Die Asche der Erde - Eliot Pattison - E-Book

Die Asche der Erde E-Book

Eliot Pattison

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Beschreibung

Nach dem Ende der Welt. Viele Jahre nach der Apokalypse versucht man noch immer, sich in der Kolonie Carthage einzurichten. Während die Menschen mit simplen Techniken ihr Überleben sichern, wird ihre Gesellschaft von geheimen Verbrechen unterhöhlt. Hadrian Boone, der zu den Gründern des Kolonie zählt, wird von den Geistern seiner Vergangenheit heimgesucht. Er hat sich in den Alkohol geflüchtet, doch als sein Freund Jonah, ein weiser, alter Mann, der beste Wissenschaftler der Kolonie, umgebracht wird, versucht Boone hinter das Geheimnis zu kommen, das die Kolonie zerstören könnte. Offensichtlich werden in der Kolonie Morde als Selbstmorde getarnt, doch was hatte Jonah damit zu tun? Begleitet von einer jungen Frau, die als Polizistin fungiert, begibt Hadrian sich zu den Camps der Ausgestoßenen. Nicht nur dass er Reste der alten Welt wiederfindet – seine Suche ist auch eine Art Selbstentdeckung. Hadrian begreift, dass die Wahrheit in einem alten Kloster liegen muss ... „Großartig! Pattison verbindet die Düsternis von ‚Die Straße’ mit einem gut ausgearbeiteten Plot eines Detektivaromans.“ Publishers Weekly. „Mit einer wunderbaren Ansammlung von Helden und einem besonderen Schauplatz zeigt Pattison, wie sehr es nötig ist, Ideen und Werte zu retten, damit sich die Gesellschaft aus der Asche erhebt.“ Booklist.

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Seitenzahl: 556

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Eliot Pattison

Die Asche der Erde

ROMAN

Aus dem Amerikanischen von Thomas Haufschild

Impressum

Die Originalausgabe unter dem Titel

Ashes of the Earth

erschien 2011 bei Counterpoint, Berkeley.

ISBN 978-3-8412-0400-4

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Mai 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die deutsche Erstausgabe erschien 2012 bei Rütten & Loening, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

© 2011 by Eliot Pattison

Published by Arrangement with Eliot Pattison

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Einbandgestaltung bürosüd, München

unter Verwendung eines Motivs von

© Arcangel Images / plainpicture

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

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Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zum Autor

Impressum

Inhaltsübersicht

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

EPILOG

ANMERKUNG DES VERFASSERS

KAPITEL EINS

Die Gesichter der vielen Kinder, die er nach ihrem Freitod vom Ende eines Stricks geschnitten oder am Fuß einer Klippe geborgen hatte, ließen Hadrian Boone nicht mehr los. Sie suchten seinen unruhigen Schlaf heim und schlichen sich dermaßen häufig in irgendwelche grauenhaften Tagträume, dass er nun, als oberhalb auf dem Hügelkamm plötzlich ein blondes Mädchen mit einem Seil auftauchte, unschlüssig zögerte und sich fragte, ob auch das nur eines seiner Hirngespinste war. Dann blieb sie stehen und streckte die Hand nach einem kleineren rothaarigen Mädchen hinter ihr aus. Hadrian ließ die Schaufel fallen, mit der er gerade die alte Senkgrube der Kolonie leerte, raffte die Kette auf, die um seine Fußgelenke lag, und rannte los.

Stolpernd hastete er den steilen Hang der Senke hinauf, ohne sich um den überraschten Ausruf seines schläfrigen Bewachers und das wütende Schrillen der Pfeife zu kümmern. An Wurzeln und Schösslingen zog er sich bis zur Gratlinie empor, bog dort auf den Pfad ein und rechnete damit, dass jeden Moment ein Knüppel auf seinen Rücken hinabsausen würde. Dann ertönte von der anderen Seite des Kamms ein spitzer Schrei und ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Er erreichte das offene Felssims. Ein Ast ragte über die Kante. An ihm baumelte ein Seil. Hadrian sprang vor und hievte das Kind mit verzweifeltem Ächzen nach oben. Dann hielt er verblüfft inne. Vor ihm auf dem Boden lag kein Kind, sondern ein alter Mantel, den man über einen Rahmen aus Stöcken gehängt hatte. Die blicklosen Augen eines Kürbiskopfes starrten ihm entgegen, und das vermeintliche Haar war getrockneter Weizen.

Das Kreischen erklang erneut, und Hadrian erkannte mit einem Mal, dass es sich um Gelächter handelte. Die beiden Mädchen hinter ihm waren ganz begeistert, weil er auf ihren Streich hereingefallen war. Weitere Kinder prusteten los, mindestens ein halbes Dutzend, verborgen im Schatten der Bäume.

»Schluss damit, Sarah«, tadelte Hadrian das ältere Mädchen und stand auf. »Nicht dieses Spiel. Ihr habt bei mir Besseres gelernt.« Er sah nun, dass an die Brust der Puppe ein Foto geheftet war, eine Werbeanzeige aus einer längst vergessenen Zeitschrift: Eine Frau fuhr ein rotes Cabrio voller fröhlicher Kinder, die Hamburger aus Tüten aßen. Viele Kinder hielten derartige Fotos für den Beweis, dass es auf der anderen Seite ein Paradies gab, und versuchten daraufhin, in das ersehnte Himmelreich zu gelangen. In der Kolonie Carthage war der Privatbesitz von Büchern und Zeitschriften aus dem letzten Jahrhundert schon seit Langem untersagt, weshalb die Kinder sie nur umso eifriger horteten. Es gab keine Autos mehr und auch keine Drive-in-Restaurants mit Fast Food, und die einzige Religion der meisten Familien war diejenige, die die Kinder sich anhand der verbotenen Annalen einer verlorenen Welt irgendwie selbst zusammenreimten.

»Was sollen die Steine?«, fragte Hadrian und bückte sich, um den Kürbiskopf herumzudrehen. Die Augenhöhlen fielen an der Figur als Erstes auf; in ihnen steckten blaue Kiesel als Pupillen.

Sarah schaute zu einem schmächtigen Jungen im Hintergrund, der größer als die anderen war. »Dax hat gesagt, seine Augen würden verschwinden. Das hat er bei den anderen gesehen, die hinübergehen. Er sagt, du nimmst deine Augen mit auf die andere Seite, denn dort lebt deine Seele.«

»Sein oder Nichtsein, Amen!«, rief das kleinere Mädchen dazwischen.

»Sein oder Nichtsein, Amen!«, wiederholten die Kinder unter den Bäumen sogleich.

Diese sonderbare, beflissen vorgetragene Gebetsformel ließ Hadrian erschaudern. Er setzte sich auf einen Baumstumpf. Seine Verzweiflung war wie eine körperliche Schwäche. Er hatte sich dagegen ausgesprochen, der jüngeren Generation die Wahrheit vorzuenthalten, hatte argumentiert, gefleht und protestiert, bis er von seinem Posten als Schulleiter der Kolonie abgesetzt worden war. Wenn man der Jugend keine Erklärungen für ihre Welt lieferte, würde sie sich stets eine eigene Wahrheit erschaffen. Für Hadrian waren die Kinder von Carthage inzwischen auch nur noch eine Schar von Gefangenen. Er warf einen Blick auf Dax und befürchtete das Schlimmste, denn der Junge schien sich mit Selbstmorden viel zu gut auszukennen. Dann musterte er kopfschüttelnd die Mädchen und fing an, die Puppe auseinanderzunehmen.

Sarah und ihre jüngere Schwester setzten die gekränkten Mienen auf, die ihm aus dem Klassenzimmer noch bestens vertraut waren. »Wir haben etwas Besonderes für Sie gefunden, Professor«, sagte Sarah und gab ihm einen kleinen Zylinder aus gerollten Ahornblättern, verschnürt mit einer Ranke. »Ich wollte es Ihnen eigentlich heute Abend ans Gefängnisfenster bringen, aber …«

Der Knüppel traf Hadrians Schulter wie ein Hammer und zwang ihn auf die Knie. Der zweite Hieb ließ ihn auf die Hände zusammensacken.

»Nein!«, rief das ältere Mädchen, senkte den Kopf und ging auf den Aufpasser los, der hinter Hadrian aufgetaucht war.

»Weg da, verdammtes Gesindel!«, knurrte Sergeant Kenton und verpasste dem Mädchen, das ihn gegen einen Baum drückte, eine schallende Ohrfeige. »Ich habe euch schon gestern Abend gesagt, dass es mit euren Banden ein Ende hat! Ich werde sie finden, eure …« Da erkannte er Sarah, und sein Zorn verwandelte sich erst in Verwirrung, dann in Angst. »Das war nicht so gemeint«, murmelte er. »Die Häftlinge dürfen nicht einfach weglaufen, Miss. Ihr wisst doch, dass Mr. Boone vom Gouverneur wegen Zerstörung von öffentlichem Eigentum ein weiteres Mal zu Zwangsarbeit verurteilt wurde.«

Sarah richtete sich auf und rieb sich die gerötete Wange. »Und was sollen wir unserem Vater erzählen, wenn der Häftling, den er verurteilt hat, nicht arbeiten kann, weil Sie ihn verprügelt haben?«, fragte sie mit der strengen Stimme einer Erwachsenen.

Kenton bedachte Hadrian mit hasserfülltem Blick. Sie wussten beide, dass er bereit wäre, den getrockneten Kot ab jetzt eigenhändig zu schaufeln, wenn er dafür nur die Gelegenheit erhielt, Boone mit seinem Knüppel zu malträtieren. Der stämmige Sergeant schluckte vernehmlich und nickte dem Mädchen widerwillig zu. Gouverneur Lucas Buchanan war der mächtigste Mann der Kolonie Carthage – und der ganzen Welt, soweit die Leute wussten –, aber in seinem eigenen Haus hatten die Töchter das Sagen. »Gesetzesbrecher stehen in der Schuld der Gemeinschaft«, murmelte Kenton. Das war die sicherste aller möglichen Antworten, denn es stand wortwörtlich über dem Eingang des Gerichtsgebäudes der Kolonie.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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