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Wie werden wir souveräner, authentischer und gelassener? Wie meistern wir Extremsituationen und Stress? Wie finden wir einen Job, der uns erfüllt, und was können wir tun, um vom Gedächtnisbesitzer zum Gedächtnisbenutzer zu avancieren? Wer sind wir, was macht uns aus oder können wir uns ein Stück weit auch neu erfinden? Wenn wir viele Dimensionen haben, wie lassen sie sich einen? Und lässt sich überhaupt definieren, was eine "starke Persönlichkeit" ist? 22 Top-Experten geben darauf ebenso spannende wie kurzweilige Antworten! Die Autorinnen und Autoren sind Experten auf ihrem Gebiet und gehören der GSA German Speakers Association an, der führenden Organisationen für professionelle Referenten, Trainer, Coaches und Redner. Mit Beiträgen von Petra Bock, Markus Brand/Frauke Ion, Peter Klaus Brandl, Martin Carmann, Stéphane Ettrillard, Helmut Fuchs, Friedbert Gay, Edgar Geffroy, Oliver Geisselhart, Ralph Goldschmidt, Angelika Gulder, Hans-Uwe L. Köhler, Robert Korp, Sylvia C. Loehken, Eva Loschky, Monika Matschnig, Christa Mesnaric, Elisabeth Motsch, Imre Remenyi, Dirk Schmidt, Sabine Schwind von Egelstein und Elfy Walch.
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Seitenzahl: 487
Veröffentlichungsjahr: 2011
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GSA – German Speakers AssociationJörg Löhr (Hrsg.)
Erfolgreiche Speaker verraten ihre besten Konzepteund geben Impulse für die Praxis
Unter Mitarbeit von Dr. Petra Begemann,Bücher für Wirtschaft + Management (Projektleitung)
Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Datensind im Internet über http//dnb.d-nb.de abrufbar.
Lektorat: Claudia Lange, Renningen | www.bookpartner.deUmschlaggestaltung: Martin Zech Design, Bremen | www.martinzech.de
©2014 GABAL Verlag GmbH, Offenbach
Das E-Book basiert auf dem 2010 erschienenen Buchtitel „Die besten Ideen für eine starke Persönlichkeit“ herausgegeben von Jörg Löhr, © 2010 GABAL Verlag GmbH, Offenbach.
ISBN Buchausgabe: 978-3-86936-108-6
ISBN epub: 978-3-86200-951-0
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise,nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.
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Geleitwort
Vorwort
Petra Bock
Persönlichkeit und Geld – Erfolgsstrategien für finanzielles Wachstum
Peter Klaus Brandl
Aufgeben können wir, wenn wir tot sind!
Martin Carmann
Innere Unabhängigkeit
Stéphane Etrillard
Persönliche Souveränität – Eine Konstante in einer komplexen Welt
Helmut Fuchs
Nur wenn die Stimmung stimmt, stimmt auch die Leistung
Friedbert Gay
Persönliche Stärke ist kein Zufall
Edgar K. Geffroy
Schaffen Sie Ihre eigene Karriere
Oliver Geisselhart
Vom Gedächtnisbesitzer zum Gedächtnisbenutzer
Ralph Goldschmidt
Leistungskraft und Lebensglück – So meistern Sie den schwierigen Balanceakt zwischen Berufs- und Privatleben
Angelika Gulder
»Karriere-Navigator« – Die eigene Berufung finden
Frauke Ion / Markus Brand
Das Reiss Profile gefährdet Ihre Unzufriedenheit
Hans-Uwe L. Köhler
Hol den Engel aus dem Stein
Robert Korp
Auf eigene Stärken fokussieren – Authentisch und selbstbewusst das eigene Leben in die Hand nehmen
Sylvia C. Löhken
Unter Extros – Erfolgsstrategien für introvertierte Persönlichkeiten
Eva Loschky
Sprich, damit ich dich sehe
Monika Matschnig
Körpersprache und Persönlichkeit
Christa Mesnaric
Ich bin eins! – Wie Sie durch guten Sex in fünf Dimensionen zur multidimensionalen Persönlichkeit werden
Elisabeth Motsch
Den Charakter kleiden – Kleidung ist Kommunikation von innen nach außen
Imre Márton Reményi
Eine starke Persönlichkeit – Was ist das und wollen Sie das überhaupt sein?
Dirk Schmidt
Gewonnen wird im Kopf
Sabine Schwind von Egelstein
Imagework – Aufsteigen von der Person zur Marke
Elfy Walch
Lassen Sie sich nicht stressen – Punkten Sie mit Gelassenheit!
Liebe Leserin, lieber Leser,
22 hochkarätige Experten, die ihr Wissen zum Thema »Persönlichkeit« praxisnah auf den Punkt bringen – kompakter lässt sich wertvolles Know-how kaum präsentieren. Ich freue mich, Ihnen den ersten Band der GSA Top Speakers Edition vorzustellen. Die German Speakers Association (GSA) ist der führende Berufsverband für Trainer, Referenten und Coachs im deutschsprachigen Raum. Ihre Mitglieder stehen für Qualität und Professionalität. Hier tauschen Weiterbildungsprofis, mitreißende Redner und inspirierende Trainer ihre besten Ideen aus. Eine wahre Fundgrube dieser Ideen halten Sie heute in den Händen!
»Persönlichkeit« ist ein Thema mit vielen Facetten. Lesen Sie, welche praxiserprobten Erfolgstipps für Auftreten und Souveränität, Lebensbalance und Karriere, Selbsterkenntnis und Stimmungsmanagement unsere Experten für Sie haben. Lassen Sie sich verblüffen und anregen. Für eine spannende Lektüre bürge ich als Präsident; genauso Herausgeber Jörg Löhr, Handballer-Legende und heute einer der profiliertesten Erfolgstrainer. Mein Dank gilt ihm, unserem Verlagspartner GABAL sowie allen beteiligten Speakern, die hier ihre besten Konzepte verraten.
Prof. Dr. Lothar Seiwert
Präsident der German Speakers Association (GSA),
Certified Speaking Professional (CSP) und
Mitglied der German Speakers Hall of Fame
Liebe Leserinnen und Leser,
»Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung«, hat Albert Einstein formuliert. Diese Aussage lässt sich aber auch umkehren, denn die Persönlichkeit eines Menschen ist eine Voraussetzung für herausragende Leistungen.
Doch was ist das überhaupt – eine starke Persönlichkeit? Inwieweit wird sie uns in die Wiege gelegt? Wie können wir sie weiterentwickeln, konkret an ihr arbeiten? Und wie wichtig ist es, diese innere Stärke auch nach außen zu zeigen?
Wenn ich an Menschen mit starker Persönlichkeit denke, dann fällt mir beispielsweise Uli Hoeneß, der ehemalige Fußballnationalspieler, Manager und jetzige Präsident des FC Bayern München, ein. Ein Mensch, der mit seiner Meinung nie hinter dem Berg hält und dabei durchaus auch polarisiert. Trotzdem sprechen auch seine (Meinungs-)Gegner stets mit Respekt und Hochachtung von ihm. Nicht zuletzt deshalb, weil er viel erreicht hat – sowohl als Spieler als auch als Manager. Er gehörte 1972 zur legendären »Wembley-Elf« und wurde 1974 mit der deutschen Nationalmannschaft Fußballweltmeister. Nach einer Knieverletzung, die seine Profikarriere beendete, wurde er 1979 Bayern-Manager – der bis dato jüngste in der Bundesligageschichte. Zu den sportlichen Erfolgen gesellten sich in den Folgejahren die wirtschaftlichen Erfolge des Strategen Hoeneß – »die Bayern« wurden weltweit zur Marke und zur Wirtschaftsmacht.
Das Beispiel Hoeneß beweist, dass eine starke Persönlichkeit die Basis für Leistung ist. Denn beschäftigt man sich ein wenig mit dem Menschen Uli Hoeneß, dann fällt auf: Er wurde nicht erst zu einer Autorität, sondern war schon zu Schulzeiten jemand, der von den Mitschülern geachtet wurde. Seine Noten waren exzellent, ohne dass ihn andere für einen Streber hielten. Er selbst sagt von sich, dass er in der Jugend kein herausragender Fußballspieler war, seine legendäre Schnelligkeit sei antrainiert gewesen. Als 13-Jähriger habe er sich von seinem Vater jeden Morgen um halb sechs wecken lassen, um vor der Schule noch laufen zu gehen. Sogar einem Ulmer Leichtathletikverein schloss er sich an, um regelmäßig Sprints zu trainieren.
Seine Enttäuschung über das jähe Aus als Profifußballer im Alter von nur 27 Jahren wandelte er mit Akribie, immensem Fleiß und enormer Zielstrebigkeit bei seiner neuen Aufgabe als Manager in zahlreiche Erfolge um. Doch Ehrgeiz ist nicht sein einziger Erfolgsfaktor. Auch seine Authentizität und seine Menschlichkeit machen ihn für viele zu einem herausragenden Beispiel einer starken Persönlichkeit.
Warum ich Ihnen all das erzähle? Weil ich glaube, dass wir aus den Biografien starker Persönlichkeiten manches lernen und uns an »lebenden Erfolgsgeschichten« in vielerlei Hinsicht orientieren können.
Erfolgsmenschen machen nämlich nicht grundsätzlich andere Dinge – sie machen nur ein paar grundsätzliche Dinge etwas anders. Sie übernehmen Verantwortung für sich, ihr Leben, ihr Tun und setzen sich Ziele, die sie ehrgeizig verfolgen. Sie machen Fehler wie andere auch, doch sie lernen daraus, finden neue Strategien und haben dadurch Erfolg. Vor allem aber sind sie offen für neue Herausforderungen und ergänzen ihr Wissen ständig. Sie lernen ein Leben lang. Gerne. Immerzu.
Der Mensch ist das lernfähigste Wesen auf diesem Planeten. Doch auch wenn wir alle laufen und sprechen können – nur wenigen gelingt es beispielsweise, einen Marathon zu bestreiten oder mit einer brillanten Rede andere von den eigenen Ideen zu begeistern. Es liegt an uns selber, ob wir uns mit bereits Erlerntem zufrieden geben oder ob wir uns weiterentwickeln möchten, unser Wissen ausbauen, unsere Fähigkeiten erweitern.
Persönliches Wachstum ist immer nur außerhalb der eigenen Komfortzone möglich. Sich außerhalb dieser zu bewegen erfordert Mut, Energie und ein klar definiertes Ziel. Und natürlich ist es hilfreich, wenn wir dabei kompetente Unterstützung haben, einen starken Wegbegleiter.
»Die besten Ideen für eine starke Persönlichkeit«, so lautet der Titel des vorliegenden Ratgebers, der genau das für seine Leser sein will. Mehr als 20 renommierte Experten und ausgesuchte Referenten konnten für dieses außergewöhnliche Buchprojekt gewonnen werden. In einem »Best of« auf insgesamt 379 Buchseiten spannen sie einen großen Bogen über alle Facetten des modernen Persönlichkeitstrainings. Verschiedene Konzepte werden aufgezeigt und für den Leser in Form konkreter Hilfestellung nutzbar gemacht.
Sie erfahren Wissenswertes über Selbstmotivation und Selbstmanagement, zur Überwindung eigener Ängste ebenso wie zu den Themen Souveränität, Selbstmarketing und Work-Life-Balance. Aber auch zum Themenbereich Präsentation – Wie wirke ich auf andere? Wie kann ich durch meine Stimme, meine Körpersprache überzeugen? Wie kann ich durch mein Outfit meine Persönlichkeit noch unterstreichen? – finden sich auf den folgenden Seiten viele interessante Expertentipps. Selten wurde so viel geballtes Persönlichkeits-Know-how zwischen zwei Buchdeckeln vereint!
Die Qualität der Beiträge bemisst sich auch an deren Praxisnähe sowie an den zahlreichen, konkreten Inputs für Leserinnen und Leser. Hier wurde Wissenswertes verständlich und für viele Lebens- und Berufsbereiche nutzbar aufbereitet. Kurzum: Auf den folgenden Seiten geht es um nichts weniger als Sie, Ihre individuelle Persönlichkeit und um ganz konkrete Tipps, wie Sie diese stärken und zum Leuchten bringen können.
Wegbereiter für dieses spannende Projekt war die German Speakers Association (GSA). Alle Autorinnen und Autoren sind Mitglieder dieser führenden und international geschätzten Organisation für professionelle Referenten, Trainer und Coachs.
Ihnen, liebe Leserinnern und Leser, wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Entdecken – doch belassen Sie es nicht dabei! Verstehen Sie das, was Sie auf den nächsten Seiten erfahren werden, durchaus als Aufforderung, selbst ins Handeln zu kommen. Dieses Buch ist als Kick-off gedacht – damit Sie Ihre individuellen Ziele künftig noch schneller und besser erreichen. Lassen Sie sich von renommierten Experten inspirieren und coachen.
Herzlichst,
Ihr Jörg Löhr
Mitglied der German Speakers Hall of Fame
PETRA BOCK
Finanzieller Erfolg hängt eng mit der eigenen Persönlichkeit zusammen und lässt sich ebenso wie diese gezielt entwickeln. Der Beitrag beleuchtet die wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften und Muster für Erfolg und Misserfolg im Umgang mit Geld und zeigt, was Sie tun können, um ein gutes und stimmiges Verhältnis zu Geld zu bekommen. Das wiederum ermöglicht Ihnen zu verdienen, was Sie verdienen, und nicht nur persönlich, sondern auch finanziell zu wachsen.
Vor einigen Jahren begann ich mich damit zu beschäftigen, was Menschen richtig machen, die nicht nur glücklich, sondern auch nachhaltig finanziell erfolgreich sind. Diese Frage ergab sich aus Hunderten von Coachings und Beratungen, in denen ich mit meinen Klienten daran gearbeitet habe, wie sie nicht nur ihre Berufung finden* und umsetzen, sondern darüber hinaus so viel Geld damit verdienen, dass sie sich ein gutes Leben aufbauen können.
Egal, ob es darum geht, mehr zu verdienen, weniger auszugeben oder endlich das Geld, das man hat, zu genießen: Finanzieller Erfolg oder Misserfolg hat sehr viel mehr mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, als bisher angenommen wurde. Die in der Persönlichkeit, dem Denken und dem Verhalten eines Menschen liegenden Faktoren sind meiner Ansicht nach sogar deutlich wichtiger als externe Faktoren wie die Wirtschaftslage, die Branche, in der jemand arbeitet, oder das Wissen über finanztheoretische Zusammenhänge und Produkte.
Wenn Persönlichkeit ein wesentlicher Faktor für finanziellen Erfolg ist, ist sie der Schlüssel zu authentischem Wohlstand. Und tatsächlich: Die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und an eigenen Denk- und Verhaltensmustern führt in den meisten Fällen bereits nach kurzer Zeit zu einer nachhaltigen positiven Veränderung auf dem eigenen Bankkonto. Besonders für Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer ist das von hoher Relevanz. Aber auch Angestellte haben deutlich mehr Entwicklungsspielräume, als den meisten von ihnen bewusst ist. Die beste Nachricht dabei: Wirksame Lebens- und Erfolgsstrategien zum Thema Geld bringen zugleich einen höheren Grad an Selbstwertgefühl, innerer Kongruenz, sozialer Kompetenz und Lebensfreude mit sich. Sie wirken sich nicht nur für Sie selbst, sondern auch für die Menschen, die mit Ihnen zu tun haben, äußerst positiv aus.
Mir fiel auf, dass Klienten, die mit beruflichen und finanziellen Themen kämpfen, meistens in zwei Bereichen Schwierigkeiten haben: Entweder achten sie zu wenig auf sich oder sie schätzen ihre Umwelt falsch ein.
Ein Klient, der eine typische Problematik ins Coaching mitbrachte, war ein Businesstrainer im mittleren Alter, der buchstäblich Tag und Nacht arbeitete und dabei dennoch kein Vermögen aufbaute und weit unterdurchschnittliche Honorarsätze verdiente. Seine Aufträge kamen über Vermittler, die ihn auf Zuruf beschäftigten, durch die gesamte Bundesrepublik schickten und ihm immer wieder kurzfristig Aufträge absagten, ohne ihm einen Ausgleich dafür anzubieten. Die Themen, die er als Trainer bediente, waren Standardthemen wie Kommunikation oder Präsentation und wurden ihm mitsamt den Unterlagen von den Vermittlungsagenturen vorgegeben.
Geld-Themen korrelieren in der Regel mit anderen Problemen. Und so sah es auch im Privatleben dieses Klienten alles andere als optimal aus. Seine Partnerin hatte ihn verlassen, die Kinder wohnten bei der Mutter und er war unterhaltspflichtig. Seine gesundheitliche Verfassung war angeschlagen und seine finanziellen als auch persönlichen Ressourcen waren so gut wie am Ende. Was war passiert?
Mein Klient hatte sich in den vergangenen Berufsjahren eher treiben lassen, als die Dinge selbst in Hand zu nehmen. Aus Angst, keine Aufträge zu haben, band er sich immer stärker an die Vermittlungsagenturen und verhielt sich selbst immer mehr passiv. Die Materialien, die er benutzten sollte, fand er zwar weit unter Niveau, nutzte sie aber trotzdem, um »keinen Ärger« zu machen. Kurz: Er wusste, dass er sich selbst und seinen Kunden schaden würde, fand aber nicht den Mut oder die Kraft gegenzusteuern. Statt das Spiel seines Lebens selbst zu bestimmen, ließ er sich wie eine Figur auf einem Schachbrett von anderen steuern. Immer dann, wenn er etwas an der Situation verändern wollte, meldete sich der Anteil in ihm, der auf Sicherheit setzte, und er handelte sich selbst wieder von seinen eigentlichen Forderungen herunter. Das ging, wie für viele andere Menschen, auf die Dauer an seine Substanz.
Wie kann ein Mensch, der in eine solche Lage geraten ist, vorgehen? Wie kann es gelingen, wieder Herr des eigenen Lebens zu werden? Wie kommt die Freude am Beruf zurück? Was muss passieren, damit die eigenen Stärken und Fähigkeiten optimal »auf die Straße« kommen, und welche Strategien bringen gute Honorare und Kunden, mit denen die Arbeit nicht nur funktioniert, sondern sogar mehr Energie zurückgibt als sie kostet? Denn nachhaltiger beruflicher wie finanzieller Erfolg hängt eng mit einer hohen persönlichen Lebensqualität zusammen. Sinkt die Lebensqualität, sinken die Chancen für dauerhaften Erfolg und finanziellen Wohlstand.
Sehen wir uns zunächst an, wie Erfolg funktioniert. Das folgende Modell zeigt die elementare Grundstruktur, der jedem Erfolg meines Erachtens nach zugrunde liegt. Das Modell ist äußerst einfach und äußerst wirkungsvoll.
Erfolgsstrategien-Modell©nach Dr. Petra Bock
Auf der einen Seite gibt es uns als Persönlichkeit. Um glücklich und erfolgreich zu werden, müssen wir uns ein paar Fragen ehrlich und möglichst präzise beantworten:
Was will ich?
Was kann ich?
Was brauche ich?
Es ist enorm wichtig, sich diesen Fragen zu stellen und seine berufliche und finanzielle Strategie danach auszurichten.* Passiert das nicht, erleben wir, wie Menschen sich verausgaben, kaputtarbeiten und das Leben eher als Last denn als Geschenk und Vergnügen erfahren. Wenn wir also dauerhaft und nachhaltig erfolgreich sein möchten, brauchen wir gute, stimmige Antworten auf diese Fragen.
Auf der anderen Seite befindet sich unsere Außenwelt: die Menschen und Märkte, mit denen wir zu tun haben. In Bezug auf das Thema Erfolg sind besonders wichtig: unsere Kollegen, Mitarbeiter, Vorgesetzten, Kunden. Aber auch Dienstleister, Lieferanten und nicht zuletzt staatliche Institutionen und Regelungen gehören zur »Welt da draußen«, die in unsere strategischen Überlegungen einbezogen werden muss.
Auch in Bezug auf die Seite unserer Außenwelt müssen wir uns ein paar Fragen so genau wie möglich beantworten:
Wie funktioniert die Welt?
Was braucht die Welt?
In welcher Form braucht sie es?
Diese Fragen sind von hoher Bedeutung. Wenn wir nicht wissen, wie der Markt oder das Umfeld, in dem wir Erfolg haben wollen, funktioniert, werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit falsche Strategien anwenden. Ich kann das immer wieder beim Thema Bewerbungen und Jobsuche feststellen. Die überwiegende Anzahl von Stellen wird nicht über Anzeigen und ordentliche Bewerbungsverfahren, sondern über informelle Empfehlungen vergeben. Unterhalte ich mich aber mit Menschen, die seit längerer Zeit frustriert nach einem Job suchen, erfahre ich, dass sie immer wieder nach Anzeigen schauen und Bewerbungen an Unternehmen verschicken, ohne sich um persönliche Kontakte zu kümmern. Die Ergebnisse sind so gut wie vorprogrammiert. Erfolge wären eher Zufall. Ähnliches gilt für das Thema Gehaltsverhandlung. Viele Menschen wissen nicht, wie viel Geld sie im Markt für eine jeweilige Tätigkeit verdienen können. Sie recherchieren nicht und geben sich entweder mit jedem Angebot zufrieden oder sie malen sich, gemessen an ihren derzeitigen Fähigkeiten, zu hohe Einkommensmöglichkeiten aus.
Ebenso wichtig ist die Frage danach, was die Welt braucht. Sie können an Arbeit oder Gütern anbieten, was Sie wollen; wenn Sie nicht treffen, was andere brauchen, wird der Erfolg ausbleiben. Oft beschäftigen sich Menschen nur mit dem, was sie gerade anzubieten haben, und nicht mit dem, was sie wirklich tun wollen und was andere auch wirklich brauchen können. Bereits hier sind die Weichen für Erfolg oder Misserfolg zu stellen. Die Frage der Form, in der Arbeit oder Produkte für andere attraktiv und damit verkäuflich werden, wird sehr oft ungenügend beachtet. Ich erlebe das häufig bei kreativen Menschen, die hervorragende Arbeit leisten, aber zu wenig dafür bekommen. Wenn wir aber etwas anbieten, das kein Mensch (mehr) braucht, das in Überfülle vorhanden ist, wenn wir es in einer falschen Form anbieten oder missachten, wie die Welt draußen tickt und funktioniert, werden wir nicht das bekommen, was wir denken verdient zu haben. Wenn es uns aber gelingt, den vorhandenen Bedarf in der optimalen Form zu decken, können wir gar nicht anders, als erfolgreich zu sein.
Für den Trainer aus dem obigen Beispiel waren die Antworten auf die Fragen aus dem Erfolgsstrategien-Modell eindeutig: Er wollte unabhängig von Vermittlern als Trainer für Spezialthemen, die ihm wirklich liegen und die ihn interessieren, und nicht für Standardthemen arbeiten. Gleichzeitig war ihm klar, dass er nicht mehr als 100 Tage produktiv beim Kunden verbringen kann, ohne dass entweder die Qualität seiner Arbeit oder seine Lebensqualität drastisch abfällt. Er wollte künftig mit Führungskräften statt mit der einfachen Mitarbeiterebene arbeiten und sich selbst einen Namen machen. Gleichzeitig definierte er ein Jahresbrutto, das er brauchte, um einen zu ihm passenden Lebensstandard zu führen und gleichzeitig kontinuierlich Vermögen aufzubauen. Das bedeutete, dass er seinen Honorarsatz mehr als verdoppeln würde. Darüber hinaus setzte er sich klare Ziele für sein Privatleben, d.h. eine neue Partnerschaft, mehr qualitativ hochwertige Zeit mit seinen Kindern. Weniger arbeiten und mehr verdienen? Wie soll das gehen? Das fragte auch mein Klient. Es ist dann möglich, wenn wir eine Strategie entwickeln, die auch zur Welt da draußen passt. Es war also die Frage, welche Unternehmen für welche Mitarbeiter und welche Themen solche Honorarsätze zahlen würden. Daraus leiteten sich ganz natürlich eine neue Positionierung und eine neue Ansprachestrategie für ihn als Trainer ab. Diese Positionierungs- und Marketingstrategie muss sich aber daraus ableiten, was ein Mensch für sich und sein Leben will. Wird sie einfach am grünen Tisch und rein rational entwickelt, bringt sie nicht die Lebensqualität und damit die Nachhaltigkeit, die Erfolgsstrategien bringen, die von der Persönlichkeit und nicht von irgendwelchen Märkten ausgehen.
Denn eine der wichtigsten Erkenntnisse über finanziellen Erfolg ist diese: Finanzieller Erfolg ist eine Folge von Flow, den wir zwischen uns selbst und der Welt herstellen. Das heißt, wir sind dann erfolgreich und verdienen gutes Geld, wenn wir ein gutes Verhältnis zu uns, unseren Fähigkeiten, unseren Zielen und den Bedürfnissen der Welt draußen haben. In diesem Moment bringen wir durch unsere Arbeit Nutzen in die Welt und da Geld nichts anderes ist als ein Tauschmittel für den tatsächlichen oder gefühlten Nutzen, den wir für andere bringen, können wir gar nicht anders, als Geld zu verdienen.
Je höher der Nutzen ist, den wir bringen, entweder weil er anderen so wichtig ist oder ihn niemand sonst oder nur wenige weit und breit oder in dieser Qualität anbieten können, desto mehr verdienen wir. Geld ist damit ein Symbol zutiefst sozialer Austauschmechanismen, genauso wie Wert nur da entsteht, wo er von anderen Menschen als solcher eingeschätzt wird. Für getragene Kleider von Lady Di bezahlen einige Menschen ein Vermögen. Der Wert an sich ist ein rein emotionaler und dennoch führt er für die Verkäufer dieser Preziosen zu einem stattlichen Barvermögen. Gleichzeitig würde selbst eine Tonne Gold keinen Wert mehr haben, wenn wir der einzige Mensch auf der Welt wären. Wir brauchen also andere, um Wert zu erzeugen und Geld zu verdienen. Das Leben und die anderen Menschen mit ihren Bedürfnissen sind die Basis für Wohlstand. Der Nutzen, den wir bringen, ist der Schlüssel für soliden Wert. Das, was wir direkt leisten, und die Art, wie wir es tun, bringt den Erfolg. Ist aber eine der beiden Seiten des Erfolgsstrategien-Modells nicht geklärt, gibt es an irgendeiner Stelle eine Blockade. Dann läuft es nicht so, wie es laufen könnte, und der finanzielle Erfolg bleibt aus oder unter den eigentlichen Möglichkeiten.
Der Flow in uns selbst ist gestört, wenn wir entweder etwas tun, was wir gar nicht möchten, was uns nicht interessiert oder was nicht unseren Stärken und Fähigkeiten entspricht. Wenn Sie am liebsten mit Menschen arbeiten, werden Sie weit unter Ihren Möglichkeiten bleiben, wenn Sie eine einsame Controller-Stelle antreten. Der Flow ist auch dann blockiert, wenn wir z.B. so wenig Energie und andere Ressourcen zur Verfügung haben, dass wir das, was wir wollen, nicht in der richtigen Qualität oder mit der nötigen Motivation ausführen können. Ein Start in die Selbstständigkeit wird viel zu häufig zum Fehlstart, etwa wenn aus einer ressourcenarmen Position ohne Geld und Kontakte heraus begonnen wird. Der Flow wird auch gestört, wenn wir uns in Umfeldern bewegen, die uns mehr Energie und Lebensfreude kosten als sie bringen. Das können hässliche Büros, schlechte Arbeitskulturen in einem Unternehmen genauso sein wie Kunden oder Vorgesetzte, die mehr fordern, als wir mit gutem Gewissen geben können. Oder Menschen, die uns nicht genügend respektieren, die fordern ohne zu geben, und vieles andere, was in einigen Unternehmen und Geschäftsbeziehungen heute leider noch gang und gäbe ist. Viele meiner Klienten werden erst dann sehr erfolgreich, wenn sie sich von Unternehmen, Mitarbeitern oder Kunden dieser Art konsequent verabschiedet haben. So ging es nicht nur dem Trainer aus dem obigen Beispiel, der sich nach einer kurzen Übergangsphase komplett von seinen alten Vermittleragenturen trennte und sich in wenigen Monaten eine befriedigende und lukrative Existenz aufbaute, die seinen Selbstwert stärkte, statt ihn täglich infrage zu stellen. So ging es auch einer Klientin, die sich erst aus den verkrusteten Strukturen der Marketingabteilung eines Großkonzerns befreien musste, um im wendigen und kommunikativen Umfeld einer kreativen Agentur einen beispiellosen Aufstieg anzutreten.
Welche Rolle spielt also unsere Persönlichkeit, wenn wir finanziell ein Leben lang erfolgreich sein wollen? Es sind die Menschen im Vorteil, die lernen, auf sich selbst, ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ziele zu achten und gleichzeitig anderen und ihrer Umwelt wach und interessiert zu begegnen. Je offener wir in die Welt blicken, je wacher und unverkrampfter wir uns Entwicklungen und Veränderungen bei den Menschen, in den Märkten und in der Welt ansehen und darauf reagieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir den Bedarf der Welt entdecken und mit unseren Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen in Einklang bringen. Emotionale und soziale Kompetenz sind deshalb tatsächlich nicht einfach weiche Worthülsen, sondern harte Fakten, wenn wir ein Leben lang nachhaltig erfolgreich sein wollen. Fachliche Qualifikationen sind demgegenüber nachrangig, denn sie werden erst dann sinnvoll, wenn die Antworten auf die anderen Fragen stimmen. Das unterscheidet die Erfolgswelt des 21. Jahrhunderts meiner Meinung nach drastisch von der unserer Väter und Mütter im vergangenen Jahrhundert. Sie konnten sich noch auf den einmaligen Aufbau von Fachwissen verlassen. Heute ist es genau umgekehrt. Wir müssen im Laufe eines Lebens mehrfach neue Qualifikationen aufbauen, die uns selbst und den Bedürfnissen der Außenwelt entsprechen. Menschen mit einer hohen Wahrnehmungs- und Veränderungskompetenz sich selbst und anderen gegenüber sind deshalb im Vorteil gegenüber denen, die ängstlich an alten Dingen festhalten. Die Art, wie wir mit Neuem, mit auf den ersten Blick bedrohlichen Entwicklungen umgehen, ist der Grad an konstruktivem Optimismus, den wir auch in schwierigen Lagen aufrechterhalten können, und ein wesentlicher Faktor für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg.
Sind diese beiden Seiten, also unser Verhältnis zu uns selbst und zu unserer Außenwelt, im Einklang, entsteht nachhaltiger, authentischer Wohlstand. Ein Einkommen und Wohlstand, der zu uns passt und nachhaltiges, gesundes Wachstum für uns und andere verspricht. Er erlaubt uns, uns in der Welt zu beheimaten und unsere Lebenszeit intensiv und erfüllt zu genießen. Und gleichzeitig ist er eine Folge davon, dass wir genau das tun. Was auf den ersten Blick paradox wirkt, ist damit in Wirklichkeit sehr plausibel: Je glücklicher und authentischer ein Mensch ist, desto mehr ist er gewohnt, das zu tun, was er gut und gerne macht, und in einem guten, verlässlichen Kontakt mit anderen Menschen zu stehen. Das wiederum ist eine Voraussetzung für langjährige Leistungsfähigkeit, Leistungsfreude und die Lust anderer darauf, mit uns in einem guten, produktiven Kontakt zu stehen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Freude oder Spaß andere Menschen daran haben, mit Ihnen zu arbeiten? Es könnte ein wichtiger Schlüssel zu noch mehr Erfolg für Sie sein.
Ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren Zielen und denen unserer Außenwelt ist ebenfalls eine Sache, die eng mit dem Faktor Persönlichkeit verbunden ist: ein gutes Selbstwertgefühl und die damit verbundenen Überzeugungen in Bezug auf sich selbst und die Welt. In den vielen Begegnungen, die ich täglich in meiner Arbeit habe, bestätigt es sich immer wieder: Menschen, die nachhaltigen persönlichen Wohlstand geschaffen haben, teilen nicht nur ein stimmiges Verhältnis zu sich selbst und der Welt, es verbinden sie auch drei wichtige Grundüberzeugungen: Sie sind davon überzeugt, es verdient zu haben und gut genug zu sein, ein gutes Einkommen zu erwirtschaften und Vermögen aufzubauen. Gleichzeitig sind sie davon überzeugt, dass es in der Welt draußen viele Möglichkeiten und Chancen gibt, erfolgreich zu sein. Sie wissen, dass die eigene Arbeit für andere von großem Nutzen und damit von hohem Wert ist, und kommunizieren das auch. Diese Überzeugungen zeigen ein gutes und ausgeprägtes Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, legitime eigene Interessen zur Not auch gegen Widerstände zu vertreten.
Menschen, die sich schwertun, eine bestimmte berufliche Erfolgsschwelle oder einen Vermögensgrad nach oben zu durchbrechen, haben in der Regel eines oder zwei der folgenden Probleme: Sie haben entweder ungünstige Erfolgsstrategien oder teilen die drei oben genannten Grundüberzeugungen finanziell erfolgreicher Menschen nicht. Sie haben ein angeschlagenes Selbstwertgefühl und fühlen sich in der Welt draußen weder willkommen noch sicher. Das führt dazu, dass sie sich unter Wert verkaufen oder anstehende Karriereschritte aus Angst vor Misserfolgen nicht gehen.
Ich habe bereits mit vielen Menschen gearbeitet, die hervorragende Arbeit in sehr relevanten Bereichen leisteten, aber große Schwierigkeiten hatten, ihre Leistung auch zu »verkaufen«, sprich, authentisch, selbstbewusst und erfolgreich auf dem Markt anzubieten. Die Folge mangelnder innerer Kongruenz zur eigenen Arbeit sind zu wenige Aufträge, zu schlecht bezahlte Aufträge oder Gehälter und Positionen, die nicht im Verhältnis zur Arbeitsleistung stehen. Kunden oder Arbeitgeber, die diese Persönlichkeitsschwäche erkennen, haben leichtes Spiel und können manchmal Honorare, Preise oder Gehälter nach Belieben durchsetzen. Sehr häufig treffe ich auf diese Phänomene generell bei Frauen oder bei Menschen, die in kreativen oder sozialen Berufen arbeiten. Die Dankbarkeit, überhaupt einen Job in einem interessanten Tätigkeitsbereich zu haben, übersteigt den Willen, sich eine eigene Karriere und ein eigenes Vermögen aufzubauen, und führt in vielen Fällen zu der Abwärtsspirale von Geld und Lebensqualität, die ich bereits beschrieben habe.
Umso wichtiger ist es, genau diese Schwächen zu überwinden. Denn nur dann, wenn Sie wissen, was Sie können, und davon überzeugt sind, es zu verdienen, werden Sie tatsächlich verdienen, was Sie verdienen. Der Kern eines guten Verhältnisses zum Wert der eigenen Leistung und damit zu Geld ist also eine Frage des Selbstwertgefühls.
Im Laufe meiner Arbeit habe ich drei Grundmuster identifizieren können, die entweder einzeln oder in Mischformen problematischen Geldthemen zugrundeliegen.* Sie wirken auf uns und unser Leben wie Glaubenssätze und steuern damit auch unser Verhalten.
1. Ich bin nicht gut genug.
2. Ich habe es nicht verdient.
3. Die Welt ist schlecht – ich habe gar keine Chance.
Während die beiden erstgenannten Muster Probleme mit dem Selbstwertgefühl anzeigen, deutet das dritte auf ein gespanntes Verhältnis zur Außenwelt hin. Sehen wir uns zunächst die beiden ersten an.
Das Selbstwertgefühl setzt sich aus zwei Bereichen zusammen: der Selbstachtung, also der Art und Weise, wie wir innerlich und äußerlich mit uns selbst umgehen oder umgehen lassen, und der Selbstwirksamkeit. Die Selbstwirksamkeit bezeichnet den Grad, bis zu dem wir glauben, unser Leben selbstständig bewältigen und erfolgreich gestalten zu können. Es zeigt an, was wir uns zutrauen.
Das Vertrauen in die eigene Selbstwirksamkeit gehört zu den zentralen Voraussetzungen für beruflichen und finanziellen Erfolg. Es führt uns im Idealfall dazu, selbstbewusst aufzutreten, anderen Sicherheit zu vermitteln und damit die Bereitschaft zu erhöhen, mit uns zu arbeiten. Beides sichert unsere Aufstiegsperspektiven und unser Einkommen.
Der Glaubenssatz, nicht gut genug zu sein, führt folglich dazu, sich und seine Leistungen buchstäblich »unter Wert« zu verkaufen. Eine meiner Klientinnen leistete hervorragende Arbeit als Designerin, war aber selbst davon überzeugt, »nicht gut genug« zu sein. Auf die Nachfrage, wer denn »gut genug« sei, verwies sie auf die Stars der Branche. »Gegen die bin ich doch gar nichts«, sagte sie und rechtfertigte damit weit unterdurchschnittliche Honorarsätze bei weit überdurchschnittlicher Leistung. Menschen, die mit diesem Muster zu tun haben, haben den Eindruck, ihre Leistung reiche eigentlich nie aus, um wirklich gut bezahlt zu werden. Oft ist dieses Muster verbunden mit Perfektionismus, der eine nicht erfüllbare Messlatte an sich selbst und häufig auch an andere anlegt. Ist die Messlatte, mit der wir unsere Leistung einschätzen, chronisch zu hoch angelegt, führt dies zu permanenten Misserfolgserlebnissen, die wie ein Teufelskreis das Selbstwertgefühl und den Glauben in die eigene Selbstwirksamkeit weiter unterhöhlen.
Da finanzieller Erfolg immer eine Folge davon ist, welchen Eindruck wir in der Außenwelt vermitteln, führt das Muster »Ich bin nicht gut genug« und das daraus folgende Verhalten tatsächlich dazu, dass andere verunsichert sind, den Wert unserer Arbeit nicht hoch genug einschätzen und oftmals tatsächlich nicht bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Ein Teufelskreis, wie er übrigens bei allen destruktiven Geldmustern entsteht. Denn Unsicherheit über den Wert unserer Leistung bei uns selbst führt zur Unsicherheit bei anderen. Und Kunden wie Unternehmen bezahlen für den Grad an Sicherheit und Glaubwürdigkeit, den Sie vermitteln können – egal ob es um Ihre persönliche Arbeitsleistung oder um Produkte geht. Ein gutes Gefühl für andere entsteht, wenn Sie nicht nur gut sind in dem, was Sie tun, sondern auch Selbstsicherheit und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen. Denken Sie darüber nach, bei wem Sie am liebsten kaufen und mit wem Sie am liebsten arbeiten.
Die Designerin, die ich im Einzelcoaching begleitete, bat ich, sich für einen Moment auf ein Experiment einzulassen. Sie sollte so tun, als ob sie sich von außen betrachten und als unabhängige, objektive, aber wertschätzende Expertin ihre Leistung und die Fähigkeiten einschätzen könne. Ich bat sie darüber hinaus abzuschätzen, was eine solche Leistung auf dem Markt wert sei. Sie kam zu völlig neuen Ergebnissen. Als wohlmeinende Beraterin ihrer selbst fiel es ihr deutlich leichter, sich gerecht und realistisch – nämlich sehr gut in ihrem Fachgebiet – einzuschätzen. Sie verglich ihre Arbeit mit der von Kollegen, die weitaus höhere Sätze erzielten, und gewann so im Laufe unserer Arbeit immer mehr Sicherheit, gut genug zu sein, um mit anspruchsvolleren Kunden zu höheren Sätzen zu arbeiten. Gleichzeitig identifizierte sie einen Fortbildungsbedarf zu einer bestimmten Planungstechnik für sich, der ihr noch mehr Sicherheit gab und zu einer erfolgreichen Neupositionierung führte.
Den meisten Menschen fällt es aus dieser dissoziierten Position heraus deutlich leichter, eine angemessene Bewertung des eigenen Könnens vorzunehmen. Sie fällt in der Regel weitaus realistischer aus als in der sogenannten assoziierten Position, in der ein Mensch in einem schlechten inneren Zustand ganz in seiner emotionalen Selbstwahrnehmung und einer kritischen Haltung sich selbst gegenüber gefangen ist. Werden tatsächlich Defizite entdeckt, lassen sich diese bewusst angehen. Vielleicht ist wirklich eine spezielle Fortbildung oder ein Training nötig. Wenn Sie sich selbst nicht die Kompetenz zutrauen, die Qualität Ihrer Arbeit von außen zu bewerten, ist es wichtig zu recherchieren und sich Feedback von Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kollegen oder Kunden einzuholen. Viele Menschen haben seit ihrer Ausbildungszeit kein produktives Feedback mehr auf ihre Arbeit bekommen und dadurch das Gefühl für die eigene Leistung verloren. Vielleicht stehen Sie aber in Wirklichkeit ganz gut da und können sich im nächsten Schritt damit beschäftigen, wie Sie Ihr Können strategisch richtig und kommunikativ überzeugend anbieten.
Das zweite Muster lautet: »Ich habe es nicht verdient« und geht häufig mit einer niedrigen Selbstachtung einher. Ist die Selbstachtung eines Erwachsenen gestört, neigt er dazu, sich heimlich oder offen selbst zu kritisieren und herabzusetzen. Äußerungen wie »Ich bin zu dumm, um …« oder »Na, wieder typisch ich … völlig daneben …« zeigen, dass etwas mit der Selbstachtung nicht stimmt. Menschen, die sich selbst nicht genügend achten, kommen dadurch manchmal der Kritik oder gar der Beschimpfung durch andere zuvor, was sie häufig genauso klaglos hinnehmen wie die Selbstbeschimpfungen. In Finanzfragen führt dieses Muster dazu, zu wenig für sich selbst einzufordern und sich buchstäblich für andere zu verausgaben. Bei manchen mag der Wunsch oder leider auch die Erfahrung dahinterstehen, geliebt und geschätzt zu werden, wenn man sich besonders engagiert und verausgabt.
Für sich selbst geben Menschen mit diesem Grundmuster häufig entweder zu wenig oder impulsartig mehr aus, als sie sich leisten können. Der berühmte »Frustkauf«, der vor allem Frauen nachgesagt wird, mag oftmals in der Frustration über eigene Wertverletzungen liegen. Darüber hinaus führt mangelnde Selbstachtung nach dem Muster: »Ich habe es nicht verdient« natürlich dazu, dass zu geringe Honorare, Preise oder Löhne verhandelt werden. Der Sekundärnutzen mangelnder Selbstachtung mag sein, dass man sich damit vor zu hohen Leistungserwartungen und Anforderungen schützt und gleichzeitig Konflikten aus dem Weg gehen kann. Der Preis ist aber ein Leben weit unter den eigenen Möglichkeiten. Denn andere geben ihr Geld nicht gern an Menschen, die sich selbst nicht achten. Die Gefahr, dass das Geld schlecht »angelegt« sein könnte, ist einfach zu hoch.
So ging es einer Steuerberaterin mit einer recht großen Kanzlei, die für ihre unwilligen Angestellten beinahe astronomische Gehälter bezahlte, viel zu viel arbeitete und damit ihre Geschäftschancen stark begrenzte. Meine erstaunte Nachfrage zu den hohen Gehältern beantwortete sie folgendermaßen: »Wissen Sie, ich kann doch froh sein, wenn die Leute für mich arbeiten. Die können es sich doch aussuchen, wo sie hingehen, und ich bin auch nicht die perfekte Chefin.« In der Kanzlei hatte sich eine Kultur etabliert, in der sie als Arbeitgeberin beinahe darum betteln musste, dass Aufträge pünktlich und ordentlich erledigt wurden. Viel zu oft kam es vor, dass Aufträge an sie zurückdelegiert wurden und am Ende sie die Person war, die bis spät abends und am Wochenende arbeitete, während ihre Angestellten »Dienst nach Vorschrift« machten. Es hätte wenig gebracht, dieser Klientin lediglich Führungstechniken beizubringen. Es ging sehr deutlich um das Thema Selbstachtung und inwieweit sie bereit war, diese Achtung ihr gegenüber auch von anderen einzufordern. Das ist eine Erfahrung, die ich zum Thema Führung immer wieder mache: Findet eine Führungskraft zu einer stimmigen inneren Haltung, macht sie die Dinge meist fast von selbst richtig. Es sind dann entweder gar keine oder sehr wenige fachliche Führungsskills zu vermitteln.
Die Ursachen für das Muster können im Leben eines Erwachsenen weit zurückliegen, als Coach bin ich aber vor allem an pragmatischen, Erfolg versprechenden Lösungen interessiert. Probleme mit der Selbstachtung lassen sich beheben. Achtung vor sich selbst – und übrigens auch vor anderen – ist eine tägliche Praxis, die mit einer gewissen geistigen Disziplin zusammenhängt. Sie erfordert eine sensible Wahrnehmung dafür, in welchen Situationen und im Zusammensein mit welchen Menschen man dazu neigt, sich selbst kleinzumachen und herabzusetzen oder herabsetzen zu lassen. Diese Wahrnehmung kann man trainieren.
Meiner Klientin fiel auf, dass sie vor allem älteren Männern und schnippisch auftretenden Frauen gegenüber »klein« wurde. Sie hatte Angst vor herablassend altväterlichen oder frechen Sprüchen und Angst davor, sich dann nicht durchsetzen zu können. Die Mitarbeiter merkten schnell, dass sie auf diese Art vieles durchsetzen konnten, und gewöhnten sich genau den Ton an, den meine Klientin am meisten fürchtete. Sind die Trigger einmal gefunden, lassen sie sich in der Regel mit konsequenter Übung nach und nach desensibilisieren und durch alternative Denk- und Handlungsstrategien ersetzen. Ich gab meiner Klientin die Aufgabe, für eine Woche alle Bemerkungen dieser Art tagebuchartig aufzuschreiben und dabei zu beobachten, wann diese Sätze kamen und was genau es war, das sie aufbrachte und sie in eine defensive Haltung flüchten ließ. Danach entwickelten wir gezielte Denk- und Verhaltensstrategien, die es ihr ermöglichten, sofort zu reagieren und ein klares, professionelles Feedbackgespräch zu führen. Sie machte damit sehr gute Erfahrungen und entschied sich darüber hinaus, sich von denjenigen Mitarbeitern zu trennen, die nicht bereit waren, ihr Verhalten zu verändern. In der Folge stieg die Stimmung in der Kanzlei, die Arbeitsfreude kehrte zurück, meine Klientin fand wieder Raum für spannende Akquiseprojekte und erhöhte Umsatz und Gewinn damit nachhaltig, während sie gleichzeitig ihre Arbeitsstunden reduzierte.
Die Wirkung von Strategien, die das Selbstwertgefühl systematisch verbessern, ist enorm und führt nicht nur zu einer starken Selbstachtung, sondern auch dazu, von anderen geachtet und damit als vertrauenswürdiger Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Vorgesetzter erlebt und behandelt zu werden. Es liegt auf der Hand, dass genau das unsere Fähigkeit, Geld zu verdienen und uns nicht zu verausgaben, deutlich erhöht.
Kommen wir zum dritten Muster, das unser finanzielles Potenzial hemmen kann: »Die Welt ist schlecht.« Menschen, die damit zu tun haben, erleben die Welt um sich herum als schlecht, undurchsichtig und ungerecht. Sie missinterpretieren die drei wichtigen Fragen, die die Außenwelt betreffen. Sie gehen davon aus, dass die Welt entweder nicht zu verstehen ist, verstehen sie tatsächlich nicht oder denken, dass sie nach Regeln funktioniert, die sie nicht anwenden können. Oder sie glauben, dass die Welt sie und das, was sie anbieten könnten, nicht braucht. Zumindest nicht in der Form, in der sie anbieten möchten. So ging es einer großen Anwaltskanzlei, die sich trotz großer Erfolge nicht in der Lage sah, weiter zu wachsen. »Die Mandanten wollen immer weniger bezahlen«, erzählte mir der Gründer. »Sie sind nicht bereit, mehr als einen Stundensatz von X Euro zu bezahlen. Da kommen wir nicht weiter. Vor allem nicht jetzt, wo auch noch die Wirtschaft schwächelt.«
Dem »Die-Welt-ist-schlecht«-Muster folgen in der Regel zwei ungünstige Handlungsstrategien: Die einen stecken den Kopf in den Sand und bewegen sich nicht mehr heraus aus einer einmal gewonnenen Komfort-Zone, und sei diese noch so bescheiden. Jedes auch noch so kleine Risiko wird ängstlich abgewehrt, jede echte Gelegenheit einer persönlichen und finanziellen Weiterentwicklung mit Misstrauen und der Haltung: »Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« in den Wind geschlagen. Der eigene Frust in Finanzdingen gibt die Schuld anderen. Entweder sind es die Umstände oder die Finanzbosse oder die Zeit allgemein, der Partner, der nicht genügend unterstützt, oder die eigenen Eltern, die vieles falsch gemacht haben. Die Folge davon ist meist zu wenig Geld, ein beengtes Leben unter den eigenen Möglichkeiten und fehlender Glaube in die eigene Selbstwirksamkeit. Das macht Menschen passiv, neidisch und verbittert – und damit erfolglos.
Die Kanzlei, die ich beriet, steckte zunächst den Kopf in den Sand. Anstatt an Lösungen zu arbeiten, hackten sich die Kollegen gegenseitig die Augen aus, ließen kein gutes Haar aneinander und vergifteten damit die Arbeitsatmosphäre im gesamten Büro. Die erste Intervention, die ich wählte, war recht einfach. Ich fragte die Partner in einem Teamcoaching, ob es irgendwo in ihrem Fachgebiet Anwälte gebe, die mehr verdienten als sie. Es waren sich alle einig, dass viele Kanzleien deutlich höhere Sätze veranschlagten und sehr gut im Geschäft waren. Wenn es aber für irgendeinen Wettbewerber möglich war, so musste es auch für meine Klienten möglich sein. Das leuchtete ein und lenkte den Fokus der Herren wieder auf die Handlungsebene. Immer wenn in unserer Arbeit eine Neigung entstand, die Außenumstände verantwortlich zu machen, zeigte ich die »rote Karte«, die wir vorher vereinbart hatten. Manchmal hat Erfolg damit zu tun, sich bestimmte Denkrichtungen zu verbieten. Denkrichtungen, die emotional und geistig schwächen, sind niemals, wirklich niemals, zielführend. Gute Entscheidungen kommen aus guten Zuständen. Und gute Zustände erreichen wir dann, wenn wir gute, produktive Fragen stellen, die den Horizont öffnen und nicht begrenzen.
Die zweite ungünstige Handlungsstrategie aus dem »Die-Welt-ist-schlecht«-Muster ist, sich gegen die Welt oder die Wahrnehmung der Realität zu stellen. Ich erlebe sie manchmal bei Menschen, die mit Schulden kämpfen und sich und ihre Umwelt immer wieder in der Hoffnung halten, bald alle Probleme auf einen Schlag gelöst zu haben, etwa mit der Suche nach dem großen Coup, dem Stein der Weisen, der Hoffnung, dass esoterische oder magische Praktiken helfen, der Unterordnung unter einen Guru, der Hilfe verspricht, oder schlicht und einfach Kriminalität. Denn wenn die Welt schon schlecht ist, so das Prinzip dieser Misserfolgsstrategie, dann kommt man ja nur dadurch weiter, dass man sich ebenso verhält und sich selbst der oder die Nächste ist. Dadurch wird der soziale Austauschcharakter des Geldes missachtet und ein neuer, destruktiver Kreislauf beginnt.
Eine Möglichkeit, das »Die-Welt-ist-schlecht«-Muster auszuhebeln, ist, sich bewusst mit Beispielen zu beschäftigen, die zeigen, dass es möglich ist, auch und gerade heute ein erfülltes und persönlich wie finanziell erfolgreiches Leben zu führen. Für die Kanzlei, mit der ich arbeitete, war dieser Blick auf motivierende Vorbilder ein Ausweg aus dem Jammertal. Was machen die anderen richtig? Was machen Sie selbst bereits richtig? Welche Erfolgsstrategien haben Sie und welche könnten Sie dazugewinnen? Oft ist es wichtig, einen ersten Schritt zu wagen und etwas Neues zu beginnen, egal, was es ist. Die Erfahrung, dass Veränderung neue Spielräume eröffnet und unser Leben wieder zu einem Ort von Erfahrung und Abenteuer werden lässt, gibt Kraft und stärkt sowohl das Vertrauen in die Welt als auch in uns selbst.
Es ist mit Sicherheit eine Herausforderung, sich destruktiven Geldmustern zu stellen und sie zu verändern. Wenn wir aber verstehen, dass sie ihren Ursprung in Persönlichkeits- und damit in Lebensblockaden haben, dann lohnt es sich doppelt, daran zu arbeiten. Denn wenn wir sie gelöst haben, leben wir unsere Stärken und genießen, was das Leben zu bieten hat. Und genau damit treten wir ein in den produktiven Kreislauf eines wahren, nachhaltigen und authentischen Wohlstands, für den es sich lohnt, zu leben und zu arbeiten.
Dr. Petra Bock
gehört zu den führenden Coachs in Deutschland. Die Bestsellerautorin bringt Sie auf den Weg, geschäftlich und persönlich außerordentliches Wachstum bei gleichzeitig höchster Lebensqualität zu erreichen. Als Expertin für persönliche Erfolgsstrategien erhielt die ehemalige Bankerin eine Gastdozentur an der Freien Universität Berlin. An ihrem eigenen Institut in Berlin bildet sie Business- und Life-Coachs aus.
www.petrabock.de
*Vgl. Bock, Petra: Die Kunst, seine Berufung zu finden, Fischer Taschenbuch, Frankfurt 2010.
*Gute Fragen sind generell der Schlüssel zum Erfolg. Mehr davon für alle Lebensbereiche habe ich in meinem Buch 100 Fragen Ihr Leben betreffend (Knaur 2009) zur Verfügung gestellt.
*In meinem Buch Nimm das Geld und freu Dich dran. Wie Sie ein gutes Verhältnis zu Geld bekommen. (Kösel Verlag 2008) finden Sie viele Beispiele und Lösungsstrategien.
PETER KLAUS BRANDL
In der Luftfahrt und in anderen sensiblen Bereichen wird seit langem intensiv darüber geforscht, welche Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen besonders geeignet sind, um in extremen Situationen oder unter schwierigen Bedingungen erfolgreich zu sein. Das Ergebnis ist eine Wissenschaft, die Crew Resource Management (CRM) genannt wird. In diesem Text geht es darum, was Sie von erfahrenen Piloten lernen können, um in Ihrem Alltag Schwierigkeiten und Probleme besser zu meistern und am Ende erfolgreich zu sein.
Stuttgart, 14. September 2009. Erinnern Sie sich an den Beinahe-Unfall einer Germania Fokker 100 in Stuttgart mit 87 Menschen an Bord, unter ihnen Franz Müntefering? Die Maschine musste auf einem Schaumteppich notlanden, weil das Fahrwerk sich nicht ausfahren ließ. Zwar ist die Landung ohne Fahrwerk ein Fall, den Piloten immer und immer wieder im Simulator trainieren, trotzdem wäre es sicher nicht angemessen, hier von einem Routinefall zu sprechen. Natürlich fordert solch ein Zwischenfall die Crew bis aufs Äußerste.
Wie stellen Sie sich die Atmosphäre im Cockpit während der letzten zehn Minuten vor der Notlandung auf dem Schaumteppich vor? Hektik? Panik? Verzweiflung? Autoritäre Schreierei? Wahrscheinlich sehen die meisten von Ihnen nichts davon vor sich. Oder anders gefragt: Wenn Sie Passagier wären, welche Atmosphäre, welche Persönlichkeiten würden Sie sich in so einem Fall im Cockpit wünschen? In der Flugunfallforschung geht man unter anderem genau dieser Frage nach. Welcher Persönlichkeitstypus ist geeignet, um Krisensituationen bis hin zu Katastrophen am besten zu handhaben? Welche Persönlichkeitseigenschaften sind notwendig, um Herausforderungen und unbekannten Situationen am effektivsten zu begegnen?
Doch zurück zu unserem Flugzeug ohne Fahrwerk. Können Sie sich vorstellen, dass in dieser Situation der Kapitän zu seinem Copiloten sagt: »Wart nur ab! Das mit dem Fahrwerk ist immer erst der Anfang, das war mit Sicherheit noch nicht alles! Es hat doch sowieso keinen Sinn, die Checkliste abzuarbeiten, weil da sicher noch was nachkommt. Was sollen wir kleinen Piloten denn schon ausrichten. Da hätten erst mal andere ihre Hausaufgaben machen sollen: die Technik, das Management …« Was würden Sie denken, wenn Sie wüssten, dass die Piloten Ihres Fluges so im Cockpit redeten? Oder können Sie sich vorstellen, dass der Kapitän zum Copiloten in etwa Folgendes sagt: »Mach dir keinen Kopf, ich bin schon zig-mal ohne Fahrwerk gelandet. Das ist überhaupt kein Problem. Eine meiner leichtesten Übungen. Geh du lieber mal nach hinten und hol uns einen Kaffee.« Wahrscheinlich möchten Sie weder im ersten noch im zweiten Fall gerne Passagier sein. Stattdessen würden Sie sich sicherlich eine gespannte, aber professionelle, konzentrierte und ruhige Arbeitsatmosphäre wünschen. Die Piloten arbeiten ihre Checklisten ab und prüfen ruhig alle Optionen. Sie bereiten sich auf alle Eventualitäten vor und gehen immer wieder die bevorstehende Landung durch.
In diesem Beispiel ist es relativ offensichtlich, welche Persönlichkeitseigenschaften Ihre Überlebenschancen erhöhen. Doch wie ist das im normalen Leben? Ist es möglich, das, was in der Luftfahrt sinnvoll ist, auf uns Normalsterbliche zu übertragen?
Gehen wir noch einmal ins Cockpit, bevor wir diese Frage beantworten. Konzentration, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und sinnvolles Handeln wünschen wir uns von Piloten in schwierigen Situationen. Auch das Gegenteil erscheint einleuchtend: Blinder Aktionismus, Lethargie oder das Beklagen der Umstände bilden sicher keine Erfolg versprechende Strategie. Das Bild vom Flugzeug macht deutlich, wie absurd es ist, die Situation zu beklagen. Was bringt es, wenn Sie sich darüber auslassen, dass andere Flugzeuge viel bessere Fahrwerke haben oder dass ein Flugzeug der Konkurrenz sicher schon mit ausgefahrenem Fahrwerk am Boden steht? Genauso wenig bringt es, darüber zu lamentieren, dass die Zeiten schwierig sind, das Produkt der Konkurrenz billiger oder das eigene Management unfähig ist.
Ich muss oft an eine Geschichte denken, die mir mein Fluglehrer erzählt hat. Es war ganz am Anfang meiner Ausbildung – alles, wirklich alles war schwierig für mich und oft dachte ich: »Das schaffst du nie!« Andere beherrschten perfekte Landungen, meine waren hart und rumpelig. Irgendwann hatte ich mal wieder eine Landung richtig vergeigt. Sie war so schlecht, dass die Erde das Flugzeug, mich und den Fluglehrer einfach wieder abgestoßen hat. Wir befanden uns also wieder in 20 Meter Höhe. In meiner Verzweiflung war ich mir sicher, das Fliegen nie zu lernen, und wollte einfach nur noch heim. In dem Moment sagte mein Fluglehrer: »Pass mal auf, mein Junge. Aufgeben tun wir frühestens, wenn Petrus vor uns steht, sich ausweist (das ist wichtig) und sagt: ›Ihr könnt den Gashebel jetzt loslassen.‹ Bis dahin kämpfen wir weiter. Du bist 20 Meter über dem Boden und 150 km/h schnell. Also kämpf. Aufgeben kannst du, wenn du tot bist.«
Inzwischen habe ich das Fliegen doch noch gelernt, war sogar Linienpilot und habe Verkehrsflugzeuge mit Passagieren geflogen. Aber an diese Geschichte denke ich immer noch oft. Vor allem in meiner Tätigkeit als Managementtrainer und Coach. Immer wieder erlebe ich, dass Menschen in Unternehmen die Dinge beklagen. Da sind die Umstände schlecht, die Kollegen gemein, das Management unfähig, die Märkte schwierig … Oft sind die Menschen regelrecht verzweifelt und manchmal wie gelähmt. Und in vielen Fällen sind die Umstände wirklich sehr schwierig und die Verzweiflung ist oft nachvollziehbar. Dennoch: In solchen Situationen kommt mir immer der Satz in den Sinn: »Aufgeben kannst du, wenn Petrus vor dir steht und sich ausweist!«
Wir können also eine zentrale Erkenntnis ableiten: Fokussieren Sie sich weniger auf die Schwierigkeiten. Konzentrieren Sie sich auf die Möglichkeiten. Tun Sie das, was möglich ist!
Im Laufe meiner Tätigkeiten als Pilot und als Managementtrainer bin ich immer wieder auf drei grundverschiedene Persönlichkeitstypen gestoßen:
Der Chauvi hat keine Probleme. Er kennt auch keine Probleme – bestenfalls Herausforderungen. Sicher kennen Sie alle den einen oder anderen Vertreter dieser Gattung. Strahlemänner und -frauen. Hoch motiviert und immer ein breites Grinsen im Gesicht. Zweifel, vor allem Selbstzweifel, werden von den Chauvis weggewischt. Nimmt ein Chauvi Unsicherheit, Kritik oder Zweifel bei einem anderen wahr, so bezeichnet er dies gern als Weichheit, Schwäche oder mangelnde Motivation. Bitte verstehen Sie mich richtig: Motivation ist wichtig. Fehlende Motivation macht es schwer, Probleme zu lösen. Aber Motivation allein landet kein Flugzeug. Die »Alles-wird-gut-wenn-wirfest-genug-daran-glauben«-Mentalität führt bei starkem Stress nur allzu schnell zu Lähmung und Erstarrung.
Chauvis ignorieren, ja, sie negieren Probleme. Manche Dinge kann man aber nicht negieren. Manche Dinge sind einfach da. In der Fliegerei führt der chauvinistische Charakter zu Ignoranz und, was noch bedeutender ist, zu Leichtsinn. Im echten Leben sind die Chauvis stark und selbstsicher nach außen. Dieses äußere Bild deckt sich aber häufig nicht mit dem inneren. Dort existieren genauso Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühle und Unsicherheiten. Werden solche inneren Zustände lange genug ignoriert, führt das meistens zu Krankheiten, entweder körperlicher oder psychischer Art. Fassen wir zusammen: Motivation ist wichtig. Motivation und eine positive Einstellung treiben Sie voran. Wenn Motivation aber zum Leugnen von Problemen führt, wird es schwierig. Sowohl Aktionismus als auch Ignoranz bringen Sie um!
Keiner sieht sich gern als Opfer. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen ihr Leben in der Opferrolle lebt. Wir sehen uns als Produkt (Opfer) der Umstände. Wir glauben, Chancen im Leben gehabt oder eben nicht gehabt zu haben. Viele sind auch davon überzeugt, sowieso keinen Einfluss auf die Geschehnisse zu haben. Typische Opferaussagen sind daher:
Da kann man eh nichts machen.
Ich habe schon alles probiert.
Wir hier unten können doch sowieso nicht …
Wenn Sie wüssten, wie es ist …
Es geht doch sowieso alles nur noch über den Preis.
Die machen doch eh, was sie wollen.
Dass wir uns richtig verstehen: In sehr vielen Fällen sind diese Einstellungen und Überzeugungen absolut verständlich und nachvollziehbar. Doch sind sie sinnvoll? Übertragen wir die Situation wieder aufs Cockpit. Ihr Flugzeug kreist in 3000 Meter Höhe und mit Fahrwerksproblemen über Stuttgart. Da geht die Cockpittür auf und Ihr Pilot erklärt Ihnen: »Also, wir hier vorn haben jetzt alles versucht. Die Airline spart halt an allen Ecken. Wenn Sie wüssten, wie es ist, in so einer Situation Pilot zu sein. Und machen kann man sowieso nichts. Vielleicht passiert ja noch etwas, aber ich glaube nicht.«
Was würden Sie in dieser Situation denken, 3000 Meter über Stuttgart? Vielleicht würden Sie beherzt schreien: »Geh ins Cockpit. Versuch es wenigstens! Mach deinen Job und kämpfe!« Was hält uns im Alltag davon ab, diesen logischen Impuls zu entwickeln? Es gibt zwei Gründe. Erstens: Der Konsequenzdruck ist nicht hoch genug. Im Flugzeug wissen wir, dass die Zeit rasant gegen uns arbeitet. Auf der Erde hat es im Normalfall keine Konsequenzen, wenn wir eine Zeit lang in Jammern und Wehklagen verharren. Dadurch tritt aber ein Gewöhnungseffekt ein, der es zunehmend unwahrscheinlicher macht, dass wir unser Verhalten ändern. Der zweite Grund ist fast noch interessanter: Opfer sein ist bequem, unglaublich bequem. Man ist nie schuld. Man muss für nichts Verantwortung übernehmen. Es musste ja schließlich alles so kommen, weil … Kämpfen ist anstrengend. In einer ausweglosen Situation nach einer Möglichkeit zu suchen, ist anstrengend. Und wenn man es dann versucht, kommen die Sprüche aus dem Umfeld: »Wenn das so leicht wäre, du glaubst wohl, du bist was Besseres, die werden gerade auf dich gewartet haben.« Dem Einlullen der Opferumwelt zu widerstehen, ist anstrengend. Fassen wir zusammen: Jeder war schon mal in der Opferrolle. Opfer sein ist bequem und sicher. Die Situation gefällt zwar nicht, aber man weiß wenigstens, was man hat. Aber: Die Opferrolle ist kein guter Plan, um glücklich und erfolgreich zu werden.
Chauvi und Opfer sind sicherlich zwei Extreme. Aber machen wir uns nichts vor: Jeder von uns war schon mal in diesen Rollen. Es gibt Phasen im Leben, da fühlt und findet man sich ganz einfach in der Opferrolle. In anderen Phasen ignoriert man fast alles um sich herum und setzt mit einer »Augen-zu-und-durch«-Mentalität die Brechstange an. Beides ist an sich auch nicht schlimm. Schlimm ist nur, wenn einer dieser beiden Zustände zum Dauerzustand wird.
Der dritte Selbstmanagementtyp ist der/die Handelnde. Der Handelnde erkennt und anerkennt Probleme. Der Handelnde übernimmt Verantwortung für sich und seine (Miss-)Erfolge. Der Handelnde kennzeichnet sich aber vor allem durch eine zentrale Eigenschaft: Er fragt immer: »Was kann ich jetzt konkret tun?« Diese Frage klingt banal und offensichtlich. Doch übertragen wir sie wieder auf ein Flugzeugcockpit. Es gibt Situationen, die scheinbar aussichtslos sind. Am Abend des 24. Juni 1982 flog eine Boeing 747 auf dem Flug von London nach Perth in Australien durch eine Wolke aus Vulkanasche. Nun entwickelte sich ein bis dahin unvorstellbares Szenario. Alle vier Triebwerke fielen aus. Gleichzeitig brach die Stromversorgung des Flugzeugs zusammen. Die Boeing war jetzt ein mehrere hundert Tonnen schweres, mit mehreren hundert Menschen besetztes Segelflugzeug. Doch damit nicht genug: Durch den Zusammenbruch der Stromversorgung war auch kein Funk und keine Funknavigation mehr möglich. Alle elektrisch betriebenen Geräte fielen nacheinander aus. Dieses Szenario lässt sich mit Recht als Katastrophe bezeichnen.
Das Verhalten von Captain Moody und seiner Crew beschreibt perfekt, was das Verhalten des Handelnden ausmacht. Der Handelnde fragt sich ständig: »Was kann ich jetzt konkret tun?« Es geht nicht darum, dass mit dieser einen Aktion das Problem schon gelöst ist. Bloß weil die Stromversorgung wieder hergestellt ist, hat das Flugzeug immer noch keinen Antrieb und sinkt unaufhörlich weiter. Aber Strom ist die Basis für Funk und für das Funktionieren vieler sinnvoller Geräte an Bord eines Flugzeugs. Endlich, als der Flieger schon über 6000 Meter Höhe verloren hatte, gelang es, ein Triebwerk wieder anzulassen und so das Flugzeug zu stabilisieren. Wundert es Sie, wenn Sie hören, dass dieses Triebwerk erneut durch die Ascheeinwirkung ausfiel? Die Crew handelte aber konsequent weiter und landete schließlich sicher mit drei funktionierenden Triebwerken in Jakarta.
Fassen wir zusammen: Handelnder zu sein bedeutet, sich in jeder Situation zu fragen: »Was kann ich jetzt konkret tun?« Die möglichen Aktionen bringen oft noch lange nicht die Lösung des Problems, können aber ein Schritt zur Lösung sein. Erstellen Sie sich eine Liste mit Dingen/Aktionen, die Sie konkret tun können, um das Problem zu lösen oder das Ziel zu erreichen. Wichtig: Beginnen Sie konsequent damit, Ihre Liste abzuarbeiten und diese Dinge auch wirklich zu tun!
Wie schon gesagt, beschäftigt sich die Flugunfallforschung schon seit längerem mit der Frage, welche Persönlichkeitsmerkmale und welche Verhaltensweisen am besten geeignet sind, um in schwierigen Situationen möglichst effektiv zu sein. Natürlich kommt der Handelnde aus dem letzten Absatz diesem Ideal schon sehr nahe. Aber lassen Sie uns noch einen Schritt weiter gehen und einige konkrete Verhaltensweisen betrachten, die aus dem CRM abgeleitet wurden.
Irgendjemand hat einmal gesagt: »Fliegen ist zu 99 Prozent Langeweile und zu 1 Prozent blanke Panik.« Das ist sicher etwas übertrieben. Dennoch: Der Alltag von Berufspiloten ist stark von Routine geprägt. Damit aus dieser Routine nicht Oberflächlichkeit und Leichtsinn entstehen, gibt es im Cockpit Routinen und Checklisten. Diese Checklisten werden nicht nur für die schwierigen und besonders komplexen Arbeitsabläufe benutzt. Nein, auch Standardprozeduren, die bei jedem Flug vorkommen, werden anhand von Checklisten abgearbeitet. Diese Arbeitsweise hat zwei Vorteile: Zum einen stellen Sie sicher, dass definitiv nichts vergessen wird. Zum anderen, und das ist mindestens genauso wichtig, erreicht man einen hohen Grad an Professionalität.
Überlegen Sie doch einmal, welche Arbeitsabläufe und welche Tätigkeiten in Ihrem Leben oder in Ihrem Job erfolgskritisch sind. Wenn Sie diese Frage auf Ihren Körper anwenden, ist klar, dass eine gewisse Menge an Bewegung oder Sport Grundlage eines gesunden Körpers ist. Überlegen Sie, wie Sie aus diesen offensichtlichen Grundlagen Routinen entwickeln können und Checklisten, mit denen Sie die Routinen kontrollieren. Sie könnten es sich etwa zur Routine machen, jeden Montag- und jeden Donnerstagmorgen Sport zu treiben. Stellen Sie sich eine wiederkehrende Erinnerung in Ihrem Outlook ein, die abfragt, ob Sie auch wirklich gesportelt haben.
Ein Verhalten muss etwa 70 bis 100 Mal wiederholt werden, bis sich daraus eine automatisierte Routine entwickelt. Wenn Sie zweimal die Woche Sport treiben wollen, dann müssen Sie acht bis zwölf Monate durchhalten. Danach haben Sie eine automatisierte Routine, ein »By Heart Item« entwickelt. Also: Finden Sie die erfolgskritischen Tätigkeitsabläufe in Ihrem Leben. Entwickeln Sie sinnvolle Routinen für diese Tätigkeiten und Checklisten, um die Routinen zu kontrollieren. Und dann: Halten Sie sich daran!
»Eine falsche Entscheidung ist besser als keine Entscheidung!« Diese Aussage klingt vielleicht überraschend – zumindest in der Fliegerei ist sie aber wahr.
Bezogen auf Entscheidungen haben wir immer drei Möglichkeiten: Wir können uns richtig, wir können uns falsch oder wir können uns überhaupt nicht entscheiden. Natürlich wäre die richtige Entscheidung immer die beste Option. Leider hat es das Leben so eingerichtet, dass man oft erst hinterher weiß, was die richtige Entscheidung gewesen wäre. Aus Angst, die falsche Entscheidung zu treffen, schieben wir deshalb Entscheidungen oft lange vor uns her. Allerdings hat dieses »Nicht entscheiden« auch Konsequenzen. Im Flugzeug ist das wieder einleuchtend. Wenn Sie da lange genug nichts tun, geht Ihnen irgendwann der Sprit aus und Sie stürzen ab. Aber auch im echten Leben entwickeln sich die Dinge weiter. Auch hier hat Nichtstun Konsequenzen. Leider wird uns nur selten bewusst, dass wir verantwortlich für die darauf folgenden Ereignisse sind, obwohl wir nichts getan oder entschieden haben. Oder was würden Sie von einem Piloten halten, dessen Flieger ohne Sprit abgestürzt ist und der sagt: »An mir kann es nicht gelegen haben. Ich habe nichts gemacht!«
Trauen Sie sich, falsche Entscheidungen zu treffen. Eine falsche Entscheidung hat falsche Auswirkungen – und die kann man wahrnehmen. Natürlich ist es immer sinnvoll, Risiken abzuschätzen. Kalkulieren Sie also immer eine Fehlentscheidung ein und gehen Sie immer nur Risiken ein, die überlebbar sind. Wenn Sie bemerken, dass Sie eine falsche Entscheidung getroffen haben, können Sie diese korrigieren und sind damit der richtigen Option schon wieder ein ganzes Stück näher gekommen. Also: Teilen Sie Risiken in überlebbare Häppchen. Treffen Sie Entscheidungen und korrigieren Sie diese, wenn nötig.
Natürlich macht man sich im CRM auch Gedanken darüber, welche Persönlichkeitseigenschaften oder Verhaltensweisen besonders nachteilig oder sogar gefährdend sind. Im letzten Absatz haben wir gesagt, dass es sinnvoll ist, Entscheidungen in überlebbare Häppchen aufzuteilen und unüberschaubare Risiken zu stückeln. Eine Eigenschaft steht uns hier jedoch massiv im Weg: Selbstüberschätzung! Passend zu diesem Thema lautet eine alte Fliegerweisheit: »Es gibt kühne Piloten und es gibt alte Piloten. Aber es gibt keine alten, kühnen Piloten.« Wenn Sie Lust haben kühn zu sein – gut. Aber gehen Sie nicht unbedingt davon aus, dass Sie das überleben.
