Deutsche Spitze: (Nicht ganz) vergessen und doch geliebt - A. Ketschau - E-Book

Deutsche Spitze: (Nicht ganz) vergessen und doch geliebt E-Book

Ketschau A.

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Beschreibung

Der Deutsche Spitz ist eine uralte Hunderasse. Spitze sind bildschön, lebhaft, vital, langlebig und besitzen als einzige Hunderasse keinerlei Jagdtrieb. Der Spitz liebt sein Heim und seine Familie über alles und verteidigt sie im Ernstfall bis zum bitteren Ende. Leider ist der Spitz in den letzten Jahren ziemlich in Vergessenheit geraten, und der Mittel- und Großspitz gelten als vom Aussterben bedroht. Die Vereine, Liebhaber und Züchter versuchen derzeit, die Spitze vor dem Aussterben zu bewahren. Dabei kann man sich kaum einen besseren Wächter, Freund und Helfer denken. Der Spitz ist äußerst vielseitig und man trifft ihn auch zunehmend im sozialen Bereich an. Er kommt in großer Farbenvielfalt daher, ist äußerst anpassungsfähig und durch seine verschiedenen Größen dürfte für fast jeden Hundefreund eine passende Varietät dabei sein. Das Buch vermittelt viel Wissenswertes über die Rasse und auch einige allgemeine Informationen über Hunde. Einige Farb- und Schwarz-Weiß-Zeichnungen runden das Buch ab.

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INHALT

Die Geschichte

Wesen und Erscheinung

Wolfsspitz/ Keeshond

Großspitz

Mittelspitz

Kleinspitz

Zwergspitz

Japan Spitz, Volpino Italiano und Seidenspitz

Der FCI-Rassestandard

Genetik

Vereine

Überlegungen vor der Anschaffung eines Spitzes

Hundekauf

Eingewöhnung

Der wohlerzogene Hausgenosse

Weiterführende Prüfungen, Ausbildung und Hundesport

Gesundheit und Pflege

Fütterung

Unser Spitz wird alt

Literatur

Großspitz

Die Geschichte

Der Deutsche Spitz war seit jeher der Wachhund schlechthin. Auf dem Land besaß so ziemlich jeder Bauernhof einen oder mehrere Spitze. Seit Beginn der Zucht verteidigte der Spitz das Hab und Gut seiner Menschen gegen Langfinger. An einem Deutschen Spitz kommt keiner so leicht vorbei! Sein Heim ist dem Spitz enorm wichtig. Dem Spitz war es immer schon gleichgültig, ob dieses Heim ein Stadtoder Landhaus war, ein Bauernhof, eine einfache Hütte (Kate) oder ob es gar als Fuhrwerk über die pommer’schen Straßen rollte. Man nannte den Spitz früher auch Köter, was aber nicht abfällig gemeint war, sondern sich auf das Bewachen einer Kate bezog. Leider wurden Spitze auch viel in den Zwinger oder auf den Hof gesperrt, wo sie ihrer Aufgabe nachgehen sollten, sämtliche Fremde durch ihr durchdringendes Gebell zu verscheuchen bzw ihre Menschen auf die Fremden aufmerksam zu machen. Von seiner lebhaften Stimme macht der Spitz auch heute noch gerne Gebrauch, und der Ruf als Kläffer hängt ihm noch heute an. Man kann einem Deutschen Spitz sein Gebell nicht verbieten, aber man kann es durch entsprechende Erziehung und Auslastung in erträglichen Rahmen lenken. Spitze sind intelligente und anpassungsfähige Hunde, die das schnell lernen. Ein gut erzogener Spitz meldet jeden Fremden kurz, der sich dem Revier nähert, aber er verfällt nicht in Dauerkläffen. Spitze gibt es in jeder Größe von Zwerg bis mittelgroß. Das sprichwörtliche „Wadenbeißen“ hat seinen Ursprung in der Körpergröße des Spitzes. Da der Spitz – auch der Wolfs- und Großspitz – nicht mit übermäßiger Körpergröße einschüchtern kann, braucht er eine effiziente Methode, um Angreifer und andere zwielichtige Gestalten unschädlich zu machen. Das Beißen und Zwicken in die Waden kann dabei vor Verletzungen schützen. Spitze sind unberechenbare Gegner, die geradezu listig kämpfen, besonders wenn sie zu mehreren auftreten. Lernt der Spitz jedoch von Anfang an, dass er keine Bewacherfunktion ausüben soll, kann man dieses Verhalten unterdrücken oder abgewöhnen. Der Spitz ist ein bildschöner, intelligenter, anpassungsfähiger und vielseitiger Familien- und Begleithund. Und er ist für viele Ausbildungen und Sportarten geeignet. Der Spitz ist äußerst anpassungsfähig. Er kann sich so ziemlich überall wohlfühlen, wenn seine Menschen sich auf ihn einlassen. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ca. 14-18 Jahren sind Spitze sehr langlebige Hunde. Man nimmt an, dass der Deutsche Spitz vom Torfspitz (auch Torfhund oder Pfahlbauspitz) abstammt, obwohl einige Experten dies anzweifeln. Der Deutsche Spitz gehört zu den ältesten Hunderassen. Spitzartige Hunde gibt es seit mindestens 4000 Jahren. Die Hunde stammen wahrscheinlich aus der Bronze- und Jungsteinzeit. Es wurden Hundeknochen gefunden, die wohl aus dieser Zeit stammen und den spitzartigen Hunden zuzuordnen sind. Die Bindung zwischen Mensch und Hund war seit jeher sehr eng. Abbildungen aus Grabbeigaben aus der Zeit um 400 v. Chr. zeigen spitzartige Hunde. Auch eine ca. 4000 Jahre alte ägyptische Hundefigur zeigt einen spitzartigen Hund; ebenfalls sind spitzartige Hunde auf Vasen zu sehen, die aus der selben Zeit stammen.

Wie der Spitz zu seinem Namen kam, ist nicht genau geklärt. Eine Erklärung wäre sein Aussehen, denn er besitzt spitze Stehohren und einen spitzen Fang. Vielleicht hängt die Rassebezeichnung aber auch mit seinem Charakter zusammen. Der ursprüngliche Rassename war „Spitzer“, was wohl „Aufpasser“, „Wächter“ oder ähnliches bedeutet. Der Spitz wurde seit jeher als Wachhund geschätzt – diese Bedeutung seines Namens würde also passen. Die charakterlichen Merkmale des Deutschen Spitzes sind so in der Rasse fixiert, dass es für die Züchter schwer wäre, das Wesen wieder in eine andere Richtung zu bringen. Das würden die Spitzfreunde wahrscheinlich auch gar nicht wollen, denn neben seiner wunderschönen Erscheinung macht ja auch für viele Besitzer der einzigartige Charakter die Faszination aus. Der Spitz ist intelligent, anpassungsfähig, aufmerksam, meistens misstrauisch zu Fremden, reviertreu, robust, genügsam und liebt seine Menschen über alles. Ideale Voraussetzungen für einen Wachhund, der Haus, Hof und das gesamte Hab und Gut seiner Menschen gegen Langfinger verteidigt. Der Spitz war bei Bauern beliebt, aber er thronte auch auf dem Kutschbock und bewachte das Fuhrwerk seines Herrn. Auf dem warmen Misthaufen saß er, von wo aus er alles genau beobachten konnte. Näherten sich Fremde, machte der Spitz mit Bellen darauf aufmerksam. Das brachte ihm den Beinamen „Mistbella“ oder „Mistbeller“ ein. Auch auf Schiffskähnen fand man ihn häufig, weshalb man ihn auch „Schifferspitz“ nannte (nicht zu verwechseln mit dem Schipperke, einem belgischen kleinen Schäferhund vom Spitztyp). Der Spitz ist ein idealer Wachhund: lässt ein Eindringling sich nicht durch warnendes Gebell vertreiben, verteidigt der Spitz sein Heim und seine Menschen bis zum bitteren Ende. Der weiße Großspitz war aufgrund seiner edlen Erscheinung bei der High Society beliebt. Queen Victoria von Großbritannien und Irland züchtete Spitze. Mozart besaß den Spitz „Pimperl“. Der Spitz war nie ein Modehund, wahrscheinlich hat ihn das vor größeren Erbgesundheitsschäden und wesensschwachen Nachkommen bewahrt.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurden bereits Spitze in verschiedenen Farb- und Größenschlägen gezüchtet, so waren es weiße Spitze in Pommern und schwarze in Württemberg. In Schwaben und am unteren Neckar waren die kleineren Spitze beliebt. Ende des 19. Jahrhunderts waren die meisten spitze wolfsgrau gefärbt. Aber auch damals gab es schon andere Farben beim Spitz, die auch gezüchtet wurden, wie weiße, schwarze und orange Spitze. 1879, also bereits 20 Jahre vor der Gründung des Vereins für Deutsche Spitze, gab es Zuchtschauen, auf denen schon Spitze gezeigt wurden. Damals waren es 8, aber die Zahl stieg rasch an. Fast jedes Jahr gab es Schauen, auf denen auch Spitze vertreten waren. 1910 waren 619 Spitze auf Schauen gemeldet. Der Deutsche Spitz wurde anfangs vom Verein für Deutsche Schäferhunde und Spitze Phylax betreut, da man die Spitze aufgrund ihrer Verwendung auf den Bauernhöfen den Schäferhunden zuordnete. Natürlich wollte man die charakterlichen und äußeren Erscheinungsmerkmale festigen und auch teilweise verbessern, und so wurde 1899 ein eigener Verein gegründet, der Österreicher Charles Kammerer rief den Verein für Deutsche Spitze ins Leben, der die Merkmale des Spitzes festigte. Anfangs unterschied man nur zwischen kleinen und großen Spitzen. Zu den großen zählten die Wolfsspitze, die als einzige nur in einem Farbschlag anerkannt waren. Damals gab es auch große gescheckte Spitze. Diese kommen auch heute noch gelegentlich vor, werden aber bisher nicht anerkannt. 1969 wurde der Mittelspitz, 1970 der Zwergspitz in den Standard aufgenommen. Der Standard, der heute bekannt ist, entstand ebenfalls in dieser Zeit; 1998 wurde der Standard, der heute bei der FCI (Fédération Cynoloquiqe Internationale, Weltdachverband der Hundezucht) hinterlegt ist, herausgegeben. Übrigens: die Liste der berühmten Persönlichkeiten, die Spitze liebten, ist lang: Martin Luther (1483-1546) besaß den Spitz „Belferlein“; Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) „Pimperl“, Georg IV (1762-1830) den schwarzen großen Spitz „Fino“, Jean Paul (1763-1825) besaß ebenfalls einen schwarzen Spitz, der auf den Namen „Spitzus Hofmann“ hörte, auch Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) hatte einen weißen Spitz, und König Wilhelm II. von Württemberg hatte weiße Mittelspitze. Marie von Eber-Eschenbach (1830-1916), österreichische Dichterin, schrieb Erzählungen, die vom Spitz handelten: „Der Fink“ und „Die Spitzin“. Der Maler Adrian Ludwig Richter (1803-1908) verewigte in seinen Bildern, die oft Landschaften zeigten, den Spitz als treuen Begleiter. Wilhelm Busch, humoristischer Maler, Zeichner und Dichter, bedachte den Spitz ebenfalls in seinen Werken, so in „Hans Huckebein“ und „Die fromme Helene“. In „Max und Moritz“ dachte er wohl, dass „Spitz“ und „Spitzbube“ das gleiche ist. Als Witwe Bolte nach ihren in der Pfanne schmorenden Hühnern sehen wollte und diese verschwunden waren, hieß es „Alle Hühner waren fort, ‚Spitz!‘, das war ihr erstes Wort.“ Dem süßen Spitz ging es an den Kragen. Max und Moritz hatten die gebratenen Hühner entwendet, und der Spitz, der die beiden dabei ertappt hatte, wollte sein Frauchen Witwe Bolte durch Gebell auf die Hühnerdiebe aufmerksam machen: es kam jedoch zu einem Missverständnis, und der süße, kleine, treuherzige Spitz wurde fälschlicherweise für das Verschwinden der gebratenen Hühner verantwortlich gemacht.

Der einst beliebte Bauernhund ist heute leider eine seltene Rasse geworden. In den 1950er Jahren gab es bei uns noch viele Spitze, und vor allem auf dem Land waren sie beliebt. Seit einigen Jahrzehnten gehen die Welpenzahlen stetig zurück. Der Deutsche Mittel- und Großspitz werden inzwischen auf der Roten Liste als stark gefährdete Rassen geführt. Sie gelten als vom Aussterben bedroht. Der Verein für Deutsche Spitze hat es sich inzwischen zur Aufgabe gesetzt, den Deutschen Spitz als Kulturerbe zu erhalten. Derzeit will der Verein die Rasse vor dem Aussterben bewahren. Der Spitz ist ein wunderschöner Hund, den es in vielen Farben und Größen gibt. Da sollte doch für viele Hundefreunde eine Varietät dabei sein, die als Begleiter in Frage kommen könnte. Viele Rassen haben den Spitzen den Rang abgelaufen. Dabei ist der Spitz ein vielseitiger Begleiter, der sich gerne seinen Menschen anpasst. Er ist ein idealer Wach-, Begleit-, Familien- und Sporthund gleichermaßen. Er kann „alles“ sein, er ist nicht auf eine Sparte festgelegt. Zudem werden auch im Rettungs-, Besuchs- und Therapiebegleitdienst Spitze mit Erfolg geführt. Ein ausgewachsener Groß- oder Wolfsspitz macht schon was her, aber auch die kleineren Spitze sind liebenswerte Begleiter. Wollen wir hoffen, dass die Spitze eines Tages wieder die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen! Es wäre sehr schade, wenn diese wunderbaren Hunde verschwinden würden. Dabei gingen nicht nur wertvolles Kulturgut und ein Stück Geschichte verloren. Die Hundewelt wäre um eine wunderbare Hunderasse ärmer. Wollen wir hoffen, dass die Bemühungen der Vereine, Züchter und auch einiger Besitzer dem Spitz wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und seine Zahlen sich wieder erholen.

Wesen und Erscheinung

Der Spitz hat einen keilförmigen Kopf mit mäßig ausgeprägtem Stopp (Stirnabsatz), der Fang ist spitz zulaufend, nicht zu kurz und nicht zu lang. Die Ohren sind klein, dreieckig, aufrecht stehend, hoch angesetzt und spitz zulaufend. Die Augen sind mandelförmig, leicht schräg eingesetzt und dunkelbraun. Die Lidränder, Nasen, Lefzen und Ballen sind bei allen Farbschlägen schwarz, außer bei braunen und braungescheckten Hunden, wo sind braun sind. Der Spitz hat ein Scherengebiss (die Schneidezähne des Oberkiefers greifen beim Schließen des Kiefers geringfügig oder die Schneidezähne des Unterkiefers) oder auch ein Zangengebiss (die Schneidezähne des Oberkiefers stehen beim Schließen des Kiefers genau auf den Schneidezähnen des Unterkiefers). Bei Klein- und Zwergspitzen wird das Fehlen von Prämolaren (vordere Backenzähne) toleriert. Der Nasenschwamm ist klein und rund, bei allen Spitzen schwarz gefärbt; bei brauen und braun gescheckten Spitzen ist er braun. Der Hals ist breit aufgesetzt und ohne Wammenbildung, er verläuft leicht gewölbt über den Nacken und geht dann in den Rücken über. Der Rücken ist gerade und recht kurz, der Spitz hat einen quadratischen Körperbau, d.h. Körperlänge und Widerristhöhe sind etwa gleich lang. Der Brustkorb ist gut gewölbt, reicht weit nach hinten, der Bauch ist nur leicht aufgezogen, es darf nie aussehen wie bei einem Windhund. Die Kruppe ist breit und gerade, also nicht abfallend. Die Rute ist mittellang und wird fest nach vorne gerollt auf dem Rücken getragen. Eine doppelte Schleife am Rutenende ist gestattet. Die Vorderläufe sind kräftig und mittellang, die Hinterhand muskulös, mittellang und parallel gerade verlaufend. Die Hinter- und Vorderpfoten sind klein und rund wie Katzenpfoten. Die Ballen und Krallen sind bei allen Farbschlägen schwarz; bei braunen und braungescheckten Spitzen braun. Bei erwachsenen Hunden hellen die Krallen manchmal auf. Das Fell ist doppelt (langes Deckhaar mit dichter Unterwolle) und abstehend. Das Deckhaar ist gerade und lang, die Unterwolle dick und watteartig. An Hals bzw Nacken und Brust bildet das Fell eine Mähne. Das Fell sollte sich auf dem Rücken nicht scheiteln. Es darf auch nicht gekräuselt, struppig oder gewellt sein. An Kopf, Brust und Vorderseiten der Läufe ist das Haar kürzer, dicht und weich. Die Rückseiten der Vorder- und Hinterläufe sind gut befedert bzw „behost“. Die Rute ist buschig behaart. Der Wolfsspitz/ Keeshond ist wolfs- oder silbergrau mit schwarzen Haarspitzen und schwarzem Fang, wobei auch das Gesicht maskenartig gezeichnet sein kann. Die Widerristhöhe beim Wolfsspitz beträgt ca. 43-56 cm; bei typvoller Erscheinung sind bis 60 cm gestattet. Beim Großspitz sind die Farben schwarz, braun (braunes Fell und braune Haut) sowie weiß zugelassen. Die schwarzen und braunen Großspitze sind aber leider sehr selten geworden, auch die weißen Großspitze sieht man immer weniger. Der Großspitz soll 40-50 cm an der Schulter messen. Der Mittelspitz ist 30-38 cm groß. Es gibt weiße, schwarze, braune, rote, lohfarbene/ orange, cremefarbene, orange-sablefarbene, schwarz-lohfarbene, wolfsgraue/graugewolkte, cremesablefarbene, orange-sable-farbene und gescheckte Spitze. Gescheckte Spitze haben eine weiße Grundfarbe, auf der sich Farbflecken über den ganzen Körper verteilen. Rote/ cremefarbene/ lohfarbene Spitz haben schwarze bis blaue Hautpigmentierung, auch bei weißen Spitzen ist die Haut schwarz bis blau pigmentiert. Weiße Spitze dürfen einen gelblichen Anflug (Wildfärbung) haben.

Deutsche Spitze lieben ihre Menschen, sind kinderlieb, sehr anhänglich gegenüber vertrauten Personen, aber oft misstrauisch zu Fremden. Als ursprünglicher Wachhund ist das normal, solange es sich nicht in permanente Angst oder Aggressivität auswächst. Spitze sind nicht hinterhältig, wie ihnen manchmal angedichtet wird. Menschen können hinterhältig und böse sein – Tiere nicht! Wie beschrieben, wurde der Spitz einst als Wachhund geschätzt. Ein gesundes Misstrauen und Melden, Wachen und Verteidigen sind also normal. Auf die heutigen Spitze trifft dieser Wesenszug jedoch nicht mehr ganz so ausgeprägt zu, da sich die Anforderungen an die Spitze – moderne Familien- und Begleithunde – und damit die Zucht verändert haben. Sind die Eltern weniger misstrauisch gegenüber Fremden, bellen sie weniger, trifft das meist auch auf die Nachzucht zu. Leider hängt der Ruf als Kläffer dem Spitz noch heute an. Der Spitz ist neugierig, schaut sich fremde Situationen und Menschen aber erst mal genau an, bevor er sich nähert. Der Spitz hat normalerweise keinen Jagdtrieb und zeigt kein Interesse an Wild und Kleintieren o.ä., abgesehen von Ratten und Mäusen, denen er deutlich klar macht, dass sie in Haus, Hof und Garten nichts zu suchen haben. Der fehlende Jagdtrieb macht Spaziergänge in der Natur mit ihm angenehm. Auch wenn der Spitz sich gerne in der Nähe seines Heims aufhält und nicht hysterisch wird, sollte sein Spaziergang einmal ausfallen, braucht er doch Auslauf und Beschäftigung. Nasenarbeit machen viele Spitze begeistert mit, aber auch Agility, O-bedience oder ähnliches. Auch als Besuchs-, Therapiebegleit- und Behindertenbegleithund werden Spitze mit Erfolg eingesetzt. Reitbegleitung, Radfahren, Schwimmen, Apportieren, Schnüffelspiele, der Spitz ist für alles zu haben. Spitze sind ausdauernd und kommen mit jedem Wetter außer mit extremer Hitze zurecht. Im Sommer darf es etwas gemächlicher zugehen, und dann freut sich der Spitz auch über eine Abkühlung im Teich, Bach oder See. Einige Spitzhalter kürzen sogar den dichten Pelz ihres Spitzes im Sommer etwas. Hier muss man aber bedenken: was gegen Kälte isoliert, kann mitunter auch gegen Hitze isolieren! Natürlich verfrachtet man den Spitz bei großer Hitze nicht direkt in die Sonne, sondern weist ihm ein kühles, ruhiges Eckchen zu, sorgt für frisches Wasser und verlegt Spazierrunden in die kühlen Morgen- und Abendstunden. Mit Kälte und Nässe kommt der Spitz dagegen ganz gut zurecht. Die Fellpflege ist beim Junghund aufwendig; der erwachsene Spitz wird regelmäßig gebürstet (siehe “Gesundheit und Pflege“). Getrockneter Schmutz fällt von alleine aus dem selbstreinigenden Fell oder kann leicht ausgebürstet werden. Ein Spitz wird nicht geschoren! Nicht nur, dass sein Erscheinungsbild darunter leidet, das Fell verliert dann auch seine gegen Kälte, Hitze und Nässe isolierenden Eigenschaften.

Spitze sind sehr anhänglich gegenüber vertrauten Menschen, sie begleiten sie auf Schritt und Tritt. Fremde Menschen werden allerdings oftmals reserviert behandelt und mitunter auch verbellt. Spitze haben ein natürliches Gespür für die Stimmungen ihrer Menschen. Ist schlechte Stimmung in der Familie, wartet der Spitz ab, bis alles wieder in Ordnung ist. Spitze sind gute Tröster bei Stimmungsschwankungen, und ihre Anwesenheit wirkt beruhigend. Sie heitern ihre Menschen auf und bringen sie manches Mal zum Lachen. Spitze lieben „ihre“ Menschen über alles. Fremde Menschen dagegen haben es schwer, das Herz des Spitzes zu erobern. Aber wer sich einmal mit einem Spitz angefreundet hat, kann kaum einen treueren und liebevolleren Kameraden finden. Und auch wenn der Spitz keinen Jagdtrieb hat, sollten sich Ratten und Mäuse in Acht nehmen! Spitze sind schlaue Hunde. Den ganzen Tag beobachten sie ihre Menschen, auch wenn sie scheinbar dösend auf ihrem Platz liegen. Spitze wollen ihren Menschen gefallen, und sie lernen durch Beobachten. Sie sind dadurch leicht erziehbar, aber sie müssen dennoch mit Geduld und Konsequenz erzogen werden wie andere Hunde auch. Spitze lieben Kopfarbeit. Nasenarbeit machen nahezu alle Spitze begeistert mit, aber auch Trickdogging, Agility und viele andere Sachen können für den Spitz geeignet sein. Ist der Spitz gut erzogen und ausgelastet, neigt er auch nicht allzu sehr zum Kläffen. Er hat etwas besseres zu tun! Die dichte Unterwolle schützt vor dem Wetter. Spitze sind widerstandsfähig und pflegeleicht, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht so pflegeleicht aussehen. Einmal wöchentlich gründlich bürsten reicht aus, im Fellwechsel ggfs öfter. Nicht kastrierte Hündinnen haaren vor und nach der Läufigkeit ab, Rüden das erste Mal nach 1 ½ bis 2 Jahren. Eine Kastration hat viele Vorteile vor allem gesundheitlicher Natur, allerdings wird das Fell danach meist auch weicher und dichter, was bei der Pflege eine Herausforderung darstellen kann. Der Spitz ist anhänglich, liebevoll und intelligent. Aber auch wachsam und robust, dazu pflegeleicht. Für viele Menschen ist der Spitz der ideale Hund! Unter diesen Aspekten ist es noch schwerer nachzuvollziehen, warum die Rasse immer seltener wird und der Mittel- und Großspitz vom Aussterben bedroht sind. Spitze sind ideale Wachhunde. Sie sind liebevoll und loyal zu ihrer Familie und zu vertrauten Personen. Fremden Menschen wird wie schon beschrieben misstrauisch begegnet. Keinesfalls sind Spitze aggressiv und angriffslustig ohne Grund. Im Ernstfall ist mit ihnen trotzdem „nicht gut Kirschen essen“. Wer das Heim eines Spitzes oder „seine“ Menschen bedroht, wird sein blaues Wunder erleben.

Wolfsspitz/ Keeshond

Der Wolfsspitz, oder nach dem niederländischen Patrioten Kees oder Cornelis de Gyzelar, der ständig von seinem großen, wolfsgrauen Spitz begleitet wurde, auch Keeshond genannt, ist die größte Varietät des Deutschen Spitzes. Aufgrund seiner wolfs- bis silbergrauen Farben erhielt er die Bezeichnung Wolfsspitz.

Das Fell ist graugewolkt,

Wolfsspitz/ Keeshond

Fang und Ohren sind dunkler bis schwarz gefärbt und bilden eine dunkle Gesichtsmaske. Auch die Augen sind dunkel umrandet. In Deutschland nennt man diese Varietät eher Wolfsspitz, in den Niederlanden und Belgien, aber auch in anderen nicht-deutschsprachigen Ländern ist sie unter dem Namen Keeshond bekannt. Der Hund von Cornelis „Kees“ de Gyzelar wurde das Maskottchen der Patriotenpartei. Auf einer Berliner Hundeausstellung wurde 1880 ein erster Standard für Wolfsspitze aufgestellt, die Farbe 1901 festgelegt. 1933 wurde in den Niederlanden ein Standard für den Keeshond ausgearbeitet, der einen etwas kleineren und zierlicheren Hund beschreibt. Die FCI hat diesen Standard jedoch nicht anerkannt. In der FCI sind der Keeshond und der Wolfsspitz EINE Varietät innerhalb EINER Rasse, da der Wolfsspitz und der Keeshond nach Ansicht der FCI nahezu identisch sind. 1997 wurden Keeshond und Wolfsspitz unter einem Standard zusammengefasst. Wolfsspitze werden weltweit gezüchtet. Zuchtmaterial wird länderübergreifend ausgetauscht. Wolfsspitze sind mit ihrem quadratischen Körperbau und ihrem dichten, silber- bis wolfsgrauen Pelz wahre Schönheiten. Wolfsspitze sind im Ernstfall äußerst wehrhaft, aber niemals angriffslustig ohne Grund. Der Wolfsspitz war früher auf Bauernhöfen der Wachhund schlechthin. Bei artgerechter Erziehung und Auslastung ist der Wolfsspitz ein sehr guter Familien- und Begleithund. Der Wolfsspitz ist nervenstark und lieb zu Kindern. Er ist nicht nur als Wach-, Familien- und Sporthund beliebt, sondern findet zunehmend auch Einsatz im sozialen Bereich, sei es als Therapiebegleitoder Besuchshund, oder auch als Rettungs- oder Behindertenbegleithund. Spaziergänge – auch unangeleint - mit dem Spitz sind angenehm, da er aufgrund seiner Anhänglichkeit in der Nähe seiner Menschen bleibt und obendrein keinen Jagdtrieb besitzt. Vorbeihuschende Ratten und Mäuse interessieren ihn mitunter, aber größeres Wild lässt ihn kalt. Wolfsspitze machen viele sportliche Aktivitäten begeistert mit: Radfahren, Joggen, Reitbegleitung, Nasenarbeit… Unter den Deutschen Spitzen rangieren Klein- und Wolfsspitz auf den vorderen Plätzen in der Welpenstatistik, gefolgt vom Zwergspitz. Groß- und Mittelspitze gelten heute als vom Aussterben bedroht. Der Wolfsspitz misst an der Schulter 43-55 cm, bei typvoller Erscheinung darf er 60 cm groß sein.

Großspitz

Der Großspitz ist mit 40-50 cm Widerristhöhe nur wenig kleiner als der Wolfspitz. Der Großspitz ist selten geworden. Die meisten Großspitze sind weiß, braune und schwarze gibt es kaum noch. Der braune Großspitz galt vor ein paar Jahren als ausgestorben. Aus der Paarung eines schwarzen Großspitzrüden und einer braunen Mittelspitzhündin fielen neue braune Großspitzwelpen. Aber das ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Hier sind auch die Vereine und Züchter gefragt, Hundefreunde wieder auf die Spitze aufmerksam zu machen. Bemühungen seitens der Vereine und Züchter laufen natürlich schon lange. Die Lage ist immer noch kritisch für den braunen Großspitz. Auch die weißen und schwarzen Großspitze gelten als extrem gefährdet. Bereits seit 2003 wird der Deutsche Großspitz bei der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH) auf der Roten Liste als extrem gefährdet geführt – dasselbe gilt für den Mittelspitz. Engagierte Züchter versuchen derzeit, die Mittel- und Großspitze zu retten. Die Zuchtauflagen sind sehr streng, und ob die Züchter diese Auflagen erfüllen können, ist ungewiss. Der Großspitz war Jahrhundertelang Begleiter des Menschen. Bereits im Mittelalter gab es dunkle große Spitze auf nahezu jedem Bauernhof. Da sie leicht zufrieden zu stellen waren und nicht übermäßig viel Futter brauchten und zudem vielseitig einsetzbar waren, waren sie beliebt. Sie bewachten Hab und Gut ihrer Menschen, waren ihren Menschen stets zugetan und verscheuchten Ratten und Mäuse bzw erlegten sie. Großspitze sind unbestechliche Wächter. Sie melden zuverlässig jeden Fremden, aber auch bekannte Besucher. Dabei sind sie jedoch niemals bissig oder angriffslustig ohne Grund. Der Spitz ist wachsam und verteidigungsbereit, ohne dabei unbeherrscht aggressiv zu sein. Kein seriöser Züchter würden seinen Welpen in eine Außen- bzw Zwinger- oder Kettenhaltung abgeben. Was nicht heißt, dass es einem Spitz nicht gefällt, sich täglich einige Stunden im Freien aufzuhalten. Aber das darf kein dauerhafter Zustand sein. Der Großspitz liebt seine Menschen und will bei ihnen sein – dann ist er glücklich.

Großspitz

Mittelspitz

Mittelspitz