Verlag: Gräfe u. Unzer Kategorie: Ratgeber Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Diabetes - Doris Fritzsche

Zurzeit leben ca. 6,5 Mio. Menschen in Deutschland mit der Diagnose Diabetes und es werden jährlich mehr. Dieser Kompass informiert umfangreich über Stoffwechselfunktionen, Behandlungsmöglichkeiten und Ernährung bei Diabetes. Außerdem werden Ernährungstipps für eine gesunde und fettarme Ernährung speziell für Diabetiker gegeben. Der Kern des Kompasses ist die große Kohlenhydrat-Austauschtabelle. Neu: Tabellen mit kohlenhydratarmen Lebensmitteln.

Meinungen über das E-Book Diabetes - Doris Fritzsche

E-Book-Leseprobe Diabetes - Doris Fritzsche

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Ein Wort zuvor

SIE ALS MENSCH MIT DIABETES möchten genauso wie Menschen ohne Diabetes ein Familienleben führen, einen Beruf ausüben, sich abwechslungsreich ernähren, Sport treiben und Ihre Freizeit gestalten.

DIES ERMÖGLICHT IHNENeine umfassende Diabetesbehandlung, mit Selbstkontrolle, individuell auf Sie abgestimmter Medikamentenbehandlung und Bewegungs- sowie Ernährungstherapie, die durch Ihre Mitarbeit erfolgreich verlaufen kann.

JE MEHR SIE DARÜBER WISSEN,wie der Stoffwechsel funktioniert, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie Ihre Ernährung zusammengestellt sein soll, desto aktiver können Sie mitwirken. So werden Sie zum gleichberechtigten Partner von Diabetesfachärzten, Diabetesberatern und Ernährungsfachleuten.

DIE ERNÄHRUNG BEI DIABETES habe ich zum Schwerpunktthema im GU Kompass Diabetes gemacht, da gerade dieser Teil der Behandlung ganz wesentlich in Ihren Händen liegt.

SIE FINDEN IN DIESEM HANDLICHEN RATGEBER Beispiele, wie Sie die Ernährungsempfehlungen in die Praxis umsetzen können. Übersichtliche Austauschtabellen für kohlenhydrathaltige und kohlenhydratarme Lebensmittel helfen Ihnen, sich mit Diabetes im Alltag abwechslungsreich zu ernähren und dabei den Spaß am Essen nicht zu verlieren.

Doris Fritzsche

Diabetes verstehen

Diabetes mellitus – was ist das eigentlich?

Durch die Zuckerausscheidung mit dem Urin wird dem Körper zusätzlich viel Wasser entzogen; der Durst nimmt zu. Häufiges Wasserlassen und starker Durst sind oft erste Diabetesanzeichen.

MÖGLICHE DIABETESANZEICHEN

Durst

vermehrtes Wasserlassen

Müdigkeit, Abgeschlagenheit

Hautveränderungen, Juckreiz

Sehstörungen

Gewichtsverlust

schlechte Wundheilung

Muskelkrämpfe

Normalisieren sich die Blutzuckerwerte, dann verschwinden auch diese Anzeichen wieder.

Insulin und Blutzucker

Schauen Sie sich zunächst einmal den Zustand bei Nichtdiabetikern an.

Für alle Lebensvorgänge, ob in Ruhe oder in Bewegung, braucht der Körper Energie. Die benötigte Energie liefert die tägliche Nahrung, vorzugsweise in Form von Kohlenhydraten (Stärke und Zucker). Im Darm werden die Kohlenhydrate in Traubenzucker (Glukose) gespalten und anschließend über die Darmwand ins Blut aufgenommen (Blutglukose).

Das bedeutet, dass immer, wenn Sie kohlenhydrathaltige Lebensmittel essen, kurz danach der Zucker im Blut ansteigt. Das Blut fungiert dabei ähnlich wie eine Pipeline. Es hat die Aufgabe, Nährstoffe zu den verschiedenen Körperzellen zu transportieren. Die Kraftwerke der Körperzellen nutzen zur Energiegewinnung am liebsten Kohlenhydrate (Blutzucker).

Damit der Zucker aus dem Blut zur Energiegewinnung in die Zellen gelangen kann, wird ein Botenstoff, das Hormon Insulin, benötigt.

Insulin wird von bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse, den sogenannten β-Zellen der Langerhans-Inseln, produziert. Dieses Hormon öffnet dem Blutzucker den Weg in die Zellen, wodurch auch der Blutzuckergehalt wieder absinkt.

Bei Diabetes mellitus gelangt der Zucker nicht oder nur unzureichend in die Körperzellen, weil zu wenig oder kein Insulin vorhanden ist oder das Insulin nicht ausreichend wirken kann. Die Zuckerkonzentration im Blut steigt an, ohne dass der Blutzucker von den Körperzellen als Energie genutzt werden kann. Bei zu hohen Werten im Blut wird Zucker teilweise mit dem Urin ausgeschieden.

Diabetes mellitus ist also eine Erkrankung des Energiestoffwechsels. Häufige Anzeichen dieses Energiemangels in den Körperzellen sind beispielsweise Abgeschlagenheit und schlechte Wundheilung.

BLUTZUCKER REGULIEREN

Bei Nichtdiabetikern gelten Blutzuckerwerte von 60 bis 140 mg/dl (3,3 bis 7,8 mmol/l; Millimol pro Liter) als normal.

Zwei verschiedene Hormone sind für diese feine Regulation verantwortlich, die beide in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden:

Insulin senkt den Blutzucker.

Glukagon hebt den Blutzucker.

Diabetes Typ 1 und 2 – wo liegt der Unterschied?

Nach Hochrechnung von Krankenkassendaten waren 2007 etwa 7 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Die Tendenz ist stark steigend.

Nur rund jeder zehnte Diabetiker aber hat einen sogenannten Typ-1-Diabetes (auch Insulin-Mangel-Diabetes genannt). Die Mehrzahl der Diabetiker gehört zum sogenannten Typ-2-Diabetes mit einer unzureichenden Insulinwirkung (Insulinresistenz).

INFO

Wird in diesem Ratgeber der Einfachheit halber von Diabetikern gesprochen, sind damit sowohl Frauen als auch Männer gemeint.

Typ-1-Diabetes

Menschen mit Typ-1-Diabetes haben nicht genügend körpereigenes Insulin, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu befördern. Die β-Zellen der Langerhans-Inseln ihrer Bauchspeicheldrüse produzieren zu wenig oder kein Insulin mehr.

Die fehlende Energie versucht der Körper auszugleichen, indem er die Energiereserven der Fett- und Muskelgewebe nutzt. Wird der Typ-1-Diabetiker nicht mit Insulin behandelt, führt dies dazu, dass er drastisch an Gewicht verliert. Beim Typ-1-Diabetes entwickelt sich die Krankheit schnell und über einen kurzen Zeitraum. Häufig entsteht dieser Diabetestyp noch vor dem 40. Lebensjahr, daher wird er auch jugendlicher Diabetes genannt. Typ-1-Diabetiker brauchen Insulin in einer Dosierung, die auf ihre Kohlenhydrataufnahme und Bewegung abgestimmt ist.

Typ-2-Diabetes

Bei diesem Diabetestyp produziert die Bauchspeicheldrüse noch Insulin, aber der Organismus reagiert ablehnend oder resistent gegen das Hormon. In der Folge besteht eine unzureichende Wirkung, die sogenannte Insulinresistenz. Sie wird durch Übergewicht noch verstärkt. Um die unzureichende Wirkung auszugleichen, bildet der Körper vermehrt Insulin, das die Blutzuckerwerte über eine lange Zeitspanne im Normbereich halten kann und daher die Blutzuckerwerte ansteigen.

Von einem Typ-2-Diabetes spricht man erst, wenn die erhöhte Insulinproduktion die schlechtere Wirkung nicht mehr ausgleichen kann.

Die Betroffenen sind oft schon lange Zeit übergewichtig, haben Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung wie einen erhöhten Cholesterinspiegel. Die Kombination dieser Erkrankungen wird als metabolisches Syndrom bezeichnet.

Nehmen Typ-2-Diabetiker ab, normalisiert sich häufig schon ihr Blutzuckergehalt.

Im Unterschied zum Typ-1-Diabetes entwickelt sich der Typ-2-Diabetes langsam über mehrere Jahre und oft erst nach dem 40. Lebensjahr. Typ-2-Diabetes wird auch Altersdiabetes genannt.

Mögliche Komplikationen vermeiden

Unbehandelt können erhöhte Blutzuckerwerte zu einer lebensgefährlichen Situation führen: zum diabetischen Koma mit tiefer Bewusstlosigkeit.

Sind die Blutzuckerwerte lange Zeit zu hoch, können langfristig schwere Erkrankungen auftreten:

Komplikationen der kleinen Gefäße (mikrovaskuläre Komplikationen)

Veränderungen an den Gefäßen des Augenhintergrundes (diabetische Retinopathie)

Veränderungen an den Gefäßen der Niere (diabetische Nephropathie)

Nervenschädigungen (diabetische Neuropathie)

Komplikationen der großen Gefäße (makrovaskuläre Komplikationen)

Ziel einer modernen Diabetikerbehandlung ist es, diese Komplikationen zu vermeiden.

Der mittlere Blutzucker über die letzten Wochen (HbA1c) gilt als aussagekräftiger Risikofaktor für diabetische Komplikationen aber auch der nach den Mahlzeiten (postprandial) scheint ein Risikofaktor zu sein. Im Rahmen des Diabetesmanagements haben internationale Fachgesellschaften wie die Deutsche Diabetesgesellschaft (DDG), die American Diabetes Association (ADA) und die International Diabetes Federation (IDF) den postprandialen Zwei-Stunden-Blutglukosewert in ihre Therapieziele aufgenommen. Ziel sollte ein Blutglukosewert von maximal 140 mg/dl oder 7,8 mmol/l zwei Stunden nach dem Essen sein.

Die Bestimmung und Dokumentation postprandialer Blutzuckerwerte ermöglicht eine schnelle Beurteilung der Diabetesbehandlung, verbunden mit der Möglichkeit, die Behandlung rasch und effektiv zu optimieren.

Im Rahmen der Blutglukosekontrolle sind die folgenden drei Messwerte wesentlich:

Nüchternwert (basaler Blutglukosewert)

HbA

1c

-Wert (metabolischer Langzeitwert)

Postprandialer Zwei-Stunden-Blutglukosewert (Blutglukosespitzen, zwei Stunden nach der Hauptmahlzeit)

ZIELWERTE DER BEHANDLUNG

Messparameter:

Zielwert im Vollblut:

Nüchternblutzucker

<100 mg/dl oder 5,6 mmol/l

HbA1c

<6,5 % oder 48 mmol/mol

Postprandiale Blutzucker (Zwei-Stunden-Wert)

<140 mg/dl oder 7,8 mmol/l

Quelle: IDF, 2007

Auch Sie selbst sind gefordert, aktiv zu werden. Denn die wichtigsten Säulen der Behandlung bilden nach wie vor vollwertiges und ausgewogenes Essen und Trinken sowie ausreichende körperliche Aktivität, verbunden mit Gewichtskontrolle.

Hinzu kommen eventuell erforderliche Medikamentengaben. Eine Ernährungsweise mit niedriger glykämischer Last (siehe >) wirkt sich zudem günstig auf die postprandiale Blutglukose aus.

So können Sie Diabetes umfassend behandeln:

Kontrollieren Sie Zucker in Blut und/oder Urin und gegebenenfalls Urin auf Ketonkörper (siehe

>

).

Wenn Medikamente nötig sind, nehmen Sie diese nach den Empfehlungen Ihres Arztes konsequent ein.

Essen Sie gesund und abwechslungsreich. Wählen Sie dabei Lebensmittel mit einer niedrigen glykämischen Last (siehe

>

).

Kontrollieren Sie regelmäßig Ihr Gewicht.

Falls nötig, reduzieren Sie Ihr Gewicht schrittweise in Absprache mit dem behandelnden Arzt oder Berater.

Bewegen Sie sich ausreichend und regelmäßig, entsprechend Ihren persönlichen Möglichkeiten.

Gehen Sie konsequent zu den ärztlichen Kontrollen. Bei der Antwort auf die Frage »Welche Untersuchungen sind wie häufig notwendig?« hilft der Gesundheits-Pass Diabetes (siehe »Bücher, die weiterhelfen«,

>

).

Die Vorsorgeuntersuchungen in diesem Pass entsprechen den international anerkannten Mindestmaßnahmen zur Vorbeugung und gezielten Intervention.

Besuchen Sie Diabetikerschulungen.

So kontrollieren Sie Ihren Stoffwechsel

Stoffwechselselbstkontrollen können Sie zu Hause durchführen. So können Sie zusätzlich zu den Kontrollen beim Arzt feststellen, wie Ihr Zuckerstoffwechsel aktuell reagiert.

Selbstkontrollen haben verschiedene Vorteile: Zunächst einmal können Sie die Kontrollen zu allen Tageszeiten durchführen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, unter verschiedenen Bedingungen, beispielsweise unterschiedlicher körperlicher Betätigung und Belastung, Medikamentendosis und Ernährung, selbst zu kontrollieren. Des Weiteren bemerken Sie Änderungen der Stoffwechselsituation frühzeitig und können direkt darauf reagieren.

Folgende Selbstkontrollen sind möglich:

Blutzuckerselbstkontrolle mit Nüchternblutzucker und Zwei-Stunden-Blutzucker nach den Mahlzeiten (postprandial; siehe >/>). Die Werte können gemeinsam mit dem Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c) in Diagnose und Therapieplanung einbezogen werden.Selbstkontrolle des Urins auf Ketonkörper wie Aceton (Diese Kontrolle ist nur bei hohen Blutzuckerwerten sinnvoll oder wenn die Stoffwechselsituation zu entgleisen droht.)GewichtskontrolleUrinzuckerselbstkontrolle

WICHTIG

Welche der Blut- und Urinkontrollen für Sie die richtigen sind, besprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt. Er, Ihr Diabetesberater oder auch Ihr Apotheker werden Ihnen erklären, wie Sie die Kontrollen mit Farbstreifen oder Messgerät richtig durchführen.

Mit Insulin und Tabletten richtig behandeln

Zur Behandlung des Diabetes stehen sowohl Insulin als Ersatz für fehlendes körpereigenes Insulin als auch folgende Medikamente in Form von Tabletten zur Behandlung bei Diabetes Typ 2 zur Verfügung:

Alpha-Glukosidase-Hemmer

Biguanide

DPP-4-Hemmer

Insulin-Sensitizer

Glinide, Sulfonylharnstoffe

SGLTZ-Hemmer

Da Typ-1-Diabetikern Insulin fehlt, müssen sie von Beginn an mit Insulin behandelt werden (dies ist die sogenannte »Insulinpflicht«).

Beim Typ-2-Diabetes kann eine Insulinbehandlung notwendig werden, wenn die Blutzuckerwerte anders nicht befriedigend gesenkt werden können. In diesem Fall kann die Tablettenbehandlung durch Insulingaben unterstützt werden (Kombinationstherapie), oder die Behandlung wird komplett auf das Hormon umgestellt. Für die Insulintherapie wiederum gibt es – je nach Lebenssituation des Betroffenen – verschiedene Möglichkeiten.

Welche Medikamentenbehandlung für Sie persönlich sinnvoll ist, wird Ihr Arzt in einem ausführlichen Gespräch gemeinsamen mit Ihnen erörtern.

Insulin

Für die Insulinbehandlung gibt es folgende Insulinarten:

Insulintyp

Wirkungseintritt

stärkste Wirkung

Ende der Wirkung

schnell wirkende Insulinanaloga

direkt

1–2 Std.

2–3 Std.

Normalinsulin

15–30 Min.

2–4 Std.

4–6 Std.

NPH-Typ

60 Min.

4–6 Std.

10–12 Std.

Insulin Glargin

sehr gleichmäßig über 24 Stunden

Insulindetemir

keine Angabe

6–8 Std.

16–24 Std.

Aus Normal- und NPH-Insulin werden auch Insuline mit festen Mischungsverhältnissen zusammengestellt.

Seit 1999 sind auch feste Mischungen aus schnell wirkendem Insulin-Analogon und Verzögerungsinsulin verfügbar, die ohne Einhaltung eines Spritz-Ess-Abstands gespritzt werden.

Insulinbehandlungen – welche gibt es?

Konventionelle Insulinbehandlung (CT)

Bei der konventionellen Insulinbehandlung wird eine feste Mischung aus Normalinsulin und Verzögerungsinsulin oder eine Mischung aus schnell wirkendem Insulin-Analogon und Verzögerungsinsulin ein- bis drei-mal pro Tag gespritzt. Diese Therapieform eignet sich insbesondere für Menschen mit einem sehr regelmäßigen Tagesablauf. Denn der Rhythmus von Essenzeiten und Kohlenhydratmengen muss bei dieser Art der Insulinbehandlung nach einem festen Muster eingehalten werden. Denn anders als bei Menschen ohne Diabetes, bei denen erst Insulin ausgeschüttet wird, wenn Zucker ins Blut gelangt, muss sich ein Mensch mit konventioneller Insulinbehandlung mit seinem Essen nach der Wirkung des gespritzten Insulins richten. Wird eine Mahlzeit vorverlegt, oder werden mehr Kohlenhydrate gegessen, als für die Insulinmenge vorgesehen waren, steigt der Blutzucker höher an als erwünscht (Anzeichen siehe >). Wird eine Mahlzeit dagegen erst verspätet eingenommen oder sogar ganz ausgelassen, oder werden weniger Kohlenhydrate gegessen, als für die Insulinmenge vorgesehen waren, droht eine Unterzuckerung (Anzeichen siehe >).

Diese Komplikationen können Sie vermeiden, wenn Sie den Kohlenhydratgehalt von Lebensmitteln kennen und regelmäßig zu den festgelegten Zeiten spritzen und essen. Viele Menschen mit Diabetes können oder wollen einen streng geregelten Tagesablauf, wie ihn die konventionelle Insulinbehandlung fordert, nicht einhalten. Sie bevorzugen eine intensivierte Insulinanwendung.

Intensivierte Insulinbehandlung (ICT)

Mit der ICT (auch Basis-Bolus-Therapie genannt) wird die Situation bei Nichtdiabetikern nachgeahmt. Ein- bis dreimal am Tag wird eine Insulinform mit verzögertem Wirkungseintritt gespritzt, das den mahlzeitenunabhängigen Insulinbedarf deckt.

Dieser Fasteninsulinbedarf wird für die »Fastenzeiten« zwischen den Mahlzeiten oder während der Schlafenszeit benötigt. Die Menge an Fasteninsulin wird dabei möglichst so gewählt, dass der Blutzucker auch ohne Nahrungsaufnahme im Gleichgewicht bleibt und Über- wie auch Unterzuckerungen vermieden werden. Der Bedarf für das Essen wird mit schnell wirkenden Insulinen (Normalinsulin oder Insulinanaloga) gedeckt. Die Menge an Mahlzeiteninsulin richtet sich nach dem individuellen Bedarf pro Kohlenhydrateinheit (KE/BE) sowie dem jeweiligen Blutzuckerwert vor der Mahlzeit. Der Spritz-Ess-Abstand richtet sich nach dem Eintritt der Insulinwirkung (siehe >) des verwendeten Insulins.

Die intensivierte Anwendung von Insulin bietet viele Freiheiten. Dafür fordert sie von Ihnen eigenverantwortliches Handeln und die Bereitschaft, den Blutzucker vor jeder Mahlzeit zu messen und zu den Mahlzeiten zu spritzen.

Der Erfolg der intensivierten Insulinbehandlung ist in hohem Maße von Ihren Kenntnissen zum KE/BE-Gehalt der verschiedenen kohlenhydrathaltigen Lebensmittel abhängig. Das möglichst genaue Schätzen der KE/BE-Menge der Mahlzeit, die richtige Wahl der Insulinmenge je KE/BE und die konsequente Menge an Korrekturinsulin entscheiden dabei über die Qualität des Blutzuckers nach der Mahlzeit.

Viele Menschen mit Diabetes Typ 2 können noch ausreichende Mengen an Insulin für den mahlzeitenunabhängigen Insulinbedarf herstellen. Die Insulinmenge, die für die Mahlzeiten benötigt wird, reicht aber nicht mehr aus. In diesem Fall ist die Bolus-Therapie eine mögliche Behandlungsart.

Bolus-Therapie

Hier kann auf Verzögerungsinsulin für die Deckung des Fasteninsulinbedarfs verzichtet werden. Stattdessen wird nur zur Mahlzeit passend Kurzzeitinsulin (Normal- oder Insulinanalogon) gespritzt. Für die Abstimmung von KE/BE und dem Bedarf an Mahlzeiteninsulin gelten im Übrigen dieselben Anforderungen wie bei der intensivierten Insulintherapie.

Insulinpumpen-Behandlung