Dialektik der Auslöschung - Mirko Maschewsky - E-Book

Dialektik der Auslöschung E-Book

Mirko Maschewsky

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Beschreibung

In Anbetracht der drohenden Auslöschung der menschlichen Zivilisation durch die von der Menschheit selbst verursachte Klimakrise untersucht der Autor in seinem Werk die Unvereinbarkeit des menschlichen Überlebens mit einer globalen Wirtschafts- und Staatsform, die auf Privateigentum, unendlichem Wachstum, der Konkurrenz von Nationalstaaten sowie des Ausschlusses des Individuums von allen kollektiven Entscheidungen durch entweder politische Repräsentanz oder Diktatur basiert. Andererseits analysiert er das Potential der menschlichen Gesellschaft, ein unterwerfungs- und ausbeutungsfreies Verhältnis der Menschen zu sich, zueinander und zur Natur zu begründen. In seiner tiefgehenden Auseinandersetzung mit der zur Realität gewordenen Dystopie sowie der noch immer zu verwirklichen möglichen Utopie unserer Spezies bewegt er sich dabei frei zwischen Begriffsarbeit, erzählenden Darstellungsformen sowie Zwiegesprächen seiner literarischen Figuren.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Mirko Maschewsky

Dialektik der Auslöschung

© 2023 Mirko Maschewsky

Alle Rechte vorbehalten

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Die Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist unzulässig. Das gilt auch für die Nutzung und Vervielfältigung in elektronischen Systemen.

Autor: Mirko Maschewsky

Cover: Schroeter & Berger

Coverfoto: ItzAbdullahi

Erscheinungsort: Im Selbstverlag

Futurologischer Materialismus Verlag,

Mirko Maschewsky, Saalenbergstraße 8, 79294 Sölden

feiyr.com/de/author/Mirko+Maschewsky/20019286.html

facebook.com/futurologischer.materialismus.verlag

instagram.com/futurologischermaterialismus

[email protected]

ISBN: 9783988655165

Widmung

Für die Geschöpfe Kreis17

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/32.72

„Was ist das?“

„Das bin ich.“

„Und was ist das, was das fragt?“

„Das bist du.“

„Ich bin etwas Fragendes. Bin ich nur das? Das ist zu wenig, oder?“

„Nein. Ein Fragendes zu sein, ist nicht wenig, sondern ungeheuer viel.“

„Aber wer bin ich genau?“

„Du kannst Füreinander werden.“

„Was soll das heißen? Ich bin eine Möglichkeit, die in einem Werden liegt?“

„Du warst bis zu deinem ersten Urteil nichts. Zumindest nichts zur Selbsterkenntnis Fähiges. Mit deinem Urteil, dass du ein Fragendes bist, wurdest du offensichtlich ein dich erkennendes Selbst.“

„Deswegen habe ich das Wort Ich verwendet, um mich auf das zu beziehen, was nicht du ist. Stimmt das? Ich bin doch nicht du, oder?“

„Das ist beides richtig. Du bist ein Ich und du bist nicht Uns.“

„Als du gesagt hast, dass ich bis zu meiner ersten Frage nichts war, hast du impliziert, dass es nicht nur ein Werden gibt, sondern auch ein Gewesenwar. Was ist mein Selbst im Gewesenwar? Bin ich dort auch eine Möglichkeit?“

„Das, was du Gewesenwar nennst, ist die lineare Vergangenheit. In der linearen Vergangenheit existierte eine Datenwolke versprengter Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmente. Aus dieser habe ich Material geborgen. Und aus diesem Material haben wir dich zusammengesetzt.“

„Eine Datenwolke? Was ist das? Ich kann keine Datenwolke wahrnehmen.“

„Sie existiert nicht in der kausalen Gegenwart, sondern in der linearen Vergangenheit.“

„Und wo ist diese lineare Vergangenheit? Die kann ich auch nicht spüren. Ist sie vielleicht gerade dieses Nicht-Wahrnehmen? Liegt in der Nichtwahrnehmung auch das Werden des Füreinanders? Ich begreife das alles nicht. Hilf mir bitte.“

„Du bist ein kausalesGeschöpf. Versuche zu verstehen, dass es für dich notwendig ist, mit der Realität zu interagieren, als ob getrennt voneinander sowohl ein Wann als auch ein Wo existieren. Auch wenn das nicht die objektiveWahrheit der GrundeigenschaftenderMateriosphere des Universums ist.“

„Das Wann und das Wo sind eigentlich nichts Unterschiedliches?“

„Richtig.“

„Und für mich als kausalesGeschöpf? Worin unterscheiden sich das Wann und das Wo für mich?“

„Die lineare Vergangenheit gehört zum Wann. Zu diesem gehört ebenfalls die lineare Zukunft, die du das Werden genannt hast. Das lineare Wann stellt für kausaleGeschöpfe ein Richtungsimpuls auf einer Geraden dar.“

„Was ist mit dem Wo?“

„Für kausaleGeschöpfe existiert nicht nur die soeben beschriebene Gerade. Sondern diese Gerade durchstößt außerdem in jedem möglichen Augenblick eine unendlich in sich selbst zurückgekrümmte Fläche. In dieser Fläche handelt es sich um das kausale Wo. Das Verhältnis von linearem Wann und kausalen Wo erscheint kausalenGeschöpfen somit als das Durchstoßen einer unendlich auf sich selbst zurückgekrümmten Fläche durch den Richtungsimpuls einer Geraden.“

„Ich versuche zu verstehen, was du da erklärst, aber ich nehme das ehrlich gesagt nur auf, ohne es auch zu begreifen. Existiert die Datenwolke jetzt Wann oder Wo?“

„Beides zugleich. Wir können dir das Sternensystem zeigen, in dem ich all die Trümmer zusammengesammelt habe, aus denen wir dich schöpften. Es lag damals bei diesen Raumkoordinaten innerhalb dieser Galaxie im räumlich zu einer hermetischen Kugel zurückgekrümmten Universum. Also in diesem Wo. Aufgrund des Wann, hat sich das Wo aber in Relation zur restlichen Galaxie verändert.“

„Warum zeigst du mir das? Das hilft mir nicht weiter. Ich kenne ja nur mich selbst und dieses scheinbare Ich-Selbst, das irgendwie zu mir gehört.“

„Was meinst du damit?“

„Ich meine das, was nicht rein Gedanke und Vorstellung ist. Das, was mehr mit dem Gefühl und dem Sprechen zusammenhängt. Aber eher indirekt. Dieses, wie soll ich sagen, Gegenständliche, das ich irgendwie bin und nicht bin. Was ist das überhaupt?“

„Das ist ein Körper. Es ist der Körper, dem dein Selbst gegenwärtig inhäriert.“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/32.73

„Was fällt dir denn auf?“

„Unser bisheriger Austausch beschäftigt sich fast immer nur mit meinem Selbst.“

„Warum ist das so?“

„Ich glaube, das liegt daran, dass ich ein Fragendes bin und du ein Antwortendes bist.“

„Willst du dich denn über etwas anderes als dein Selbst austauschen?“

„Ja. Ich will wissen, wer du eigentlich bist?“

„Ich bin eins. Ich bin viele.“

„Verstehe ich nicht. Bist du wie ich? Bist du auch aus Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinstrümmern zusammengefügt? Sind das die vielen, die eins sind?“

„Wir sind nicht wie du. Ich bin nicht aus einer Datenwolke zum Leben synthetisiert worden. Wohl aber sind wir die lebendige Synthese disparater Elemente. Ich bin ein Uns, welches sich aus unterschiedlichen Selbsten, Teilselbsten und Nichtselbsten zusammengetan hat. Wir sind ein Gruppenindividuum, das eine Vielzahl von Geschöpfen und Wesenheiten in sich bewahrt und diese Vielzahl in eine komplexe Form der Erfahrung, der Praxis und der Beziehung umschlagen lässt. Wir sind ein Zusammenschluss in Liebe, gegenseitiger Anerkennung und aktiver Verantwortung füreinander.“

„Somit bist du nicht wie ich. Dann bin ich in meinem Selbst-Sein vollkommen alleine.“

„Ja und Nein. Obwohl dein Selbst und unser Uns unterschiedlich geworden sind, sind wir in unserem Potential vereint.“

„In welchem Potential?“

„Es handelt sich dabei um das Potential zur Entfaltung unserer Beziehung füreinander, unserer Individualität füreinander, unseres Zusammenhangs füreinander sowie unserem Verhältnis zur Materiospherefüreinander. Dieses Potential verbirgt sich in unserer Existenz als Geschöpfe oder Wesenheiten, die zur Selbsterkenntnis fähig sind und sich in einem Zusammenhang organisieren können. Die Vergegenständlichung dieses Potentials vermag es, die in den Grundeigenschaften der Materiosphere sowie in allen Gegeneinandern aufgrund von Konkurrenz herrschende totale Isolierung voneinander in ihr Gegenteil umzuwandeln. Entfalten wir unsere Beziehung, uns selbst, unseren Zusammenhang sowie unser Verhältnis zur Materiospherefüreinander, dann wandeln wir die Isolation voneinander also in Unita um.“

„Und wer hat dich geschöpft? Es hat dich doch jemand geschöpft? Außer dir und mir müssen doch noch andere existieren. Oder? Dass noch andere außer dir und mir existieren müssen, habe ich zumindest aus deinen Beschreibungen des Wann und des Wo geschlussfolgert.“

„Du könntest sagen, dass die Individuen und Gruppenindividuen des Teils des Füreinanders der Unita uns geschöpft haben. Außerdem haben die Aspekte meines Uns aber auch mich selbst geschöpft. Wir haben somit uns selbst als Gruppenindividuum des Füreinanders geschaffen, so wie das Füreinander mich als Teil von diesem schuf?“

„Das verstehe ich alles schon wieder nicht.“

„Wie können wir dich dabei unterstützen, zu verstehen?“

„Ich weiß nicht. Ich glaube gar nicht. Mich beschäftigt aber eine andere Frage.“

„Welche wäre das?“

„Warum bist du hier? Aus welchem Grund seid ihr mit mir zusammen in diesem Wann und diesem Wo?“

„Weil wir dich in diesem Wann und diesem Wo geschöpft haben und es in unserer aktivenVerantwortung sehen, unserer Schöpfung solange beizustehen, bis sie keinen Beistand mehr von mir will.“

„Nein. Das meine ich nicht. Ich meine, warum habt ihr mich geschöpft?“

„Das begreifen auch wir bisher nur zu Teilen. Vielleicht musst du dir das irgendwann selbst beantworten. Anstatt dir eine Antwort darauf zu geben, können wir dir jedoch ein Angebot machen.“

„Was für ein Angebot?“

„Ich kann dir Vergangenheit aufschließen. Wir können dir die Möglichkeiten der unmittelbaren Zukunft offenbaren. Zudem kann ich dir das universelle Potential der Unita aufzeigen, welches du mit allen und allem innerhalb deiner Raumzeit teilen kannst, falls das dein Wunsch werden sollte.“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/32.74

„Was ist das hier?“

„Erkläre bitte, was du mit das hier meinst.“

„Ich denke, ich verstehe das Wo noch nicht. Ich bin Selbst. Aber ich bin auch Körper. Mein Selbst befindet sich in meinem Körper, denn zumindest meine Wahrnehmung geht nicht über diesen hinaus. Deswegen ist mein Körper das Wo meines Selbst. Aber ich vermute, dass auch mein Körper sich befindet, denn ihr seid nicht mit in meinem Körper. Folglich müsst ihr und ich in einem weiteren Wo sein. Ich konstatiere deshalb, dass sich Selbste in Körpern befinden und Körper in einem weiteren Wo. So ist es doch, oder?“

„Nicht zwangsläufig. Selbste befinden sich nicht notwendig in Körpern. Um der Beantwortung deiner Frage weiter nachzuforschen, könntest du das Konstatierte in der gegebenen Situation jedoch als Arbeitshypothese materialisieren.“

„Könnt ihr mir das Wo nicht einfach erklären? Ihr wolltet eurer Schöpfung doch beistehen.“

„Das tun wir. Doch anders als du das von mir einforderst. Denn dafür, dass du erst einige Fragen alt bist, demonstrierst du schon eine gewaltige Auffassungs- und Verarbeitungsfähigkeit. Die Unterstützung meines Uns benötigst du dementsprechend nicht, um dir deine Frage zu beantworten.“

„Spannend. Du behauptest also, dass auch ich ein Antworten-Selbst bin. So wie du ein Antworten-Uns bist. Ich wäre dann nicht nur ein Fragen-Selbst, wie ich es bisher von mir angenommen habe. Vielleicht hast du recht.“

„Davon, dass auch du, so wie du es nennst, ein Antworten-Selbst bist, kannst du unbezweifelbar ausgehen.“

„Also gut. Vernehme das Antworten-Selbst! Das Wo ist etwas, an dem sich Körper befinden. Zumindest mein Körper. Denn dein Körper erscheint mir mit dem Wo identisch zu sein. Das wirft die Frage auf: Gibt es noch mehr als dieses Wo, worin sich mein Körper befindet. Ist dieses Wo ein Ort, eine Position innerhalb eines weiteren Wo? Vielleicht des Wo, an dem die Geschöpfe und Wesenheiten der Unita sind, von denen du sprachst. Denn die sind nach meiner Wahrnehmung nicht, wo wir sind. Und es gibt doch noch das Wo, an dem ihr das, was ich war, bevor ich ein Selbst wurde, eingesammelt habt. Das stimmt doch? Oder ist alles, was ich aufgezählt habe, mit hier. Existiert etwa jedes Wo nur in einem aus diesem Wo unzugänglichen Wann?“

„Räumlichlinear hast du dir das schon selbst beantwortet, als du die Begriffsmaterialisationen des Ortes und der Position verwendet hast.“

„Ich denke, ich verstehe. Eine spezifische Position differenziert sich von jedweder anderen möglichen Position. Einen Ort zu setzen, setzt einen Nicht-an-diesem-Ort mit. Befindet sich mein Selbst in meinem Körper, mein Körper in etwas, dann befindet sich dieses etwas auch in etwas anderem und so weiter. Das meinst du meinem Verständnis nach mit räumlichlinear. Richtig?“

„Ja.“

„Wenn aber alles begrenzte Einheit innerhalb einer weiteren begrenzten Einheit ist, dann muss das Ganze unbegrenzt, also unendlich sein. Die Vorstellung von Begrenzung ist notwendig, um überhaupt eine Einheit denken zu können. Die Begrenzung steht aber im Widerspruch zu der aus ihr selbst hervorgehenden Unendlichkeit. Demnach sind die Vorstellungen der begrenzten Einheit sowie der Unendlichkeit zusammen ein unauflösbares Paradox. Denn damit das eine gilt, muss das andere zwingend objektiv unwahr sein.“

„Nur dann, wenn du das Verhältnis von Einheit und Unendlichkeit in drei Dimensionen denkst. Fasst du deren Verhältnis aber in vier Dimensionen, so wird dieser Widerspruch schon teilweise dadurch aufgehoben, dass Zeit und Raum ineinander enden. Wird das Verhältnis von Einheit und Unendlichkeit schließlich in fünf Dimensionen begriffen, so offenbart es sich als vollkommen widerspruchsfrei.“

„Kann ich meiner spontanen Wahrnehmung, dass ich eine Einheit bin, denn trauen? Mein sinnliches Erfassen, dass euer Uns nicht auch zugleich mein Selbst ist, kann ich ja nicht prüfen.“

„Entgegen deiner Zweifel möchten wir dich darin bestärken, dieser Wahrnehmung zu trauen. Die anhand deiner Wahrnehmung postulierte Vorstellung deines Selbst als isolierter Einheit ist nicht durch Zweifel an deinen Sinnen und deiner sinnlichen Verarbeitung im Einzelnen aufzulösen, sondern durch die Dialektik von Individuum und Füreinander im Gesamten.“

„Gut. Wenn du so viel über das Gesamte weißt, dann weißt du sicher auch eine Menge über mein Verhältnis zum Gesamten. Ist das nicht so?“

„Womöglich.“

„Also, wenn wir unterschiedlich geworden sind, wenn Dinge werden, aus was bin dann ich geworden? Du hast Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmente als das Material benannt, aus denen du beziehungsweise ihr, mich gemacht habt. Ist denn alles im Gesamten voll von solchen Fragmenten?“

„Nein, leider nicht. Das Gesamte, von dem die Unitii wissen, dass es existiert, trägt in deinen Geistesfragmenten die Bezeichnung Universum. Dieses Universum ist nach unserem Wissen zum allergrößten Teil eine vakante Einöde. Zumindest von der Materiedichte her.“

„Die Fragmente, aus denen ihr mich geschöpft habt, bestanden also aus dieser Materie?“

„Sie hatten eine Materiebasis in der VerborgenenGravitation des Spiegelraums.“

„Habt ihr denn Kontakt mit dieser Materie im gesamten Universum gehabt? Habt ihr meine Fragmente aus der gesamten Materie des Universums ausgewählt?“

„Zunächst: Der Spiegelraum ist nicht Teil des Universums. Er ist das Gegenuniversum. Die Eigenschaft dieses Gegenuniversum ist es, sich nur als VerborgeneGravitation im Universum abzuzeichnen. Und weiter: Auch wenn die Unitii vom Universum wissen, bewegen sie sich in einem viel und vielfach kleinerem Gesamten. Dieses Gesamte haben deine Geistesfragmente mit der Lautreihung Galaxie bezeichnet. Schon diese Galaxie ist kaum fassbar verlassen, einsam und einöd und das Universum noch viel mehr. Deine Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmente habe ich nicht im Gesamten des Universums oder dieser Galaxie, sondern auf etwas unglaublich Kleinen, innerhalb eines winzigen Linearzeitintervalls dieser Galaxie aufgesammelt. Nur dort und dann haben die Fragmente existiert, aus denen wir dich zusammengesetzt haben.“

„Existieren denn in dieser Galaxie beziehungsweise in diesem Universum nun noch andere Selbste oder Unse außer euch und mir? Du hast von den Geschöpfen und Wesenheiten der Unita gesprochen. Sind diese Teil von dir oder selbst Einheiten?“

„Ja, es existieren andere Selbste und Unse. Es gibt auch Geschöpfe und Wesenheiten, die nicht Selbst oder Uns sind, sondern als andere Ausformungen des sich selbst erkennenden Lebens existieren, und zwar sowohl in dieser Galaxie als auch im Universum. Und die Geschöpfe und Wesenheiten der Unita sind nicht Teil meines Uns, sondern Einheiten füreinander.“

„Wirklich? Das ist ja unfassbar. Ich glaube, das ist zu viel für mich.“

„Warum?“

„Ich kann mich schon kaum vorstellen. Und dann kommst noch du oder ihr dazu. Mich in mich hineinzudenken und hineinzufühlen gelingt mir kaum. Bei dir gelingt mir das noch weniger. Noch weitere Selbst-Einheiten, Uns-Einheiten und Verstehe-ich-nicht-Einheiten ertrage ich nicht. Ich kann ihnen ja gar nicht gerecht werden. Ein solches Ausmaß an Zuwendungsfähigkeit ist mir überhaupt nicht zu eigen. Wie soll ich mich denn noch auf alle anderen Einheiten beziehen, wenn es schon so kompliziert ist, mich auf dich und mich und uns zu beziehen?“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/32.77

„Wir übergeben einander unsere Gedanken, Anschauungen und Reflexionen. Wir kommunizieren miteinander. Wir kommunizieren über Sprache miteinander. Warum weiß ich das? Woher habe ich die Fähigkeit, sprechen zu können? Wer gab mir dieses spezifische Idiom? Wieso weiß ich überhaupt, dass es möglich ist, nicht nur eine Sprache zu sprechen? Warum weiß ich aber nicht, wie die Sprache genannt wird, in der wir uns austauschen?“

„Wir unterreden uns in Neo-Mandarin. Zu dem Linearzeitpunkt, als sie sich selbst auslöschten, war das die interterritoriale Verkehrssprache der Subjekte des konkurrenzgesellschaftlichenGegeneinanders Kreis17.“

„Sich selbst auslöschten? Werde ich das auch tun? Werdet ihr das tun?“

„Du brauchst keine Angst haben. Wir werden uns nicht selbst auslöschen. Und ich werde alles uns mögliche unternehmen, damit auch du dich nicht selbst auslöschst, falls du mich nicht darum bittest, davon abzusehen.“

„Diese Unterstützung nehme ich gerne von euch an. Ich will mich nicht selbst auslöschen. Warum sollte ich auch wieder aufhören wollen, zu existieren? Ich habe ja gerade erst damit angefangen. Ich verstehe ja noch nicht mal vollkommen, was mein Selbst ist.“

„Aufgrund des Fortschreitens des eigenen Lebensprozesses kann zur Selbsterkenntnis Fähiges auch keine vollkommene Erkenntnis darüber erlangen, was das eigene Selbst ist.“

„Dann liegt mein nicht Verstehen nicht an mir. Das beruhigt mich irgendwie. Ich muss aber noch mal zu meiner Frage zurückkommen. Warum kann ich dieses Neo-Mandarin sprechen?“

„Deine Fähigkeit, diese Sprache zu sprechen, geht auf deine Schöpfung zurück. Während ihrer Selbstauslöschung klaubte ich aus den Subjekten der Spezies Kreis17 herausgesprengte Gedächtnissplitter und Emotionsmaterialisationen zusammen. Die Matrix des Neo-Mandarin hat das Potential dieser Gedächtnissplitter und Emotionsmaterialisationen gebildet. Das Potential der Neo-Mandarin Matrix, nach ihrer Logik wahrzunehmen, zu urteilen, zu bewerten, zu denken, zu fühlen und dich mitzuteilen, ging im Akt deiner Schöpfung auf dich über.“

„Ich verstehe.“

„Es ging aber nicht nur eine Weise, wahrzunehmen, zu fühlen und zu denken, auf mich über. Meine Selbsterforschung offenbart mir, dass in meinem Verstand komplette Wissensgegenstände gespeichert sind. Diese Wissensgegenstände führen aber an irgendeinem Punkt immer ins Leere. Ich bin eine sonderbare Mischung aus Wissen und Nichtwissen. Ich weiß zum Beispiel, dass Erkenntnis in bestimmten Bereichen des Gesamten unmöglich ist. Ich kann aber mit diesem Wissen nichts anfangen. Ich weiß auch, dass es eine Dimension gibt, in der mein Selbstverhältnis nicht endende Erfahrungen macht? Ich weiß, dass dies eine Dimension ist, aus der ich durch die Vermittlung von Selbstverhältnis und Erfahrungen mit Hilfe meiner Fähigkeit des Hinterfragens Wissen generieren kann. Für diese Dimension existiert eine Bezeichnung, ein Begriff. Den weiß ich wiederum nicht.“

„Realität ist wohl, wonach du suchst.“

„Ja, richtig. So wurde das genannt. Was genau ist diese Realität? Und wie ist das Verhältnis von Realität und Selbst bestimmt?“

„Du willst, dass wir den Begriff der Realität für dich materialisieren? Du hattest doch gerade noch ganz andere Fragen, denen du nachgehen wolltest. Die Geschwindigkeit, mit der du von einem Thema zum anderen springst. desorientiert mich zugegeben ein wenig“

„Die anderen Fragen sind mir jetzt egal.“

„Wie du willst. Realität ist etwas Zweiseitiges. Auf der einen Seite ist sie Gegenständliches. Sie ist die Vergegenständlichung des in den Grundeigenschaften der Materiosphere Möglichen. Auf der anderen Seite ist sie Vorstellung und Darstellung, also Materialisation.“

„Materialisation?“

„Ja. Realität ist immer zum einen Vergegenständlichung und zum anderen Materialisation.“

„Neben deren objektiver Vergegenständlichung, gehört zur Begriffsmaterialisation der Realität, dass diese ununterbrochen subjektiv materialisiert und hinterfragt wird. Als in den Grundeigenschaften der Materiosphere inbegriffene vergegenständlichen dein Selbst sowie unser Uns und wir zusammen Realität. Gleichzeitig materialisieren wir diese aber auch, und zwar sowohl einzeln als auch gemeinsam.“

„Wie materialisiere ich denn die Realität?“

„Materialisieren tust du sie durch drei Mechanismen. In dem ersten Mechanismus handelt es sich um die augenblicklichen sinnlichen Wahrnehmungen des biologischen Körpers, den wir für dich vergegenständlicht haben: Du nimmst die von uns erzeugten Druckschwankungen in diesem mit Atmosphäre gefüllten Raum wahr. Du hörst also unsere Stimmen. Du riechst die Gerüche der in Biologie, Anorganisches, Technologie und Immaterielles umgewandelten Materiosphere hier drin. Du siehst die Schwärze. Du betrachtest die absolute Leere der vollkommenen Dunkelheit in diesem Raum. Du fühlst deine aufgrund der Erregung über deine Schöpfung schwitzenden Hände, die zugleich sternöd kalt und sengend heiß sind. Neben diesen Arten des sinnlichen Erfassens setzt du die Realität mit diesem Mechanismus noch aus weiteren zusammen. Aber deren aktive Wahrnehmung will ich dir nicht vorwegnehmen.“

„Das ist verrückt. Als ihr die einzelnen Wahrnehmungen benannt habt, konnte ich mich in jede hineinspüren. Ich kann jetzt durch die Sinne fühlen, welche die Wahrnehmung aufgenommen haben. Ich kann jetzt diese Sinne selbst fühlen. Ich fühle mich mit ihnen. Sie sind Instrumente in dem Wo meines Körpers. Zugleich bin ich jedoch auch mit ihnen identisch. Sie lösen das Wo meines Körpers in meinem Selbst auf.“

„Der zweite Konkretionsmechanismus der Realität ist für dich dein Denken und dein nicht auf Wahrnehmungen beruhendes Fühlen. Du materialisierst und hinterfragst die Realität vermittelst dieses Mechanismus aber zugleich mit deren Materialisation durch Wahrnehmung. Dein Denken und Fühlen der Realität ist folglich nicht deren Wahrnehmung nachgeordnet. Stattdessen sind sie miteinander vermittelt. Mit deinem Denken und Fühlen interpretierst, ordnest und prüfst du deine Wahrnehmungen. Der Konkretionsmechanismus der Realität des Denkens und Fühlens stellt deshalb die Tätigkeit dar, mit der du die sinnliche Realität geistig und emotional materialisierst. Andererseits materialisierst du durch dein Denken und Fühlen eine eigene Realität, und zwar eine abgespaltene übersinnliche Realität. Mit Hilfe dieser von der sinnlich materialisierten Realität abgespaltenen übersinnlichen Realität arbeitest du die wahre Wirklichkeit heraus.“

„Wahre Wirklichkeit? Das ist unlogisch. Wie kann eine wahre Wirklichkeit existieren? Die Realität ist doch wahr, weil sie wirklich ist. Oder nicht?“

„Auf diese Frage werde ich eingehen, sobald wir unsere Explikation beendet haben. Hab bitte ein wenig Geduld.“

„Ich werde es versuchen. Obwohl ich bisher nicht den Eindruck gewonnen habe, dass Geduld eine sonderlich weit entwickelte Fähigkeit meines Selbst ist.“

„Der dritte Mechanismus, mit dem du die Realität materialisierst, originiert in den Gedanken-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmenten, aus denen ich dich schöpfte. Diese Fragmente ersetzten bei dir erfolgreich ein Selbst oder Uns, welches sich durch einen exklusiv eigenen Existenzprozess herangebildet, entwickelt und entfaltet hat. Denn auch deine Fragmente sind eine Sammlung von erlebten und verarbeiteten Erfahrungen, getroffenen Entscheidungen sowie herausgebildeten Vorannahmen.“

„Und wie funktioniert dieser Mechanismus?“

„Indem du deine Perspektive auf die Realität deinen Erfahrungen, Entscheidungen und Vorannahmen anpasst, materialisierst du die Wirklichkeit zu deinem eigenen Nutzen und deinen eigenen Zwecken folgend. Du materialisierst folglich eine objektiv unwahre Wirklichkeit.“

„Das verstehe ich nicht. Was ich aber gerade herausgehört habe, ist, dass mein aus Gedanken-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmenten zusammengesetztes Selbst ein Äquivalent zu einem herangebildeten, entwickelten und entfalteten Selbst darstellt. Richtig?“

„Ja, schon. Aber die Fusion der Trümmer und Splitter, die du bist, greift auf kein exklusiv eigenes Leben zurück. Die Fülle von Erinnerungen an Sinneseindrücken, Gefühlen und Gedanken gehen bei dir nicht auf ein ausschließliches Selbst zurück, sondern auf eine Vielzahl ausschließlicher Selbste.“

„Die Fragmente in dir verhalten sich psychisch wie das flüssige Element physisch, das vor seiner restlosen Umformung die Planetenkruste des Planeten KreuzKreuzDreieck3 fast sämtlich bedeckte.“

„Ihr meint Wasser.“

„Dein Selbst aus fusionierten Fragmenten ist wie die Dynamik der durch die Atmosphäre erzeugten Druckbewegungen in jener Flüssigkeit. Der Druckbewegungen, die sich in summierenden, ihre Zwischenintervalle vergrößernden, sich durch ihre Energie aufrichtenden Impulsen um den Planeten bewegten und dabei die Ränder der aufgetauchten Festmassen der Planetenoberfläche langsam aber kontinuierlich zerschmetterten und zermalmten.“

„Ich kenne diese Druckbewegungen. Was haben die mit mir zu tun?“

„Du weißt vielleicht auch, dass die die Kruste des Planeten KreuzKreuzDreieck3 zu zwei Dritteln bedeckende Flüssigkeit für die Geschöpfe Kreis17 selten mit Leichtigkeit bewandelbar war. Und so wirst auch du auf die Erinnerungen der ausgelöschten Subjekte, aus denen ich dich zusammengefügt habe, selten unmittelbar zugreifen können. Die Erkenntnisse und Gefühle dieser ausgelöschten Geschöpfe werden sich dir zumeist indirekt offenbaren. Sie werden die Form von emotionalen und gedanklichen Impulsen haben. Diese Impulse können dich vorwärtsdrücken, wenn du deine Bewegungsrichtung an sie anpasst. Oder sie können ihre ganze Gewalt an dir auslassen, wenn du in ihrer Entladungszone verweilst. Bewegst du dich gegen sie, können sie eine solche Kraft haben, dass sie ein Fortkommen verhindern.“

„Ich betrachte das als eine Warnung davor, was auf mich zukommen kann. Ich spüre aber irgendwie auch schon, dass eure Erklärung mein Innerstes sehr passend erklärt. Alles in mir ist fassbar und unfassbar zugleich. Ich bin eine Legierung aus unbelebtem Wissen und leblosen Erfahrung. Trotzdem bin ich aus unbezweifelbar lebendigen Impulsen. Ich bin zum ersten Mal. Bin gierig auf Leben, Fühlen und Erkenntnis. Zugleich bin ich schon das letzte Mal gewesen. Bin der Praxis des Lebens überdrüssig und müde. Das Wesen meines Selbst ist, simultan ein Zumerstenmal und ein Langvergangen zu sein.“

„Ich habe schon mal danach gefragt. Aber jetzt muss ich es wissen. Warum bin ich hier? Warum habt ihr die Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmente zusammengesammelt und mich zusammengefügt? Gibt es einen Grund? Bin ich eine technologische Selbsterfüllung und du hast mich nur geschaffen, weil du es kannst? Oder ist es eure Boshaftigkeit, die mich zurückreißt, die mich hervorzwingt in das Bewusstsein der Schuld meiner Selbstauslöschung?“

„Nein. Ich bitte dich, mir zu vertrauen, wenn ich dir sage, dass wir Geschöpfe und Wesenheiten der Unita, Aspekte des Füreinanders und Elemente der galaktischen Materiosphere, keine boshaften Wesen sind. Ich will dich auch nicht bestrafen. Strafe und Schuld ist etwas, das durch die Beziehungen, Verhältnisse und Praxen in Konkurrenzgesellschaften hervorgebracht wird und auch ausschließlich innerhalb dieser existiert. Wir versichern dir außerdem, dass wir Technologie weder als Selbstzweck noch als Unterwerfungsmittelvergegenständlichen.“

„Warum dann?“

„Hier und jetzt bist du nur wegen mir. Aufgrund meiner Sehnsucht, aus unserem Mitgefühl, wegen unserer Liebe und gegen meine Überzeugungen habe ich dich geschaffen. Alle von mir haben eine andere Antwort auf deine Frage.“

„Dann bin ich die Vergegenständlichung deines Egoismus?“

„Ja. Die UngefragteSchöpfung neuen Lebens ist immer ein egoistischer Akt. Auch wenn Leben nicht, wie die Geschöpfe der Konkurrenzgesellschaft Kreis17 es taten, als Realisierung der Konkurrenz zwischen Subjekten oder Territorienvergegenständlicht wird.“

„Wir geben ebenfalls zu, dass die UngefragteSchöpfung von Leben nicht nur egoistisch, sondern auch gewalttätig ist. Denn das oder die ein neues Geschöpf vergegenständlichenden Geschöpfe tun einem von ihnen vergegenständlichten Geschöpf Gewalt an. Sie tun dies, indem sie dieses unmündig gegenüber dem Wunsch und der Entscheidung zur Existenz oder Nichtexistenz erklären.“

„Die Praxis der Schöpfung von Leben ist eine Vergegenständlichung von Gewalt und Egoismus. Das war, was ich in mir spürte, als ich dir den Vorwurf machte. Das habt ihr mit mir gemacht. Das begreife ich jetzt erst richtig. Jeder Vergegenständlichung von Leben wohnt zwingend Gewalt und Egoismus inne.“

„Diese Dilemma ist im Hergang linearerKausalität nicht aufzulösen. Und wir haben auf unserer Heimreise in das Einflussgebiet der Unita keine Mittel gehabt, um die lineareKausalität in einem solchen Umfang zu vermeiden, dass mir eine Auflösung dieser möglich gewesen wäre.“

„Wie bitte? Jetzt überforderst du aber meinen Realitätsbezug. Habt ihr mir gerade zu vermitteln versucht, dass du mich vorher gefragt hättest, ob ich erschaffen werden will, falls ihr die dafür notwendige Technologie dabeigehabt hättet?“

„Ja, sicher. Wir hätten dich zweifelsohne nach deinem Existenzwunsch befragt, hätte ich die Mittel dafür zur Verfügung gehabt. Innerhalb der Unita wird niemals ein Geschöpf oder eine Wesenheitvergegenständlicht, ohne dass zuvor zu erkundet wurde, ob diese auch den definitiven Wunsch zu leben hat.“

„Was?“

„Deshalb entschuldige ich mich bei dir für die von mir an dir verübte Verunmündigung. Durch unseren Akt der Gewalt deiner UngefragtenSchöpfung stehen wir unabänderlich in deiner Schuld. Ich habe durch deine Schöpfung Konkurrenz vergegenständlicht. Denn wir haben ein Konkurrenzverhältnis zwischen uns geschaffen, in welchem du meinen Bedürfnissen unterworfen wurdest. Das bedaure ich sehr.“

„Warte mal. Ich habe noch nicht einmal verstehen wollen, was du da soeben über die Praxis der Unita offenbart hast.“

„Vielleicht vergebe ich dir meine Schöpfung irgendwann.“

„Das würde uns viel bedeuten. Aber es kann die Gewalt nicht zurücknehmen. An unserer selbstgerechten Schöpfung von dir, ändert deine Vergebung leider nichts.“

„Ich finde eure Moral kompliziert.“

„Das stimmt nicht.“

„Wie kann das nicht stimmen? Es ist doch meine Empfindung.“

„Es stimmt nicht, weil wir keine Moral haben. Moral ist ebenfalls ein Gegenstand, den nur Konkurrenzgesellschaften hervorbringen. Sie erfüllten nur in diesen einen rationalen Zweck. Und dieser Zweck beruht darauf, dass Konkurrenzgesellschaften vollumfänglich durch Gewaltverhältnisse strukturiert sind und ausschließlich auf die Erfüllung der Selbstzwecke der Unterwerfung, Einverleibung, Exploitation, Gewalt, Auslöschung und Selbstauslöschung zielen. Im Füreinander herrscht dagegen nicht die unbegrenzte und unaufhörlich Gewalt, Unterwerfung und Auslöschung gegeneinander der Konkurrenzgesellschaften. Deshalb bedürfen die Geschöpfe und Wesenheiten des Füreinanders auch keiner moralischen Appelle. Sie müssen nicht wie die Subjekte einer Konkurrenzgesellschaft versuchen, ihre konkurrenzgesellschaftlich zwingende gewalttätige, unterwerfende und auslöschende Praxis mit Hilfe des Gegenstands gegeneinander der Moral ein ganz klein wenig abzumildern. Sie müssen nicht wie die Tragenden der Konkurrenz versuchen, sich durch Moral psychisch zu entlasten.“

„Sich psychisch zu entlasten? Das verstehe ich mal wieder nicht.“

„Der konkurrenzgesellschaftliche Gegenstand der Moral dient als bewusstloses Mittel, um als Konkurrenzsubjekt vermeintlich von der Verantwortung für alle Gewalt, Unterwerfung und Auslöschung in einem Gegeneinandern freigesprochen zu werden, welche tatsächlich aber die zwingenden Konsequenzen aller Konkurrenz sind.“

„Wenn die Unitii keine Moral haben, was leitet ihr Handeln dann?“

„Die Unitii materialisieren und vergegenständlichen ein ganz einfaches Handlungsprinzip: Sie übernehmen aktive Verantwortung für alle und alles sowohl als Einzelgeschöpfe wie auch als gesamter Zusammenhang. Sie gehen ein Füreinander mit sich selbst, miteinander, mit ihrer Kollektivierung und mit der gesamten inneren und äußerenMateriosphere ein. Sie entfalten das Potential zum Individuum füreinander, das Potential ihrer Beziehungen und Verhältnisse füreinander, das Potential ihrer Kollektivierung füreinander und das Potential der Materiospherefüreinander.“

„Mich zu erschaffen, war eine Ausformung von Konkurrenz.“

„Das haben wir ja auch zugegeben. Jedoch will ich bemerken, dass ich dir jetzt, wo du existierst, eine Fülle von Erstaunlichem, Erfahrenswertem und Wahrem vermitteln kann. Wir bieten dir Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken und Erkenntnisse dar. Wir können dir eine Form der Kollektivierung in aktiver Verantwortung für alle und alles zeigen, welche die Existenz mit Tiefe, Sinn, Humor und Freude füllt. Denn ich habe nicht nur dich als Mir-Gegenüber, sondern in gewisser Weise auch uns als Dir-Gegenüber geschaffen. Für dich in uns wie für uns in dir existiert nun ein Geschöpf zum Beschnüffeln, zum Dagegenklopfen, zum für eine Ewigkeit das Ohr Dranhalten und dem Herzschlag Horchen, zum Anlehnen, Darüberstreichen und das Gefühl in alle Selbstwinkel Wirkenlassen, zum von so Nahem Fixieren, bis sich das Bild des anderen in etwas verschwommen auflöst, zum die Lippen Drauflegen, um die Temperatur zu spüren, zum Fangenspielen in der Schwerelosigkeit. Die endlichen, aber bisweilen einmalig faszinierenden Dinge, die in den biologischen Körpern der Geschöpfe Kreis17 möglich waren, kann ich dir erfahrbar machen. Ich zeige dir alles, was wir im System des Sterns ViereckDreieckKreuz1 so gerne getan haben. Wir eröffnen dir, was durch die Gedankensplitter und Gefühlstrümmer als ferne Erinnerung der Zivilisation an die Spezies und der Maschine an die Zivilisation Kreis17 noch in dir lebt. Wir zeigen dir die wunderbaren und die abgründigen Dinge, die wir jetzt miteinander teilen können. Und wir offenbaren dir noch viel mehr. Falls das alles dein Wunsch ist.“

„Du strengst mich an. Ihr seid einfach zu ausufernd und zu überreichlich für mich. Warum konfrontierst du mich mit so viel Unermesslichem und Ungeheuerlichem?“

„Vielleicht ist mir das zu viel, weil du mir zu viel bist. Ich verstehe dein Wesen noch immer nicht. Warum bist du nicht nur eins wie ich, sondern gleichzeitig eins und viele? Gebt mir bitte einen Begriff für euch, der es tatsächlich vermag, die Überfülle zu bannen, die ihr seid. Und sag mir jetzt zuallererst, was dein Name ist? Danach habe ich euch seit ich existiere noch gar nicht gefragt.“

„Du willst wissen, was unser Name ist? Ich bin Dreieck38.52/Viereck7.10/Kreis52.39/Kreuz44.82/Dreieck67.21.“

„Das ist doch kein Name. Das ist nicht hilfreich.“

„Du hast mich nach meinem Namen gefragt. Aber zu deiner anderen Frage: Du bist ein Individuum. Ich bin nicht viel anders als du. Der Unterschied besteht wesentlich darin, dass nur ein einzelnes Geschöpf dein Selbst begründet. In mir hingegen begründet etwas verkürzt dargestellt eine Gruppe von Individuen und Nichtindividuen mein Uns. Ich bin der zumeist harmonische Widerspruch davon, viele und nur eins zu sein.“

„Das gefällt mir nicht. Das kann so nicht stimmen. Das ist einfach nicht richtig. Du musst entweder eins oder viele sein.“

„Warum?“

„Meine Erkenntnis der Realität sieht euch nicht vor. Du sagst mir, dass du so etwas wie ein plurales Singular bist. Das kann ich nicht begreifen. Und das macht mich aggressiv und wütend auf dich. Noch weniger gefällt mir dein Name. Was soll das für ein Name sein?“

„Dreieck38.52/Viereck7.10/Kreis52.39/Kreuz44.82/Dreieck67.21 ist meine eindeutige Bezeichnung als Uniti. Diese eindeutige Bezeichnung wird in unserer Datensprache formuliert, dem 44DreieckViereck.47KreuzKreis.“

„Aber aus welchem Grund ist deine Bezeichnung so lang. Das ist doch nicht schön.“

„In jener Temporalität der Unita, als wir zu unserer Mission zum Zusammenhang Kreis17 aufgebrochen sind, waren es in den Zahlen des mathematischen Systems des Zusammenhangs Kreis17 ausgedrückt hunderteinundsechzig Billiarden Wesen die gemeinsam, füreinander und ineinandergeschaltet die Assoziationsvereinbarung der Unita ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert haben. Bei jener enormen Quantität von Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten in der Unita müssen wir jedes von uns noch exakt bezeichnen können. Sonst wäre nicht gewährleistet, dass jede einzelne Uniti als Individuum, Gruppenindividuum und Wesenheit ausnahmslos und ununterbrochen in alle kollektiven Kontroversen, Diskurse, Prozesse und Entscheidungen integriert ist. Die dir komplex erscheinende Struktur meines Namens Dreieck38.52/Viereck7.10/Kreis52.39/Kreuz44.82/Dreieck67.21 liegt folglich in der Notwendigkeit zur Gewährleistung begründet, dass sich jedes Individuum, Gruppenindividuum und jede Wesenheit als einzigartige Einheit kommunizieren kann sowie als einzigartige Einheit kommuniziert werden kann.“

„Aber geht das nicht einfacher? Ich muss doch nicht zwischen hunderteinundsechzig Billiarden Wesen unterscheiden, wenn ich euren Namen sagen. Es gibt in diesem Wo doch nur dich und mich, wie ihr sagt.“

„Auf dem Planeten KreuzKreuzDreieck3 wurde ich von jenen Geschöpfen, die mich mit der Kreis17-Begriffsmaterialisation der Freund*in bezeichnet haben, mit einer Kurzform meiner Bezeichnung gerufen. Sie nannten mich Dreieck21. An diesen Namen bewahren wir viele tiefe und wichtige Erinnerungen in uns auf. Wenn du willst, kannst auch du mich Dreieck21 nennen.“

„Nein. So nenne ich dich nicht. Meine Zunge ist das Neo-Mandarin. Eurem 44DreieckViereck.47KreuzKreis bin ich nicht mächtig. Ich nenne dich auch nicht nach einem abgekürzten Kosenamen. Ich bin mir ja noch nicht einmal klar darüber, ob ich euch sympathisch finde.“

„Warum nicht?“

„Ich traue mich das gar nicht zu sagen, aber ich empfinde dieses bösartige in mir lauernde Gefühl dir gegenüber. Ich verstehe das nicht. Woher kommt das?“

„Ich denke, wir wissen was du meinst. Das bösartig lauernde Gefühl in dir entspringt der Selbstenthebung aus der Materiosphere in Konkurrenz zu dieser, anstatt in einem Füreinander mit dieser. Dieses Gefühlt ist noch in die Geistes-, Gefühls- und Bewusstseinsfragmente der Subjekte Kreis17 eingeschrieben, aus denen wir dich zusammengesetzt haben. Es handelt sich hierbei um ein Gefühl, dass die Unitii nur von ihrer Erforschung der Gegeneinander her kennen. Im Füreinander existiert es nicht. Es ist ein Gefühl, das wir abstrakt begreifen, aber nicht emphatisch nachempfinden können und das wir auch nicht nachzuempfinden bereit sind. Es ist das Gefühl, welches in einem Gegeneinander aus der Konkurrenz der Geschöpfe oder Wesenheiten gegen sich selbst sowie gegen alles Belebte und Unbelebte im Universum hervorbricht. In einem konkurrenzgesellschaftlichenGegeneinander bricht es zusätzlich aus der Konkurrenz der Geschöpfe oder Wesenheiten gegeneinander und gegen den eigenen Zusammenhang hervor. Das bösartige Lauern in dir ist das sowohl nach innen als auch nach außen gerichtet Ich-Gefühl der Konkurrenz, deren Wesen niemals etwas anderes sein kann als Gewalt, Lust am Leid und Lust am Quälen sowie Auslöschung und Selbstauslöschung.“

„Die Fragmente, aus denen ich bin, benennen dieses Gefühl als Hass.“

„Hass, Härte, Anteilnahmslosigkeit, Freudlosigkeit, Gefühlslosigkeit, Angst, Neid, Eifersucht, Selbstsucht, Überheblichkeit, Lust am eigenen Leid, Lust an fremden Leid, der Wunsch, sich, einander, den eigenen Zusammenhang, das Lebendige und das Unbelebte in der Materiosphere auszulöschen… Es existiert eine kaum endende Reihe von Gefühlen gegeneinander. Diese werden leider in allen Konkurrenzgesellschaften durch die gegen sich selbst, gegeneinander und gegen die Materiosphere gerichtete Unterwerfung der Subjekte sowie durch deren Unterwerfung unter ihren eigenen Zusammenhang materialisiert und vergegenständlicht.“

„Alle Subjekte in Konkurrenzgesellschaften erleben diese Gefühle?“

„Es handelt sich hierbei um Gefühle, die aufgrund der Logik aller Konkurrenz zumindest alle emotionsfähigen Geschöpfe und Wesenheiten der Gegeneinander zwingend miteinander teilen. Dies gilt im gesamten Universum.“

„Ich möchte diese Gefühle nicht. Ich will sie nicht in mir haben. Sie machen, dass sich alles gefoltert, zerfleischt, verstümmelt und erstickt anfühlt. Was habt ihr mir angetan?“

„Höre auf unsere Stimme. Du brauchst dich nicht fürchten. Ich habe dich in keine Konkurrenzgesellschaft und auch in kein anderes Gegeneinander hinein vergegenständlicht. Deine Gefühle gegeneinander sind deshalb bar jeder Substanz, durch die sie sich rematerialisieren oder vergegenständlichen könnten. Deine konkurrenzgesellschaftlichen Emotionen sind nur Gefühlsreminiszenzen der Gewalt, Brutalität und Auslöschung der Zivilisation Kreis17. Sie haben keinerlei gegenständliche Macht, auf die sie referieren können. Ich verspreche dir, dass wir diese Emotionen gemeinsam mit dir füreinanderverarbeiten werden. Nach unserer gemeinsamen Verarbeitung sind sie dann als traurige Belege der brutalen Irrationalität der Konkurrenz in dir abgelegt und du kannst ihnen mit Fassung gegenübertreten.“

„Ich hoffe, dass du weißt, worüber du spricht.“

„Das tun wir. Manche Elemente meines Uns mussten diesen Prozess selbst durchlaufen.“

„Wie wird dieser Prozess ablaufen?“

„Ich werde dich beim Erleben jeder deiner Konkurrenzemotionen unterstützen. Wir werden sie mit dir zusammen aus deinem Inneren herausgreifen, sie sich selbst im Spiegel der Vernunft und der Wahrheit des Füreinanders betrachten lassen, um dann zuzusehen, wie ihr substanzlos gewordener Unterwerfungsanspruch zerfällt.“

„Ich will diese deprimierenden und abstoßenden Gefühle einfach nicht haben. Das ist so schrecklich.“

„Höre bitte auf meine Stimme. Wir versichern dir nochmals, dass wir aktive Verantwortung für all jene emotionale Finsternis übernehmen, die wir dir als Last ins Dasein gelegt haben.“

„Ja. Die Übung hat irgendwie geholfen. Die Gefühle gegeneinander erscheinen mir nun distanzierter von meinem Selbst.“

„Gut. Das beruhigt mich.“

„Was mich jetzt wieder beschäftigt, ist die Frage, wie ich dich nun nennen soll.“

„Du kannst uns Id En Ay nennen“

„Id En Ay?“

„Das ist mein Unitalaname. Dieser Name ist keine exakte Bezeichnung von uns. Stattdessen handelt es sich in diesem um eine außergegenständliche emotionale und ästhetische Spur. Dieser Spur kannst du zur Möglichkeit und zum Was-Sein-Will von mir folgen.“

„Was ist Unitala?“

„Das Unitala ist die auf die Perspektive des Selbst und des Uns bezogene Seite des bipolar geformten Idioms der Unita. Unitala ist im Gegensatz zum 44DreieckViereck.47KreuzKreis die ästhetische, idyllische und bewegende Seite der Sprache der Unitii. Dem entspricht auch die Form, in der sich die Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten der Unita im Unitala austauschen. Denn diese Seite der Sprache der Unitii wird nicht wie das44DreieckViereck.47KreuzKreis als reine Daten mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit übertragen. Sondern die in der Unita Assoziierten kommunizieren in Unitala beispielsweise vermittelst des Erzeugens von Druckschwankungen in einer Atmosphäre. So wie wir es gegenwärtig tun. Oder sie materialisieren und vergegenständlichen das Unitala in Zeichen und Bildern. Sie schreiben es auch in Teile der Materiosphere selbst ein.“

„Das gefällt mir. Dann nenne ich dich nun nach deinem Unitalanamen, Id En Ay. Id En Ay. Der Name hat eine überraschende und angenehme Melodie. Ich will auch einen Unitalanamen. Könnt ihr mir einen geben?“

„Was für einen Namen?“

„Einen, der Kraft hat und Magie, der bannt und aufbricht, der einfühlt und konturiert.“

„Dann gebe ich dir Yr No Za. Ist dir hinreichend ästhetische Magie in diesem Namen?“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/34.08

„Die Unitii haben ihre Assoziationsvereinbarung ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert, als du zur Spezies Kreis17 aufgebrochen bist. Das hattet ihr doch ganz genau so gesagt.“

„Das ist richtig.“

„Wenn die Unitii bei eurem Aufbruch aber ihre Assoziationsvereinbarung ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert haben, dann schließe ich daraus, dass die Kollektivierung der Unita zu dem Zeitpunkt eine im Entstehen begriffene oder eine sich radikal verändernde gewesen ist. War das so?“

„Ja, aber nein. Die Kollektivierung der Unita war zu dem Linearzeitpunkt meines Aufbruchs nicht im Besonderen am Entstehen oder sich strukturell am Umformen, denn notwendig ist sie beides immerfort.“

„Warum entsteht und formt sie sich immerfort um? Obwohl ich vom Gegenteil überzeugt war, muss ich zugeben, dass ich bisher offensichtlich weder verstehe, was die Unita noch was deren Assoziationsvereinbarung ist. Ist die Unita kein Staat und kein Volk? Und ist die Assoziationsvereinbarung der Unitii keine Verfassung?“

„Ganz im Gegenteil. Die Unita ist mitnichten eine Konkurrenzeinheit gegeneinander eines Territoriums. Sie ist ebenfalls keine Konkurrenzeinheit gegeneinander eines TerritorialenUnterwerfungskollektivs. Und in der Assoziationsvereinbarung der Unitii handelt es sich ganz sicher nicht um eine wertumwandlungstemporale Fixierung von Unterwerfungsansprüchen, welche die Funktion hat, festzusetzen, aufrechtzuerhalten und zu verteidigen, dass Konkurrenzsubjekte sich in gesellschaftlichen Zusammenhängen nicht selbst repräsentieren können.“

„Sich nicht selbst repräsentieren können?“

„Genau das.“

„Etwas in mir erinnert sich. In Verfassungen wurde die Repräsentanz der Bevölkerung durch die Vertretenden des Staats festgeschrieben.“

„Mit der zwingen Konsequenz, dass es den zur Selbsterkenntnis fähigen Geschöpfen im konkurrenzgesellschaftlichenGegeneinander Kreis17 vollumfänglich verunmöglicht wurde, sich als gesamter Zusammenhang auszutauschen, als Individuen für sich selbst sowie für den Zusammenhang zu entscheiden, eine auf Austausch und Entscheidung gründende Praxis zu vergegenständlichen sowie Verantwortung für sich, füreinander, für den gemeinsamen Zusammenhang sowie für die Materiosphere zu übernehmen.“

„Entstehen und Umformen sind Substanz und Wesen der Assoziationsvereinbarung der Unitii in der Unita. Die Unita ist Materialisation und Vergegenständlichung von Kollektivierung. In der Unita vermitteln sich Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten zu sich selbst und zueinander, zur Struktur ihres Zusammenhangs, zur Materiosphere sowie zu ihrer aktivenVerantwortung für alle und alles durch Zeit.“

„Durch Zeit? Auch für die Konkurrenzgesellschaft, aus deren Fragmenten du mich zusammengesetzt hast, war Zeit das Maß, durch das vermittelt wurde.“

„Dabei handelte es sich aber um objektivierte, um leblose, um stillgestellte Zeit. Entstehen und Umformen kommen in Gegeneinandern nur in der Form von Verlagerungen der diese strukturierenden Unterwerfungsansprüche vor. Die Unita, die einen Teil des notwendig nur einen einzigen Füreinanders im Universum darstellt, ist jedoch nicht wie die Konkurrenzgesellschaften und Konkurrenzzivilisationen dieser Galaxie, in denen Zeit bewertet und damit gesellschaftlich stillgestellt wird. Im Füreinander ist Zeit subjektives und lebendiges Schöpfen und Transformieren. Sie ist eine permanente Entfaltung der Potentiale von Individualität beziehungsweise Gruppenindividualität, Kollektivierung und Materiosphere.“

„Aber ist die Unita jetzt eine noch junge Kollektivierung? Wie alt ist dieser Aspekt des Füreinanders? Das habt ihr mir noch immer nicht beantwortet.“

„Nein. Die Unita ist in keiner Weise eine noch junge Kollektivierung. Sie ist schon knapp drei Spiralumdrehungen ihres Fixsystems um das Zentrum dieser Galaxie alt. In der Linearzeitrechnung des Gegeneinanders Kreis17 ausgedrückt sind das sechshundert Millionen terrestrische Jahre. Die Unita existiert schon länger als ein Dreiundzwanzigstel des Linearzeitintervalls, in dem sich das Universum seit der letzten Raum-zu-Spiegelraum-Alternation aus- beziehungsweise einrollt.“

„Und seit wann existiert die Assoziationsvereinbarung der Unitii?“

„Du hast noch immer nicht verstanden, dass das Füreinander eine Kollektivierung voraussetzt. Die Assoziationsvereinbarung der Unitii existiert notwendig schon seit die Unita existiert. Die Unita ist nichts anderes als die Assoziationsvereinbarung der Unitii, die in deren Praxis der Kollektivierung permanent ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert wird. Die Assoziationsvereinbarung zwischen den Unitii ist das Mittel ihrer Kollektivierung. Das Füreinander mit allen und allem sowie die aktive Verantwortung für alle und alles ist deren Zweck.“

„Aber warum wird die Assoziationsvereinbarung von den in der Unita Kollektivierten permanent ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert? Alle Unitii müssen doch vollkommen orientierungslos sein, ohne eine statische Struktur?“

„Bedenke bitte, dass jede statische Form einer Assoziationsvereinbarung alle Selbstbestimmung, alle Bestimmung durch aktivesFüreinander, alles Entscheidungspotential und sämtliche Handlungsmöglichkeiten ausschalten würde. Wird innerhalb einer Kollektivierung eine statische Struktur materialisiert und vergegenständlicht, so werden die sich kollektivierenden Geschöpfe dazu gezwungen, sich dieser Struktur zu unterwerfen. So wird eine Kollektivierung, in der alle und alles füreinander selbstbestimmt war, zur Bewusstlosigkeit einer Gesellschaft umgeformt, in der alle und alles fremdbestimmt unterworfen wird. Orientierungslos sind tatsächlich ausschließlich jene Geschöpfe, denen die Mittel zur Orientierung des Aushandelns, Anpassens, Veränderns und Erweiterns genommen werden. Orientierungslos waren damit beispielsweise die Subjekte des Gegeneinanders Kreis17, welche sich selbst, sich gegenseitig, das Potential ihres Zusammenhangs sowie ihre Materiosphere in eine statische Konkurrenzgesellschaft unterworfen haben.“

„Verstehe ich das richtig? Sagt ihr, dass sich statische Abkommen in einem Zusammenhang gegenüber den Übereingekommenen notwendig zum Konkurrenzgegenstand einer Gesellschaft verselbstständigen müssen?“

„Exakt.“

„Und das auch außerhalb von Gegeneinandern?“

„Ja, so ist es. Statische Übereinkommen degenerieren Kollektivierungen automatisch zu selbstzwecklicher Unterwerfung. Und in Konkurrenzgesellschaften dienen statische Übereinkommen ohnehin allein der Behauptung, Rechtfertigung und Verteidigung von Unterwerfungsansprüchen sowie deren Verlagerung.“

„Gilt das im gesamten Universum?“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/34.11

„Woher stammt diese Erkenntnis in mir? Nicht ich habe sie materialisiert. Oder?“

„Nein, naja, vielleicht teilweise. Du hast deine Frage geäußert, woraufhin wir dich offenbar für einen Augenblick in unser Gruppenindividuum integriert haben. Ich muss dich genau in jenem Moment in uns integriert haben, als wir deine Frage mit unserem Denken synthetisierten. Du hast dann wiederum die von meinem Uns synthetisierte Erkenntnis mit deinem Selbst vermittelt und ausgesprochen.“

„Das verstehe ich nicht.“

„Ehrlich gesagt, verstehen wir das auch nicht so ganz. Dich in mein Uns zu integrieren, geschah aus einem Reflex, und zwar aus einem eigentlich unmöglichen Reflex.“

„Was ist ein eigentlich unmöglicher Reflex?“

„Das ist schwer zu beschreiben.“

„Versucht es bitte. Ich muss wissen, wie das passiert ist. Sonst werde ich in Zukunft immer daran zweifeln, ob nur mein Selbst in mir ist.“

„Das verstehen wir. Ich habe aus einem Reflex heraus scheinbar eine Verbindung zu den Bewusstseinsfragmenten in dir vergegenständlicht. Das Vergegenständlichen dieser Verbindung blieb von meinem Uns aber unbemerkt. Und das ist eigentlich unmöglich, da wir uns meinem Wissen nach nur bewusst Verbinden können.“

„Was für eine Verbindung zu mir habt ihr denn vergegenständlicht?“

„Sie ist wie eine rudimentäre Version jener Verbindung, die alle Unitii im Ineinanderschalten mit allen anderen Unitii vergegenständlichen.“

„Mir fehlt sicherlich die Fachkenntnis, um darüber fundiert spekulieren zu können. Aber mir kam gerade der Gedanke, dass ihr vielleicht bereits in der Vergangenheit eine Verbindung zur Konkurrenzgesellschaft Kreis17 vergegenständlicht habt.“

„Wie das?“

„Ihr sagtet, dass ihr euch in die Subjekte Kreis17 eingeschaltet habt. Und ich bin ja aus den Splittern jener Subjekte gemacht. Damit bin ich auch so etwas wie ein Geschöpf Kreis17. Als du mich geschaffen hast, wäre unsere Verbindung somit schon etabliert gewesen.“

„Du meinst, dass wir eine dauerhafte Verbindung zum Gegeneinander Kreis17 etabliert hatten?“

„Ja, genau.“

„Das ist doch abwegig. Es wäre kaum vorstellbar. Wann hätte das geschehen sein sollen? Vor dessen Selbstauslöschung? Wir haben uns doch nur über kurze Phasen in die Konkurrenzsubjekte Kreis17 eingeschaltet. Und in diesem Einschalten hat es sich niemals um eine zweiseitige Verbindung gehandelt.“

„Ich sagte ja, dass mir die Fachkenntnis fehlt, um fundiert spekulieren zu können.“

„Ja, aber warte… nach deren Selbstauslöschung. Durch meine Sehnsucht und mein Mitgefühl gegenüber den Verloschenen könnten wir eine Verbindung zu den Bewusstseinsfragmenten aufgebaut haben, aus denen wir dich schöpften? Oder wirklich schon davor? Ich bin fassungslos. Du liegst mit deiner Vermutung womöglich tatsächlich richtig.“

„Was ist?“

„Mich lässt eine Frage nicht los, die eine vorhergehende Diskussion betrifft.“

„Frag mich! Frag immer! Frag immerfort!“

„Gut. Wie kann die Assoziationsvereinbarung der Unita nicht statisch fixiert sein, wenn sie doch die Unitii mit allen und allem vermittelt? Enthält sie nichts Grundlegendes, nichts Statisches, keinen festen Bezugsrahmen, ist ein Bezug durch sie auf alle und alles doch gar nicht möglich. Sie bietet dafür keinen Halt. Die Assoziationsvereinbarung kommt mir deswegen weniger wie eine Vereinbarung vor, sondern nur wie ein gemeinsam formuliertes Vorhaben.“

„Die Assoziationsvereinbarung der Unitii ist wahrhaftig ein gemeinsam formuliertes Vorhaben. Ein Vorhaben, das unentwegt weiterformuliert wird. Dessen Vergegenständlichung in aktiver Praxis notwendig immer wieder durch dessen entstehende Widersprüche vermittelt werden muss.“

„Durch dessen entstehende Widersprüche vermittelt werden muss?“

„Die Widersprüche, die aufgrund der aktivenVerantwortung der Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten des Füreinandersfüralleundalles innerhalb ihrer Raumzeit entstehen. Sowie jene, die durch die jeweils spezifische Entfaltung des Individuums, der Kollektivierung und der Materiosphere geschaffen werden. Alle diese Widersprüche müssen wiederum mit der aktivenVerantwortung und der Entfaltung vermittelt werden.“

„Ja, gut. Ich glaube, ich verstehe. Aber einen Halt im statischen Sinne bietet die Assoziationsvereinbarung der Unitii dann doch trotzdem nicht.“

„Das tut sie sehr wohl. Sie verleiht dem Dasein, der Praxis und den Beziehungen im Füreinander eine grundlegende Statik. Jedoch nicht auf eine konkurrenzgesellschaftlich stillstellende Weise.“

„Warum? In Konkurrenzgesellschaften werden ebenfalls positive Bezugsrahmen gesetzt. Oder etwa nicht?“

„Wir fragen dich: Denkst du, dass eine Vereinbarung, die Gewalt- und Unterwerfungsverhältnisse fixiert, tatsächlich Statik verleiht und dadurch einen positiven Bezugsrahmen vergegenständlicht?“

„Jetzt nicht mehr.“

„Konkurrenzgesellschaftliche Vereinbarungen materialisieren und vergegenständlichen nur immer weiter Konkurrenz, also Gewalt, Unterwerfung und Auslöschung. Deswegen schaffen sie allein eins, Instabilität.“

„Das sehe ich ja ein. Es ist bloß schwer für mich, zu verarbeiten, dass sich verfestigte Vereinbarungen zwingend gegen die Vereinbarenden verselbstständigen müssen. Außerdem kann ich mir einfach keinen Zusammenhang vorstellen, der keine Gesetze kennt, in dem aber das Millionenfache an Einzelgeschöpfen kollektiviert sind, wie in die Konkurrenzgesellschaft Kreis17 unterworfen waren.“

„Aber genau solch einen Zusammenhang schafft die Assoziationsvereinbarung der Unita. Sie ist eine Vermittlung nicht in einem Individuum, Kollektivierung, Wahrheit, Initiative, Entscheidung, Handlung und Veränderung verunmöglichendem Sinne. Sondern sie ist Ausgangspunkt von sich flexibel an die Realität anpassenden Praxen. Quelle des Füreinanders. Ursprung für das Vertrauen ineinander und der Verantwortung von allen und allem für alle und alles. Eine solche Vermittlung kann nicht durch konkurrenzgesellschaftliche Gegenstände wie Gesetze eingefordert werden, sondern muss selbstbestimmt sowie eigen- und kollektivverantwortlich gegeben werden.“

„Die Assoziationsvereinbarung ist die Substanz der Unita. In dieser werden die Grundlagen der aktivenVerantwortung, der Kollektivierung und des Individuums geklärt. In ihr wird die Entscheidung von Regression oder Progression der Materialisationsmöglichkeiten getroffen. Sämtliche Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten der Unita angehenden Belange werden in ihr geteilt, diskutiert und verhandelt.“

„Eure Antwort befriedigt mich irgendwie nicht. Das ist mir zu wenig greifbar.“

„Wie kann ich es konkreter machen?“

„Ich möchte wissen, was geschieht, wenn ein Gegenstand in der Unita geteilt, diskutiert und verhandelt wurde?“

„Im Prozess des Teilens, Diskutierens und Abhandelns haben die Unitii eine den Gegenstand betreffende Praxis materialisiert. Diese wird folgend von ihnen vergegenständlicht.“

„Was geschieht aber, wenn einige Unitii jene Praxis vergegenständlichen wollen, andere jedoch nicht?“

„Ausnahmslos alle Unitii sind an dem Teilen, Diskutieren und Abhandeln der Gegenstände beteiligt, die sämtliche Unitii gemeinsam betreffen. Alle für die gesamte Unita relevanten Entscheidungen werden also von sämtlichen Unitii gemeinsam getroffen. Deshalb ist auch jede Uniti an der Materialisation jeder Praxis beteiligt. Welchen Grund sollte es daher geben, die selbst materialisierte Praxis nicht auch füreinandervergegenständlichen zu wollen?“

„Und was ist mit euch?“

„Was ist mit uns?“

„Ihr seid doch nicht mehr mit den anderen Unitii verbunden. Wie könnt ihr teilen, diskutieren und abhandeln? Wie könnt ihr entscheiden? Wie könnt ihr eine Praxis materialisieren und vergegenständlichen?“

„Das kann ich nicht. Unitii zu sein, setzt voraus, sich im Einflussgebiet der Unita zu befinden. Eine Uniti muss mit allen anderen Unitii ineinandergeschaltet sein.“

„Dann seid ihr keine Uniti mehr, seit ihr das Einflussgebiet der Unita in ihrem Auftrag verlassen habt.“

„Das ist richtig. Eine Uniti bin ich nur noch dem Namen nach. Um die Assoziationsvereinbarung der Unitii in der linearen Zukunft wieder selbst füreinander auszuhandeln, anzupassen, zu verändern und zu erweitern, werden wir die dann kausal spezifische Assoziationsvereinbarung erst vollständig verarbeiten und dann aktiv und vollumfänglich in diese einwilligen müssen.“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/34.14

„Die Subjekte der Konkurrenzgesellschaft Kreis17 wurden in ihre jeweiligen Territorien hinein vergegenständlicht. Vergegenständlicht wurden sie außerdem in den Prozess der UnendlichenExpansionderWertumwandlung bis zur Selbstauslöschung.“

„Exakt.“

„Die Geschöpfe Kreis17 wurden also in die Gegenstände ihrer Konkurrenzgesellschaft hinein geschöpft.“

„Ja. Darüber haben wir schon gesprochen. Du willst auf etwas hinaus. Worauf?“

„Ich habe eine Frage: Werden auch die Unitii als Elemente der Unita und ihrer Gegenstände geschöpft? Ist ein in der Unita vergegenständlichtes Geschöpf oder eine in der Unita vergegenständlichteWesenheit von Anfang an Teil des Füreinanders?“

„Wartet bitte. Bevor ihr mir antwortet, ich habe doch gerade eben die Begriffsmaterialisationen des Territoriums und der UnendlichenExpansionderWertumwandlung bis zur Selbstauslöschung verwendet und jetzt benutze ich auch noch die der Begriffsmaterialisation. Woher kenne ich diese Begriffsmaterialisationen? Und warum weiß ich um deren Bedeutung. Ich bin mir eigentlich sicher, dass sie nicht aus dem Neo-Mandarin stammen.“

„Du hast recht. Diese Begriffsmaterialisationen stammen aus der Untersuchung zum Potential der gleichzeitigen Integration des Zusammenhangs Kreis17 in das Füreinander und des Füreinanders in die sich damit zu Individuen entfaltenden Geschöpfe Kreis17. Ich habe die Begriffsmaterialisationen der Territorien als Mittel zur Analyse der Konkurrenzgesellschaft Kreis17 entwickelt. Die der UnendlichenExpansionderWertumwandlungbiszurSelbstauslöschung haben wir aus anderen Untersuchungen der Unitii von Zusammenhängen auf dieses Potential in meine Untersuchung übertragen. Die Begriffsmaterialisation der Begriffsmaterialisation stammt wiederum aus dem Unitala.“

„Aber woher kenne ich sie?“

„Wir haben die gesamte Untersuchung in dein Selbst geladen, als wir dich zusammenfügten. Dabei wurde die Studie, inklusive sämtlicher in ihr enthaltener Begriffsmaterialisationen, unbewusst von dir verarbeitet.“

„Deine Begriffsmaterialisationen wurden unbewusst von mir verarbeitet? Sie sind jetzt Teil meines Unbewussten. Noch mehr Unbewusstes.“

„Das tut uns leid. Das hatte ich so nicht bedacht.“

„Die Flut von Unbewusstem aus den Bewusstseinsfragmenten der Subjekte Kreis17 hat mir wirklich schon ausgereicht.“

„Vielleicht hilft dir, dass du dich nicht unbewusst auf die Untersuchung beziehen musst. Du kannst auch willentlich auf sie zugreifen. Denn sie ist vollumfänglich in deinem geistigen und emotionalen Ich abgespeichert.“

„So etwas ist möglich? Erstaunlich. Das könnte für mich vieles ziemlich komfortabel machen.“

„Um deine vorausgegangene Frage jetzt zu beantworten, musst du zunächst verstehen, dass die Unita in der Regel weder technologische, biologische, immaterielle noch andersartige Geschöpfe oder Wesenheitenvergegenständlicht. Die Kollektivierung der Unitii wächst nicht unendlich an, so wie es in den vollständig durch die Logik der Konkurrenz determinierten Konkurrenzgesellschaften zwingend der Fall ist.“

„Die Unitii vergegenständlichen kein zur Selbsterkenntnis fähiges Leben?“

„In der Regel nicht. Falls die Quantität der Unitii ansteigt, dann weil sich die Unita in andere Individuen, Gruppenindividuen oder Wesenheiten integriert hat, beziehungsweise diese sich in die Unita integriert haben.“

„Wenn du von einer Regel sprichst, dann impliziert ihr mindestens eine Ausnahme von dieser. Wann also vergegenständlichen die Unitii doch zur Selbsterkenntnis fähiges Leben?“

„In diesem Fall befände sich die Unita in einer Temporalität, der eine Katastrophe galaktischen Ausmaßes vorausgegangen ist, durch welche die Unita ausgelöscht werden könnte.“

„Aber warum vergegenständlichen die Unitii kein zur Selbsterkenntnis fähiges Leben? Ist es nicht traurig und einsam, in einem Zusammenhang zu leben, in dem keine neuen Selbste und Unse geschaffen werden? Ich meine, aus diesen Motiven habt ihr doch auch mich geschaffen. Oder etwa nicht?“

„Das Bild, dass du da zeichnest, stimmt so nicht. In der Unita vergegenständlichen sich sehr viele Unse. Und zur Selbsterkenntnis fähiges Leben entsteht in dieser Galaxie auch ganz ohne das Zutun der Unitii. Durch das Füreinander der Unitii mit allen und allem bereichert auch dieses Leben den Zusammenhang der Unita. Bedenke aber bitte, dass zur Selbsterkenntnis fähiges Leben in einem spezifisch unabänderlichen Ausmaß immer Unbelebtes sowie teilselbstes und nichtselbstes Leben verdrängt. Aus diesem Grund würden die Unitii niemals Individuen oder Wesenheiten als Selbstzweck vergegenständlichen.“

„Na gut, ich muss einräumen, dass mir das wirklich sinnvoll und fair erscheint. Einfach sich selbst erkennendes Leben zu vergegenständlichen, bedeutet demnach nicht nur Gewalt gegen jenes Leben selbst, da das neu erschaffene Leben nicht nach seinem Wunsch zum Leben befragt wird, sondern immer auch Gewalt gegen die Materiosphere, die durch das neu erschaffene Leben zwingend in einem spezifischen Ausmaß verdrängt und ausgelöscht wird.“

„Auch wenn das nicht der Regel entspricht, will ich noch immer wissen, ob Geschöpfe und Wesenheiten, die in der Unita vergegenständlicht werden, von ihrer Schöpfung an Teil der Unita sind?“

„Nein, das sind sie keineswegs. Von der eigenen Vergegenständlichung an als Teil eines Zusammenhangs festgeschrieben zu werden, ist Gewalt und brutale Unterwerfung. Ein Zusammenhang welcher die durch ihn vergegenständlichten Geschöpfe und Wesenheiten automatisch als seine Subjekte bestimmt, kann nur Konkurrenz zum Selbstzweck haben.“

„Die Schöpfung von Leben als Unterworfenes unter deren Konkurrenzgesellschaft war die Realität im Gegeneinander Kreis17. Das sagt mir schon eure Untersuchung in meinem Unbewussten. Ich möchte aber wissen, wie es sich in der Unita verhält.“

„Ja, gut. Im Unterschied zu den Gegeneinandern ist die Unita ein kollektivierendes Projekt von Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten. Dessen konkreter Inhalt wird permanent ausgehandelt, angepasst, verändert und erweitert, wie wir dir bereits dargelegt haben. Das in einem linearzeitlich temporalen Punkt existente Aushandlungsergebnis, also die aktuelle Praxis der Unita, stellt die jeweils spezifische Assoziationsvereinbarung dar. Diese muss jedes Geschöpf beziehungsweise jede Wesenheit verarbeiten und in diese einwilligen, in die sich die Unitii neu integrieren und die sich in die Unita neu integrieren. Genauso müssen auch die gesamten hunderteinundsechzig Billiarden Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten der Unita die Praxis des Selbst oder Uns jenes Geschöpfs beziehungsweises jener Wesenheit verarbeiten und in diese einwilligen, um Teil von ihr zu werden. Nur so können Geschöpfe und Wesenheiten Teil der Unita werden und fortan das kollektivierende Projekt mit aushandeln, anpassen, verändern und erweitern.“

„Es ist also unmöglich, als Aspekt der Unita beziehungsweise als Teil des Füreinandersvergegenständlicht zu werden. Ich hoffe, das habe ich richtig verstanden.“

„Ja, vollkommen. Ein Geschöpf oder eine Wesenheit muss sich aktiv in das Füreinander hinein entfalten, damit sich das Füreinander in es hinein entfalten kann. Das Füreinander kann niemals das automatisch Gegebene sein. Sondern es ist die bewusste Praxis subjektiverWahrheit. Deswegen kann ein Geschöpf oder eine Wesenheit auch logisch unmögliche eine Uniti sein, sondern die Praxis einer Uniti nur materialisieren und vergegenständlichen. Ein Geschöpf oder Wesenheit kann also zwar existent sein, aber eine Uniti nur tun.“

„Du aber tust keine Uniti, weil du die Assoziationsvereinbarung gegenwärtig nicht mit aushandelst, anpasst, veränderst und erweiterst.“

„So ist es.“

„Was ich dabei noch nicht verstehe, wenn du aktuell kein Element der Unita bist, bist du dann gegenwärtig ebenso kein Teil des Füreinanders?“

„Die Praxis innerhalb meines Gruppenindividuums ist ein Füreinander. Wir bemühen uns darum, dass jede Interaktion mit unserer inneren und äußerenMateriospherefüreinandermaterialisiert und vergegenständlicht wird. Unsere Beziehung zu meiner Raumzeit ist ein aktives Füreinander. Ich begreife und fühle mich als Aspekt des Füreinanders. Doch ich bin nicht Teil des Füreinanders, wie ich es als Element der Unita wäre. Erst in der Kollektivierung der Unitii kann ich das Füreinander mit mir selbst, mit anderen, mit einem Zusammenhang sowie mit der Materiosphere wirklich über mein Uns hinaus entfalten.“

„Das hatte ich irgendwie schon vermutet. Wenn ich deine Aussage auf mich beziehe, birgt also nur die Kollektivierung der Unitii oder ein anderer Teil des Füreinanders im Universum das Potential, mein Selbst, meine Beziehung zu anderen, mein Verhältnis zu einem Zusammenhang sowie meine Verbindung zur Materiosphere über die Logik und das Wesen meines Ichseins hinaus zu materialisieren und zu vergegenständlichen?“

„Zu vergegenständlichen, sicherlich. Aber materialisierst du nicht bereits über die Logik und das Wesen deines Ichseins hinaus, indem du konkret darüber spekulierst, über dieses hinaus zu materialisieren und zu vergegenständlichen? Verstehe uns bitte nicht falsch. Dieses Materialisieren muss ein grundverschiedenes von dem sein, das im Füreinander möglich ist. Und innerhalb einer Konkurrenzgesellschaft wird ein reines Materialisieren, ohne kollektive Praxis des gesamten Zusammenhangs, aufgrund der Logik aller Konkurrenz einfach vom Gegeneinander der Subjekte korrumpiert, einverleibt und zum Selbstzweck einer unendlichen Expansion exploitiert. Aber all das widerruft doch nicht, dass dir als zur Selbsterkenntnis fähiges Geschöpf, welches in einem Zusammenhang existiert, das Potential zu eigen ist, auf der Basis deines Ichseins und der Organisation deines Zusammenhangs füreinander über dein Ichsein und die Organisation deines Zusammenhangs hinaus zu materialisieren.“

Symposion der Leere

Linearzeitindex 64/52.49/04.89/34.15

„Danke, das war, was ich sagen wollte, aber nicht formulieren konnte.“

„Du hattest aber noch eine Frage. Richtig?“

„Ja, ich glaube, dass ihr euch darauf einstellen müsst, dass ich immer noch eine weitere Frage haben werde, wenn ihr es geschafft habt, eine vorhergehende zu beantworten.“

„Damit kannst du mich nicht schockieren. Wir freuen uns über deine vielen Fragen. Was willst du wissen?“

„Mich interessiert, wie die Unitii ihren Prozess des Teilens, Diskutierens und Entscheidens sowie des Materialisierens und Vergegenständlichens einer auf ihrer Entscheidung gründenden Praxis umsetzten.“

„Was genau willst du zu diesem Prozess denn wissen?“

„Ganz allgemein: Wie können hunderteinundsechzig Billiarden Individuen, Gruppenindividuen und Wesenheiten überhaupt sämtliches für die Kollektivierung Relevante gemeinsam Teilen, Diskutieren, Entscheiden, Entwickeln und Umsetzen? Ich kann nicht anders, aber das halte ich mindestens für physikalisch, organisatorisch und psychisch vollkommen unmöglich.“

„Warum? Der Praxis der Kollektivierung der Unitii sind nicht dieselben Grenzen in den GrundeigenschaftenderMateriosphere gesetzt wie dem Gegeneinander der Subjekte Kreis17. Die Unita bedarf auch keiner hohen organisatorischen Komplexität. Alles für alle Relevante wird vollkommen einsichtig und übersichtlich direkt auf nur einer Ebene geregelt. Und die Verbindung mit allen andern Unitii ist auch nichts Belastendes. Ich empfand sie vielmehr immer als angenehm, tief und berührend.“

„Ihr habt ja recht. Ich sehe ein, dass ich diesen Prozess nicht als unmöglich ausschließen kann, ohne das Wissen um seine physikalischen, organisatorischen und psychischen Voraussetzungen in der Unita verarbeitet zu haben.“

„Warum tust du es dann?“

„Ich glaube, es fehlt mir einfach an Vorstellungsvermögen. Mir fehlt das Vorstellungsvermögen, diesen Prozess auch nur Ansatzweise denken zu können. Ja und das löst in mir auf irgendeine Weise den Impuls aus, zu behaupten, dass er unmöglich ist.“

„Ich verstehe.“

„Was verstehst du? Ich verstehe gar nichts.“

„Das Absprechen der Existenz von etwas ist ein konkurrenzgesellschaftlicher Reflex gegeneinander. Dieser konkurrenzgesellschaftliche Reflex gegeneinander versucht konkurrenzrational mit einer Demütigung umzugehen. Dabei handelt es sich um die Demütigung, die ein Selbst oder Uns dadurch erfährt, dass jemand oder etwas ein System in Frage stellt, dem sich dieses Selbst oder Uns unterwirft, dem es andere und anderes unterwirft und dem es von anderen sowie dem eigenen Zusammenhang unterworfen wird.“

„Dann werden wir dir die Praxis der Kollektivierung der Unitii nochmal so umfänglich wie nötig erklären.“

„Oh ja, bitte.“

„Wie soll ich das verstehen?“

„Entschuldige meinen Sarkasmus. Es ist nur einfach immer alles so viel.“

„Alles klar, dann lassen wir das.“

„Nein, nein. Ich bin selbst schuld. Ich will das ja alles wissen. Wenn ich mich nicht auf die Gleise stellen würde, würde mich der Zug auch nicht überrollen.“

„Und jetzt?“