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Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Die junge Frau hatte sich hinter den dichten Büschen verborgen, die ein paar Schritte von der Mühle entfernt den schmalen Fußweg säumten. Sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Atem ging hechelnd und vor ihren Augen tanzten rote Kreise. Sie war am Ende mit ihrer Kraft. Das Kind in ihrem Leib drängte nach draußen, nicht ahnend, welche chaotische Welt es vermutlich erwartete. »Bettina, wo bist du? Sag doch, wo du steckst.« Eine andere Frau lief etwas planlos den Weg entlang, blieb immer wieder stehen und schaute sich um. »Gib Antwort. Bitte … Wenn es erst dunkel ist, kann ich dich nicht mehr finden.« Wieder lauschte sie. »Angela.« Die Stimme war fast nur ein Hauch. Stöhnend presste sie die Hände auf ihren hohen Leib, in dem es immer lebendiger wurde. »Angela, hier bin ich.« Ihre Worte klangen wie ein Schluchzen. »Versteck dich, Angela. Er wird bald hier sein. Es ist fast Nacht, um diese Zeit ist er sonst immer schon zu Hause.« Endlich hatte die andere sie gehört.
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Seitenzahl: 114
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Die junge Frau hatte sich hinter den dichten Büschen verborgen, die ein paar Schritte von der Mühle entfernt den schmalen Fußweg säumten. Sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Atem ging hechelnd und vor ihren Augen tanzten rote Kreise. Sie war am Ende mit ihrer Kraft. Das Kind in ihrem Leib drängte nach draußen, nicht ahnend, welche chaotische Welt es vermutlich erwartete.
»Bettina, wo bist du? Sag doch, wo du steckst.« Eine andere Frau lief etwas planlos den Weg entlang, blieb immer wieder stehen und schaute sich um. »Gib Antwort. Bitte … Wenn es erst dunkel ist, kann ich dich nicht mehr finden.« Wieder lauschte sie.
»Angela.« Die Stimme war fast nur ein Hauch. Stöhnend presste sie die Hände auf ihren hohen Leib, in dem es immer lebendiger wurde. »Angela, hier bin ich.« Ihre Worte klangen wie ein Schluchzen. »Versteck dich, Angela. Er wird bald hier sein. Es ist fast Nacht, um diese Zeit ist er sonst immer schon zu Hause.«
Endlich hatte die andere sie gehört. »Bettina, was machst du denn für Sachen? Du solltest doch im Haus bleiben.« Angela, eine junge Frau Anfang zwanzig, schlich auf den Schatten zu, den sie, verborgen in den Büschen, gerade noch erkennen konnte. »Warum bist du denn hier draußen? Die Hitze ist nicht gut für dich und das Kind. Wir haben Hochsommer, da kühlt es auch nachts kaum ab.« Mit wenigen Schritten war sie bei ihr. »Hat er wieder getrunken?«
Zitternd warf sich Bettina in die Arme ihrer einzigen Freundin. »Er … er ist noch nicht zurück. Aber wenn er kommt, dann muss ich weg sein, sonst werden wir das irgendwann nicht mehr überleben.«
»Endlich bist du vernünftig«, lobte Angela erleichtert. Sie sah mit ihren langen schwarzen Haaren, die weit über ihre Schultern reichten, ziemlich südländisch aus. Das kam daher, dass ihre Mutter aus Süditalien stammte, ihr Vater jedoch ein waschechter Münchner war. Von ihrer Mutter, die leider vor Kurzem an einer schweren Krankheit gestorben war, hatte sie die Herzenswärme und die Hilfsbereitschaft geerbt, während ihr Vater, der zum Glück noch sehr am Leben war, der geborene Geschäftsmann war. Sein logisches Denken, seine Zielstrebigkeit und die kühle Ausstrahlung hatten ihm den Ruf des unerbittlichen Verhandlers und Gewinners eingebracht.
»Was soll ich tun?« Bettina war den Tränen nahe. Verzweifelt blickte sie die Freundin an. »Ich bin nichts und ich hab nichts. Wo soll ich denn hin?«
»Bald hast du ein Kind, für das du da sein musst«, erinnerte Angela liebevoll. »Gemeinsam werden wir einen Weg finden, das verspreche ich dir.«
»Bitte, das muss schnell gehen. Peter darf uns nicht finden. Er schlägt uns tot«, jammerte Bettina. »Versprich mir, dass du mein Kind niemals in seine Arme legst, was immer auch geschieht. Versprich es mir. Wir müssen verschwinden, ehe er zurückkommt.« Sie wollte noch etwas sagen, doch da zerriss ein heftiger Schmerz ihren Körper. »Es … geht nicht. Ich kann nicht …« Sie krümmte sich zusammen. »Das Kind kommt …«
Als die schlimme Wehe vorbei war, hakte Angela die Freundin unter und schleppte sie mit letzter Kraft zu der schönen Mühle, deren Rad seit Wochen still stand. »Wir müssen es bis zum Auto schaffen. Dann kann ich dich in die Klinik bringen«, keuchte sie vor Überanstrengung.
»Lass uns ins Haus gehen. Bis zum Parkplatz schaffe ich es nicht mehr und die weite Fahrt in die Klinik schon gar nicht.« Wieder fuhr eine Wehe durch ihren Körper. Mit einem Aufschrei krümmte sie sich zusammen. Ihre Finger krallten sich verzweifelt in Angelas Unterarm.
»Dann fahre ich allein ins nächste Dorf und rufe von dort einen Krankenwagen.« Angela fühlte sich in diesem Moment völlig überfordert. Sie hatte zwar erst vor wenigen Monaten ihre Ausbildung zur Krankenschwester mit Auszeichnung abgeschlossen, doch allein eine Geburt durchzuführen, dazu fühlte sie sich nicht erfahren genug. Ein Blick in Bettinas Gesicht jedoch ließ sie jeden weiteren Plan vergessen. »Wir gehen ins Haus, damit du dich hinlegen kannst«, sagte sie entschlossen. In diesem Moment stiegen Kräfte in ihr auf, von denen sie nicht wusste, dass sie sie hatte.
Es dauerte kaum mehr eine halbe Stunde, da war ein kleiner Junge geboren. Bettina, von den Schmerzen und der Anstrengung so schwach, dass sie kaum sprechen konnte, schaute ununterbrochen das kleine Wunder an, das in ihren Armen lag. »Marco soll er heißen«, flüsterte sie, und aus ihren Augenwinkeln liefen ununterbrochen Tränen. »Bitte, sorge du für meinen Sohn. Sei du ihm die Mutter, die ich nicht mehr sein kann.«
»Was redest du da, Bettina«, fuhr Angela die Freundin erschrocken an. »Wir warten noch ein bisschen, bis du dich erholt hast. Ich werde das Auto holen und vor der Türe abstellen, damit du nur noch einsteigen musst. Dann fahre ich euch in die Klinik.«
Ein schwaches Lächeln erhellte das totenblasse Gesicht der jungen Mutter. »Du bist so gut, Angela. Was würde ich nur ohne dich tun? Marco und ich, wir wären verloren.« Ihr Blick verschleierte sich, doch sie zwang sich krampfhaft, wach zu bleiben. »Wenn Peter dich hier findet mit meinem Kind, dann weiß ich nicht, was er tut. Er ist noch immer nicht zurück. Es ist bereits Mitternacht. Das bedeutet, dass er seit fünf Stunden am Trinken ist. Er wird nicht mehr Herr seiner Sinne sein, wenn er kommt.«
»Deshalb musst du dich bemühen, damit du schnell auf die Beine kommst. Versuch mal, aufzustehen.« Angela versuchte, Zuversicht zu verbreiten, doch im Grunde ihres Herzens wusste sie bereits, dass alle Mühe, Bettina zu helfen, vergeblich war. Etwas ging von der Freundin aus, das ihr Angst machte.
»Du gehst mit Marco nach Hause, bitte«, flehte Bettina und konnte die Augen kaum offen halten. »Nimm ihn als deinen Sohn. Peter darf nie erfahren, wo sein Kind geblieben ist. Verwische alle Spuren, die zu euch führen könnten. Verschwinde, ehe er zurückkommt. Rette mein Kind, ich flehe dich an. Im Küchenschrank steht eine kleine Tasche, da habe ich ein Jäckchen für mein Kind gehäkelt und ein paar Fotos sind auch mit dabei. Gib ihm das später, wenn er alt genug ist, um zu verstehen.« Bettina schwieg abrupt. Ihre Hand krallte sich in Angelas Arm, sie holte noch ein paar Mal tief Luft, und dann blickte sie voll Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. »Ich muss jetzt gehen«, flüsterte sie. »Tu, was ich dir gesagt habe. Jetzt«, schrie sie voller Verzweiflung und richtete sich mit letzter Kraft auf. »Er darf euch nicht sehen.« Mit einem leisen Seufzer sank sie zurück, ihr Blick verlor sich im Nichts.
Angela konnte es nicht fassen. Ihre beste Freundin Bettina war tot, gerade eben gestorben, nachdem sie ihrem Sohn das Leben geschenkt hatte. Sie saß da wie erstarrt, doch schließlich musste sie einsehen, dass sie nichts mehr tun konnte außer Bettinas letzten Wunsch zu erfüllen. Und zwar schnell.
In wilder Panik sprang sie auf und schaute sich um. Jetzt musste sie einen klaren Kopf bewahren, sagte sie sich. Sie lief in die Küche und holte die Tasche. Dann hüllte sie das Neugeborene sorgfältig ein und wollte aus dem Haus.
»Verdammt«, entfuhr es ihr. In diesem Moment fuhr Peters Lieferwagen vor der Mühle vor. An seiner Fahrweise konnte sie deutlich erkennen, wie betrunken er war. Schließlich würgte er den Motor einfach ab. Dann war es still.
In Angelas Kopf überschlugen sich die Gedanken. Was sollte sie tun? Sie schaute sich hektisch um, es gab nur diese eine Türe, durch die sie entkommen konnte. Wenn er erst im Flur war, dann hatte sie verloren. Sie wusste, er würde ihr sofort das Kind entreißen, und wenn er sehr betrunken war, dann würde sie um ihrer beider Leben fürchten müssen.
»Ach Bettina, warum hast du nicht auf mich gehört und hast ihn verlassen, solange noch Zeit dafür war?«, fragte sie verzweifelt und schluchzte vor sich hin. Der kleine Junge in ihrem Arm greinte leise vor sich hin. Er brauchte dringend medizinische Versorgung.
Sie dachte voller Sehnsucht an Jörg. Der wüsste, was zu tun war. Doch er war auch Polizeibeamter durch und durch. Wenn sie ihm diese haarsträubende Geschichte erzählte, dann würde er sicher auf den geraden Weg des Gesetzes vertrauen. In diesem Fall jedoch hätte sie Bettinas inständige Bitte, ihr verzweifeltes Flehen nicht erfüllen können. Peter war der leibliche Vater, und niemand außer sie selbst wusste, wie grausam dieser Mann zu seiner Frau gewesen war. Mit Sicherheit würde er seinen Sohn bekommen, und er würde mit Freuden den alleinerziehenden Vater spielen. In Zeiten, in denen er nüchtern war, konnte man mit ihm umgehen, doch in den letzten Monaten hatte sich sein Alkoholkonsum immer mehr gesteigert.
Nein! Angela schüttelte den Kopf. Sie musste alles mit sich allein abmachen, eine Lösung finden. Schluchzend drehte sie sich noch einmal zu ihrer toten Freundin um. Auf Bettinas Gesicht lag ein sanfter Schimmer, so, als wüsste sie, dass jetzt alles in Ordnung kommen konnte. Ihr Leiden hatte ein Ende, und Marco durfte sein Glück mit Angelas Hilfe finden.
»Leb wohl, Bettina. Was jetzt kommt, liegt nicht mehr in deiner Hand. Peter wird schon wissen, was er tun kann, damit du anständig unter die Erde kommst. Du kriegst es ja nicht mehr mit. Aber ich verspreche dir, ich werde alles tun …« In diesem Moment wurde der Schlüssel in der Haustüre gedreht. Ein eisiger Schreck fuhr durch Angelas Körper. Sie betete, dass Marco still blieb und sie nicht durch sein leises Wimmern verraten konnte. Sie griff nach der Tasche und schlich aus der Küche. Dann versteckte sie sich in dem kleinen, unbenutzten Abstellraum in der Nähe der Haustüre, um dort abzuwarten, bis Peter ins Wohnzimmer gegangen war. Sie hoffte inständig, dass er nicht gerade heute den Abstellraum inspizieren würde.
Seine schweren Schritte hörten sich in Angela Ohren an wie Donnerhall, der sich mit ihrem aufgeregten Herzschlag vermischte. Sie hielt den Atem an und versuchte, durch den schmalen Schlitz der fast geschlossenen Türe etwas zu erspähen. Er schlurfte tatsächlich mit schweren Schritten ins Wohnzimmer, dann hörte sie, dass der Fernseher eingeschaltet wurde. Das war ihre Chance. Vorsichtig, um kein Geräusch zu verursachen, schlich sie aus der Kammer, öffnete die Eingangstüre und ging hinaus, unbehelligt, unentdeckt. Sie machte die Türe nicht zu, sondern lehnte sie nur an.
Sie war so aufgeregt, dass sie kaum atmen konnte, sondern nur hecheln. Ihre Beine waren schwer wie Blei und in ihrem Kopf breitete sich eine Wolke aus, die sie am klaren Denken hindern wollte. Doch Angela schaffte es, sich gegen diese Ohnmachtsgefühle durchzusetzen. Erst als sie das Neugeborene sicher in ihrem kleinen Auto untergebracht und selbst auch eingestiegen war, konnte sie erleichtert aufatmen.
Ihr Gewissen schlug schwer, wenn sie an Bettina dachte. Doch ihr hätte sie nicht mehr helfen können. Was mit ihrem Körper geschah, konnte ohnehin nur Peter bestimmen. Sie musste sich um ihr Vermächtnis kümmern, um den kleinen Marco. Sie würde um den Jungen kämpfen wie eine Löwin, das hatte sie sich fest vorgenommen. Bettina erwartete genau das von ihr.
Kaum eine Stunde später betrat Angela mit dem Neugeborenen die Klinik, in der sie selbst arbeitete. Wenig später konnte Marco bereits fachkundig versorgt werden und lag zufrieden in seinem Wärmebettchen. Jetzt musste sie nur noch der Polizei Rede und Antwort stehen. Aber das würde sie auch noch schaffen. Immerhin kannte sie einige der Beamten, sie waren Kollegen ihres Mannes Jörg, und sie waren schon öfter bei ihnen zum Grillen gewesen. Das war jetzt der einfachere Teil.
Müde schlich Bettina ins Schwesternzimmer, das zum Glück leer war. Da wollte sie auf die Beamten warten. Sie setzte sich ans Fenster und starrte in die Nacht hinaus. Dann begann sie zu weinen.
»Ich freu mich so auf unseren Tag im Wald«, stellte Dr. Fee Norden an diesem Samstagfrüh fest und wischte ein letztes Mal über die Anrichte in der Küche, wo sie die verschiedenen Leckereien aufgereiht hatte, die sie in die Tasche packen wollte. Schließlich sollte es bei ihrem seit Jahren ersten gemeinsamen Picknick mit ihrem Mann Daniel an nichts fehlen.
»Wie lange haben wir das schon nicht mehr gemacht, Schatz?«, fragte Dr. Daniel Norden, der gerade die Küche betreten hatte und sich nun interessiert umschaute. »Das alles soll ins Auto?«, fragte er zweifelnd. »Wie lange willst du denn bleiben?« Er grinste spitzbübisch.
Fee blickte abschätzend auf die drei Kühltaschen, die sie an der Türe bereitgestellt hatte. »Na ja, ich dachte …«
»Mindestens eine Woche, hab ich recht? Schatz, wir haben nur ein paar Stunden, und die wollen wir nicht mit essen und trinken verbringen. An der Nonnenmühle gibt es so wundervolle Spazierwege immer am Bach entlang. Da werden wir nicht viel Zeit für eine ausgedehnte Vesperpause haben.«
Fee seufzte ergeben. »Du hast ja recht – wie immer«, fügte sie ein wenig enttäuscht hinzu. »Dann nimm nur die Tasche mit den Getränken. Die werden wir brauchen bei der Hitze.« Wild schaute sie sich um, noch immer in der Angst, etwas zu vergessen, was sie vielleicht später brauchen konnten.
Mit einem leisen Lachen trat Daniel zu seiner Frau und nahm sie zärtlich in die Arme. »Es ist alles gut, Liebes«, beruhigte er sie. »Wir werden den Nachmittag so viel zu sehen haben, dass wir ganz bestimmt keinen Hunger bekommen. Aber wenn es dich beruhigt, stellte ich die drei Taschen in den Kofferraum, und dann fahren wir endlich los. Es ist fast eine Stunde später, als wir geplant hatten.«
Fee schmiegte sich an ihn. »Wir sollten das öfter machen«, murmelte sie. »Ich merke, ich verliere langsam meine Fähigkeiten als Hausfrau und Mutter …«
