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Der Karl von Wechsungen ein Enkel des Marcus von Gebesee, der mit Ernst von Gleichen in das Heilige Land zog ist hier eine der Hauptpersonen. Ohne gefragt zu werden wird er mit der spanischen Prinzessin Isabella verlobt. Aus dem Grund sein Leben zu retten. Leben retten durch Verlobung??? Ja, das geht- lest das Buch!
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Veröffentlichungsjahr: 2020
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Marcel-Martin Kuhnt
Der Weltliche Inquisitor
2.Buch der Wechsungen Reihe
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Der weltliche Inquisitor
Prolog
Karl von Wechsungen
Die Audienz
Nur schöne Frauen
Ein toter Bruder
Was nun?
Verlobung wider Willen
Die Verlobten
Der Morgen ist klüger als der Abend
Isabella de la Ribera
Feierlichkeiten
Eine neue Zofe
Erwartung der Gäste
Festung Gartz
Offenbarung
Männer unter sich
Eine Reise
In der alten Heimat
Ottilie und Ofterdingen
Überfall
Verräter überall Verräter
Ein sonderbares Gefängnis
Zweikampf mal anders
Endlich zu Hause
Eine schnelle Hochzeit
Reise nach Oftershausen
Einen Dieb wird überführt
Gerda
Ein Geständnis
Beim Notar
Vaterfreuden
Schlechte Nachrichten
Treffen bei Burlee
Glück und Unglück
Hartenstein
Der Hochzeitsbitter
Gerd von Runge und Barbara
Eltern
Wir brauchen Zeit
Ein sonderbarer Zweikampf
Schlange und Igel
Abschied und Heimkehr
Personen
Impressum neobooks
Der
weltliche
Inquisitor
Historische Erzählung von Marcel-Martin Kuhnt
Alle Rechte beim Autor, Nachdruck, auch nur Auszugsweise, nur mit Genehmigung.
Dieser Roman, seine Handlung ist frei erfunden, wurde durch das Wirken des Maximilian von Habsburg, „Dem letzten Ritter“ inspiriert. Natürlich werden sich Erbsenzähler und Geschichtsenthusiasten daran stören, dass Ereignisse, Personen, und Handlungen ganz anders verliefen als hier beschrieben! Eine Kunigunde von Habsburg war grade Fünfzehn! Einen Inquisitor hat weder Friedrich III. noch Maximilian ernannt.
Ein Marschall Ofterdingen ist in keinem Geschichtsbuch bekannt! Und Wechsungen? Wechsungen kennt auch niemand. Weder Ort noch Burg.
Grade deshalb. Aber es könnte gleich um die Ecke passiert sein, ja, genau, die Burgruine auf dem Berg!
Da steht sie, die einst stolze Burg. Es ist nicht viel von ihr übrig geblieben. Vom Städtchen Liebstein aus war es keine halbe Stunde Fußmarsch, was heißt Fußmarsch, ein gemütlicher Spaziergang war es. Zur Rehabilitation – fürchterliches Wort- Kur klingt viel gemütlicher, bin ich hier. Bewegung ist alles – sagen die Ärzte. Vor allen in Rehakliniken wird besonderer Wert daraufgelegt. Meine beiden Zimmernachbarn, von der Kurparkklinik, koronare Abteilung, so wie ich, haben es vorgezogen ihren Bewegungsdrang, im Kaffee Ernst, ausklingen zu lassen. So bin ich allein weiter. „Nichts zu sehen dort,“ gab mir meine Tischnachbarin, heute früh, noch zu verstehen, „alles kaputt dort, kleiner Turm, aber viel zu eng, um da hoch zu kommen!“ sagte sie und biss noch einmal recht kräftig in ihr Schinkensalamikäsebrot! Das Frühstück, hier in der Klinik, ist wirklich sehr reichhaltig. Wie im Hotel bedient man sich am Buffet. Nur mit eisernem Willen, oder guten Genen, kann man hier das Gewicht halten, abnehmen, sehr schwierig! Etwas traurig habe ich meine Tischnachbarin angeschaut, hoffentlich kommt sie in das Auto, dass sie heute abholen soll. Ihre Reha Zeit geht heute zu Ende. Hat mich immer mit frischer Wurst, vom Fleischer, mitversorgt. „Dieses Sülz-zeug kann man ja nicht essen!“ Damit meinte sie, die angebotenen kalorienreduzierten, Wurstwaren des Buffets. Zu Hause, keinen Fleischer um die Ecke, hat sie berichtet, muss in die Stadt fahren! Hat also auch seine Vorteile, wenn auf den Dörfern alles dichtmacht, … wegen der Gesundheit!
Es ist ein herrlicher Tag. Kein Mensch weit und breit! Da eine Spendenbox. Ein kleines Schild: Der Förderverein der Burg dankt und verwendet die Mittel ausschließlich zur Restaurierung. Tatsächlich wenn man genau hinschaute, dort eine Treppe, hier der Fensterrahmen alles frisch bearbeitet. Zwei Euro wanderten in die Box. Die Vorburg war tatsächlich total zerstört. Der Förderverein hat zahlreiche Schilder angebracht die über die Historie berichten. Also, bis hier ging die Vorburg, Donnerwetter! Über einen kleinen Steg, gelange ich in den Palas. Die Öffnungen im Mauerwerk verrieten, drei Stockwerke hat es gegeben. Die Sonne schien genau durch eine Fensteröffnung. Ich ging bis zum nächsten Fenster, dass sich in einem kleinen Erker befand. In einer Wandnische konnte man sogar sitzen und in die Weite sehen. Ach, dahinten, der kleine Turm. Eine Tür stand offen. Ein Vorhängeschloss beendet abends die Besucherströme. Innen, tatsächlich, sehr eng. Dick durften die damaligen Besitzer nicht sein! Oben angekommen, die Aussicht, herrlich! Durch die Bäume schimmerte das Dörfchen. Voll Eindrücken stieg ich wieder hinab. Ganz dahinten, kommen da nicht ein paar Leute? Wieder zurück, über das Brückchen.
Um die Burg herum, auf einer Wiese ließ ich mich nieder. Den Rücken an einen Baum gelehnt sah ich zur Burg hinüber…Wer mag hier gewohnt haben? Ich höre ein Frauenlachen, Ottilie, oder war das gar Isabella?
„Ihr möchtet euch sofort bei seiner Hoheit einfinden!“ Das war keine Bitte, sondern ein Befehl, eine Weisung die keiner Erklärung bedarf! Der Überbringer, kein geringerer als Gottlieb selbst, der Kaplan des Herzogs von Burgund. Karl von Wechsungen ist seit fast zwei Jahren zugehörig, dem Hofstaat Herzog Maximilians, der Sohn Kaiser Friedrich III.
Karls Bruder, Winfried, der Erstgeborene, hat das Erbe angetreten und sorgte für seine Schwestern Ottilie und Barbara. Er, als Zweitgeborener musste an den Hof. Rufus, der jüngere Bruder, führte schon immer ein unstetes Leben, da für ihn das Erbe ganz weit weg war.
Weibergeschichten, hier und da, als Rottenführer der Landsknechte, mal für die Ehre, mal für Gulden. Wie lange habe ich die beiden nicht gesehen, auch zwei Winter. Karl maß die Zeit in Wintern. Der Winter ist nicht erquicklich. Kälte und Hunger machen sich dann, selbst hier am Hof bemerkbar. Ist es endlich Frühjahr, geht es bergauf! Man kann wieder Reisen! Der Herzog muss sein Reich zusammenhalten! Am besten durch Anwesenheit. Also wird gereist, die besuchten Lehensherren sorgen für Speise und Trank, der Herzog für Ruhe und Ordnung. So war es schon immer und wird immer so sein, dachte jedenfalls Karl. Aber er, zum Herzog? Solange er schon bei Hofe ist, noch nie ist er dem Herrn über den Weg gelaufen. Gut, sein Vater, hat dem Vater des Monarchen mal bei einer Schlacht rausgehauen, sonst wäre der heute kein Kaiser. Schon der Großvater diente dem Kaiserhof. Außer dem Erblehen Kleinliebstein mit der Wechsungenfeste, hielt sich aber die Dankbarkeit in Grenzen. Auffallen ist nicht gut! Ständig hört er diesen Satz, von seinem Beichtvater, Bruder Severus. Also schnell zu Severus, vielleicht weiß der was los ist.
Karl eilte durch den Kreuzgang, schnell zur Kapelle, wo er Bruder Severus anzutreffen hoffte. Ein Glück, die hagere Gestalt hockt vor einem Leuchter und polierte diesen. „So niedere Arbeiten? Seid ihr in Ungnade gefallen?“ „Ja, die Last die uns aufgebürdet wird, wird uns auch erdrücken!“ Severus polierte einfach weiter, ohne den Eingetretenen auch nur eines Blickes zu würdigen. „Ihr denkt ihr steigt empor? Ha, tief werdet ihr fallen, und wir alle mit!“ „Wer steigt empor? Ich bin es, Karl von Wechsungen! Ich steig nicht empor, zum Maximilian soll ich kommen, wisst ihr was er will?“ Severus drehte sich um, blickte Karl an, so mit einem Blick, wenn man todgeweihte in die Schlacht schickt. „Eine schier unlösbare Aufgabe hat er für euch, der Herzog von Troohn ist ermordet, ein Kurfürst, mit ihm seine ganze Familie und ihr sollt herausfinden wer es war!“ Karl lachte lauthals los. „Ich, ich soll was aufklären? Du hast wohl zu viel Messwein in dir! Ein Herzog ist Tod und der Edle von Wechsungen klärt die Sache auf! Ich befrage Herzöge, Grafen und Könige alle geben mir bereitwillig Antwort! Ich kriege Schreikrämpfe sag, dass das ein Witz ist!“ „Geh zum Herzog, er wird dir den Witz befehlen, aber bitte halt mich da raus, Inquisitor!“ „Wo ist hier ein Inquisitor, du laberst blödes Zeug. Ich kläre nichts auf, wie sollte ich, geh dann mal los, vielleicht können wir vernünftig Reden, wenn ich wiederkomme!“ „Bei der Aufklärung der Verbrechen, des Generals Itzenplitz, habt ihr euch zu sehr hervorgetan!“ „Was heißt hervorgetan? Es war der Befehl des kaiserlichen Marschalls Ofterdingen! Da ich alle Wachen gut kenne und viele nicht, für ein paar lumpige Gulden, ihr Einkommen aufs Spiel setzen, war es doch ein leichtes den Itzenplitz zu überführen.“ „Leicht oder nicht,“ brummte Severus, „dem Erzherzog wurde zugetragen, was ihr für eine Leuchte seid, nicht gut, glaubt mir. Nun geht zum Maximilian, ihr werdet schon sehen.“
Karl von Wechsungen passierte die Wachen vor dem Audienzsaal, da er viele Wächter, alle aus eigenen tun, gut kennt. Wie oft wurde er, als er neu war, zur Wache eingeteilt. Die Empfehlung des Vaters, öffneten solch ertragreiche Posten. Wenn hier, am Hof des Erzherzogs, jemand ordentlich bezahlt wurde, dann waren es die Wachen, aus reinem Selbstschutz! Ein unzufriedener Wächter ist gefährlicher als eine Schwadron Husaren vor der Feste! Dem heraustretenden Kammerdiener nannte er nur seinen Namen und schon verschwand dieser wieder hinter der Tür. Ein Hauptmann der Garde erschien: „Übergebt mir eure Waffen, falls ihr was verstecken wollt, der Galgen ist nicht weit!“ Bereitwillig übergab Karl sein Kurzschwert, dass eh mehr Zierde, als Waffe ist. Der Hauptmann wies ihn kurz ein: „Nur Reden, wenn gefragt, eure Majestät Anrede, ich würde an eurer Stelle nur ja sagen, alles andere wäre wohl eurer Gesundheit abträglich,“ fügte er fast väterlich noch an. „so, mitkommen, immer zwei Schritt hinter mir!“
Noch nie hatte Karl von Wechsungen den Audienzsaal von innen gesehen. Prachtvoll, aber auch irgendwie traurig, fand er. So ein riesiger Raum und nur drei Menschen. Alle drei standen um einen Tisch, auf dem eine Karte ausgebreitet war. Welcher ist der Herzog? Aber bei dem Vater, der Kaiser des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nation, der müsste doch herausragen, goldener Mantel, oder so. Bestimmt wird Maximilian auch mal Kaiser. Alle drei von schlichter Eleganz. Keine Krone! Ein Herzog muss doch eine Krone tragen! Ein zweiter Offizier, den er gar nicht bemerkt hatte, ging auf die drei Herren zu und flüsterte was. Dann drehte der sich um und rief: „Wechsungen, herkommen!“ Karl schritt auf die Herren zu.
„Halt, da stehen bleiben!“ kommandierte der Offizier. „Mein lieber Ofterdingen, die von Wechsungen sind doch die bravsten Untertanen,“ sprach da, der mittlere der Herren, „du bist der Karl? Kommst hoffentlich nach deinem Vater? Mir wurde berichtet, dass du dafür gesorgt hast, dass die Diebstähle in der Waffenkammer aufgeklärt wurden. Ha, niemals hätte ich gedacht, dass ein General von Itzenplitz, mich betrügt! Keine Angst vor hohen Tieren? Sehr gut, mein lieber Karl. Der Itzenplitz hat gebeten, durch das Schwert zu fallen. Mein lieber Herzog, was meint ihr. Die Itzenplitzsippe will den Schaden wieder gut machen, sowie tausend Goldtaler mehr zahlen, wenn wir den Kerl nicht köpfen!“ „Eure Majestät sind wie immer sehr gnädig, wenn es um eure verdienstvollen Untertanen geht. Itzenplitz hatte dazumal die Slawen vor Kunewalde geschlagen. Ein toter Itzenplitz wäre nicht gut für die Moral der Truppen, sehr beliebt, der Mann.“ bemerkte der Herzog von Tauern, erster Berater des Kaisers. „Ja, mein lieber Karl, so ist das, der beklaut mich und ich muss ihn noch laufen lassen. Befreie ich ihn von seinem Schädel, wird wohl die ganzen Itzenplitzsippe euch, mein lieber Karl, die Schuld geben. Sehr einflussreiche Leute, sehr vermögend, das wäre nicht gut für euch, grade jetzt, wo ich so ein helles Köpfchen, wie das eure brauche.“ Da meldete sich der andere Herr zu Wort: „Wir sagen, oder besser schreiben, der Neue, von seiner Majestät eingesetzter Inquisitor, hat in seiner ersten Amtshandlung den Itzenplitz begnadigt und zu lebenslangen Hausarrest auf Schloss Itzenplitz verurteilt.!“ „Kolossal gut, mein lieber Ofterdingen, so wird es gemacht. Nun zu dir Wechsungen. Du wirst von mir zum weltlichen Inquisitor ernannt. Mit allen Vollmachten! Der Kaiser hat es abgesegnet. Natürlich hätte ich dich gern zum Untersuchungsrichter gemacht, aber das geht nicht. Da kommt wieder der Fürstenrat und sagt, dass die Richter nur vom Reichskammergericht ernannt werden. Also ernennen wir dich zum Inquisitor, hat das Kind einen anderen Namen aber die Befugnisse sind die Gleichen! Du, du bringst mir die Mörder vom Herzog Troohn, das bin ich dem Fürstenrat schuldig. Die denken ich war das! Nur um meine Hausmacht zusichern! Dann hätten sie ein gemeinsames Ziel, verbünden sich sogar noch gegen mich! Diese Aufgabe kann nur jemand übernehmen der auch dem Fürstenrat genehm ist. Und das bist du mein lieber Karl! Die anderen von mir vorgeschlagenen Kandidaten, rundweg abgelehnt. Dich kennt keiner, also warst du genehm. Ein Jahr gebe ich dir. Marschall Ofterdingen wird dich, auf Wunsch des Kaisers beraten!“ „Natürlich Majestät,“ begann der Marschall „er braucht noch einen geistlichen Berater, Kardinal Remus ernennt Bruder Severus, kurzer Hand zum Weihbischof und der wäre der Richtige!“ sagte der Ofterdingen, zu dem grade eingetretenen, Kardinal. „Bischof, kann doch nur der Papst ernennen!“ antwortete dieser aber scharf. „Zurzeit haben wir doch Papst Innozenz VIII, der ernennt laufend Inquisitoren, wegen der vielen Hexen!“ grinste der Berater des Kaisers „wir erkennen die an, wenn er unseren Inquisitor auch anerkennt!“ „Seine Heiligkeit wird keinen weltlichen Inquisitoren dulden!“ meinte der Kardinal. „Eure Meinung ist uns sehr wichtig, mein lieber Kardinal, wir danken euch für eure Meinung, fragt dennoch mal bei seiner Heiligkeit nach! Wir danken euch!“ Da der Kardinal keine Anstalten machte den Raum zu verlassen, sah Maximilian ihn scharf an, so dass dieser endlich begriff und den Raum wieder verließ. „Ofterdingen, ihr habt bis zu Fünftausend Taler freie Hand. Aber mehr als einhundert Landsknechte dürfen sich nicht unter dem Banner unserer Inquisition befinden, wir wollen doch den Leuten keine Angst einjagen! Nun ans Werk, bringt mir die Mörder und ihr werdet reich belohnt!“ „Wenn der Papst nun Anstoß nimmt…“ „Wenn der Kaiser der Meinung ist, dass ein Inquisitor eingesetzt wird, dann ist das so, Innozenz hat mit Neapel zu tun. Wir haben unsere Sorgen, ans Werk!“ Der Offizier fasste Karl an die Schulter und bedeutete, dass die Audienz beendet ist. „Folgt mir!“ sagte Ofterdingen und zusammen verließen sie den Raum.
„Man hat es eilig, eure Inauguration soll schon nächste Woche erfolgen, da zu Jakobus, der Hofstaat gen Burgund aufbrechen wird.“ erklärte Ofterdingen nach dem der Offizier den Vorraum verlassen hatte. „Stellt euch nun mal vor, wer seid ihr? Euch hat die Erzherzogin Kunigunde von Österreich ins Spiel gebracht, seid ihr mit ihr bekannt? Durch alle Gemächer des Palastes schwirrt euer Name, aber keiner kennt euch. Habt ihr einen Fürsten oder König in eurer Ahnenreihe?“ „Ganz einfach, Karl von Wechsungen, zweiter Sohn des Wanfried von Wechsungen und seiner Gemahlin Edelgard von Wechsungen.“ Das reichte Ofterdingen nicht. Er sah Karl, so mit leicht zusammengekniffenen Augen, an und fragte: „Keine Fürsten oder Könige in der Ahnenreihe?“ „Görz, meine Mutter, sie war wohl die vierte Tochter und frei von Belegung, da der ihr zugedachte Gemahl im zarten Alter von Fünfzehn Jahren verstorben ist. Mein Vater sagte immer, die waren aber froh, dass ich ihnen die Last abgenommen habe. Die Mitgift war sehr erfreulich, so mein Vater!“ „Görzsches Blut?“ „Ach, Mutter hatte nie besondere Bande zu ihrem Elternhaus, unser Stand ist zu gering, ob von einem Fürstenhaus beachtet zu werden. Seht selbst, ich bin hier und nicht am Hof von Fürst Leonhard.“ sagte Karl beiläufig. „Fürstenblut in euren Adern, wenn auch nur mütterlicher Seits! Daher weht der Wind! Die Kunigunde kennt sich aus!“ sprach Ofterdingen mit leiser Stimme und stierte dabei auf ein Gemälde, dass an der Wand hing. Auch Karl schaute hin und konnte den Titel des Gemäldes erspähen. Eine wilde Reiterszene war mit „Der Todt des Pharaos“ beschrieben. Mit Ägypten hatte die Szenerie aber rein gar nichts gemein. Es klopfte an die Tür. Ofterdingen: „Reinkommen!“ Eine junge Dame trat ein, sehr hübsch und nach der letzten Mode gekleidet und ohne sich um Ofterdingen zu scheren, sagte sie kurz und bündig zu Karl: „Ihr seid der Karl, werdet Inquisitor des Kaisers? Meine Herrin will euch sprechen!“ Da fuhr Ofterdingen dazwischen: „Haben die Weiber hier das Kommando übernommen? Wer seid ihr überhaupt? Ich bin Marschall Georg von Ofterdingen!“ „Oh verzeiht Hoheit, die Tochter des Kaisers, Kunigunde, schickt mich! Ich bin Isabella de la Ribera Hofdame der Erzherzogin.“ „Kunigunde von Österreich? Na Karl, dann nichts wie hin,“ lachte Ofterdingen, „man will euch begutachten, passt nur auf, dass man euch nicht gleich ein Weib verschafft!“ Dabei klopfte sich Ofterdingen vor lauter Lachen auf die Oberschenkel. Er wand sich an die Eingetretene, die nun in einem angedeuteten Hofknicks verharrte: „Den Herren Karl von Wechsungen bringt ihr vor dem Abendglockenschlag wieder. Die Hofschneider, samt Gefolge, sollen den Herrn, entsprechend seines Standes, kleiden!“
Das Herz klopfte Karl fast bis zum Hals, als er vor der kaiserlichen Kemenate wartete. Die Schönheit, Klugheit und Herrlichkeit der Kunigunde von Österreich, wurde von allen Minnesängern gepriesen. Jeder Mann im Lande hätte viel gegeben, um ihrer Ansichtig zu werden. Ihr Freund, der um ihre Hand anhalten wollte, soll vor einem halben Jahr bei einem Jagdunfall, unter mysteriösen Umständen, ums Leben gekommen sein. Man sagte auch, dass sie das ganze Gegenteil ihres Bruders ist. Großherzig, bescheiden, leutselig und barmherzig. Was ist nun wahr? Auch die Schönheit neben ihm, trotz des fahlen Lichts waren ihre feinen Gesichtszüge gut zu erkennen, beschleunigten sein Herzschlag. Just in diesen Moment öffnete sich die Tür. Die schöne Isabella wies ihm den Weg. Vorbei an Gewändern und Kleidern gelangte er in das eigentliche Zimmer. „Aha, ein diskreter Nebeneingang!“ stellte Karl für sich fest. „Er wird also unser Inquisitor!“ sagte eine junge Dame, die in der Mitte des Raumes saß und Augenscheinlich von mehreren Zofen gerade angekleidet wurde. Die Unterwäsche hatte sie schon an, aber mehrere Zofen versuchten, ein sehr üppiges Kleid, über den Kopf der Dame zu bringen, was schließlich auch gelang. Karl ließ seinen Blick schnell zu der begleitenden Isabella wandern um nicht unhöflich zu erscheinen. „Unser junger Freund hat sogar Manieren! Na Isabella da habt ihr es doch nicht so schwer wie ich dachte. Leider habe ich nicht die Zeit euch in einer offiziellen Audienz zu empfangen, andererseits braucht auch niemand davon Wissen. Isabella, habt ihr Ofterdingen mein Schreiben übergeben?“ „Ja, sicher doch Majestät!“ war aus dem Mund der Schönen zu hören. Karl war erstaunt, nichts mitbekommen, dass ein Schreiben übergeben wurde. „Es war auch der Ofterdingen, ganz sicher? Wenn das Briefchen in falsche Hände kommt, dann Gnade uns Gott!“ „Der Herr hat sich vorgestellt, er sagte: Marschall Georg von Ofterdingen.“ sprach Isabella mit etwas unsicherer Stimme. Kuno wollte ihr beistehen und sagte: „Ich kann es bezeugen, es war Ofterdingen!“
Statt aber einer erwarteten Dankbarkeit, zischte Isabella ihn an: „Man hat -euch- nicht gefragt!!“ „Schon gut mein Kind,“ fuhr nun die vollkommen bekleidete Dame fort, „Dazu seid ihr ja da, den jungen Herren hier, die Manieren und Gepflogenheiten des Hofes beizubringen.“ Karl merkte wie er errötete, owei, das hat gesessen, Bruder Severus hat recht, nicht auffallen! Daher sagte Karl nichts, sondern machte als Entschuldigung eine recht ordentliche Verbeugung. „Er lernt schnell!“ stellte die Dame fest und winkte Karl heran. Als Karl vor ihr stehen blieb, beugte sie sich vor, so dass ihm ein tiefer Einblick in ihr Dekolleté beschert wurde. Kaum hörbar flüsterte sie: „Nicht mein Bester, seid ihr erst mal Inquisitor, werdet ihr auch den Todt meines Freundes Corvinus aufklären, versprochen? Isabella wird euch dafür die Feinheiten der Diplomatie beibringen. Abgemacht?“ „Ich diene euch, solange Leben in mir ist!“ war Karls Antwort. Das war seine Stärke, wie die Situation auch ist, auf den Mund gefallen ist Karl nicht. Er bemerkte, wie die Dame, ihn von oben bis unten, musterte. Plötzlich, aus heiterem Himmel, hörte er die Dame sagen, ganz laut und deutlich: „Ausziehen!“ Alle Farbe wich aus seinem Gesicht. Hilfesuchend blickte er zu Isabella. Diese aber grinste wie ein Honigkuchenpferd. Dann die Erlösung! Alle anwesenden Damen brachen in schallendes Gelächter aus! Isabella stürzte nach vorn, ergriff Karls Hand und hauchte: „Die Audienz ist beendet, rückwärts hinaus, mit Verbeugung.“
„Meine Herrin ist für ihre derben Späße bekannt, wusstet ihr das nicht?“ fragte Isabella mit einem Schmunzeln. „Nein, aber selbst, wenn ich es gewusst hätte, was soll man gegen einen Wunsch einer solchen Hoheit machen, und wer ist eigentlich Corvinus?“ fragt Karl. „Ach der, ein Prinz der Ungarn war er. Wunsch? Das war ein Befehl!“ entgegnete Isabella „Ach, ihr führt also alle Befehle bedingungslos aus?“ fragte Karl etwas hinterhältig, was Isabella aber nicht bemerkte. „Natürlich, hohe Herrschaften haben das Recht, und damit bin ich bis zum heutigen Tag gut gefahren!“ Mit einer Handbewegung unterstrich Isabella ihre Ausführung. „Ich bin bald Inquisitor, also ein hochgestellter Herr, richtig?“ „Genau, richtig.“ „Und Ihr gehorcht mir?“ Da fühlte Isabella, dass es schwierig werden könnte und antwortete etwas umständlich: „Ihr werdet ja nichts Unmögliches von mir verlangen, natürlich gehorche ich!“ „Gut, ich sehe wir sind allein, ausziehen, fix, aber auch alles!“ sagte Karl mit ernster und finsterer Stimme. Isabella wich einen Schritt zurück und hielt reflexartig ihre Hände vor die Brust. Karl aber stürmte auf sie zu und versuchte sie in die Arme zu nehmen. „Rache gelungen! Haha!“ Hielt aber plötzlich inne und fragte: „Traut ihr mir so eine Gemeinheit zu?“
Isabella hat sich schnell wieder im Griff und antwortete schnippisch: „Euch, euch trau ich alles zu! Aus dem Nichts zum Inquisitor…!“ Als sie aber in das traurige Gesicht von Karl schaute, revidierte sie sich: „Ich glaub, wenn ich euch alles beigebracht habe, werdet ihr doch ein anständiger Mensch, aber,“ mit einem schelmischen Lächeln fügte sie noch an, „meine Rache wird fürchterlich sein, für den Schreck den ihr mir eingejagt habt! So, ihr müsst zum Ofterdingen, wir sehen uns bald wieder.“ „Ich erwarte eure Rache mit Freude!“ grinste Karl. Isabella entschwand in Richtung der Gemächer der Tochter des Kaisers.
„Arm hoch, genauso halten!“ sagte Meister Rieser, der Hofschneider seiner Majestät. Karl tat wie geheißen. Endlich, ihm fielen fast die Augen zu, war die Prozedur beendet. Ofterdingen trat ein. „Bis Morgen Mittag ist alles fertig?“ fragte er. „Bis Mittag? Da müsste Luzifer selbst die Nadel führen! Wenn alle meine Helfer die Nacht durchmachen, könnten wir es bis morgen Abend schaffen.“ entgegnete der Schneider „Ich kenne da noch so ein Zaubermittel,“ sagt Ofterdingen zum Meister von Nadel und Faden, „Drei Golddukaten, aber kein Heller mehr, bis morgen Mittag!“ „Jawohl Herr, wenn ich die Helfer gut bezahlen kann, werden wir es schaffen!“ Mit viele Verbeugungen verließ die Schneiderschar den Raum. „Gehen wir zur Abendandacht!“ brummelte Ofterdingen. „Ha,“ lachte Karl, „Abendandacht, ich glaube Mitternacht steht kurz bevor!“ Ofterdingen, der viel Wert seinem Seelenheil widmete, schlug vor: „Lassen wir uns doch von Bruder Severus die Absolution erteilen, auf zur Kapelle!“ Karl der nicht so ein eifriger Kirchgänger war, Severus tadelte ihn deswegen des Öfteren, stimmte murrend zu. Zur Kapelle war ein kurzer Weg über den Hof. Weiter weg, huschte eine Person in den Eingang zu den kaiserlichen Gemächern. „War das nicht Bruder Gottlieb? So spät noch unterwegs?“ fragte Karl. Ofterdingen: „Was Bruder Gottlieb? Ich habe auch jemand gesehen, aber Gottlieb, der ist doch viel dicker!“ Beide betraten die Kapelle. „Hallo, Severus, Kundschaft!“ rief Karl fröhlich. Einige Kerzen flackerten durch die eingetretenen Personen. Keine Antwort. Sie betraten die Sakristei, die Tür stand weit offen. Bruder Severus saß auf einem Sessel, der Kopf hing nach vorn. Blut auf dem Boden. Als sich der erste Schreck gelegt hat, hob Karl Severus Kopf an. Er sah ein großer Blutfleck an der Brust. Ofterdingen sprang hinzu: „Der ist tot! Ich schätze erstochen. Keine Reaktion der Abwehr! Sitzt einfach so da! Der Ausdruck des Toten nicht etwa schmerzverzerrt, sondern erstaunt! Ja, Severus hat vor seinen Tod irgendwas gesehen, was ihn total erstaunte!“ Karl sah auf den Boden. „Schaut mal Herr Marschall, hier dahinter, da stand der Mörder!“ „Tatsache, da hier wohl sehr wenig gereinigt wurde zeigen sich deutlich Spuren! So von hinten…“ Ofterdingen stellte sich hinter dem Toten. Mit einer Armbewegung deutete er an wie der Mörder gehandelt haben muss! „Ach nicht gut!“ bemerkte Karl, „Die Spuren sind verdorben, man hätte wenigstens erkennen können ob Stiefel oder Sandale, große oder kleine Füße!“ Ofterdingen blickte schuldbewusst auf seine Füße und die Abdrücke, die sich noch deutlich abzeichneten. Er machte einen großen Schritt zur Seite. „Seht, hier der Abdruck, noch sehr deutlich! Aber was könnt ihr da erkennen?“ „Sandale! Eindeutig, seht kein Absatz, und hier,“ Karl hatte sich auf den Boden gekniet, „die leichte Schleifspur neben dem Abdruck, garantiert kein billige mit Schnüren geschlossene Sandale, sondern mit Riemen. Ein Riemen wohl etwas zu lang! Da,“ Karl zeigte auf eine Spur die zwar nur noch halb vorhanden, aber der Wischer des zu langen Riemens zeichneten sich deutlich ab. Mit einem Ruck zog Ofterdingen Karl hoch. „Wer ist morgens derjenige der als erster Severus besucht?“ „Na ich!“ sagte Karl ganz erstaunt ob der Frage, „er ist, oder war mein Beichtvater!“ „Besitzt ihr einen Dolch?“ fragte Ofterdingen. „Ja, aber den führe ich nicht immer mit, er ist mit der Feldbewaffnung in meiner Kammer.“ „Wir müssen sofort zu eurer Kammer, aber leise, niemand darf uns sehen!“
Die Kammertür war nur angelehnt. Kerze an und umgeschaut! „Hier in der Waffenkiste… es müssten zwei Dolche sein! Wo verdammt ist der Zweite?“ fluchte Karl. Ofterdingen war in der Tür stehen geblieben. „Man will euch ans Leder, warum nur, will man verhindern das ihr Inquisitor werdet? Und Bruder Severus einer der wenigen aufrichtigen Gottesdiener,“ grübelte Ofterdingen laut während Karl ratlos dastand, „ich wollte ihn zum Bischof machen, dass hat irgendjemand einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und ihr, wenn mir nichts einfällt, auf euch wartet der Galgen, gut ausgedacht! Was machen wir nur, ihr braucht ein Beweis das ihr es nicht wart!“ Ofterdingen hämmerte sich mit der Faust vor den Schädel, schon alles verloren bevor es begonnen? Haben die etwa von den gemeinsamen Plänen von ihm und Kunigunde erfahren? Wie viel hat er investiert um den unbekannten Karl von Wechsungen zu protegieren. In der Hoffnung, dass Karl leicht zu führen wäre, war er von Kunigunde und ihm ausgewählt. Karl hatte nichts mitbekommen, dass er unter Beobachtung stand. Nur der Severus war eingeweiht, und der nun Tod! „Kunigunde, ja Kunigunde, die ist die Einzige, die jetzt helfen kann!“ stieß Ofterdingen aus, „Sofort, sofort müssen wir sie aufsuchen! Last alles so wie es ist, mir nach!“ Ungläubig bar jeder Regung stammelte Karl: „Kunigunde, was für eine Kunigunde soll uns da helfen?“ „Kunigunde von Österreich!“ zischte Ofterdingen. Kuno schaute, als ob das siebente Weltwunder geradewegs an ihm vorbeigezogen war: „Die Tochter des Kaisers??Jetzt, Mitten in der Nacht?“ „Glotzt nicht so, mir nach, sofort!“
Woher sollte Karl auch wissen, dass Ofterdingen das Recht hatte, im Notfall, die Hoheiten bei Tag und Nacht zu konsultieren. Durch die, auch Karl bekannte, Wäschekammer gelangten sie in das Audienzzimmer der Kunigunde von Österreich, der Tochter des Kaisers. „Wartet hier!“ sagte Ofterdingen und jagte die Zofe hoch, die vor einer zweiflügligen, mit zahlreichen Goldornamenten geschmückten Tür, schlummerte. „Herr von Ofterdingen verzeiht, aber…“ „Nix verzeih ich,“ fuhr Ofterdingen sie an „sofort ihre Majestät wecken, es geht um Leben oder Tod!“ Die Zofe schnellte hoch und verschwand sofort hinter der zweiflügligen Tür. Minuten vergingen. Ofterdingen raste hin und her, man sah am liebsten hätte er das Schlafgemach der Kunigunde gestürmt. Als sich immer noch nichts tat zischte Ofterdingen: „Weiber! Die schminkt sich wohl noch! Ihr wartet hier!“ und stürmte in das Gemach. Karl erwartete jetzt Geschrei, Zeter und Mordio, aber nichts dergleichen geschah. Da die Tür nicht ganz geschlossen war konnte er die verschiedenen Stimmen hören, aber die säuselten wie ein Bächlein, kein lautes Wort! Karl wagte nicht sich von der Stelle zu rühren. Dann öffnete sich die Tür ein wenig und die Zofe steckte den Kopf heraus und sagte: „Meine Herrin bittet euch herein zu kommen!“ Karl war wie vor den Kopf geschlagen. Heute früh noch, hatte ihn der Hofmarschall abgehalten, an der Tafel des Fürsten von Breitenau mit zu speisen, da sein Adel wohl zu gering sei! Und jetzt im Schlafgemach der Tochter des Kaisers! Hereingebeten!! Aber Karl fing sich und wies die Zofe an: „Öffne sie die Tür ruhig richtig, dass ich nicht an den Vorhängen hängen bleibe!“ Dies sagte er nur, um sich selbst ein wenig Mut zu machen. Nur geringe Leute schlüpfen durch einen Türspalt. Dann aber blieb ihm fast der Mund offenstehen. Kunigunde von Österreich saß in ihrem Bett. Nur mit einem Negligé bekleidet, die Haare aber pompös und das Gesicht von unglaublicher Eleganz! Von Perücken war im einiges bekannt aber so ein Kunstwerk hatte er noch nicht gesehen. Dann folgte der nächste Schlag, der hätte ihn fast umgehauen.
Die hohe Frau fragte ihn: „Habt ihr ein Eheweib? Eine Verlobte oder eine Freundin?“ Karl schüttelte ungläubig den Kopf: „Majestät, nix der gleichen, ich diene nur euch!“ Ofterdingen stand neben dem Bett, aufrecht wie ein Zinnsoldat, nur den Kopf drehte er ein wenig zur Majestät hin und nickte, als wenn er Karls Ausführungen unterstreichen wollte. „Also ihr dient mir und wollt am Leben bleiben?“ fragte die hohe Herrin und beugte sich ein wenig nach vorn, um die Antwort wohl genau zu hören. Aber bevor Karl auch nur ein Wort sagen konnte stieß die Dame hervor: „Dann heiratet ihr, Punkt um! Verlobung ist jetzt gleich! Zeuge der Herr Marschall Georg von Ofterdingen und ich, Kunigunde, Eleonore, Patricia etc. etc. von Österreich!“ Am liebsten hätte Karl sich hingesetzt. Er wusste, in so hohen Kreisen wird man verheiratet, da spielt Liebe keine Rolle! Die Staatsräson steht an erster Stelle. Dennoch entwich ihm die Frage, ohne jegliche Formalität: „Wieso und wen überhaupt?“ Da mischte sich Ofterdingen ein: „Weil ihr heute Nacht bei eurer Verlobten gelegen und daher nicht in der Sakristei!“ Schmunzelnd fügte er hinzu: „Verlobte pflegen auch, nicht nach einer solchen Nacht, gleich zur Beichte zu rennen!“ Dann sprach die Frau von Österreich: „Eure Verlobte wird gleich eintreffen. Ich habe sie rufen lassen!“ Karl stellte fest, dass die Zofe ja nicht mehr anwesend war. Da steckte die Zofe ihren Kopf herein und rief: „Wir sind da!“ Ofterdingen winkte Karl zu: „geht hinaus und wartet bis wir euch rufen!“
Karl ging hinaus und vor der Tür stand die Zofe, mit Isabella, der Hofdame. Das wunderte Karl zunächst nicht, denn er wusste ja, dass Isabella eine Vertraute der hohen Herrin ist. „Wisst ihr, wen ich heiraten soll?“ fragte er, die erstaunend blickende, Isabella. „Das ist wohl eure Rache?“ Der Isabella blieb der Mund offenstehen. „Heiraten?? Ich weiß von nichts, die Herrin hat mich aus dem Bett…“ weiter kam sie nicht, denn die Zofe zog sie ins Schlafgemach. Karl verwehrte der Tür ein Zufallen, in dem er geschwind den Fuß dazwischen hielt. So konnte er hören, was innen geredet wurde. Er vernahm wie die Hoheit fragte: „Isabella de la Ribera ist euch bewusst warum ihr hier seid?“ Kuno konnte nicht anders und spähte durch den Spalt. Er sah wie Isabella auf die Knie sank und dann mit leiser Stimme sprach: „Nein, eure Gnaden, ich bin euch mein Leben lang dankbar. Ich bin für immer eure ergebene Dienerin!“ „Sehr gut meine Isabella, ich hatte euch aufgetragen den Karl von Wechsungen Manieren beizubringen, wie findet ihr ihn?“ Isabella fühlte wohl, dass Unangenehmes sich anbahnte. Auch Karls Frage, wen er heiraten soll, schoss ihr durch den Kopf. Wie ein scheues Reh drehte sie den Kopf zur Seite und sprach mit leiser aber fester Stimme: „Der Herr scheint mir eine gute Erziehung genossen zu haben, er besitzt eine leichte Auffassungsgabe, ist von seiner Art freundlich und wie mir scheint auch ritterlich.“ Ofterdingen unterbrach sie: „Die Herrin will wissen, wie ihr ihn als Weib seht. Findet ihr ihn anziehend?“ „Entschuldigt mein Herr,“ sprach Isabella ihre Stimme noch leiser werden lassend, „mir steht es nicht zu, solche Gedanken zu haben…“ Die Kunigunde nahm Isabella hoch umarmte sie und sagte: „Stellt euch vor, er würde bei mir um euch anhalten!“ „Ganz ehrlich, hat er das?“ flüsterte Isabella fast. Angst schwang in Ihrer Stimme mit. „Ich will wissen was sagt ihr dazu!“ fragte Kunigunde nun mit ernster Stimme. „Habt erbarmen, ich kenne diesen Menschen doch kaum, gut der Schlechteste scheint er nicht zu sein, aber ich möchte ihn doch erst noch besser kennen lernen, dann kann ich euch antworten.“ „Die Zeit haben wir nicht!“ Kunigundes Stimme hatte das wohlwollende verloren.
„Ihr verlobt euch, jetzt sofort, mit dem Karl von Wechsungen. Morgen wird er der Inquisitor Karl sein. Heute Nacht schlaft ihr in einem Bette mit ihm, was ihr auch unter Eid, überall bezeugen werdet.“ Ganz entsetzt fragte Isabella: „Wieso?“ „Weil es um Leben und Tod geht, um sein oder nicht sein!“ polterte Ofterdingen los. Isabella brach in ein fürchterliches Weinen aus und schüttelte sich vor Schmerz. Da konnte Karl nicht anders, trat ein und rief jegliche Etikette missachtend: „Hochverehrte Isabella, wenn ihr nicht wollt braucht ihr mich nicht heiraten. Die Wahrheit über den Tod des Bruders Severus wird an den Tag kommen und lieber sterbe ich…!“ Weiter kam er nicht denn Ofterdingen brüllte: „Auf die Knie, seid ihr des Wahnsinns!“ Kunigunde bot ihm mit einer Handbewegung Stille. „Karl erzählt, Isabella was heute in der Sakristei geschehen ist.“ Karl wollte die Hände von Isabella ergreifen, aber diese zog sie zurück. Er berichtete aber dennoch, was vor kurzem erst geschah. Als er geendet sprach Kunigunde mit fester Stimme: „Tust du nun, was von Dir verlangt? Willst du deiner Herrin helfen? Wenn hier der junge Herr gefangen wird, unter Folter wird oft was gestanden. Irgendjemand will uns vernichten, selbst Ofterdingen weiß nicht wer. Ist Karl erst Inquisitor, sind wir in einer besseren Lage. Ihr Karl schwört mir, dass ihr nichts tun werdet was Isabella schadet, oder ihren Ruf abträglich ist!“ Isabella die ihre Tränen getrocknet hat schaute Karl mit einem forschenden Blick an und als sie merkte, dass er nicht auswich, wie es unehrliche Menschen tun, sprach sie zu Kunigunde gewandt: „Herrin ihr habt mir in tiefster Not geholfen, so bin ich bereit euren Wunsch nachzukommen. Ich bitte euch aber, wenn es sein muss, diese Verlobung auch wieder aufzuheben, und ich bin überzeugt, dass der Herr Karl von Wechsungen ein Ritter von Ehre ist, und diese Situation niemals ausnutzen wird.“ Karl sprach „Ich schwöre niemals werde ich, dieser hier anwesenden Dame, in irgendeiner Weise schaden!“ „Sehr gut!“ warf Ofterdingen ein.
Kunigunde von Burgund erhob sich von Ihrem Lager und stellte sich neben Ofterdingen. „Kniet beide hier nieder, rasch zwei Kissen! Ihr sollt später nicht sagen können, dass die Verlobung nicht rechtmäßig war,“ dabei grinste sie Ofterdingen an und flüsterte diesen ins Ohr: „Wenn ihre Kinder erst durch die Gegend sausen, gewiss wird es so!“ Laut aber sagte sie: „Vor mir Kunigunde von Österreich sind erschienen, Herr Karl von Wechsungen sowie Isabella de la Ribera um sich zu Verloben. In dieser Zeit wollen sie prüfen, ob sie den heiligen Bund der Ehe eingehen können. Der Herr Karl von Wechsungen hat, der guten Sitte folgend, bei mir um die Hand der Isabella angehalten. Den Herr Georg von Ofterdingen, haben wir, als Verwalter der Verlobung eingesetzt. Ihm Obliegt die geschäftliche und gesellschaftliche Zusammenführung! Erhebt euch!“
