Die Bäckerei am Strand: Eine mörderische Makrone (Ein Cozy-Krimi aus der Bäckerei am Strand – Band 2) - Fiona Grace - E-Book

Die Bäckerei am Strand: Eine mörderische Makrone (Ein Cozy-Krimi aus der Bäckerei am Strand – Band 2) E-Book

Fiona Grace

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Beschreibung

"Sehr unterhaltsam. Dieses Buch muss in dem Bücherregal aller Leser stehen, die einen gut geschriebenen Krimi mit unerwarteten Wendungen und einer intelligenten Geschichte schätzen. Sie werden nicht enttäuscht sein. Perfekt für ein kaltes Wochenende!" --Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu Der Tod kam vor dem Frühstück) DIE BÄCKEREI AM STRAND: EINE MÖRDERISCHE MAKRONE ist Buch 2 einer neuen, mitreißenden Cozy-Krimireihe der Bestsellerautorin Fiona Grace, deren Bestseller Der Tod kam vor dem Frühstück (Ein Cozy-Krimi mit Lacey Doyle) fast 200 Fünf-Sterne-Bewertungen hat. Die 34-jährige Allison Sweet, eine Sous-Chefin aus Los Angeles, hat die Nase voll von herablassenden Kunden, ihrem anspruchsvollen Chef und ihrem zerbrochenen Liebesleben. Nach einem schockierenden Vorfall erkennt sie, dass es an der Zeit für einen Neuanfang ist, um ihren Kindheitstraum wahrzumachen, in eine Kleinstadt zu ziehen und eine eigene Bäckerei zu eröffnen. Ein unhöflicher Tourist stirbt, nachdem er sich durch die Strandpromenade gekostet hat, und als die Polizei ihre neuen Makronen beschuldigt, liegen alle Augen auf ihr. Die Makronen haben eine geheime Zutat, die so köstlich ist, dass die Kunden an der Strandpromenade Schlange stehen, aber Allison weiß, dass diese Zutat nicht für den Tod des Mannes verantwortlich ist. Um ihre Unschuld zu beweisen und ihre Kunden zu bewahren, hat Allison keine andere Wahl, als die Geschmackstour des Opfers an der Strandpromenade zurückzuverfolgen und herauszufinden, was er gegessen oder wen er beleidigt hatte, was schließlich zu seinem Tod führte. Mit ihrem geliebten Hund an ihrer Seite ist es ein Rennen gegen die Zeit, um das Rätsel zu knacken und das Verbrechen zu lösen, bevor sie ihre Bäckerei – und ihre aufkeimende Romanze – endgültig verliert. Diese packende Krimireihe steckt voller unerwarteter Wendungen, Romantik, gutem Essen und überraschenden Abenteuern. DIE BÄCKEREI AM STRAND ist eine Romanreihe, die Sie zum Lachen bringt, bis spät in die Nacht in ihren Bann zieht und ihr Herz mit liebenswürdigen Charakteren erwärmt. Buch 3 in der Romanreihe — EIN GEFÄHRLICHER CAKE-POP — kann bereits vorbestellt werden!

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Seitenzahl: 309

Veröffentlichungsjahr: 2021

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DIE BÄCKEREI AM STRAND:

EINE MÖRDERISCHE MAKRONE

(Ein Cozy-Krimi aus der Bäckerei am Strand – Band 2)

Fiona Grace

Debütautorin Fiona Grace ist die Verfasserin der LACEY DOYLE COZY-Krimis, welche bisher neun Bücher umfassen; der EIN TOSKANISCHER WEINGARTEN COZY-Krimis, die bisher zwei Bücher umfassen; und der BÄCKEREI AM STRAND COZY-Krimis, die bisher drei Bücher umfassen.

Fiona freut sich, von Ihnen zu hören, also besuchen Sie www.fionagraceauthor.com für kostenlose eBooks und die neuesten Informationen. Schauen Sie vorbei.

© 2021 Fiona Grace. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Vertrieb oder Verbreitung des vorliegenden Werkes in jeglicher Form, Speicherung in Datenbanken oder -abfragesystemen ohne vorherige Genehmigung der Autorin nur im Rahmen des US-Urheberrechtsgesetzes aus dem Jahre 1976. Die E-Book-Lizenz des vorliegenden Titels gilt nur für den persönlichen Gebrauch. Weiterveräußerung oder Weitergabe an Dritte ist untersagt. Wenn Sie dieses Buch mit Dritten teilen möchten, erwerben Sie bitte für jeden weiteren Nutzer eine Ausgabe. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht erworben haben bzw. es nicht ausschließlich für Ihren Gebrauch erworben wurde, geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie eine eigene Ausgabe. Danke, dass Sie die harte Arbeit der Autorin respektieren. Das vorliegende Werk ist frei erfunden. Namen, Charaktere, Firmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Geschehnisse entspringen entweder der Fantasie der Autorin oder werden in einem fiktionalen Kontext verwendet. Jede Ähnlichkeit zu lebenden oder toten Personen ist rein zufällig. Umschlagbild © Sergey Gerashchenko & Akura Yochi

BÜCHER VON FIONA GRACE

EIN HUND UND KATZ WOHLFÜHLKRIMI

EINE VILLA IN SIZILIEN: OLIVENÖL UND MORD (Buch #1)

EINE VILLA IN SIZILIEN: FEIGEN UND EIN KADAVER (Buch #2)

EIN COZY-KRIMI AUS DER BÄCKEREI AM STRAND

EIN CUPCAKE ZUM STERBEN (Buch #1)

EINE MÖRDERISCHE MAKRONE (Buch #2)

EIN COZY-KRIMI MIT LACEY DOYLE

DER TOD KAM VOR DEM FRÜHSTÜCK (Buch #1)

FÄHRTENSUCHE IM SAND (Buch #2)

VERBRECHEN IM CAFÉ (Buch #3)

EIN VERHÄNGNISVOLLER BESUCH (Buch #4)

EIN TÖDLICHER KUSS (Buch #5)

EIN MALERISCHER MORD (Buch #6)

VERSTUMMT DURCH EINEN ZAUBER (Buch #7)

VERDAMMT DURCH EINE FÄLSCHUNG (Buch #8)

KATASTROPHE IM KLOSTER (Buch #9)

EIN TOSKANISCHER WEINGARTEN COZY-KRIMI

EIN ERLESENER MORD (Buch #1)

EIN ERLESENER TODESFALL (Buch #2)

EIN ERLESENES VERBRECHEN (Buch #3)

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL EINS

KAPITEL ZWEI

KAPITEL DREI

KAPITEL VIER

KAPITEL FÜNF

KAPITEL SECHS

KAPITEL SIEBEN

KAPITEL ACHT

KAPITEL NEUN

KAPITEL ZEHN

KAPITEL ELF

KAPITEL ZWÖLF

KAPITEL DREIZEHN

KAPITEL VIERZEHHN

KAPITEL FÜNFZEHN

KAPITEL SECHZEHN

KAPITEL SIEBZEHN

KAPITEL ACHTZEHN

KAPITEL NEUNZEHN

KAPITEL ZWANZIG

KAPITEL EINUNDZWANZIG

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

KAPITEL DREIUNDZWANZIG

KAPITEL VIERUNDZWANZIG

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG

KAPITEL DREISSIG

KAPITEL EINS

Ali zupfte ihren Hemdkragen zurecht. Die Küche ihrer Bäckerei war unerträglich heiß, obwohl es erst acht Uhr morgens war. Sämtliche Fenster und sogar die Hintertür der kleinen Küche waren geöffnet, doch sie schwitzte trotzdem ununterbrochen.

„Piper, kannst du im Schrank nachsehen, ob wir noch einen Ventilator haben?“, fragte Ali.

Ihre neue Angestellte saß auf der Theke und sah aus, als wäre sie noch halb am Schlafen. Sie hüpfte herunter und landete unbeholfen auf ihren hellrosa Ballerinas.

„Kein Problem, Boss!“, sagte sie in ihrem trällernden Südstaaten-Akzent, während sie aus der Küche hüpfte.

Es waren erst ein paar Wochen vergangen, seit Ali Piper im örtlichen Diner getroffen und ihr kurzerhand einen Job angeboten hatte. Piper hatte so erschüttert reagiert, wie Ali sich selbst gefühlt hatte. Normalerweise war Ali nie so spontan, doch der Anblick von Pipers Chef, der sie vor dem gesamten Restaurant niedergemacht hatte, war einfach zu viel gewesen. Die schreiende Ungerechtigkeit, die Ali verspürt hatte, hatte sie dazu gebracht, dass sie sich der zweiundzwanzigjährigen angehenden Schauspielerin aus Georgia einfach hatte annehmen müssen, bevor all ihre Träume zerplatzten.

Doch inzwischen war sie sich nicht mehr so sicher. Nicht, dass sie ihre Entscheidung auch nur eine Sekunde lang bereut hatte. Sie mochte Piper, aber die Fehler, die sie machte, schienen nie enden zu wollen. Trotzdem war Ali fest dazu entschlossen, das Selbstvertrauen der jungen Frau wiederaufzubauen.

Außerdem arbeitete Ali hart an ihrem brandneuen Projekt – Makronen. Ihre letzte Kreation, Cupcakes, hatte dafür gesorgt, dass ihre Bäckerei von Kunden überrannt worden war und hatte Seaside Sweets endlich zu einem bekannten Namen gemacht, was Touristenattraktionen in Willow Bay anging. Doch Ali wusste, dass nur ein Produkt nicht ausreichen würde, um dieses Interesse aufrechtzuerhalten. Sie musste ihr Angebot ausbauen. Französische Desserts waren ihre Leidenschaft und Makronen waren perfekt dazu geeignet, sich auf ihre klassische Ausbildung zurückzubesinnen. Und wer konnte schon einer Vitrine voller regenbogenfarbener Makronen widerstehen? Die Idee war ihr in Jennas Buchladen Bookworms gekommen. Ihre Innenausstattung strotzte nur so vor Regenbogen und die Kinder liebten es einfach dort.

Also machte Ali die Hitze nicht wirklich etwas aus. Sie war zu konzentriert, um sie zu bemerken, zu vertieft in ihren neuen Kreationen.

Während sie sich daranmachte, Eier zur Hand zu nehmen und das Eiweiß vom Dotter zu trennen, kam Piper mit einem kleinen Tischventilator zurück, der nicht so aussah, als würde er dazu fähig sein, den Raum besonders abzukühlen. Die junge Frau steckte ihn ein und stellte ihn an. Der Ventilator fing nutzlos an sich zu drehen und tat nicht viel mehr, als die warme Luft in der Küche zu verteilen.

„Einen Versuch war es wert“, sagte Ali kichernd. „Also, wo habe ich die Butter hingelegt?“

„Ich hol sie“, antwortete Piper fröhlich. „Sie ist noch im Kühlschrank.“

Ali blickte ihr hinterher, während sie zum riesigen Industriekühlschrank hinüberging.

„Ich habe dir doch vorhin gesagt, dass du sie herausholen sollst“, tadelte sie sie. „Sie muss bei Zimmertemperatur sein!“

„Oh, na so was“, murmelte Piper, während sie hinter der riesigen Metalltür verschwand. „Tut mir leid. Muss ich wohl vergessen haben.“

Ali schüttelte ihren Kopf und widmete sich wieder ihrem Teig. Sie schüttete das Mandelmehl und die Mischung für die Glasur in die Küchenmaschine und schaltete sie ein. Das metallische Rütteln hallte durch die Küche und wurde durch die Fliesen und die Theken nur verstärkt. Die Akustik hier drin wäre perfekt, wenn Ali ein Musikalbum aufnehmen wollen würde, statt laute Küchenmaschinen zu bedienen …

Sie drückte erneut auf den Knopf und das Geräusch verstummte. Doch etwas stimmte nicht ganz. Unter das Surren des nutzlosen Ventilators hatte sich ein neuer Ton gemischt, der jetzt durch die Küche hallte …

Die Mikrowelle?

Ali atmete schnappartig ein und wirbelte herum. Sie sah, wie Piper mit dem Rücken zu ihr vor der Mikrowelle stand.

„Was machst du –“, fing Ali an, bevor ihr die Frage im Hals stecken blieb.

Sie wusste genau, was vor sich ging. Piper hatte die Butter in die Mikrowelle gesteckt, um sie aufzuwärmen und hatte sie auch noch voll aufgedreht.

„Piper! Nein!“, schrie Ali.

Sie rannte herüber und riss die Mikrowellentür auf. Das Licht ging an und erhellte den Glasteller, auf dem ein rechteckiges Stück Butter lag – ganz ohne Behälter. Für den Bruchteil einer Sekunde behielt die Butter ihre Form bei – lang genug, dass Ali erleichtert aufatmen konnte – doch dann zerfloss sie in einem regelrechten Sturm blubbernder, geschmolzener gelber Flüssigkeit. Die gelbe Masse breitete sich unaufhaltsam in der Maschine und auf der Theke unter ihr aus. Ein regelmäßiges, unaufhaltsames Tropf-Tropf begann, als das Unglück schließlich auch den Boden zu Alis Füßen erreichte.

Ali seufzte verzweifelt. Piper blickte sie an und lächelte entschuldigend.

„Ich dachte, du hättest gesagt, sie soll warm sein“, sagte sie kleinlaut.

„Ich habe Zimmertemperatur gesagt“, antwortete Ali resigniert.

Die junge Frau nahm die Hände vor ihrem Körper zusammen, als würde sie sie demütig um Verzeihung bitten. „Sorry, Boss. Ich habe dich total missverstanden. Ich bin es einfach nicht gewohnt, so früh aufzustehen. Mein Gehirn funktioniert noch nicht richtig.“

Das kannst du laut sagen, dachte Ali. Aber sie zwang sich dazu, ruhig zu bleiben. Geduld war schließlich eine Tugend und Piper befand sich gerade erst am Anfang ihrer Ausbildung.

„Ist schon okay“, sagte sie ihrer neuen Angestellten. Sie fühlte sich selbst ganz schlecht, wie sie Piper so miserabel dastehen sah. Sie schnappte sich ein sauberes Tuch. „Warum machst du nicht ein bisschen Pause? Mach dir einen Kaffee. Fehler sind vorprogrammiert, wenn man müde ist.“

Piper schüttelte ihren Kopf. „Ich verdiene keine Pause. Ich mache hier schon sauber. Mach du eine Pause. Wie lange bist du überhaupt schon hier?“

„Seit fünf Uhr“, gab Ali zu und starrte die stetig wachsende Lache gelber Flüssigkeit an, die ihren Füßen langsam näherkam. Und seit du hier bist, ist alles nur schiefgelaufen … dache sie, sprach es aber nicht laut aus.

„Na, dann erst recht!”, behauptete Piper und streckte ihre Hand nach dem Tuch aus. „Ich bestehe drauf. Mach eine Pause, Boss. Ich mache hier sauber.“ Sie lächelte Ali hoffnungsvoll an.

Es war klar, dass sie die Sache wiedergutmachen wollte, aber Ali fühlte sich trotzdem ganz schlecht für sie. In den vergangenen Wochen hatte sie quasi nichts als Fehler gemacht, obwohl sie sich so sehr anstrengte. Aber hier sauberzumachen würde sie schon hinbekommen, oder nicht? Schließlich hatte sie sie deswegen überhaupt erst angestellt. Damit Ali von den alltäglichen Arbeiten entlastet wurde, die dazugehörten, wenn man eine Bäckerei führte. So konnte sich dem widmen, was sie am besten tat – dem Backen. Wenn sie Piper nicht einmal vertrauen konnte, hier sauberzumachen, warum hatte sie sie dann überhaupt eingestellt?

„Okay“, sagte Ali und gab ihr das Tuch. „Danke, dass du mir das abnimmst. Ich glaube, ich bekomme langsam Koffeinentzug seit meinem doppelten Espresso zum Frühstück.“

Piper wedelte mit dem Küchentuch. „Ich werde dich nicht enttäuschen, Boss“, antwortete sie.

„Da bin ich mir sicher“, antwortete Ali etwas unbeholfen. „Und du musst mich nicht immer Boss nennen. Ali reicht.“

„Verstanden, Boss“, sagte Piper mit einem verschwörerischen Zwinkern.

Ali strich ihren dunkelblonden Zopf über ihre Schulter und ging aus der Küche nach vorne in die eigentliche Bäckerei. Helle Strahlen der wunderschönen kalifornischen Sonne fielen durch die Zwischenräume der Jalousien und verliehen dem Verkaufsraum einen schon fast magischen Glanz. Ali fühlte eine Welle der Zufriedenheit und Dankbarkeit für all das, was sie erreicht hatte, über sich hereinbrechen. Sie ging zur Kaffeemaschine herüber und stellte einen frischen Pott neuer flüssiger Energie an.

Während die Kaffeemaschine zischte und rauchte, hörte Ali ein Klopfgeräusch an der Glastür ihres Geschäfts. Sie sah herüber. Delaney, ihre Freundin aus dem Bastelladen, blickte herein. Sie hatte enge schwarze Sportkleidung an, die ihren durchtrainierten Körper zur Schau stellte. Ihr Kopf wippte rhythmisch zur Musik ihrer Kopfhörer. Sie sah, dass Ali sie bemerkt hatte und winkte ihr freundlich zu.

Ali lächelte und ging um die Theke, um ihre Freundin hereinzulassen. Während sie über die pfefferminzfarbenen Fliesen schritt, bemerkte sie einen Gegenstand, der zu Delaneys Füßen lag. Es sah aus wie etwas Flaches, Hölzernes und war etwa so groß wie ein Fenster.

Sie runzelte die Stirn vor Neugier, schloss die Tür auf und öffnete sie. Die Glöckchen über ihrem Kopf ertönten und die warme, frische Seeluft wehte herein. Die Möwen, die sich vor ihrem Laden tummelten, flogen kurz in die Luft, nur um sich einen Augenblick später wieder an ihrem Stammplatz zu versammeln.

„Guten Morgen, Ali!“, sagte Delaney freundlich und nahm ihre Kopfhörer heraus. Ein leiser, elektronischer Beat ertönte aus ihnen.

„Guten Morgen“, antwortete Ali und beäugte den seltsamen Gegenstand, der an dem Bein ihrer Freundin lehnte. „Was hast du da?“

„Ein Geschenk“, entgegnete Delaney und wippte mit ihren blonden Augenbrauen.

„Für mich?“, fragte Ali gerührt.

Delaney nickte. „Jup. Nur etwas Kleines, das ich heute Morgen gezaubert habe.“ Sie hob ihren Kopf. „Ooh – rieche ich da etwa Kaffee?“

„Ja, ja, komm doch rein“, sagte Ali und winkte ihre Freunde herein. „Ich habe gerade einen Pott aufgesetzt.“

Sie machte den Weg frei und Delaney hüpfte auf ihren Sneakers in den Laden. Sie ging schnurstracks auf den Platz am Fenster zu – ihren Lieblingsplatz – und ließ sich auf die Sitzpolster nieder. Den geheimnisvollen, hölzernen Gegenstand platzierte sie neben sich.

Ali huschte zurück zur Theke und goss ihnen zwei Tassen Kaffee ein. Dann ging sie zum Fensterplatz, um endlich herauszufinden, was ihre bastelfreudige Freundin ihr wohl mitgebracht hatte.

Sie stellte die noch dampfenden Tassen auf den Tisch und nickte dem flachen Holzbrett zu. „Also? Was ist es? Ich sterbe hier vor Neugier!“

Delaney grinste. Sie hievte das hölzerne Brett auf ihren Schoß und drehte es um, sodass es zu Ali zeigte.

„Ta-da!“, präsentierte sie es stolz. Sie blickte Ali erwartungsvoll an, um ihre Reaktion zu sehen. „Das ist Mr. Makrone, dein neues Makronen-Maskottchen.“

Es war eine Werbetafel für Alis brandneue Makronen. Delaney hatte einen entzückenden kleinen Makronen-Mann entworfen. Er hatte riesige, pinke Pausbäckchen und ein breites, fröhliches Grinsen.

Ali fiel aus allen Wolken und klatschte vor Freude in die Hände.

„Oh, Delaney!“ Sie nahm das Holzbrett an sich und hielt es vor sich hin. „Ich liebe ihn einfach! Wie kann ich das je wiedergutmachen?“

Delaney deutete auf die dampfende Kaffeetasse, die vor ihr stand. „Das hast du schon.“

„Delaney!“, quiekte Ali erneut. „Du bist die Beste.“

Sie betrachtete das süße, pausbäckige Zeichentrickgesicht bewundernd und blickte dann zu der Frau, die seit sie nach Willow Bay gezogen war zu ihrer besten Freundin geworden war. Ihr Herz fühlte sich an, als würde es vor Dankbarkeit zerbersten.

„Du musst ein bisschen aufpassen“, sagte Delaney und nahm genüsslich den ersten Schluck ihres Kaffees. „Ich habe Acrylfarben benutzt. Die brauchen ein bisschen zum Trocknen. Lass es mindestens über Nacht stehen, bevor du es auch nur in die Nähe eines Kindes stellst. Nicht, dass du noch eine Reihe wütender Mütter hinter dir herrennen hast, wenn die Klamotten ihrer Kinder voll damit sind. Das Zeug kann man buchstäblich nie wieder rauswaschen.“

„Zu Befehl“, antwortete Ali.

Sie lächelte ihr neues Makronen-Maskottchen bewundernd an und wollte es gerade in Sicherheit in die Küche bringen, als etwas Merkwürdiges draußen vor ihrem Fenster ihre Aufmerksamkeit erregte.

„Was ist das denn?“, murmelte sie.

Sie setzte Mr. Makrone ab und schob die Jalousien beiseite, um einen besseren Blick zu erhaschen.

Emilio aus der Pizzeria nebenan schob gerade ein äußerst suspekt aussehendes Ding in seinen Sitzbereich vor dem Restaurant. Es sah aus wie eine fast einen Meter große, wurstförmige Plastik–…

Delaney fing an zu lachen. „Ist das echt eine riesige Salami?“

„Sieht so aus“, bestätigte Ali und schaute immer noch hinter ihren Jalousien hervor, als wäre sie die alte Tratschdame von nebenan. „Emilio und Marco streiten mal wieder. Dieses Mal geht es um ihre neue Fleischfest-Pizza. Marco sagt, er hätte die Idee zuerst gehabt, aber Emilio behauptet natürlich, dass er es war und Marco nur seine Werbeposter schneller aufgehängt hat. Und jetzt hat er dieses Monster da!“ Sie fuchtelte wild mit ihren Armen in Richtung der Salamistatue, die Emilio gerade verzweifelt versuchte, in Position zu bringen. „Thanksgiving bei ihrer Familie muss ein echtes Spektakel sein.“

Delaney kicherte.

Ali ließ die Jalousien wieder zufallen und setzte sich hin. Sie trank einen Schluck Kaffee, spuckte ihn aber fast sofort wieder aus, als ein lautes Krachen aus der Küche erklang. Ali verzog das Gesicht, als sie vor ihrem inneren Auge ihre kostbaren Pfannen sah, die Piper gerade quer durch den Raum warf.

Delaney blickte zweifelnd in Richtung Küche. „Und wie läuft es so … mit ihr?“, fragte sie etwas verhohlen.

Ali stellte ihre Tasse auf den Tisch und fing an, auf ihrer Lippe herumzukauen. Sie antwortete leise. „Nicht so toll, um ehrlich zu sein. Aber sie ist schließlich auch erst ein paar Wochen hier.“

Sympathie spiegelte sich in Delaneys blauen Augen wider. „Als deine Freundin, Ali, fühle ich mich dafür verantwortlich, dir zu sagen, dass du nach dem Croissant-Unfall gemeint hast – und ich zitiere: ‚Ich gebe ihr noch zwei Wochen.‘ Das ist jetzt zwei Wochen her. Wann ziehst du endlich die Reißleine? Sie hat genug Schaden angerichtet.“

Ali wand sich geradezu in ihrem Stuhl. Sie wollte es nicht zugeben, aber Delaney hatte recht. Sie hatte Piper angestellt, um sie etwas zu entlasten. Aber bis jetzt hatte sich ihre Arbeit nur verzehnfacht. Auf der anderen Seite schien es Ali ziemlich herzlos, die junge Dame zu feuern, nur weil sie etwas schwer von Begriff war.

„Sie hat sich schon verbessert“, sagte sie wenig überzeugend und versteckte ihr Gesicht hinter dem Rand ihrer Kaffeetasse.

„Na klar“, antwortete Delaney und rümpfte die Nase. „Der Geruch verbrannter Backwaren ist schon fast weg.“

„Sie strengt sich so an. Sie verdient eine Chance.“

„Da draußen gibt es eine Million anderer Kids, denen du eine Chance geben kannst“, gab Delaney zu Bedenken.

„Aber ich mag Piper“, wand Ali ein. „Ich mag ihr Durchhaltevermögen.“

Delaney verdrehte ihre Augen. „Nur weil sie Durchhaltevermögen hat, heißt das nicht, dass sie dafür geeignet ist, deine Assistentin zu sein.“

Ali wusste, dass sie recht hatte, aber sie konnte es einfach nicht übers Herz bringen, das arme Mädchen zu feuern. Außerdem war sie bei ihren männlichen Kunden ziemlich beliebt. Wenn sie doch nur mindestens zwei Gehirnzellen mehr hätte, wäre sie die perfekte Angestellte …

„Ooh, ist es schon so spät?“, fragte Delaney und stellte ihre Kaffeetasse mit einem Knallen ab. „Ich muss los. Ich muss noch meine fünf Kilometer vollbekommen, bevor ich aufmache.“

Sie sprang auf, fing an sich zu dehnen und verdrehte ihre schlanken Gliedmaßen in unmöglich aussehende Positionen. Ali konnte es kaum glauben, dass Delaney – die jeden Morgen vor der Arbeit laufen ging – auch noch irgendwie Zeit gefunden hatte, ihr so ein wunderschönes Schild zu machen (und es ihr auch noch zu schenken, weil sie nicht nur Talent hatte, sondern auch noch so großzügig war!). Ali konnte einfach nicht anders, als ein wenig neidisch auf ihre Freundin zu sein. Sie schien ihr Leben voll im Griff zu haben, im Gegensatz zu Ali, der es vorkam, als müsste sie sich anstrengen, nur um ihren Kopf gerade so über Wasser zu halten.

Delaney richtete sich auf und steckte einen ihrer Kopfhörer ins Ohr. Gleichzeitig kam ein weiteres Krachen aus der Küche, das laut genug war, dass Delaney und Ali gleichzeitig zusammenzuckten.

Nach einem Augenblick hörten sie Piper rufen: „Keine Sorge! Das war nur wieder die Pfanne!“

Ali knirschte mit den Zähnen. „Meine armen Babys …“, murmelte sie, während sie Delaney zur Tür brachte.

„Schmeiß sie raus“, flüsterte Delaney, während sie die Tür aufzog, sodass die Glöckchen klingelten und die Möwen erneut aufgescheucht wurden.

Ali schüttelte ihren Kopf. „Niemals“, flüsterte sie zurück.

„Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt …“ Mit diesen Worten steckte sie ihren zweiten Kopfhörer ein und lief unter der hellen, warmen Morgensonne davon.

Während sie ihr hinterherblickte, bemerkte Ali, dass sich in der Zwischenzeit eine kleine Menschentraube vor ihrem Laden versammelt hatte, die schon darauf warteten, dass sie öffnete. Mit einem leichten Flattern im Magen und gespannt darauf, was wohl heute auf sie zukommen würde, drehte Ali ihr Schild um, sodass es Geöffnet anzeigte.

„Guten Morgen!“, rief sie fröhlich, während die ersten Gäste eintraten. „Willkommen bei Seaside Sweets.“

KAPITEL ZWEI

Ein kleines Mädchen blinzelte Ali von der anderen Seite der Theke aus an. Sie konnte nicht viel älter als vier sein und hatte große, braune Augen, die sie wie ein Reh auf offener Straße anstarrten. Ihre Haare waren schwarz gelockt und in zwei Cornrows frisiert, die mit pinken Perlen am Ende zusammengehalten wurden. Die Dame hinter ihr – allem Anschein nach ihre Mutter – klopfte ihr aufmunternd auf den Rücken.

„Darf ich bitte einen Cupcake mit Regenbogenglasur haben?“, fragte das Mädchen leise.

„Natürlich“, antwortete Ali und lächelte fröhlich. Ihr fiel das aufgestickte Einhorn auf, das auf dem hellrosa T-Shirt des Mädchens prunkte. „Möchtest du vielleicht auch Glitzerperlen dazu?“

Die Augen des Mädchens weiteten sich noch mehr – überrascht und erstaunt darüber, was Ali gerade gesagt hatte. Sie warf ihrer Mutter einen flehenden Blick zu und drehte sich schnell wieder zu Ali um, nachdem sie ihr bestätigend zugenickt hatte.

„Darf ich bitte einen Cupcake mit Regenbogenglasur und Glitzerperlen haben?“, verbesserte sie sich.

„Kommt sofort“, antwortete Ali und grinste die Mutter wissend an.

Ali nahm einen Vanillecupcake aus der Vitrine und gab eine großzügige Menge Regenbogenglasur darauf. Dann löffelte sie ein paar Glitzerperlen aus dem dafür vorgesehenen Behälter und vollendete ihr Meisterwerk. „Bitte schön“, sagte sie und hielt dem Mädchen den fast schon zu süß aussehenden Cupcake hin.

Das Mädchen schien wie eingefroren. Ihre Augen waren inzwischen tellergroß. Ali war diesen Gesichtsausdruck zwar schon gewohnt, doch daran sattsehen würde sie sich nie: Die Freude eines kleinen Kindes, wenn man ihm einen ganz eigenen Cupcake hinhielt. Diese Dankbarkeit war jede Mühe ihrer Arbeit wert.

Das Mädchen starrte ihren Cupcake weiter nur an. Ihre Mutter legte die Hand auf ihren Rücken und sie hob ihre kleine Faust, drehte sie um und öffnete sie. Darin lagen ein paar Münzen.

„Sie hat wochenlang darauf gespart“, flüsterte die Mutter Ali zu.

„Oh!“, entfuhr es ihr. Sie war so gerührt, dass ihr Herz zu schmelzen drohte. „Wenn das so ist, solltest du vielleicht noch ein bisschen weitersparen“, antwortete sie. Statt das Geld anzunehmen, legte sie ihr den Cupcake in die ausgestreckte Hand.

Das Mädchen sah jetzt vollkommen begeistert aus, als wäre es plötzlich Weihnachten geworden. Dann, in einer plötzlichen, flüssigen Bewegung, steckte sie ihr Gesicht in den Cupcake – Mund, Nase, Backen, einfach alles.

Ihre Mutter sah Ali dankbar an. „Vielen, vielen Dank“, sagte sie, bevor sie sich an ihre Tochter wendete und sie aufforderte: „Was sagen wir zu der netten Dame?“

„Dankefööön“, murmelte das Mädchen, deren Lippen inzwischen regenbogenfarben waren.

„War mir ein Vergnügen“, antwortete Ali schmunzelnd.

Die Mutter sagte ein letztes Mal „danke“ und verließ dann mit ihrer Tochter den Laden.

Ali war gerührt von dieser liebenswerten Begegnung. So einen Gesichtsausdruck zu sehen war Grund genug, all das auf sich zu nehmen, was sie beschäftigte. Sie liebte es zu backen, weil sie dadurch Freude verbreitete. Allein diese fünf Minuten waren schöner gewesen, als all die Jahre, die sie im Eclairs verbracht hatte und Ali war stolz auf sich, dass sie es gewagt hatte, ihre eigene Bäckerei aufzumachen.

Sie war immer noch so froh, dass sie einen Moment brauchte, um sich auf ihre nächsten Kunden einzustellen – drei jugendliche Skater.

„Hallo!“, gurrte sie, als wären sie allesamt Vierjährige. Dann räusperte sie sich schnell und ihre Stimme fiel um mindestens zwei Oktaven. „Was darf es sein?“

Keiner der Jungen antwortete. Sie sahen Ali nicht mal an, geschweige denn die Vitrine oder die Karte über ihrem Kopf. Sie schienen alle drei direkt durch Ali hindurchzusehen und Piper anzustarren, die an der Kaffeemaschine stand und gelangweilt ihre Fingernägel betrachtete.

„Piper“, rief Ali. „Könntest du diese drei Herren bedienen, während ich die Tische saubermache?“

Pipers Kopf schnellte hoch; scheinbar hatte Ali sie aus einem Tagtraum gerissen.

„Sicher doch“, murmelte sie und hüpfte geradezu herüber. Ihr blonder Pferdeschwanz wippte hin und her als wäre sie ein Model aus einer Shampoo-Werbung.

„Hey“, begrüßte sie einer der Jungs und nickte ihr lässig zu.

„Hey“, antwortete Piper und spielte mit einer Haarsträhne.

Ali verdrehte nur die Augen.

Sie ließ Piper an der Kasse stehen, schnappte sich ein Putztuch und ging in den Gästebereich.

Es war den ganzen Morgen lang viel los gewesen, so wie Ali es mochte. Sie konnte sich nicht daran sattsehen, dass ihre ganze Arbeit sich endlich lohnte. Und besonders freute sie sich auf den Start ihrer Makronen, den sie für den nächsten Tag geplant hatte. Regenbogencupcakes und Glitzerperlen waren gut darin, Kinder anzulocken, aber wenn jeder ihrer Kunden Wochen brauchen würde, um auf einen Cupcake zu sparen, würde sie bald pleitegehen. Sie musste ihre Speisekarte ausbauen, wenn sie auch ältere Kunden ansprechen wollte und Makronen waren der perfekte Mittelweg zwischen kindlichen Cupcakes und edlen französischen Desserts. Ali war sich sicher, dass sowohl Kinder als auch Eltern begeistert sein würden, und ganz besonders, wenn Mr. Makrone erst einmal vor ihrer Tür stand.

Ali fing an, einen der nicht besetzten, krümelbedeckten Tische abzuwischen und das dreckige Geschirr mitzunehmen. Die Glöckchen über der Tür klingelten hinter ihr und sie drehte sich um, um ihren neuen Gast zu begrüßen. Sie war überrascht, als sie in ein nur allzu bekanntes Gesicht blickte. Ein rundes Gesicht. Rosa Wängchen. Unordentliches, rot-blondes Haar. Es war ihr Teddy.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus.

„Teddy!“, rief sie, ließ das Tuch liegen und rannte zur Tür, um ihren Bruder zu umarmen.

„Hey, Ali-Kätzchen.“

„Was machst du denn hier?“, fragte sie.

„Heute geht es mit deinen Makronen los, oder?“, sagte Teddy. „Ich bin hier, um dir moralische Unterstützung zu leisten.“

„Du bist so lieb!“, antwortete Ali gerührt. „Aber meine Makronen gehen erst morgen an den Verkaufsstart. Aber du bleibst bestimmt zum Mittagessen, jetzt, wo du den ganzen Weg hierhergefahren bist, oder?“

„Na klar”, sagte Teddy. Er blickte über ihre Schulter hinweg zu Piper, die immer noch hinter der Vitrine stand. „Wenn du es Fräulein Tollpatsch da drüben zutraust, alleine hier zu bleiben.“

Ali sah ihn tadelnd an. „Piper macht sich richtig gut. Naja, jedenfalls ganz okay.“

Teddy verdrehte seine Augen. „Na klar doch. Deswegen hat sie den drei Jungs da auch gerade kostenlose Cupcakes gegeben, oder?“

„Was?“, rief Ali.

Sie wirbelte herum, nur um mitanzusehen, wie die drei Jungs den Laden verließen. Sie hatten alle einen Cupcake in der einen und einen Kaffee in der anderen Hand. Ali sah ihnen sprachlos hinterher und fragte Piper dann: „Haben sie auch dafür bezahlt?“

Piper schüttelte den Kopf. „Hank, der Typ in den Shorts, sein Vater hat ein Musikstudio und er hat mir versprochen, dass ich bei ihm eine Synchro-Probe aufnehmen kann. Also habe ich ihnen das Zeug kostenlos gegeben, als Dankeschön.“

Ali schlug sich selbst mit der Hand an die Stirn. „Oh, Piper“, seufzte sie.

Piper sah ganz niedergeschlagen aus. „War das nicht okay? Ich dachte, das würde schon in Ordnung sein.“ Sie plapperte ganz schnell vor sich hin, als hätte sie auf einmal Zweifel. „Ich habe nur gesehen, wie du dem kleinen Mädchen einen Cupcake geschenkt hast, also dachte ich, das wäre okay.“

Neben Ali schüttelte sich Teddy geradezu vor Lachen. Und da Ali ihre Frustration nicht an Piper auslassen wollte, entschloss sie sich, stattdessen ihn anzufahren.

„Du. Mitkommen“, zischte sie.

Sie schnappte sich das dreckige Geschirr vom Tisch und huschte in Richtung Küchentür. Teddy folgte ihr pflichtbewusst.

Als sie die Theke erreichte, sagte sie zu Piper: „Keine kostenlosen Proben mehr, ohne dass du mit mir Rücksprache hältst.“

„Okay, Boss“, antwortete die junge Dame.

Ali drückte die Tür zur Küche mit ihrer Schulter auf und trat ein.

„Also hat sie sich noch nicht gebessert“, meinte Teddy, während sie das dreckige Geschirr in die Spüle stellte.

Ali wirbelte herum. „Na gut. Nein. Hat sie nicht.“

„Heißt das, du feuerst sie endlich?“, fragte Teddy.

„Auf keinen Fall“, antwortete sie unnachgiebig.

Teddy legte ihr die Hände auf die Schultern. „Ich kann nicht glauben, dass ich dir das sagen muss, aber in diesem Fall stimme ich Hannah ausnahmsweise zu. Du triffst hier nicht besonders schlaue Geschäftsentscheidungen.“

„Ach, wirklich?”, antwortete Ali sarkastisch. Sie fegte seine Hände von ihren Schultern und holte etwas aus ihrer Schürzentasche hervor. Es war ein kleiner Zettel, den sie methodisch auffaltete.

„Was ist das?“, fragte Teddy stirnrunzelnd.

„Ein Scheck“, antwortete Ali triumphierend. „Für dich. Ich zahle dir das Geld von der Zahnpastawerbung zurück.“

Teddy zögerte einen Moment, dann fiel ihm der Unterkiefer buchstäblich auf den Boden. Er streckte die Hand aus, nahm den Scheck entgegen und starrte ihn dann ungläubig an.

„Aber das war doch ein Geschenk“, murmelte er verwundert.

„Ich weiß“, antwortete Ali. „Aber ich habe letzten Monat Gewinn gemacht, wahrscheinlich wegen der schlauen Geschäftsentscheidungen, die ich so treffe. Also kann ich es mir leisten, dir dein Geld zurückzuzahlen.“

Teddy blickte endlich auf. „Ist das hier etwa aus Mitleid, weil ich dich im Truck Stop Diner zum Essen eingeladen habe?“, fragte er.

Ali schüttelte den Kopf. „Nein. Gehört alles dir.“

„Das glaube ich ja nicht. Wie kannst du schon genug verdienen? Du hast doch gerade mal aufgemacht!“

„Vor einem Monat, einer Woche und einem Tag“, antwortete Ali mit einem stolzen Nicken. „Und es gibt nur eine Person, der ich das zu verdanken habe. Dir. Nichts hiervon wäre je möglich gewesen, wenn du mit deiner Zahnpastawerbung nicht so viel Geld verdient hättest.“

Teddy wedelte mit seiner Hand vor seinem Gesicht herum. „Ach sei still. Ich fang gleich noch an zu weinen.“

„Das meine ich ernst“, sagte Ali. „Du hast mir immer gesagt, ich soll meinen Träumen folgen. Du bist der Einzige in der Familie, der an mich geglaubt hat.“

Teddys große blaue Augen füllten sich mit Tränen. „Ali-Kätzchen“, schluchzte er. „Bist du dir da sicher? Du stehst gerade Mal am Anfang. Die Dinge könnten sich verändern. Vielleicht findet jemand einen rostigen Nagel in seiner Füllung und verklagt dich. Vielleicht setzt Piper noch einen Haufen Croissants in Brand.“

„Zum Glück habe ich rostige Nägel gerade erst aus all meinen Rezepten verbannt“, witzelte Ali. „Und Piper hat ihre Privilegien in der Küche verwirkt, bis ich mir sicher sein kann, dass sie mir nicht den Laden abbrennt. Sie darf momentan nur Zutaten vorbereiten.“ Sie ergriff seine Hände. „Nimm es an. Es gehört dir. Wenn keine Katstrophe passiert, werde ich es nicht brauchen.“

Teddy schnappte sich schnell einen hölzernen Löffel von der Theke. „Fass das Holz an! Du willst dich doch nicht selbst verfluchen.“

Ali glaubte an diesen Aberglauben nicht, aber sie berührte den Löffel trotzdem, um ihren Bruder zu beruhigen.

„Da“, sagte sie. „Kannst du jetzt bitte den Scheck annehmen?“

Teddy nickte. Er faltete ihn zusammen und steckte ihn in seine Hosentasche.

„Danke, Ali-Kätzchen“, sagte er ernst. „Ich hab dich lieb.“

„Ich dich auch, Teddybär.“

Er schluchzte laut. „Und ich hasse dich dafür, dass du mich wieder zum Weinen gebracht hast.“

Ali lachte. „Und ich hasse dich dafür, dass du recht mit Piper hast. Aber ich gebe sie nicht auf. Egal, wie schwer es auch wird. Ich werde sie schon zurechtstutzen!“

In dem Moment kam ihre schrille, panische Stimme aus dem Verkaufsraum. „ALI! ALI, kannst du mal herkommen, JETZT SOFORT, BITTE?“

KAPITEL DREI

Teddy war direkt hinter hier, während Ali zurück durch die Küche und zur Theke raste. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie hatte Piper doch gerade mal zwei Minuten alleine gelassen! Wie konnte sie es nur in so kurzer Zeit schaffen, in Schwierigkeiten zu geraten?

Sie hielt hinter der Theke an und hielt Ausschau nach dem Grund für Pipers Alarm. Die Tische sahen so aus, wie sie sie eben zurückgelassen hatte. Überall saßen Kinder, die fröhlich Cupcakes in sich hineinstopften und mit ihren klebrigen Fingern die Möbel betatschten. Nichts hatte sich verändert.

Außer …

Dort drüben am Fensterplatz bemerkte Ali eine Dame, die eben noch nicht dagewesen war. Sie hatte eine verdächtig große Sonnenbrille an, die die Hälfte ihres Gesichts verdeckte und ein Kopftuch, das ihre Frisur versteckte.

Piper packte Ali fest am Arm und flüsterte ihr zu: „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das ist eine alte, berühmte Hollywoodschauspielerin.“

Ali erkannte, dass Piper sie nicht aus Panik, sondern aus Aufregung gerufen hatte.

Sie spürte, wie ihre Nervosität in einem Rutsch von ihr abfiel. Auf diesen Schock hätte sie gut verzichten können.

Neben ihr holte Teddy mit gespieltem Entsetzen Luft.

„Piper, ich glaube du hast recht!“, flüsterte er. „Sie sieht aus wie, wie hieß sie noch gleich? Marigold? Margery?“

Piper nickte begeistert. „Stimmt! Maribel …?“

„Es liegt mir auf der Zunge“, meinte Teddy.

Während die beiden weiterhin flüsterten und ihren Namen zu erraten versuchten, runzelte Ali die Stirn. Die Dame schien äußerst verdächtig. Und aus irgendeinem Grund kam sie Ali bekannt vor.

Plötzlich wusste sie, wen sie da vor sich hatte. Die Falten auf ihrer Stirn vertieften sich vor Ärger.

„Das ist doch keine Schauspielerin!“, murmelte sie.

Sie marschierte um die Theke herum und baute sich vor der Dame auf. Sie sah auf sie herunter und stemmte ihre Arme in die Hüften.

„Miriyam“, sagte sie. „Was hast du hier zu suchen?“

Miriyam besaß ebenfalls eine Bäckerei an der Strandpromenade, das falsch geschriebene Kookies, und hatte Ali noch nie leiden können. Was sie hier in ihrem Laden tat, angezogen wie ein schlechter Spion, war ihr ein Rätsel.

Miriyam nahm die Sonnenbrille in Seelenruhe ab. „Oh. Ali. Guten Tag“, sagte sie mit ihrem starken slawischen Akzent. Sie klang, als wäre sie überrascht, Ali in ihrem eigenen Laden stehen zu sehen.

„Was machst du hier?“, fragte Ali erneut. Sie war nicht in der Stimmung für Spielchen. „Spionierst du mich etwa aus?“

Miriyam stellte sich unwissend.

„Rede doch keinen Unsinn“, antwortete sie. „Ich habe mir nur deine Speisekarte angesehen. Ich wollte schauen, ob du etwas Neues im Angebot hast, aber wie ich sehe, sind das hier nur deine altbekannten Cupcakes.“

Ali traute dem Braten nicht. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. „Warum dann dein Kopftuch? Ist dir nicht aufgefallen, dass es draußen 1000 Grad heiß ist?“

Wenn Miriyam sich eine weitere Lügengeschichte ausdenken würde, würde Ali noch in die Luft gehen. Zum Glück schien sie sich keine weitere Mühe machen zu wollen. Sie hatte wahrscheinlich eingesehen, dass sie durchschaut worden war. Sie nahm das Kopftuch ab und warf es auf den Tisch. Kurz darauf folgte die Sonnenbrille.

Piper und Teddy waren sichtlich enttäuscht.

„Na gut“, sagte Miriyam hochmütig. „Du hast mich erwischt. Aber du kannst auch aufhören, so zu tun. Ich weiß alles über deine Makronen.“

Ali hob eine Augenbraue. „Was ist mit den Makronen?“

„Aha!“, entfuhr es Miriyam. „Also gibst du es zu.“

Ali war ratlos. „Was gebe ich zu? Das ist kein Geheimnis. Sie sind ab morgen in meinem Sortiment. Was hat das mit dir zu tun?“

„Ich weiß, was du vorhast“, meinte Miriyam. „Du hast die Gerüchte über Brandon Lennox gehört und willst jetzt seine Aufmerksamkeit mit deinen feinen Makronen erhaschen.“

„Wovon redest du da?“, fragte Ali.

Plötzlich tauchte Piper neben ihr auf und erschreckte sie. Sie musste geradezu durch den Laden gesprintet sein.

„Haben Sie gerade gesagt, dass Brandon Lennox hierherkommt?“, entfuhr es Piper.

„Ja“, antwortete sie. „Morgen. So munkelt man sich jedenfalls.“

„Oh mein Gott!“, rief Piper. Sie wedelte aufgeregt mit ihren Händen. „Das ist ja so cool!“

Ali war am Ende ihrer Geduld. „Wer ist Brandon Lennox?!“, schrie sie. „Und was hat das alles mit meinen Makronen zu tun?“

„Brandon Lennox ist ein Restaurantkritiker“, erklärte Miriyam. „Er besucht die unterschiedlichsten Orte in ganz Amerika und dreht Videorezensionen über sie.“

„Er ist eher ein Vlogger als ein Restaurantkritiker“, fügte Piper hinzu. „Und er ist megabeliebt auf YouTube.“ Sie nahm ihr Handy aus der Hosentasche und tippte auf dem Bildschirm herum. „Hier. Das ist sein neuestes Video.“

Laute Punkmusik dröhnte aus den Lautsprechern. Piper hielt den Bildschirm so, dass Ali ihn sehen konnte. Teddy kam jetzt ebenfalls herüber und schaute über ihre Schulter.

Ein wahrer Wirbelsturm an Bildern und Texten und lauten Soundeffekten flogen geradezu über das kleine Handy.

„Ich bin heute hier in Santa Cruz, um die schärfsten Hot Wings zu probieren“, schrie der junge Mann in die Kamera. Er hatte eine Baseballkappe rückwärts auf seinem Kopf sitzen und sein Kameramann schien wahllos hinein- und hinauszuzoomen. „Ich versuche so viel zu essen, bis ich entweder kotze oder rausgeschmissen werde! LOS GEHT’S!“

Als nächstes sah man Brandon im Inneren des Restaurants, umgeben von Hühnchenknochen. Sein Mund war verschmiert mit orangefarbener Sauce. Er war bleich und stöhnte kläglich. Hinter der Kamera lachte sein Kameramann, sodass das ganze Bild zitterte.

„Alles okay, Brandon?“, fragte eine Stimme aus dem Off.

Brandon wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ich glaub, ich muss kotzen.“

Um seine Worte zu unterstreichen, flogen eine Reihe an Emojis über den Bildschirm. Die Soundeffekte passten zu dem grünen Kotz-Smiley. Doch plötzlich schlug Brandon mit seinen Fäusten auf den Tisch und schrie: „MEHR HOT WINGS!“ Die Kamera richtete sich auf die armen Mitarbeiter, die hinter der Theke standen und ziemlich kläglich aussahen.

Neben Ali hielt sich Teddy jetzt ebenfalls die Hand vor den Mund und sah aus, als müsste auch er sich jeden Moment übergeben. Er hatte schon immer einen sensiblen Magen gehabt. Ali hatte genug.

„Mach das aus“, sagte sie. Sie machte sich Sorgen, dass der junge Mann sich wirklich gleich übergeben und dadurch eine ganze Kettenreaktion auslösen würde. Sie runzelte die Stirn und blickte erst Miriyam und dann Piper tadelnd an. „Und auf den freut ihr euch? Sieht aus, als wäre er ganz schön daneben.“

„Vielleicht“, antwortete Miriyam. „Doch denk mal daran, wie viele Menschen du erreichen könntest. Das ist kostenlose Werbung. Als Geschäftsfrau solltest du doch am besten wissen, dass es keine schlechte Publicity gibt.“

Typisch Miriyam, dachte Ali. Immer versteckt sie ihre Kritik unter dem Deckmantel von „Ratschlägen.“

„Jedes Restaurant, das er besucht, bekommt unglaublich viele Kunden“, sagte sie.

Da wurde Ali hellhörig. „Wirklich?“

„Oh, ja“, antwortete Piper. „Er nennt sie seine Jünger. Seine Fans folgen ihm überall hin.“

„Okay“, sagte Ali und nickte verständlich. „Also sind es nicht wirklich Kunden, sondern noch mehr verrückte Jugendliche, die seinen ganzen Quatsch superlustig finden?“

„Denk was du willst“, sagte Miriyam hochmütig. „Aber er ist berühmt. Dein kleiner Auftritt bei ‚Randy empfiehlt‘ hat, wieviel, tausend hiesige Einwohner erreicht? Wenn Brandon Lennox zu dir kommt, sehen dich Millionen von Menschen aus dem ganzen Land.“

„Millionen?“, wiederholte Ali ungläubig.

Piper schaute sich immer noch das Video an und murmelte: „Also das Video hier wurde schon ein paar Millionen Mal angeschaut.“