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Was geht ab, Fantasy-Freund und willkommen zurück in der Welt der 13 Juwelen! Du fragst dich, worauf du dich diesmal einlässt? Nun, diese Geschichte wurde aus uralten Zutaten gebraut, mit der Macht eines Zauberbuchs, das besser verschlossen geblieben wäre: - Ein Hauch aus den Schatten des Zweiten Weltkriegs, - durchzogen von Götterblut aus der indischen Mythologie, - veredelt mit einem goldenen Tropfen ägyptischer Legenden, - gegart im brodelnden Feuer urzeitlicher Naturkatastrophen - und abgeschmeckt mit einem Schuss reiner Magie. Dies ist keine gewöhnliche Geschichte. Dies ist eine Beschwörung. Lies nicht einfach, erlebe. Schalte den Fernseher aus. Zünde eine Kerze an. Denn das Auge liest mit... und das Licht schützt dich vielleicht nicht. Aber Vorsicht: Alle Zutaten wurden vor dem Lesen verhext.
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Seitenzahl: 783
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Rechtlicher Hinweis – Fiktion, Erinnerung & Verantwortung
Dieses Buch ist ein Werk der Fiktion.
Es verbindet eine fantastische Erzählung mit Elementen aus Geschichte, Mythologie, Religion, Gegenwart und gesellschaftlicher Realität.
Dabei werden reale Namen, Ereignisse oder Kulturen genannt – teilweise verändert, überhöht oder symbolisch verarbeitet.
Diese Darstellungen erfolgen ausschließlich im Rahmen einer kritischen, literarischen Auseinandersetzung.
Sie dienen der Reflexion, Erinnerung und Mahnung – niemals der Verherrlichung. Dieses Werk ist keine Dokumentation und erhebt keinen Anspruch auf historische Genauigkeit oder Vollständigkeit. Einige reale Personen – darunter historische Täter, religiöse Figuren oder Personen öffentlichen Interesses – werden in diesem Werk namentlich genannt oder in literarischer Form verarbeitet.
Diese Darstellungen erfolgen ausdrücklich unter Wahrung der Kunstfreiheit gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes.
Distanzierung
Der Autor distanziert sich ausdrücklich und unmissverständlich von jeder Form von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Gewaltverherrlichung, Nationalismus, Fanatismus, Tierquälerei, religiösem oder ideologischem Extremismus sowie Hass, Hetze oder Diskriminierung in jeder Form. Auch wenn in diesem Werk Täter literarisch bestraft werden, ist dies niemals ein Aufruf zur Gewalt.
Gewalt wird nicht verharmlost oder gerechtfertigt.
Sie wird künstlerisch dargestellt, um ihre Folgen sichtbar zu machen – nicht als Lösung.
Persönliche Worte des Autors - Ich bin kein Freund von Hass.
Ich glaube an Mitgefühl.
Ich glaube daran, dass Resozialisierung, Vergebung und Menschlichkeit mächtiger sind als jeder Zorn.
Dieses Buch ist meine Einladung: dazu, sich zu erinnern, zu fühlen und die eigene innere Magie wiederzuentdecken – jene Kraft, die im Mitgefühl liegt. Wenn du in dieser Welt keinen Platz für dich findest – erschaffe einen, in dem du und andere wachsen dürfen. Ohne Angst. Ohne Hass. Mit Herz.
Triggerwarnung – Bitte lies achtsam
Dieses Werk enthält Passagen mit folgenden sensiblen Themen:
Krieg und Unterdrückung, Gewalt an Kindern, sexuelle, psychische und physische Gewalt, Tierquälerei, Fanatismus und Extremismus, reale historische Verbrechen (z. B. Nationalsozialismus, Kolonialzeit, religiöse Konflikte, Gegenwart), Diskriminierung und traumatisierende Erfahrungen. Diese Szenen dienen der kritischen, literarischen Aufarbeitung.
Sie sind nicht dazu gedacht, Leid zu verherrlichen oder zu instrumentalisieren. Bitte lies nur, wenn du dich emotional stabil fühlst.
Achte auf deine Grenzen. Du bist nicht allein.
Ziel dieses Buches
Dieses Buch ist kein Schockroman.
Es ist keine Anleitung, kein Urteil – sondern ein Ruf nach Bewusstsein.
Es erzählt von Gewalt, damit wir Mitgefühl lernen.
Es benennt Täter, damit wir Täter nicht vergessen.
Es zeigt Grausamkeit, damit wir die Verantwortung erkennen, es besser zu machen.
Es will Brücken schlagen – zwischen Zeiten, Kulturen und Herzen.
Es glaubt an Erinnerung als Weg zur Heilung.
Worte meines Lehrers - „Ich finde es traurig, dass wir Land an Land leben – und dennoch Waffen und Grenzen brauchen.“ – Gewidmet meinem Lehrer O. Groß
Wenn du betroffen bist – hier findest du Hilfe
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Der Autor steht in keinerlei Verbindung zu diesen Stellen und spricht nicht im Namen der Einrichtungen.
Telefonseelsorge (24 Stunden erreichbar)
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Telefon: 08000 116 016
Internet: www.hilfetelefon.de
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Die Sprache dieses Werkes ist bewusst stilisiert.
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Artigator – Jasmin Noetzel
Wenn du wagst zu träumen, beginnt sie zu malen.
Es gibt Orte, an denen Kunst nicht gemacht, sondern geboren wird. Wo Ideen nicht skizziert, sondern beschworen werden. Wo ein Pinselstrich mehr sagt als tausend Worte – weil er genau das trifft, was du selbst kaum greifen kannst.
Jasmin Noetzel ist Artigator. Sie erschafft nicht einfach Bilder. Sie verwandelt Gedanken in Welten, Skizzen in Geschichten, Wünsche in Wirklichkeit. Ob ein Cover, das deine Buchseele atmet, ein ganzes Heft voller Figuren, die leben, oder ein privates Gemälde, das dein Innerstes spiegelt – sie hört nicht einfach zu. Sie fühlt. Und dann bringt sie etwas hervor, das tiefer geht, als du es je erwartet hättest.
Jasmin lässt nichts aus. Kein Wunsch ist zu wild, zu fein, zu groß oder zu leise. Sie verwandelt alles – und übertrifft dabei jedes „Ich hätte nie gedacht, dass…“ Denn sie malt nicht für dich. Sie malt mit dir – und schenkt deiner Vision genau das, was du ihr nie in Worte hättest legen können: Seele.
Wenn du bereit bist, deinen Traum in Händen zu halten, dann tritt näher.
Kontakt:
Website: artigator.de
Was bisher geschah...
Kapitel 1 – Was bisher geschah
Kapitel 2 – Fehlende Mächte
Kapitel 3 – Das verzauberte Schiff
Kapitel 4 – Katzenaugen
Kapitel 5 – Es heißt 13!
Kapitel 6 – Die Stärke die das Licht formte!
Kapitel 7 – Die rückwärts laufende Wahrheit
Kapitel 8 – Das Leid von Ganesha...
Kapitel 9 – Das Geheimnis des Tempels.
Kapitel 10 – Die falschen Affen
Kapitel 11 – Rot und Blau
Kapitel 12 – Exidusphäre
Kapitel 13 – Eine familiäre Rose
Kapitel 14 – Gympie Gympie...
Kapitel 15 – Schlechte Nachrichten
Kapitel 16 – Die Wissenden
Kapitel 17 – Das Unausweisliche
Kapitel 18 – Das Trimurti erhebt sich – Teil 1
Kapitel 18 – Das Trimurti erhebt sich – Teil 2
Kapitel 18 – Das Trimurti erhebt sich – Teil 3
Kapitel 19 – Das ging aber schnell?
Kapitel 20 – Die Göttin des Todes
Kapitel 21 – Ihr Name ist Lyssaia
Kapitel 22 – Die Macht der Toten
Kapitel 23 – Wer spricht da schon wieder?
Hey, na du, wie geht es dir?
Schön, dass du unsere Juwelen weiter begleiten möchtest!
Vor einiger Zeit begaben sich unsere Juwelen auf eine Reise, die sie an die Grenzen ihrer Kräfte führte und fast um die ganze Welt trieb. Es war kein gewöhnliches Abenteuer, sondern eine epische Odyssee voller uralter Mysterien, unermesslicher Gefahren und legendärer Begegnungen. Ihr Schicksal führte sie in vergessene Tempel, versunkene Städte und durch Dimensionstore, die in die Vergangenheit selbst zu reichen schienen.
Die Reise begann mit der Erweckung der alten Götter, einer Aufgabe, die nur jene mit unerschütterlichem Mut und außergewöhnlicher Macht bewältigen konnten. Doch dies war nur der Anfang. Die Juwelen standen einem Albtraum gegenüber, der in den Tiefen der Geschichte geschlummert hatte, einer gewaltigen Hydra mit dreizehn Köpfen, einem urzeitlichen Ungeheuer, geschaffen von den Göttern selbst, um die Welt vor Wesen zu schützen, die genauso mächtig waren wie die Juwelen.
Doch die Hydra war nicht an ihrem ursprünglichen Ort versiegelt. Sie war in der steinernen Hülle der rätselhaften Sphinx verborgen, deren uralte Augen alles gesehen hatten, was die Zeit verschlang. Die Schlacht war erbarmungslos, ein Tanz aus Feuer, Stahl und Magie, bei dem jeder abgetrennte Kopf der Hydra zwei neue Geburten hervorbrachte. Doch mit List, Kraft und der Macht des Lichts errangen die Juwelen den Sieg.
Die Schlacht hinterließ Spuren, und auf ihrem weiteren Weg trafen sie auf eine der rätselhaftesten Kreaturen der Mythologie, die Gorgonen. Schlangenleibige Kriegerinnen, deren Blicke zu Stein erstarren konnten, lauerten im Dunkel und griffen unerbittlich an. Doch in der tiefsten Finsternis liegt oft unerwartete Freundschaft verborgen. Nachdem die Klingen gestoppt und die Feindseligkeiten überwunden waren, erwuchs aus Kampfgeist und gegenseitigem Respekt ein unerwartetes Bündnis zwischen den Juwelen und den Gorgonen.
Die Reise führte sie weiter zu den uralten Gottheiten Ägyptens, wo sie Hekate begegneten, der Göttin der Magie und der Zwischenwelten. Sie fanden Anubis, den Wächter der Toten, und Horus, den Falkengott, deren Kräfte von dunklen Mächten gebunden waren. Ihre Befreiung war der Schlüssel zur Erweckung einer der mächtigsten Wesenheiten der alten Welt: Ra, der Sonnengott. Doch die größte Überraschung lag in der Enthüllung der wahren Identität jener, die einst über Ägypten herrschte. Kleopatra, oder besser gesagt, Kleopat-Ra, die göttliche Herrscherin und inkarnierte Göttin der Sonne. Ihr Licht war es, das die Schatten der Vergangenheit durchbrach und die Wahrheit über das uralte Vermächtnis offenbarte.
Doch die Tiefen des Meeres bargen weitere Geheimnisse. Inmitten des gefürchteten Bermudadreiecks, einem Ort, an dem Raum und Zeit in Chaos zerfielen, begaben sich die Juwelen auf die Suche nach Poseidon. Der Herrscher der Meere, dessen Zorn gewaltige Stürme entfesseln konnte, schlummerte in den Fluten, verborgen vor sterblichen Augen. Auf ihrem Weg mussten sie nicht nur dem Verrat trotzen, sondern auch gegen Kreaturen kämpfen, die seit Jahrtausenden in der Finsternis der Ozeane lauerten.
Auf ihrer langen Reise suchten die Juwelen nicht nur nach den Göttern, sie suchten auch nach sich selbst. Sie stellten sich ihren eigenen Schatten, entdeckten die Geheimnisse ihrer eigenen Existenz und entfalteten ihre Versiegelungskräfte, jene verborgene Macht, die ihre wahre Essenz formte. Doch nicht nur sie allein lenkten die Winde des Schicksals, sie trafen auf die Himmelsrichtungen selbst, uralte Wesen, die die Winde beherrschten und über den Himmel wachten. Ihre Macht war jenseits des Vorstellbaren, und ihre Prüfungen erforderten nicht nur Kraft, sondern auch Weisheit und Mut.
Aber Magie allein genügte nicht, um das Gleichgewicht der Welt zu bewahren. In einem trostlosen Reich namens Elandos, einer Leere, in der Licht und Leben kaum existierten, kämpften sie darum, die letzten Feen zu befreien. Diese zarten, aber mächtigen Wesen waren der Schlüssel, um die wahre Magie in die Welt zurückzubringen. Ohne sie war die Balance bedroht. Doch die Juwelen waren nicht die Einzigen, die sich für das Schicksal der Welt interessierten.
Eine dunkle Macht erhob sich, Marie Laveau, die Voodoo-Königin, eine Herrscherin über Flüche und Geister, deren Macht die Toten selbst beherrschte. Sie war eine der größten Herausforderungen, der sich die Juwelen stellen mussten. In einem Kampf, der den Schleier zwischen Leben und Tod durchbrach, wurden sie von einer unerwarteten Verbündeten unterstützt, Lilith, die erste Frau mit Magie, die Königin aller Hexen. Gemeinsam standen sie gegen die Schatten, und mit vereinten Kräften besiegten sie die dunkle Herrscherin.
Während das Licht einen Sieg errang, wuchs in der Dunkelheit eine tiefere Bedrohung heran. Ein Juwel, das einst zu ihnen gehörte, wurde von einer allumfassenden Rache verzehrt. Maily, die Reinkarnation von Seltra, dem Juwel der Toten und der Seelen, wandte sich von ihren Gefährten ab. Sie sah die Welt als verdorben, als unwürdig, zu existieren. Ihr Plan war ein Albtraum, sie wollte die Titanen befreien, jene uralten, unermesslich mächtigen Wesen, die einst von den Göttern gestürzt worden waren. Sie wollte eine neue Titanomachie entfachen, einen Krieg, der Himmel und Erde in ihren Grundfesten erschüttern würde. Ihr Ziel war die Vernichtung der Menschheit selbst.
So groß ihr Zorn auch war, so stark ihre Entschlossenheit, die Juwelen stellten sich ihr entgegen. In einem letzten, entscheidenden Kampf gelang es ihnen, Maily aufzuhalten. Doch ihr Schicksal wurde nicht von ihnen besiegelt, die Götter selbst nahmen sich ihrer an. Was sie mit ihr taten, blieb ein Geheimnis, doch sie übertrugen ihr eine neue Aufgabe, eine, die weit über das Verständnis der Sterblichen hinausging: Die Untersuchung eines schwarzen Hyperriesen, eines gewaltigen kosmischen Phänomens, das jenseits von Raum und Zeit existierte.
Seitdem sind Monate vergangen. Die Welt scheint sich beruhigt zu haben, doch unter der Oberfläche brodelt eine noch größere Bedrohung.
Diesmal erwarten unsere Juwelen weit gewaltigere Prüfungen, Rätsel, die die Grenzen der Realität sprengen, und Gefahren, die nicht nur die Erde, sondern das gesamte Universum erschüttern könnten.
Und wenn du genau aufpasst, kannst du noch etwas über unser Universum lernen. Denn das Trimurti steht kurz vor seiner Wiederauferstehung… was sie wollen? Rache!
Piep…Piepp…Piepp…
„Mensch, ist es schon wieder so früh?“, murmelte eine schläfrige weibliche Stimme, gedämpft durch das weiche Kissen, in das sie ihr Gesicht gedrückt hatte. Die Dunkelheit der Nacht war noch nicht ganz aus dem Raum gewichen, als die ersten Strahlen der Morgensonne vorsichtig durch den Spalt der Vorhänge lugten und den Raum in ein sanftes, goldenes Licht tauchten.
Die Gestalt im Bett regte sich träge, zog die warme Decke fester um sich, als könnte sie die Zeit damit aufhalten. Es war Irina, deren Gliedmaßen sich noch schwer vom Schlaf anfühlten. Mit einem leisen Stöhnen streckte sie ihren linken Arm unter der Decke hervor und tastete nach dem Wecker, der unaufhörlich vibrierte und piepte, als würde er sich über ihre Müdigkeit lustig machen. Ihre Bewegungen waren unkoordiniert, halbherzig, ein zielloses Hin und Her zwischen Traumwelt und Realität. Dann, mit einem ungeschickten Schlag, erwischte sie endlich das kleine Gerät, allerdings nur, um es von ihrem Nachttisch zu befördern.
Ein dumpfer Aufprall erklang, gefolgt von einem leichten Klappern, als der Wecker auf den Holzboden fiel und dort unermüdlich weiter vibrierte. Der schrille Ton pulsierte durch den Raum, vibrierte wie ein hyperaktives Insekt, das sich weigert, Ruhe zu geben. Genervt drehte sich Irina auf den Rücken, presste das Kissen fest gegen ihr Gesicht und stieß einen langen, gedämpften Schrei aus, der sich in die weiche Watte verlor. Doch auch das half nichts. Der Wecker hatte kein Mitleid.
Mit einem lauten Seufzen rollte sie sich zur Seite, ihre halb geöffneten Augen folgten dem Gerät, das über den Boden ratterte, als hätte es eigene Beine.
„Gott, das sieht ja aus wie eine panische Maus auf der Flucht.“, murmelte sie und streckte sich nach dem kleinen Quälgeist. Als sie ihn endlich zu fassen bekam, riss sie erschrocken die Augen auf. „Verdammt! Schon sieben Uhr. Ich komme zu spät! Schon wieder…“
Adrenalin schoss durch ihren Körper. Plötzlich war jede Spur von Müdigkeit verschwunden. Mit einem Satz sprang sie aus ihrem großen Doppelbett, wobei die Decke wie ein reißender Fluss hinter ihr zu Boden fiel. Ihre nackten Füße trafen auf den kühlen Boden, was ihr einen kurzen Schauer über den Rücken jagte, doch sie konnte sich nicht lange damit aufhalten. Sie musste los – sofort!
Wie ein Wirbelwind stürmte sie ins Badezimmer. Ein hektischer Handgriff zum Lichtschalter ließ das grelle Licht aufflammen, das sich gnadenlos auf ihr zerzaustes Spiegelbild legte. Irina zuckte zusammen. Sie hob eine Hand, strich sich durch ihr Haar und starrte mit Entsetzen auf das Chaos auf ihrem Kopf.
„Fuck, meine Haare sehen aus wie eine Vogelspinne, die Amok läuft…“, murmelte sie und verzog das Gesicht.
Doch für Panik war keine Zeit. Ihre Bewegungen wurden automatisch. Sie griff nach der Bürste, entwirrte mit groben Zügen das Chaos auf ihrem Kopf und huschte unter die Dusche. Das heiße Wasser prasselte auf ihre Haut, dampfte auf, als würde es mit der Luft verschmelzen. In der Eile schäumte sie Shampoo in ihr Haar, wusch es hastig aus und griff nach dem Handtuch, um sich abzutrocknen.
Gerade als sie das weiche, orangefarbene Handtuch um ihren Körper wickelte und sich mit der anderen Hand den Föhn schnappte, klopfte es an der Tür.
„Irina, darf ich reinkommen?“, erklang die sanfte Stimme ihrer Mutter durch das Holz.
„Na klar!“
Die Tür schwang auf, und ein warmer Dampf quoll aus dem Badezimmer heraus, als würde er sich schützend um den Raum legen. Irinas Mutter trat ein, blinzelte gegen die Feuchtigkeit an und schüttelte nur verständnislos den Kopf, als sie den Zustand des Badezimmers betrachtete. Der Dampf war so dicht, dass er fast eine Nebelwand bildete.
Sie bückte sich, hob ein benutztes Handtuch vom Boden auf und seufzte. „Wozu brauchst du zwei Handtücher? Und mach doch wenigstens mal ein Fenster auf zum Lüften! Ich versteh es nicht. Du bist doch das Wasser-Juwel. Da muss das Duschen und Abtrocknen doch besser funktionieren.“
Irina rollte mit den Augen und seufzte übertrieben. „Mama, wie oft habe ich dir das schon gesagt? Ich bin zwar das Juwel des Wassers, aber ich möchte meine Menschlichkeit nicht verlieren.“ Ihr Blick wanderte an die Decke, wo sich der Dampf besonders stark sammelte. Ihre Augen verengten sich amüsiert.
„Ach, und außerdem – der Dampf hier drinnen ist nur so extrem dicht, weil einige Versiegelungskräfte keine Privatsphäre kennen. Stimmts, Wysalion?“
Ein sanftes Kreisen über ihr ließ sie grinsen. Wysalion, eine schwebende, geisterhafte Präsenz, formte sich aus dem Dampf, seine leuchtenden Konturen schimmerten in der Luft.
„Stimmt, Irina! Ich werde dich keine Sekunde aus den Augen lassen.“
„War ja klar.“, murmelte sie und blies sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Sie stellte den Föhn ab, verstaute ihn in dem nussbraunen Badezimmerschrank neben dem Waschbecken und hastete hinaus in ihr Zimmer. Die Zeit drängte. Ohne lang nachzudenken, öffnete sie ihren großen, weißen Kleiderschrank, dessen riesiger Spiegel sie für einen Moment reflektierte, als würde er sie daran erinnern, wie wenig Zeit sie noch hatte.
Mit geübter Hast zog sie ein paar Kleidungsstücke heraus und warf sie auf ihr Bett. Sie würden schon passen, jetzt war keine Zeit für Modefragen.
„Warum machst du denn so einen Stress?“, fragte ihre Mutter, die ihr aus dem Badezimmer gefolgt war und sich mit verschränkten Armen in den Türrahmen lehnte.
Irina warf ihr einen kurzen, belustigten Blick zu. „Na, was denkst du denn? Deine Tochter ist wie immer zu spät dran.“ Sie schnaubte und begann sich in Windeseile anzuziehen.
„Manche Dinge werden sich wohl nie ändern“, Irinas Mama lachte und hielt sich eine Hand an die Stirn, während sie ihre Tochter mit einem amüsierten Blick musterte. „Da ist meine Tochter eines der 13 Juwelen der Existenz und somit eines der mächtigsten Wesen des Universums und dennoch schafft sie es nicht, vor sieben Uhr aufzustehen.“
Irina konnte nicht anders, als lauthals loszulachen. Ihre Mutter hatte recht, sie konnte noch so mächtig sein, aber gegen die Trägheit am Morgen war sie machtlos. Sie strich sich grinsend eine noch feuchte Strähne aus dem Gesicht und trat näher an ihre Mutter heran.
„So! Ich mach mich los! Ich hab dich lieb, bis heute Abend.“ Mit diesen Worten drückte sie ihrer Mutter einen sanften Kuss auf die Wange, ein liebevolles Ritual, das sie nie ausließ, egal, wie hektisch ihr Morgen verlief.
Dann wirbelte sie herum, schnappte sich im Gehen noch eine dünne Jacke von der Garderobe und rannte die Treppe hinunter. Ihre hellblaue Jeans saß perfekt, das dunkelblaue Shirt schmiegte sich an ihre Haut, und mit flinken Fingern schlüpfte sie in ihre weißen Sneaker, während sie mit einer geschickten Bewegung die Tür öffnete. Die kühle Morgenluft schlug ihr entgegen, doch das kümmerte sie nicht. Sie war bereits auf dem Sprung.
Gerade als sie die Tür hinter sich zuschlagen wollte, hörte sie die vertraute Stimme ihrer Mutter noch einmal aus dem Inneren des Hauses rufen: „Ich hab dich auch lieb! Pass auf dich auf!“
Ein warmes Gefühl breitete sich in Irina aus, doch sie hatte keine Zeit, es lange zu genießen. Mit schnellen Schritten lief sie die Straße hinunter, ihre Bewegungen geschmeidig und voller Energie, auch wenn sie innerlich über ihre eigene Vergesslichkeit fluchte.
Die Straßen waren noch nicht allzu belebt – einige vereinzelte Passanten, Frühaufsteher, die ihren Tag begannen. Über ihren Köpfen zog eine dünne Wolkendecke dahin, durchbrochen von ersten Sonnenstrahlen, die die Gebäude mit goldenem Licht benetzten.
Ihr Ziel lag in der Innenstadt. Seit einigen Wochen arbeitete sie in einem Hallenbad, eine ironische Fügung des Schicksals für jemanden, der die Essenz des Wassers selbst war. Doch ihre Kräfte waren hier mehr als nur praktisch, sie waren unbezahlbar. Und es war nicht einmal ihre eigene Entscheidung gewesen, dort anzufangen.
Die Erinnerung an jenen Tag ließ sie schmunzeln. Sie war mit ihren Freundinnen Nina und Angelina im Schwimmbad gewesen, einfach nur zum Entspannen. Doch die friedliche Atmosphäre war abrupt gestört worden. Ein kleiner Junge war beim Spielen im Wasser abgetaucht und kam nicht wieder hoch. Sekunden verstrichen, dann Panikrufe. Menschen rannten zum Beckenrand, suchten hektisch mit den Augen nach dem Kind, doch die blauen Wellen verrieten nichts.
Irina hatte nicht eine Sekunde gezögert. Sie war das Wasser und das Wasser war sie. Mit einer einzigen fließenden Bewegung hatte sie die Arme gehoben, und wie aus dem Nichts formte sich eine gigantische Hand aus kristallklarem Wasser. Sie tauchte in das Becken ein, umschloss den leblosen Körper des Kindes und hob ihn sanft empor, während das Wasser in schimmernden Wellen von ihm abtropfte. Doch sein Brustkorb hob und senkte sich nicht, seine Lungen waren voller Wasser.
Irina hatte gewusst, was zu tun war. Ruhig und kontrolliert hatte sie ihre Hände über seinen Brustkorb gehalten, ihre Fingerspitzen leicht über seiner Haut schwebend. Das Wasser in seinen Lungen reagierte augenblicklich, gehorchte ihr wie ein williges Lebewesen. Es floss aus seinem Mund, sammelte sich in einem glitzernden, reinen Strom und kehrte lautlos in das Becken zurück, als hätte es nie existiert.
Ein Atemzug. Dann noch einer. Der Junge öffnete seine Augen, blinzelte verwundert, als wäre nichts geschehen. Und zu Irinas ungläubigem Staunen sprang er, ohne zu zögern, einfach wieder ins Wasser.
Die Zuschauer hatten das Geschehen mit weit aufgerissenen Augen verfolgt, einige hatten nach Luft geschnappt, andere hatten begeistert applaudiert. Doch einer hatte sich besonders für ihre Tat interessiert: der Leiter des Hallenbades.
Er hatte Irina noch am selben Tag angesprochen, mit funkelnden Augen und einer Entschlossenheit, die sie nicht hatte ablehnen können. Eigentlich hatte er ihr gar keine Wahl gelassen – sie musste für ihn arbeiten.
„Jemand mit deiner Gabe gehört ins Wasser“, hatte er gesagt, und obwohl sie anfangs gezögert hatte, wusste sie, dass er recht hatte.
Die Arbeit im Hallenbad kam ihr gelegen. Nach all den Abenteuern mit den anderen Juwelen hatte sie es völlig verpasst, sich um eine Ausbildung zu kümmern. Nun, da sie die Schule abgeschlossen hatte, brauchte sie Zeit zum Nachdenken und dieser Job half ihr dabei. Gleichzeitig konnte sie ihre Mutter finanziell unterstützen, was ihr wichtig war.
Natürlich hatte sich die Nachricht, dass eines der Juwelen nun im Hallenbad arbeitete, wie ein Lauffeuer verbreitet. Menschen aus allen Ecken des Landes, sogar aus anderen Ländern, reisten an, nur um sie in Aktion zu erleben.
Doch das Hallenbad selbst war eher klein. Es bestand aus vier ovalen Becken, einer Wasserrutsche und einem Wellenbecken, das dank Irina mittlerweile nicht einmal mehr Strom verbrauchte. Die Fliesen waren in sanftem Hellblau gehalten, während der Boden in einer eleganten Schieferoptik schimmerte. Trotz seiner bescheidenen Größe war das Bad ein Ort geworden, an dem sich viele Menschen sicher fühlten, besonders, wenn Irina Dienst hatte.
Natürlich gab es immer wieder Scherzbolde. Einige Badegäste versuchten, Irina zu täuschen, indem sie vorspielten, zu ertrinken, in der Hoffnung, von ihr auf spektakuläre Weise gerettet zu werden. Doch das Wasser selbst flüsterte ihr die Wahrheit zu. Es verriet ihr jede Regung, jede Absicht, jeden Herzschlag.
Wer wirklich in Gefahr war und wer nur ein guter Schauspieler – Irina wusste es immer.
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die Großes bewirken. Oder besser gesagt: Nur wer zwischen den Zeilen liest, sieht die Dinge genauer.
Ein paar Straßen weiter, verborgen zwischen den engen Gassen der Innenstadt, lag ein kleines Apartment. Es war gemütlich, voller Wärme und Charme, ein Ort, der zum Träumen einlud. Seit einigen Wochen bewohnte Nina diese Maisonette-Wohnung. Vom Balkon aus konnte sie über die Dächer der Stadt blicken, wo die untergehende Sonne die Gebäude in ein goldenes Licht tauchte und die Straßen im Dunkel der Nacht wie flackernde Adern aufleuchteten. Die Stadt pulsierte und Nina liebte es, mittendrin zu sein.
Doch ihr wahres Reich lag unter ihr, im Erdgeschoss des Gebäudes. Dort hatte sie sich einen Traum erfüllt: Sie hatte einen Blumenladen eröffnet. Es war kein gewöhnlicher Laden, er war eine Oase der Farben und Düfte, ein Ort, an dem Wünsche erfüllt wurden. Blumen in den unterschiedlichsten Formen und Farben zierten die Regale, von klassischen Rosen bis hin zu seltenen, fast magisch anmutenden Blüten, die anderswo kaum zu finden waren.
Ihre Kunden kamen mit den verschiedensten Wünschen zu ihr: Manche wollten einen Strauß für ihre große Liebe, andere suchten nach Trost für einen geliebten Menschen, der nicht mehr unter ihnen war. Und Nina? Sie erfüllte jeden einzelnen Wunsch – mit einem Lächeln, mit Hingabe und mit einer Kraft, die nur wenige kannten.
Die Erinnerung an den Moment, in dem sie erkannte, dass sie ihre Fähigkeiten auf diese Weise nutzen konnte, war noch frisch in ihrem Gedächtnis. Es war an einem grauen Herbsttag gewesen. Sie hatte einen kleinen Blumenladen in Weende betreten, einem ruhigen Ortsteil von Göttingen. Der Laden war alt, bescheiden und roch nach Erde und welken Blättern. Nina hatte gerade durch das Angebot gestöbert, als sie eine ältere Dame bemerkte, die mit einem traurigen Ausdruck auf einen Strauß verwelkter Blumen blickte.
„Für meinen Mann“, hatte die Dame mit leiser, brüchiger Stimme gesagt. „Aber diese hier… sie sehen nicht mehr so schön aus. Und die Farbe, die er mochte, gibt es nicht mehr.“
Die Enttäuschung war ihr ins Gesicht geschrieben, und die Verkäuferin zuckte nur entschuldigend mit den Schultern. Doch Nina konnte das nicht mit ansehen. Mit einem sanften Lächeln trat sie auf die alte Dame zu, legte ihre Hände behutsam um die welken Blumen und traf ihren Blick.
„Lassen Sie mich Ihnen helfen.“, flüsterte sie.
Ein leises Zittern durchlief die Blüten, als ob ein unsichtbarer Windhauch sie berührte. Langsam, fast ehrfürchtig, richteten sie sich auf, ihre Blätter entfalteten sich in neuer Frische, und der matte Rotton begann sich zu verändern. Wellen aus strahlendem weiß zogen sich über die Blütenblätter, bis sich die Rosen in reine, makellose Blumen verwandelt hatten, genau so, wie die alte Dame es sich gewünscht hatte.
Die Augen der Frau begannen zu glänzen, und ein dankbares Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Doch nicht jeder war von dem kleinen Wunder begeistert. Die Verkäuferin, die das Geschehen mit skeptischer Miene verfolgt hatte, war alles andere als erfreut. Mit kalten Worten und funkelnden Augen erteilte sie Nina kurzerhand Hausverbot.
„So etwas tun wir hier nicht.“, hatte sie scharf gesagt, während sie Nina unsanft zur Tür geleitete.
Nina hatte sich nicht gewehrt. Doch als sie die Schwelle übertrat, richtete sie sich auf, ließ einen letzten Blick über die Pflanzen im Laden schweifen und mit einer einzigen Bewegung ihrer Finger ließ sie alle Blumen welken. Ein stummer Abschied, ein lautloser Protest.
Dieser Moment hatte ihr gezeigt, dass sie ihr Talent nicht verschwenden durfte. Sie hatte sich geschworen, einen eigenen Laden zu eröffnen, in dem niemand ihr vorschreiben konnte, was Magie war und was nicht. Und nun, jedes Mal, wenn sie die glücklichen Gesichter ihrer Kunden sah, dachte sie an diesen Tag zurück und wusste, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Doch Nina war nicht die Einzige, die ihren Weg gefunden hatte. Nicht mehr alle Juwelen wohnten in Göttingen.
Lilo und Ciaran hatten sich für einen neuen Lebensabschnitt entschieden und waren nach Bitterfeld gezogen. Dort erschufen sie gemeinsam einen Ort, der mehr war als ein Zuhause für Tiere, es war ein lebendiges Vermächtnis der Hoffnung: Gaias Arche. Ein Refugium für Artenvielfalt, ein Tempel der Stille und Fürsorge, in dem selbst die kleinste Kreatur Bedeutung fand.
Das Gelände war einzigartig. Zwischen sanft geschwungenen Hügelbeeten, blühenden Wildstauden und wärmespeichernden Steinflächen erstreckten sich sonnendurchflutete Volieren, fein strukturierte Terrarienlandschaften und weite Gewächshausflügel. In einem harmonischen Gleichklang von Natur und Architektur wurden hier einheimische Insekten gezüchtet, gepflegt und auf ihre Rückkehr in die freie Wildbahn vorbereitet, darunter seltene Käferarten, bedrohte Schmetterlinge und Wildbienen. Auch heimische Reptilien fanden hier ihren Platz: behutsam aufgezogen, gepflegt und später in geschützten Biotopen ausgewildert.
Tropische Reptilien, die aus Notlagen gerettet wurden, fanden in Gaias Arche ein dauerhaftes Zuhause. Ihre Terrarien waren kleine Paradiese, klimatisch abgestimmt, liebevoll bepflanzt und naturnah gestaltet. Hier sollten sie nicht nur überleben, sondern heilen, ruhen, wieder Vertrauen fassen.
Lilo, die auf einer Koala-Farm bereits tiefe Erfahrungen mit Tieren gesammelt hatte, übernahm die Leitung der Arche. Mit klarem Verstand, einem offenen Herzen und einer unvergleichlichen Hingabe sorgte sie für Struktur, Ordnung und Liebe. Jedes Wesen, ob winzig oder groß, wurde mit Respekt behandelt, nicht als Exponat, sondern als gleichwertiges Leben.
Ciaran, das Juwel des Lebens und der Dunkelheit, hatte eine tiefere Aufgabe. Er war der Herzschlag von Gaias Arche. Seine Verbindung zum Ursprung des Seins machte ihn zu mehr als einem Beschützer, er war ein stiller Hüter der Balance. In seiner Gegenwart schienen selbst verletzte Tiere ruhiger zu atmen. Käfer krabbelten auf seine Hand, als würden sie ihn erkennen. Reptilien blickten ihm in die Augen, als wollten sie ihm ihre Geschichten erzählen.
Er bewegte sich durch die Halle wie ein Schatten aus Licht, seine schwarze Gestalt in ständiger, fließender Bewegung. Der Mantel aus dichtem Nebel war kein Kleidungsstück, sondern Teil seiner Essenz. Seine tiefschwarzen Augen schimmerten wie alte Galaxien, uralt und doch voller Sanftmut. Er war, was er immer war: ein Wesen jenseits der Zeit. Eine lebende Brücke zwischen der Dunkelheit des Unbekannten und der zarten Zerbrechlichkeit des Lebens.
Gaias Arche war kein Zoo. Kein Labor. Kein Zuchtbetrieb. Es war ein lebendiges Gebet an die Natur und ein Ort, an dem jedes Summen, Zischen und Flattern willkommen war.
Fenja und Melanie reisen zusammen durch die Galaxien, um den Kosmos zu entdecken und um mehr über die Kräfte der Sterne zu erfahren.
Die Weiten des Universums waren ihr Zuhause geworden. Von den glühenden Nebeln eines sterbenden Sterns bis zu den schwarzen Abgründen kollabierender Galaxien, nichts entging ihrer Neugier. Ihr Schiff, eine Konstruktion aus Sternenmetall und durchzogenen Lichtbahnen, schwebte mühelos durch das Nichts, angetrieben von kosmischer Energie, die selbst die Lichtgeschwindigkeit übertraf. Sie bewegten sich durch Raumkrümmungen, ließen Sternenstaub durch ihre Finger rieseln und lauschten dem Flüstern des Universums. Jede neue Galaxie war ein Mysterium, jede Sonne eine Quelle unermesslicher Kraft. Sie untersuchten Pulsare, tanzten auf den Ringen des Saturns und folgten dem Atem des Kosmos, um das Wissen der Sterne zu entschlüsseln.
Währenddessen führte das Leben auf der Erde eine ganz andere Richtung.
Angelina, Vany und Sasy hatten sich einer Aufgabe verschrieben, die sie sich nie hätten vorstellen können: Sie arbeiteten als Polizistinnen in einem Revier nahe Grone in Göttingen. Die Entscheidung fiel während eines scheinbar harmlosen Treffens in einem Café, als Vany – immer direkt und voller Tatendrang, eine Idee äußerte, die das Leben der drei für immer veränderte.
„Ey Mädels, mit unseren Kräften wären wir die perfekten Gesetzeshüter. Lasst uns zur Polizei gehen, die nehmen uns doch mit Handkuss!“
Angelina und Sasy hatten sich zunächst nur amüsiert angesehen, ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, doch die Worte Vanys setzten sich in ihren Gedanken fest. Und tatsächlich, es dauerte nicht lange, bis ihre Talente erkannt wurden. Man bot ihnen keine einfache Stelle an, nein, sie wurden das Ass im Ärmel der deutschen Polizei, eingesetzt für die schwierigsten und gefährlichsten Fälle, bei denen gewöhnliche Mittel nicht mehr ausreichten.
Der bisher größte Einsatz, bei dem die drei Juwelen gefragt waren, war eine eskalierende Demonstration gewesen. Über 50.000 Menschen hatten daran teilgenommen, und die Lage war schnell außer Kontrolle geraten. Die Straßen waren ein Schlachtfeld aus Protestierenden, aufgebrachten Massen und verzweifelten Einsatzkräften. Tränengas lag in der Luft, Wasserwerfer versagten, Menschen schrien, rannten, stürzten.
Dann, durch den Nebel aus Tränengas und Sprühregen der Wasserwerfer, traten drei Gestalten ins Licht, ihre Silhouetten strahlten Autorität aus, unerschütterlich inmitten des Chaos.
Sasy, die als Erste den Unmut der Demonstranten spürte, wurde mit faulem Obst beworfen. Es prallte an ihr ab, doch das war nicht das Problem, es war die Respektlosigkeit, die sie erzürnte. Ihr Zorn hallte tief in der Erde wider. Die Straßen bebten, der Boden pulsierte, als würde der Planet selbst gegen die Aufrührer protestieren.
Angelina, ihre blauen Augen funkelnd wie Blitze in der Nacht, ließ feine Stromschläge aus ihren Fingerspitzen zischen. Elektrizität durchzog die Luft, kleine Blitze zuckten um sie herum, als warnende Zeichen an diejenigen, die den Kampf suchten.
Doch Vany war es, die die wahre Waffe einsetzte – eine, die niemand sah. Sie schwang sich mit den messerscharfen Flügeln Habuns in die Luft, ihre Präsenz allein ließ die Menge verstummen.
„Geht nach Hause!“, rief sie, ihre Stimme ein Echo in den Köpfen der Menschen. „Wenn ihr nicht geht, werde ich meine Kräfte gegen euch einsetzen.“
Doch was die Menge nicht wusste: Sie tat es bereits. Unsichtbar, ungreifbar, schlich sich Vanys Kraft in die Herzen der Demonstranten. Sie löschte den Hass, erstickte die Wut und füllte die Leere mit Frieden, mit Zufriedenheit. Menschen, die Sekunden zuvor noch mit geballten Fäusten gegen die Staatsmacht gewettert hatten, spürten plötzlich keinen Zorn mehr. Stattdessen senkten sie langsam die Arme, sahen sich verwirrt um und gingen. Einer nach dem anderen.
Nach und nach löste sich die Menge auf, das Chaos verschwand. Kein Tränengas, keine Gewalt, keine Eskalation, nur ein sanfter, unsichtbarer Hauch von Glück, der den Hass hinwegfegte.
Die Juwelen wurden auch außerhalb Deutschlands oft gerufen, sie griffen in Bürgerkriege ein, schlichteten Konflikte zwischen Staatsoberhäuptern, verhinderten, dass ganze Länder im Chaos versanken. Sie waren die letzte Instanz, wenn es keine andere Lösung mehr gab.
Doch nicht alle Juwelen strebten nach Aufmerksamkeit.
René zog es vor, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Stattdessen wurde er der persönliche Songwriter für den Weltstar B!nk, eine Sängerin, die überall auf der Welt gefeiert wurde. Mit seinem Talent für Melodien und Worte erschuf er einen Hit nach dem anderen, ohne, dass jemand wusste, dass hinter den gefühlvollen Liedern eine Macht steckte, die größer war als die menschliche Vorstellungskraft. Gemeinsam mit Muzija reiste er mit der Sängerin um die Welt, von Stadt zu Stadt, von Kontinent zu Kontinent. Doch während B!nk auf den größten Bühnen stand, blieb René immer im Hintergrund, ein Schatten, ein unsichtbarer Komponist, dessen Musik die Menschen berührte, ohne dass sie wussten, wem sie es zu verdanken hatten.
Andere hingegen suchten nach Wegen, ihre Kräfte kreativ einzusetzen.
Celia, das Juwel des Eises und des Windes, hatte sich mit Julia zusammengetan, um ein einzigartiges Eismuseum zu erschaffen. Es war ein Kunstwerk aus frostigen Skulpturen und reflektierendem Licht, eine sich ständig wandelnde Welt aus schimmerndem Eis, in der Besucher in eine andere Realität eintauchten.
Doch das wahre Highlight lag am Ende des Rundgangs: ein gigantisches Spiegelkabinett, das sich unaufhörlich veränderte. Stündlich änderten sich die Wege, Spiegel erschienen und verschwanden, verzerrten die Realität, spielten mit Raum und Wahrnehmung. Und für diejenigen, die den richtigen Weg fanden, gab es einen ganz besonderen Trick – einige Spiegel konnten betreten werden. Wer hindurchging, wurde magisch zurück zum Eingang des Museums geführt, als wäre die Zeit rückwärts gelaufen.
Ein Spiel mit Licht und Illusion, ein wahres Wunderwerk.
Und dann war da noch Maily.
Tja, Maily saß nach wie vor auf dem Olymp. Bewacht von Hades und Poseidon höchstpersönlich, gefangen zwischen den Säulen des Himmels und den Abgründen der Unterwelt. Ihre Kräfte waren zu gefährlich, ihr Wille zu unbändig. Immer noch hegte sie dieselben Gedanken, dieselben Pläne, dieselbe unerschütterliche Überzeugung, dass sie das Recht hatte, die Welt nach ihrem Willen zu formen.
Immer wieder versuchte sie, die Götter zu überreden, ihre süßen Worte, ihre trügerischen Versprechen hallten durch die Hallen des Olymps. Doch die alten Götter kannten sie zu gut. Sie wussten, dass ihre Freiheit nichts als Zerstörung bringen würde.
Und so blieb sie dort, eine gefangene Göttin, ein Juwel der Seelen und der Toten, ein Schatten, der darauf wartete, entfesselt zu werden. Doch, zum Glück, ohne Erfolg. Denn die Götter wussten genau, welches Unheil Maily über die Welt bringen wollte.
Einmal wöchentlich treffen sich alle Juwelen bei Ciarans Elternhaus. Da, wo für eigentlich alle alles begann.
Das alte Haus, in dem so viele Erinnerungen lagen, war für die Juwelen mehr als nur ein Treffpunkt, es war ein Symbol ihrer gemeinsamen Geschichte. Die Wände erzählten Geschichten von Kämpfen, Siegen, Verlusten und Freundschaften, die ein ganzes Universum überdauerten. Jedes Mal, wenn sie hier zusammenkamen, fühlte es sich an, als würde die Zeit stillstehen, als würden all ihre Abenteuer für einen Moment in den Hintergrund rücken.
Ciaran und Lilo waren bereits vor ein paar Tagen angereist. Sie hatten das Haus gemeinsam vorbereitet, geputzt, Möbel gerückt und sogar kleine Dekorationen aufgestellt. Doch die wichtigste Aufgabe war das Essen.
Während Ciaran konzentriert in der Küche stand und die letzten Gewürze in einen dampfenden Topf rührte, schnitt Lilo mit geübten Bewegungen frisches Gemüse, während im Hintergrund das leise Summen des Thermomixes erklang.
Nach und nach trafen die Juwelen ein. Die Haustürklingel ertönte immer wieder, begleitet von Stimmen, Lachen und Umarmungen. Als auch Irina nach ihrem langen Arbeitstag im Hallenbad schließlich vor der Tür stand, atmete sie erleichtert auf. Der köstliche Duft von gebratenem Lachs, warmem Brot und frischen Kräutern zog sich durch das ganze Haus und ließ jedem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Nur zwei fehlten noch, Fenja und Melanie.
Die Minuten verstrichen, und langsam machte sich Ungeduld breit. Die Mägen der Juwelen fingen an zu knurren, ein leises Protestieren, das niemand überhören konnte.
„Also wenn die Beiden noch länger brauchen...“ Irina stemmte die Hände in die Hüften und schielte auf den reich gedeckten Tisch. „Dann lasst uns doch einfach schon mal anfangen.“
Ein leises Murmeln, dann zustimmendes Nicken. Schließlich setzten sie sich alle um den großen Esstisch, und Ciaran begann, das Essen zu servieren. Doch gerade als sie die ersten Bissen nehmen wollten, geschah es.
Ein spiralförmiger Lichtkreis erschien mitten im Wohnzimmer, direkt neben dem Esstisch. Er wirbelte wie eine tanzende Galaxie, ließ Farben aufblitzen, die jenseits menschlicher Vorstellungskraft lagen. In seinem Inneren sahen die Juwelen ferne Sterne, glühende Sonnen, ganze Planeten, die sich in den Sphären des Universums drehten und mitten darin Fenja und Melanie!
Mit einem lauten Plopp stürzten sie durch das Portal und landeten atemlos auf dem Boden.
„Es tut mir so leid!“ Melanie keuchte und stützte die Hände auf die Knie. „Ich habe das noch nicht so wahnsinnig gut drauf, Dimensionen zu öffnen und diese auch noch gezielt zu lenken. Erst waren wir im 18. Jahrhundert, dann im Jahr 3000... Sagen wir so: Es hat ein paar Anläufe gebraucht.“
René lachte herzlich und lehnte sich neugierig vor. „Wie sieht es in der Zukunft denn aus? Haben wir alles im Griff?“
Melanie richtete sich auf, kratzte sich verlegen am Hinterkopf und schürzte nachdenklich die Lippen.
„Naja... so genau kann ich das nicht sagen. Die Zukunft verändert sich mit jeder Sekunde. Was ich jetzt gesehen habe, kann morgen schon nicht mehr existieren. Das wird wohl oder übel eine Überraschung bleiben.“
Bevor das Gespräch weiter in spekulative Theorien abdriften konnte, räusperte sich Celia ungeduldig und verschränkte die Arme. „Leute, nun setzt euch doch erst einmal und lasst uns endlich essen. Lilo und Ciaran haben sich echt Mühe gegeben.“
Endlich, nach all den Verzögerungen, saßen alle Juwelen am Tisch. Vor ihnen lagen dampfende Teller mit den köstlichsten Speisen, die man sich vorstellen konnte. Ciaran hatte zarten Lachs mit einer herrlichen Zitronenrahmsauce zubereitet, es gab verschiedene frische Salate, knusprige Cheeseburger und duftendes Brot mit hausgemachter Kräuterbutter. Alles war perfekt angerichtet, und allein der Anblick ließ jedem das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Irina nahm sich eine Gabel voll von einem der Salate und kaute langsam. Plötzlich riss sie die Augen weit auf.
„Der ist ja mega gut! Süß und salzig?! Wie habt ihr das denn geschafft?“
Lilo, die sich die Frage schon fast gedacht hatte, grinste stolz. „Mit meinem Thermomix! Einfach Wassermelone, Paprika, Schafskäse, Weintrauben und Lauchzwiebeln mit etwas Öl zusammenmischen und zum Schluss eine Handvoll Walnüsse drüberstreuen.“
Irina nickte anerkennend und schob sich direkt noch eine Gabel in den Mund. „Er ist auf jeden Fall absolut genial! Habt ihr wirklich super gemacht!“
Die anderen Juwelen stimmten ihr zu, während sie sich genüsslich über die Speisen hermachten. Doch gerade als eine wohlige Stille über den Tisch fiel, unterbrochen nur vom Klappern des Bestecks, ließ ein lauter Knall alle zusammenzucken.
Nina hatte die Faust auf den Tisch gehauen, so heftig, dass sogar René und Angelina, die neben ihr saßen, erschrocken zur Seite zuckten.
„Wisst ihr schon das Neueste?!“ Ihre Augen funkelten vor Aufregung. „Die haben ein Buch über uns geschrieben!“
Angelina, die gerade noch genüsslich gekaut hatte, verschluckte sich so heftig, dass sie nach Luft schnappte und wild zu husten begann.
„Wie?!“, brachte sie schließlich keuchend hervor, während sie sich an den Hals griff. „Die haben ein Buch über uns geschrieben?! Hast du es schon gelesen?!“
Nina winkte ab und lehnte sich entspannt in ihrem Stuhl zurück.
„Jetzt hol erstmal Luft, Angelina. Ja, sie haben ein Buch über uns geschrieben, über unsere Abenteuer, über alles, was wir erlebt haben.“ Sie machte eine bedeutungsvolle Pause und schüttelte dann leicht den Kopf. „Seitdem die Menschheit von unserer Rückkehr weiß und wieder anfängt, an die alten Götter und die Magie zu glauben, sind wir wohl zu einer echten Berühmtheit geworden.“
Ein leicht amüsierter Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht, doch gleichzeitig klang eine Spur Ungläubigkeit in ihrer Stimme mit.
„Da frag ich mich wirklich, wer so kaputt in seinem Kopf ist und ein Buch über uns schreibt. Eine Serie wäre viel cooler gewesen. Ich seh mich viel mehr bei den Streaming-Anbietern von heute, als auf irgendwelchen doofen Buchseiten, wer liest denn heutzutage noch?“
Nina lehnte sich grinsend in ihrem Stuhl zurück, während sie genüsslich eine Weintraube in den Mund schob. Die anderen Juwelen starrten sie entweder entgeistert an oder verdrehten genervt die Augen. Angelina war die Erste, die das Schweigen durchbrach.
„Mensch, Nina, was sagst du da? Es ist doch mega cool, wenn jemand ein Buch über uns schreibt! Das bedeutet, dass wir eine Geschichte haben, die es wert ist, erzählt zu werden! Und ganz ehrlich, Bücher sind doch was Zeitloses, da kann eine Serie nicht mithalten. Wer ist denn überhaupt der Autor?“
Nina konnte nicht anders, als ein breites, sarkastisches Grinsen aufzusetzen. Ihre grünen Augen funkelten belustigt, während sie sich die Dramatik des Moments auf der Zunge zergehen ließ. Sie hob die Hände und machte eine ausschweifende Bewegung, als würde sie gleich eine göttliche Offenbarung verkünden.
„Ihr Lieben, dreimal dürft ihr raten! Unsere allerbeste Freundin, die unvergleichliche, unglaublich talentierte, weltbekannte Kerstin Pawlitzer!“
Ein kollektives Raunen ging durch die Gruppe, gefolgt von einem ungläubigen Keuchen. Doch niemand reagierte so heftig wie Fenja. Sie hatte sich gerade ein saftiges Stück Lachs in den Mund gesteckt, doch kaum, dass der Name gefallen war, verschluckte sie sich so heftig, dass sie sich nach vorne beugte und das kostbare Stück Fisch mit einem unrühmlichen Husten wieder ausspuckte.
„Diese Pawlitzer-Schnalle schreibt über uns?!“ Fenjas sonst so majestätische Aura war verschwunden, ihre Miene war eine Mischung aus Empörung und Wut. „Ich hätte sie damals wirklich zu den Sternen schicken sollen!“
Ein wildes Durcheinanderbrausen erhob sich. Alle sprachen gleichzeitig, Stimmen überschlugen sich, Emotionen kochten hoch. Manche waren amüsiert, andere wütend, einige fanden die Vorstellung sogar spannend. Doch mitten im Lärm erhob sich eine ruhige, besonnene Stimme.
Julia. Sie schaute ernst in die Runde, während ihre silbernen Augen nachdenklich funkelten. Sie wartete, bis das Chaos abebbte, und ließ dann ihre Worte bedächtig erklingen.
„Leute!“ Sie verschränkte die Arme und musterte jeden von ihnen der Reihe nach. „Es ist doch wirklich egal, wer über uns schreibt, wer uns verfilmt oder über uns redet. Das Schicksal hat uns zusammengebracht, uns ausgewählt als die Reinkarnation der 13 Juwelen der Existenz, um das Universum zu retten und zu beschützen. Wir stehen noch ganz am Anfang unserer Reise, und ich bin mir sicher, dass es weit wichtigere Dinge gibt, über die wir uns Gedanken machen sollten, als über ein Buch.“
Für einen Moment herrschte Stille. Dann begann Julia zu grinsen, ihre Ernsthaftigkeit wich einem amüsierten Funkeln. „Aber mal so nebenbei… Hast du ein Exemplar dabei?“
Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf Ninas Lippen aus. Sie hatte genau gewusst, dass diese Frage kommen würde.
„Natürlich“, sagte sie mit einem Augenzwinkern und deutete auf ihren Rucksack, der neben ihrem Stuhl lehnte.
Plötzlich begann eine kleine, smaragdgrüne Pflanzenranke aus dem Stoff des Rucksacks zu wachsen. Sie kringelte sich elegant um den Trageriemen, rankte sich über die Tischkante und schlang sich um ein in Leder gebundenes Buch. Mit sanften Bewegungen trug die Pflanze das Buch über den Tisch zu Julia, die es neugierig entgegennahm.
Alle Augen waren nun auf das Buch gerichtet. Es hatte einen kunstvollen Einband, dunkel wie die Nacht, mit einer glänzenden, schwarzen Engel-Silhouette im Zentrum. Um die Figur herum schwebten bunte Juwelen, die im Licht zu schimmern schienen, als würden sie lebendig pulsieren. Es war eine Darstellung, die niemanden kaltließ.
Fenja, die sich mittlerweile wieder gefangen hatte, betrachtete den Einband und runzelte nachdenklich die Stirn.
„Der Engel soll bestimmt Lysinja darstellen… Die, die sich damals in uns zerteilt hat.“ Ihre Stimme war leise, fast ehrfürchtig. Dann blickte sie erwartungsvoll zu Julia. „Los, schlag es auf!“
Doch Julia schmunzelte nur und lehnte sich entspannt zurück. „Ja, ja, beruhig dich einfach oder friss ein Snickers… Diva!“
Ein amüsierter Blickwechsel folgte, doch dann legte Julia ernsthaft ihren Teller zur Seite und öffnete das Buch. Langsam blätterte sie durch die ersten Seiten, ihre Finger glitten über das feine Papier, während sie und Fenja jedes Bild sofort wiedererkannten.
Die Illustrationen waren atemberaubend. Jedes Kapitel war von einem meisterhaften Kunstwerk begleitet, Szenen, die ihre Reisen und Abenteuer zeigten, Kämpfe, Freundschaften, Momente voller Schmerz und Triumphe. Die Details waren so lebendig, dass es fast schien, als könnten die Bilder aus den Seiten herausspringen.
Doch während Fenja und Julia in Erinnerungen schwelgten, runzelte Melanie leicht die Stirn. Ihre goldenen Augen huschten über die Seiten, doch etwas störte sie.
„Ich kam wirklich viel zu spät dazu.“, murmelte sie leise. „Aber blätter mal weiter nach hinten… Vielleicht sieht man mich dort mehr.“
Julia nickte und blätterte weiter, bis sie zu den letzten Seiten des Buches gelangte. Doch da war nichts. Keine Abbildung von Melanie, kein großer Eintrag über ihre Erlebnisse. Nur ihr Name tauchte am Rand auf, kaum mehr als eine Randnotiz.
Melanie seufzte leise. „Ich hoffe, dass wir noch einige Abenteuer zusammen erleben… Damit man irgendwann auch über mich mehr lesen kann.“
Ciaran mischte sich in das Gespräch ein. „Also ihr Lieben, es ist wirklich wundervoll, dass über uns geschrieben wurde, doch wollen wir nicht mal darüber reden, was Neues bei euch gibt? Oder darüber, wer sich auf morgen freut? Wenn wir wieder alle gemeinsam auf der südlichen Lichtung trainieren?“
Die Juwelen verstummten für einen Moment, ihre Gedanken wanderten zu dem bevorstehenden Tag. Die südliche Lichtung – ein Ort, an dem sie schon so oft zusammengekommen waren, um ihre Kräfte zu testen, sich weiterzuentwickeln und an ihrer Verbindung als Einheit zu arbeiten. Für Außenstehende mochte es einfaches Training sein, doch für sie war es weitaus mehr. Es war ein Ritual, ein Band zwischen ihnen, das stärker wurde mit jeder Herausforderung, mit jeder neu entdeckten Fähigkeit, mit jedem Sieg und jeder Niederlage.
Sasy musste grinsen. Ihre braunen Augen funkelten vor Vorfreude, während sie sich entspannt zurücklehnte. „Also, ich freue mich auf morgen! Um ehrlich zu sein, habe ich mich sogar mehr auf das Training als auf das Essen gefreut!“
Lilo lachte und legte eine Hand auf ihre Hüfte. „Mir geht es da nicht anders! Ehrlich gesagt, habe ich mich das ganze Essen über gefragt, ob ich es nicht bereuen werde, morgen so vollgestopft zu trainieren!“
Plötzlich wanderten die Blicke der Juwelen kreuz und quer über den ganzen Tisch. Sie suchten nach Zustimmung, prüften die Mienen der anderen – und dann, ganz plötzlich, brachen sie in gemeinsames Lachen aus. Jeder einzelne von ihnen konnte nicht anders, als zuzugeben, dass sie alle insgeheim dasselbe dachten. Das Training war ihnen so wichtig geworden, dass es fast süchtig machte. Ein Moment, in dem sie sich wahrhaftig fühlen konnten, als das, was sie waren: Juwelen der Existenz.
Nachdem sie ihre Teller geleert hatten und der Abend sich langsam dem Ende neigte, machten sie sich auf den Weg zum Dachboden. Der Raum, der so viele Monate als Zufluchtsort für sie gedient hatte, fühlte sich noch immer an wie ein zweites Zuhause.
Der Anblick war überwältigend. Die Pflanzenbetten, die Nina damals erschaffen hatte, waren noch immer in perfektem Zustand. Sie leuchteten in sanften Grüntönen, ihre Blätter waren weich und einladend, als würden sie jeden willkommen heißen, der sich ausruhen wollte. Der Dachboden duftete nach frischer Erde, nach Blüten und ein wenig nach Magie. In jeder Ecke des Raumes wuchs ein kleines Wunder, ob rankende Efeupfade an den Wänden oder zarte Blüten, die auf die Berührung der Juwelen reagierten.
Jeder nahm seinen gewohnten Platz ein, ließ sich in die weichen Pflanzen sinken, und eine angenehme Stille kehrte ein. Doch diese wurde nach wenigen Minuten von einer neugierigen Stimme durchbrochen.
„Du? Sasy?“ Vanys Stimme war leise, fast ein Flüstern in der Dunkelheit. Sie drehte sich zu Sasy um, die gerade dabei war, es sich gemütlich zu machen. „Wie hast du eigentlich Swilda erweckt?“
Plötzlich setzte sich Sasy wieder auf. Ihre Augen leuchteten auf, und sie schlug sich spielerisch gegen die Stirn.
„Stimmt! Das wollte ich euch ja noch unbedingt erzählen!“ Sie lachte leise, schüttelte den Kopf und blickte zu Vany. „Siehst du, Vany? Das macht das Alter mit uns. Wir werden vergesslicher!“
Die Juwelen schmunzelten, doch schnell legte sich ein ernster Schatten über Sasys Gesicht. Ihre Finger strichen über das weiche Pflanzenbett, während sie begann, sich zu erinnern.
„Als ich damals den Kontakt zu meinen Eltern verlor… wusste ich nicht, wohin mit mir. Ich fühlte mich verloren. Heimatlos. Ohne Ziel und ohne Platz in dieser Welt.“ Ihre Stimme wurde leiser, fast ein Hauch. „Ich war wütend… und traurig. So sehr, dass ich keine andere Lösung mehr sah. Also floh ich dorthin, wo niemand mich erreichen konnte, tief in die Erde. Ich grub mich immer weiter hinab, ließ den Boden mich verschlingen, bis ich beinahe den Erdkern erreicht hatte. Dort… versteinerte ich mich selbst.“
Ein leises Raunen ging durch die Gruppe, doch niemand wagte es, sie zu unterbrechen.
„Ehrlich gesagt… ich wollte mich einfach nur selbst zerstören.“, gestand sie. Ihr Blick war in die Ferne gerichtet, als würde sie noch immer die Dunkelheit der Erde sehen, die sie umgab. „Doch stattdessen… war es, als wäre ich in einem Traum gefangen. Es war seltsam… fremd und doch vertraut. Ich konnte mich bewegen, konnte denken, aber ich war nicht wach. Ich wanderte umher, immer wieder am gleichen Ort. Ich sah mein Elternhaus… ich ging daran vorbei, wieder und wieder… als würde es mich verhöhnen. Als würde ich für immer in dieser Erinnerung gefangen sein.“
Sasy schloss kurz die Augen, atmete tief durch, bevor sie weitersprach. „Dann… hörte ich plötzlich eine Stimme. Tief, warm… fast einladend.
‚Ey du! Komm näher!‘
Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich nicht nur meine eigenen Gedanken hörte. Ich folgte der Stimme – und dann sah ich ihn.“ Ihre Augen funkelten, als sie sich an diesen Moment erinnerte.
„Swilda. Er lag da, mitten im Mondschein, sein goldenes Schuppenkleid funkelte wie pures Sonnenlicht. Er wartete auf mich. Und als ich ihn ansah, wusste ich plötzlich, dass ich am sogenannten Spiritpunkt war. Ein Ort zwischen Traum und Realität, zwischen Materie und Magie, eine Welt, in der alle Versiegelungskräfte miteinander kommunizieren können.“ Sie hielt einen Moment inne, als würde sie die Kraft dieses Ortes noch einmal spüren.
„Swilda wartete dort wohl schon die ganze Zeit auf mich.“, fuhr sie fort. „Er erzählte mir, dass er mit mir verbunden sei. Dass ich nicht allein war. Und dass ich nicht dazu bestimmt war, in diesem steinernen Schlaf zu vergehen.“ Sie schloss kurz die Augen, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
„Sobald ich mich mit ihm verbunden hatte… ging alles ganz schnell. Das Gestein, das meinen Körper umhüllte, wurde porös. Es zerbrach, fiel in tausend kleine Splitter von meiner Haut… und als ich meine Augen öffnete, hielt ich Swilda in meiner Hand.“
Ihre Stimme wurde leiser, sanfter. „Ich erinnere mich noch genau daran… sein Körper fühlte sich warm an, lebendig. Und dann… leckte er mir mit seiner Zunge über das Gesicht.“ Ein leises Lachen entkam ihr.
„Es war… als würde er mir all den Hass, all die Trauer von der Seele lecken. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht mehr allein. Zum ersten Mal wusste ich, dass ich eine Familie hatte, aber nicht die, die ich verloren hatte. Sondern euch. Die Juwelen. Meine wahre Familie.“
Stille.
Keiner sagte ein Wort, doch die Luft war erfüllt von Emotionen. Jeder Einzelne verstand, was Sasy durchgemacht hatte.
Nach einer Weile räusperte sie sich und fügte mit einem schiefen Grinsen hinzu. „Und naja… als ich dann erfuhr, dass ihr in Gefahr wart, gab es für mich und Swilda keinen Moment zu verlieren. Also machten wir uns sofort auf den Weg zu euch.“
Vany schaute sie erleichtert an, ihre sonst so schelmischen Augen voller Wärme. Ohne zu zögern, stand sie aus ihrem Pflanzenbett auf, ließ ihre Füße über die weichen, lebendigen Blätter gleiten und lief zu Sasy hinüber. Sie kniete sich neben sie, schlang ihre Arme fest um sie und drückte sie in eine liebevolle Umarmung.
„Sasy, ich werde immer für dich da sein. Merk dir das! Egal was ist, ich werde immer an deiner Seite sein.“
Sasy spürte die ehrliche Wärme in Vanys Worten, die Kraft dieser simplen, aber bedeutungsvollen Versprechen. Ihr Herz wurde leichter, ein Funken von Geborgenheit erfüllte sie. Sie erwiderte die Umarmung sanft und ließ ihre Stirn für einen kurzen Moment auf Vanys Schulter ruhen.
„Danke, Vany. Das bedeutet mir echt viel, wenn mir das meine echte Familie sagt!“
Mit diesen Worten löste sie sich langsam, ihr Blick sanft und voller Dankbarkeit. Vany schenkte ihr noch ein letztes aufmunterndes Lächeln, bevor sie sich wieder erhob und zurück in ihr Bett schlüpfte. Ihr Blick wanderte zu Irina, die in ihrem weichen Nest aus Pflanzen lag und mit halb geschlossenen Augen die Stille der Nacht genoss.
„Du, Irina?“, fragte Vany neugierig. „Gehst du nicht mehr nach Hause?“
Irina öffnete ihre Augen vollständig und richtete sich leicht auf. In ihrem Blick lag keine Spur von Unsicherheit – nur tief empfundene Zuneigung.
„Nein.“, antwortete sie ruhig, ihre Stimme von einer sanften Entschlossenheit durchzogen. „Ich bleibe heute hier. Ich habe euch alle so vermisst und ich lasse mir die Zeit mit euch nicht nehmen. Da zählt für mich jede einzelne Sekunde, die ich mit euch verbringen kann.“
Vanys Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Sie verstand Irina nur zu gut. „Ich wünsche euch allen eine gute Nacht. Ich freue mich unfassbar auf morgen!“
Ein leises Raunen des Einverständnisses ging durch die Gruppe, während sich jeder in die kuscheligen, pflanzlichen Betten zurücksinken ließ. Der Dachboden war erfüllt von einer angenehmen Wärme, einem Gefühl der Geborgenheit, das nur wahre Freunde teilen konnten.
Neben Fenja lag Angelina, die noch immer nicht zur Ruhe kommen konnte. Sie drehte sich auf die Seite und flüsterte leise in die Dunkelheit. „Ich kann es immer noch kaum glauben... ein eigenes Buch über uns... Wie gerne ich es jetzt lesen würde.“
Fenja, die mit geschlossenen Augen dalag, grinste leicht und öffnete dann doch noch einmal ein Auge.
„Ich würde es auch lesen, wenn es nicht von dieser Pawlitzer-Schnalle geschrieben worden wäre,“ erwiderte sie trocken, was Angelina ein leises Lachen entlockte. „Aber egal... Angelina, nun schlaf gut.“
Angelina kicherte noch kurz, bevor sie sich zufrieden auf den Rücken drehte und in die Dunkelheit der Nacht starrte. „Danke, Fenja! Du auch!“
Ihre Gedanken schweiften zu den Seiten des Buches, das Nina mitgebracht hatte. Sie konnte nicht anders, als sich vorzustellen, dass es vielleicht nicht bei einem einzigen Buch bleiben würde. Vielleicht würden noch mehr Geschichten über sie geschrieben werden. Über ihre Abenteuer, über die Juwelen, über die mächtigen Schlachten, die sie bereits gekämpft hatten – und die, die noch vor ihnen lagen.
Schließlich, mit dieser Fantasie im Kopf, vergaß sie für einen Moment, wer sie wirklich war. Sie sah sich nicht mehr als das allmächtige Juwel des Feuers und des Donners, sondern einfach als Angelina, ein Mädchen, das eine außergewöhnliche Geschichte lebte.
Mit einem tiefen Atemzug schloss sie die Augen, während ihr Geist sich in die Erinnerungen verlor. Bilder von brennenden Schlachtfeldern, von Lichtblitzen, von gewaltigen Stürmen, die mit ihrem Willen entfesselt wurden. Und dann, ein Gefühl der Vorfreude auf das, was noch kommen mochte.
Währenddessen lag Ciaran allein in seinem Zimmer. Die Dunkelheit um ihn herum war nicht nur eine Abwesenheit von Licht, sie war seine Dunkelheit. Sein Raum war erfüllt von einem leichten, schwarzen Nebel, der langsam aus seinen Poren trat und wie eine lebendige Masse um ihn herum schwebte.
Er lag auf dem Rücken, seine schwarzen Augen auf die Decke gerichtet, während er mit seinem Zeigefinger feine Rauch-Linien in die Luft malte. Die Schatten folgten seiner Bewegung, wanden sich, tanzten und bildeten komplexe Muster, die sich immer wieder auflösten, nur um sich in neuen Formen zu vereinen.
Doch seine Gedanken waren weit entfernt.
Er dachte an Zeus. An die anderen Götter, die sich um den schwarzen Hyperriesen kümmern wollten. Der Hyperriese – ein Gebilde von unvorstellbarer Größe, eine Bedrohung, die selbst die Götter der alten Welt nicht ignorieren konnten. Doch warum gab es keine Informationen mehr? Warum schwiegen die himmlischen Wächter?
Hatten sie es vergessen?
Ciaran ließ die Rauchfäden durch seine Finger gleiten, während ein nachdenkliches Lächeln seine Lippen umspielte. Es war schwer vorstellbar, dass Wesen, die seit Äonen existierten, so etwas vergessen konnten. Doch vielleicht lag es daran, dass sie selbst erst kürzlich zurückgekehrt waren. Nach all den Jahren, nach all der Zeit, waren sie wieder vereint und mit ihnen kehrte die Macht zurück, die einst die Ordnung des Universums bewahrt hatte.
So viele Fragen. So viele Geheimnisse.
Aber nicht jetzt. Nicht heute.
Er drehte sich zur Seite, ließ seinen schwarzen Nebelmantel dichter werden, bis er sich wie eine warme Decke um seinen Körper legte.
Und schließlich gingen im ganzen Haus die Lichter aus, und die Juwelen schliefen ein.
Als die ersten Sonnenstrahlen durch das kleine Fenster im Dach schienen und zärtlich die Wange von Julia streiften, verzog sie mürrisch das Gesicht. Die Wärme des Sonnenlichts kitzelte ihre Haut, doch anstatt sich dem neuen Tag zu ergeben, drehte sie sich widerwillig auf die andere Seite, zog die kuschelige Decke bis über ihre Nase und murmelte schläfrig etwas Unverständliches. Doch das Licht gab nicht nach, kroch langsam über ihr Gesicht, bis sie seufzend die Augen aufschlug.
Einen Moment lang genoss sie die Stille – die ruhige Atmung der schlafenden Juwelen, das leise Rascheln der Blätter in den Pflanzenbetten, der ferne Gesang der Vögel, die draußen den Morgen begrüßten. Doch dann erinnerte sie sich, was heute war.
Ihr Grinsen wurde breit, und bevor sich jemand auf das Schlimmste vorbereiten konnte, riss sie den Mund auf und schrie quer durch den Raum. „AUFSTEHEN! Es ist soweit, ihr Lieben! Unser Trainingstag findet endlich statt!“
Die plötzliche Lautstärke durchbrach die friedliche Morgenstimmung wie ein Donnerschlag. Innerhalb eines Wimpernschlags wurden Decken über Köpfe gezogen, leises Fluchen war zu hören, und einige der Juwelen schreckten so abrupt hoch, dass sie gegen die weichen Wände des Dachbodens schlugen.
René, der sich völlig überrumpelt fühlte, griff mit einer genervten Miene nach seinem Kopfkissen und schleuderte es mit beachtlicher Präzision in Julias Gesicht.
„Mensch, halt die Klappe!“, brummte er schläfrig und drehte sich demonstrativ auf die andere Seite. „Wir haben jede Woche Training. Da kommt es doch auf die eine oder andere Stunde nicht an! Wir sind mega spät ins Bett gegangen, und jetzt geht gerade erst die Sonne auf! Du schreist hier rum wie Celia, wenn sie ohne Schminke das Haus verlässt.“
Ein kollektives Kichern ging durch die Gruppe, während Celia irgendwo unter ihrer Decke nur ein empörtes „Hey!“ von sich gab.
Julia zog das Kissen von ihrem Gesicht, setzte sich triumphierend auf und lachte ausgelassen.
„Mensch, René, das geht mir so an meinen spiegelbesetzten Arsch vorbei!“ Sie klopfte sich theatralisch auf ihre Hüften. „Nun schwing dich aus dem Nest und komm dann runter!“
Ein lautes Stöhnen ging durch die Gruppe, doch bevor eine weitere Diskussion entfacht werden konnte, setzte sich Sasy auf. Ihre braunen Augen waren noch halb geschlossen, ihr Oberkörper bewegte sich träge, als sie sich mit einem ausgiebigen Gähnen streckte.
