Die Auslöschung der Mary Shelley - Marc Buhl - E-Book

Die Auslöschung der Mary Shelley E-Book

Marc Buhl

4,5

Beschreibung

Jeden Tag: Krieg,Terror, Mord, Vergewaltigung, Auslöschung von Seelen. Und was machst du, wenn du den Horror nicht mehr erträgst? Als die hochintelligente und sensible Informatikerin Mary Shelley, eine späte Nachfahrin des berühmten Dr. Frankenstein, erleben muss, wie ein kleines Mädchen ermordet wird, beschließt sie zu handeln. Sie erschafft mit ihrem Team eine Maschine, die die Wurzeln der Gewalt im Internet erkennen und auslöschen soll. Ein NSA-Supercomputer, millionenmal leistungsfähiger als alle Rechner, die man bis dahin kennt. Doch damit „Victor“ zum moralischen Gewissen des Internets werden kann, muss Mary ihm das ermöglichen, was ihn menschenähnlich macht: Lernen. Ein fataler Fehler, denn prompt gerät „Victor" außer Kontrolle. Die vernetzte High-Tech-Gesellschaft wird zum Angriffsziel des Computers, der San Francisco ins Chaos stürzt und zu einem ebenso erbarmungslosen wie unaufhaltsamen Richter mutiert. Als Victor sich dann auch noch gegen seine Schöpferin wendet, beginnt ein blutiger Showdown im Death Valley …

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MARC BUHL

Die Auslöschung der Mary Shelley

Thriller

BLiNK BOOKS Berlin

Imprint der Die Hölle Development AG

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Zitate

Warnung

1

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Danksagung

Der Autor

Erste Auflage

Erstveröffentlichung September 2014

© Die Hölle Development AG, Berlin,

Imprint BLiNK BOOKS Berlin

Umschlaggestaltung: Monika Zec Foto: Doris Poklekowski

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Konvertierung Zeilenwert GmbH, Rudolstadt

eBook ISBN 978-3-95837-001-2

Ausführliche Informationen über den Autor finden Sie auf unserer Website www.blinkbooks.berlin

Alles ist Zahl.

Pythagoras, um 500 v. Chr.

Diese Art von Kalkül könnte auch mit einer Maschine ausgeführt werden. Eine Büchse soll so mit Löchern versehen sein, dass diese geöffnet und geschlossen werden können. Sie sei offen an den Stellen, die jeweils 1 entsprechen, und bleibe geschlossen an denen, die 0 entsprechen. Durch die offenen Stellen lasse sie kleine Kugeln in Rinnen fallen, durch die anderen nichts. Das Binärsystem, das heißt das Rechnen mit 0 und 1, ist das grundlegendste System für die Wissenschaft und führt zu neuen Entdeckungen. Wenn die Zahlen auf ihre einfachsten Prinzipien reduziert werden, dann herrscht überall eine wunderbare Ordnung.

Gottfried Wilhelm Leibniz, 1679

Warnung

Wenn du glaubst, nur du würdest gleich beginnen zu lesen, dann täuschst du dich.

Dein E-Book ist ein Computer.

Unterschätze das nicht.

Unterschätze nie einen Computer.

Bereits in diesem Moment liest dich der Text.

1

Das Thermometer des Wagens, den sie am Rand des Canyons abstellte, zeigte erst einunddreißig Grad. Im Osten verblassten die ersten Sterne. Mary band ihre Schuhe zu, trank noch einen Schluck Wasser und lief los. Die Steine knirschten unter ihren Sohlen auf dem schmalen Pfad durch die Wüste. Ein einzelner Joshua Tree streckte seine Arme in den Morgenhimmel, als flehe er um Vergebung und ahne gleichzeitig, dass er die niemals erhalten würde.

Das war ein Gefühl, das sie kannte.

Sie lief durch eine schattige Senke. Die Frische der Nacht hing noch darin und die rote Erde atmete dunstig aus. Ein Falke schnitt durch die Luft. Vor ihr kreuzten Fuchsspuren den Weg. Ein Schrei in der Luft. Grell und voll Schmerz. Von weit weg, als erreiche er sie durch den Raum und die Zeit. Sie biss sich auf die Unterlippe. Nicht erschrecken. Das hier war eine andere Wüste. Hier würde nichts Böses geschehen. Der Schrei verröchelte. Nur ein Wildesel. Es klang, als schnitte ihm einer die Kehle durch. Nach einer halben Stunde erreichte sie den felsigen Gipfel. Sie hielt an, um die Beine zu dehnen. Im Osten ging die Sonne hinter den Hoteltürmen von Las Vegas auf. Die Pyramide des Luxor sandte wie ein Brennglas einen gleißenden Strahl in ihre Richtung. Sie lief den Berg hinunter, hinein in das Labyrinth von ockergelben Sandsteintürmen, und versuchte, sich dabei den Weg einzuprägen. Sie war nur ein Mensch, sie konnte verloren gehen, das war eine der Beschränkungen, die das Menschsein mit sich brachte.

In Mexiko hatte sie den Orientierungssinn von Ameisen studiert. Cataglyphis waren GPS-Wunder, die unfehlbar den Weg zum Nesteingang fanden, egal wie weit sie sich davon entfernt hatten. Die Tiere nehmen nicht nur die Welt wahr, die sich vor unseren Augen ausbreitet, sondern auch die Schwingungsrichtungen des Lichts am Himmel. Das nutzen sie, um sich zurechtzufinden, wobei sie ständig ihren inneren Kompass neu kalibrieren. Mary schloss kurz die Augen, um sich vorzustellen, wie die Ameisen den Himmel sahen. Ein Muster aus Wellen und Linien vermutlich, sehr klar und sehr geometrisch.

Mary beneidete sie.

Wegen ihrer mathematischen Wahrnehmung und weil sie keinen Egoismus kannten. Das war es, was Ameisen allen anderen Wesen überlegen machte. Das Fehlen von Egoismus. Kein Wunder. Ameisen waren weiblich. Die wahre Schwesternschaft. Männchen lieferten nur die Gene. Kein schlechtes Modell, dachte Mary, öffnete die Augen und lief weiter.

2

Das Brodeln des Whirlpools.

In der Luft der Geruch von Chlor.

Chlor und Jasminblüten.

Vom Haus her leise Musik. Alter Jazz, ausgewählt vom Zufallsgenerator.

Die Schieferplatten noch warm von der Hitze des Tages. Er mochte das Gefühl an den nassen Fußsohlen und trank noch einen Schluck Bier.

Dampf waberte über das Wasser.

Weit weg in einem der Nachbargärten Stimmengemurmel.

Kindergeschrei. Ein Hund bellte.

Er trocknete sich die Haare.

Unter der Hecke raschelte es. Ein Waschbär oder ein Reh. In den letzten Tagen waren wieder viel Rehe unterwegs.

Es war ein guter Tag gewesen, obwohl Mary in Las Vegas war. Er vermisste sie, auch wenn er sie nicht überzeugt hatte. Man musste Grenzen setzen, hatte er ihr gesagt, aber Mary glaubte nicht an Grenzen. Gott sei grenzenlos, hatte sie ihm gesagt, dabei ging es nicht um Gott, sondern Algorithmen. Sie verstand mehr von den Möglichkeiten des Computers als jeder andere im Unternehmen, sein Chef Powell eingeschlossen, aber sie war maßlos. Ein Privileg der Jugend, dachte er, das gibt sich.

Die Sonne ging unter. Die ersten Sterne erschienen. Sterne hatte er schon immer gemocht. Vielleicht würde er sich eine kleine Sternwarte einrichten. Nicht hier in der Stadt, wo der Himmel zu schmutzig war, sondern oben in den Bergen. Er würde mit seinem Finanzmakler darüber sprechen, vorausgesetzt, die Scheidung wird nicht zu teuer.

Im Dampf über dem Pool plötzlich ein roter Laserstrahl. 

Scheiße, dachte er.

Den Laser sollte er nicht sehen. Der zielte aufs Opfer. 

Die Anlage kannte seinen Körper. Sein Gesicht. Seine Bewegungsmuster.

Eigentlich.

Trotzdem malte der Laser einen roten Fleck auf seine Brust. 

Er ließ die Flasche fallen und duckte sich weg. 

Das würde nicht funktionieren.

Thermorezeptoren. State of the art. Seine Frau hatte die ausgewählt. Seine zukünftige Witwe.

Die Schüsse warfen ihn einen Schritt zurück.

Er hatte sie nicht gehört.

Die Schalldämpfung war eines der Features, für die er bezahlt hatte. Er erinnerte sich an den Extraposten auf der Rechnung. Die vierstellige Zahl dahinter.

Kein Schmerz, nur ein seltsames Gefühl, warm und pulsierend. Keramikmunition, ein Wunsch seiner Frau. Zerbröselte zu Staub, wenn sie auf eine Mauer traf, das sei am schonendsten für die Architektur.

Wir wollen ja nicht, dass die Wände kaputt gehen. Stimmt’s, mein Lieber?

Reißt dafür tiefe Wunden, wenn sie auf Fleisch trifft, hatte der Architekt gesagt. Schlecht für die Einbrecher.

Gemeinsam hatten sie darüber gelacht.

Er taumelte.

Gerade erst hatte er nackt in der Küche gestanden, hatte ein Bier geholt, sich in den Liegestuhl gelegt, getrunken ohne abzusetzen, zufrieden gestöhnt.

Als das Licht angegangen war, war er reingegangen, um das automatische Beleuchtungsprogramm zu deinstallieren. Er wollte die Sterne sehen, nicht die Scheinwerfer, aber der Computer hatte eine Fehlermeldung gesendet.

Error 1012. Deinstallation nicht möglich.

Er hatte überlegt, in den Keller zu gehen, um den Server neu zu booten, aber keine Lust dazu gehabt. Wieder raus auf die Terrasse.

Dort war es passiert.

Er spürte, wie sein Herz anfing, langsamer zu schlagen. 

Das sollte es nicht. Er durfte Mary jetzt nicht alleine lassen. 

Jetzt, wo alles begann.

Er durfte nicht sterben, obwohl er sich unendlich wund fühlte. Er sollte sich waschen, dringend waschen. Alles war klebrig und rot. Viel zu rot, aber er wollte sowieso baden.

Gut, dass er einen Pool hatte.

Im Wasser war er immer schon glücklich gewesen.

3

Sie erreichte Logovski noch immer nicht. Mary hatte seit zwei Tagen nichts von ihm gehört. Kein gutes Zeichen. Sie waren im Streit auseinandergegangen. Das tat ihr leid, aber sie würde nicht nachgeben. Das tat sie nie. Vielleicht hätte sie doch nicht nach Vegas fahren sollen. Sie hatte ihm erst vor einer halben Stunde wieder eine SMS auf sein Zweithandy geschickt. Ein kleiner Witz über die künstliche Befruchtung und darüber, dass er bald Vater werden würde. Und das in seinem Alter, aber Logovski hatte nicht reagiert und Frank tat, was er am liebsten tat und schon immer am liebsten getan hatte: Er redete. Und sie hörte ihm zu, was sie weniger gerne tat, aber er war ihr Bruder und alles, was sie noch an Familie hatte.

Genau genommen nicht nur ihr Bruder, sondern ihr Zwilling, aber das hörten beide nicht wirklich gerne, außerdem waren sie so unterschiedlich wie

apple und microsoft,

COBOL und Java,

Tetris und GTA V.

So hatte Frank das einmal ausgedrückt. Sie hätte andere Bilder benutzt: So unterschiedlich wie eine Drohne der Ernteameise und eine Königin der Pseudomyrmex.

Sie aß kein Fleisch und er sammelte Weltkriegsbomber.

Das brachte es auf den Punkt.

Oder auch:

Sie hatte mit achtzehn Jahren echte Tiere aus echten Farmen befreit, während sein virtuelles Ich virtuelle Geiseln aus virtuellen Kriegsschauplätzen befreite.

Scheiß auf die Gene, sagte Frank immer. Und täuschte sich. Aber das hatte sie ihm schon häufig erklärt. Erfolglos allerdings. Was sie nie vergessen darf: Es gibt keine Sicherheit, sagte Frank. Das war sein Thema.

Keine Sicherheit.

Die Programme sind dafür zu groß.

Windows 95: acht Millionen Codezeilen.

Windows XP: 40 Millionen.

Windows 7: 50 Millionen.

Die Bibel: 130.000 Zeilen. Also 400 Mal weniger Text. (Und auch die voller Fehler, die ähnlich katastrophale Folgen hatten wie ein falsches Komma in einer Windows-Befehlszeile, dachte Mary. Wenn nicht noch schlimmere. Frag die Inkas oder die Frauen.)

„Keine Sicherheit“, sagte er wieder.

Als ob sie das nicht wüsste.

Er erzählte, wie der israelische Geheimdienst das syrische Radarsystem ausgeschaltet hatte, um in Ruhe ein Atomkraftwerk zu bombardieren. Wie schon 1982 eine russische Pipeline explodierte, weil der KGB zwar das Steuerungsprogramm dafür in Kanada geklaut, aber nie aktualisiert hatte. Die größte nichtnukleare Explosion immerhin.

„BOOM“, sagte Frank und machte eine entsprechende Geste mit seinen Händen.

Er machte gerne große Gesten beim Reden. Deswegen saß er auch ungern am Tisch. Tische waren zu klein für ihn und hin und wieder flog eine Wasserkaraffe um oder ein Glas, wenn ihm etwas besonders wichtig war.

„Ich weiß“, sagte Mary. „Die Russen waren zu blöd.“

Sie mochte ihren Bruder. Als sie verurteilt wurde wegen der Befreiung der Nerze, hatte er zuerst die Kaution gestellt und dann die Strafe bezahlt. Und ihr erklärt, dass es Unsinn sei, drei Nächte mit einem Bolzenschneider im Schlafsack zu verbringen, um anschließend doch erwischt zu werden. Effektiver sei es, sich in das Sicherheitssystem der Tierfarmen zu hacken und die Gatter elektronisch zu öffnen, während man gemütlich zu Hause auf dem Sofa hockte und Pizza aß.

So machten sie es dann auch, aber es fehlte ihr etwas dabei: die Geräusche der Wüste, das Gewicht von Bolzenschneider, Akkuflex und Zuckersirup im Rucksack (den Sirup nicht zum Trinken, sondern um die Motoren der Tierlaster zu ruinieren– ein befriedigender Ton, wenn sich der Kolben eines 400-PS-Diesels in den Zylinder frisst). Das Sirren des Drahtes, wenn man ihn zerschnitt. Die Angst, dass man sie ertappte.

Lange her.

Aber Angst, erwischt zu werden, hatte sie wieder. Logovski würde es ähnlich ergehen. Die Angst würde sie nie wieder verlassen.

Galilei hatte die Inquisition. Sie hatten die NSA.

Im Januar tagten hier in Vegas Apotheker oder die Vereinigung amerikanischer Schönheitschirurgen. Im Sommer waren andere dran, Cargo Pants und T-Shirt statt Anzug und Krawatte. Black Hat Conference. Die besten Hacker Amerikas. Die Kongressteilnehmer würden nur ein paar Minuten brauchen, um die ganze USA lahmzulegen, sodass kein Internet mehr funktioniert, kein Strom fließt, keine Aktien verkauft werden, keine Züge fahren, kein Flugzeug abhebt.

Schwarzhüte, aber die meisten waren keine Schwarzhüte, höchstens grau, manche auch weiß.

Weiß waren die Guten. Wie Mary.

Solange Gut und Böse Kategorien waren, an die man glaubte. Mary glaubte daran. Überbleibsel des katholischen Waisenhauses, in das man sie nach dem Tod der Eltern gesteckt hatte.

Frank war keiner der Guten. Nicht unbedingt. Vermutete sie jedenfalls.

Auf dem Weg hier ins Café hatten sie sich verlaufen und mussten durchs Casino. Draußen würde sie sich nie verlaufen. Sie war morgens um fünf Uhr aufgestanden und fast zwei Stunden durch den Red Rock Canyon gejoggt. Nur hier drinnen war sie abgeschnitten von ihrem Orientierungssinn, eingelullt von der ewigen Fahrstuhlmusik, die selbst auf dem Strip aus den Lautsprechern triefte. Wobei das Schlimmste draußen nicht die Musik war, sondern das künstliche Gezirpe der Zikaden. Eine Zivilisation, die Töne von Insekten per Endlosschleife in eine Welt aus Beton, Neon und Plastik sendete, würde es nicht lange machen. Und wenn sie unterging, würde sie keiner vermissen. Es war nicht die richtige Jahreszeit für Las Vegas. An den Automaten hingen nur dicke Frauen und Männer in karierten Hemden.

„Inzwischen schon mal gespielt?“, fragte Frank.

Mary schüttelte den Kopf. Sie kannte die Algorithmen der Maschinen. Eine Zeitlang hatte sie gepokert, das war kein Glücksspiel, es ging um Taktik und ein gutes Gedächtnis Sie hatte gespielt, bis sie zwei Mal an einem Abend einen Royal Flush hatte.

Zwei Mal.

Kreuz.

Das hatte ihr mathematisches Empfinden beleidigt.

Sie spielte nie wieder.

Frank nahm einen Dollar, schob ihn in den Schlitz des nächsten Automaten, drückte den Hebel hinunter. Die Maschine gab etwas Fanfarenähnliches von sich, und eine Handvoll Münzen rieselte in die Münzrinne.

Frank lächelte und ließ das Geld liegen.

Geld war unwichtig.

Ein Punkt, in dem sich die beiden ähnlich waren, sicher ein Relikt aus dem Waisenhaus. Eine Weile lang hatte jeder Tag mit einer Belehrung über die Todsünden begonnen.

Avaritia, die Habgier. Treibt die Welt ins Elend und den Sünder ins Feuer der Hölle. Katholische Indoktrination in die Gehirne von Achtjährigen. Die Methode war falsch, dachte sie, auch wenn manche Inhalte stimmten.

Sie gingen weiter.

Auch der Cyberspace war nicht irrealer als Las Vegas. Nirgends war Italien so italienisch wie hier. Ein Über-Italien. Kannelierte weiße Säulen, korinthische Kapitelle, klassische Statuen, rotweißer Marmorboden, schmierige Kellner säuseln Ciao bella, Kakaoherzen auf dem Cappuccino. Mehr Italien war nirgends, außer natürlich im Venetian ein paar Straßenblöcke weiter. Sie öffnete die Tür nach draußen.

47 Grad. Welcome to Las Vegas.

Die blauen Stühle am Wasser draußen waren leer, nur ein Ehepaar verdorrte unter dem Sonnenschirm, beide mit der Haut von gut abgehangenen Mumien.

Sie gingen wieder rein und setzten sich. Er bestellte einen Espresso, sie einen Latte macchiato. Frank öffnete ein Tütchen Zucker, ließ die Hälfte in seinen Kaffee rieseln und warf den Rest achtlos auf den Tisch. Zuckerkörner rieselten über das rosa Tuch. Um sie herum saßen Leute an ihren aufgeklappten Laptops. 

„Die sind hier einfach alle zu blöd“, sagte Frank und grinste. Er hatte schon immer Spaß daran gehabt, Mittel der Kommunikation gegen die Kommunizierenden zu verwenden.

Auf der Fahrt nach Vegas hatten sie einen Audi-A8-Fahrer aus dem Verkehr gezogen. Der Wagen hat die Bluetooth-Headsets in den Kopfstützen. Er hatte sie zweimal auf der Interstate geschnitten. Frank hatte sich in das Audi-System eingeloggt und mit monotoner Stimme gesagt, dass er der automatische Wartungsassistent sei und der Fahrer wegen eines Defekts in der Bremsleitung sofort anhalten müsse. Bei einer Weiterfahrt erlösche sonst der Versicherungsschutz. Hatte sofort funktioniert. Der Wagen war direkt raus auf den Seitenstreifen gefahren.

„Selbst unsere Armee ist zu blöd“, sagte Frank. „Die US-Navy hat einen Satelliten in den Himmel geschossen für ihren Funkverkehr. Brasilianische Funker haben den gekapert und seitdem nutzen ihn alle, von Schmugglern bis zu Lastwagenfahrern oder illegalen Radiosendern. Nur die Navy nutzt ihn nicht mehr, und Befehle an die amerikanische Flotte kommen nicht an, vor allem nicht bei Spielen der Copa America, denn dann funkt auch Uruguay noch dazwischen.“

Eine Ameise kroch das Tischtuch hinauf, bewegte die Fühler in alle Richtungen und ortete den Zucker. Eine Honigtopfameise. Jetzt im Sommer gab es hier keine Insekten, die ihr den Honigtau lieferten. Die Ameise nahm ein Zuckerkörnchen zwischen ihre Kiefer und lief das Tischbein hinunter. Sie würde es nicht selber essen, sondern der Kolonie zur Verfügung stellen. Gemeinsinn statt Gier.

Frank hatte sie nicht bemerkt. Er war blind für die Wunder, die zu klein für ihn waren. Bald würde sich eine ganze Straße von Arbeiterinnen von der Kolonie bis zu ihrem Tisch erstrecken.

„Irakische Terroristen haben die Aufnahmen der Predator-Drohnen der amerikanischen Luftwaffe gehackt, mit kostenloser Software aus dem Netz. Dazu braucht man nichts als eine alte Satellitenschüssel.“

Der Kellner schlich um sie herum und Frank bestellte sich noch einen Espresso. Er sah Mary an, aber sie schüttelte den Kopf.

„Der Stromausfall an der Ostküste. Über einhundert Kraftwerke abgeschaltet. Der Grund waren umgestürzte Bäume auf den Leitungen, zumindest offiziell. Tatsächlich aber ein Cyberangriff aus China, nicht wirklich ernst gemeint, mehr eine Drohgebärde. Der Krieg im Netz hat längst begonnen.“

Das nächste Zuckertütchen wurde aufgerissen. Zwei Ameisen liefen jetzt über das Tischtuch und folgten der Pheromonspur, die die erste gelegt hatte.

Frank und seine Kriege.

Im Grunde hatte er seine Freude daran. Wie ein Großteil der Männer, die sie kannte. Sie hatte die Körper der Opfer gesehen. Sie würde dem ein Ende setzen, das hatte sie den Toten versprochen.

4

Inspector Peterson stand am Rand des Pools. Die Oberfläche blinkte im Takt des Blaulichtes. Die Wagen standen in der Garageneinfahrt, zwei Polizeiautos, Ambulanz, Rechtsmedizin, die ersten Sendewagen der lokalen Radioanstalten.

„Verdammte Schweinerei.“

Niemand antwortete ihm.

Auf dem Wasser trieb inmitten von roten Schlieren ein massiger Körper.

Die Spurensicherung war im Haus unterwegs. Sein Kollege vernahm die mexikanische Putzfrau, die auf einem der Barhocker kauerte und fürchtete, sie würde jetzt ihre

Aufenthaltsgenehmigung verlieren. Alles, bloß nicht zurück nach Tijuana. Wo man ihren Sohn erschossen hatte. Und ihren Neffen. Ihren Mann. Nur ihren Bruder nicht. Den hatte man nicht erschossen. Obwohl er darum gebettelt hatte, aber erschießen wäre zu einfach gewesen.

Sie hatte vor einer Stunde trotzdem die Polizei gerufen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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