen versehene Annahme, die sich schon deshalb nicht erfüllte, weil man in Wien bis zum 23. Juli brauchte, um den Serben ein Ultimatum zu stellen. Darin wurde u.a. eine gerichtliche Untersuchung in Serbien selbst gefordert und zwar unter Beteiligung österreichischer Beamter, mit dem Ziel, die Hintermänner des Mordanschlages ausfindig zu machen. Die serbische Regierung akzeptierte die Forderungen grundsätzlich, regte auch eine internationale Untersuchung an und zeigte sich verhandlungsbereit, lehnte es aber ab, dass K.u.k.-Beamte in Serbien ermittelten, dies sei letztlich eine für einen souveränen Staat unannehmbare Forderung. Diese Antwort auf das österreichische Ultimatum wurde in den europäischen Hauptstädten als angemessen angesehen und selbst Kaiser Wilhelm II. ging davon aus, dass die Krise auf diplomatischem Wege zu bereinigen sei.

Die Kriegserklärungen – Weichenstellungen ins Verderben

Am 28. Juli 1914 erklärte die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie dem Königreich Serbien den Krieg. Die Politik verlor nun leider die Kontrolle über das Geschehen, ab jetzt hatten die Militärs das Sagen und so teilte der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke (er war der Neffe des legendären Strategen des 66-er und 70-er Krieges) seinem österreichischen Amtskollegen mit, dass er mit der Unterstützung des Deutschen Reiches rechnen könne. Der Generalstab war nach der Reichsverfassung nicht der Reichsregierung oder Parlamentsbeschlüssen (wie dies heute der Fall ist) untergeordnet, er war vielmehr dem Kaiser direkt unterstellt, der schließlich den Oberbefehl über die Armee innehatte. Seine Versuche, den russischen Zaren Nikolaus II. von militärischen Maßnahmen abzuhalten oder der Appell seines Kanzlers Bethmann Hollweg an die Österreicher, mit Russland zu verhandeln, hatten genauso wenig eine Chance, wie die Bemühungen des britischen Außenministers Edward Grey, auf schnellstem Wege eine Konferenz mit seinen europäischen Kollegen zustande zu bringen. Ein Staat hatte den Krieg erklärt, durch die Bündnisse waren die Weichen gestellt und jeder fürchtete, durch Zeitverlust militärisch ins Hintertreffen zu geraten. Nur so ist es zu erklären, dass es unter den Großmächten keine weiteren ernsthaften politischen Konsultationen mehr gab, sofort ultimative Forderungen gestellt wurden (die natürlich für die Gegenseite unannehmbar waren) und darauf ebenso schnell der Krieg erklärt wurde.

In wenigen Tagen lief so die Chronologie eines Szenarios ab, wie es banaler und lapidarer nicht sein konnte und dessen Konsequenzen dann Millionen von Menschen das Leben kostete. Hier der Ablauf im Einzelnen:

30. Juli: Generalmobilmachung Russlands.

31. Juli: Generalmobilmachung Österreich-Ungarns, gleichzeitig Ultimatum des Deutschen Reiches an Russland, jede Kriegsmaßnahme einzustellen und Ultimatum an Frankreich, binnen 18 Stunden eine Neutralitätserklärung für den Kriegsfall Deutschland gegen Russland abzugeben.

1. August: Das Deutsche Reich macht mobil und erklärt Russland den Krieg, da das Ultimatum nicht beantwortet wurde. Frankreich macht ebenfalls mobil und erklärt, es werde „gemäß seinen Interessen“ zu Russland stehen. Aufforderung Deutschlands an Belgien, den Durchmarsch deutscher Truppen zu dulden, man werde die Unabhängigkeit des Landes wahren und evtl. Schäden ersetzen.

2. August: Für Italien ergibt sich der Bündnisfall nicht, da Österreich Serbien angreife. Damit war endgültig klar, dass Deutschland und Österreich-Ungarn alleine dastehen würden.

3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich, deutsche Truppen marschieren in das neutrale Belgien ein, nach dem die deutsche Forderung auf Durchmarscherlaubnis abgelehnt wurde.

4. August: England stellt dem Deutschen Reich ein Ultimatum, die Neutralität Belgiens zu wahren, de facto eine Kriegserklärung an Deutschland.

6. August: Kriegserklärungen Österreich-Ungarns an

Russland und Serbiens an Deutschland.

Bereits am 1. August hatte Kaiser Wilhelm II. vom Balkon des Berliner Stadtschlosses Tausende von Menschen auf den bevorstehenden Kampf eingestimmt, in dem er erklärte, er „kenne nun keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr, wir sind heute alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder“. In einer Rede vor dem Brandenburgischen Provinziallandtag hatte er vor Jahren (1892) dem Volk noch versprochen, dass er es „herrlichen Tagen entgegenführen werde“, ein Satz, der nun wie blanker Hohn klang. Der Kaiser hatte diesen Krieg nicht gewollt, aber er war leider auch nicht in der Lage, ihn zu verhindern. Auch nicht als höchster Souverän des deutschen Volkes, wollte er doch gegen seine österreichischen „Brüder“ und deren Kaiser Franz Josef nicht wortbrüchig werden. Und als echter Militarist zweifelte er auch nicht an der Feststellung seines Generalstabes, dass der Krieg nun unausweichlich sei.

Innerhalb von zehn Tagen hatte man es also geschafft, Europa in Brand zu stecken. Waren in früheren Zeiten die Bündnisse oft gewechselt worden wie die Hemden, so waren sie dieses Mal festgefügt und griffen ineinander wie die gut geölten Teile einer Maschine. Lediglich Italien hatte es sich anders überlegt und war im Grunde schon auf dem Sprung ins feindliche Lager, der dann 1915 auch vollzogen wurde.

Die Kriegsschuldfrage - bis heute nicht beantwortet

Wer war nun Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges? Diese Frage hier beantworten zu wollen wäre eine Anmaßung, haben sich doch bis heute ganze Historikergenerationen die Köpfe darüber zerbrochen bzw. heiß geredet. Aber einige Fragen und Anmerkungen zu diesem Thema dürfen sicher erlaubt sein, denn so klar liegt der Fall hier nicht, dass man die Deutsche Nation zum Alleinschuldigen erklärt, wie es die alliierten (West-) Mächte 1918/19 getan haben.

Warum ließen die politischen Führungen sämtlicher Großmächte vom Attentat in Sarajewo bis zur ersten Kriegserklärung einen ganzen Monat untätig ohne Krisenmanagement verstreichen, um dann kurzzeitig in eine sinnlose Hektik zu verfallen?

Hatte zu diesem Zeitpunkt schon überall das Militär das Kommando übernommen?

Warum hielt die deutsche Führung die K.u.k.-Monarchie nicht von dem Rachefeldzug gegen Serbien ab und billigte stattdessen das österreichische Vorgehen?

Warum überhaupt diese Nibelungentreue gegenüber einem maroden, im historischen Abstieg befindlichen Bündnispartner Österreich-Ungarn, der den Deutschen auch militärisch wenig nützlich war?

Zu all diesen Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten, es bleibt den Leserinnen und Lesern selbst überlassen, sich ein Bild zu machen von den Ereignissen und ihren Ursachen. Dazu kann auch eine Auflistung der Truppenstärken der europäischen Armeen bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges dienlich sein:

Großbritannien

980.000 Mann

Deutschland

4.500.000 Mann

Österreich-Ungarn

3.000.000 Mann

Frankreich

4.020.000 Mann

Russland

5.970.000 Mann

Italien

1.250.000 Mann

Und selbst Länder wie Rumänien, Bulgarien, Griechenland, die Türkei und Serbien hatten noch jeweils zwischen 200.000 und 300.000 Mann unter Waffen. Bei der britischen Armee ist zu berücksichtigen, dass bedingt durch die Insellage das Heer nicht so groß sein musste, außerdem lag die Stärke der Engländer bei der Kriegsmarine (ab 1916 führten auch die Briten eine allgemeine Wehrpflicht ein – zumindest für die Kriegszeit - im Deutschen Reich und in Frankreich gab es den Wehrdienst schon länger).

Wenn man diese Zahlen betrachtet, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass in allen europäischen Nationen auf einen großen Krieg hingearbeitet wurde. Für die reine Landesverteidigung waren solche Millionenheere sicher nicht erforderlich. Die Kriegsbereitschaft war also bei den Großmächten generell vorhanden, die Armeeführungen hatten die Schlachtpläne schon längst ausgearbeitet und warteten nur noch aufs Losschlagen. Dass sich die Deutschen auf eine so dilettantische Weise in diesen Krieg hineinziehen ließen und vor allem aus einem Anlass, der das Deutsche Reich nicht existenziell betraf, war für die Anderen natürlich ein gefundenes Fressen und so konnten sie später Deutschland die Alleinschuld zuweisen und das Deutsche Reich zum Kriegsverlierer stempeln. Ein Umstand, der dann auch maßgeblich zur Anzettelung des Zweiten Weltkrieges führte. Ein logischer Zusammenhang lässt sich hier nicht von der Hand weisen.

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war die wirklich entscheidende Phase in der europäischen Geschichte, hier wurden die Weichen für die weitere Entwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestellt. Was danach kam, war eine Aufeinanderfolge unheilvoller Geschichtsabläufe, die erst nach dem totalen Zusammenbruch Deutschlands 1945 ihr Ende fanden.

Beenden wollen wir diesen Abschnitt mit den Bemerkungen zweier Politiker, die trotz ihrer düsteren Vorahnungen den Lauf der Geschichte nicht aufhalten konnten. Der schon erwähnte britische Außenminister Sir Edward Grey drückte es am 3. August 1914 angesichts des unmittelbar bevorstehenden Krieges so aus: „In ganz Europa gehen die Lichter aus, wir werden es nicht mehr erleben, dass sie angezündet werden“. Der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg sprach von einem „Sprung ins Dunkle“.

Der Erste Weltkrieg – eine neue Dimension des Grauens

Hunderttausende von Kriegsfreiwilligen meldeten sich in Deutschland im August 1914 zu den Waffen. Fast unglaublich, mit welcher Begeisterung die Menschen aller Volksschichten die Nachricht vom Kriegsbeginn aufnahmen, von Angehörigen und Freunden bejubelt und mit Blumen in den Gewehrläufen zogen die Soldaten zu den Bahnhöfen in Stadt und Land, um mit der Eisenbahn an die Front gebracht zu werden. Sie hatten ja keine Ahnung, was sie in den kommenden Jahren erwartete, waren sie doch mit der Hoffnung losgezogen, dass in ein paar Wochen oder Monaten alles erledigt sein würde.

Doch weit gefehlt, die Rechnung ging in keiner Hinsicht auf. Die Planungen der deutschen Armeeführung erwiesen sich als total illusorisch und im Übrigen hatte die Waffentechnik unerhörte Fortschritte gemacht. Maschinengewehre, Tretminen, Flammenwerfer, Handgranaten, der Einsatz von Giftgas, Tanks (die Vorläufer der späteren Panzer), ein Artilleriefeuer bisher nicht gekannten Ausmaßes, der Seekrieg mit schweren Kriegsschiffen, der unbeschränkte U-Boot-Krieg und nicht zuletzt der beginnende Luftkrieg revolutionierten die Kriegsführung und gaben der militärischen Auseinandersetzung eine völlig andere „Qualität“ als bisher. Es wurden Materialschlachten geführt, ohne dass eine Seite einen größeren Geländegewinn für sich beanspruchen konnte und Hunderttausende von Soldaten verloren dabei völlig sinnlos ihr Leben.

Dieser Krieg, in den alle „hineinschlitterten“, wie es oft behauptet wurde, forderte fast zehn Millionen Gefallene und etwa zwanzig Millionen verwundete Soldaten, von denen viele für den Rest ihres Lebens verkrüppelt und auch seelisch gezeichnet waren. Darunter gab es aus deutscher Sicht fast zwei Millionen Tote und über vier Millionen Verwundete. Fast 70 Millionen Soldaten nahmen von 1914-1918 in aller Welt an den Kämpfen teil. Die Kriegskosten insgesamt beliefen sich auf über eine Billion (1.000 Milliarden!!) Goldmark, davon entfielen auf das Deutsche Reich 194 Milliarden Goldmark. Neben dem grausamen menschlichen Leid war das auch ein gigantischer volkswirtschaftlicher Schaden. Und das alles nur, um sich zu beweisen, wer der Stärkere war, wer sich vom großen Kuchen der Weltwirtschaft das größte Stück abschneiden durfte, ein für die zivilisierte und vom Christentum geprägte Welt ein ungeheuerlicher Vorgang, der leider beweist, dass letzten Endes die niedrigsten Instinkte (die Gier nach Macht und Profit) die Oberhand behalten und die vielgepriesenen ethischen Werte auf der Strecke bleiben. Den Krieg nur als allerletztes Mittel (sozusagen als Fortsetzung der Politik im Sinne eines Carl von Clausewitz) beispielsweise zur Verteidigung des eigenen Landes einzusetzen, blieb hier außer Acht. Wieder ging es nur um territoriale Gewinne und Ausbau der wirtschaftlichen Macht, ein unheilvolles, egoistisches Streben der beteiligten Nationen, das auch heute noch vielfach das Bild der Weltpolitik prägt und wohl auch nicht auszurotten sein wird, solange die Menschheit noch besteht.

Kriegsparteien - Kriegsziele

Bei Kriegsbeginn stellten lediglich Deutschland und Österreich-Ungarn die sog. Mittelmächte dar, hinzu kamen im November 1914 noch das Osmanische Reich und 1915 Bulgarien.

Kriegsgegner der Mittelmächte waren die Ententemächte Frankreich, Russland und Großbritannien. Dazu kamen Belgien, Serbien, Japan und 1915 Italien, sowie Streitkräfte aus den französischen und englischen Kolonien. Vor allem die Briten mobilisierten ihr ganzes Weltreich (auch ehemalige Kolonien wie Australien und Kanada, die durch die Krone immer noch mit dem Mutterland verbunden waren). In der zweiten Kriegshälfte von 1916-1918 traten u.a. mit Rumänien, Portugal, Brasilien, China und den USA eine Reihe weiterer Staaten in den Krieg gegen die Mittelmächte ein. Kriegsentscheidend war allerdings hauptsächlich der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Seite der Alliierten im Jahre 1917. Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte man von einem Weltkrieg sprechen. Inspiriert von Großbritannien und den USA stellten sich die weitaus meisten Länder auf die Seite der Alliierten, ein Umstand, der die Mittelmächte vor allem handelspolitisch traf.

Wenn wir uns die Kriegsziele der einzelnen Beteiligten ansehen, werden wir erkennen, dass es hier um Strategien ging, die schon lange vor Kriegsbeginn konzipiert wurden. Der Ausbruch des Krieges, der vor allem Deutschland in ein so ungünstiges Licht gerückt hat (natürlich nicht ganz zu Unrecht), gab nun den Ententemächten die Gelegenheit, unter dem Deckmantel eines Verteidigungskrieges ihre imperialistische Politik zu betreiben.

Die Franzosen wollten Rache nehmen für die vor 43 Jahren erlittene Niederlage gegen Deutschland. Elsass-Lothringen sollte wieder zu Frankreich kommen, dazu aber auch das Saarland und die linksrheinischen Gebiete des Deutschen Reiches. Darüber hinaus sollte Deutschland wirtschaftlich und militärisch „unschädlich“ gemacht werden, eine total revanchistische Zielsetzung, die sich später zwangsläufig wieder gegen die eigene Nation richtete.

Nicht viel anders sah es bei den Briten aus, sie wollten den lästigen Konkurrenten Deutschland auf dem Weltmarkt eliminieren, militärisch und politisch schwächen (das Königreich Hannover sollte wieder errichtet werden) und sich der deutschen Kolonien bemächtigen; die Zerschlagung des Osmanischen Reiches stand auch auf dem Programm.

Italien war 1915 endgültig zu den Alliierten übergewechselt, als Gegenleistung sollte es Gebiete erhalten, die bisher noch zum Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gehörten, so z.B. Südtirol. An der Alpenfront zum Habsburgerreich war es Aufgabe der Italiener, einen großen Teil der K.u.k.-Armee zu binden, Fernziel der Entente war das Auseinanderbrechen der Donaumonarchie.

Russland war am Zugang zum Mittelmeer interessiert, das hieß also ebenfalls, den Niedergang des Osmanischen Reiches ins Visier zu nehmen, daneben natürlich auch die Vorherrschaft der Österreicher auf dem Balkan zu beenden, wo sich slawische Staaten unter dem Einfluss Russlands bilden sollten. Und nicht zuletzt lockten auch deutsche Ostprovinzen wie Ostpreußen und Schlesien.

Entsprechend expansionistisch gab sich auch das Deutsche Reich, Belgien sollte annektiert werden mit seinen Kohlevorkommen und seiner Schwerindustrie, über Polen und Rumänien wollte man die wirtschaftliche Kontrolle haben und wenn möglich, England einige Kolonien wegnehmen. Man wollte die bestimmende Macht in Mittel- und Osteuropa sein und so gab es in der militärischen Führung auch (utopische) Pläne, wie man Russland aufteilen und damit künftig entscheidend schwächen könnte.

Geradezu bescheiden wirkten dazu die Bestrebungen Österreich-Ungarns, nämlich seinen Vielvölkerstaat zu erhalten und den russischen Einfluss auf dem Balkan zurückzudrängen. Dies sollte durch die Annexion Serbiens, Rumäniens und anderer Gebiete möglich gemacht werden.

Der Kriegseintritt der USA im April 1917 als weitere alliierte Macht war die Antwort auf den von deutscher Seite erklärten uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Die Amerikaner wollten den für Großbritannien lebenswichtigen Nachschub sichern, den Ententemächten zum Sieg verhelfen und den Krieg so rasch wie möglich beenden. Es ging den USA dabei um keine eigenen Gebietszuwächse, sie wollten die „Aggressoren“ Deutschland und Österreich-Ungarn niederringen und nach dem Ende des Weltbrandes in Europa eine territoriale Neuordnung ermöglichen. Dies beinhaltete die wiederhergestellte Unabhängigkeit Belgiens und die Rückgabe Elsass-Lothringens an Frankreich. Die im Habsburgerreich zusammengefassten Nationalitäten sollten ihren zukünftigen staatlichen Weg selbst wählen können.

Der Schlieffenplan – eine militärische Fehlkalkulation

Im Jahre 1905 stellte der damalige Generalstabschef der deutschen Armee, Alfred von Schlieffen, einen Kriegsplan vor, der später dann auch nach ihm benannt wurde. Zu der Zeit musste im Falle einer militärischen Auseinandersetzung in Europa aus deutscher Sicht bereits mit einem Zweifrontenkrieg gerechnet werden. Eine Situation, die Schlieffen durch einen Blitzkrieg gegen Frankreich unter Einsatz des Hauptteiles der Armee und anschließendem raschen Rücktransport der Truppen an die Ostfront, lösen wollte.

Dabei ging er im Grunde von zwei Annahmen aus, die leider nur theoretischer Natur waren und sich im Ernstfall auch nicht erfüllten. Er rechnete damit, dass Russland zur Mobilmachung seiner Streitkräfte bis zu zwei Monate Zeit benötigen würde und glaubte, dass Frankreich in dieser Phase bereits entscheidend zu schlagen sei. Nun muss man dem General von Schlieffen zu Gute halten, dass zu Beginn des neuen Jahrhunderts der Plan noch am ehesten zu realisieren gewesen wäre, zumal sich der Generalstabschef durch entsprechende Maßnahmen in der Heeresorganisation (wie z.B. der Verbesserung von Transportkapazitäten für Nachschub und schwere Waffen) bemühte, seinen Vorstellungen auch eine materielle Grundlage zu geben.

Der Schlieffenplan blieb, nachdem sein Namensgeber 1906 pensioniert worden war, auch bei Generalstabschef von Moltke Grundlage der deutschen Kriegsstrategie. Er scheiterte aber schon bald nach Kriegsausbruch an der Fehleinschätzung dreier Komponenten. Erstens griff Russland den Osten des Deutschen Reiches mit stärkeren Kräften und auch in kürzerer Zeit an, als man dies erwartet hatte, zweitens wurde es nichts aus dem Blitzkrieg gegen Frankreich, da sich der deutsche Vormarsch in den feindlichen Linien verfing und aufgehalten wurde (auch auf Grund der Neuerungen in der Waffentechnik – so konnte mit Maschinengewehren eine Stellung gegen Infanterieangriffe lange Zeit gehalten werden) und nicht zuletzt drittens fehlte dem deutschen Heer die für den Durchbruch erforderliche Truppenstärke. Durch die jahrelang betriebene Flottenaufrüstung war die Armee vernachlässigt worden. Wenn in Frankreich von zehn wehrfähigen jungen Männern acht zum Wehrdienst eingezogen wurden, waren es in Deutschland nur fünf. Daher hatte das Deutsche Reich mit 68 Mill. Einwohnern auch nur eine unwesentlich größere Armee als Frankreich mit 40 Mill. Einwohnern. Doch wenden wir uns nun dem Kriegsverlauf selbst zu, der mit den wichtigsten Ereignissen und Abläufen chronologisch dargestellt wird.

1914 – die Westfront erstarrt – wichtige Siege im Osten

Ab dem 3. August 1914 marschierten die deutschen Armeen in Belgien ein (die Besetzung Luxemburgs hatte schon einen Tag früher begonnen) und stießen dann im Laufe des Monats immer weiter auf französisches Gebiet vor, während französische Angriffe auf Elsass-Lothringen abgewehrt wurden. Die Offensive der Deutschen verlief anfangs planmäßig und so erreichte man am 30. August die Marne, einen Fluss, der sich östlich von Paris in südöstlicher Richtung hinzieht. Hier waren die deutschen Truppen nach Süden eingeschwenkt, ohne wie im Schlieffenplan vorgesehen, bis zur Atlantikküste durchzubrechen.

Eine britisch-französische Streitmacht (die Engländer hatten bereits ein Expeditionskorps von 100.000 Mann nach Frankreich entsandt) ging hier allerdings sofort zum Gegenangriff über und konnte eine rund 40 km breite Lücke in die deutsche Frontlinie schlagen, in der die alliierten Kräfte ab dem 8. September weiter vordrangen. Die Verluste der Augustoffensive und das Fehlen starker Reserveverbände zur Stabilisierung der deutschen Front veranlasste die Oberste Heeresleitung (wie der deutsche Generalstab seit Kriegsbeginn genannt wurde) in der Person Helmuth von Moltkes, den Abbruch der Schlacht und den Rückzug der Armee auf eine 80 Kilometer zurückliegende neue Kampflinie zu befehlen. Für die Franzosen war es das „Wunder an der Marne“, für die Deutschen war der Schlieffenplan damit gescheitert und Moltke musste seinen Abschied nehmen.

Nachfolger in der Obersten Heeresleitung (OHL) wurde der bisherige Kriegsminister General Erich von Falkenhayn. Zwar festigte sich aus deutscher Sicht die Front wieder, doch ein Vorstoß zur Küste des Ärmelkanals, der eine Umfassung der im Norden stehenden französischen und britischen Truppen und die Eroberung der französischen Seehäfen zum Ziel hatte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Alliierten konnten den Durchbruch verhindern und ihre Verteidigungslinie bis zur Kanalküste westlich von Calais an der französisch-belgischen Grenze verlängern. Damit war der Transport von Kriegsmaterial und Soldaten von England nach Frankreich nicht zu verhindern, die deutsche Armee konnte lediglich die belgischen Seehäfen Zeebrügge und Ostende behaupten, die zu wichtigen Stützpunkten für den U-Boot-Krieg ausgebaut wurden.

Da es keiner Seite im bisherigen Kriegsverlauf gelungen war, einen entscheidenden Vorteil zu gewinnen, wie die Umfassung und Vernichtung größerer feindlicher Truppenverbände, erstarrte die Front zum Stellungskrieg. Auf einer Strecke von 700 km von der Nordsee bis an die Schweizer Grenze entstand nun ein System von Festungsbollwerken und Gräben, die in verzweigter Form die Versorgung der Stellungskrieger mit Munition und Proviant ermöglichten. Der Bewegungskrieg war schon nach wenigen Monaten zum Stillstand gekommen, an Erbitterung in der Kriegsführung und persönlichem Schrecken für die Soldaten wurde er von einem auf wenige Quadratkilometer beschränkten, erbarmungslosen Kampf um geringfügige Geländevorteile bei weitem übertroffen.

Nach dem Schlieffenplan standen im Osten des Deutschen Reiches zur Verteidigung nur begrenzte Kräfte in Stärke einer Armee zur Verfügung. Die Russen marschierten jedoch mit zwei Armeen in Ostpreußen ein und so erlitten die Deutschen am 20. August ihre erste Niederlage und mussten sich nach Westen hinter die Weichsel zurückziehen. Die OHL gab das Oberkommando an der Ostfront daraufhin an den bereits im Ruhestand stehenden General Paul von Hindenburg, einen preußischen Offizier, der schon im 19. Jahrhundert an den Kriegen gegen Österreich und Frankreich teilgenommen hatte und nun im Alter von 67 Jahren die „Kastanien aus dem Feuer“ holen sollte. Zusammen mit General Erich Ludendorff, der sich bei der Einnahme von Lüttich an der Westfront bereits hervorgetan hatte, als Chef seines Stabes, übernahm Hindenburg die 150.000 Mann starke 8. Armee und besiegte in der Schlacht von Tannenberg (26.-31. August) erst in einer klassischen Einkesselungs- und Vernichtungsschlacht die zahlenmäßig überlegene russische Armee an der Weichsel, um dann vom 6.-15. September weiter im Nordosten an den Masurischen Seen die andere russische Armee zu schlagen. In beiden Schlachten zusammen gerieten über 130.000 Russen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Diese Erfolge in Ostpreußen ließen den Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (postwendend war er nach seinem Sieg von Tannenberg befördert worden) zu einer legendären Figur werden und verdrängten beim deutschen Volk zunächst die verlorene Marneschlacht aus dem Bewusstsein. Dessen ungeachtet blieb natürlich weiterhin das Dilemma des Zweifrontenkrieges bestehen, denn die Truppen im Osten waren kurzfristig mit Verbänden der Westfront verstärkt worden, um der russischen Bedrohung Herr zu werden. Irgendwo entstanden immer Lücken, der Gesamtschlachtplan ging nicht auf und so endeten mit dem Jahr auch die ersten Kriegsmonate enttäuschend, zumal sich auch die österreichisch-ungarischen Armeen in Galizien (im nordöstlichen Teil des Vielvölkerstaates) überlegenen russischen Truppeneinheiten gegenübersahen und die Offensive der k.u.k.-Armee gegen Serbien bis zum Jahresende ebenfalls keinen nachhaltigen Erfolg zeitigte.

Dazu kam noch die von der englischen Kriegsmarine aufgebaute Seeblockade, die über die gesamte Dauer des Krieges aufrechterhalten wurde und die deutsche Wirtschaft und auch die Bevölkerung durch Rohstoff- und Lebensmittelknappheit empfindlich traf. Die Briten verminten die gesamte Nordsee, erklärten sie zum Kriegsgebiet und fingen die Frachtschiffe schon weit vor der deutschen Küste ab. Ein geballter Befreiungsschlag der Kaiserlichen Marine war einfach zu riskant und wurde deshalb auch nicht durchgeführt. Einzige Möglichkeit zur Abhilfe war für Deutschland daher der Einsatz von U-Booten. Die britische Seeblockade war im Übrigen eine ebenso eklatante Völkerrechtsverletzung wie der Einmarsch der deutschen Armeen in Belgien und Luxemburg.

1915 – schwere Kämpfe an allen Fronten – keine Entscheidung

Das neue Kriegsjahr war durch größere Kriegsaktionen sowohl an der West- als auch an der Ostfront gekennzeichnet. So gelang es zwei deutschen Armeen im Februar unter dem Kommando der Generäle Hindenburg und Ludendorff, die russischen Verbände vollständig aus Ostpreußen hinauszudrängen, die extremen winterlichen Verhältnisse verhinderten allerdings ein Nachrücken der deutschen Streitkräfte und so konnte sich die russische Armee auf eigenes Gebiet retten.

Um den Russen Entlastung zu verschaffen, begannen Franzosen und Engländer wenig später im Februar/März mit einer großen Winteroffensive in der Champagne im Nordosten Frankreichs. Ein Durchbruch gelang aber trotz des massiven Einsatzes von Hunderttausenden von Soldaten nicht, im Gegenteil, allein 240.000 französische Soldaten waren gefallen, verwundet oder gefangengenommen worden. Das gleiche wiederholte sich im Herbst an diesem Frontabschnitt, die Alliierten versuchten mit noch größerem Einsatz an Menschen und Material die deutschen Linien zu durchbrechen, doch auch diesmal blieb der Erfolg aus. Die OHL hatte Truppen im Osten abgezogen und damit die Westfront verstärkt. Millionen von Granaten verwandelten ganze Landstriche in baumlose Trichterlandschaften, wieder gab es hohe Verluste von 250.000 Mann auf alliierter Seite und etwa 150.000 Mann bei den Deutschen, aber man war nicht von der Stelle gekommen. Der in der Zwischenzeit erfolgte Einsatz von Giftgas steigerte das schreckliche Leiden und Sterben der Frontsoldaten auf beiden Seiten. Man geht davon aus, dass Deutschland die Chemiewaffen als erste angewandt hat, doch letztlich geklärt ist dies nicht. Man verschoss die Gasgranaten in die feindlichen Schützengräben, Tausende von Soldaten starben einen qualvollen Tod, erst später gab es Gasmasken, die aber auch keinen vollständigen Schutz vor dem Giftgas boten.

Im Osten und auf dem Balkan zeichneten sich gegen Russland und Serbien größere militärische Gewinne ab. Nachdem den ganzen Winter in den Karpaten (im russisch-ungarischen Grenzgebiet) Kämpfe zwischen den Mittelmächten und Russland tobten, die insgesamt an die 300.000 Tote kosteten (die meisten starben an Krankheiten oder waren in der Kälte umgekommen), aber keiner Seite einen wirklichen Vorteil brachten, befahl die OHL den Angriff zweier Armeen (eine deutsche und eine österreichisch-ungarische) unter dem Kommando des deutschen Generalfeldmarschalls August von Mackensen mit insgesamt 350.000 Mann im Bereich des heute in Polen gelegenen Ortes Gorlice gegen die russische Armee. Dank der überlegenen deutschen Artillerie gelang den Verbänden der Mittelmächte ein Einbruch auf breiter Front über Hunderte von Kilometern bis Lemberg (in der heutigen Ukraine gelegen). Eine weitere Offensive führte zur Einnahme von Warschau und Brest-Litowsk. Die Front verlief nun von Riga im Norden bis nach Rumänien im Süden. Wechselseitige Durchbruchsversuche blieben auch hier im Grunde ergebnislos und so ging der Bewegungskrieg ebenfalls zum Stellungskrieg über.

Der Kriegseintritt Italiens im Mai auf Seite der Alliierten eröffnete im Süden der Donaumonarchie eine neue Front. In Tirol und am Isonzo, einem Fluss nördlich von Triest entwickelte sich nun auch ein Stellungskrieg, der in der Gebirgsregion eine eigene Dimension erreichte. Es wurden Stollen in die Berge getrieben und Sprengungen ganzer Felsmassive vorgenommen, doch Geländegewinne waren auch hier nicht möglich. Dieser Alpenkrieg hatte mit den anderen Fronten aber eines gemeinsam, nämlich die hohen Verluste an Menschenleben, obwohl keine Seite einen entscheidenden Vorteil erringen konnte.

Der Kriegseintritt Bulgariens im Oktober verstärkte die Schlagkraft der Mittelmächte wenigstens an der Balkanfront und so gelang bis zum Jahresende die Eroberung Serbiens, Montenegros und Albaniens und es konnte eine Landverbindung zum ebenfalls verbündeten Osmanischen Reich hergestellt werden. Dies veranlasste allerdings England zur Besetzung des neutralen Griechenland, um einen weiteren deutschen Vormarsch aufzuhalten und die Reste der geschlagenen serbischen Armee aufzunehmen. Ein militärischer Erfolg für die Ententemächte, nach dem ein Angriff auf türkisches Gebiet zur Öffnung der Dardanellen (der Meerenge zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer) gescheitert war. Hier wurden von den Mittelmächten Nachschubwege für Russland abgeschnitten.

Am 7. Mai war das britische Passagierschiff Lusitania (das auch Kriegsmaterial an Bord hatte) in der Irischen See von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Von den 1198 Opfern waren 128 US-Amerikaner und so trübten sich zu diesem Zeitpunkt bereits die Beziehungen zu den USA ganz erheblich.

Der Krieg dauerte länger, als die meisten Politiker und Militärstrategen sich das vorgestellt hatten, er wurde von allen Seiten mit beispielloser Grausamkeit und Härte geführt und die nun auch im nächsten Jahr stattfindenden Kämpfe waren Materialschlachten, die mit hohem Aufwand an Kriegsund Menschenmaterial geführt wurden. Das war jedenfalls der Jargon der Generäle, die nun überall die Politik in den Schatten gestellt hatten. Das gleiche galt für die Verletzung des Völkerrechts. Was man bei den Deutschen anprangerte, betrieben die Engländer genauso, wie die bisherigen Kriegsereignisse zeigten.

1916 – Verdun und die Schlacht an der Somme – beispiellose Verluste

Sowohl die deutsche als auch die französische Militärführung wollte nun in diesem Jahr eine Entscheidung erzwingen. Und so griffen die Deutschen Ende Februar die Festung Verdun an, die im Osten Frankreichs (ca. 70 km von der deutschen Grenze entfernt) etwa in der Mitte des gesamten Frontverlaufes lag. Für Frankreich hatte dieses Bollwerk daher eine große militärische Bedeutung. Der Chef der OHL, Erich von Falkenhayn, wollte die Franzosen bei der Verteidigung des gewaltigen Festungswerkes durch hohe Verluste so schwächen, dass sich die französische Armee schließlich zurückziehen musste, im Militärjargon nannte man so etwas eine Abnutzungsstrategie. Nach anfänglichen deutschen Erfolgen (einige Forts konnten erobert werden) übernahm der französische General Henri Phillippe Petain (der auch während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich noch eine Rolle spielen sollte) das Kommando in dem erbitterten Abwehrkampf der französischen Verteidiger. Beim Kampf um jeden Geländestreifen und jede Anhöhe wurde die Landschaft mit einem ungeheuren Artilleriebeschuss förmlich umgepflügt, in bestimmten Gegenden hat sich die Vegetation bis heute noch nicht ganz erholt. Doch schlimmer noch erging es den Soldaten; im Kampf um Verdun starben 240.000 Deutsche und 275.000 Franzosen und Engländer und insgesamt 200.000 Mann wurden verwundet, unvorstellbare Zahlen und erschütternde menschliche Schicksale. Mitte Juli wurden die deutschen Angriffe bei Verdun eingestellt, andere Schwerpunkte der alliierten Kriegsführung mit den Offensiven an der Somme durch die Engländer und Franzosen und die russischen Durchbruchsversuche an der Ostfront zwangen das Deutsche Reich zu einer Umgruppierung ihrer Streitkräfte. Bis zum Herbst konnte die französische Armee daher auch alle an die Deutschen verlorengegangenen Forts und Anhöhen bei Verdun zurückerobern.

Mit der Schlacht an der Somme, einem Fluss in der Normandie, versuchten die Alliierten, zum einen die Festung Verdun zu entlasten, zum anderen sollten am nördlichen Frontabschnitt die deutschen Stellungen durchbrochen werden. Hier wurden von Ende Juni bis Ende November rund 2,5 Mill. Mann eingesetzt, Zehntausende von Soldaten starben jeden Tag im Maschinengewehrfeuer und im Hagel der Granaten und am Ende dieser Offensive konnten die Ententemächte einen Geländegewinn von zehn Kilometern auf einer Breite von 40 km verzeichnen. Dafür fielen in dieser Zeit jeweils 500.000 deutsche und britische Soldaten sowie 200.000 Franzosen. Man muss es sich wirklich vergegenwärtigen, 1,2 Mill. Menschen mussten für nichts ihr Leben lassen, von den vielen hunderttausend Verwundeten einmal abgesehen.

Doch auch die Russen mischten in diesem Jahr kräftig mit, sie wollten zusammen mit ihren westlichen Verbündeten die Mittelmächte in die Zange nehmen, die Abnutzungsstrategie war auf allen Schlachtfeldern das Mittel der Wahl. In drei Offensiven drückte die russische Armee hier vor allem im südlichen Abschnitt auf die österreichisch-ungarische Front und fügte der K.u.k.-Armee auch schwere Verluste zu. Doch ein entscheidender Durchbruch gelang nicht, ein Blick auf die Verlustzahlen lässt dennoch erahnen, welch schwere Kämpfe hier geführt wurden. Die Habsburgerarmee hatte eine Mill. Soldaten verloren, wobei die meisten aber in russische Gefangenschaft gerieten, die Deutschen büßten etwa 350.000 Mann ein und die Russen selbst bezahlten ihre Aktionen mit 1,5 Mill. Mann. Ein unerhörter Preis, der die Kampfkraft der russischen Streitkräfte nachhaltig schwächte.

Eine neue Front hatte sich mit dem Kriegseintritt Rumäniens im August auf der Seite der Alliierten eröffnet. Die Ententemächte hatten dem Balkanstaat Gebietsversprechungen gemacht, so sollten den Rumänen z.B. Siebenbürgen und weitere Teile der Donaumonarchie zufallen. Doch gelang es der k.u.k.-Armee zusammen mit deutschen Truppen, die über die Karpaten angreifende rumänische Armee zu besiegen, die Hauptstadt Bukarest einzunehmen und den größten Teil Rumäniens und damit auch wichtige Erdölgebiete dieses Landes zu besetzen. Während dessen gingen an der italienisch-österreichischen Front die Kämpfe ebenfalls im vollen Umfang weiter. Die Italiener versuchten in zahlreichen Offensiven am Isonzo den Durchbruch nach Triest. Auch hier waren auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten beteiligt, ohne dass es einen entscheidenden Erfolg gab.

Zu erwähnen bleibt noch die einzige nennenswerte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges, die am 31. Mai/1. Juni als Skagerrakschlacht in die Geschichte einging. Dabei wollte die deutsche Hochseeflotte, die von Wilhelmshaven ausgelaufen war, ein englisches Kreuzergeschwader angreifen. Durch die englische Luftaufklärung gewarnt, machte sich jedoch vom großen britischen Marinestützpunkt Scapa Flow auf den Orkney Inseln (im Norden Großbritanniens) die Home Fleet (die zur Verteidigung der britischen Küsten bestimmt war) mit 150 Kriegsschiffen auf den Weg, um ihrem bedrohten Verband zu Hilfe zu eilen. Im Skagerrak, einem Seegebiet nördlich von Dänemark stießen die Flotten schließlich aufeinander, wobei es der Kaiserlichen Marine gelang, 14 feindliche Schiffe zu versenken (darunter immerhin drei Schlachtschiffe und drei Panzerkreuzer), während die eigenen Verluste bei 11 Schiffen lagen (davon ein Schlachtschiff und vier Kreuzer). Bei dieser Seeschlacht kamen etwa 6.000 Engländer und ca. 2.500 Deutsche ums Leben. Ein Achtungserfolg für die deutsche Kriegsmarine war es allemal und die deutsche Flotte erreichte ohne weitere Kampfhandlungen ihren rettenden Nordseehafen. Strategisch gesehen war aber nichts erreicht worden, die Seeblockade blieb bestehen und damit auch die Überlegenheit der britischen Kriegsmarine.

Aus deutscher Sicht entsprach die militärische Lage nicht den hochgeschraubten Erwartungen (vor allem der Kampf um Verdun war gescheitert) und so wurde Ende August Erich von Falkenhayn als Generalstabschef abgesetzt und erhielt statt dessen den Armeeoberbefehl in Rumänien und an der Ostfront. Die Oberste Heeresleitung wurde nun den beiden Generälen Hindenburg und Ludendorff übertragen, die im weiteren Verlauf des Krieges neben dem militärischen Oberkommando auch weitgehend die politische Führung Deutschlands übernahmen. Wie schon bei Kriegsausbruch musste sich der Reichskanzler Bethmann Hollweg, der grundsätzlich friedliche Absichten hatte, auch während des Krieges den militärischen Anforderungen und Zwängen beugen und dies nun umso mehr, da mit Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff die beiden „starken Männer“ des deutschen Militärs die Führung der OHL übernommen hatten. Auch dem Kaiser selbst, der sich ja vor dem Krieg immer sehr martialisch gezeigt hatte, waren die Zügel längst entglitten, er spielte in der militärischen Strategieplanung so gut wie keine Rolle und so konnte man de facto von einer Art „Militärdiktatur“ im Deutschen Reich sprechen.

Umgekehrt stellte sich dagegen die Entwicklung bei den österreichisch-ungarischen Waffenbrüdern dar. Nach dem Tod des greisen Kaisers Franz Josef wurde nun Erzherzog Karl, ein Neffe des ermordeten Franz Ferdinand (dessen Kinder wegen seiner nicht standesgemäßen Ehe von der Thronfolge ausgeschlossen waren) am 21. November der neue Kaiser im Habsburgerreich. Auf Grund vieler Frontbesuche (auch bereits als Thronanwärter) kam er zu dem Schluss, dass der Krieg für die Mittelmächte nicht zu gewinnen sei. Er übernahm daher selbst den Oberbefehl über die k.u.k.-Armee, entließ den bisherigen Generalstabschef und bildete die Regierung um. Mit den neuen Ministern initiierte Kaiser Karl dann auch ein Friedensangebot der Mittelmächte an die Entente. Mit der Eroberung Rumäniens, den besetzten Gebieten in Osteuropa sowie der Annexion Belgiens und Luxemburgs hatte das Deutsche Reich beachtliche Erfolge zu verzeichnen, auch wenn das übrige Kriegsgeschehen in Bezug auf Frankreich und England zu wünschen übrig ließ. Für Deutschland und Österreich-Ungarn war der Frontverlauf zum Ende dieses Kriegsjahres jedenfalls Anlass genug, nun den Alliierten einen Friedensschluss anzubieten. Dies geschah dann auch am 12. Dezember, allerdings ohne konkrete Vorschläge hinsichtlich der Zukunft der von den Mittelmächten besetzten Länder und Gebiete. Man ging schlicht davon aus, dass man alles behalten konnte, was man sich angeeignet hatte. Eine Annahme, die von den Ententemächten natürlich nicht geteilt wurde. So war dieses sog. Friedensangebot auch kein wirklich ernsthafter Versuch, ein Ende des fürchterlichen Krieges herbeizuführen. Der deutsche Reichskanzler Bethmann Hollweg wollte damit einen Keil in das alliierte Bündnis treiben, zum anderen gegenüber bisher neutralen Ländern, hier vor allem den USA, den Friedenswillen Deutschlands bekunden und nicht zuletzt das eigene kriegsmüde Volk bei Laune halten. So konnte man bei einer Ablehnung durch die Ententemächte darauf verweisen, dass man ja den Krieg habe beenden wollen, die bösen Nachbarn aber beabsichtigten, das Reich in die Knie zu zwingen. Die Antwort der alliierten Mächte am 30. Dezember fiel dann auch entsprechend aus. Man lehnte das Friedensangebot mit der Begründung ab, dass es eben keinerlei Hinweis auf eine Bereitschaft der Mittelmächte zur Rückgabe der völkerrechtswidrig erworbenen Gebiete enthielt. Und so ging das Kriegsjahr 1916 zu Ende, um die winzige Hoffnung ärmer, dass endlich Frieden sein würde.

1917 - Kriegseintritt der USA - Revolutionen in Russland - der Krieg in seiner entscheidenden Phase

Abgesehen von den großen Menschenverlusten an der Front (Millionen von Soldaten waren schon gefallen oder verwundet worden) hatte sich auch das Leben in Deutschland grundlegend gewandelt. Die Seeblockade der Engländer und der fehlende Import von Waren über Italien, nachdem dieses Land zu den Ententemächten übergegangen war, führten zu einer Verknappung wichtiger Rohstoffe und zu einer mangelhaften Lebensmittelversorgung des deutschen Volkes. Ungeachtet dessen wollte die neue OHL mit dem sog. Hindenburgprogramm das gesamte zivile Leben den militärischen Erfordernissen unterordnen. Nach diesen Plänen sollte die Nation für den totalen Krieg mobilisiert werden, vor allem General Ludendorff forderte den bedingungslosen Einsatz der Menschen sowohl an der Front wie auch in der Rüstungsindustrie, d.h. Dienstverpflichtung selbst für Frauen. Diese Maßnahmen stießen allerdings auf heftigen Widerstand seitens der Gewerkschaften und auch im Reichstag war man um eine Entschärfung des Vorhabens bemüht. Schließlich gab es eine gewisse Arbeitspflicht lediglich für Männer, die aber zunächst nicht zu einer wesentlichen Steigerung der Produktion von Waffen und Munition führte. Die überhastete Koordination aller verfügbaren Kräfte und Transportkapazitäten führte im Gegenteil zu einer schweren Störung bei der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Überdies war die Kartoffelernte sehr schlecht ausgefallen und so begann das neue Kriegsjahr mit einem „Hungerwinter“, dem Hunderttausende von Menschen zum Opfer fielen.

Die ursprüngliche Kriegsbegeisterung in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung war längst verflogen, die Opfer an der Front und die großen Belastungen und Einschränkungen in der Heimat ließen nun viele Menschen die Sinnlosigkeit dieses europaweiten Gemetzels erkennen. Auch in der SPD, als der mit 110 Abgeordneten stärksten Reichstagsfraktion, wuchsen die Spannungen derart an, dass es im April zu einer Abspaltung von 20 Abgeordneten kam, die sich nun Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) nannte, bei den Reichstagswahlen 1920 auch mit einem Stimmenanteil von fast 18 % recht erfolgreich war, aber später in der Bedeutungslosigkeit versank und 1931 aufgelöst wurde. Bereits im März 1916 hatte diese Gruppe gegen die Bewilligung weiterer Kriegskredite gestimmt und war deswegen aus der Gesamtpartei ausgeschlossen worden. Unter Führung der Radikalsozialisten und SPD-Abweichler Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (er war der Sohn des Sozialistenführers Wilhelm Liebknecht), die beide wegen pazifistischer Agitation fast während des gesamten Krieges inhaftiert waren, entstand 1918 der Spartakusbund (benannt nach dem Anführer des Sklavenaufstandes im antiken Rom), der am 1. Januar 1919 in der an diesem Tag gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) aufging.

Doch wenden wir uns nun den militärischen Operationen des Kriegsjahres 1917 zu; sie begannen am 1. Februar mit der Aufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges des Deutschen Reiches gegen Großbritannien, der im Gegenzug zur englischen Seeblockade nun auch die Versorgung des Inselreiches mit Kriegsmaterial und lebenswichtigen Gütern unterbinden sollte. Das hieß im Klartext, dass Handelsschiffe (auch aus neutralen Ländern), die sich der britischen Küste näherten, ohne Vorwarnung torpediert würden. Man versprach sich davon in typisch deutscher Naivität und Verkennung der wirklichen Lage, dass die Engländer in einem halben Jahr kapitulieren müssten. Ein verhängnisvoller Trugschluss, denn erstens hatte Deutschland nicht genügend U-Boote, um Britannien wirksam treffen zu können und zweitens bewog diese Seekriegsstrategie die USA zum Kriegseintritt im April des Jahres. Ein weiterer Grund waren geheime Bestrebungen des Deutschen Reiches, ein Bündnis mit Mexiko zu schließen und das mittelamerikanische Land möglicherweise in einen Krieg mit den Amerikanern zu verwickeln. Diese Absichten wurden jedoch vom britischen Geheimdienst aufgedeckt. US-Präsident Woodrow Wilson gab daraufhin die bisherige Neutralitätspolitik auf, er fand dafür auch in der amerikanischen Bevölkerung eine breite Zustimmung und so erklärten die USA entgegen der Monroe-Doktrin am 6. April dem Deutschen Reich den Krieg (die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn erfolgte im Dezember). Der politische Grundsatz des US-Präsidenten James Monroe aus dem Jahre 1823 besagte, dass sich Amerika nicht in europäische Verhältnisse einmischen wolle, dass die USA aber umgekehrt auch keine Interventionen europäischer Staaten auf dem amerikanischen Kontinent dulden würden. Angesichts der veränderten Weltlage (insbesondere des festgefahrenen Krieges in Europa und Vorderasien, dessen friedliche Beendigung offensichtlich nicht möglich war), ließ sich nun die Monroe-Doktrin nicht mehr halten.

Dazu beigetragen hat wohl auch im März ein (allerdings gescheiterter) Versuch des österreichischen Kaisers Karl, einen Frieden mit Frankreich herbeizuführen (ohne vorherige Absprache mit den deutschen Verbündeten). Für die USA sicher ein Zeichen, dass ein Pfeiler der Mittelmächte (nämlich die zunehmend kriegsmüde K.u.k.-Monarchie) langsam am Zusammenbrechen war. Ein solches Angebot wurde natürlich als Schwäche ausgelegt und so hatte Kaiser Karl, salopp gesagt, für die Donaumonarchie bereits selbst ein vorgezogenes „Todesurteil“ ausgesprochen, dem Deutschen Reich gegenüber kam seine Handlungsweise einem Verrat gleich, hatte es doch ausgerechnet wegen seiner Treue zum Hause Habsburg politisch und militärisch alles aufs Spiel gesetzt.

Einen genauso großen Einfluss auf den weiteren Kriegsverlauf und auf die künftige politische Landkarte von Europa hatte der Zusammenbruch des Zarenreiches und damit der Übergang Russlands von der Monarchie zur Republik. Man nennt diese Vorgänge, die sich hauptsächlich in der russischen Metropole St. Petersburg abgespielt haben, die „Februarrevolution“, nach dem im Westen gebräuchlichen Gregorianischen Kalender fanden die Ereignisse aber im März statt. In Russland wurde zu dieser Zeit noch der Julianische Kalender (der noch auf Julius Caesar zurückging) angewendet, daraus ergibt sich die zeitliche Differenz. Ausgelöst wurde diese Erhebung durch die militärischen Misserfolge der russischen Armee, deren Oberbefehl Zar Nikolaus II. selbst übernommen hatte und durch eine schwere Versorgungskrise des Volkes im Winter 1916/17. Die tieferen Ursachen lagen in der ungelösten sozialen Frage, die besonders die Zukunft des neuen Arbeiterstandes infolge der aufkeimenden Industrialisierung betraf, denn Russland war ja immer noch ein vorwiegend agrarisch ausgerichtetes Land. Die Revolution verlief im Übrigen relativ unblutig, der Zar dankte am 15. März ab und die staatliche Führung wurde von einer „provisorischen Regierung“ gebildet, die von der Duma, dem russischen Parlament eingesetzt worden war. Daneben gab es die Sowjet, die Arbeiter- und Soldatenräte, die in den Dörfern, bei der Armee und in den Industriebetrieben ihre Macht ausübten und so zu einer Art Gegenregierung wurden. Auch hier gab es wieder Unterscheidungen, einerseits standen die Bolschewiki für eine „Diktatur des Proletariats“, also für die radikalere Ausrichtung, andererseits waren die Menschewiki für einen Sozialismus, der sich im Rahmen einer parlamentarischen Demokratie durch Reformen entfalten sollte.

Der Krieg wurde aber auch von der neuen russischen Regierung weitergeführt und so entschloss sich im April die deutsche Oberste Heeresleitung, den im Asyl in der Schweiz lebenden Führer der russischen Bolschewiki, Wladimir Iljitsch Lenin, zusammen mit mehreren Gesinnungsgenossen nach St. Petersburg zu bringen (in einem versiegelten Eisenbahnzug), wo er damit begann, eine weiterführende Revolution zu organisieren, deren Ziel auch der Kriegsausstieg Russlands war (daher auch die deutsche Unterstützung).

Etwa zeitgleich unternahmen die westlichen Alliierten im Norden Frankreichs größere Angriffe auf die deutschen Linien. Doch die deutsche Heeresleitung hatte ihre Armeen auf die sog. Siegfriedlinie zurückgezogen und so den Frontverlauf erheblich verkürzen können. Damit gelang weder den Engländern bei Arras, noch den Franzosen an der Aisne und in der Champagne ein entscheidender Durchbruch, obwohl neben der aufkommenden Luftwaffe auch neuartige Kampffahrzeuge eingesetzt wurden. Diese Tanks (so wurden sie von den Engländern genannt) waren die ersten Panzer, die zwar große Breschen in die deutschen Verteidigungslinien rissen, jedoch kam die alliierte Infanterie nicht schnell genug nach und so konnten die Deutschen im Gegenangriff das verloren gegangene Terrain wieder zurückerobern. Wieder waren Hunderttausende von alliierten und deutschen Soldaten gefallen und verwundet worden, ohne dass eine Seite einen wirklichen Erfolg verzeichnen konnte. Besonders in Frankreich war man wegen der hohen Verluste mit der Führung der Armee sehr unzufrieden, es kam zu Meutereien in vielen Truppenverbänden und so erhielt nun General Petain Ende April den Oberbefehl über die gesamte französische Armee. Als Verteidiger von Verdun hatte er die erforderliche Autorität bei den Truppen, deren Versorgung er verbesserte; allerdings griff er auch gnadenlos durch, in dem er bei Meuterei jeden zehnten Mann der betreffenden Einheit erschießen ließ.