Die Autobombe - Gerhard Nelson - E-Book

Die Autobombe E-Book

Gerhard Nelson

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Beschreibung

Erfolgen Terroranschläge wirklich meist ohne Vorwarnung und ist es nahezu unmöglich, sich vor ihnen zu schützen? Mit dieser Frage befasst sich hauptsächlich das Buch «Die Autobombe» (Band 2/ Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!) und gliedert sich auf die Basis von über 20-jähriger Erfahrung, an folgende Kapiteln: Ziele der Terrorismus-Prävention, Jugendprävention, Kriminalprävention durch Umweltdesign, Bombendrohung, sowie Entstehungsgeschichte und Ausbildung der EOD und EOR im Militär, Polizei und privaten Sicherheitssektor. Zudem enthält das 274 seitige DIN-A4 Buch, Formblätter und zahlreiche Modulen, welche für den Dienst von großen Nutzen sein werden. Folglich ist es das Ziel der Prävention durch Vorbeugung einen potenziellen Schaden möglichst gering zu halten oder bestenfalls ganz abzuwenden. Doch um dies erreichen zu können, ist zunächst ein Verständnis der Methoden, Ursachen, Motive, Ziele und Wirkungsverhältnis erforderlich. All dies möchte der Autor, Ihnen, in seinem neuen Werk vermitteln, denn es ist keine leichte Aufgabe dem Terrorismus entgegenzuwirken, aber dennoch können Sie einiges tun, um die Gefahr einzudämmen und Ihre Überlebenschancen verbessern.

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Seitenzahl: 497

Veröffentlichungsjahr: 2018

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In diesen Buch werden Informationen und Techniken bereitgestellt, welche zu lebensgefährlichen Verletzungen führen können. Diese Techniken sollen nur zur erforderlichen Notwehr gegen einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff auf ein rechtlich geschütztes Gut (Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit) eingesetzt werden. Haftungsansprüche gegen die Autorenschaft für eventuelle Verletzungen sind grundsätzlich ausgeschlossen, sofern seitens der Autorenschaft kein nachweislich vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verschulden vorliegt.

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Die Autorenschaft dieses Buches hat sich bemüht, richtige und vollständige Informationen zur Verfügung zu stellen. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und überprüft. Das Sachbuch wurde erstellt auch mit dem Hinweis auf vergleichbare und Gemeinfreie Werke. Diese Urheber wurden soweit namentlich erwähnt oder auch nicht, wenn z.B. ein Artikel breite Öffentlichkeitswirksamkeit hat, dessen Autor jedoch bewusst anonym bleibt und somit auch auf seine Urheberrechte verzichtet. Dennoch übernimmt die Autorenschaft keine Garantie oder Haftung für die Fehlerfreiheit, Genauigkeit, Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen.

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INHALTSVERZEICHNIS

Kapitel 9

/ Prävention

Prävention statt Panik

Was ist Prävention?

Geschichte über die afghanische Polizei

Wo die Straße beginnt, fängt der Aufstand an

Terrorismus und Hasskriminalität, die unterschiedlichen Merkmale

Ziele der Terrorismus-Prävention

Kapitel 10

/ Jugendprävention

Der andere Kampf gegen den Terror

Trifft folgende Aussagen auf unsere Jugendlichen zu?

Werden die Terror-Touristen des Islamischen Staats immer jünger?

Die kleinen Todbringer

Das Schweigen der Lämmer ... oder was sollen wir unsere Kinder sagen

Eintrittspforte zu etwas mehr Sicherheit

Kein Sprengstoff zum Schnüffeln

Sprengstoffdetektor

Der Einsatz vom Sprengstoffspürhunde (SSH)

Kein Kind soll verloren gehen

Die Etappen der Rekrutierung

Sätze, die nie gesprochen werden

Merkmale einer islamischen Radikalisierung

Warum ist die Einordnung schwierig?

Welche Tipps gibt es für das Gespräch mit bedrohten Jugendlichen?

Welche Hinweise könnten Gefährdeten die Augen öffnen?

Lehrer und Schule

Gute Zeichen, schlechte Zeichen

Strafbare Grußformen / Parolen / Lieder

Strafbarer volksverhetzender Äußerungen

Redewendungen aus der NS-Zeit

Zahlencode und Bedeutung

Graffiti-Szene

Scratching

Wer den Feind nicht kennt, hat keine Chance

Zinken

Kleine Übersicht über Verbotsmaßnahmen des BMI

Stufen der Schulentwicklung

Schulqualität

Steckbriefe alltäglicher Gewalt

Schönheitsideal und Spiegel der Persönlichkeit

Nicht alle Tätowierten sind kriminell, aber viele ...

Glaubensbekenntnisse, die unter die Haut gehen

In Gegensatz zur islamischen Welt

Muslime haben keine Tattoos, aber...

Blinderpassagiere in Flüchtlingsunterkünfte

Jetzt muss auch die Politik endlich Farbe bekennen

Kapitel 11

/ Kriminalprävention durch Umweltdesign

Die Geschichte und Entwicklung von CPTED

Chicago School

Die Stadt als sozialer Prozess

Naturgebiete

Das konzentrische Zonenmodell

Konsequenzen des Fehlens sozialer Kontrolle

Kriminalitätsbereiche

Aufbau und Inhalt der ENV14383-2

Wo? – Was? – Wer?

Strategien für Stadtplanung und Management des Sozialraums

Der Prozessablauf

Vorbereitung und formale Voraussetzungen

Evaluation

Schlussfolgerungen und Ausblick

Wichtige Schritte beim Umweldesign

Schritt 1: Identifizierung der Prinzipien

Überwachung

Zugangskontrolle

Territoriale Verstärkung

Zielhärtung

Minderung von feindlichen Fahrzeugen

Jersey-Barriere

Alte Sperren gegen den Feind

Poller

Schutzplanke

Stadtmöbel

Allgemeiner Gefahrenbereich bei USBV

Festlegung des Gefahrenbereiches durch EOR-A

Der Efeu rankt mit Fluch und Segen

Verwaltung und Wartung

Schritt 2: Einbeziehung der Risikobewertung

Schritt 3: Integration von Planungs- und Entwurfsüberlegungen

Schritt 4: Anwendung der Designrichtlinien und -kriterien

Schritt 5: Vorbereitung einer Designstrategie

Schritt 6: Durchführung der Designbewertung

Schritt 7: Management und Wartung

Schritt 8: Überwachung

Schritt 9: Vorbereitung einer Sicherheitsrisikostrategie

Schritt 10: Überprüfung der Politik

Leitlinien des Umweltdesigns gegen Verbrechen

Natürliche Überwachung

Städtische Struktur

Gemischte Landnutzung

Aktivitätsgeneratoren

Gebäudeentwurf, einschließlich Randdefinition

Beleuchtung

Landschaft

Verwaltung und Wartung

Sichtlinien und Wegfindung

Beschilderung

Vorhersehbare Routen und Räume, vor Einschluß sichern

Bürger- und Stadtzentren

Einkaufs-, Handels-, Gesundheits- und Bildungszentren

Parks und öffentliche Freiflächen

Parkplätze

Wie sicher ist ihr Parkhaus?

Transitstationen, einschließlich Bushaltestellen und Taxistände

Öffentliche Toiletten

Fußgängerwege, Gassen und Zufahrtswege

Fußgängerüberführungen und Unterführungen

Modell der Prävention

Polizeiarbeit im Bereich der Prävention

Personen- und Strategiespektrum der Prävention

Kapitel 13

/ Bombendrohung

Planung und Vorbereitung

Notfallplan für eine Bombendrohung

Eine Drohung erhalten

Formblatt zum Ausfüllen bei einem Drohanrufen

Wichtige Notruf-Nummer

Sicherheitsanalyse

Bedrohungsanalyse

Personal Reaktion

Allgemeine Richtlinien für das Suchteam

Verdächtiger Gegenstand

Sperrung / Evakuierung

Kapitel 14

/ Entstehungsgeschichte der EOD und EOR

Was die Großeltern wussten, die Väter verdrängten, und die Söhne...

Kapitel 15

/ EOR Ausbildung

Militär

Ich sehe was du nicht siehst …

Greife die Netzwerke an

Schwerpunkt des EOR

Fachleute geben ihr Wissen weiter

Trainingsmission

Aus der Vergangenheit lernen

Zukunfstperspektive für den EOR Personal

EOR, Wissenschaft und Zukunft

Security

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit

Die jetzige Einstellung Voraussetzungen sind streng

Inhalte der Sachkundeprüfung

Inhalte der Ausbildung/ Umschulung

Polizei

Ein Arbeitstag in Bildern

Die Entwicklung des Entschärferwesens in der Bundespolizei

Der Wind ist rauer geworden

KLE statt Amok

Das urbane Vorgehen

Hat sich der Polizeiberuf verändert?

Elemente der taktischen Einsatzmedizin

Das C-ABCDE-Schema

Autorenvita

VORWORT

Seit Urzeiten haben Menschen aus ihren Fehlern gelernt und sich auf eine bevorstehende Bedrohung vorbereitet. Doch über der Zeit ist wohl dieser Instinkt bei einigen Personen abhandengekommen und «wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis». Er macht also etwas, was widersinnig dumm ist, aber was auch gleichzeitig typisch für einen Esel ist. Es bedeutet also, dass man nichts tun sollte, was einem überhaupt nicht guttut. Diesen Spruch bringen wir unsere Kinder bei, doch selber, in Zeiten des Wohlstandes senken wir gerade da unsere Deckung und bieten damit eine offene Lücke für einen terroristischen K.O. Schlag. Haben wir nicht aus dem einen Schlag auf die Fresse gelernt oder sind wir vielleicht ein bisschen SadoMaso veranlagt und lieben es, wenn uns ständig Leid und Schmerzen zugefügt werden? Aber vielleicht sind wir auch nur müde vom ständigen Kampf und vielleicht denkt gerade deshalb die heutige Generation, warum soll ich kämpfen, das haben bereits meine Vorväter für mich getan, damit ich jetzt Spaß haben kann.

Auch wenn wir denken, dass wir jetzt das Schlimmste überstanden haben und jetzt endlich Ruhe herrscht, dann stellt sich immer wieder heraus, dass dies nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm ist. Und gerade deshalb sollten wir kontinuierlich unsere Deckung oben halten und ständig an unsere Verteidigung arbeiten.

Die Terroristen wollen nicht nur Menschen töten, sondern haben es auch darauf abgesehen unseren Wohlstand zu zerstören. Sie führen auch einen Wirtschaftskrieg und zielt damit ins Herz unserer Gesellschaft. Doch auch 17 Jahre nach den monströsen Attacken des 11. September 2001 ignorieren einige aus der Gesellschaft, Politik und Geheimdienste diese Gefahr.

Wer den Terror besiegen will, dann sollten wir die Bedürfnisse der Terroristen erst einmal verstehen - und ernst nehmen. Erst dann, wenn wir die Fähigkeit haben, eine Gefahr im Vorfeld zuerkennen, erst dann können wir diese Gefahr rechtzeitig bannen. Doch fehlt es auch einige Menschen an eine Weitsichtigkeit und sie können meist nicht das ganze Bild mit ihren Zusammenhang erkennen. Wenn den westlichen Gesellschaften die Gabe und Kraft fehlt, so zu denken, werden sie den Kampf verlieren.

Die westliche Welt hat seit den alten Griechen vor zweieinhalb Jahrtausenden (erste Aufklärungswelle in der Menschheitsgeschichte) gelernt, kritisch zu denken, vor allem selbstkritisch. Das ist gut, denn Kritik ist der Schlüssel für fast jede Weiterentwicklung, eine Unterscheidung zwischen was gut ist und wo es an Verbesserungsbedarf besteht (konstruktive Kritik). Allein strengere Gesetze, mehr Überwachung und mehr Polizei sei gut und recht. Doch all das komme erst am Schluss einer ganzen Kette von Maßnahmen.

Im Umgang mit der terroristischen Bedrohung sind mehrere Strategien erforderlich. Erstens gilt es, die Prävention zu optimieren und schon weit im Vorfeld gegen radikalisierten Einstellungen zuwirken, die den Nährboden für terroristische Aktivitäten bilden. Zweitens sind Vorkehrungen für die Abwehr bereits bestehender Gefahren zu verbessern; überdies ist die Ausbildung zu stärken.

Ich bin davon überzeugt, dass die Kombination aus Repression, Prävention und bessere Ausbildung, sei der einzig gangbare Weg. Nur so könne man Terroristen von Taten abhalten. Aber diese Aufgaben kann nicht allein durch die Sicherheitsbehörden bewältigt werden, sondern es ist eine gesamt gesellschaftliche Aufgabe.

Vielleicht sollten auch die Verhaltensregeln bei extremen Gefahrensituationen neu überdacht werden. In den USA und andere europäische Breitengrade raten die Experten zu folgende Überlebenstipps: 1.) Panik vermeiden 2.) Überblick verschaffen 3.) Gefahrenzone schnellstmöglich verlassen 4.) Schutz suchen 5.) Eigene Sicherheit steht an erster Stelle 6.) Terroristen nicht selbst angreifen 7.) Informationen an die Polizei weitergeben 8.) Betroffenen Menschen helfen.

Im Gegensatz hierzu rät Israel um jeden Preis kämpfen und niemals aufgeben, auch wenn man denkt, es geht nicht mehr, steckt im jeden Körper immer noch 20 Prozent Restenergie. Klagt nicht, kämpft! Israel landet auf Platz 36 des weltweiten Terrorismusindex. Das Institut für Wirtschaft und Frieden, eine Londoner Denkfabrik, die ihren Bericht am 15.11.2017 veröffentlichte, verzeichnet in Israel einen Rückgang von Toten durch Terrorismus.

Für welche Handlungsempfehlungen Sie sich auch entscheiden, sind keine Garantie, dass Ihnen nichts passiert, aber sie erhöhen allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass sie lebend aus solch einer Extremsituation herauszukommen. Dafür gibt es keine Musterlösung und es immer abhängig von der Situation und Lage.

KAPITEL 9 - PRÄVENTION

Prävention statt Panik

Bevor wir uns überhaupt mit der Prävention befassen, sollten wir wissen was es eigentlich bedeutet.

Hierzu ein kleiner Auszug von Wikipedia:

Prävention (lateinisch: praevenire - «zuvorkommen»‚ «verhüten») bezeichnet Maßnahmen zur Abwendung von unerwünschten Ereignissen oder Zuständen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreffen könnten, wenn nichts getan würde. Prävention setzt zunächst voraus, dass geeignete Maßnahmen verfügbar sind, um den Eintritt dieser Ereignisse zu beeinflussen.

Das Konzept, die Umwelt zu nutzen, um lebenswichtige Vermögenswerte zu schützen, ist nicht neu. Seit den Tagen der Pyramiden in Ägypten und den von Wasser umgebenen Schlössern haben sich die Menschen die Umgebung angepasst, um sich zu schützen.

Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Burgen:

Zum einen gibt es die

Wasserburgen

. Sie stehen inmitten eines Gewässers oder sind umgeben von einem Wassergraben. Das erschwerte das Angreifen.

Zum anderen sind da die

Höhlenburgen

. Diese sind gut in Felsen und Wald versteckt und ideal, um sich dort zu verschanzen.

Die

Höhenburgen

, die bekannteste Art, liegen auf einem Berg oder Hügel und boten früher guten Schutz vor Angreifern.

Ein Hügel bot den Herrschern und ihren Gefolgschaft eine bessere Übersicht. Sie konnten von der sicheren Burg aus Straßen, Brücke, Mühlen und Dörfer sehen – und wussten schon früh, wenn sich der Feind näherte. Außerdem war es mühsam, sie zu erstürmen, vor allem wenn ein Angreifer eine schwere Rüstung trägt.

03. Oktober 2016:

Bombenanschlag auf Polizeihauptquartier in Nawa (ein Distrikt in Helmand/ Afghanistan). In der Luftaufnahme ist zu sehen, wie ein Fahrzeug in ein von einer Mauer umgebenen Hof einfährt. Gleich darauf folgt eine mächtige Explosion mit einer hohen Rauchwolke. Ein Regierungsbeamter in Helmand sagte, der Bezirkspolizeichef (Ahmadschah Salim) und mehrere andere Beamte seien bei dem Angriff getötet worden.

Das Polizeihauptquartier lag zwar auf einem erhöhten Hügel und hätte durch ihre Steigung einen selbstgebauten gepanzerten Fahrzeug verlangsamt, aber ein Sebstmordattentäter in einem einfachen PKW hatte freie Fahrt auf den «Highway to hell» und konnte so er mit hoher Geschwindigkeit sein gewünschtes Ziel erreichen.

Warum war diese Zufahrtsstraße nicht bewacht? Hat Afghanistan seit 1747, nichts aus den vielen Kriegen gelernt, oder sind die Sicherheitskräfte nur schlecht ausgebildet?

Kleine Geschichte über die afghanische Polizei:

Die afghanische Polizei hat ihre Wurzeln im frühen

18. Jahrhundert

, als die Hotak-Dynastie in Kandahar gegründet wurde, gefolgt von Ahmad Shah Durranis Aufstieg zur Macht. Es wurde 1880 während der Herrschaft von Emir Abdur Rahman Khan reorganisiert und im Laufe der Jahrhunderte langsam modernisiert.

1978 – 1992:

Die Behörde blieb bestehen während der gesamten Revolution und der sowjetischen Besatzung, die 1978/ 79 begann. In der Zeitspanne von 1978 bis 92 hatte die afghanische Polizei eine starke Kontrolle über das Land, dank der Sowjetunion und anderer Faktoren, die mit der Demokratischen Republik Afghanistan oder dem sowjetischen Krieg im Land zusammenhingen.

Traditionell wurden Polizisten schlecht bezahlt, aus den ärmsten Schichten der Gesellschaft rekrutiert oder eingezogen und von den Gemeinschaften, denen sie dienten, oft verachtet. Diese Faktoren zu vermehren, führte in zwei Jahrzehnten der Unruhen zu einer Analphabetenrate, die konservativ auf über 70% für Rekruten der Polizei geschätzt wurde.

1992

fiel Kabul in den Händen von Aufständischen. Das Land fiel in einen Bürgerkrieg und wurde dann von den Taliban (manchmal auch Taleban; paschtunisch Da Afghānistān da Talibān Islāmi Tahrik; deutsch: „Die Islamische Talibanbewegung Afghanistans“) regiert, die eine primitive und barbarische Gerechtigkeit durchsetzten.

Nach dem Zusammenbruch des Taliban-Regimes Ende

2001

entstand die ANP (Afghan National Police) und es gab in der Nation nur noch wenig Ähnlichkeit mit einer funktionierenden Polizeibehörde, da private bewaffnete Milizen von Warlords schnell wieder das Vakuum füllten, das durch einen Mangel an zentraler Regierungsführung entstand. Da läuft es einem kalt den Rücken herunter, wenn sich frühere Warlords und andere jetzt als Ankläger gegen die Taliban aufspielen, obwohl sie selbst mit ihren Terrormethoden in den 1990er Jahren erst für deren Entstehen gesorgt haben und bis heute jegliche Verantwortung dafür und für Kriegsverbrechen und andere Menschenrechtsverletzungen leugnen. Das Innenministerium in Kabul unter der neuen Karzai-Regierung der islamischen Republik Afghanistan übte nur wenig Kontrolle über die Polizeistrukturen der Provinz aus und war nicht in der Lage, die entlegenen Provinzen effektiv zu sichern. Mehrere Regierungsbehörden aus den Vereinigten Staaten sowie die Bundespolizei (BPOL) und die Polizei des britischen Verteidigungsministeriums stellten den Großteil der frühen Ausbildung zur Verfügung.

Obwohl in den Jahren

2003

und

2004

bereits 35.000 Offiziere in grundlegenden Rekrutenschulen ausgebildet worden waren, reichte diese Ausbildung nicht aus, um die Strukturen und hohen Führungsebenen zu stärken, die für die Schaffung einer effektiven Polizeitruppe erforderlich sind. Deutschland, als Führungsnation für die Polizei im Rahmen des Bonn-II-Abkommens, konzentrierte seine Bemühungen auf den Aufbau der Polizeiakademie in Kabul und entwarf den langfristigen Plan für die Umstrukturierung der Polizeidienste. Außer in der Provinz Kunduz, die ein «Provincial Reconstruction Team (PRT)» hatte, hatte das deutsche Programm nur eine begrenzte Reichweite in die Provinzen.

Im Jahr

2005

richteten die Vereinigten Staaten in allen Provinzen Afghanistans Schulungsprogramme ein. Da die Aktivitäten des US-Außenministeriums zu Drogen- und Strafverfolgungsangelegenheiten (INL) zu dieser Zeit in Bezug auf Ressourcen und Umfang begrenzt waren, beschlossen die US-Verteidigungs- und Verteidigungsminister im Jahr 2005, die Umsetzung des Polizeiausbildungsprogramms zu verschieben an das Büro für Sicherheitskooperation - Afghanistan (OSC-A) unter der Leitung des kommandierenden Generals, Combined Forces Command (CFC-A). Die Veränderungen von 2005 führten zu verstärkten Impulsen für die Durchführung wichtiger Reformprogramme, insbesondere der Reform des höheren Personalbestands im Innenministerium, der Unterbringung von Polizeipaten im ganzen Land, erheblicher Lohnerhöhungen im Gehaltsplan der Polizei und einer drohenden, vollständigen Umstrukturierung des Lohnabrechnungssystems der Polizei.

Eine landesweite Neubewertung des Infrastruktur- und Ausrüstungsbedarfs wurde ebenfalls durchgeführt, gefolgt von der Verteilung von dringend benötigten Waffen, Munition, Fahrzeugen und Büro- / Schlafraummöbeln. Obwohl in den Bereichen Infrastruktur, Ausrüstung und Gehaltsabrechnung Fortschritte erzielt wurden, würde es einige Zeit dauern, bis diese Programme zum Tragen kommen würde.

Sechs Taliban-Aufständische mit AK-47-Gewehren und RPGs nahmen Positionen auf einer Baustelle in der Nähe ein. Die Mitglieder des Parlaments wurden in Sicherheit gebracht, während die Sicherheitskräfte in einem zweistündigen Feuergefecht gegen die Aufständischen kämpften. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sediq Sediqqi, sagte, alle sieben Angreifer seien von der Polizei getötet worden und keine Parlamentarier seien verletzt worden.

Anfang August:

Ein Selbstmordattentäter der Taliban griff einen Kontrollpunkt in der Nähe des Eingangs zum internationalen Flughafen in Kabul an und tötete fünf Menschen.

07. August:

Am späten Nachmittag sprengte sich offenbar ein Selbstmordattentäter am Eingang der Polizei-Akademie in die Luft. Sie ist im Nordwesten Kabuls, westlich des Hotel Continental, an der Straße nach Kargha gelegen. Gegenüber sind neue Wohnhochhäuser entstanden. Der Attentäter, offenbar in Polizei-Uniform, sprengte sich zwischen nach dem Wochenend-Freitag zurückkehrenden Rekruten in die Luft. Dabei gab es wohl etwa 25 Tote und eine ähnliche Zahl an Verletzten.

…: Am Abend, nach 23 Uhr, waren mehrere Explosionen aus dem Norden Kabuls zu hören – die erste davon sehr stark; der Stadtteil heißt Qasaba und liegt gleich hinter dem Flughafen. Dort war offenbar ein sogenannte komplexer Angriff auf das Drogenbekämpfungsdirektorat (mit angeschlossenem Gefängnis) und ein naheliegendes Polizeirevier im Gange.

Solche Angriffe laufen meist wie folgt ab: Ein oder mehrere Angreifer sprengen sich in die Luft und damit den Weg frei, andere stoßen nach. Bei dem zweiten abendlichen Angriff wurden hinterher Schusswechsel gemeldet.

Wie man sieht, waren die Sicherheitskräfte bereits zu dem Zeitpunkt des Anschlages am 03. Oktober 2016 von anderen Länder, nach ihre Vorstellung gut ausgebildet, waren ortskundig und hatten in viele Hinsichten eine Feuertaufe hinter sich.

Aber vielleicht lag es nur daran, dass die extrem unter belegte Polizei ganz einfach überfordert waren und fühlten sich von ihrer Regierung in Stich gelassen. Scharfe Kritik übte der Regierungsvertreter in Helmand an der Armee: Sie haben ihre Aufgabe nicht erfüllt, die Polizei bekam keine Unterstützung. Das Helmand damals vorübergehend in die Hände der Taliban fiel, sei auch das Ergebnis mangelnder Absprachen innerhalb der afghanischen Sicherheitskräfte.

Hätte die Regierung damals ihre Sicherheitskräfte auf die entsprechende Lage vorbereitet und zum Beispiel finanzielle Mittel in die Absicherung ihre Standorte gesteckt, dann hätte dieser Anschlag vielleicht verhindert werden können.

In Gegensatz dazu kämpften die Taliban monatelang um mehr Territorium in der strategisch wichtigen Provinz. Sie kontrollierten mindestens fünf der 14 Bezirke vollständig und weitere sechs teilweise. Helmand ist eine Hochburg des Opiumanbaus, über den die Taliban ihren Kampf um die Macht in Afghanistan finanzieren. 90 % des afghanischen Opium stammen aus dieser Provinz. Die Taliban verdienen Millionen aus Steuern von Mohnanbau und Drogenschmuggel.

Wo die Straße beginnt, fängt der Aufstand an

Seit 2018 haben die Taliban große Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die westlich gestützte Regierung besteht aus vielen unterschiedlichen Lagern, die sich zerfleischen und in einem Sumpf an Korruption versinken. Mafiabosse und Warlords haben große Teile des Parlaments übernommen. In dieses innere Chaos drängt der IS, drängen der Iran und verstärkt wieder Pakistan. Die «Islamische Republik Afghanistan» existiert nur in den größeren Städten und auch dort zerfällt sie zusehends. Fast täglich passieren in der Stadt Morde und Anschläge. Vor Kurzem griff ein Selbstmordkommando das Büro von «Save the Children» an. Man sah die Fleischfetzen des Attentäters, die seine Bombe in der Straße verteilt hatte. Man erlebte, wie Polizei und Militär sich stundenlang bemühten, 41 eingeschlossene NGO-Mitarbeiter zu befreien. Tief traumatisiert kamen sie heraus, bedeckt von Staub und Blut.

Am

31. Mai 2017

fiel das Gebäude der deutschen Botschaft in Kabul einem Anschlag zum Opfer. Bei dem Anschlag wurden mindestens 160 Menschen getötet und mehr als 450 verletzt, darunter auch Angehörige der deutschen Botschaft. Ein mit Sprengstoff präparierter Abwassertanklaster detonierte in der Nähe des Sanbak-Platzes im 10. Bezirk vor einem Checkpoint. Teils massive Beschädigungen erlitten die Botschaften von Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Indien, Japan, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie das NATO-Hauptquartier. Während zunächst von etwa tausend Kilogramm Sprengstoff die Rede war, hätten sich tatsächlich zehn Tonnen in dem Tank befunden. Mehr als 50 Fahrzeuge wurden zerstört oder beschädigt. Seitdem sind nur noch fünf Diplomaten im Land verblieben und haben Schutz in der US-Botschaft gesucht. Als politische Kraft ist die deutsche Diplomatie seit dem Anschlag in Afghanistan so gut wie ausgeschieden.

Tathergang: Einem aufmerksamen Wachmann sei es zu verdanken, dass die deutschen Diplomaten und ihre Mitarbeiter durch splitternde Scheiben nur Schnittwunden erlitten, berichtet unter Berufung auf ein erstes Fazit deutscher Sicherheitsbehörden, die den schwersten Anschlag seit 2001 in der afghanischen Hauptstadt untersuchen. Der Mitarbeiter einer britischen Firma habe um 08:30 Uhr Ortszeit im dichten Morgenverkehr einen roten Tanklaster angehalten, der Zufahrt zur Botschaft verlangte. Nach dem Grund befragt, habe der Fahrer gesagt, er müsse Altwasser in der deutschen Botschaft abpumpen. Nachfragen des Wachpostens über Funk hätten ergeben, dass ein Tankeinsatz in der Botschaft nicht vereinbart worden sei. 20 Personen- und Objektschützer der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts innerhalb der Botschaft hätten daraufhin zu größter Vorsicht geraten. Als der Hausmeister zu dem nur 50 Meter von der Einfahrt stehenden Tanklaster gehen wollte, um die Lage zu klären, habe der Attentäter die schwere Sprengladung gezündet. «Wäre der Tanklastzug auf den Vorhof der Botschaft gelangt und dort explodiert, dann wären alle Menschen in dem Gebäude getötet worden», sagte ein hoher Berliner Regierungsbeamter. Der militärische Abschirmdienst sei sogar schon im Januar darüber informiert gewesen, dass der Anschlag mit einem Tanklastwagen geplant war, hieß es in einem Bericht. In den darauffolgenden Wochen habe es weitere Hinweise darauf gegeben. Der Bundesnachrichtendienst habe erst sechs Tage, also 5 Monate später, vor dem Attentat schließlich eine konkrete Warnung herausgegeben. Warum mahlen die Mühlen der Bürokratie so langsam, dazu mit viel Blabla und in ein Kauderwelsch, was ein normaler Laie nicht versteht? Mit wenigen Worten viel zu sagen, ist eine Kunst. Eine große Torheit aber ist es, viele Worte zu gebrauchen und doch nichts zu sagen.

Schon vor den ersten Einsatz der Bundeswehr in Kambodscha (UNAMIC) und Somalia (UNOSOM II), wollten viele Krisenländer nicht mehr nur Geld sehen, sondern auch Truppen. Daher entschloss sich die Regierung erstmals ein deutsches Truppenkontingent mit signifikanter Größe in den Auslandseinsatz zu senden.

Zehn Milliarden Euro flossen seit 2001 in den «Stabilisierungseinsatz» der Bundeswehr in Afghanistan. Es waren zu Spitzenzeiten 16.000 Soldaten, geblieben sind 980. Nur ein einziges Mal hat die Bundeswehr gekämpft, für ein halbes Jahr in Kundus, wo sie sich als wenig gefechtsfähig erwies. US-Truppen haben sie rasch wieder abgelöst.

Dabei irrlichtern die Amerikaner, selber, seit Jahren durch das Land. Sie pumpen kurzfristig Milliarden hinein, ziehen diese kurzfristig ab, nähren eine künstliche Ökonomie und lassen sie kollabieren. Sie werfen große Armeen in die Schlacht, um sie nur Monate später wieder zurückzuholen. Dies musste ich öfters bei meinen Einsätzen über die Jahre in verschiedene Länder selber feststellen.

Hochrangige afghanische Politiker spotten über die deutsche Armee, dass sie zu kämpfen verlernt habe. Auch bei den Taliban und dem IS sind die Deutschen dafür bekannt, dass sie bei Gewalt das Weite suchen.

Das Generalkonsulat in Masar-i-Scharif wurde nach einer Attacke geschlossen.

Die GIZ hat nach der Entführung einer Mitarbeiterin sämtliche Büros und Gästehäuser in Kabul geschlossen.

Angriffe gegen deutsche Einrichtungen haben sofort einen politischen Effekt. Das macht sie aus Sicht der Terroristen zu einem äußerst lohnenden Ziel.

Gibt es wirklich nur noch «Weicheier» und «Baumschmuser» ohne Muskeln in unsere Armee? Oder liegt es an unsere heutige Jugend, die mit einem Gesetzbuch zum Dienst erscheinen und somit alte Tradi-tionen und bewerte Ausbildungsansätze abhandenkommen? Während meiner Dienstzeit habe ich festgestellt, dass es weniger an den Einsatzwillen der Truppen und der Kameraden fehlt, als an Ernsthaftigkeit der Politiker. Deutsche Kommandeure stellen die Sicherheit ihrer Soldaten über die Sicherheit des Landes. So lautet der Marschbefehl aus Berlin. Oder liegt der Grund viel tiefer. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst, wenn der deutsche Soldat etwa eine falsche Handlung unternimmt, dass die Welt mit dem Finger auf uns zeigt und sagt: «Guck mal an die bösen Deutschen, die Nazis». Dasselbe Muster ist wahrscheinlich auch bei der Polizeibehörde in Deutschland zu finden.

Ein weiterer Witz ist es, das deutsche Offiziere, die den Krieg nur aus Simulationen und vom oberpfälzischen Truppenübungsplatz kennen, sollen den kampferprobten afghanischen Generalstab in Sachen Kriegsführung beraten. Hingegen will Trump in Afghanistan den «Islamischen Staat» bekämpfen, aber darüber hinaus fehlt seiner Regierung jegliches Konzept. Eine Handvoll Außenpolitiker bestimmt seit Jahren die Afghanistanpolitik und sie machen weiter wie bisher.

Tatsächlich geht uns immer mehr der Sinn dafür abhanden, was vor Ort tatsächlich passiert. Die lokale Expertise. Wir brauchen mehr Ernsthaftigkeit. Wir erlagen in der Vergangenheit der Illusion, Länder, dass wir kaum verstehen, nach unsere Kultur grundlegend umbauen zu können.

Das Wissen, welche Veränderungen unser Geld und der Einsatz wirklich auslöst. Geld wird in solchen Ländern wie Afghanistan rasch zu Gift. Falsch platzierte Hilfe kann in solchen viele Konflikte anheizen oder sogar auslösen. Wollen wir verhindern, dass das Elend und der Hass diese Länder auch nach Europa geworfen werden, dass in den engen Tälern von Nangahar und Nuristan neue Radikalisierungsbewegungen aufkeimen, der Nachbar Pakistan in den Sog des Chaos gezogen wird und am Hindukusch erneut irgendwann die Supermächte aufeinanderprallen, können wir dem Problem wie zum Beispiel in Afghanistan nicht ausweichen. Früher oder später wird es uns einholen.

Doch braucht es klare Entscheidungen. Es geht dabei nicht um mehr Geld.

Es geht um:

ein anderes Risikobewusstsein.

Neue, flexiblere Strukturen.

Ausbildungsstätten für eine neue Generation, die nicht nur Richtlinien vermitteln, sondern auch Sprache und Kultur. Die DDR hat es damals vorgemacht.

Solange die auswärtigen Armeen nicht wirklich mit ihren beschränkten Fähigkeiten in den Krisengebieten gebraucht wird, sollte sie abgezogen werden. In dieses Land sollten nur Truppen geschickt werden, die kämpfen dürfen und können.

Ein anderes Argument ist, das jedes Land, welches Truppen in ein hilfebedürftiges Land sendet, hat selber in sein eignen Land genug Probleme was wiederum Hilfe benötigt, wie zum Beispiel: steigende Kriminalität. Also bevor wir Einheiten mit falsche Vorstellungen in den Einsatz senden und womöglich dadurch den Krieg und Terrorismus in unser Land holen, sollten wir zuerst Veränderungen bei uns durchführen. Erst dann, wenn das Heimatland stabil ist, kann man überlegen, ob man Gelder und Soldaten in ein fremdes Land senden möchte.

Denn einige solche Zustände, wie bei dem Anschlag auf das Polizeiquartier in Nawa, finden wir nämlich auch heute in unsere angeblich gut ausgebildete und gesicherte westlichen Welt. Viele unsere gefährden Objekte gleichen eine Autobahn in die Hölle.

UN Hauptquartier in Genf

Zufahrt zu militärische Anlagen

Jedes Mal, wenn ich in Deutschland bin, besuche ich die Gedenkstätte von meinen gefallenen Fallschirmkameraden. Die Zufahrtsstraße zur meine ehemalige Kaserne war frei und nur mit einem Schlagbaum und einer schwach bewaffneten zivilen Wachmannschaft belegt. Gegen einem terroristischen Anschlag, keine Chance. Was in einem Krisengebiet zum normalen Tagesablauf gehört, kann sich auch jeder Zeit in unsere friedlichen demokratischen Umfeld zutragen. Auch wenn in manche Länder, wie zum Beispiel in Schweden oder Deutschland, es zurzeit an Sicherheitskräfte (wie Polizei, Soldaten) mangelt, gibt es einem nicht die Rechte sein Schutzschild zu senken und somit Lücken für den Terrorismus zu öffnen.

Das Vereinigte Königreich, zum Beispiel, waren jahrzehntelang mit der Bedrohung durch den irischrepublikanischen Terrorismus konfrontiert. Jetzt sehen sie sich einem neuen «internationalen» Terrorismus gegenüber, bei dem die Täter versuchen, die Anzahl der Opfer zu maximieren. Dies erzeugt eine Medienexposition, die wiederum Angst in unserer Gesellschaft hervorruft. Daher hat das Land eine Sorgfaltspflicht, um sicherzustellen, dass Menschen in einer möglichst sicheren Umgebung aufwachsen und arbeiten können. Indem wir analysieren, was in der Vergangenheit passiert ist, können wir die Lehren daraus ziehen und eine sicherere Zukunft gestalten. Um dies zu erreichen, bieten das nationale Büro zur Terrorismusbekämpfung und sein Netzwerk von Anti-Terrorismus-Sicherheitsberatern im Vereinigten Königreich einen Sicherheitsrat an.

Dies konzentriert sich auf Schutzmaterialien und bietet Sicherheitsempfehlungen für jene Orte, die von Terroristen angegriffen oder als gefährdet eingestuft werden könnten. Dieses Umweltdesign und Prävention sind wichtig wegen der Langlebigkeit der Bedrohung und der Lebensdauer von Gebäuden für den Erhalt eines Kulturerbe. Bei der Bereitstellung von Ratschlägen stellen sie sicher, dass die Beratung praktisch, erreichbar, erschwinglich, angemessen und nachhaltig ist. Dabei muss gegenüber den Rat die Gründe und die Notwendigkeit dafür gerechtfertigt werden. Wenn sie eine Sicherheitsempfehlung für einen Standort geben, beginnen sie an die äußere Grenze und arbeiten sich einwärts zu den wertvollsten Vermögenswerten oder gefährdeten Gebieten innerhalb des Landes. Dies wurde als „Zwiebelpeeling-Methode“ bezeichnet, wobei jede Schicht untersucht und berücksichtigt wird, bevor ein Rat gegeben wird. Man hat dabei aus früheren Ereignissen gelernt, zum Beispiel sich eine Bombe bei einer Explosion verhält. Welche Teile der Umwelt werden betroffen und welche Gegenstände werden von der Druckwelle durch die Luft geschleudert? Es sind die Fragmente, die von einer Bombenexplosion angetrieben werden, die die meisten Verletzungen und Todesfälle verursachen. Man kam daraus zur Erkenntnis, dass durch sorgfältige Gestaltung der Straßenmöbel eine Auswirkung der Explosion stark reduziert werden kann.

Dies ist auch einer der Gründe, warum der Rucksack kontrolliert wird, wenn man durch die Straßen von London läuft. In Mailand steht z.B. ein Panzerwagen vor dem Dom.

Aber in Berlin? Besucher aus anderen europäischen Städten wundern sich, warum man am Brandenburger Tor oder auf dem Ku'damm so wenig Polizei sieht. Auch dies musste ich bei meiner Rundreise durch Deutschland in Juli 2018 feststellen. Am Flughafen wurden nicht einmal die Ausweise kontrolliert.

Wo eine Nachlässigkeit herrscht und Verbrechen gezüchtet wird, dort gedeiht auch der Terrorismus. Terrorismus ist nur eine bestimmte Art von Verbrechen. Was als Terrorismus zu bezeichnen ist und was nicht, dazu gibt es weder in der politischen Praxis noch in der Forschung eine einheitliche Definition. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erarbeitete 2004 in Resolution 1566 eine völkerrechtlich verbindliche Definition, wenngleich sie bislang noch keine umfassende Anerkennung gefunden hat. Die Grenze zwischen «Widerstandskämpfer» und «Terrorist» ist weltanschaulich geprägt und daher oft strittig. Der Soziologe Henner Hess findet in der Begrifflichkeit ein Problem, da es im Auge des Betrachters läge. Wen manche als Terroristen nennen, können andere als «Gotteskrieger», Revolutionär oder Freiheitskämpfer definieren. Richard Reeve Baxter, ehemaliger Richter am Internationalen Gerichtshof, äußerte sich wie folgt:

«Wir haben Grund zu bedauern, dass uns ein juristischer Begriff des Terrorismus jemals auferlegt wurde. Der Begriff ist unpräzise; er ist mehrdeutig; und vor allem dient er keinem entscheidenden juristischen Zweck».

So existiert für nahezu jeden Staat eine andere Definition von Terror. Im Jahre 1988 existierten bereits 109 verschiedene Definitionen von dem Wort «Terror» und diese Anzahl dürfte speziell nach dem 11. September 2001 weit gestiegen sein.

Terrorismus und Hasskriminalität, die unterschiedlichen Merkmale

Hasskriminalität

unterschiedlichen Merkmale

Terrorismus

hohe Gewaltfrequenz, jedoch relativ, niedrig Gewaltintensität

Gewaltfrequenz und Intensität

niedrige Gewaltfrequenz, jedoch mit extrem hoher Gewaltintensität

Planung, oft kombiniert mit Alkoholkonsum, Vandalismus, verbale/ körperliche Angriffe, Mord

Modus Operandi

gut geplante und anspruchsvolle Operationen, häufig mit Mitteln die eine große Menschenmasse treffen

überwiegend kleine Gruppen mit schwachen Gruppen internen Bindungen, höhere organisatorische Strukturen sind zwar selten jedoch möglich

Organisation

hoch organisiert, logistische und finanzielle Unterstützung, Geheimhaltung, Rekrutierung, starke Gruppen interne Bindungen mit einer umfassenden Organisationsstruktur

relativ niedriges bis mittleres Bedrohungsniveau, Ausnahmen sind instabile Gesellschaften in denen Hasskriminalität zum «tipping event» werden kann

Niveau der Sicherheitsbedrohung

sehr hohes Sicherheitsbedrohung-Niveau sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene mit äußerst wahrscheinlichen globalen Implikationen

minderes nationales oder regionales Problem aus dem Zuständigkeitsbereich regulärer Polizeikräfte

Wahrnehmung durch Sicherheitskräfte

wachsende Bedrohung der globalen Sicherheit, dass sowohl polizeiliche als auch militärische Streitkräfte betrifft

geringe und sporadische Berichterstattung, die sich meist auf sehr gewalttätige und schockierende Ereignisse beschränkt

Berichterstattung in den Medien

extreme häufige und ausführliche Berichterstattung, die ein breites Publikum auf internationaler Ebene erreicht

Quelle: http://www.iuscrim.mpg.de/forsch/krim/getos.htm

«Dass die Erforschung des Terrorismus zu dem Aufgabenfeld der Kriminologie gehört, lässt sich schon aus der Tatsache erkennen, dass zwar nicht jeder kriminelle Akt mit Terrorismus zu tun hat, aber Terrorismus immer ein krimineller Akt ist».

Mit dem Thema «Terrorismus» haben wir uns lange und breit, im «Band 1 – Kenne deinen Gegner!», beschäftigt und dazu möchte ich jetzt nicht näher eingehen.

Auf jeden Fall müssen viele verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, um die Probleme zu lösen, die von kleinen Gruppen ausgehen, die entschlossen sind, grausame Terrorakte ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit zu begehen.

Ziele der Terrorismus-Prävention sollten sein:

Terroristische Strukturen zerstören

Terrorismus aufklären und abwehren

Internationale Zusammenarbeit

Verwundbarkeit des Landes reduzieren

Ursachen des Terrorismus bekämpfen

Doch es gibt keine nationale oder internationale Strategie, keine Klarheit darüber, was wir bekämpfen wollen, wer Partner dabei sein könnte und wer Teil des Problems ist. Diese Klarheit vermisse ich ebenso wie flächendeckende Angebote und Projekte zur langfristigen Präventionsarbeit.

Wenn wir unsere Umwelt beeinflussen wollen, müssen wir an der Entwicklung von Projekten beteiligt sein.

Ziele dieser Projekte könnte sein:

Bewusstmachen der Bedrohungsrisiken

Erhöhung der politischen und professionellen Kompetenz

Vernetzung von Wissenschaft und Kommunen

Bewältigung von Krisensituationen

Unterstützung von Opferhilfsorganisationen

Entwicklung neuer Lehrmethoden/ Studiengänge

Schulungskonzepte für kommunale Akteure

Handbuch in unterschiedlichen Sprachen

Aber sobald Pläne erstellt sind, ist es meistens zu spät, um die Aufnahme von robusteren Sicherheitsmaßnahmen oder Änderungen an einen zum Beispiel «Designing Out» zu fordern, um Techniken gegen den Terrorismus zu ermöglichen, wie beispielsweise:

Standentfernungen, Parkplätze entsprechend weit weg von öffentlichen Gebäuden

Spezielles Plexiglas

Absperrungen aus Beton oder natürlichen Materialien

Straßen um öffentliche Gebäude schmal und geschlossen

Fortbildungen für Betreiber von Shopping-Malls, öffentlichen Verkehrsmitteln, Universitäten usw.

Warum hinken wir den Terrorismus immer hinterher? Erst, wenn was passiert ist, dann wird reagiert. Das Komitee für die Sicherheit eines Landes hat angeblich hoch bezahlte und kluge Köpfe, welche normalerweise in der Lage sein sollte, bestimmte Ereignisse vorher zusagen und die Gefahr an seine Mitbürger eingrenzen könnte. Wie viele Warnzeichen braucht es, bis die Behörden tätig werden? Vielleicht leitet das Krisenmanagement diese Warnzeichen und seine Ratschläge weiter an die Regierung und diese will nicht im Vorfeld reagieren. Oder liegt es wirklich nur daran, dass die Logik der Repression den anthropologischen Konstanten von Rache und Gewalt eher folgt als der komplizierte Gedanke der Vorbeugung. Es ist ein Akt der Zivilisation, auf einen Schlag nicht mit einem Gegenschlag zu reagieren, sondern mit einem Gedanken.

Ich glaube, dass diese Weitsichtigkeit bei einigen Entscheidungsträgern fehlt. Diese Sesselpuffer kommen meistens aus eine gehobene Klasse und leben weit entfernt von der Realität. Warum ansonsten dauert es, solange bis ein Gesetz zur Prävention gegen den Terrorismus verabschiedet wird. Weil man vielleicht nichts daran verdient, sondern es nur mit Ausgaben verbunden ist. Denn die Maßnahmen zur Prävention wird eine große ökonomische Effizienz zugeschrieben. Eine besondere Schwierigkeit entsteht, wenn die anfallenden Kosten, der zu erwartende Nutzen und der dafür notwendige Eingriff in die Persönlichkeitsrechte gegeneinander abgewogen werden müssen. Prävention als Mittel zur Verkleinerung von Risiken kann dabei zu einem universellen Rechtsfertigungsinstrument für Eingriffe in sämtliche Lebensbereiche werden, das sich die Angst vieler Menschen vor Unwägbarkeiten und vermeintlichen Gefahren zunutze macht, in dem es jeden Eingriff als Schutz vor drohender Gefahr zu rechtfertigen sucht. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind außerdem die Eigendynamik des inzwischen milliardenschweren Marktes, wie auch die Eigeninteressen der an lokalen, nationalen und internationalen Präventionsprogrammen beteiligten Unternehmen. Es bleibt zumindest fraglich, inwiefern Präventionsmaßnahmen in diesem Kontext tatsächlich vorrangig am Wohl der Bevölkerung ausgerichtet werden können.

Kriminalität und Angst vor Kriminalität sind das Ergebnis komplexer sozialer, ökologischer und physischer Faktoren. Um Kriminalität zu verhindern und die Angst vor Kriminalität in der Gemeinschaft zu reduzieren, sollte man einen multilateralen Ansatz zur Verbrechensverhütung finden.

Nach Angaben der Regierung wird angeblich viel getan, aber ist das bestehende ausreichend genug. Ich bin kein Politiker und auch kein Entscheidungsträger, sondern nur ein selbstbewusst denkender Mitbürger, dem das Wohl seiner Mitbürger am Herzen liegt.

Aber, wenn es nach mir gehen würde, würde ich diese Prävention in drei Hauptgruppen unterteilen:

Jugendprävention

Kriminalprävention durch Umweltdesign

Ausbildung des Sicherheitspersonals

KAPITEL 10 - JUGENDPRÄVENTION

Der andere Kampf gegen den Terror

Nach dem 9/11 steht die Prävention gegen Radikalisierung noch am Anfang. Eine Gesamtstrategie gibt es nicht, stattdessen einen Flickenteppich an Angeboten, weitgehend unkoordiniert, oft schlecht finanziert und überfordert. Wie viele Projekte es gibt, kann niemand sagen. Einige wenige bekommen Geld vom Ministerium, deutlich mehr aus dem Jugendressort. Die Prävention, urteilt der renommierte Terrorismusforscher Peter Neumann vom Londoner King’s College, sei «Kraut und Rüben». «Es wurde viel Zeit vertan», sagt die Kriminalistin Wiebke Steffen. Beim Kampf gegen den Rechtsextremismus dauerte es über zehn Jahre, bis man von einer funktionierenden Prävention sprechen konnte. Diese Zeit haben wir jetzt nicht. Der salafistische Prediger Pierre Vogel hatte bereits öffent-liche Plätze gefüllt und junge Männer zogen von Deutschland aus in den Dschihad, aber viele Politiker verkannten oder ignorierten die Gefahr. Bei den Ursachen der Radikalisierung stochere man noch immer im Nebel und die Arbeit sei oft nicht professionell genug. Dabei ist in der Prävention die Gefahr groß, durch Fehler das Problem zuzuspitzen.

Mal ist der Aufschrei nach einer Prävention sehr präsent, etwa nach einem Terror-Anschlag, aber nach wenigen Tagen Trauer ist der Schrecken wieder vergessen und somit auch die Umsetzung. Man müsste diese Problematik mehr Ernsthaftigkeit schenken und diese Ideen nicht nur auf einem Blatt Papier schaffen, als Vorzeigemittel für die Bevölkerung: «Siehe her, wir unternehmen etwas gegen den Terror». Sondern es müsste auch schnellsten umgesetzt werden.

Bei der Radikalisierung Jugendlicher geht es nicht nur darum, die nächste Bombe zu verhindern. Das ist natürlich wichtig, aber vor allem müssen wir die Wurzel bekämpfen, dort, wo Jugendliche für kriminelle und terroristische Akte gewonnen werden. Präventionsarbeit müsste als Jahrhundertaufgabe behandelt werden, die neue Pädagogik, neue Wege der Wertevermittlung und Integration erfordert.

Erst in den vergangenen Jahren haben die ersten Länder Präventionsprogramme aufgelegt. Einige Kommunen engagieren sich, manche erst, nachdem viele junge Männer und Frauen von dort nach Syrien ausgereist waren.

«Prävention muss vor strafbaren Handlungen stattfinden und nicht wenn es schon zu spät ist!»

Ich werde versuchen ihnen zu zeigen, dass zwischen Kriminalität und Terrorismus manchmal nur ein schmaler Pfad herrscht und daher sollten wir so früh wie möglich eine Prävention für unsere Kinder entwickeln, damit sie weder zu Opfern noch zu Tätern werden, sondern zu positiven sozialen Erwachsenen. Denn es ist schließlich noch nie ein Baby als Terrorist zur Welt gekommen, sondern sein Umfeld und Einflüsse prägen ihn und machen ihm zu dem was er ist.

Karrikatur: Haitzinger

Trifft folgende Aussagen auf unsere Jugendlichen zu?

Die Jugend ist schlecht! Sie liebt heutzutage den Luxus, hat schlechte Manieren, verachtet Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie lernen und arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten, sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Aber dies haben nicht Psychologen in der jetzigen Zeit fest gestellt, sondern das erkannte der Philosoph Sokrates, schon damals 400 v.Chr. Wie damals haben wir auch heute die richtige Erziehung für unsere Kinder zu finden. Bei genauerer Betrachtung dieser Probleme und ihren Folgen stellt sich klar heraus, welch enormes gesellschaftliches Problem hier zu bewältigen ist.

Werden die Terror-Touristen des Islamischen Staats immer jünger?

Bis vor Kurzem waren noch 20-Jährige die Risikogruppe. Sie schauten salafistische Videos, wollten nach Syrien ausreisen. Doch inzwischen radikalisieren sich auch Kinder unter 14 Jahren – eine Herausforderung für den Staat.

Berlin 2010: «Datt hat rischtig reingehauen», sagt Pierre Vogel im süffigen Rheinländisch ins Mikrofon. Und: «Allahu akbar!» Neben ihm sitzt die kleine Safia, erst neun Jahre alt geworden, ihr Gesicht umfasst von einer schwarzen Hidschab. Gerade hat Safia vor der versammelten Moscheegemeinde in Hannover mit ihrer hellen Stimme eine Sure des Koran gesungen, drei Minuten lang, sie kann den Text auswendig. Vogel ist begeistert. «Hörma, ich muss dich aufnehmen, dann kann ich dich im Auto hören». Pierre Vogel, einer der bekanntesten deutschen Islamisten, hat sich selbst zu einer Marke gemacht. Und mit Safia S. zeigt er sich mehrfach in YouTube-Videos. Der große und der kleine Star der Szene.

Fast sechs Jahre später, am 26. Februar 2016, sticht die damalige Gymnasiastin Safia S. einem Bundespolizisten am Bahnhof von Hannover bei einer Routinekontrolle in den Hals. Das OLG hatte gegen die damalige Gymnasiastin und heute 17-jährige Deutsch-Marokkanerin eine sechsjährige Jugendstrafe wegen versuchten Mordes mit gefährlicher Körperverletzung und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung verhängt.

Bereits als Grundschülerin kam sie mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel in Kontakt. Dieser präsentierte sie im Videokanal YouTube als «Unsere kleine Schwester im Islam» beim Rezitieren des Korans. Im Januar 2016 flog sie nach Istanbul, um sich dem IS anzuschließen. Weil ihre Mutter die Pläne durchkreuzte und sie zurückholte, plante sie in Deutschland ein Attentat.

Kurz bevor sie mit einem sechs Zentimeter langen Gemüsemesser in den Hals des 34 Jahre alten Polizisten stach, chattete Safia S. noch mit IS-Leuten und fabrizierte ein Bekennervideo. Dieses wurde jedoch nie ausgestrahlt. Die Terrormiliz hat sich auch nie zu der Tat bekannt. Die Justiz klärt, ob es eine geplante Tat war und ob sie politisch motiviert war. Es ist ein Einzelfall. Und doch sind die Sicherheitsbehörden in Deutschland alarmiert: Teenager und teilweise noch Kinder radikalisieren sich, schließen sich der Islamistenszene an. Einzelne von ihnen ziehen sogar in den Dschihad. Die Propaganda des «Islamischen Staates» wirkt auch bei Minderjährigen. Manche sagen: Sie wirkt vor allem dort.

Seit 2016 ist den Behörden bekannt, das mehr als 810 Deutsche sich den Terrorgruppen in Syrien und Irak angeschlossen haben. Fünf Prozent waren bei ihrer Ausreise minderjährig, 40 Jugendliche, vereinzelt waren sie sogar jünger als 16 Jahre. Das geht aus einer bisher nicht veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf Nachfrage der Linksfraktion hervor, die einer Redaktion vorliegt. Schon länger beobachten Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz, wie die Propaganda von Islamisten junge Menschen ins Visier nimmt. Eine interne Analyse zeigt: Die Dschihadisten werden immer jünger. Hierbei habe vor allem die «Ausrufung des Kalifats» durch den selbst ernannten IS im Sommer 2014 eine entscheidende Rolle gespielt. «Die nach Juni 2014 ausgereisten Personen sind zum Zeitpunkt der ersten Ausreise durchschnittlich drei Jahre jünger». Dort heißt es sogar: Der Anteil von ausgereisten Minderjährigen ist seit Sommer 2015 auf zwölf Prozent angewachsen. Jeder Fünfte war Schüler. 677 Personen hatten die Behörden analysiert, die bis Ende Juni 2015 ausreisten. Im vergangenen Jahr 2017 handelte es in zehn Prozent der Fälle um Jugendliche unter 14 Jahren. Knapp 30 Prozent der Jugendlichen sind weiblich – die Zahl ist seit Längerem konstant.

Die kleinen Todbringer

«Die Mobilisierung von Kindern und Jugendlichen für militärische Zwecke durch den Islamischen Staat hat sich rasant beschleunigt», schreibt das «Combating Terrorism Center» der US-Militärakademie «West Point» in einer Studie. Den US-Experten zufolge sprengten sich 2015 knapp 90 Kinder und Jugendliche im Namen des IS als Selbstmordattentäter in die Luft, wobei sich die Fallzahlen pro Monat von Januar 2015 bis Januar 2016 fast verdreifachten. Der Einsatz von Kindern und Jugend-lichen als Selbstmordattentäter ist an Perfidie kaum zu überbieten, für Terroristen aber sehr interes-sant: Kinder können sich auch in sensiblen Zonen relativ unauffällig bewegen, einfach, weil ein Kind von kaum einem Menschen als potenzielle Bedrohung wahrgenommen wird. Zudem lassen sich Kinder leichter indoktrinieren oder psychologisch manipulieren. Befragungen von verhinderten jungen Attentätern zeigten in der Vergangenheit, dass Kinder mit den einfachsten Drohkulissen zu ihren Taten gezwungen wurden.

Zum anderen sehen die Experten der US-Militärakademie den Einsatz von Kindern durch den IS als «effektive Form der psychologischen Kriegsführung»: Durch die Überschreitung des Tabus, Tötungsaktionen durch eigentlich unschuldige Kinder durchführen zu lassen, demonstrieren die Terroristen ihre Entschlossenheit, «Angst in die Herzen der gegnerischen Soldaten zu pflanzen». In der für die eigenen Reihen bestimmten Propaganda mache der IS aber keinen besonderen Unterschied zwischen minder- und volljährigen «Märtyrern» und gebe nur in Ausnahmefällen das Alter der jungen Selbstmordattentäter an.

Der IS ist nicht die erste Gruppe, die Minderjährige für Terrorakte rekrutiert. Die ersten Anschläge durch Kinder werden Palästinenserorganisationen nach dem Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000 zugerechnet. Nach dem Tod des Hamasführers Ahmad Yassin 2004 nahm die Praxis zu, Yassin hatte die Entsendung von Kindern nicht gutgeheißen. Zumindest ein Teil, der gegen Israel eingesetzten Kinder wusste nicht, was für explosive Fracht ihnen mitgegeben und per Fernsteuerung gezündet wurde. Nach der US-Invasion in Afghanistan schickten später vor allem die Taliban Minderjährige los, um möglichst viele ausländische Soldaten mit in den Tod zu reißen. Ähnlich gingen sunnitische Aufständische und Terroristen dann nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak vor.

Neben der IS-Mutterorganisation im Nahen Osten zeichnet heute vor allem Boko Haram in Westafrika für Anschläge Minderjähriger verantwortlich, die Gruppe betrachtet sich als Teil des Kalifats. 2015 soll es nach Angaben von UNICEF 44 Taten Minderjähriger in Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad gegeben haben, drei Viertel der Anschläge verübten Mädchen. In mindestens einem Fall in Kamerun schickten die Dschihadisten eine der 200 Schülerinnen los, die sie 2014 in Nordnigeria entführt hatten. Glücklicherweise ohne Erfolg: Die 15-Jährige offenbarte sich einer Polizeistreife, die an ihren Körper geschnallte Bombe konnte entschärft werden.

Am 20. August 2016: Ein Junge steht mit nackten Oberkörper auf der Straße, Polizisten halten ihn an den Armen. Zwei weitere Sicherheitskräfte nesteln ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen an einem breiten Gurt aus weißem Stoff: Der Junge, der mit einem Messi-Fußballtrikot durch die Stadt lief, trägt eine Bombe am Körper. Als die Männer den Sprengstoffgurt am Boden ablegen, brandet Applaus auf. Kirkuk (Irak) ist einem Selbstmordanschlag entkommen, der Junge, der sich vor einer schiitischen Moschee in die Luft sprengen sollte, ist erst zwölf oder 13 Jahre alt. Ein Team des Senders Kurdistan 24 TV filmte die dramatischen Minuten.

Am selben Tag in Gaziantep (Türkei): Auch hier soll es Augenzeugen zufolge ein Kind gewesen sein, das in die tanzende Menschenmenge einer Hochzeitsgesellschaft lief und es schaffte, seinen Sprengstoffgürtel zur Detonation zu bringen. Mehr als 50 Menschen starben. Präsident Recep Tayyip Erdoğan meldete gleich nach dem Anschlag, ein Junge zwischen 12 und 14 Jahren sei der Täter gewesen. Am Montag nahmen türkische Regierungsvertreter jedoch die Aussage mangels eindeutiger Hinweise zunächst zurück. Nach ersten Erkenntnissen war es die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die beide Täter auf ihre tödlichen Missionen geschickt hat.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Das Schweigen der Lämmer ... oder was sollen wir unsere Kinder sagen

Die Berichte über die Anschläge sind im Fernsehen, Radio und im Internet zu sehen. Auch Kinder hören sie. Was uns Erwachsene schon sehr besorgt, wirkt auf Kinder verstörend. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in einer ungewöhnlich heilen Welt gelebt. Für Millionen andere Eltern, die in Kriegs- und Konfliktgebieten leben, ist die Sorge, wie Kinder Gewalt und Krieg verarbeiten können, Alltag. Für unsere Urgroßeltern und Großeltern war sie es auch.

Aber für sie als Elternteil ist das Thema neu:

Wie können Eltern am besten mit ihren Kindern über Terror und ihre Ängste sprechen?

Auch wenn wir unsere Kinder schützen möchten, können wir nicht vermeiden, dass sie von den schrecklichen Ereignissen, die die Welt bewegen, etwas mitbekommen. Gerade Kinder, die zur Schule gehen, die bekommen über die sozialen Medien, über ihre Netzwerke oft sehr viel Informationen, leider aber auch ungefiltert, was sie natürlich dann zum Teil sehr verstören kann. Wir können aber verhindern, dass sie selbst sich etwas zusammenreimen und allein mit ihrer Angst gelassen sind. Das heißt also, Eltern sollten sie darauf vorbereiten oder sollten ihnen sagen: Wenn dort etwas auftaucht, was dich belastet, dann sollten sie in jedem Fall immer mit den Eltern darüber sprechen.

Kinder schnappen Kommentare von Erwachsenen auf, hören die Berichterstattung im Radio mit oder sehen sogar Fernsehbilder. Das wirkt sehr verstörend auf sie und sie sollten mit dem Geschehenen nicht allein gelassen werden, das raten die Experten der Initiative «Schau hin» des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. «Viele Kinder sorgen sich, dass solche Attentate auch in ihrem Land passieren können, und haben vielleicht nun Angst, Flughäfen und U-Bahnen oder andere Verkehrsmittel zu nutzen». Gerade in der Ferienzeit, wenn eine Reise geplant, sorgen auch die Bilder für Ängste.

Mit Kindern unter drei Jahren müssen die Attentate nicht thematisiert werden, für sie ist das Geschehen noch zu abstrakt, doch bereits Kindergartenkinder haben oft Fragen und bekommen einiges mit.

Jüngeren Kindern – und auch vielen Grundschulkindern – fällt es schwer, die Bilder zu begreifen. Sie sehen das Leid, den Kummer, spüren die Sorge der Erwachsenen. Auch wenn sie scheinbar reglos schauen, versuchen sie, das Gesehene zu begreifen. Maya Götz, Leiterin des internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) hat anhand des Irak-Krieges und des Fukushima-Unfalls erforscht, wie Kinder mit Katastrophenbildern umgehen.

«Was nach außen kommuniziert wird, ist nicht unbedingt das, wie es innen aussieht».

Eltern sollten daher, auch wenn sie selbst Nachrichten gucken möchten, den Fernseher nicht einfach laufen lassen. Besser ist es, gemeinsam mit den Kindern zu gucken und bei der Berichterstattung auf altersgerechte Formate zu achten.

Haben die Kinder schon etwas gehört? Vielleicht hat schon ein Lehrer etwas erzählt oder Erwachsene haben sich beim Abholen im Kindergarten über die Anschläge unterhalten? Am besten die Kinder direkt fragen. Vielleicht haben es nicht ganz verstanden oder nur ein paar Sätze gehört, die sie verstören.

Kinder versuchen gehörte Nachrichten und Fernsehbilder in ihr Weltbild einzuordnen. Wie sehr sind sie betroffen? Ist Frankreich weit weg? Die Türkei? Oder Belgien? Wenn es dort Freunde oder Verwandte gibt, scheint das Geschehen vielleicht näher oder wenn Reisen dorthin geplant sind, fühlen sich Kinder sehr betroffen.

Eltern sollten versuchen ihren Kindern zuzuhören. Im gemeinsamen Gespräch über die Ereignisse kann nach Sorgen dazu gefragt werden. Sonja Lehnert vom Blog «Mama-notes» hat mit ihren Kindern (4 und 6 Jahre alt) über die Anschläge von Paris gesprochen. Sie wollte nicht, dass ihre Kinder zuerst von anderen informiert werden und erzählte, dass in der großen Stadt, keine zwei Autofahrstunden entfernt, etwas Schreckliches passiert sei.

«Da waren Terroristen. Das sind ganz böse Menschen,» erklärte sie. Sie berichtete von angezündeten Bomben «Es mussten dadurch sehr viele Menschen sterben. Ganz viele Familien vermissen jetzt ihre Verwandten. Ich bin auch ganz traurig deswegen. Ich wollte Euch das erzählen, damit Ihr es von mir gehört habt. Falls Ihr in den nächsten Tagen andere Menschen von etwas schrecklichem sprechen hört, dann wird es das sein, wovon sie reden». Ihre Kinder waren erstaunt. Aber nicht verängstigt. Und begannen Fragen zu stellen.

Die meisten Kinder möchten keine genauen Details. Das ist auch gut so. Es reicht, wenn Eltern erklären, dass sie selbst traurig sind. Vielleicht auch, dass sie selbst nicht genau verstehen, was passiert. Die eigenen Ängste und Sorgen sollten Erwachsene aber nicht mit ihren Kindern teilen.

«Vielleicht will das Kind nur hören, dass es in Sicherheit ist und keine Einzelheiten hören», sagt Medienexpertin Maya Götz. Wenn die Frage nach der eigenen Sicherheit kommt, sollten Eltern versuchen altersgerecht ehrlich zu antworten. Im letzten Herbst beeindruckte ein französischer Vater, der seinen Sohn beruhigte. Sein kleiner Sohn sorgte sich vor den Terroristen. «Sie haben Waffen, sie können uns erschießen. Sie sind wirklich böse, Papa. Sein Vater blieb ruhig und erklärte dem Kind: «Sie haben Waffen, aber wir Blumen». Das Kind blieb skeptisch. «Aber Blumen machen nichts ...». Die Antwort des Vaters: «Natürlich machen Blumen etwas. Jeder legt hier eine Blume hin. Die sind da, um gegen die Waffen zu kämpfen».

Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass dem Bösen etwas entgegengesetzt wird, dass es viel Gutes, Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Freundlichkeit und Empathie unter den Menschen gibt. Kinder sollten Trost finden, offen über ihre Ängste reden dürfen und sich vor allem besser fühlen. So wie der kleine Junge im Interview, der zum Schluss des Gespräches auf die Frage, wie er sich nun fühle, antwortet: «Ja, ich fühle mich besser». Quelle: von Silke R. Plagge

Dafür gibt es wahrscheinlich keine abschließende Antwort, denn schließlich erzieht jeder seine Kinder nach der Vorstellung was für ihnen am besten ist. Nach einige Einsätze, kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich schon viel «Scheiße» gesehen habe. «Wenn die Regierung, Lämmer als Bürger haben will, dann sollte sie gefälligst darauf achten, dass keine Wölfe ins Land kommen und über die Herde herfällt». Und das ist bereits geschehen. Dem entsprechende habe, ich immer versucht meine Kinder so zu erziehen, dass sie keine Opfer werden und mit offene Augen durch die Welt gehen.

Bayerns Innenminister sprach davon, dass jederzeit und überall Attentäter zuschlagen könnten. Wir müssen anfangen, mit der alltäglichen Terrorgefahr zu leben.

Eintrittspforte zu etwas mehr Sicherheit

In Israel ist Terror von Geburt an Teil des Lebens. Man beobachtet seine Umgebung: Liegt ein Rucksack auf der Straße, denkt man automatisch, es könnte eine Bombe sein. Während deutsche Eltern ihrer Kinder beibringen, nicht mit Fremden mitzugehen, lernen israelische Kinder, dass von herrenlosem Gepäck Gefahr ausgeht.

Dazu unterscheidet man in zwei wichtige Komplexe:

Wie reagiert eine Gesellschaft auf behördlicher Seite auf die Terrorbedrohung und wie geht sie im Alltag damit um.

Im

ersten Komplex

wird ein größerer Umsetzungsprozess bei den öffentlichen Organen erwartet. In Israel ist der Kampf gegen den Terror nicht eines von vielen Themen, sondern das Militär, Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste sind voll darauf ausgerichtet.

Auf den

zweiten Komplex

, das alltägliche Leben, wirke sich der Terror anders aus. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – er gewöhnt sich selbst an extreme Situationen. Dennoch könne die Bedrohung nicht grundsätzlich aus dem Alltag verdrängt werden – vielmehr rechnet man damit, dass die Menschen anfangen, ihre Tagesabläufe und Gewohnheiten zu verändern.

Als es Anfang des Jahrhunderts einige Bombenanschläge in Israel auf Busse gab, haben die Eltern ihre Kinder gebeten, den Zug oder ein Taxi zu nehmen. Außerdem wurden die Busfahrer darauf gedrillt, Passagiere nur vorne einsteigen zu lassen.

Taschenkontrollen vor dem Einstieg in einen Bus und dem Betreten eines Cafés, einer Kneipe oder eines Restaurants sind zumindest dann obligatorisch, wenn der Terror wieder einmal Hochkonjunktur hat. Das mag für Deutsche ungewöhnlich sein, dauert aber nur fünf Sekunden. Ein Leben im Terror, etwas ganz Normales?

So sind in Israel auch beispielsweise Metalldetektoren omnipräsent. Es gibt sie nicht nur am Flughafen von Tel Aviv, sondern auch in Bahnhöfen, Regierungsgebäuden, größeren Theatern und Kinos, Schulen, Universitäten und vielen Supermärkten.

Der internationale Flughafen «Ben Gurion» in Tel Aviv gilt als einer der sichersten Flughäfen der Welt. Da es in Israel fast täglich zu Terroranschlägen kommt, haben Sicherheitsexperten ein besonderes System rund um den Flughafen errichtet. Wie der Terroranschlag am Brüsseler Flughafen gezeigt hat, ist es eine große Gefahrenquelle, dass europäische Flughäfen ohne vorherige Kontrollen betreten werden können. Personenkontrollen erfolgen auch an deutschen Flughäfen erst nach dem Check-In. Um Terrorgefahr vor den Check-In-Schaltern einzudämmen, ist das israelische Sicherheitssystem wie eine Zwiebel aufgebaut: Es gibt vier verschiedene Sicherheitsringe. Der äußerste liegt kilometerweit um das Flughafengebäude. Man kontrolliere jedes Auto, jeden Fahrer und Beifahrer. Wenn irgendetwas Verdächtiges gefunden, wird das auf der Stelle beseitigt. Und nicht erst, wenn es im Flughafengebäude ist. Es gibt viele verdeckte Beamte, die die Reisenden beobachten. Sie gucken, wer hier unterwegs ist und wer verdächtig aussieht. Verdächtige werden vom Sicherheitspersonal ausgefiltert und – oftmals stundenlang – befragt. Des Weiteren sind Sprengstoffspürhunde, Roboter und Sprengstoff-Detektionsgeräte im Einsatz, um das gesamte Flughafenareal nach Sprengstoff abzusuchen.

Quelle: rtl.de

Kein Sprengstoff zum Schnüffeln

Erst im Jahre 2014 haben israelische Wissenschaftler einen Sensor entwickelt, der innerhalb weniger Minuten zahlreiche Sprengstoffe aufspüren kann. Über diesen Vorhaben habe ich bereits 2006 in meinem ersten Buch über Autobomben geschrieben. Endlich nach 8 Jahren ist es erfunden und seit 2015 auf einigen internationalen Flughäfen in Umlauf. Einem Hersteller zufolge nutzen es über 120 US-Flughäfen und 50 weitere Airports weltweit, aber auch Botschaften, Kernkraftwerke oder Banken. Auch an Fahrzeug-Kontrollpunkten wäre dieses Gerät von größten Vorteil. Die Geräte lassen sich vor Ort reparieren, ein wichtiger Sicherheitsfaktor, da ausgefallene Sprengstoffdetektoren einen geschlossenen Flughafen bedeuten.

Das Gerät sei so empfindlich, dass es ein Teilchen, das von Sprengstoff stamme, noch unter einer Billiarde Teilchen Luft registriere. Das berichten Fernando Patolsky von der Universität Tel Aviv und seine Kollegen in der Fachzeitschrift «Nature Communications». Die Forscher nutzen den Effekt, dass viele Feststoffe einen kleinen Teil ihrer Moleküle an die Umgebungsluft abgeben. Anhand von Luftproben kann der neue Sensor etwa TNT und andere Sprengstoffe erfassen. Allerdings seien die Mengen der Sprengstoffteilchen in der Luft äußerst gering, schreiben Patolsky und sein Team. Deshalb verwendeten sie Ansätze und Verfahren der Mikroelektronik. Ihr Sensor besteht aus einer Matrix von 144 Feldeffekttransistoren, die nur wenige Nanometer – also Millionstel Millimeter – groß sind. Darin sind mit Bor angereicherte Silizium-Nanodrähte, die mit acht verschiedenen chemischen Verbindungen als Rezeptoren überzogen sind. Moleküle, die von Sprengstoffen ausdünsten, können in wässriger Lösung an diese Rezeptoren binden und verändern damit die elektrische Leitfähigkeit des Nano-Transistors. Die Veränderung des Stromflusses kann gemessen werden. Die Moleküle der einzelnen Sprengstoffe verbinden sich unterschiedlich stark mit den verschiedenen Rezeptoren. In der Zusammenschau der Werte aus den acht Rezeptortypen lässt sich für jeden Explosivstoff ein charakteristisches Muster ablesen – quasi ein Fingerabdruck. Signaturen verschiedener Sprengstoffe sind in einer Datenbank hinterlegt und können mit den Werten einer Luft- oder Wasserprobe abgeglichen werden. Der Sensor könne mehrere Sprengstoffe gleichzeitig aufspüren, betonen die Forscher. Auch sei ihr Verfahren unempfindlich gegen Störstoffe wie Zigarettenrauch. Als weiteren Vorteil heben sie hervor, dass es zudem Sprengstoffe auf Basis von Peroxiden registrieren könne. Diese Stoffe seien leicht aus Haushaltsmaterialien herzustellen und schwer nachweisbar, heißt es. Patolsky und Kollegen brachten deshalb auf einigen Nanodrähten Kügelchen aus Zinkoxid auf. Da Peroxid-Sprengstoffe mit Zinkoxi.

Quelle: Focus

Der Sprengstoffdetektor funktioniert nach folgendem Prinzip: