Die Anatomie der Potency - Nicholas Handoll - E-Book

Die Anatomie der Potency E-Book

Nicholas Handoll

4,6

Beschreibung

Was ist Berührung eigentlich genau? Was in unserem Universum können wir mit unseren Sinnen überhaupt wahrnehmen? Was haben für die Quantenphysik bedeutsame Teilchen mit unserem therapeutischen Alltag zu tun? Woher kommt die ominöse Potency? Der erfahrene englische Osteopath Nicholas Handoll wagt sich mit diesen und noch weiteren Fragen provozierend an die Fundamente der modernen therapeutischen Auffassung. Ausgesprochen kenntnisreich führt er den Leser über persönliche Erfahrungen zu grundlegenden Fragen der Therapie. Dabei geht es weniger um die Pathologie des Patienten, die Macht des Therapeuten oder die Nachweisbarkeit einer Therapie. Handoll geht noch viel weiter. Er stellt die Verlässlichkeit der therapeutischen Wahrnehmung als Ganzes in Frage. Geschickt und eloquent verbindet er philosophische Überlegungen mit detaillierten Darstellung der moderenen Physik im subatomaren Bereich. Auch seine offene und neutrale Umgangsweise mit Grenzbereichen zwischen vermeintlichem Wissen und offensichtlichem Glauben ist erfrischend frei von bedeutsamen Interpretationen und vorschnellen Antworten. Handoll schafft mehr Fragen als Antworten und er überlässt es den Lesern diesen mit ihren eigenen persönlichen Lebensgeschichten zu begegnen. Allen Therapeuten, die das ungeheuere Potential einer vorurteilsfreien und wohlwollenden Versöhnung von Wissenschaft und Metaphysik für den therapeutischen Alltag erkannt haben, wird dieses Buch nicht nur aus der Seele sprechen, sondern gerade im Bereich der Quantenphysik neue Argumente liefern.

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Seitenzahl: 345

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Die Anatomie der Potency!

Aus dem Englischen von

PD Dr.Martin Pöttner

Lizensierte Ausgabe von:

Anatomy of Potency

© Nicholas Handoll

All rights reserved. Published 2000

Osteopathic Supplies Ltd.

ISBN 0-9511356-5-1

© 2004, JOLANDOS

Ammerseestr. 52–82396 Pähl

[email protected]

Bestellung

Logistic Center Gropper

Neuschmied 31; 83246 Unterwössen

tel ++49-8641-6992743

fax ++49-8641-69926

[email protected]

Herausgeber

Christian Hartmann

Bildrechte

© Nicholas Handoll

Satz

Dr.Martin Pöttner

Druck

ALFAPRINT, Slowakei

Ebook-Gestaltung

Zeilenwert® GmbH

Schwarzburger Chaussee 74 – 07407 Rudolstadt

www.zeilenwert.de

Jede Verwertung von Auszügen dieser deutschen Ausgabe ist ohne Zustimmung von JOLANDOS unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Medien.

ISBN 3-936679-63-0

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Vorwort

Hinführung

Danksagungen

1. Ein Kampf

2. Sutherland

Was verstand Sutherland unter „Respiration“?

Was verstehen wir unter dem Ausdruck „Bewegung“?

Worin bestehen die mechanischen Eigenschaften von Knochen?

Interossäre Kompressionen und intraossäre Kompressionen

3. Der Primäre Respiratorische Mechanismus

1. Die Beweglichkeit der Schädelknochen

Synchondrosis sphenobasilaris

2. Die Mobilität des Sakrum zwischen den Ilia

Das funktionelle Sakrum

3. Die Reziproke Spannung der Dura mater

4. Die Motilität des Zentralen Nervensystems

5. Die Fluktuation der Zerebrospinalen Flüssigkeit

Zusammenfassung

4. Muster

Flexions- und Extensions-Muster

Torsions-Muster

Sidebending/Rotations-Muster

Schub-Muster

Kompression

5. Diagnose, Prognose und Behandlung

Diagnose

Prognose

Behandlung

6. Wer sieht?

Zusammenfassung

7. Was sehen wir an?

Die Allgemeine Relativitätstheorie

Zusammenfassung

8. Wie ist es aufgebaut?

Atomare Teilchen

Die Symmetrie der atomaren Zustände

Der Absolute Nullpunkt

Die Struktur der Atome

Subatomare Teilchen

Zusammenfassung

9. Und woraus bestehen sie?

Ladung

Masse

Spin

Bosonen – Kraftteilchen

1. Die elektromagnetische Kraft

2. Die starke Kraft

3. Die schwache Kraft

4. Gravitation

Die Vereinheitlichung der Kräfte

Fermionen – Materieteilchen

Leptonen

Elektronen

Muonen

Tau-Teilchen

Neutrinos

Hadronen

Quarks

Baryonen

Mesonen

Anti-Teilchen

Virtuelle Teilchen

Die Dichte des Vakuums

Elektronen

Protonen und Neutronen – die Nukleonen

Zusammenfassung

10. Woher kommt das alles?

Der Big Bang

Zeitrahmen 1

Zeitrahmen 2

Zeitrahmen 3

Zeitrahmen 4

Zeitrahmen 5

Zeitrahmen 6

Zeitrahmen 7

Zeitrahmen 8

Die Krümmung

Die Inflationstheorie

Das Universum als kostenloses Mittagessen

Zusammenfassung

11. Immer merkwürdiger

Die merkwürdige Theorie des Lichts, der Unbestimmtheit und der Verwicklung

Betreten Sie das Quantum!

Heisenbergs Prinzip der Unbestimmtheit

Die minimalistische Position

Die Kopenhagener Interpretation

Die Interpretation als Viele Welten

Viele Geschichten – Richard P. Feynman

Verwicklung

Das EPR-Paradox

Zusammenfassung

12. Immer mehr sonderbar

Schwarze Materie

Die Dichte des Vakuums

Zusammenfassung

13. Eine alternative Betrachtungsweise

Die Theorien von David Bohm

Zusammenfassung

14. Was können wir nun damit anfangen?

Appendix A

Die Bewegung der Schädelbasis und des Vomer

Das Os sphenoidale

Das Os occipitale

Das Os ethmoidale

Das Vomer

Appendix B

Torsions-Muster, Sidebending/Rotations-Muster und das Gesicht

Appendix C

Schub-Muster

Laterale Strains

Vertikale Strains

Literaturverzeichnis

Index

Über den Autor

Fußnoten

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Foto 1: Hereford Cathedral30

Abb.1: Das Sakrum34

Tabelle 1: Elektromagnetische Strahlung73

Tabelle 2: Atome109

Tabelle 3: Die Teilchen112

Tabelle 4: Tabelle der Stabilen Teilchen115

Abb.2: Feynman-Diagramm 1137

Abb.3: Feynman-Diagramm 2137

Abb.4: Feynman-Diagramm 3137

Abb.5: Feynman-Diagramm 4138

Abb.6: Feynman Diagramm 5138

Abb.7: Feynman Diagramm 6138

Abb.8: Feynman-Diagramm 7138

Abb.9: Feynman-Diagramm 8139

Abb.10: Feynman-Diagramm 9139

Abb.11: Feynman-Diagramm 10139

Abb.12: Feynman-Diagramm 11140

Abb.14: Hafenmauer mit breitem Durchbruch161

Abb.15: Hafenmauer mit engem Durchbruch162

Abb.16: Hafenmauer mit verdoppeltem engen Durchbruch162

Abb.17-19: Sinuswellen164

Abb.20: Diagramm einer Basiseinheit zur Spaltung von Lichtstrahlen178

Abb.21: Doppelspalt-Experiment 1179

Abb.22: Doppelspalt-Experiment 2180

Abb.

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Die deutsche Ausgabe des Buches von Nicholas Handoll, The Anatomy of Potency, Herfordshire 2000, ist in enger Zusammenarbeit von Martin Pöttner und Christian Hartmann entstanden. Die erste Übersetzung von Martin Pöttner wurde von Christian Hartmann durchgesehen und insbesondere auf osteopathische Genauigkeit hin überarbeitet. Darauf wurde der Text von Martin Pöttner nochmals durchgesehen und geglättet. So ist hoffentlich ein gut lesbarer deutscher Text entstanden, welcher der sprachlichen, rhetorischen und gedanklichen Subtilität des englischen Textes von Handoll einigermaßen gerecht wird. Insbesondere Handolls angelsächsisch geprägte, lapidar-freundliche Distanziertheit sollte in der deutschen Übersetzung nicht untergehen.

Nicholas Handoll ist praktizierender Osteopath und lehrt Osteopathie. Er bezieht sich auf die Kraniale Osteopathie William Garner Sutherlands, die ihm u.a. durch Rollin Becker vermittelt wurde. Darüber ist auch der Zugang zur Osteopathie Andrew Taylor Stills vermittelt. So legt Handoll in seinem Buch Wert darauf, die Prinzipien Stills und insbesondere Sutherlands zu vertreten und neu zu interpretieren. Dabei geht es vor allem um die wechselseitige Beziehung von Struktur und Funktion, die Einheit des Körpers und das Verständnis des Körpers als selbst-heilenden, selbstregulierenden und sich-selbst-anpassenden Organismus. Die z. T. traumatisch verursachten Verformungen des Primären Respiratorischen Mechanismus (PRM) werden als „Muster“ interpretiert, in die ein nach optimaler Gesundheit und Leichtigkeit strebender Körper „entweicht“ (escape), um auf diese Weise den PRM „ausführen“ (express) zu können. Dieses Entweichen folgt dem Evolutionsprinzip des „geringsten Widerstands“ (Herbert Spencer, Die ersten Prinzipien der Philosophie, JOLANDOS, Pähl 2004) – und auf diese Weise legt Handoll seine tiefe Verwurzelung im osteopathischen Denken dar.

Nach Handoll besteht der vollständige PRM demnach aus zwei unterschiedlich quantitativ nicht erfassbaren Komponenten: Einem anamnestisch wesentlich bedeutsameren „Muster“, das sich der gewöhnlichen Palpation entzieht und einer „Fluktuation“ in den Flüssigkeiten als Ausdrucksform eben jenes Musters. Beide Komponenten können nur in einem Zustand „erfühlt“ und anamnestisch zu beurteilt werden, in dem sich das Bewusstsein des Behandlers möglichst frei von den üblichen quantitativen Denkmustern befindet. Dieser Ansatz steht im krassen Gegensatz zu den Prämissen sämtlicher wissenschaftlicher Arbeiten im Sinne der evidence based medicine. Interessanterweise scheinen aber gerade die ganz in diesem Sinne entworfenen und durchgeführten Untersuchungen aufgrund ihrer widersprüchlichen Ergebnisse Handolls These zu stützen.

Darüber hinaus stellt Handolls Konzept historisch betrachtet einen Versuch dar, jene metaphorischen Chiffren zu entziffern, die Sutherland seinerzeit ohne weitere Erläuterungen aufgebaut hatte. Was bewegt die ZSF? Sutherland sprach vom „ATEM DES LEBENS“, vom „flüssigen Licht“, von der „Potency“ als „Flüssigkeit in der Flüssigkeit“ usf. In Sutherlands Texten wird immerhin deutlich, dass er an ein Energiepotenzial denkt (Sutherland-Kompendium, JOLANDOS, Pähl 2004) und bereits in seiner Schule begann schon die Interpretation dieser Idee im Kontext der Quantentheorie (Rollin Becker; vgl. als ersten Ansatzpunkt auch Anm. 186, II, 254 im Sutherland-Kompendium). Für Handoll scheint es recht deutlich, dass der bei Sutherland und in der Sutherland-Interpretation recht schwankende Ausdruck potency als „Potenzial“ wiederzugeben und entsprechend auch zu übersetzen ist (vgl. Seiten 214f). Für die deutsche Übersetzung wurde jedoch der in der Sutherland-Tradition eingeführte Begriff „Potency“ beibehalten.

Handoll unterstellt die Existenz der mit den herkömmlichen Methoden nicht nachweisbaren Potency. Mithin lautet die Kernfrage in seinem Buch nicht mehr, ob es sie gibt, sondern schlicht: Woher kommt die Potency? Ihm zufolge entstammt sie nicht dem Körper. Sie lässt sich als etwas „wahrnehmen“, dass sich selbst nicht bewegt, aber anderes bewegt. Sie ist ein „Begehren“ (desire), Bewegung auszudrücken. Sie bewegt sich nicht selbst und findet ihre Quelle außerhalb des Körpers. Aber woher? Handolls umfangreicher Versuch, die nachklassische Physik zu rezipieren, soll darauf eine Antwort geben. Sie läuft darauf hinaus, dass es sich um die Energie der Dichte des Vakuums handelt. Dies wird in einzelnen, sehr gut nachvollziehbaren Schritten begründet. Dabei zeigt sich auch, dass das frühere Ideal einer „objektiven“ Messbarkeit gegenstandslos wird. Subatomare Partikel antworten nur auf die Frage, die man an sie stellt. Wird die Frage anders gestellt, antworten sie anders, wie sich besonders nachdrücklich im Doppelspalt-Experiment zeigt. Insofern muss man sich über die schwankenden Ergebnisse bei der Messung der Fluktuation der ZSF nicht sonderlich wundern. Denn offenbar hat es diese mit den fundamentalen Energieverhältnissen im Universum zu tun. Jeder Eingriff bestimmt mithin das Ergebnis mit. Auch die Palpation erweist sich somit nicht als „objektiv“.

Quantentheoretisch belehrt kehrt die Osteopathie der Art Handolls sicherlich bei Still und Sutherland ein. Denn diese hatten ja unterstellt, dass die Behandlung allenfalls die Hemmnisse beseitigen kann, welche die evolutionär ausgebildeten Selbstheilungskräfte des Körpers blockieren. Für Handoll besteht diese Blockade in einem unausgeglichenen Verhältnis der Energie im Körper des Patienten zur homogenen, glatten Energie des Universums. Der Behandler nimmt diese Störung wahr und versucht durch ein Bewusstsein, das auch die umgebenden Energien einschließt dem Patienten eine Möglichkeit zu schaffen, sein Verhältnis zur Energie des Universums wieder zu harmonisieren: „Ein Individuum stellt eine Störung in der Energie des Universums dar. Wenn diese Störung verworren ist, dann entsteht Krankheit. Wenn sie in Harmonie mit dem Universum ist, dann besteht Gesundheit.“ (218) Wenn also zusätzlich zur Störung der Energie des Universums, die in der Existenz des Individuums besteht, eine weitere Störung hinzukommt, dann entsteht Krankheit. Gesundheit besteht, wenn die zusätzliche Störung verschwindet. Die große therapeutische Aufgabe des Behandlers besteht dabei nicht mehr in einem aktiven eingreifenden Veränderungsprozess (Stichwort: Macht), sondern im stillen Gewahrsein der Existenzen von Behandler und Patient innerhalb einer weiter reichenden und für unsere Messmethoden unzugänglichen bestimmten Wirklichkeit. Gelingt es dem Behandler diesen Zustand während der gemeinsamen Zeit mit dem Patienten zu erreichen, wirkt er als stiller Mediator einer vollkommen unabhängig ablaufenden Harmonisierung des PRM-Musters des Patienten mit der Glätte der universellen Energie. Um in Stills Jargon zu sprechen: Der Behandler wird zum Werkzeug des großen Architekten.

Diese Position Handolls wird sicher kritisch erörtert werden. Dazu soll diese Übersetzung beitragen. Mit Handolls Buch wird die Osteopathie aber darüber hinaus insgesamt an verschiedene Diskurse anschlussfähiger. Handoll teilt die Überraschung der Quantenphysiker, dass die klassische Physik nur unter ganz streng definierten Bedingungen gültig ist. Das bleibt aus der Sicht von Außenbeobachtern innerhalb des physikalischen Diskurses und ist insofern gerechtfertigt. Doch die Newtonsche Physik wurde in weiten Bereichen von Philosophie, Wissenschaften und Gesellschaft in der Regel nicht als „gesunder Menschenverstand“ (common sense) empfunden, sondern angesichts der relativ unscharfen und fluktuierenden Alltagserfahrung doch als eher abstrakt. Der Erfolg dieser Theorie im Alltag besteht freilich in ihrer technisch-praktischen Anwendbarkeit. Mit ihr konnten die Dampfmaschine, die Eisenbahn bis hin zum Computer gebaut werden. Diese technischen Produkte bestimmen den Alltag der Menschen, weil sie den ökonomischen Erfolg der westlichen Gesellschaften ermöglicht haben. Aus dieser Perspektive wurde manches andere weggedrängt.

Doch die romantische Physik, die Kunstlehre des Verstehens (Hermeneutik), die antike Philosophie, auch die Evolutionstheorien im 19. Jahrhundert erkannten auf je eigene Weise, dass die z. T. unscharfe, diffuse Alltagserfahrung sehr viel näher an der Erfassung der Wirklichkeit liegen könnte, als es die technisch klare Anwendung der klassischen Physik vermochte. So war es auch für den bedeutenden Evolutionstheoretiker Herbert Spencer klar, dass es in der Wirklichkeit keine kontradiktorischen Gegensätze geben kann (Wenn etwas der Fall ist, dann kann sein Gegenteil nicht der Fall sein – und umgekehrt). Diese auch sonst in der Philosophie seit Platon beachtete Wahrheit ist durch die Quantenphysik überraschend bestätigt worden. Im subatomaren Bereich zeigt sich, dass unsere oft harten Wirklichkeitskonstruktionen eher illusionär sind und die Frage aufwerfen, warum wir gelegentlich mit kontradiktorischen Gegensätzen arbeiten möchten. Es überrascht eher nicht, dass Werner Heisenberg von seiner experimentellen Erfahrung her Interesse an Goethes Farbenlehre entwickeln konnte. Im Kern der Realität gibt es keine kontradiktorischen Gegensätze, so etwa zwischen Quantitäten und Qualitäten, sondern immer nur Übergänge und das Zugleich verschiedener Möglichkeiten. Mithin kehrt die Physik mit der Quantenphysik aus einer Außenperspektive betrachtet zur allgemeinen Vernunft des Abendlandes zurück, und wird dort – mit Ausnahme der auf harte Fakten pochenden Behandler – gerne begrüßt. In diesem Zusammenhang dürfte es sehr spannend sein zu sehen, welche Möglichkeiten Handolls Buch für die Osteopathie erschließen wird – und welche potency sie tatsächlich besitzt.

PD Dr.Martin Pöttner

Christian Hartmann

Heidelberg/​Pähl, 2004

Vorwort

Wir sind gewöhnlich mit zwei Konzepten konfrontiert: Zunächst mit linearen Konzepten, die aus logischen Schlussfolgerungen entstehen, sodann mit nicht-linearen Konzepten, die Sprünge in den Schlussfolgerungen, in der Überzeugung und der Wahrnehmung erfordern können. Wir brauchen beide Konzepttypen, um die Welt um uns herum zu erfassen, wie Nicholas Handoll in Die Anatomie der Potency eindrücklich vorführt. Wir müssen sowohl die Physik Newtons als auch die Quantenphysik verstehen. In der Praxis der Kranialen Osteopathie verhält es sich entsprechend. Wir müssen die wesentlich linearen Konzepte der Anatomie und Physiologie verstehen. Genauso essenziell sind die nicht-linearen Konzepte, die von der Energie handeln, welche das System zusammenhält und ausführt.

Insofern sind die Lehrenden der Osteopathie im kranialen Bereich fortwährend darum bemüht, die Studierenden mit einem Verständnis der differenzierten Teile und der Werkzeuge zu versorgen, mittels derer das Ganze erfahren werden kann. In Die Anatomie der Potency vollzieht Handoll beides. Auf liebenswürdige und humorvolle Weise führt er unsere intellektuelle Aufmerksamkeit von den Details hin zu einer umfassenden Perspektive. Aufgrund der Fülle von Informationen und Einsichten, die jenseits unseres gewöhnlichen Wissens liegen, lockert das Buch sanft die Grenzen unserer denkerischen Erfassung und Erfahrung der Sachverhalte.

Handoll wird durch eine dramatische Erfahrung nicht-linearer Realität dazu motiviert, das gegenwärtige Wissen der Quantenphysik verständlich darzustellen. Vor diesem Hintergrund versucht er folgende Fragen zu beantworten: Worin besteht Realität? Was verstehen wir unter sinnlicher Wahrnehmung? Wie interagieren diese beiden Aspekte? Zudem bespricht er viele der scheinbaren Absurditäten und Kontroversen in der Kranialen Osteopathie, die sich auf die Mechanik und auf die implizierte Dynamik beziehen. Dabei bringt er seine eigenen Interpretationen dieser Sachverhalte zum Ausdruck. Seine Interpretationen gründen auf soliden Schlussfolgerungen und Beobachtungen. Sie verdienen unsere sorgfältige Beachtung.

Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die jemals ihre Hände auf einem Patienten platziert haben und dabei über die Fähigkeit des Lebens zu agieren staunten – und den Wunsch spürten, den Prozess besser zu verstehen. Mit anderen Worten: Ich empfehle dieses Buch allen, die Osteopathie praktizieren.

Hinführung

Die Anatomie der Potency ist der Versuch des Autors, seiner Erfahrung in der Praxis einen verständlichen Sinn zu geben. Das Buch wurde geschrieben, um ihm zu helfen, die physiologischen Prozesse etwas besser zu verstehen, die hinter William Sutherlands Konzept des Primären Respiratorischen Mechanismus stehen können. Dazu kommt als weiterer Schwerpunkt die Interaktion zwischen Behandler und Patient. Es geht um eine Untersuchung des Selbstheilungspotenzials des Körpers und um die Art und Weise, wie die Osteopathie mit ihm in Kontakt tritt.

Der erste Teil des Buchs diskutiert die Hypothese Sutherlands und spricht einige Fehlinterpretationen und verwirrende Themenbereiche an. Der zweite Teil versucht in Bezug auf die Relativitätstheorie Einsteins und die Quantenmechanik zu verstehen, wer wir als Menschen in unserer Umwelt sind. Sobald wir erfassen können, wer wir sind, was wir sind und wo wir uns befinden, werden wir besser verstehen, was wir tun und vielleicht auch, wohin wir gehen.

Das Buch arbeitet auf der Verständnisebene der Philosophie der Osteopathie und ihrer Ausprägung bei Sutherland, so wie sie in Einige Gedanken und den Unterweisungen in der Wissenschaft der Osteopathie enthalten ist. Es setzt zudem anatomisches Wissen voraus. Daher werden die meisten anatomischen Begriffe nicht erklärt.

William Sutherlands Konzept des Primären Respiratorischen Mechanismus ist keine Theorie, sondern stellt eine Hypothese dar. Eine Theorie besteht in einer Unterstellung, die Beobachtungen erklärt und Ereignisse voraussagt. Eine Theorie lässt sich nicht beweisen, sondern als Modell verwenden, bis dieses als falsch erwiesen wird und eine bessere Theorie an ihre Stelle tritt. Eine Hypothese besteht hingegen in einer Unterstellung, die als Basis von Schlussfolgerungen dient. Sutherlands Hypothese besteht in einem Arbeitsmodell, das auf den Prinzipien der Osteopathie beruht, die zuerst von A. T. Still benannt wurden. Sie dienen als praktische Anleitung für Osteopathen bei der Behandlung von Patienten. Es handelt sich ebenfalls um ein Modell, das solange gilt, bis es durch ein anderes ersetzt wird. In diesem Buch wird eine Erklärung dafür angeboten, wie der Primäre Respiratorische Mechanismus funktioniert.

Im Text werden die Ausdrücke „Praktiker“, „Kliniker“ und „Behandler“ weithin austauschbar verwendet und beziehen sich insbesondere auf den osteopathischen Praktiker, Kliniker und Behandler.

Ich werde über Energie sprechen. Die Energie ist das Potenzial einer Wirkung. Es handelt sich um die Potency oder das Potenzial, damit etwas geschieht bzw. sich etwas verändert.

Gelegentlich wird der Text redundant erscheinen. Das ist bewusst so konzipiert. Manchmal stellen Wörter eine unangemessene Übertragung der Bedeutung dar. Daher habe ich zuweilen versucht, dasselbe auf verschiedene Weise auszudrücken, um Verwirrung oder Fehlinterpretation zu minimieren. Ich hoffe, dass dadurch ein übermäßiges Vertrauen in bestimmte Wörter vermieden wird und so eine Bewegung entsteht, welche die zugrunde liegenden Bilder deutlicher macht. Ich entschuldige mich bei allen, denen das zu langweilig erscheint.

Es wirkt in einem derartigen Text unbeholfen, immer weibliche und männliche Wörter zu unterscheiden. Insofern habe ich mich dazu entschlossen, ein Pronomen zur Bezeichnung beider Geschlechter zu verwenden. Da ich männlich bin, würde es sehr künstlich erscheinen, wenn ich weibliche Pronomina wählte. Daher bitte ich Sie mir zu glauben, dass in diesem Buch „er“, „ihm“ und „sein“ immer auch „sie“, „ihre“ und „ihr“ bezeichnet. Ich hoffe, dass meine Kolleginnen dies ertragen können.

Letztlich befassen wir uns nicht mit Strukturen, sondern mit Prozessen. Wir schätzen den Prozess durch die Struktur ein. Wir erfassen die Struktur und verstehen die Funktion der Struktur. Wir werden mit dem Funktionieren der Struktur vertraut und erfahren den Prozess der Struktur. Schließlich entfällt die Bedeutung der Struktur und wir sind ohne Einschränkungen mit dem reinen, unvermischten Prozess konfrontiert.

Ob wir eine lebendige Antwort finden, hängt oft von dem adäquaten geistigen Rahmen ab, der es uns ermöglicht, die angemessene Frage zu stellen.

Nicholas Handoll

Fields Place

Herfordshire

Danksagungen

Ich schulde vielen Menschen für direkte oder indirekte Beiträge zu diesem Buch Dank. Ich danke Simon Dunmore, Ph. D., Dozent der Biomedizinischen Wissenschaften, School of Health Sciences, University of Wolverhampton, für seine unschätzbare Kritik am ersten Entwurf. Ebenso schulde ich meinem guten Freund Glenn Storhaug von Five Seasons Press Dank für seine Liebe zu Worten, Büchern und zur literarischen Gestaltung, sodass er den letzten Entwurf redigierte und die Textproduktion begleitete. Besonderer Dank gilt meinem Sohn für die Bearbeitung der Grafiken.

Vielen Kollegen bin ich zu Dank verpflichtet. Ich hebe drei aus Amerika hervor. Dr.Anne Wales und Dr.Louis Hasbrouck danke ich für die gewissenhaften Überprüfungen des Textes, für ihre lebenslange Hingabe an die Osteopathie und die langjährige Vermittlung ihres reichen Wissens- und Erfahrungsschatzes an Studenten. Besonderer Dank gilt Dr.Rachel Brooks für ihre sorgfältige Kritik des Textes. Dazu hat sie außerordentlich großzügig ihre Ideen und ihre Liebe zur Osteopathie mit mir geteilt.

Fünf in Großbritannien ausgebildete Osteopathen möchte ich erwähnen. Ich danke Colin Dove, dem früheren Rektor der British School of Osteopathy, für seine unerschöpfliche Unterstützung, Ermutigung und seinen Rat über die Jahre hin, Jacques Duval in Paris, für seine Inspiration und die Leidenschaft für die Osteopathie, Carol Penn für ihre Freundschaft, Inspiration und stetige Unterstützung, schließlich Suzanna Thorpe in Perth, Australien, für das inspirierende Gespräch auf der Reise nach London nach dem S. C. C.-Kurs in Leeds 1995.

Ich möchte meinen besonderen Dank an drei weitere Osteopathen aus Amerika richten. Sie können ihn nicht erhalten, doch ohne sie wäre das Buch nicht möglich gewesen. Es handelt sich um Rollin Becker, William Sutherland und Andrew Still.

Vermutlich muss sich mein größter Dank an meine Patienten richten. Denn ich habe von ihnen mehr gelernt als mich sonst irgendjemand hätte lehren können.

Schließlich – aber keineswegs am Unwichtigsten – möchte ich Jane und auch Guy, Edward und Beth danken. Sie ertrugen jahrelang, dass sich ihr Vater auf einem anderen Planeten befand, sodass „Nicht schon wieder Photonen!“ zu einem Familienslogan wurde.

1.Ein Kampf

Während der frühen 1980er Jahren dachte ich längere Zeit darüber nach, worin der Primäre Respiratorische Mechanismus besteht und wovon er angetrieben wird. Ich nahm immer mehr Ereignisse bei meinen Patienten wahr, die ich nicht erklären konnte. Mir wurden verschiedene Qualitäten der Gewebestrukturen bewusster. Unter meinen Händen ereigneten sich Veränderungen, die ich nicht erwartet und initiiert hatte. Stets spürte ich nach einer derartigen Veränderung, dass sich die Gewebe angenehmer, entspannter und leichter anfühlten. Sie schienen sich glücklicher zu fühlen. Gelegentlich schienen die Gewebe des Patienten vermittelt durch meinen Tastsinn tatsächlich zu lächeln. Nach einem derartigen Ereignis berichteten die Patienten stets, dass sich die Symptome deutlich verbessert hatten oder sie sich allgemein besser fühlten. Manchmal vermochten sie dies sprachlich nicht angemessen auszudrücken. Sie wussten aber, dass sie sich leichter, lockerer fühlten und aktiver sein konnten. Plötzlich verschwand die Erfahrung von Steifheit, Schmerz und Beschwerden nach einer Aktivität. Ebenso verhielt es sich bei anderen Tätigkeiten wie Autofahren und Gartenarbeit, die ihnen gewöhnlich Schmerzen bereiteten. Oft teilten die Patienten mit, dass sie gar nicht wahrgenommen hätten, wie schlecht es ihnen ging, bevor sie sich besser fühlten. Sie sagten, dass sie sich schlicht gut fühlten, gelegentlich besser als in vielen Jahren zuvor.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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