9,99 €
In diesem Typenkompass-Band werden sämtliche Modelle des Kölner Traktorenherstellers in Wort und Bild porträtiert. Angefangen vom Deutz-Trekker von 1919 über den Elfer-Bauernschlepper und die Nachkriegsmodelle bis hin zu den aktuellen Traktoren der Gruppe SAME Deutz-Fahr erfährt der Leser alles Wissenswerte über diesen wichtigen deutschen Landmaschinenhersteller. Alexander Oertle restaurierte bereits mehrere Traktoren und ist wie Jürgen Hummel absoluter Fachmann auf dem Gebiet der Traktorengeschichte. Als Autorenduo traten die beiden bereits mehrfach in Erscheinung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 98
Veröffentlichungsjahr: 2014
Jürgen Hummel | Alexander Oertle
Deutz
Typenkompass DeutzTraktoren seit 1978
Paul Pietsch Verlage
Diese Abhandlung ist die Fortsetzung des Typenkompasses Deutz Traktoren 1927-1981 und beschreibt die Deutz-Traktoren, die von 1978 bis 1993 gebaut wurden. Es werden Traktoren der 07er-Reihe, die DX-Typen 85 bis 230 sowie die Modelle vom DX 80 bis zum DX 250 und die Schmalspurtraktoren DX 36, DX 50 und DX 55 vorgestellt. Des Weiteren werden die DX-3-, DX-4- und DX-6-Typen abgehandelt. Im letzten Abschnitt gelangen die AgroPrima-, AgroStar- und AgroXtra-Traktoren zur Vorstellung. Diese werden ergänzt durch die Freisicht-Ausführungen der AgroStar-Modelle sowie die INtrac-Typen 6.05, 6.30 und 6.60.
Vorab noch einige allgemeine Bemerkungen zur Traktorenindustrie dieser Zeit:
Die Hochkonjunkturphase der Traktorenfertigung in Deutschland in den fünfziger und sechziger Jahren hatte eine Unzahl an Firmen hervorgebracht, die Traktoren produzierten. Das waren unterschiedlichste Anbieter, kleine und große Unternehmen mit unterschiedlich breitem Angebotsspektrum. Sie waren teilweise schon vor dem Kriege entstanden, teilweise erst in den Jahren des Neuaufbaus der Bundesrepublik. Bedingt durch die Teilung Deutschlands waren große Gebiete mit einem hohen Anteil an landwirtschaftlicher Fläche weggefallen, andererseits aber stieg die Bevölkerungszahl wieder an. Diese Menschen wollten alle ernährt werden, also musste die Landwirtschaft intensiver betrieben werden. Dafür war es notwendig, die Technisierung voranzutreiben. Allein die Tatsache, dass Zugtiere einen nicht unerheblichen Anteil der Ernte selbst verzehren, führte rasch dazu, dass sie durch Traktoren ersetzt wurden, die ein mehrfaches leisten konnten und nur dann Treibstoff und Schmierstoff benötigten, wenn sie auch Arbeit leisteten. Sie wurden auch nicht krank, sondern gingen höchstens mal kaputt.
Gab es 1937 insgesamt einen Bestand von knapp 40 000 Traktoren in Deutschland und 1938 schon rund 54 000, so wurden allein im Jahr 1948 immerhin wieder 8000 Stück neu hergestellt und im Jahr 1955 sogar 150 000! Der Bestand stieg von knapp einer Million 1960 auf knapp 1,5 Millionen 1970. In den achtziger Jahren lag der Höhepunkt bei über 1,6 Millionen, danach kam wieder die Phase der Konzentration, in der landwirtschaftliche Betriebe aufgaben, die einzelnen Höfe größer wurden, und folglich insgesamt weniger Traktoren benötigt wurden.
Dieser steigende Bedarf an Traktoren in der Boomphase der fünziger und sechziger Jahre wurde von einer Vielzahl von Firmen befriedigt, von denen Anfang der achtziger Jahre nur eine Handvoll übrig geblieben ist:
Allgaier, Agria, Bautz, Deutz, Dexheimer, Eicher, Fahr, Fendt, Hanomag, HELA (Lanz Aulendorf), Holder, IHC, Lanz, MAN, Normag, Nordtrak, Orenstein und Koppel, Porsche, Ritscher, Röhr, Schlüter, Stihl, Stock, Wahl, Wesseler, Zanker, Zettelmeyer. Wohlgemerkt, dies ist nur eine Auswahl der bedeutenderen beziehungsweise der bekannteren Hersteller. Nach den Boomjahren des Wirtschaftsaufschwungs war der Markt gesättigt, es kam zu einer Konzentration und Bereinigung. Auch einstmals große Hersteller stellten die Produktion wieder ein oder mussten sie drastisch zurückfahren, so beispielsweise MAN, Hanomag, Lanz, Porsche, Eicher oder Schlüter. In den achtziger Jahren waren als bedeutende Hersteller noch Fendt, John Deere (als Nachfolger von Lanz), Deutz, Eicher und als Nischenhersteller beispielsweise Schlüter, Holder und Daimler-Benz (Unimogs) übrig geblieben.
Heute werden in Deutschland in Großserie nur noch Traktoren bei Fendt, John Deere und Deutz hergestellt, wobei Deutz die Traktorenfertigung in der Same-Deutz-Fahr-Gruppe organisiert hat.
Der Übergang der siebziger in die achtziger Jahre war auch für Deutz eine turbulente Phase in der Firmengeschichte: In den siebziger Jahren zeitweise und letztmalig auch 1982 noch einmal hatte Deutz den ersten Platz in der Zulassungsstatistik innegehabt. Mitte der achtziger Jahre musste man sich hinter dem Markenführer Fendt einreihen. Auch im Exportanteil fiel Deutz auf den zweiten Platz hinter John Deere zurück.
Das Engagement im Ausland war über die Jahre kräftig gewachsen: Montagewerke in Algerien, Argentinien, Brasilien, Pakistan, Tunesien, zeitweise in Indien, Japan, Griechenland, Jugoslawien und im Kongo stellten Deutz-Traktoren her.
1985 übernahm KHD (die Klöckner-Humboldt-Deutz AG) die Mehrheit am Motorenhersteller MWM (Motorenwerke Mannheim), der auch Fendt und Renault mit Traktorenmotoren belieferte. In den USA verstärkte die Klöckner-Humboldt-Deutz AG ihr Engagement durch den Erwerb von Allis-Chalmers, einem bedeutenden Traktoren- und Landmaschinenhersteller aus Milwaukee.
Anfang der neunziger Jahre ging der Traktorenabsatz bei Deutz von 17 700 Einheiten (1990) auf 14 500 Einheiten (1991) zurück. 1992 waren es noch 12 900 Deutz-Schlepper, die die Kölner Werkshallen verließen.
Da lag es auf der Hand, sich starke Partner zu suchen. Zunächst wurden Same-Getriebe zugekauft, dann stieg Same-Lamborghini-Hürlimann bei der KHD Agrartechnik GmbH ein, bis schließlich 1995 die italienische SHL Groupe SpA die vollständige Mehrheit an der KHD Agrartechnik übernahm und seitdem unter Same-Deutz-Fahr agiert. Lauingen (Donau), das ehemalige Ködel & Böhm-Werk, wurde Montagewerk für Deutz-Traktoren und Mähdrescher.
Dieser Typenkompass stellt Deutz-Traktoren vor, die in Köln entwickelt und gebaut wurden. Er umfasst die DX-Baureihe, die DX-3-, DX-4- und DX-6-Baureihe, die AgroPrima-, AgroStar- sowie die AgroXtra-Typen und die Schmalspur-DX-Traktoren.
Der Typenkompass Deutz Traktoren seit 1978 endet bewusst an dieser Stelle. Wir Autoren wollten die in Köln entwickelten und luftgekühlten Traktoren (bis auf die Ausnahme des Typs AgroStar 6.81 A mit wassergekühltem MWM-Motor) darstellen.
Die 1995 vorgestellten Baureihen Agrotron, Agrotron MK1 bis MK3 und deren Nachfolger sind bzw. wurden nach ganz anderen Prinzipien aufgebaut und besitzen wassergekühlte Deutz-Motoren. Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen sind nur geringfügig wahrnehmbar, Leistungssteigerungen werden über das Motormanagement und Einspritzmengen am Laptop eingestellt.
Insofern ist die Aufarbeitung dieser Modellreihen zurzeit nicht reizvoll, zudem sind die Traktoren auch noch zu »jung«, um auf breiteres Interesse zu stoßen.
Die in Lauingen hergestellten Agrotron-Schlepper sowie die Agroplus, Agrolux, Agrosun und Agrokid-Typen werden nicht mehr behandelt. Letztere sind teils Same- oder Lamborghini-Typen oder werden in Polen für Deutz hergestellt.
1978 war die Zeit endlich reif für den ganz großen Wurf. Nach über zehn Jahren kam eine ganz neue Modellfamilie heraus: Die DX-Traktoren. Die Kölner Ingenieure hatten sich weit vorgewagt und eine totale Neukonstruktion zur Serienreife entwickelt: Neue Getriebe der Reihe TW 90 und TW 900, Vollsynchronisation mit teilsynchronisierten Gruppenschaltungen. Auch zugekaufte Komponenten wie Steyr-Getriebe erhielten ihre Chance bei den Großtraktoren. Die Typenpalette bestand zunächst aus Fünf- und Sechszylindertraktoren mit bis zu 150 PS, wahlweise mit Hinter- oder Allradantrieb.
Anfangs wurden noch die bewährten Motoren der Baureihe FL912 eingebaut, wobei hier erstmalig auch Fünfzylinderaggregate zum Einsatz kamen. Später kamen FL913-Motoren in Saug- oder Turboausführung hinzu, beziehungsweise ersetzten die F5L912-Motoren. Auch die Kabinen wurden völlig neu konstruiert, sie hießen jetzt MasterCab und boten dem Fahrer einen weitaus besseren Komfort als die »Spezial«-Kabinen der 06er-Serie.
Die bewährten Traktoren der Baureihe »-07« wurden ab 1980 gebaut. Technisch und optisch gingen sie auf die Vorgänger-Baureihe »-06« zurück, die sich gut verkauft hatte und als sehr robust von den Bauern geschätzt wurde. Augenfällig war die Lackierung in Hellgrün mit silbernen Felgen in Angleichung an die DX-Modelle, die wie erwähnt ab 1978 angeboten wurden. Der Kabinenkomfort rückte immer weiter in den Vordergrund, immer mehr Modelle erhielten die Seitenschaltung, die einen freien Durchstieg beziehungsweise einen ebenen Kabinenboden ermöglichte, was schließlich zu den als sehr komfortabel eingeschätzten »-07 C«-Modellen führte.
Die seit 1978 im Programm befindlichen DX-Traktoren erfuhren natürlich auch laufend Weiterentwicklungen und Leistungssteigerungen. Ganz neu war der Großtraktor DX 230 mit 9,5 l Hubraum und 9,2 t Eigengewicht.
Die Schmalspurmodelle der neuen DX-Traktoren.
Der Ausflug in die Motorenausstattung mit Fünfzylinderaggregaten der FL912-Reihe endete 1982, als diese durch die neuen Vierzylindermotoren F4L913 (Saugmotor) und B4FL913 (Turbomotor) ersetzt wurden.
1983/84 war es an der Zeit, wieder einen größeren Schritt in die Zukunft zu machen. Die DX-3- und DX-4-Typen lösten die 07er-Baureihe über 45 PS endgültig ab. Die Modelle D 2807 und D 3607 blieben allerdings noch bis 1988 im Programm. Als letzter 07er konnte noch bis 1990 der D 4507 (nur in Standardausführung) geordert werden, wobei Lizenzfertigungen in anderen Ländern aber weiterhin das Überleben dieser robusten Maschinen sicherten (Torpedo in Jugoslawien oder der Complexe Moteur Tracteur in Algerien).
Die Namensgebung wurde natürlich im Laufe der Modellentwicklung auch geändert. So wurde aus dem DX 120 der DX 6.30, aus dem DX 92 der 4.70. Außerdem kamen einige neue Modelle hinzu.
Der DX 85.
In die »neuen« Traktoren der DX-4- und DX-6-Modelle flossen auch einige gründliche Überarbeitungen und Neuerungen ein. Vor allem wurde bei den Kabinen auf noch mehr Komfort und noch mehr Ergonomie Wert gelegt. Nicht zuletzt fanden auch Klimaanlagen und luftgefederte Sitze immer mehr Verbreitung.
Um die neuen Traktoren nicht nur an der Optik erkennen zu können, wurden wiederum neue Bezeichnungen eingeführt: So wurde aus dem DX 4.30 der DX 4.31.
Die Zyklen der Modellwechsel wurden immer kürzer. Im Zeitraum zwischen 1989 und 1990 präsentierte Deutz den nächsten Schritt seiner Entwicklungs- und Marketingabteilung im Kölner Werk: Die AgroPrima- und die AgroStar-Baureihe.
AgroPrima-Modelle sollten als preisgünstige, weniger komfortable Traktoren ohne Komfortkabinen finanziell weniger starke Landwirte ansprechen. Die Produktpalette bot anfänglich Maschinen zwischen 75 und 110 PS an.
Die besser ausgestattete AgroStar-Reihe bot wesentlich mehr, zu höheren Preisen allerdings. Vor allem die komfortablere, weil bedeutend leisere Kabine und die zweistufige Lastschaltung des selbst gebauten Getriebes Deutz TW 902.2 beziehungsweise 904.2 markierten hier deutlich die Unterschiede.
Der Trend zu immer kürzer aufeinander folgenden Modellwechseln festigte sich auch in der Traktorenindustrie, und so war es nicht verwunderlich, dass Deutz schon 1990/91 wieder mit einer großen Innovation aufwarten konnte: Mit den AgroXtra-Schleppern. Bei diesen Traktoren wurde die Motorhaube weit nach unten gezogen, was eine enorme Vergrößerung des Sichtfelds auf angebaute Frontgeräte zu Folge hatte. Natürlich war so auch das Arbeiten mit dem Frontlader entscheidend vereinfacht worden.
Angeführt wurde die technisch auf dem AgroPrima basierende AgroXtra-Reihe von dem Dreizylinder-Schlepper AgroXtra 3.57 mit 60 PS, und sie reichte bis zum Sechszylinder-Modell AgroXtra 6.17 mit 113 PS. Damit war eine eigene Schlepperreihe entstanden, die nicht nur das Aus für den INtrac 2004 bedeutete, sondern auch eine gewisse Konkurrenz für die anderen Modelle im eigenen Hause darstellte.
