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Die Kölner Firma Deutz hatte sich ursprünglich als Motorenbauer hervorgetan. Später stieg sie zusätzlich ins Traktorengeschäft ein, leistete hier mit ihrem bezahlbaren Elfer-Deutz-Bauernschlepper einen großen Beitrag zur Motorisierung der deutschen Landwirte und errang in den 50er Jahren sogar die deutsche Marktführerschaft auf dem Gebiet der Traktoren.
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2014
Jürgen Hummel | Alexander Oertle
Traktoren 1927–1981
Typenkompass DeutzTraktoren 1927–1981
Paul Pietsch Verlage
Diese Abhandlung beschreibt die Deutz-Traktoren, die von 1927 bis Anfang der 80er Jahre gebaut wurden, einschließlich der INtrac-Typen 2002, 2003 und 2005 bis hin zum INtrac 2004.
Zu den Tabellen mit den technischen Daten:
Bedingt durch die auf Wunsch erhältlichen unterschiedlichen Reifengrößen kann die Endgeschwindigkeit bei den Traktoren durchaus variieren. Hinzu kommt noch, dass manche Fahrzeuge aus versicherungs- und steuerrechtlichen Gründen z. B. um 200 U/min gedrosselt wurden, was sich natürlich auch auf die Geschwindigkeit auswirkte. Aus diesem Grund sind die Angaben teilweise nur als Richtwerte zu sehen.
Einen wesentlichen Beitrag zur Motorisierung der kleinen und mittleren Betriebe leistete der ab 1936 gefertigte Deutz F1M414, der schlicht »Elfer-Deutz« oder »Bauern-Deutz« genannt wurde.
Im Laufe der Mechanisierung der Landwirtschaft zur Versorgung einer immer größer werdenden Zahl an Industriearbeitern waren selbstverständlich auch andere Antriebsquellen als Menschen oder Tiere notwendig geworden. Zugtiere oder einfache Übertragungsmechanismen wie Göpel reichten als Antrieb für Maschinen nicht mehr aus. Die Dampfkraft schob sich in den Vordergrund. Da es noch keine flächendeckende Elektrizitätsversorgung gab, schied auch der Elektromotor als Antriebsquelle zunächst noch aus. Die ab zirka 1890 vorgestellten Verbrennungsmotoren schienen das Patentrezept zu sein: Relativ kleine, kompakte Antriebe für Aufgaben aller Art.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich Ende des 19. Jahrhunderts die Deutzer Gasmotorenfabrik schon einen Namen machen konnte und sich zu einem großen Unternehmen entwickelte, das auch in den Vereinigten Staaten Niederlassungen unterhielt. Deutz-Gasmotoren wurden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in beträchtlichen Stückzahlen vor allem an die Industrie geliefert. Viertakt-Verbrennungsmotoren folgten ihnen sehr schnell nach und eroberten nicht nur den Markt, sondern verdrängten auch bald die Gasmotoren. Und eben diese amerikanische Tochtergesellschaft der Gasmotorenfabrik Deutz, die Otto Gas Engine Works in Philadelphia, stellte 1894 erstmals einen Traktor vor. Es war ein 15 PS starker Ackerschlepper, der 5,4 Tonnen wog und das äußere Erscheinungsbild eines Lokomobils hatte, dessen Dampfkessel durch einen Otto-Motor ersetzt worden war. Auch die Antriebs- und Lenkungstechnik war von Dampftraktoren übernommen worden, die in der amerikanischen Landwirtschaft früher als in Europa Einzug gehalten hatten.
Anfang des 20. Jahrhunderts, genauer im Jahr 1907, experimentierte man auch im Stammhaus in Köln mit Traktoren und baute zunächst auf zwei unterschiedliche Konzepte: Das eine mündete in der Deutzer Pfluglokomotive mit einem 40 PS starken Otto-Motor, Allradantrieb der vier gleich großen eisenbereiften Räder mit relativ kleinem Umfang, sowie Vorder- und Hinterachslenkung. An die Vorder- und Hinterachse der Pfluglogomotive war jeweils ein Beetpflug angebaut. Damit sollte sie wie beim Dampfpflügen auf dem Feld hin- und herfahren. Das zweite Konzept führte zum Deutzer Motorpflug. Er hatte einen 25 PS starken Otto-Motor und wog zirka 3 Tonnen. Hier waren erstmals größere Antriebsräder hinten und kleinere Lenkräder vorn verwirklicht. In diesen Traktor hatte Deutz bemerkenswert moderne technische Details eingebaut. Letztlich waren aber die Ergebnisse von Tests bei beiden Fahrzeugen nicht ermutigend, die Kraftübertragung auf den Ackerboden erwies sich als ungenügend (obwohl die Pfluglokomotive sich an einem fest verankerten Seil weiterziehen konnte), sodass beide Entwürfe nicht weiterverfolgt wurden. Auch standen ein hoher Anschaffungspreis und eine fehlende Infrastruktur einer Verbreitung dieser Maschinen im Wege: Schon das Heranschaffen des Treibstoffs in den großen erforderlichen Mengen von mehreren hundert Litern pro Arbeitswoche war ein Problem.
Erst einige Jahre später (1919) versuchte Deutz, wieder in der Landwirtschaft Fuß zu fassen. Diesmal war es die im Ersten Weltkrieg entwickelte schwere Artillerie-Zugmaschine, welche die Basis für den »Deutzer Trekker« darstellte. Er hatte einen 40-PS-Benzolmotor, eine gefederte Vorder- und Hinterachse, ein Getriebe mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang für bis zu 6 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie eine Riemenscheibe, eine Ladepritsche und ein geschlossenes Fahrerhaus. Das Gewicht lag bei 3,6 Tonnen. Der »Trekker« eignete sich allerdings eher als reine Straßenzugmaschine denn als landwirtschaftliches Zugfahrzeug.
Nachdem auch viele andere Unternehmen den Traktorenbau aufgenommen hatten, konnte Deutz nicht untätig bleiben: 1926 lief bei Deutz in Köln (im gleichnamigen Stadtteil) die serienmäßige Herstellung von Traktoren an. Der Typ MTH 222 war das erste Produkt. Als Antrieb diente ein liegender Einzylinder-Viertakt-Dieselmotor mit Verdampfungskühlung. In seiner Bauart entsprach der MTH 222 dem bereits 1921 vorgestellten 12-PS-Lanz-Bulldog HL, der als erster Rohölschlepper der Welt bezeichnet wird. Wie beim Lanz handelte es sich beim Deutz um eine selbstfahrende Antriebsmaschine (zeitgenössische Fotos zeigen ihn meist mit einer Dreschgarnitur) und weniger um eine Zugmaschine für den Ackerbau. Deutz baute bis 1930 immerhin 540 Stück davon.
Bei der »Deutzer Pfluglokomotive« konnte dank doppeltem Führerstand und beidseitig angebautem Pflug auf das Wenden am Ackerende verzichtet werden. Allradantrieb und Allradlenkung vereinfachten das Fahren.
Die Mechanisierung schritt weiter fort: Immer mehr Betriebe setzten jetzt Traktoren ein, für die es auch immer mehr angepasste Arbeitsgeräte gab, wodurch sie noch universeller einsetzbar wurden. Also ging auch die Entwicklung der Traktoren weiter: 1929 kam der MTZ 120 auf den Markt. 1932 folgten wegen der Nachfrage nach stärkeren Zugmaschinen die MTZ-Typen 220 und später 320 mit 30 und 36 PS. Bis 1936 wurden 2650 Traktoren gebaut, davon 1427 MTZ 320. Ihr Aufbau war völlig anders als der des MTH: Ein liegender Zweizylinder-Dieselmotor trieb sie an, griffige Eisenräder oder Vollgummibereifung und weiteres Zubehör standen zur Auswahl und die Riemenscheibe zum Antrieb von Dreschmaschinen war weiterhin ein wichtiges Ausstattungsmerkmal.
1934 machten die Deutzer Ingenieure wieder einen großen Schritt nach vorne: Der erste Stahlschlepper verließ die Fertigungshallen. Erstmals ging Deutz damit von der bewährten und technisch einfachen Rahmenbauweise ab. Die Motoren der neuen Stahlschlepper waren mit einer Gussölwanne als tragendes Bauteil mit dem Getriebe verbunden, dessen Gehäuse jetzt aus Stahl war. Damit war ein stabiles, selbsttragendes Motor-/Getriebegehäuse entstanden und auf den Rahmen konnte verzichtet werden. Angetrieben wurden diese Traktoren mit der Typenbezeichnung F2M bzw. F3M von Zweizylindermotoren mit 28/35 PS und Dreizylindermotoren mit 50 PS. Etwa 12 000 Stück wurden im Laufe der Produktionszeit gebaut, sodass Deutz in den ersten zehn Jahren des Traktorbaus (bis 1936) insgesamt fast 19 000 Maschinen herstellen konnte.
Die ersten MTZ-Traktoren leisteten 27 PS bei nur 600 Umdrehungen pro Minute, hatten aber einen Hubraum von mehr als 5,7 Litern.
Bis in diese Zeit waren Traktoren nur großen landwirtschaftlichen Betrieben und Gütern vorbehalten. Auch das begann sich zu ändern: Unter dem Einfluss der Politik sollte die Landwirtschaft einen Aufschwung erleben, mehr produzieren und weiter mechanisiert werden, auch die kleinen Familienbetriebe. 1936 konnte dieses Vorhaben mit dem legendären 11-PS-Bauernschlepper realisiert werden. Dieser Traktor hatte ein in der Mitte geteiltes Getriebegehäuse mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang, integriertem Mähantrieb, Riemenscheibe oder Zapfwelle. Außerdem war er mit Luftbereifung und Anlenkpunkten für Anbaugeräte ausgestattet. Ein Aufsattelbolzen zum Ziehen von Einachsanhängern vervollständigte die Ausrüstung. Dieser vielseitig einsetzbare Traktor war so erfolgreich, dass bis 1942 10 000 Stück hergestellt werden konnten. Nach dem Krieg konnten vom selben Typ fast unverändert, jedoch mit einem Vierganggetriebe ausgestattet, noch einmal 9000 Einheiten gefertigt werden. Damit ist der 11er-Deutz unbestritten das erfolgreichste Traktorenmodell der Vor- und ersten Nachkriegsjahre. Der Motor war selbstverständlich ähnlich aufgebaut wie die großen Mehrzylindertypen: Stehend eingebaut und wassergekühlt.
Mit mehr als 19 000 produzierten Einheiten ließ der »Elfer-Deutz« Konkurrenten wie Hanomag oder Lanz weit hinter sich.
Der nächste große Entwicklungsschritt war die Luftkühlung. Hier muss der Deutz-Konstrukteur Flatz erwähnt werden. Wie so oft waren militärische Gründe der Anstoß für die Konstruktion. In großem Maßstab verwirklicht wurde sie in einem luftgekühlten Vierzylinder-Motor für den Raupenschlepper »Ost«. Die Vorteile lagen auf der Hand: weniger große Empfindlichkeit gegenüber hohen und tiefen Temperaturen, kein Kühlmittel, kein Frostschutz notwendig. Über die Nachteile sah man hinweg. Die Grundidee wurde weiterverfolgt und 1950 dann führte Deutz mit dem 15 PS starken F1L514/50 die Luftkühlung im Traktorenbau ein. Dieses luftgekühlte Modell war auf der Basis des 11-PS-Bauernschleppers entwickelt worden und ebenfalls mit dem 4/1-Gang-Getriebe ausgestattet. Insgesamt wurden bis 1957 37 000 dieser Einzylinder-Traktoren F1L514 produziert. Auch diese Motoren wurden als Baukastentypen zu einer ganzen Familie erweitert. Die letzten wassergekühlten Deutz-Traktoren wurden übrigens 1954 bei Magirus in Ulm gefertigt. 1951 wurde der Einzylinder-Schlepper überarbeitet. Er erhielt ein Getriebe mit fünf Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang und eine größere Bereifung, was eine Geschwindigkeit von zirka 24 km/h ermöglichte. Nun standen auch die größeren Modelle zur Verfügung: Der F2L514/50 mit 28 PS (ab Mitte 1950) und der 45 PS starke Dreizylinder F3L514/51. Ab 1952 gehörte bei Deutz die komplette Baureihe mit Motoren mit einem, zwei, drei oder vier Zylindern und Leistungen von 15, 30, 45 und 60 PS zum Lieferprogramm.
Mit nur rund einem Meter Breite war der Deutz F1L514/51-Plantage für Sonderkulturen wie Wein-, Hopfen- und Obstbau bestens geeignet.
Auch die Modelle mit den FL612-Motoren konnten, wie der hier abgebildete F1L612P oder das Zweizylindermodell F2L612P, in schmaler Bauweise geliefert werden.
Der F2L514/53 bzw. F2L514/54 mit 30 PS war der erste Traktor mit einer unabhängigen Zapfwelle, die über eine Fuß-Doppelkupplung betätigt wurde. Diese Erfindung Deutzer Ingenieure war eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb der immer stärker zum Einsatz kommenden gezogenen Mähdrescher.
Bis zur Produktionseinstellung 1962 wurden 21 500 Stück der verschiedenen Zweizylinder-Modelle gefertigt, von den Dreizylinder-Schleppern bis 1964 15 800 Stück und von den Vierzylinder-Modellen bis 1965 immerhin 7800 Einheiten. Von der 514er-Baureihe sind somit in knapp zehn Jahren insgesamt über 82 000 Traktoren gebaut worden.
1953 kamen die 612er-Motoren mit zunächst einem und zwei Zylindern auf den Markt. Mit 11 PS Zylinderleistung konnten zwei neue Traktortypen vorgestellt werden: Der F1L612/53 und der F2L612/4. Sie schlossen die Lücken in den großen Leistungssprüngen der 514er-Reihe im unteren Bereich. Der 22-PS-Traktor erhielt das Getriebe des F1L514, welches um ein Vorschaltgetriebe ergänzt wurde, sodass 9/2 Gänge zur Verfügung standen.
Der Einzylinder mit 11 PS trug ein außergewöhnliches Äußeres zur Schau: Er war serienmäßig für den Zweirichtungseinsatz vorgesehen. Das Getriebe mit Gruppenschaltung lag hinter der Hinterachse. Der Sitz konnte in die gewünschte Arbeitsrichtung einfach umgesteckt werden und die Pedalerie war so angebracht, dass sie in beiden Richtungen betätigt werden konnte.
