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Die Auswendigpapageien sind eine relativ neue Gruppe von Leuten, die unser Leben mehr und mehr dominieren. Dies zum Nachteil für den Grossteil der Bevölkerung. In diesem Buch wird aufgezeigt, wie die Auswendigpapageien entstanden sind und wie sie sich rasant vermehren. Ausführlich werden die Auswirkungen dieser verheerenden Entwicklung aufgezeigt. Im letzten Viertel des Buches zeigt der Autor, wie man Gegensteuer geben kann, damit unsere Wirtschaft, und mit ihr unsere Gesellschaft, nicht an die Wand gefahren werden.
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Seitenzahl: 181
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Paul Bär
Die Auswendigpapageien
wie eine neue Nomenklatura die westliche Welt ruiniert
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel I Einleitung
Kapitel II Ausgangslage
Kapitel III Die Auswendigpapageien
Kapitel IV Auswendigpapageien in der Wirtschaft
Kapitel V Auswendigpapageien in Hilfswerken und NGO‘s
Kapitel VI Auswendigpapageien in den Medien
Kapitel VII Auswendigpapageien in der Politik
Kapitel VIII Auswendigpapageien und Feminismus
Kapitel IX Auswendigpapageien und Correctness
Kapitel X Auswendigpapageien und Justiz
Kapitel XI Auswendigpapageien in MINT-Berufen
Kapitel XII Massnahmen im Bildungswesen
Kapitel XIII Schlussfolgerungen
Kapitel XIV Abstimmungen in der Schweiz seit 2011
Kapitel XV Autor Paul Bär
Impressum neobooks
Mein Name ist Paul Bär, Jahrgang 1951 (mehr Details im Kapitel XV). Seit meiner Jugend habe ich mich immer sehr stark für Geschichte und Politik interessiert. Die Neugier war so gross, dass ich bereits mit 18 Jahren eine Qualitätszeitung abonnierte. Zuerst war es der Tages-Anzeiger, nach einigen Jahren wechselte ich zur Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), weil mir der Tages-Anzeiger zu links war. Letztere publizierte zahlreiche linke Beiträge, die mit der Realität oft nur bedingt etwas zu tun hatten, sodass ich mich immer öfters darüber ärgern musste. Denn ich habe diese Zeitungen nicht etwa aus Prestige abonniert, sondern ich habe jeden Tag mindestens eine Stunde darin gelesen. Ich wollte möglichst objektiv über die Schweiz und die restliche Welt informiert sein. Zusätzlich darf ich von mir behaupten, dass ich seit meiner Jugend mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gegangen bin und mir ein Bild über viele Dinge und Menschen machen durfte. Hilfreich waren auch ausgewählte Bücher zu verschiedensten Themen. Obwohl ich mich sehr für Politik interessiere, bin ich nie einer Partei beigetreten, weil ich schon in jungen Jahren feststellte, dass es in einer Partei oft nicht nur um Politik geht, sondern um Machtkämpfe mit all ihren unschönen Seiten. Deshalb konzentrierte ich meine Energie auf meine Familie und meinen Beruf. Und ich wollte mir beweisen, ob ich fähig bin, im Leben etwas zu erreichen. Ich finde nämlich nichts Schlimmeres als Leute, die das Maul gross aufmachen, selber aber in ihrem Leben nichts bewegt haben.
Mein Erfahrungsschatz umfasst mittlerweile eine Zeitspanne von 50 Jahren. Da hat sich einiges an Erfahrungen angesammelt, die es einem erlauben, gewisse Schlussfolgerungen zu ziehen. Es deprimiert mich, wenn ich sehe, wie sich viele Dinge in den letzten 20 Jahren in die falsche Richtung entwickelt haben. Gibt es keinen Kurs-wechsel, so wird es nur noch schlimmer mit der Folge, dass viele westliche Länder in eine Abwärtsspirale geraten, wo es für sie sehr schwer wird, sich da wieder herauszuarbeiten. Diese tristen Erkenntnisse und die Tatsache, dass immer mehr sogenannte „Experten“ einen immer grösseren Quatsch schreiben, motivierten mich, selber ein Buch zu schreiben. Mut dazu gab mir folgendes Zitat:
„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zubedienen“.
Immanuel Kant
Seit dem 19. Jahrhundert haben sich die westlichen Gesellschaften in einem atem-beraubenden Tempo verändert. Vor 50 Jahren dachte man, dass mit den technischen Errungen-schaften wie Dampfkraft, Verbrennungsmotor, Elektrizität, Film, Telefon, Radio und schluss-endlich mit dem Fernsehen die wesentlichen Dinge für den Normalbürger erfunden seien und nicht mehr viel Neues passieren wird. Wie wir heute wissen, ist dem nicht so. Die elektronische Datenverarbeitung (EDV) startete langsam und heimlich. Mit der Entwicklung von immer kleineren und leistungsfähigeren Chips setzte eine Ver-änderung unseres Alltages ein, wie es wahr-scheinlich nur ganz Wenige vorausahnen konnten. Und der Prozess ist noch nicht zu Ende! Heute erfreuen sich Milliarden von Menschen eines Lebensstandards, den sich wohl vor hundert Jahren niemand hätte vorstellen können. Lange lief vieles gut bis sehr gut. Jetzt aber stellen immer mehr Leute fest, dass verschiedene Entwick-lungen Angst machen und die Zukunft nicht mehr so rosig aussieht: Hier einige wesentliche Punkte:
Seit Jahrzehnten steigt die Steuerlast für die meisten Bürger in hochentwickelten Ländern. Seit Menschengedenken haben sie noch nie so viele Steuern bezahlt wie heute. Und trotzdem sieht es ganz so aus, dass in Zukunft noch mehr Steuern bezahlt werden müssen und Personen mit Vermögen sogar Gefahr laufen, dass ein Teil ihres Vermögens kurzerhand enteignet wird.
Jährlich steigen die Kosten für die Sozialsysteme überproportional an. Es gibt immer mehr Personen, die nicht mehr arbeiten können oder wollen. Dadurch wird immer mehr Geld von einer wachsenden, nicht aktiven Minderheit verbrannt. Geld für Infrastrukturen und andere nachhaltigen Investitionen ist immer weniger vorhanden.
Die Schuldentürme der meisten Industrie-länder erreichen schwindelerregende Höhen und wachsen weiter!
Es entstehen immer mehr Arbeitsplätze beim Staat und staatsnahen Organisationen, die keinen volkswirt-schaftlichen Mehrwert generieren.
Die Allgemeinbildung ist heute auf einem tieferen Stand als vor 30 Jahren. Es gibt immer mehr Personen mit rudimentärer Bildung. Die Schulsysteme werden seit über 30 Jahren permanent von „Fachleuten“ reformiert, die selber keine langjährige Lehrpraxis in Schulen aufweisen.
Der Rechtsstaat wird immer weniger konsequent durchgesetzt. Emotionen sind wichtiger und werden für Partikular-interessen skrupellos missbraucht.
Zusammengefasst müssen wir heute feststellen, dass alle westlichen Gesellschaften während den letzten Jahrzehnten mehr ausgaben und ver-brauchten als sie verdienten, bzw. einnahmen. Man hat also jahrzehntelangüber denVer-hältnissen gelebt und gigantische Schulden-türme aufgebaut. Ein grosser Teil der Eliten will das aber nicht wahrhaben. Sie sehen nicht ein, dass wir jetzt an einem Punkt angelangt sind, wo es so nicht mehr weitergehen kann. Sie wollen lieber noch mehr Schulden anhäufen, weil es für sie viel angenehmer ist. Doch die Zeichen stehen auf Sturm. Die Rechnungen werden in naher Zukunft präsentiert und sie müssen bezahlt werden. Im Klartext, die extrem hohen Schulden-berge müssen stabilisiert, bzw. reduziert werden. Da in den meisten westlichen Staaten die Steuer-belastungen sehr hoch oder bereits zu hoch sind, können die Probleme nicht mit weiteren Steuer-erhöhungen gelöst werden. Die exorbitanten Ausgaben müssen reduziert werden.
Die sehr grosszügig ausgebauten Sozial-systeme sind auf diesem hohen Niveau nicht mehr finanzierbar, sie müssen reduziert werden!
Das Heer der Staatsangestellten ist ebenfalls in den meisten westlichen Staaten viel zu gross und muss drastisch reduziert werden.
Die Entwicklungshilfe muss innerhalb von fünf Jahren um 50 % reduziert werden.
Die Subventionitis muss generell durchleuchtet und um mindestens 20 % verkleinert werden.
Ich gehe davon aus, dass in diesen vier Bereichen der Staat ungefähr 20 % aller Ausgaben ein-sparen kann. Mit diesem neuen Spielraum können endlich die vielen Infrastrukturprojekte realisiert werden. Viele westliche Länder haben auch einen sehr hohen Nachholbedarf bei der Verteidigung. Und schlussendlich können die Schuldentürme stabilisiert, bzw. reduziert werden. Dies alles ist natürlich in einer Demokratie nicht sehr einfach zu bewerkstelligen. Tun wir nichts und wursteln weiter wie gewohnt, so wird es nicht besser, sondern die Konsequenzen werden umso brutaler sein. Mit grosser Wahrscheinlichkeit kommt eine grosse Inflationswelle, die die vielen Ungleich-gewichte ausglätten wird. Dies wird eine sehr unsoziale Korrektur sein und die Mehrheit der Bevölkerung wird ihren gewohnten Lebens-standard reduzieren müssen. Noch weiss niemand, wie sie reagieren wird, die „Gelbwesten“ geben uns aber bereits einen Vorgeschmack, was passieren kann.
Soweit muss es nicht kommen. Es gibt Aus-nahmen wie Schweden, die den Turnaround rechtzeitig geschafft haben. Aber dieser Prozess ging natürlich nicht ohne Schmerzen über die Bühne. Erfreute sich Schweden nach dem zweiten Weltkrieg einer der höchsten Lebens-standards weltweit, so ist dieses Land heute im oberen Mittelfeld anzutreffen. Man lebt aber immer noch gut in Schweden.
Es gibt noch ein weiteres Beispiel: Neuseeland. Gemäss Wikipedia ging dieses Land in den siebziger Jahren wegen zu viel Sozialismus und Exporteinbrüchen fast Bankrott. Die Exportmärkte nach Europa brachen ein, weil 1974 Gross-britannien der EU beitrat. Die Ölkrise verschärfte die Lage noch zusätzlich. Von heute auf morgen gab es keine Subventionen mehr, weil der Staat kein Geld mehr hatte. Er zog sich aus der Wirtschaftssteuerung zurück und ermöglichte ein liberales System. Die Steuern wurden gesenkt und der Sozialstaat reduziert! Eine tiefe Rezession überzog das Land. Die Immobilien-preise fielen drastisch und die Arbeitslosigkeit nahm stark zu. Erstaunlicherweise wurde dieser Fall in Europa nicht thematisiert. Ich denke, es gab zwei Gründe:
War es ein schönes Beispiel, was passieren kann, wenn zu viel Sozialismus eingeführt wird, was natürlich allen linken Journalisten nicht in den Kram passt.
Verhielt sich die Bevölkerung relativ ruhig und lieferte somit keine reisserischen Headlines. Inzwischen hat sich Neuseeland von dieser Katastrophe gut erholt.
Bei den meisten und v.a. bei den grossen europäischen Ländern ist hingegen keine Einsicht in schmerzhafte Reformen in Sicht. Sie ver-suchen, die Probleme mit noch mehr Steuern zu lösen. Schwächere Mitglieder in der EU glauben, sich auf Kosten anderer Mitglieder schadlos halten zu können. Und dort, wo man meint, man hätte noch Geld, wie z.B. Deutschland und die Schweiz, wird munter drauflos debattiert, wie man die sehr grosszügigen Sozialsysteme noch weiter aus-bauen kann. Wie ist es möglich, dass eigentlich intelligente Menschen nicht begreifen wollen, dass die Jahrzehnte, wo man ständig mehr ausgab als herein kam, endgültig vorbei sind und der Moment gekommen ist, wo es so nicht mehr weiter gehen kann. Diese Tatsachen beschäftigen mich seit Jahren und ich bin zum Schluss gekommen, dass ein immer grösserer Teil der heutigen Eliten offensichtlich die nötigen Fähigkeiten und geforderten Charakterstärken nicht hat, um die grossen und nötigen Veränderungen durchzuführen.
Blicken wir zurück auf die letzten 2000 Jahre, so dominierten in Europa bis zur industriellen Revolution in England zwei Schichten als Eliten: Die Aristokratie und die Kirche. Einflussreiche Familien optimierten ihren Einfluss, in dem sie sowohl in der Aristokratie wie in der Kirche ihre „Leute“ hatten. Im 18. Jahrhundert setzte sich in westlichen Staaten die Aufklärung durch. Die industrielle Revolution nahm Fahrt auf und es entstand eine reiche Bürgerschicht, die nach mehr Freiheit verlangte. Im 19. Jahrhundert wurde sukzessive die Bildung für jedermann eingeführt und gleichzeitig explodierte das allgemeine Wissen (v.a. technische Entwicklungen und in den Naturwissenschaften). Es entstand eine grössere Schicht von Akademiker, die ein sehr hohes Ansehen in der Gesellschaft genoss. Mit steigendem Volkswohlstand nach dem 2. Welt-krieg setzte sich in linken Kreisen die Idee durch, man müsse es jetzt jedermann ermöglichen, möglichst alle Schulstufen zu erreichen. Dazu wurden die Übertrittshürden markant gesenkt. Gleichzeitig wurde die klassische Berufsbildung sträflich vernachlässigt und schlecht geredet, was mit ein Grund ist, warum viele hoch entwickelte Länder sich in den letzten Jahrzehnten stark deindustrialisiert haben. Mit fatalen, negativen Folgen für den allgemeinen Wohlstand.
Mittlerweile wird dieser kapitale Fehler sogar weltweit nachgeahmt, ohne sich die Frage zu stellen, ob dies überhaupt Sinn macht. Diese Tatsachen brachten mich zur Erkenntnis, dass die aktuell praktizierten Bildungssysteme vieler Länder in völlig falsche Richtungen verlaufen. Statt gut qualifizierte, brauchbare Fachpersonen bringen diese immer mehr Personen hervor, die viel Steuergeld gekostet haben, volkswirtschaftlich aber nichts, bzw. fast nichts bringen. Sie produzieren keinen Mehrwert, im Gegenteil, sie schaden der Wirtschaft und der Gesellschaft in einem immer grösseren Umfang. Ich nenne diese Personengruppe die Auswendigpapageien. Der Einfachheit halber benutze ich, wo es Sinn macht, die Abkürzung AP.
Wenn Sie dieses Buch lesen, so kann man den Eindruck erhalten, ich hätte ein Problem mit Akademiker, weil ich selber keiner bin. Dazu kann ich nur sagen, dass ich nichts gegen Akademiker habe; im Gegenteil, der kompetente Akademiker ist sehr wichtig für unsere Gesellschaft und Wirtschaft.
Wie aber kam ich auf das Wort Auswendig-papagei? Dazu müssen wir die typische Laufbahn eines Auswendigpapageien einmal detailliert betrachten. Zuerst geht er wie alle anderen in die obligatorische Grundschule. In vielen Ländern dauern diese 8 bis 9 Jahre. Nachher geht der zukünftige Auswendigpapagei für weitere 3 bis 4 Jahre in eine Mittelschule (Matura/Abitur). Hat er diese Hürde genommen, so verweilt er weitere 3 bis 5 Jahre an einer Hochschule/Universität. Will er noch einen Doktortitel, so müssen nochmals 2 bis 3 Jahre angehängt werden. Was sagt uns diese Aufzählung? Diese Personen waren bis zum Alter von 25 bis 30 Jahren immer in der Schule. Haben diese Leute nun eine Ahnung wie das Leben in der Realität funktioniert? Ich denke nein. Sie wissen wohl sehr viel und könnenwohl-formuliert reden (auswendig), können aber das Auswendiggelernte nicht mit den real existie-renden Menschen in Verbindung bringen, weil sie sie nicht kennen und oft nicht kennen wollen, denn sie fühlen sich als Elite überlegen. Sie sehen nicht ein, dass es ihnen an Lebenserfahrungen mangelt, weshalb sie am liebsten immer wieder Sätze aufsagen, die sie auswendig gelernt haben (Papagei).
Beginnen wir mit der Schule. Jedermann weiss, dass man in der Schule viel lernen kann. Es ist dabei unvermeidlich, dass auch sehr viel aus-wendig gelernt werden muss. Solange es Dinge sind, die man einfach nur kennen muss, so ist das nicht weiter tragisch. Dümmer wird es dann, wenn man Zusammenhänge auswendig lernt, die man nicht versteht. An einer Prüfung wird ja nicht immer so gefragt, dass man aufzeigen muss, dass man die Problematik begriffen hat. Die Prüfer wollen einfach die Stichwörter hören oder sehen, die sie als richtig betrachten. Und hier entwickelt der zukünftige Auswendigpapagei sein grosses Können. Er kann sehr gut auswendig lernen und ist fähig, jede kleinste Regung des Prüfers bei einer mündlichen Prüfung zu seinen Gunsten zu nutzen. Er lernt über Jahre, sich raffiniert auszudrücken und spürt was der Prüfungs-experte hören oder sehen will. Er lernt langfädige Abhandlungen schreiben, die den Eindruck erwecken sollen, dass er die Materie begriffen hat. Ein probates Mittel ist das sehr umfangreiche Beschreiben eines Ist-Zustandes. Allfällige Lösungsvorschläge sind oft sehr kurz oder kommen überhaupt nicht vor. Kommt hinzu, dass schon sehr früh eine sehr gute „Zusammenarbeit“ unter den „Auswendiglernern“ herrscht. Dadurch kann die Effizienz noch gesteigert werden. Es erstaunt dann nicht mehr, wenn möglicherweise ausgefüllte Fragebögen und dergleichen schon vor der Prüfung unter den Studenten illegal zirkulieren. Als Pünktchen auf dem i gibt es Doktorarbeiten, die mehrheitlich im Internet abgeschrieben werden. In den vergangenen Jahren sind entsprechende prominente Fälle aufgedeckt worden und Sie können davon ausgehen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Mittlerweile ist es sogar noch einfacher geworden. Gegen Bezahlung lässt man sich eine Masterarbeit oder Dissertation von einer Ghost-writing-Agentur schreiben.
Fazit: Auswendigpapageien können sehr gut auswendiglernen und raffiniert debattieren, das heisst aber noch lange nicht, dass sie von Wirtschaft undPolitik etwas verstehen, bzw.dafür geeignet sind.
Dies sehen natürlich die Auswendigpapageien ganz anders. Schliesslich hat man ihnen während Jahren das Gefühl gegeben, dass sie spätestens nach Abschluss ihrer Studienzeit zur Elite gehören. Dabei übersehen sie aber einen gewichtigen Nachteil: Auswendigpapageien verkehren während ihrer ganzen Studienzeit praktisch nur mit ihresgleichen. Sie bewegen sich in einer AP-Blase, die man auch als „geschützte Werkstatt“ betrachten kann. Sie alle weisen die gleichen Defizite auf: Sie kennen viele Theorien, haben aber keine grosse Ahnung von den real existierenden Menschen und dem realen Leben ausserhalb der AP-Blase. In der Schule werden viele gesellschaftliche Theorien behandelt, doch leider ist das meiste davon unbrauchbar, weil es im realen Leben nicht funktioniert. Und warum ist das so? Weil viele dieser Sozialtheorien von Personen entwickelt wurden, die ebenfalls keine Ahnung von den real existierenden Menschen hatten. Ihre Theorien tönen schön, sind aber total weltfremd, bzw. setzen Menschen voraus, die es nie gegeben hat und nie geben wird.
Derschwierigste, aber wichtigste Faktorin gesellschaftlichen Fragen ist nämlichderMenschund den lernt man nur richtig kennen, wenn man mit ihm über Jahre inder realen, wertschöpfenden Wirtschaft zusammen-arbeitet.
Warum wollen alle studieren?
Ich denke, es gibt zwei Gründe: 1. War und ist das Prestige des Akademikers sehr hoch und bekannt-lich strebt der Mensch nach höherem. 2. Der grösste Teil der Eliten propagiert das Studieren und betrachtet manuelle Arbeit als zweitklassig. In vielen Ländern wird manuelle Arbeit seit Jahr-hunderten als minderwertig eingestuft und soll von unteren Schichten ausgeführt werden.
Wie präsentiert sich die heutige Situation in den hochentwickelten Staaten? Nach den obliga-torischen Schuljahren fragen sich viele Eltern, wie es mit ihrem Nachwuchs weitergehen soll? Die meisten Kinder wissen nicht, was sie wollen. In diesem Alter ist es auch sehr schwierig und sie benötigen deshalb die Hilfe ihrer Eltern. Und diese orientieren sich leider meistens nicht andenFähigkeiten ihrer Kinder, sondern sie schauen auf ihr Umfeld und stellen fest, dass das höchste aller Gefühle das Studieren ist. Es verspricht Prestige, das auch auf die Eltern positiv zurück fällt. Die Kinder wissen zwar weiterhin nicht, welchen Beruf sie schlussendlich ergreifen wollen. Man hofft aber, dass während der Mittelschulzeit diese Frage beantwortet werden kann. Mit dem Erreichen der Matura/Abitur sollte man zwar eine
bessere und breitere Allgemeinbildung haben, aber sonst kann man eigentlich noch gar nichts Konkretes. Umso logischer wäre es, wenn man wenigstens jetzt wüsste, was für einen Beruf man erlernen möchte. Doch leider wissen viele Maturanden auch jetzt nicht, was sie erlernen wollen! Zu Hause ist es eben sehr bequem und die Eltern sind stolz, dass ihre Sprösslinge die Matura absolviert haben.
Früher war fast jeder unter Druck, so schnell wie möglich nach der Matura/Abitur einen konkreten Beruf zu lernen, bzw. zu studieren und abzu-schliessen, damit man endlich selber Geld verdienen kann. Denn die Eltern waren der Meinung, dass sie schon genug bezahlt hatten und es an der Zeit war, dass ihre Kinder auf eigenen Beinen stehen sollten. Deshalb hat man vor Jahren in der Schweiz die Mittelschulzeit um einige Monate verkürzt, damit man ein volles Jahr früher mit dem Studium beginnen kann. Doch wie sieht die heutige Realität aus? Man legt lieber ein sogenanntes Zwischenjahr ein, nicht etwa um die französische Sprache im Sprachgebiet mündlich zu lernen, die man während sechs Jahren in der Schule theorielastig behandelt hat und darum kaum sprechen kann. Dazu ein krasses Beispiel: In der „Weltwoche“ Nr. 34, 2014 entnehme ich, dass die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill in ihrem Maturazeugnis für die französische Sprache eine glatte sechs (= Bestnote) erhalten hat. Sie lernte während sechseinhalb Jahren alles über die französische Grammatik und Literatur auswendig. Sprechen kann sie nicht. Angeblich weil es nicht in ihr alemannisches Maul passt. Dabei hätte sie nach der Matura nur während 3 bis 4 Monaten in einem französisch sprechenden Gebiet arbeiten müssen und sie hätte für den Rest ihres Lebens immer französisch sprechen können. Eigentlich sollte jeder, der so lange eine Sprache „gelernt“ hat, mindestens sprechen können, ansonsten man sich ja die Frage stellen muss, für was habe ich eigentlich das alles gemacht.
Leider ist sie nicht die einzige, die nicht ins Welschland gegangen ist. Heute gehen viele Maturanden lieber nach Australien, um die englische Sprache zu verbessern. In Australien aber spricht man inzwischen ein kaum mehr verständliches Englisch. Zurück aus Australien weiss man dann immer noch nicht was man studieren soll. In Anbetracht, dass man ja bald zur Elite gehört und das Geld irgendwie von alleine hereinkommt, wählt man am liebsten eine Studienrichtung, die möglichst viel Spass macht und nicht zu viel Stress verursacht. Ob es volkswirtschaftlich Sinn macht, ist kein Thema. Darum werden in der Schweiz die Sozial-wissenschaften mit 25‘000 Studenten am stärksten belegt, gefolgt von 22‘000 Studenten in den Wirtschaftswissenschaften. Mit 16‘000 ist die Zahl der Studenten im Fachbereich Recht deutlich tiefer, aber, gemessen an der Nachfrage, trotzdem ebenfalls zu hoch. Bei den Naturwissenschaften sind es immerhin 13‘500 Studierende. Über 10‘000 Studenten studieren nur Psychologie! Alle anderen Fachbereiche an Hochschulen und Universitäten haben weniger als 10‘000 einge-schriebene Studenten (Bundesamt für Statistik). Noch schlimmer ist es in anderen Ländern. In Spanien z.B. sind gemäss Adecco-Chef de Maiseneire 15 % aller Studienabgänger Historiker! Später ist man dann erstaunt, wenn man keinen passenden Arbeitsplatz findet. In der Schweiz habe ich ein ganz schönes Beispiel gefunden: Patrick Imhasly ist Redaktor im Ressort Wissen der „NZZ am Sonntag“. In seinem Artikel vom 5.2.17 mit dem Titel „ich wünsche mir einen Dorftrottel“ ist er sogar stolz, wenn seine Kinder ein Studium wählen, das sich nicht unbedingt zum Broterwerb eignet. Was für eine verkehrte Welt.
Generell kann festgestellt werden, dass die Allgemeinbildung heute nicht besser als vor 30 Jahren ist, im Gegenteil, sie ist schlechter. Die Gründe dafür sind schnell gefunden. Man macht heute in der Schule alles Mögliche und vernach-lässigt die Basisfächer. Weniger Ordnung und mangelhafte Disziplin sind weitere negative Punkte. Heutige Jugendliche sind schlechter im Lesen, Schreiben und Kopfrechnen. Manuelle Kompetenzen sind nur noch rudimentär vor-handen. Die Jungen lesen weniger Zeitungen und Bücher, schreiben dafür auf Mundart viele SMS und andere Beiträge in Facebook, usw. Es erstaunt deshalb überhaupt nicht, wenn die Fähigkeiten in der hochdeutschen Sprache stark rückläufig sind. Heute sprechen viel weniger Deutschschweizer Französisch als noch vor 30 Jahren. Die Kosten für den Französischunterricht sind zwar höher als früher, weil aber fast niemand mehr das berühmte Welschland-Jahr absolviert, ist es zu dieser für die Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft schädlichen Fehlentwicklung ge-kommen. Fachleute mit Kenntnissen der französischen Sprache sind Mangelware. Einerseits schadet dieser Mangel an Sprach-kompetenz dem Werkplatz Schweiz und anderer-seits ist es auch aus gesellschaftspolitischen Gründen bedenklich, wenn junge Deutsch-schweizer keine Ahnung mehr von der franzö-sischen Schweiz haben. Dies schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der sonst in schönen Sonntagsreden doch immer so hoch gehalten wird. Fazit: Man war schon überall auf dieser Erde, aber noch nie im Welschland!
