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Auf dem fernen Planeten Plédos begeben sich der kleine Idan und seine Gefährten auf die Suche nach den sieben lebensspendenden Kristallen, die auf Pessian, dem dunklen Mond, verborgen sind. Vor und nach ihrer wundersamen Reise nach Pessian gelangen sie durch sämtliche Kontinente ihrer Welt und begegnen deren fremdartigen Bewohnern. Aber am Ende kommt alles anders, als sie erwartet haben. Ein Buch voll Witz, fantastischer Abenteuer und hintergründiger Symbole.
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Seitenzahl: 703
Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
Impressum 3
Weltkarte 4
Die Kontinente der Inselwelt 6
Der Komponische Märchenwald 13
Der Dunkle Mond 24
Die Expedition 36
Sabut 57
Die Schlangenburg 71
Der Kyruppengraben 83
Die Donnerstadt 97
Die Küstenstadt 107
Die Polreise 118
Im Land der Mammutfresser 133
Unter Touristen 149
Die Reise nach Gorkan 160
Das Tal des Todes 178
Bei den Pessianern 194
Panokrel 212
Aufbruch nach Omonu 234
Im Bauch des Felsendrachen 243
Der Missionar 257
Die grüne Halbinsel 273
Bei den Wildhörnern 279
Berbis Tat 297
Die Wildhornversammlung 311
Die Strafe 320
Das Geheimnis des Grizzly-Fressers 329
Die Passbewohner 339
Der Orkan 350
Die Windsbraut 358
Die Kordelstadt 370
Die Lichtmaschine 381
Der Flug nach Totenmund 394
Die Gerichtsverhandlung 405
Alte Bekannte 421
Im Kunstverein 435
Die Bekehrung 446
Sendbriefe nach Haihaupt 456
Wieder zu Hause 468
Impressum
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
Für den Inhalt und die Korrektur zeichnet der Autor verantwortlich.
© 2021 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-85022-464-2
ISBN e-book: 978-3-99131-283-3
Lektorat: Mag. phil. Barberi Alessandro
Umschlaggestaltung und Innenabbildungen: Winfried Nowotny
www.novumverlag.com
Weltkarte
Die Kontinente der Inselwelt
Etwa viertausend Jahre braucht das Licht, um von einem großen weißen Stern zu unserer Erde zu gelangen. Dieser Stern wird von zwölf Planeten umbahnt. Der siebente unter ihnen ist eine geheimnisvolle Inselwelt. Unter den Weisen der Vorzeit, die noch über ein Wissen verfügten, das heute verschollen ist, wurde sie wegen der Vielfalt ihrer Lebensformen die Welt von Plédos genannt. Sie ist mit einem Umfang von über neunundfünfzigtausend Kilometern etwas größer als die Erde und ihre Achse ist nur wenig geneigt. Diese Inselwelt wird in einem Abstand von nur hundertfünfzigtausend Kilometern von einem großen dunklen Mond umkreist. Einige nennen diesen Mond einen Planetenmond. Sie nennen ihn deshalb so, weil sich beide Himmelskörper, Plédos und sein Mond, um eine gemeinsame Achse drehen, die etwa in der Mitte zwischen beiden liegt. Obendrein drehen sich beide relativ zu dieser Bahn auch um ihre eigene Achse und wenden einander stets unterschiedliche Seiten zu. Sie haben ein gemeinsames Schwerefeld und der Planetenmond besitzt eine Atmosphäre, die der von Plédos sehr ähnlich ist. Er ist im Verhältnis zur Welt von Plédos viel größer, als jeder gewöhnliche Mond im Verhältnis zu seinem Planeten ist. Sein Umfang liegt bei fünfundzwanzigtausend Kilometern. Die Bewohner der Welt von Plédos nennen ihn Pessian. Pessian besitzt wie Plédos einen reinen, blauen Himmel mit mäßiger Dunstbildung, aber er verfügt nur über wenige Meere, die sehr unrein sind. Der Planetenmond ist von vielen kleinen und großen insektenartigen Lebewesen bewohnt. In früheren Zeiten fanden von Plédos aus Raumflüge nach Pessian statt, aber das ist eine andere Geschichte, die an anderer Stelle erzählt werden soll.
Die Welt von Plédos ist, abgesehen von ihren beiden Polen, in sieben verschiedene Kontinente aufgeteilt, die sehr unterschiedlich geformt sind und eine ungeheure Vielfalt an Lebensformen beherbergen. Allein die Unterschiede zwischen den menschlichen Völkern sind vielfältiger als auf den anderen Welten vergleichbarer Größe, umso mehr die zwischen den Tieren.
Der Kontinent Stiefelburg gleicht am ehesten einem lang gestreckten Rechteck und läuft im Nordosten in den Kopf eines Seeungeheuers oder in so etwas wie einen gewaltigen, geschwungenen Damenstiefel aus. Es ist der Kontinent der Abenteurer. Die Völker von Stiefelburg stehen auf unterschiedlicher Kulturstufe. Die nördlichen Nationen sind mit den Kulturen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts vergleichbar, die kriegerischen, südlicheren haben viel Ähnlichkeit mit der Kultur des Mittelalters. Sie haben viele große Burgen und Ländereien und gehen in Rüstungen einher. Sie befinden sich im ständigen Krieg mit einer außergewöhnlichen Menschenrasse, die ebenfalls im Süden heimisch ist, – den Wildhörnern.
Bei den Wildhörnern handelt es sich um die geheimnisvollste und außergewöhnlichste Menschenrasse auf Plédos. Ihr Blut ist besonders eisenhaltig und kann in besonderem Maße Sauerstoff binden, der ihr Gehirn und ihre Muskeln versorgt. Ihre Haut ist von matter, silbergrauer Farbe und ausgesprochen zäh und sie verschmähen es, Kleidung zu tragen. Sie haben große, grüne Katzenaugen und ihre Stirn ist wie ein Pilzdach oder ein Helm nach außen gewölbt. Ihr Haar gleicht einem einzigen langen Schweif, der sich in der Mitte des Kopfes befindet und von unterschiedlicher Farbe, aber meist feurig rot ist und sie tragen Hörner auf dem Kopf, wonach sie benannt sind. Sie besitzen lang gestreckte Burgen, die sich in der Unendlichkeit des Kontinentes verlieren. Frauen und Männer unterscheiden sich äußerlich kaum voneinander. Beide Geschlechter sind ungeheuer gewandt im Kampf. Da der Geburtskanal der Frauen wegen der Zähigkeit ihrer Haut und Muskulatur nur wenig dehnbar ist, kommen die Kinder ganz klein, kaum größer als ein Daumen, zur Welt. Schon im Säuglingsalter sind sie ungeheuer flink und gewandt und handhaben die Waffen ohne große Mühe. Trotz der großen Grausamkeit, die man ihnen nachsagt, sind die Wildhörner sehr auf Ästhetik und Sauberkeit bedacht. Unter den Stiefelburgern sind es die Gentlemen. Sie verfügen über große Spiralschwerter mit einer unglaublich dünnen Schneide von unübertrefflicher Schärfe, mit denen sie schnell und präzise umzugehen verstehen. Wenn sie damit auf ihre Gegner einschlagen, so bleibt das von diesen zunächst fast unbemerkt, vorausgesetzt, sie lassen ihre Arme dabei nicht senkrecht nach unten hängen. Im Gegensatz zu ihren Gegnern, den übrigen Südländern, lassen sie keine blutigen Leichen zurück, vorausgesetzt, die von ihnen so behandelten haben sich noch nicht von der Stelle bewegt. Tun sie dies aber, so kann es geschehen, dass sie in saubere Scheibchen zerfallen, aus denen dann erst, wenn sie in Panik davonzulaufen versuchen, langsam das Blut quillt. Ohne sich von der Stelle zu bewegen, können sie sogar einige Wochen überleben, essen und trinken und sogar Stuhlgang haben, wenn sie sich dabei auf den Beinen halten. Den Wildhörnern selbst ist es unbegreiflich, dass ihnen Grausamkeit nachgesagt wird. Vielmehr halten sie sich selbst für äußerst kultiviert. Sie verfügen auch über sehr viele Wissenschaften, die den meisten Menschen auf Plédos unbekannt sind. Da sie aber sehr traditionsbewusst sind, haben sie ihre Sitten und Kulturgüter seit Jahrtausenden nicht geändert. Dennoch gehörten sie zu den ersten, die sich für Sternkunde interessierten und eine Form der Weltraumfahrt entwickelten.
Es ist noch nie beobachtet worden, dass irgendein Wildhorn im Kampf gegen Menschen gefallen ist. Der Flinkheit und Stärke der Wildhörner ist niemand gewachsen, noch hat jemals ein gewöhnlicher Sterblicher ihren Erfindergeist ergründet. Dennoch treibt der Herrscher der Südländer, König Artobald, seine Ritter unter Androhung der Todesstrafe an gegen die Wildhörner, deren Grausamkeit er nie genügend hervorheben kann, zu kämpfen. Wer den Befehlen des Königs nicht gehorcht, muss unter entsetzlichen Qualen den Tod erleiden. Seine Güter verfallen an die Henkersknechte und seine Familie wird ehr- und mittellos. So wählen die Ritter des Königs lieber den Tod im Kampf. Es ist zu vermuten, dass den Wildhörnern diese Tatsache nicht bekannt ist. Wüssten sie davon, so würden sie die gegen sie anstürmenden Südländer gewiss schonungsvoller behandeln. So aber glauben sie im Recht zu sein, wenn sie sich verteidigen. Wahrscheinlich sagen sie sich, dass die mittelalterlichen Südländer ganz schöne Dummköpfe sein müssen, wenn sie nicht den Mut aufbringen, sich gegen einen König, der sie grausam unterdrückt, zur Wehr zu setzen. Wahrscheinlich können sie sich nicht vorstellen, dass ein Volk einen anderen König haben könne als den, den es selbst gewählt hat und der es repräsentiert. Wahrscheinlich sind sie deshalb so wenig geneigt, die Ritter, die von allen Seiten ihre Burgen anzugreifen suchen, als bloße bemitleidenswerte Opfer zu betrachten. Wer weiß es? Wie dann doch die Wildhörner am Ende eine Lösung des Problems fanden, die beiden Seiten zugute kam, das ist eine andere Geschichte, die später berichtet werden soll.
Einer der berühmtesten Nordländer von Stiefelburg ist hauptsächlich unter dem Namen „Männelein“ bekannt. Eigentlich nennt er sich Galun. Er war ein Einzelkind und wuchs bei seiner Mutter auf, mit der er in ständigem Konflikt stand. Gemeinsam mit seinem Freund Bilon, einem munteren Blondschopf, unternahm er Streifzüge durch die ganze Welt. Seine Abenteuer sind legendär. Über sie wird später noch zu berichten sein.
Östlich von Stiefelburg liegt Íoland. Íoland gleicht in der Gestalt einer Flunder mit erhobener Schwanzflosse. Der Kontinent ist vorwiegend von Fischern und solchen Menschen bewohnt, die auf ihren persönlichen Nutzen bedacht sind. Sie betreiben Handel, fahren zur See und haben prunkvolle Städte.
Es gibt nur zwei sehr große Kontinente auf Plédos, die untereinander durch eine Landbrücke verbunden sind. Den nördlichen nennen wir Windlanden, den südlichen Totenmund.
Windlanden hat die Form eines schemenhaften, geschlängelten Menschen mit großem Kopf und ohne Gliedmaßen. Den Namen hat der Kontinent von den Luft- und Feuerstürmen, die dort wüten. Solche Stürme kommen und gehen in kurzer Zeit, richten ungeheure Verwüstungen an und sind so schnell vorüber, wie sie begonnen haben. Die Bewohner von Windlanden sind kaum eine Stunde vor solchen Stürmen sicher. Um sich vor den schrecklichen Winden zu schützen und nicht alle Tage ihr Hab und Gut zu verlieren, haben sie sich unterschiedliche Methoden ausgedacht. Viele ihrer Städte gleichen Spinnennetzen, die zwischen ungeheuer hohen, biegsamen Pfeilern ausgespannt sind. In diesen Netzen aus feuerfestem Material sind Häuser wie schwingende Gondeln eingewoben, ebenfalls feuerfest, die den Luft- und Feuerstürmen trotzen sollen. An anderen Orten befinden sich feuerfeste niedrige Häuser, deren wandelbare Dächer ihre Schräge verändern und sich der Windrichtung anpassen können. Die Einwohner gehen dort mit glatten, schimmernden Kleidern und großen Hüten aus einem asbestartigen Material durch die Straßen.
Durch den Kontinent erstrecken sich große, hohe Gebirgszüge. Hier wohnen in Höhlen und aus den Felsen gehauenen Wohnungen versteckt andere Völkergruppen. Viele dieser Felsendörfer sind in den nieder gelegenen Gebirgspässen fast vollständig vor den Luft- und Feuerstürmen geschützt.
Der Kontinent Totenmund gleicht einem menschlichen Totenschädel mit leicht geöffnetem Mund und vorgeschobener Unterlippe. Er ist von Hexen, Zauberern und Kobolden bewohnt, die ein eigenes Volk bilden. Diese Wesen sind von ausgesprochener Hässlichkeit und mit Alraunen vergleichbar. Sie sind äußerst zäh und widerstandsfähig und werden mehrere tausend Jahre alt. Sie wohnen in Höhlen und Hütten in dichten Wäldern, die von Nebelschwaden durchzogen sind. Mit ihren einfachen Fluggeräten eilen sie vom Wind getragen durch die Luft. Insbesondere die Völker im Bereich der an Windlanden angrenzenden Landbrücke haben sich diese Fähigkeit zunutze gemacht.
Östlich von Windlanden und Totenmund liegt der Kontinent Haihaupt. Seine Form ähnelt einem Bumerang. Dieses Land ist von mächtigen, etwa zehn Meter hohen Riesen bewohnt. Ihre Kultur ist sehr einfach und roh. Sie wohnen in Hütten, die aus Bäumen geflochten sind, und sind meist von unsäglicher Grausamkeit. Man sagt, dass einer von ihnen, der missgebildet war und zwei Hörner auf dem Kopf und ein weiteres auf der Stirn trug, sich auf eine einsame Insel im Ostmeer zurückgezogen habe, wo er sich von Bären ernähre, die er roh verzehren würde. Diese Insel nennt man die Grizzlyfresserinsel. Ihr Namensgeber ist auch für gestrandete Menschen sehr gefährlich. Seine Zähne sind spitz. Die Landsleute des Grizzlyfressers behaupten, dass dieser den Verstand verloren habe. Aber sie haben nichts unternommen, um ihren wahnsinnigen Bruder zurückzuholen. Sie lassen ihn gewähren.
Ein weiterer, noch weiter östlich gelegener Kontinent ist Ómuo. Er besteht eigentlich aus zwei größeren Inseln, einer kleineren südöstlichen und einer relativ kleinen, nordwestlichen, die durch eine Landbrücke miteinander verbunden sind. Die kleinere, südöstliche, wird von ihren Bewohnern Omonu genannt. Die größere, nordwestliche nennen die zivilisierten Völker Sonnenostun. Sie heißt deshalb so, weil sie, wie auch die Halbinsel Omonu, im sogenannten Sonnengürtel des Planeten liegt, der sich durch außerordentliche Hitze auszeichnet. Sonnenostun hat eine nordwestliche Ausbuchtung, die der Karikatur eines menschlichen Gesichtes im Profil gleicht, und läuft südwestlich in eine riesige Zacke aus, die einem Bart ähnelt und sich in mehreren kleinen Inseln fortsetzt. Für das zusammenhängende Festland hat sich der Name Ómuo eingebürgert. Die Vegetation auf Ómuo ist in besonderem Maße schwefelhaltig und erzeugt Ausdünstungen, die das Sonnenlicht sammeln und eine unerträgliche Hitze verursachen, sodass selbst die Haut der schwarzen Völker unter ihrer Einwirkung verbrennen würde. Es hat sich daher auf Ómuo eine besondere Menschenrasse herausgebildet, die statt Pigmenten Chlorophyll in der Haut trägt und daher grün erscheint. Selbst ihre Augäpfel sind grün. Sie besitzen die Fähigkeit der Fotosynthese, können daher von Licht und Wasser leben und sind weder Vegetarier noch Fleischesser. Sie brauchen nicht zu arbeiten, um sich Nahrung zu beschaffen, was bei der unerträglichen Hitze tagsüber auch kaum möglich wäre. Sie haben es daher auch nie zu einer höheren Kultur gebracht. Ihre Zähne sind klein und spitz und werden außer zum Abschaben von Steinen nur zur Selbstverteidigung benutzt. Auch ihre selbst gefertigten Waffen, große, lange Speere, setzen sie nur zur Verteidigung ein. Sie tragen keine Kleidung, behängen sich aber mit Schmuck. Die grünen Völker bekämpfen sich nicht untereinander, da sie friedliebend sind. Es gibt aber viele große gefährliche Tiere auf Ómuo, die fast alle fleischfressend sind. Selbst viele Pflanzenarten auf Ómuo sind fleischfressend. Wegen der aufsteigenden Schwefeldämpfe gedeihen grüne Pflanzen nur schlecht. Viele haben sich daher auf ein Dasein als Zwitterwesen – halb Tier, halb Pflanze – spezialisiert und lauern ihren Opfern aus dem Hinterhalt auf. Da die Eingeborenen von Ómuo, besonders die Kinder, nicht immer Waffen bei sich tragen, müssen sie sich oft ihrer kleinen Zähne bedienen, um die Pflanzen zu zerstückeln, die sie überraschend ergreifen, um sie zu verzehren. Darüber hinaus müssen sich die grünen Völker gegen die Fischer aus Íoland und die Abenteurer aus Stiefelburg verteidigen, die nach Ómuo reisen. An der Eroberung des Kontinentes sind diese bisher gescheitert.
Der Kontinent Rüsselschwein im Osten von Ómuo gleicht einer plumpen Sau auf zwei südwestlichen Beinen mit gewaltigem Kopf, den man als eine Mischung aus Schwein und Elefant bezeichnen könnte, und der im Norden in einen riesigen, aufgerichteten Rüssel ausläuft. Unter allen Kontinenten von Plédos ragt Rüsselschwein – von seinen Bewohnern „Kirisag“ genannt – durch seine reiche Tierwelt hervor. Manche dieser Tiere sind denen auf der Erde ähnlich. Gewöhnliche Menschen gibt es in Rüsselschwein nur wenige, aber es leben dort einige Riesen- und Zwergenvölker. Unter diesen stechen die fünf Meter hohen Giplomben, blaue, dumpfe Riesen mit Stielaugen, und die Zwergenrasse der Kunos hervor. Ausgewachsene Kunos werden in der Regel siebzig Zentimeter hoch, haben Schweinsnasen, dicke Bäuche und langes, struppiges Haar. Im Norden des Landes befindet sich der ausgedehnte Löwensee, wo sich Herden großer löwenartiger Tiere treffen. Weiter südlich liegt die große, eintausend Kilometer tiefe Ganganjer-Schlucht. Sie ist das Wahrzeichen des Kontinentes. Alles, was in diese Schlucht stürzt, wird an ihrem Grund zu Staub zermalmt. Man sagt, dass diese Schlucht entstanden sei, als sich einst in grauer Vorzeit der Planetenmond Pessian von Plédos trennte. Damals sei der Inselwelt diese große Wunde gerissen worden.
Am nördlichen Rande der Ganganjer-Schlucht befindet sich der Komponische Märchenwald. Er wurde von den beiden Riesen Idan und Oler gepflanzt, die über ihn wachen. Sie sind Brüder und vor Jahrhunderten aus Haihaupt geflohen, weil sie die Grausamkeit der dortigen Bewohner nicht mehr ertrugen. Idan und Oler sind die größten und mächtigsten Wesen in Rüsselschwein. Auf einer Reise nach Windlanden rettete Idan einst einen Menschensäugling, dessen Eltern von Wegelagerern umgebracht worden waren. Er nahm ihn mit sich und zog ihn groß. Er gab ihm den Namen: „der kleine Idan“. Der kleine Idan ist in Rüsselschwein der einzige richtige Mensch. Im Komponischen Märchenwald können die Tiere sprechen – wenigstens erscheint es dort dem kleinen Idan so – und sie leben in Frieden zusammen. Und hier ist es, im Komponischen Märchenwald, wo unsere Geschichte beginnt.
Der Komponische Märchenwald
Vor der tausend Kilometer tiefen Ganganjer-Schlucht, auf deren Grund alles zu Staub zermalmt wird, was hineinfällt, lag der Komponische Märchenwald. Er wimmelte von Elefanten, grizzlyartigen Bären, Löwen, Affen und vielen, vielen anderen Tieren. Unter ihnen lebte der kleine Idan, der der einzige gewöhnliche Mensch im ganzen Walde und, wenn man es genau nimmt, auf dem ganzen Inselkontinent war. Er lebte in Frieden mit den Tieren zusammen. Zu der Zeit, in der unsere Geschichte beginnt, war der kleine Idan gerade neun Jahre alt und hatte seine ganze Kindheit im Komponischen Märchenwald verbracht. Er hatte keine Eltern und es gab auch sonst weit und breit keine gewöhnlichen Menschen, die sich um ihn kümmerten. Wer hatte ihn groß gezogen? Immerhin trug der kleine Idan einen weißen Wollpullover und eine lange schwarze Hose mit Hosenträgern und irgendjemand musste sie ihm gemacht haben. Auch konnte der kleine Idan sprechen. Irgendjemand musste ihm die Menschensprache beigebracht haben. Abenteurer, die den Komponischen Märchenwald besucht hätten – nur hatte das bisher noch keiner getan – hätten sich wahrscheinlich sehr gewundert, wenn sie den Jungen so mutterseelenallein hier angetroffen hätten, und sich ganz bestimmt diese Frage gestellt. Und wahrscheinlich hätte nur ein Blick nach oben zur rechten Zeit und am rechten Ort, ein gewagter Blick über die Wipfel der Bäume hinaus die Lösung des Rätsels erbracht. Denn unbestrittene Herrscher des Waldes und womöglich weit und breit im ganzen Kontinent waren die mächtigen Riesen Idan und Oler. Sie waren Brüder und hatten selbst den Wald gepflanzt und die Tiere aus allen Teilen und Ländern Rüsselschweins herbeigeholt, um ihn zu bevölkern. Sie waren es, denen der kleine Idan Nahrung, Kleidung und das Leben verdankte. Der große Idan, der übrigens genauso angezogen war wie der kleine Idan, hatte den kleinen Idan auf einer seiner Reisen mitgenommen, als er mit Oler, seinem älteren Bruder, unweit der Ostküste von Windlanden Rast gemacht hatte. Unvermittelt war ein Orkan ausgebrochen und barbarische Wegelagerer, die sich die Situation zunutze gemacht hatten, hatten einem Ehepaar, das mit seinem Säugling geflohen war, aufgelauert und es erschlagen, um es auszurauben. Den Säugling der beiden hatten sie achtlos liegen gelassen. So hatte der große Idan den kleinen gefunden, ihn zu sich genommen und großgezogen und ihm seinen Namen gegeben. Der große Idan hatte diese Geschichte seinem Zögling immer wieder erzählt, bis dieser ihn eines Tages fragte, woher er denn gewusst habe, dass seine Eltern von Räubern umgebracht worden seien. Da gestand ihm der Riese, dass er die Szene kurz nach dem Ausbruch des Orkans von Weitem beobachtet hatte, aber er sei zu spät gekommen. Die Eltern seien schon tot gewesen. In seiner Wut habe er die Raubmörder, vier an der Zahl, an einem Felsen zermalmt. Den Säugling aber hätten sein Bruder und er vor dem Sturm geschützt und mit auf ihr großes Floß genommen. Unterwegs hätten sie von Fischen gelebt, die die Riesen mit der bloßen Hand gefangen hätten. Sie hätten auch eine kleine Feuerstelle auf dem Floß über zusammengeschichteten Steinen errichtet. Darüber hinaus hatten sie große Getreidesäcke geladen. Der kleine Idan sei durch die Milch eines Schafes ernährt worden, das sie mit sich führten.
Den Komponischen Märchenwald hatten die beiden Brüder Jahrhunderte zuvor, nach ihrer Flucht aus Haihaupt, gepflanzt. Diese Flucht aus Haihaupt hatte ihren guten Grund gehabt. Denn die Riesen dieses Kontinentes hatten trotz ihrer hohen Lebenserwartung überaus rohe Sitten und waren ausgesprochen grausam. Sie waren ausländerfeindlich und pflegten Abenteurer, die mit ihren Schiffen an den Meeresgestaden anlegten, sofort gefangen zu nehmen und hinzurichten. Auch genossen sie unter den Völkern der übrigen Kontinente den Ruf, Kannibalen zu sein. Gewöhnliche Menschen jagten und fraßen sie und sie bildeten sich obendrein noch viel darauf ein. Vom Blut der gewöhnlichen Menschen berauschten sie sich ebenso sehr, wie sich die Völker der Erde vom Wein berauschen. Soldaten aus Stiefelburg und Íoland hatten schon oft versucht, mit großen Flotten nach Haihaupt vorzudringen und das Land für sich in Besitz zu nehmen. Aber es war ihnen übel ergangen. Die Haihauptriesen hatten sie von den Küsten aus mit großen Felsbrocken beworfen und ihre Schiffe versenkt. Diejenigen unter ihnen, die sich hatten an Land retten können, waren aufgegriffen und getötet worden. Ihr Blut wurde wie ein edler Tropfen genossen. Und so hatten sich die zivilisierten Völker damit getröstet, dass es in Haihaupt ohnehin nicht viel zu holen gegeben hätte. Der Kontinent wurde als unwirtlich und wegen der Größe und Härte seiner Lebewesen als uninteressant bezeichnet. Freilich gab es noch immer einige Abenteurer, die die Reise zu den Haihauptriesen wagten, und zwar wegen der vielen Edelmetalle, die es dort zu holen gab. Die wenigsten kehrten lebend zurück. Die meisten wurden gefangen, als Staatsverräter verurteilt und unter entsetzlichen Qualen hingerichtet, von ihren Peinigern höhnisch als lebende Trauben bezeichnet. Ihr Blut wurde abgezapft und ohne Angabe seiner Herkunft als Genussmittel verkauft.
Die beiden Brüder fühlten sich von den Verhältnissen in den Ländern ihres Kontinentes in höchstem Maße abgestoßen. Der Unterricht an den Schulen, in denen sie ihre Jugend verbracht hatten, konnte sie nicht befriedigen und so entschlossen sie sich auf Reisen zu gehen. Nun war den Riesen aus Haihaupt die Ausreise von Staats wegen zwar erlaubt, doch musste diese beruflich begründet sein. Und die gängige Begründung war der Menschenfang. Da immer mehr Haihauptbewohner nach berauschenden Blutgetränken verlangten, mussten Menschen aus den benachbarten Inseln und Kontinenten eingefangen werden und um dies zu bewerkstelligen, hatte sich ein eigener Berufszweig entwickelt. So machten die beiden Brüder eine Zusatzausbildung in Menschenfang, um ohne Probleme auszureisen. Sie kehrten natürlich schon von ihrer ersten Reise nicht mehr zurück.
Der Kontinent Rüsselschwein galt – ebenso wie Totenmund – für die Haihauptriesen als eine verbotene Zone. Totenmund war der einzige Inselkontinent, der wegen der magischen Kräfte seiner Bewohner von ihnen zu Recht gefürchtet wurde. Einige Riesen, die es auf ihren Reisen dorthin verschlagen hatte, waren nicht mehr zurückgekehrt. Statt selber Menschen zu fangen, waren sie von den Alraunenwesen überwältigt und verzehrt worden. In Totenmund galt Menschenfleisch als Delikatesse. Die Alraunenkobolde errichteten ganze Fleischberge gut gesalzener Haihauptriesen. Riesen, denen es gelang, von dort zurückzukehren, berichteten von der ausgesprochenen Zähigkeit dieser Wesen und ihren Zauberkräften. Zum Essen waren die Totenmunder wegen ihrer gummiartigen Zähigkeit nicht geeignet und dies war ein weiterer Grund, warum der Kontinent gemieden wurde. In der Staatspropaganda von Haihaupt war es der einzige Grund, den man bekannt machte, denn die mächtigen Könige von Haihaupt waren zu stolz, um zuzugeben, dass die Bewohner von Totenmund eine Gefahr für sie darstellen konnten. In der offiziellen Begründung, die schon die Kinder in der Grundschule auswendig lernen mussten, hieß es:
Wo nicht das Fleisch der Menschen zart,
dorthin verboten ist die Fahrt.
Und wo nicht weiche Leute,
da gibt es keine Beute!
Idan und Oler, die Sprüche wie diese als Grundschüler im Chor hatten singen müssen, widerten solche hochgepäppelten Lügen und Halbwahrheiten an. Von den Abenteurern aus Íoland und Stiefelburg hatten die Haihauptbewohner erfahren, dass auch der Inselkontinent Rüsselschwein nicht von gewöhnlichen Menschen besiedelt war. Die Abenteurer hatten von den schrecklichen Schlangenwesen und Kyruppen berichtet und von den hässlichen Kunovölkern, die über das ganze Land verbreitet waren. Das Wort „hässlich“ war von den Haihauptriesen gefürchtet und durfte kaum ausgesprochen werden, seit ihnen von der ausgesprochenen Hässlichkeit der totenmunder Alraunenwesen berichtet worden war. Als sie hörten, dass die Gesichter der Kunos runzelig und ihre Münder breit waren und dass sie breite Schweinsnasen hätten, ging bei ihnen schon der geistige Rollladen herunter. Gerüchte über die magischen Kräfte der Kyruppen und Schlangenwesen taten das ihrige. Denn die Riesen waren in der Mehrheit abergläubisch. Der Kontinent Rüsselschwein war gefürchtet, obwohl noch nie ein Haihauptriese dort gewesen war. So endete denn auch das Propagandalied:
Drum meide Totenmund allein
und nebenbei auch Rüsselschwein!
Noch ein dritter Kontinent wurde von den Riesen – zwar nicht in der Theorie, aber in der Praxis – gemieden: Ómuo, bestehend aus dem großen Lande Sonnenostun und der Halbinsel Omonu. Die Existenz dieses Kontinentes wurde, obwohl das Wissen über seine Verhältnisse allgemein zugänglich war, penetrant verschwiegen. Weiterhin wurde verschwiegen, dass die Jagd auf die wilden Einwohner Ómuos trotz ihres zarten Fleisches wegen ihrer scharfen Zähne und der Tatsache, dass ihre Mägen hochkonzentrierte Salzsäure enthielten, verpönt war. Das allgemeine Bekanntwerden solcher Hinderungsgründe hätte in der Bevölkerung von Haihaupt Zweifel an der unumstrittenen Heldenhaftigkeit des Haihauptmenschen geweckt. Nur die Zähigkeit des Fleisches und die allgemeine Furcht vor Zauberei durften als Hinderungsgründe gelten.
Idan und Oler nützten diesen Aberglauben, um nach Rüsselschwein zu siedeln, wo sie vor Verfolgung sicher waren. Schon von Jugend an war ihnen klar, dass die Berichte über die Verhältnisse auf Rüsselschwein übertrieben und die Furcht vor seinen Bewohnern unbegründet sein musste. Und sie irrten sich nicht. In den Kunos begegneten ihnen weise und friedliebende Leute. Sie waren außerdem im Verhältnis zu den Riesen winzig klein – eine Tatsache, die die Staatspropaganda verschwiegen hatte. Die Schlangenwesen und Kyruppen waren auf ihre Gebiete beschränkt und wollten nur in Ruhe gelassen werden. Und so durchwanderten sie die weiten, menschenleeren Landschaften, bis sie zu der Ganganjer-Schlucht kamen. Dort pflanzten sie den Märchenwald. In dem Märchenwald siedelten sie Tiere an, die sie aus verschiedenen Gegenden des Kontinentes zusammentrugen. Sie lebten in Frieden in diesem Wald. Wegen der Vielfalt an Lebensformen, die in diesem Wald vereint waren, wurde er auch Komponischer Märchenwald genannt. Alle Tiere im Komponischen Märchenwald konnten sprechen, denn die Riesen hatten ihnen die Menschensprache beigebracht.
Das stärkste und zugleich gefährlichste Tier des Waldes war zweifellos Bär Porbulo, der Grizzlyhauptmann. Aufgerichtet maß er wohl drei Meter und fraß jeden Neuen auf, der in den Komponischen Märchenwald kam. Treu zur Seite standen ihm sein Bruder Zotti-Momi und Barion-Bär, sein erster General. Diese Tiere waren mächtig und grausam. Nur dem kleinen Idan und den Tieren innerhalb des Märchenwaldes taten sie nichts. Ihre Nahrung jagten sie in großen Gruppen außerhalb des Waldes unter dem Oberbefehl von Barion-Bär, und selbst Büffel und Auerochsen waren nicht sicher vor ihnen. Da war Urlu, der Löwenkönig, wieder ein anderer Typ. Er fraß nur schwächere Kälber und Hasen. Er war gutmütig, gelassen und träge. Mit seinem Löwenclan zog er jedes Jahr zum großen Löwensee im Norden des Kontinentes, wo er sich mit anderen Löwenkönigen traf. Über Urlu und Bär Porbulo wunderte sich wiederum Kiri, der Anführer der Elefanten, der größer und stärker als ein Mammut war. „Warum fressen die denn immer Fleisch?“, mochte er bei sich denken, wenn er die Löwen und Grizzlybären beobachtete. „Davon kriegt man ja nur Bauchweh! Überhaupt eine dumme Sache, das Fleischfressen! Wenn man bedenkt, dass man andere Wesen dafür töten muss, gegen die man ja nichts hat! Ich töte nur die, die mir etwas getan haben. Käme mir schlecht dabei vor, wenn es anders wäre! Seltsam: Dass einen die Natur dazu zwingen soll, ungerecht zu sein! Aber ohne mich!“
Der schlaueste und listigste von allen war Flexy, der Waschbär. Jeden Tag saß er auf einem Ast und schaute mit seinen schwarzen Knopfaugen um sich, ob er nicht irgendeinem anderen einen Streich spielen könne. Er liebte den Schabernack von Herzen. Und er konnte den ganzen Tag vor Freude vor sich hin keckern, wenn ihm ein guter Scherz, ein ausgefallener Witz, die Beschämung anderer gelungen war. Der kleine Idan fragte ihn oft um Rat, denn er wusste, dass Flexy ihn mochte, aber ihm fiel auf, dass der Waschbär trotz seiner Schlauheit immer nur dumme Sachen und schräge Einfälle im Kopf hatte. Eine ernsthafte Unterhaltung mit dem klugen Tier war ihm kaum jemals möglich.
Immerhin war Flexy der große, gefeierte Held des Giplombenkrieges gewesen. Der Giplombenkrieg hatte noch in einer Zeit stattgefunden, als der kleine Idan noch nicht geboren oder zumindest noch nicht in Rüsselschwein war. Die Giplomben hatten auf ihren Raubzügen den Komponischen Märchenwald überfallen, während Idan und Oler auf Reisen waren. Aufgrund ihrer Größe und Körperkraft hatten sie es sogar mit den Löwen und Grizzlybären aufgenommen und selbst Bär Porbulo hatte aus dieser Zeit noch einige Narben unter seinem Fell vorzuweisen. Obwohl einige der Giplomben ihr Leben hatten lassen müssen, wären die Tiere des Waldes von der Übermacht des feindlichen Heeres am Ende doch besiegt worden. Bei der großen Zahl der Feinde wäre sogar fraglich gewesen, ob Idan und Oler die Situation in den Griff bekommen hätten, wenn sie nicht verreist gewesen wären, und das, obwohl sie fast doppelt so groß wie ausgewachsene Giplomben waren und mit mehrfacher Körperkraft begabt. In dieser aussichtslosen Lage war es Flexy gewesen, der die Rettung brachte. Er lockte den Giplombenkönig in eine Falle, und das ganze Heer folgte ihm hinterher – direkt in die Ganganjer-Schlucht. Flexy hatte dem Giplombenkönig weisgemacht, dass er sich im Besitz eines wertvollen Schatzes befände. Er hatte geprahlt, hatte ihn verspottet, war zwischen seinen Stielaugen herum gesprungen und zurück ins Geäst der Bäume und der Giplombenkönig war ihm mit dem ganzen Heer gefolgt. In voller Jagd waren sie ihm hinterher gestürzt. Flexy hatte sie auf verborgenen Wegen nahe an die Schlucht herangeführt und zwar an eine Stelle, die von der Sicht verdeckt war. Und als sie bemerkten, wohin sie ihre Füße gesetzt hatten, war es schon zu spät gewesen. Zwischen den Klippen waren sie an einem schrägen Abhang abgerutscht, den Flexy zuvor mit Schmierseife aus Olers Haushalt bearbeitet hatte, und hatten ein jämmerliches Ende gefunden. Noch heute sprach man von Flexys Großtat. Aber ein ruhiges vernünftiges Gespräch konnte man mit Flexy nicht führen. Er konnte nicht still halten, musste immer etwas zu tun haben, immer von einem Ort zum anderen laufen, wurde von einem witzigen Gedanken nach dem anderen gejagt. Flexy wohnte mit anderen Waschbären zusammen, die ebenso umtriebig waren wie er selbst. In Unterhaltungen waren sie kaum genießbar. So einer war Flexy.
Neben dem Tag der Freude, an dem die Giplomben besiegt worden waren, gab es aber noch einen anderen Tag, einen Tag der Trauer. Das war der Tag gewesen, an dem Silena, die ängstliche Hirschkuh, in die Ganganjer-Schlucht gestürzt war, nachdem man ihr einen heftigen Schrecken eingejagt hatte. Das war durch Flexys Schuld geschehen, der sie durch Lügenmärchen in große Aufregung versetzt hatte. Der ganze Wald trauerte um Silena an diesem Tag. In all den langen Jahren, soweit die Tiere sich entsinnen konnten, war im Wald bisher noch nie ein Tier gestorben. Nur die beiden Riesen, die schon einige Generationen hatten kommen und gehen sehen, hatten vor den Tieren das Geheimnis der Sterblichkeit bewahrt.
In den folgenden Tagen waren die Kunos gekommen und hatten die Bewohner des Waldes getröstet. Sie sagten, dass alles seine Bestimmung habe. Nichts sei umsonst und sinnlos und das wirkliche Leben sei immerwährend und ohne Ende. Auf der Erde aber habe alles seine Zeit und sein bestimmtes Ziel. Für alles sei hier ein Rahmen gesteckt und es sei keinesfalls alles möglich. Nur die böse Tat sei nicht bestimmt. Dieses Leben aber sei ein Samenkorn für ein ungleich höheres und freieres. Auch die Hirschkuh Silena sei jetzt frei für ein anderes, höheres Leben. Mit diesen Worten beruhigten die Kunos die Schar der Tiere. Die Kunos vereinten großes handwerkliches Geschick bei einfachster Lebensweise mit hoher Denkkraft. Sie waren weise, aber nicht schön von Gestalt. Sie hatten einen breiten Mund mit Spaltlippen, dicke Bäuche, große abstehende Ohren und breite Schweinsnasen. Die Gliedmaßen waren kurz und plump und der Kopf fast halb so groß wie der gesamte übrige Rumpf. Sie trugen einen ungeheuer langen Haarschopf, der fast senkrecht empor stand und bei jedem Individuum unterschiedlich gefärbt war. Da die Kunos neben ihrem ausgezeichneten Gehör unter den menschlichen Wesen auf Plédos über den schärfsten Blick verfügten und ausgesprochene Augenmenschen waren, hatten sie für jede der ihnen bekannten rund zweihundert Millionen Farben ein anderes Wort. So kam es, dass jeder Kuno von Geburt an nach seiner speziellen Haarfarbe benannt wurde. Meist war es so, dass mit jedem neugeborenen Kunokind eine neue Farbe entdeckt und benannt wurde, denn so viele Farbnuancen, wie die Haartracht der Kunos zeigte, gab es trotz des feinen Unterscheidungsvermögens der Kunoaugen in der freien Natur überhaupt nicht. So ist es nur verständlich, dass es, wie oben angedeutet, in der Kunosprache mehr Wörter für Farben gab als für andere Dinge – nämlich etwa zweihundert Millionen – und es kaum einen Kuno gab, der den Namen eines anderen trug. Die Kunosprache, die an sich schon überaus reichhaltig war, verfügte über einen Wortschatz von dreihunderttausend Wörtern, wenn man die Namen für Farben abzog, und das ist schon überaus viel für eine Menschensprache und umfasst wohl mehr als hundert Sprachen unserer Erde. Es gab nur zwei Personen unter den Kunovölkern, die eine höchst langweilige Haarfarbe hatten, eine Farbe, die genau an den beiden Enden aller möglichen und auch uns bekannten Farbskalen lag, nämlich Schwarz und Weiß. Es waren Kuno Weißhaar und sein Cousin Kuno Schwarzschopf. Natürlich sagte ihnen niemand, dass man ihren Namen und ihre Farbe für langweilig hielt, aber man gab es ihnen durch Gesten, Mienenspiel und zweideutige Worte zu verstehen. Und das war der Grund, warum sich beide von ihrem übrigen Volk abgesondert hatten und einen engen Kontakt zum kleinen Idan pflegten. Viel lieber hätten die beiden „Kuno Kaloramis“ geheißen, was eine warme Feuerfarbe bedeutete, ein besonders leuchtendes Orange, das in Worten unserer Erdensprache nicht von anderen, nach unseren Begriffen sehr ähnlichen Orangetönen, zu unterscheiden ist, aber von den Kunos sehr wohl unterschieden wurde. Oder sie hätten es begrüßt, „Kuno Fulgur“ oder „Amirabilis“ genannt zu werden, was beides eine weißgoldene Glanzfarbe in ganz verschiedenen Nuancen bezeichnet. Kuno Weißhaars Mutter hieß zum Beispiel Kuna Kaloramia. Man kann sich wohl denken, wie sehr entsetzt sie war, als sie in Erwartung ihres Kindes und womöglich einer völlig neuen, bisher unbekannten Farbe das schlichte Weiß auf dem Kopf ihres Sohnes entdeckte. Das war natürlich eine große Schande. Freilich wurde nicht ausgesprochen, dass dies eine Schande war. In der Sprache der Kunos, so reich sie auch war, gab es das Wort „Schande“ überhaupt nicht. Das war ein Wort, das die Kunos erst im Umgang mit anderen Völkern erlernten, aber unter sich so gut wie nie gebrauchten. Dennoch spürte Kuno Weißhaar wohl von früher Jugend auf den Gram seiner Mutter. Denn der ganze Stolz der Kunos ist ihr Haarschopf, der oft dreimal so lang ist wie ihre Statur. Und Kuno Weißhaars Haarschopf war eben weiß und der Haarschopf seines Vetters eben schwarz und das waren ganz banale Farben, die überall vorkamen. Ja, man stritt sich oft darüber, ob es sich um echte Farben handelte. „Weißhaar … Schwarzschopf … isch des iberhaupt e’ Farb’?“, pflegten Verwandte zu sagen und die Mutter Kuna Kaloramia und Kuno Schwarzschopfs Mutter, die mit Namen Kuna Fulgurana hieß, schämten sich dann gewaltig, denn sie mussten vor sich selbst bekennen, dass es eigentlich gar keine Farben waren. Wie oft hatte Kuno Weißhaar seine Eltern angefleht, ihm doch einen anderen Namen zu geben. Aber es war nun einmal Gesetz, dass ein Kuno nach seiner Haarfarbe benannt werden musste. Da war nichts zu machen. Das war so ziemlich das einzige Problem, aber ein nicht geringes – zumindest nicht für Kuno Weißhaar und für Kuno Schwarzschopf. Sie spürten deutlich die Verachtung, die man ihnen gegenüber hegte, und diese hing eben mit ihrem Namen und ihrer Haarfarbe zusammen, die eigentlich gar keine Farbe war. Insgeheim tuschelte man, sie seien Missgeburten. Hätten sie kleinere Ohren oder menschliche Nasen oder einen Elefantenrüssel statt Schweinsnasen gehabt, so hätte man sie nicht als Missgeburten bezeichnet. Aber eine Haarfarbe, die eigentlich gar keine war, kam eigentlich nur in zwei besonderen Fällen vor – eben bei Kuno Weißhaar und Kuno Schwarzschopf. Und das war völlig außergewöhnlich. Da die Kunos trotz ihrer sonstigen Weisheit nicht von der Überbewertung der Haarfarben ablassen wollten und Kuno Weißhaar und Kuno Schwarzschopf das ständig zu spüren bekamen, fühlten sich die beiden gezwungen, ein Wanderleben zu führen. Dabei machten sie Erfahrungen und Entdeckungen wie selten ein Kuno. Den Komponischen Märchenwald besuchten sie regelmäßig.
Dann wohnte auch noch ganz in der Nähe von Idan, dem Kleinen, eine Familie von Menschenaffen, bestehend aus dem großen Affenvater, der Affenmutter, Äffchen und dem Großen-Bruder-Affen. Eigentliche Namen hatten diese Affen nicht, obwohl sie die Sprache der beiden Riesen gelernt hatten. Äffchen aber, das jüngste Mitglied der Affenfamilie, nannte man auch Erfinder-Äffchen, weil es der klügste Affe im ganzen Wald war und von erfinderischen Einfällen nur so sprühte. Dieses Äffchen hatte einen eigenartigen Verstand, der auf die ungewöhnlichsten Dinge verfiel und geradezu imstande war, aus dem reinen Nichts etwas zu machen. Es war ein außerordentliches Äffchen. Dabei zählte es – nach der Meinung seiner Artgenossen – nur wenige Jahre und war verglichen mit dem hohen Lebensalter der Plédo-Affen, noch ein recht junger Bub. Nun sollte man wissen, was Plédo-Affen sind. Es sind eben solche Affen, zu deren Art die Affenfamilie zählte. Plédo-Affen sind nach dem Planeten Plédos benannt, auf dem sie wohnen, weil sie dort die älteste, klügste und größte Art der bekannten Menschenaffen darstellen. Sie sind rothaarig und im ausgewachsenen Zustand beinahe vier Meter hoch. Diese stattliche Größe hatten auch die beiden Eltern der jungen Affen. Erfinder-Äffchen selbst reichte dem kleinen Idan gerade bis zur Brust. Dieses Erfinder-Äffchen war Idans bester Freund. Es lebte in einer abgesonderten Behausung, einer geräumigen Grotte, die es sich heimisch eingerichtet hatte. Dort befanden sich zahlreiche Gerätschaften. Erfinder-Äffchen nannte daher seine Behausung Labor. Der kleine Idan besuchte Erfinder-Äffchen beinahe täglich.
Der Dunkle Mond
An diesem Morgen eilte der kleine Idan mit großen Schritten zur Behausung von Erfinder-Äffchen. Erfinder-Äffchen begrüßte ihn freundlich und fragte ihn nach seinen Wünschen.
„Ach“, meinte der kleine Idan, „mir ist so entsetzlich langweilig. Wir führen hier alle ein so schönes, harmonisches Leben und ein Tag vergeht wie der andere. Ich weiß nicht, was ich gegen die Langeweile machen soll. Ich würde so gerne etwas Neues erleben. Vielleicht hast du ja eine Idee.“
„Langeweile ist etwas für Dummköpfe“, sagte Erfinder-Äffchen. „Im Übrigen kenne ich das Problem. Manchmal geht es mir ähnlich. Nur habe ich den Vorteil, mir meine Zeit mit sinnvollen Gedanken zu vertreiben. Die anderen Tiere sind furchtbar dumm und bemerken ihre Langeweile nicht. Sie leben ein Leben, in dem es nichts zu tun gibt. Flecki, der Waschbär, der schlaueste unter den Tieren, vertreibt sich seine Zeit mit lustigen Streichen. Du aber bist ein Mensch und weder mit Dummheit gestraft noch mit besonderen Gaben des Geistes gesegnet. Ich verstehe dein Dilemma wohl. Menschen sind eben seltsame Tiere. Und auch ich verspüre solch eine Verwandtschaft zur Seltsamkeit. Sind mir doch gerade kürzlich die guten Ideen ausgegangen und ich habe mich auf etwas Neues besinnen müssen. Es ist mir auch schon etwas eingefallen. Kürzlich las ich in einer uralten Chronik über einen wundersamen Schatz, der in dem finsteren Tal des Todes auf der Insektenwelt Pessian verborgen liegen soll. Dieser Schatz, so heißt es, soll seinem Besitzer geheimnisvolle Kräfte verleihen. Weißt du was, den wollen wir uns holen!“
Da machte der kleine Idan große, erstaunte Augen und fragte: „Was ist denn das, die Insektenwelt Pessian? Was ist eine Welt?“
„Auf welche Schule bist du denn gegangen“, meinte Äffchen, „dass du noch nicht einmal weißt, was eine Welt ist?“
„Was ist Schule?“, fragte der kleine Idan.
„Potz Blitz“, rief Äffchen, „dass einem da nicht der Geduldsfaden reißt bei soviel Ungelehrsamkeit! Aber ruhig Blut! Am besten, wir fangen einmal ganz von vorn an. Also: Eine Welt ist eine Welt wie die unsere auch.“
„Was heißt das: Wie die unsere auch? Was ist denn unsere Welt?“
„Eins nach dem anderen“, meinte Äffchen. „Also: Du weißt nicht, was eine Welt ist?“
„Schon“, sagte der kleine Idan. „Eine Welt ist der Boden, auf dem ich stehe, und alles, was darauf ist, und der Himmel über uns.“
„Und was glaubst du, wie das Ganze aussieht, wenn du es von hoch, hoch oben betrachtest?“
„Dann wird wohl alles viel kleiner aussehen und man hat einen weiteren Blick.“
„Und sonst, glaubst du, verändert sich nichts, nur, dass man immer mehr und mehr sieht, je höher man aufsteigt?“
„Es wird wohl schon so sein“, erwiderte der kleine Idan.
„Nun, gehen wir die Sache anders an“, sagte Äffchen. „Wenn du immer weiter und weiter in eine Richtung geradeaus gehen könntest, wie weit könntest du gehen?“
„Man kann immer weiter gehen“, meinte der kleine Idan.
„Gut! Sehr gut!“, rief Äffchen. „Man sieht: Ein Spekulant bist du nicht! Die Welt der Spekulanten ist begrenzt. Die Spekulanten warten nicht ab, bis sie etwas erlebt haben, sondern setzen an die Stelle dessen, was sie noch nicht erlebt haben, etwas anderes, das sie erlebt haben. Mehr wollen sie gar nicht wissen. Aber Leute wie du haben die besten Anlagen zum Wissenschaftler. Sie können sich auch in Dinge hineinversetzen, die sie noch gar nicht erfahren haben. Aber weiter! Du redest von einem Boden. Der ist für dich die Welt, auf der wir leben. Aber warum stehen wir denn darauf und schweben nicht einfach darüber?“
„Wir würden herunterfallen“, sagte der kleine Idan.
„Sehr richtig“, meinte Äffchen. „Aber der Boden – was ist mit ihm? Ist er vom Fallen befreit? Worauf steht er, damit er nicht fällt?“
„Der Boden? Ja, das ist der Boden. Ich glaube nicht, dass noch etwas darunter ist. Wahrscheinlich ist er unendlich dick. Wenn etwas darunter wäre, müsste darunter auch noch etwas sein und darunter auch noch etwas und immer so fort und das Allerletzte müsste fallen.“
„Das ist sehr gut bemerkt“, meinte Erfinder-Äffchen. „Und du bist damit der Wahrheit sehr nahe. Überlege: Kann es möglich sein, dass der Boden unendlich ist? Was ist überhaupt unendlich? Kann es unendlich viele Dinge geben, die zugleich sind? Dann wären sie doch irgendwie abgeschlossen. Wenn sie aber alle gleichzeitig abgeschlossen irgendwo vorliegen würden, dann wären sie ja nicht unendlich.“
„Das ist mir zu hoch“, sagte der kleine Idan und kratzte sich am Kopf.
„Aber es beweist, dass es kein Ding gibt, das unendlich ist.“
„Und der Weltraum?“, fragte Idan. „Kann der Weltraum endlich und begrenzt sein? Kann man nicht immer weiter und weiter fliegen?“
„Der Weltraum ist auch kein Ding“, sagte Äffchen. „Er ist mit Dingen gefüllt. Aber es könnte sein, dass der Weltraum, der mit Dingen gefüllt ist, irgendwo aufhört und alles, was sich darüber hinaus bewegt, erst einen neuen, zusätzlichen Raum bildet, der zuvor noch nie existiert hat. Jedenfalls ist der Boden, auf dem du stehst, nicht unendlich dick. Der Boden und alle Länder und Meere auf dieser Erde, die du bereisen kannst, sind kugelförmige Gebilde.“
„Eine Kugel?“, fragte ungläubig der kleine Idan.
„Eben das. Und der dunkle Mond Pessian und alle Planeten und Sterne, die du draußen am Himmel siehst, sind ebensolche Kugeln.“
„Was ist dann oben und unten?“, fragte der kleine Idan.
„Oben ist alles, was sich über der Oberfläche der Kugel befindet, und unten ist alles, was in Richtung ihres Mittelpunktes liegt.“
„Wenn ich aber jetzt anfange in der Erde zu graben“, sagte Idan, „und ich grabe immer tiefer und tiefer, bis ich zum Mittelpunkt komme, kann ich dann nicht auch noch über den Mittelpunkt hinaus graben, und zwar so lange, bis ich auf der anderen Seite herauskomme? Und müsste ich dann nicht auf der anderen Seite von der Erde herunterfallen? Oder kehrt sich im Erdmittelpunkt oben und unten einfach um?“
„Du kannst gar nicht bis zum Erdmittelpunkt graben“, sagte Äffchen. „Je näher du dem Mittelpunkt kommen würdest, desto schwerer würdest du, und in der Mitte würdest du ganz zu einer Kugel zusammengepresst. Nun aber sollst du auch wissen, was es mit dem Planetenmond Pessian auf sich hat. Dieser Pessian oder auch Pessima, wie ihn die grünen Eingeborenen von Ómuo nennen, wurde in Urzeiten von unserer Heimatwelt Plédos ausgestoßen, damit sich auf dessen Oberfläche das Leben in weichen Formen und in all seiner heutigen Vielfalt bilden konnte. Diese neu entstandene Welt Pessian, der dunkle Planetenmond, enthält alles Böse, Schlechte und Finstere, das damals noch mit unserer Welt von Plédos vereinigt war und der Entfaltung des Lebens ein starkes Hindernis bot. Auf Pessian dagegen haben sich wundersame und schreckliche Lebensformen gebildet, über die ich dir gleich berichten werde. Während die meisten Monde der anderen Welten beinahe tote Körper sind, ist Pessian zu einem echten, selbstständigen Planeten geworden, der sogar beinahe die gleiche Atmosphäre hat wie unsere Welt. Auch das Leben auf ihm ist ein selbstständiges und allerdings recht wunderliches geworden. Du musst dir nämlich vorstellen, dass große Teile der Oberfläche des Planetenmondes Pessian – einige größere Inseln und die schleimigen Meere ausgenommen – mit einer Schicht winziger, sechzehnbeiniger Gliedertiere verschiedener Farbe und Größe überzogen sind, die dort überall herumwimmeln. Das sind zurückgebildete Windruten, wie sie auf vielen Welten zuhause sind. Windruten sehen tatsächlich aus wie zusammengebundene Ruten, die oben und unten in je acht spinnenartige Beinchen auslaufen, sodass man oben und unten nicht unterscheiden kann. Man könnte sagen, sie haben in ihrer Entwicklung den Gipfel der Kopflosigkeit erklommen und stehen in ihrer Lebensweise noch unter den Pflanzen, bei denen man ja wenigstens Wurzeln und Blüte unterscheiden kann. Den Mineralien und Steinen schon ähnlicher und dennoch wie Tiere belebt, bilden sie das Nahrungsangebot und zugleich die äußeren Häute der intelligenten Bewohner des Planeten, der schrecklichen Pessianer. Diese Pessianer sollen so furchtbar anzuschauen sein, dass sie jeglicher Beschreibung spotten und dass selbst in der uralten Chronik, aus der ich mein Wissen über den Planetenmond Pessian entnehme, nichts darüber verzeichnet ist. Am ehesten ließen sie sich noch, so heißt es, mit riesigen, gespenstartigen Insekten vergleichen, die entfernt an Menschen erinnern. Sie bewegen sich aufrecht und in ständiger Drohgebärde und pfeifen dabei durch ihre Tracheensysteme wie ausgewachsene Windruten in Íoland oder in Totenmund, was sich dann anhört wie das Heulen des Windes. Außerdem rasseln und klappern sie ständig dabei, als schlügen die blanken Zähne von Totenschädeln aufeinander. Dieses Zähneklappern ist übrigens ein ganz typisches Geräusch der Pessianer.“
„Das ist ja grausig!“, rief da der kleine Idan.
„I wo“, erwiderte Äffchen, „es ist ja nur halb so schlimm! Zwar riechen die Pessianischen Weltmeere nicht besonders gut und es empfiehlt sich auch nicht, an ihren Stränden zu baden, zumal der Sand dort aus winzigen Windrütchen besteht, die nur darauf warten, die Badegäste mit einem dicken Kokon zu überziehen, während sie sich sonnen. Und so ist es nicht wenigen unserer Vorfahren während ihres Sommerurlaubes auf Pessian ergangen. Das war zu einer Zeit, als es noch eine Wissenschaft von der Raumfahrt gegeben hat. Aber ich habe dir die Hauptsache, nämlich die wundersame Schönheit des Planetenmondes Pessian, noch gar nicht erzählt. Es muss ja wohl auch einen Grund gehabt haben, dass es dazumal so viele Feriengäste nach Pessian gezogen hat und dass sogar mein Vorfahr, der hundertvierundvierzigmal Urgroßaff, der als ein rechter Pingelfritze bekannt war, die klare, frische Luft auf Pessian in seiner Chronik lobend erwähnt. Tatsächlich soll dort im Allgemeinen das herrlichste Wetter herrschen und zu gewissen Jahreszeiten pflegen sich die Kontinente des Planeten mit den kunstreichsten, wunderbarsten und farbenprächtigsten Burgen und Türmchen zu überziehen, in denen sich vor Jahrtausenden zahllose Feriengäste während ihres Sommerurlaubes durchaus heimisch fühlen konnten. Sie sonnten sich inmitten von skurrilen Gebäuden, Kapellchen und beweglichen Kathedralen, die sich durch das Ineinanderflechten von Billionen jener windrutenartigen Gliedertierchen wie von selber bildeten. Es war das reinste Ferienparadies.“
„Und die Pessianer haben den Wesen unserer Welt von Plédos nichts getan?“, fragte zögernd der kleine Idan, und sein Gesicht begann sich aufzuhellen.
„Und ob sie denen was getan haben“, rief Äffchen, „und ob! Über sie hergefallen sind sie! Mit Haut und Haaren haben sie sie aufgefressen!“
„Au weh!“, ließ sich da der kleine Idan vernehmen.
„Der einzige Überlebende“, fuhr Äffchen fort, „war mein Vorfahr, der hundertvierundvierzigmal Urgroßaff, der später die uralte Chronik verfasst hat. Mit knapper Not gelang es ihm, über den Raumbruch – so nannte man damals die Methode der interplanetarischen Raumüberbrückung – nach Plédos zurückzukehren. Da er aber seine Pubertät schon hinter sich hatte und ein alter, dummer Aff geworden war, hat er die Reisetechnik vollständig vergessen und das Geheimnis der interplanetarischen Raumüberbrückung ist der Nachwelt nicht überliefert worden. Er war der Einzige, der das hätte tun können, denn sämtliche Wissenschaftler, die davon wussten, waren aus Neugier nach Pessian übergesiedelt, wo sie alle umgekommen sind. Und mein hundertvierundvierzigmal Urgroßaff war eben der letzte Überlebende dieser Wissenschaftler, deren Siedlung an jenem schicksalsschweren Sommernachmittag vor siebentausend Jahren von Pessianern überfallen wurde. Es war ein teuflisches, organisiertes Massaker, das allen Abkömmlingen unserer Welt auf Pessian den Garaus machen sollte. Nun waren ja die Plédo-Affen zumindest damals gewiss die klügsten Wesen auf unserer Welt, vorausgesetzt sie waren noch in jugendlichem Alter. Und mein hundertvierundvierzigmal Urgroßaff hatte das Pech, gerade die Geschlechtsreife erlangt zu haben. Das hat nämlich bei uns Affen mit besonderer Reife gar nichts zu tun, sondern ist die Ursache für allgemeine Verdummung. So war es wenigstens damals. Es ist in diesem Falle auch der Grund, warum seit siebentausend Jahren kein Bewohner unserer Welt mehr nach Pessian gelangt ist.
Kurze Zeit vor diesem schrecklichen Ereignis war übrigens schon eine ganze Schar von Plédo-Affen auf der Suche nach dem verborgenen Schatz im Tal des Todes spurlos verschwunden, alles Verwandte meines hundertvierundvierzigmal Urgroßaff. Das muss dem armen Manne einen zusätzlichen Schlag versetzt haben. So brachte er es auch am Ende nur noch zu Gestammel und tatsächlich bricht er gegen Schluss der Chronik in wildes Gegacker aus. Man hat die größte Mühe, etwas zu verstehen, und am Ende kann man nicht einmal die Schrift mehr lesen, da muss er völlig den Verstand verloren haben.
Mit dem Tal des Todes hat es nun etwas ganz Besonderes auf sich, wie aus der Chronik hervorgeht: Es liegt am Fuße des riesenhaften, finsteren Berges Krogull, der weit über die Atmosphäre des Planeten hinausreicht und alles ringsherum mit seinem tiefen, schwarzen Schatten ertränkt, und es ist gewiss der grauenvollste Ort auf Pessian. Da der Berg Krogull sich auf der Morgenseite des Tales befindet und so den Sonnenaufgang verdunkelt, kann man dort überhaupt nur am Nachmittag oder gegen Abend die Hand vor Augen sehen.
Dies ist das Tal, das dir kein Name nennt,
das finstre Tal, das keinen Morgen kennt!
So schrieb der hundertvierundvierzigmal Urgroßaff in seiner Chronik, während er heftig mit der geistigen Umnachtung seiner Spätpubertät zu ringen hatte. Wehmütig blickte er dem drohenden Verlust seiner Denkkraft entgegen und erinnerte sich dabei an die Finsternis des schrecklichen Todestals. Und weiter heißt es in dem Gedicht:
Doch wie der Abend auf den Morgen weist
und Morgensonnenlicht den Abend speist,
so leuchtet auch das Gute auf im Bösen
das finstre Tal vom Tode zu erlösen.
Das Böse muss aus gutem Grunde sein,
denn alles mündet in das Gute ein.
Es ist die Harmonie, die alles hält
und stützt, was lebt und atmet in der Welt.
Aus ihrer Wahrheit ist die Wirklichkeit,
mit Tod vermischt entsprang aus ihr die Zeit.
Das Böse stammt aus Falschem, ist nicht wahr,
hör, wie aus gutem Grund es trotzdem sich gebar:
Die Freiheit lag zugrunde allem Sein,
in Freiheit schloss das Böse selbst sich ein,
und hat, als drin der Urgrund ward entleert,
in einen finstren Kerker sich verkehrt.
Der Schatz des innern Grundes glüht im Tal,
glüht in der Nacht und leuchtet ihr zur Qual.
Das Tal des Todes muss er überwinden
und sich in hehrer Eintracht wieder finden.
Einst wird die Nacht aus diesem Tale schwinden,
und in der Morgenröte wird sich finden,
dass aller Welten Grund die Liebe heißt,
im Sieg erst ihre Gnade sich erweist.“
„Das verstehe ich nicht“, sagte der kleine Idan.
„Ich auch nicht“, sagte Äffchen. „Weißt du, wenn die Affen noch ganz klein sind, dann liegt so etwas wie ein seltsames Leuchten in ihren Augen, das sich bald darauf verliert. Sie sehen aus, als stammten sie aus einer fernen, anderen Welt und seien gar nicht von Affen geboren. Später dann, in jugendlichem Alter, werden sie Erfinder, Wissenschaftler und Vielwisser, wie ich einer bin. Dann werden sie sentimentale Dichter, die Dinge schreiben, von denen wir Jungen kein Wort verstehen, dann denken sie nur noch ans Essen und Trinken und schließlich verblöden sie vollends. Weißt du, ich glaube, das hat nicht immer so sein müssen, ich meine, das mit dem Verblöden. Es muss etwas mit dem Tal des Todes zu tun haben. Hauptsache aber, dass in dem Gedicht vom Schatz des innersten Grundes die Rede ist. So wissen wir wenigstens, dass es ihn gibt und welche Kräfte er in sich trägt. Den wirren Rest der Dichtung kann man wohl vergessen. Es sind bestimmt die ersten Symptome der Geistesschwäche.“
„Merkwürdig kommt es mir aber doch vor“, sagte der kleine Idan. „Dass aller Welten Grund die Liebe heißt, im Sieg erst ihre Gnade sich erweist? Was soll das bedeuten?“
„Musst nicht alles so ernst nehmen, was der alte Wirrkopf aufgeschrieben hat“, meinte Äffchen. „Viel wichtiger ist, in welchem Verhältnis der Komponische Märchenwald zu diesem Tal des Todes auf Pessian steht. Als nämlich in Urzeiten unsere Welt sich spaltete und Pessian aus ihr herausgerissen wurde, da trennte sich auch der riesenhafte Berg Krogull von ihr ab und riss eine tiefe Wunde in unsere Welt. Diese planetarische Wunde aber ist keine andere als die tausend Kilometer tiefe Ganganjer-Schlucht vor unserem Wald. Und an derselben Stelle, wo auf Pessian das Tal des Todes liegt – zu Füßen des Berges Krogull – da entstand auf unserer Welt der Komponische Märchenwald. So ist Pessian tatsächlich der dunkle Spiegel unserer Welt von Plédos. Was bei uns tief ist, das ist dort hoch. Was bei uns hoch ist, das ist dort tief. Die ganze Oberfläche des Planetenmondes ist ein negativer Abdruck unserer Welt. Und es ist schon ein besonderes Geheimnis, dass gerade an der Stelle, wo auf Pessian das Tal des Todes liegt, bei uns der Komponische Märchenwald steht, der die größte Vielfalt der Lebensformen enthält. Wenn es uns also gelänge, nach Pessian zu reisen, könnten wir die Forschungen meines Urahnen fortführen. Wir könnten dann herausfinden, woher der Tod und das Böse kommen. Wir müssten dazu den Schatz des inneren Grundes heben. In der uralten Chronik befindet sich ein Lageplan.“
„Aber wie sollen wir dort hinkommen?“ fragte Idan.
„Nun, ich weiß nicht recht“, überlegte Äffchen. „Freilich ist die Methode des Raumbruchs nun seit Jahrtausenden verschollen, und niemandem ist es gelungen, sie wieder zu entdecken. Aber vielleicht gibt es andere Möglichkeiten. Einige davon habe ich mir schon durch den Kopf gehen lassen.“
„Woran hast du gedacht?“, fragte der kleine Idan.
„Nun, zum Beispiel habe ich mir überlegt, dass wir uns eine dieser Flugechsen einfangen könnten, nun, du weißt schon, eine von denen, wie sie regelmäßig über den Komponischen Märchenwald fliegen. Dann müssten wir dieser Flugechse natürlich einen Raumanzug verpassen. Über den Kopf käme ein großer ausgebuchteter Helm. Wir selbst müssten uns ebenfalls in Raumanzügen auf ihren Rücken setzen. Durch eine besondere Schaltung, die sich im Raumanzug der Flugechse befinden müsste, könnten wir dem Tier mit einer Nadel in den Rücken stechen. Die Flugechse würde dann vor Angst und Schmerz immer höher und höher fliegen und wenn sie seitlich ausweichen wollte, könnten wir per Knopfdruck unseren Wünschen Nachdruck verleihen. Wir würden sie also zwingen immer höher und höher zu fliegen und wenn sie die Anziehungskraft unserer Erde überwunden hätte, würde sie mit derselben Geschwindigkeit weitersegeln, mit der sie gestartet ist – bis nach Pessian.“
„Aber das ist Tierquälerei“, sagte der kleine Idan.
„Eben das dachte ich auch. Also vergiss es lieber!“
„Hast du noch eine andere Idee?“
„Nun ja – möglicherweise könnten wir eine große luftdichte Kapsel bauen, diese dann an einen großen, starken Baum hängen und die Kapsel mit starken Tauen nach unten ziehen, sodass sich der Baum zur Erde beugt. Dann schließen wir uns in der Kapsel ein, unsere Freunde kappen unten die Taue, während gleichzeitig mein Bruder oben die Taue zerschneidet, die die Kapsel mit dem Baum verbindet, und – lassen die Kapsel schnalzen.“
„Glaubst du, dass so etwas funktionieren kann?“
„Wenn der Baum groß und stark genug ist und die Geschwindigkeit, mit der die Kapsel geschnalzt wird, so hoch ist, dass sie die Anziehungskraft der Erde überwindet – dann vielleicht! Natürlich dürfen wir auch einen Fallschirm nicht vergessen, den wir allerdings erst auf Pessian einsetzen dürfen.“
„Aber wie sollen wir dann von Pessian wieder nach Hause zurückkommen?“, fragte Idan.
„Da hast du auch wieder recht. Also vergiss es lieber!“
„Es gibt noch eine andere Möglichkeit“, meldete sich da eine Stimme. Äffchen und Idan blickten sich um. Es war Kuno Weißhaar.
„Soviel ich weiß, ist es noch vor wenigen hundert Jahren einigen Abenteurern gelungen, eine Reise nach Pessian zu unternehmen“, sagte er.
„So? Und wie?“, fragte Äffchen.
„Über den Turm von Gorkan.“
„Der große Himmelsturm von Gorkan, in Íoland? Aber der wurde vor dreitausend Jahren zerstört.“
„Ja, das sagt man, aber das ist ein Gerücht. Der Turm von Gorkan steht, das haben mir meine Verwandten bezeugt. Er ist im südlichen Urwald verborgen. Gorkan ist vor dreitausend Jahren zerstört worden, das ist wahr, aber der Turm ist erhalten geblieben. Er ist bis zum Blätterdach des Waldes von Schlingpflanzen umwachsen.“
„Aber wie kommt es, dass er nicht aus der Ferne oder von einem Flugzeug aus gesehen wird?“, fragte Äffchen.
„Das hängt damit zusammen“, erwiderte Kuno Weißhaar, „dass die Erbauer des Turmes diesen mit einer wetterfesten Tarnfarbe angestrichen haben. Es handelt sich um eine sogenannte Wechselfarbe, die die Eigenschaft besitzt, sich an die Farbe der Umgebung vollständig anzupassen, sodass der Turm nicht gesehen werden kann.“
„Das heißt, der Turm ist unsichtbar?“, fragte der kleine Idan.
„Gewissermaßen. Allerdings kann man nicht durch ihn hindurch sehen.“
„Und wie kommt es, dass noch kein Flugzeug mit ihm zusammengestoßen ist?“
„Der südliche Urwald von Íoland ist für den Flugverkehr gesperrt“, erwiderte Kuno Weißhaar. „Er war es schon immer, denn die Íoländer wollen ihren Urlaub in den Urwäldern ungestört verbringen. Sie verabscheuen fremde Geräusche, wie sie von Flugzeugen ausgelöst werden.“
„Wie war es möglich, dass der Turm damals nicht mit der Stadt zusammen zerstört worden ist?“, wunderte sich Äffchen.
„Du kennst doch die Geschichte! Als Gorkan von Feinden belagert wurde, wurden die Bewohner gezwungen, ihre Stadt zu zerstören bis auf den Turm. Den wollten die Feinde zu ihrem Zweck verwenden. Nun heißt es, die Einwohner Gorkans hätten auch den Turm zerstört, um zu verhindern, dass er in den Besitz der Feinde gerät. Das haben sie aber nicht, sondern sie haben ihn mit einem Material bestrichen, das die Farbe der Umgebung annimmt, bis in die Wolken hinauf. So konnte er von den Feinden nicht entdeckt werden und man hat ihnen gesagt, der Turm sei zerstört worden. Viele Einwohner von Gorkan sind in dem Turm den Feinden entkommen und wurden nicht mehr gesehen.“
„Und der Turm von Gorkan ist tatsächlich hundertfünfzigtausend Kilometer hoch?“, fragte Äffchen.
„Hunderttausend Kilometer. Er ist hunderttausend Kilometer hoch!“
„Sehr schön! Und die restlichen fünfzigtausend Kilometer können wir dann wohl nach Pessian springen?“
„Du beliebst zu scherzen“, sagte Kuno Weißhaar. „Der Turm enthält einen Fahrstuhlschacht. In diesem können Fahrstühle auf eine so hohe Geschwindigkeit beschleunigt werden, dass sie aus der Spitze des Turmes nach Pessian abgeschossen werden können. Sie sind auch oben mit einem Fallschirm versehen.“
„Sehr schön. Was für ein Glück, dass Pessian eine Atmosphäre hat und der Fahrstuhl durch den Fallschirm gebremst werden kann. Aber – wenn wir schon mal dort sind – wie kommen wir wieder zurück?”
„Die Fahrstuhlkapsel enthält, soviel ich weiß, ein eigenes Triebwerk. Damit kann man zumindest bis zur Spitze des Turmes zurückfliegen.“
„Gut“, sagte Äffchen, „unter dieser Bedingung können wir es wagen. Die Frage ist jetzt nur noch: Wie kommen wir nach Íoland?“
„Auch das dürfte nicht weiter problematisch sein. Ich habe Beziehungen zu Kuno-Stämmen an der Küste, die ständig mit Seeleuten in Verbindung stehen. Diese Seeleute aus Íoland treiben Handel mit meinem Volk. Manchmal kommen auch Abenteurer nach Rüsselschwein, allerdings nur selten, sehr selten Touristen. Vielleicht haben wir Glück, und es schließen sich uns einige Abenteurer an. Für die Reise zur Küste könnte ich euch einige Reittiere zur Verfügung stellen.“
„Abgemacht“, sagte Äffchen. „Kommst du denn mit?“
„Was wird mir anderes übrig bleiben?“, erwiderte Kuno Weißhaar. „Ohne mich findet ihr nie den Turm von Gorkan.“
Die Expedition
