Die Blutlinie Edens II - J.H. Bonelli - E-Book
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Die Blutlinie Edens II E-Book

J.H. Bonelli

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Beschreibung

Elhim und Lucille ist es gelungen zu fliehen. Doch nun stehen sie vor einem weitaus grösseren Problem. Ihr Teleportationssprung hat sie nicht nur aus der Gefangenschaft befreit, sondern sie auch weit in die Zukunft katapultiert. Jetzt müssen sie sich nicht nur mit neuzeitlicher Technik zurechtfinden, sondern auch noch Samiels Machenschaften entkommen, der sie, aus unerfindlichen Gründen, bereits aufgespürt hat und nun nach ihnen suchen lässt.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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J.H. Bonelli

Die

Blutlinie

Edens

Teil 2

Erschaffen

Fantasy - Roman

Die Blutlinie Edens – Erschaffen – Teil 2

© 2021 J.H. Bonelli

Ringstrasse 71, 7324 Vilters

www.facebook.com/J.H.Bonelli

[email protected]

www.Jhbonelli.com

Alle Rechte vorbehalten

eBook ISBN 9783952521243

Covergestaltung: Tatiana Luís & Rafaela Silva

Lektorat & Korrektorat: Monika Popp

[email protected]

Alle Charaktere und Handlungen in diesem Roman sind reine Fiktion. Jegliche Ähnlichkeit mit realen Personen wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Inhalt

Prolog

1. China, Hongkong heute in unserer Zeitrechnung n.C.

2. Schweiz, Sarganserland in unserer heutigen Zeitrechnung n.C.

3. Ca. 300‘000 Jahre vor unserer Zeitrechnung v.C. auf der Ebene des heutigen Sinai

4. Schweiz, Sarganserland in unserer Zeitrechnung n.C.

5. Schweiz, Sarganserland, heute in unserer Zeitrechnung n.C.

6. Autobahn A13, Richtung Chur

7. China, Hongkong heute in unserer Zeitrechnung n.C.

8. Südchinesisches Meer, heute in unserer Zeitrechnung n.C.

9. Ca. 300‘000 Jahre vor unserer Zeitrechnung v.C. auf der Ebene, des heutigen Sinai

10. Fünf Jahre später

11. Etwas später im Garten von Alrons Privat-Unterkunft

12. Heutige Zeitrechnung n.C. auf dem südchinesischen Meer

13. Ca. 300‘000 Jahre vor unserer Zeitrechnung v.C. auf der Ebene, des heutigen Sinai

14. Heutige Zeitrechnung n.C. auf dem südchinesischen Meer

15. Ca. 300‘000 Jahre vor unserer Zeitrechnung v.C. auf der Ebene, des heutigen Sinai

16. Heutige Zeitrechnung n.C. auf dem südchinesischen Meer

17. Heutige Zeitrechnung n.C. eine Tagesschiffsreise vor der Küste Indonesiens

Epilog - Ca. 300‘000 Jahre vor unserer Zeitrechnung v.C. östlich am Fuße der Gebirge, des heutigen Sinai

Leseprobe: Die Blutlinie Edens Teil 3, Entfachen

Vor der Küste Jakartas, heute in unserer Zeitrechnung n.C.

Prolog

Mein Herz schwelgte übermütig in Vorfreude, als Elhim mich in die Arme nahm und er uns in einem blauen Funkenregen aus der Gefangenschaft weg teleportierte.

Seine magische Fähigkeit, innerhalb weniger Augenblicke riesige räumliche Distanzen zurückzulegen, war zwar sehr nützlich, aber oft auch unberechenbar und dadurch gefährlich. Leider hatte er bislang noch nicht herausfinden können, wie er diese Raumsprünge richtig kontrollieren konnte. So passierte es öfters, dass er an den unmöglichsten Orten Portale öffnete, an denen wir in arge Schwierigkeiten gerieten. Wie inmitten einem Rudel fleischfressender Raubtiere, einer Herde wildgewordener und alles niedertrampelnder Elefanten, direkt vor die langen Hauer eines wütenden Wildschweines, auf einem schmalen Absatz eines Felssprungs, von dessen Kante aus es mehrere hundert Fußlänge senkrecht in die Tiefe ging, oder mitten im Treibsand, Sumpf, oder sogar im Schlund eines Schwefel und Feuer spuckenden Berges. So wie auch dieses Mal, als Elhim uns nicht nur in ein unbekanntes Gebiet, sondern zudem auch in eine vollkommen andere Zeit katapultierte. Was schon sehr eigenartig war, denn bisher war es noch nie vorgekommen, dass er ein Tor in eine andere Zeit aufschlagen konnte. Doch genau dies war geschehen und wir hatten absolut keine Erklärung dafür. Und zu seinem eigenen Leidwesen hatten all diese Raumsprünge dazu noch eine weitere unangenehme Kehrseite für ihn. Jedes Mal verbrauchte er dafür dermaßen viel Energie, sodass er vielfach tage-, wenn nicht sogar monatelang ohne seine magischen Kräfte auskommen musste. Und nicht nur seine magischen Fähigkeiten blieben dann vollständig aus, auch seine eigene Heilmagie, sodass Verletzungen bei ihm lange brauchten, bis sie wieder verheilten.

Ich hingegen verfügte immer über unbegrenzte Magie und das unabhängig davon, wie viel ich davon verbrauchte. Zudem besaß ich die Gabe, aus allen Dingen Informationen herauslesen zu können, sei es die Struktur und Zusammensetzung eines nicht organischen Materials oder die biologische Beschaffenheit eines Lebewesens mit all seinen Erinnerungen. Mit einer kurzen Berührung offenbarte sich mir das ganze Wissen, was in einer Materie gespeichert war. Ich konnte sofort erkennen, wie und wer, was gemacht hat, oder wer welche Gedanken in etwas hineingegeben hat. Ich brauchte also nur kurz einen Gegenstand oder ein Lebewesen zu berühren, und schon eignete ich mir innerhalb ein paar Augenaufschlägen die ganzen darin gespeicherten Informationen an. Dabei war es mir auch möglich, die genetische Struktur anderer Lebewesen vollständig zu verändern, und falls nötig, Tote sogar zu neuem Leben zu erwecken.

All diese meine Fähigkeiten sollten sich nun von großem Wert erweisen, als wir durch den Teleportationssprung unerwartet mitten in den Schweizer Alpen der Zukunft durch ein Zeitportal wieder herausausgespuckt wurden. Und wie so oft entleerte sich Elhims magischer Speicher dabei komplett, sodass wir nun in einer völlig fremden Umgebung und Zeit festsaßen.

Da wir nicht wussten, wer oder was uns hier alles erwarten würde, ließen wir äußerste Vorsicht walten. Und wie sich bald schon herausstellen sollte, war unser Argwohn berechtigt gewesen, denn diese Zeitepoche war von Wesen beherrscht, die sich selbst Menschen nannten und zudem unter Samiels Einfluss standen. Also versuchten wir möglichst nicht aufzufallen und keine Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, was allerdings ein Ding der Unmöglichkeit war, weil:

A: Der Planet in der Zwischenzeit dicht besiedelt und unsere Körpergröße für diese Menschen etwa so unauffällig war, wie die zweier Elefanten zwischen einer Schafherde.

B: Unser Aussehen allgemein, in der Vorstellung eines normal sterblichen Menschen, denen griechischer Götter glich und

C: unbegreiflich, aber wahr, Samiel uns in dieser Zeit bereits aufgespürt hatte.

Kurz gesagt, überall wo wir hinkamen, verursachten wir Aufsehen und verrieten uns unweigerlich an Samiels Spionen.

1

China, Hongkong heute in unserer Zeitrechnung n.C.

Im Kontrollzentrum herrschte große Aufregung, als plötzlich zwei unbekannte rote Zahlen auf dem Bildschirm des Überwachungsprogramms aufzublinken begannen und dazu noch ein schrilles Warnsignal einsetzte. Niemand hatte eine Ahnung, wem oder was die blinkenden Nummern zuzuordnen waren. Rufe und das Klappern von hektischen Schritten, die hin und her eilten, wurden laut und das Zischen von sich öffnenden und schließenden Schiebetüren war zu hören.

Kaliel, der nun schon zwei Drittel seiner Lebensjahre hinter sich hatte und deutlich vom Alter gezeichnet war, starrte ungläubig auf die riesige Mattscheibe vor sich. Er war einer der wenigen überlebenden Ur-Ibruianer, die den Planeten Erde vor über dreihunderttausend Jahren besiedelt hatten. Er und seine Mitgefährten kamen ursprünglich vom Planeten Ibru, einem Stern in einer weitentfernten Galaxie, und hatten sich freiwillig aufgemacht, den Planeten Erde zu erforschen und dabei sein reiches Vorkommen an Edelmetallen zu fördern. Sie kamen mit einer Sternenflotte durch ein Wurmloch, das beide Galaxien miteinander verband, wodurch sie Zeit und Energie sparten. Doch das Ende dieses Wurmloches hatte sich als Schwarzes Loch herausgestellt und so hatte jeder von ihnen gewusst, dass es eine Mission ohne Rückkehr werden würde. Nur ihre unbemannten Raumsonden, beladen mit den wertvollen Edelmetallen, sollten unbeschadet den gleichen Weg wieder zurück zu ihrem Heimatplaneten finden.

Sein hohes irdisches Alter hatte Kaliel nur dem Umstand zu verdanken, dass er ein auf Ibru Geborener war, wo ein Umlaufjahr etwa dreitausendsechshundert Erdenjahre entsprach. Und nur die Urabkömmlinge Ibrus, die nicht gerade einer Katastrophe oder dem Krieg zum Opfer gefallen waren, hatten bisher dieses hohe Erdenalter erreichen können, da ihre Gene nach wie vor der Willkür ihres Heimatplaneten folgten. Alle ihre Abkömmlinge jedoch waren dem Gesetz und der Zeit der Erde unterworfen und alterten dementsprechend auch schneller.

Der Bildschirm nahm die ganzen zwanzig Meter Länge und zehn Meter Höhe der vorderen Wand ein und zeigte in leuchtenden Ziffern die von ihm überwachten Personen auf der ganzen Welt an. Unzählige Nummern und Zeichen, die sofort Namen und genauen Standort der einzelnen Individuen bekannt gaben, sobald man mit dem Cursor darüberwischte. Nur die zwei neu rotaufblinkenden Punkte P1 und P2 wollten so gar nicht ins Bild passen und zeigten beim Darüberwischen auch keine Namen an.

„Kann einer dieses verdammte Gepiepse abstellen!“

Erneute Hektik kam auf, bis einer seiner Leute wohl den richtigen Schalter gefunden hatte, dann erlosch augenblicklich das nervtötende Warnsignal und nur das aufgeregte Stimmengewirr seiner elf Mitarbeiter war noch zu hören. Kaliel atmete erleichtert aus und widmete sich wieder den zwei ungewöhnlichen Punkten auf dem Bildschirm.

„Da kann etwas nicht stimmen. Die P-Serie gibt es schon seit Urzeiten nicht mehr!“ Er wandte sich zu seinem viel kleineren asiatisch-stämmigen Kollegen um, der direkt neben ihm saß und geschickt mit den Fingern die dreidimensionale und in die Luft projektierte Konsole bediente.

„Führe ein Backup durch, Lee, und starte das System nochmals neu!“

Lee nickte und tat, wie ihm befohlen. Die Daten verschwanden für wenige Sekunden von der Bildschirmfläche und alles wurde kurz schwarz, dann fuhr das System sogleich wieder hoch und augenblicklich wurden wieder sämtliche Angaben angezeigt. Doch die rot leuchtenden Punkte P1 und P2 blinkten nach wie vor beharrlich, als wollten sie Kaliel damit verhöhnen und sagen: Ha, hier sind wir. Hasch uns, wenn du kannst!

Kaliel runzelte ungehalten die Stirn und fixierte mit den Augen den Ort auf der Weltkarte, von wo aus ihm die zwei absonderlichen Punkte entgegenstrahlten.

Tektonikarena Sardona war darauf zu lesen. Er schüttelte resigniert den Kopf und rieb sich schließlich mit den Händen übers Gesicht. „Sardona, was zum Scheiß ist Tektonikarena Sardona?“

„Sir! Wenn Sie mir gestatten.“

Kaliel nahm die Hände vom Gesicht und blickte hinunter zu seinem Kollegen Lee. Dieser räusperte sich verhalten, während er zu ihm hochsah. Lee war nicht klein, sondern Kaliel riesig. Er und seinesgleichen waren Riesen unter den Menschen. Fünf Meter betrug die normale Durchschnittsgröße eines Ibruianer. Wobei Kaliel, von der Königsfamilie abstammend, sogar über dem Durchschnittswert lag.

„Die Tektonikarena Sardona gehört zum Unesco Welterbe“, klärte Lee ihn auf, „und ist eine besondere Gebirgsbildung in der Schweiz.“

Kaliel starrte den Mann an. Darauf hätte er mit seiner jahrtausendalten Lebenserfahrung auch kommen müssen. Er fuhr sich mit der Hand durch sein noch immer volles, aber inzwischen ergrautes Haar und seufzte innerlich. Sein Gedächtnis ließ in letzter Zeit ganz schön nach. Nun ja, es ließ nicht unbedingt nach. Aber wenn man schon so lange lebte wie er, musste man den Platz im Verstand nur noch wichtigeren Dingen einräumen und alles Unwichtige eben verdrängen.

Mmh, irgendetwas sagte ihm P1 und P2 doch? Aber die Erinnerungen dazu wollten einfach nicht in sein Gedächtnis vordringen.

Was war P1 und P2? Die P-Serie lag schon so lange zurück! Kaliel trommelte nervös mit den Fingern auf die Tischplatte. Mmh, die Zahlen dieser Serie sagten doch schon klar aus, dass es eine der ersten Überwachung überhaupt gewesen sein musste. Aber wen oder was haben sie damals mit der P-Serie überwacht? Doch so sehr Kaliel grübelte, es wollte ihm einfach nicht in den Sinn kommen. Wen haben sie dazumal auf der Erde als erstes überwacht?, sann Kaliel mit fest aufeinander gepressten Lippen nach. Langsam formte sich ein undeutliches Bild in seinem Kopf. Er fuhr sich mit den Händen erneut übers Gesicht und plötzlich wurde ihm ganz flau im Magen.

„Gibt es schon Satellitenbilder?“, fragte er Mallek, seinen GPS-Spezialisten.

„Noch nicht. Aber die Position wird genau in hundertachtundzwanzig Sekunden überflogen und anvisiert!“, gab Mallek ihm zur Antwort. Kaliel lehnte sich in seinem Stuhl zurück, tippte ungeduldig die Fingerspitzen aneinander und wartete. Ihm kam es so vor, als ob die Sekunden eher als Stunden verstrichen; und als dann die ersten gezoomten Bilder endlich aufflackerten, kniff er die Augen zusammen, beugte sich nach vorn, um besser sehen zu können und starrte ungläubig auf die hochauflösenden Satellitenfotos.

2

Schweiz, Sarganserland in unserer heutigen Zeitrechnung n.C.

Das erste, was ich spürte, war eisige Kälte, die mich umgab, als ich kopfvoran aus tiefem Wasser auftauchte. Gierig schnappte ich nach Luft, prustete, hustete und spuckte Wasser aus. Völlig orientierungslos strampelte ich dabei mit Armen und Beinen.

„Elhim!“, rief ich dabei in Panik versetzt, denn er war nicht mehr bei mir! Ich ruderte herum, dann sah ich einige Meter hinter mir seinen reglosen Körper, mit dem Gesicht nach unten, im Wasser treiben. Ich versuchte zu ihm zu gelangen, schwamm ein Stück, doch dann verkrampften sich meine Muskeln. Ich ging unter. Wasser drang dabei in meine Nase ein. Panisch strampelte ich mit Beinen und Armen und versuchte die Krämpfe in meinen Gliedern abzuschütteln, während ich immer weiter in die Tiefe sank. Meine Lungen brannten und verlangten nach Luft. Und beinahe hätte ich dem Verlangen, meinen Mund zu öffnen und einfach einzuatmen, nachgegeben. Doch irgendwie schaffte ich es gerade noch rechtzeitig, mich an die Wasseroberfläche zu kämpfen und dann japsend Luft einzusaugen. Das Wasser war so frostig, dass mein Körper mir einfach nicht mehr gehorchen wollte. Immer wieder verspannten sich meine Glieder und drohten mich durch ihre Steifheit zu ertränken. Doch mit eisernem Willen schaffte ich es schließlich, zu Elhim zu gelangen. Bei ihm angekommen, drehte ich ihn auf den Rücken und packte ihn dann mit einer Hand am Nacken. Danach versuchte ich, so gut es ging, mit ihm im Schlepptau rücklings ans rettende Ufer zu schwimmen. Zum Glück war die Stelle, wo ich das Land erreichte, nicht steilabfallend zum Wasser, sodass ich problemlos aus dem See steigen konnte.

Zitternd vor Kälte und mit letzter Kraft, zerrte ich an Elhims leblosem Körper, packte ihn unter den Schultern und zog ihn dann aus dem eiskalten Wasser ans Trockene. Erschöpft ließ ich mich neben ihn auf die Knie fallen. Ich konnte meine Finger kaum noch fühlen. Sie waren von der Kälte taub und angeschwollen. Trotzdem drückte und schlug ich nun wie wild auf Elhims Brust ein, bis er schließlich einen Schwall Wasser erbrach und dann gierig nach Luft schnappte. Hustend bäumte er sich auf und öffnete seine Augen. Als er mich erkannte, sank er mit einem zufriedenen Lächeln, aber völlig verausgabt, wieder zurück, schloss die Augen und atmete schwer durch. Ich ließ mich erleichtert auf den steinigen Untergrund fallen und streckte mich neben ihm auf dem Rücken liegend aus. Meine Arme verschränkte ich, dabei zitternd vor Kälte, über meinen Brustkorb.

Zum Glück war es Sommer, denn die Sonne trocknete und wärmte rasch unsere unterkühlten Körper. Und als ich endlich spüren konnte, wie wieder Blut durch meine Adern floss, öffnete ich meine Augen und sah zum wolkenlosen, blauen Himmel auf. Meine Hand ertastete dabei einzelne Grashalme, die zwischen den Steinen emporwuchsen. Ich zupfte ein paar davon ab und hielt sie vor meine Augen gegen das Sonnenlicht hin. Langsam wandelten sich die Halme zu drei gelben Schmetterlingen, die sogleich ihre Flügel ausbreiteten und davon flatterten. Lächelnd schaute ich ihnen hinterher, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Dann drehte ich meinen Kopf zu Elhim herum. Seine Brust hob und senkte sich regelmäßig.

Gut, er atmet, dachte ich erleichtert und warf einen kleinen Stein nach ihm.

„Da rettest du mich aus den Klauen von Samiels Brut, dafür ertränkst du uns beide beinahe in einem eiskalten Bergsee. Nun, wenigstens sind wir nicht wieder mitten in einem Rudel von Raubtieren gelandet!“

Elhim sah mich nicht an, trotzdem bemerkte ich, wie seine Mundwinkel zuckten. Und plötzlich, ich wusste dabei gar nicht, wie mir geschah, wälzte er sich mit einem Satz auf mich drauf, packte mich bei den Handgelenken und hielt sie hinter meinem Kopf fest.

„Und ich bin froh, dass ich dich nicht verloren habe!“, sagte er sichtlich erleichtert und sah mit einem liebevollen Lächeln auf mich hinab. Wasser tropfte dabei von seinen feuchten langen Haaren auf mein Gesicht herunter. Er verharrte einen Moment, schien mein Gesicht zu studieren, dann beugte er sich zaghaft zu mir hinunter und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen. Langsam hob er wieder den Kopf, und schien mich von neuem zu studieren. Lange sahen wir uns dabei in die Augen. Und einen kurzen Augenblick lang glaubte ich, tief im Innern seiner leuchtend blauen Ozeane meine abhandengekommene Seelenhälfte zu erkennen. Elhim blinzelte, rollte sich resigniert wieder von mir runter und seufzte: „Ich wünschte, ich könnte alles ungeschehen machen und wieder eins mit dir sein!“

Er setzte sich auf, winkelte nah die Beine an seinen Körper, umschlang sie mit beiden Armen und stützte den Kopf auf die Knie ab. Ich setzte mich ebenfalls auf, rückte dicht an ihn ran, schlang meinen Arm um seine breiten Schultern und lehnte mich mit dem Kopf an ihn.

„Ich auch, ich will das doch auch.“

Er lächelte und hob den Arm, um mich ebenfalls an sich zu drücken. So saßen wir wohl eine geraume Zeit schweigend nebeneinander und blickten auf den türkisfarbenen Bergsee. Leicht kräuselte sich die Wasseroberfläche, als ein schwacher Wind darüber fegte. Der See lag eingebettet zwischen zerklüfteten hohen Felsformationen und schroffen Böschungen mit kleinen knorrigen Stauden und war nur von einem schmalen, steil ins Wasser abfallenden Kiesstrand umrundet.

Nach einer Weile löste ich mich aus seiner Umarmung, stand auf und versuchte, so gut es ging, mit den Fingern meine feuchten langen Haare zu kämmen. Als ich einigermaßen alle Knoten daraus gelöst hatte, fing ich an, sie zu einem Strang zu flechten.

„Komm, ich helfe dir“, bot Elhim mir seine Hilfe an, stand ebenfalls auf und trat hinter mich. Und mit geschickten Händen flocht er mein Haar zu einem langen Zopf.

„Wo, glaubst du, sind wir gelandet?“, fragte ich ihn.

„Das, mein Sonnenschein, werden wir schon noch früh genug herausfinden“, hauchte er mir ins Ohr. Als er fertig war, fasste er mich an den Hüften, zog mich näher zu sich heran, knabberte an meinem linken Ohr und küsste mich schließlich in den Nacken. Wobei eine Hand tiefer hinab auf meine Pobacke rutschte und die andere nach vorne zu einer meiner Brüste. Ein wohliger Schauer erwachte dabei zwischen meinen Beinen und dort, wo er mich berührte, machte sich ein angenehmes Kribbeln breit. Wie selbstverständlich presste ich meinen Körper fester an den seinen und konnte dabei spüren, wie etwas Hartes gegen mein Kreuz drückte. Doch plötzlich eines Besseren besinnend, drehte ich mich abrupt zu ihm um und stieß ihn verärgert von mir weg.

„Elhim, was tust du da! Hör auf damit!“, schimpfte ich mit forschem Ton, „Wir sind doch keine Tiere, wir können nicht…!“

Ich sah ihn dabei zornig an. Doch als ich seinen traurig enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkte, hielt ich inne und bereute sofort meine harschen Worte. Ich wusste, dass er mich begehrte, so sehr, wie ich ihn begehrte. Aber ich konnte doch nicht zulassen, dass wir uns auf die Stufe unserer eigenen Schöpfungen herabließen!

„Aber Lucille, wir sind doch nichts anderes als Tiere. Warum sonst hat Vater uns als Mann und Frau neu erschaffen?“ Er wedelte abschätzig mit den Händen. „Vielleicht findet unsere Seele erst wieder Ruhe, wenn wir uns wie sie körperlich vereinigen!“

Dann sah er mich mit treuherzigen Augen an, hob eine Hand und strich mir sanft über die Wange. „Spürst du es denn nicht? Spürst du nicht dieses elektrisierende Kribbeln im Körper, diese Anziehungskraft, sobald wir uns gegenseitig berühren?“

Ich sah hoch und studierte seinen sehnsuchtsvollen Gesichtsausdruck, während er mit seinen Fingern die Konturen meines Kinns nachfuhr. Ja, vermutlich hatte er Recht damit. Vielleicht waren wir Tiere und eine körperliche Vereinigung könnte wirklich die Qual unserer entzweigerissenen Seele lindern. Doch war es das Risiko wert, alles damit zunichte zu machen, unseren Vater zu enttäuschen und Samiel, und womöglich auch uns selbst, für immer zu verlieren?

Unsicher was ich auf Elhims Worte erwidern sollte, kaute ich auf meiner Unterlippe herum, zuckte schließlich mit den Schultern und sah dann verlegen zu Boden. „Ich weiß nicht, ob es richtig oder falsch ist! Aber ich möchte auch nicht das Falsche tun, sofern es nicht dem Willen unseres Vaters entspricht.“

Dann blickte ich wieder zu ihm hoch und sagte, um vom Thema abzulenken: „Komm, suchen wir uns einen Weg die Böschung hinauf.“

Ich wandte mich rasch von ihm ab und eilte dem Seeufer entlang, während er mir, den Mund zu einer schmalen Linie zusammengepresst, hinterherschaute. Schließlich folgte Elhim mir und holte mich bald mit großen Schritten ein.

Zusammen umrundeten wir den See und suchten eine geeignete Stelle, wo wir am einfachsten die Böschung hinauf klettern konnten, ohne Gefahr zu laufen, den steilen Hang wieder hinunter zu rutschen.

Niedrige Stauden mit kleinen roten Blüten halfen dabei, uns an ihnen festzuhalten und die Anhöhe hinauf zu kraxeln. So gelang es uns schließlich problemlos, den steilen Anstieg bis zum Berggrat hochzusteigen. Oben angelangt, erbot sich uns ein wunderschöner Ausblick. Unzählige andere, zum Teil noch schneebedeckte Berggipfel ragten vor uns in den Himmel. Und zu unserem Erstaunen konnten wir ganz tief unten im Tal, das sich vor unseren Augen erstreckte, große Siedlungen und einen breiten Fluss ausmachen, der sich durch das unebene Gelände schlängelte. Ich runzelte die Stirn, das war nicht unsere riesige Ebene mit der reich bewachsenen Vegetation. Was wir dort unten sahen, war ein schmales Tal mit gerodeten Wäldern, bearbeiteten Feldern und künstlich angelegten Wegen.

„Wo, um Himmels Willen, sind wir gelandet?“, fragte ich Elhim befangen.

„Ich weiß nicht“, gab er mir mit ebenso besorgtem Gesichtsausdruck zur Antwort, „vielleicht auf der anderen Seite der östlichen Bergkette?“

Ich schüttelte den Kopf: „Nein, das müsste ich wissen. Schließlich bin ich von dort hergekommen, als ich nach dir suchte und ich war vorher noch nie auf irgendwelche Siedlungen gestoßen!“

Ich sah erneut nach unten ins Tal und grübelte nach, wie es möglich sein konnte, dass Samiel und seine Anhängerschaft sich in so kurzer Zeit wie ein Parasit auf diesem Planeten ausgebreitet und angesiedelt haben konnte?

Sind in der Zwischenzeit womöglich noch weitere Flugobjekte aus dem All gelandet?

Elhim riss mich aus meinen Gedanken und zeigte aufgeregt mit seiner Hand den Abhang Richtung Tal hinunter. „Schau doch, Lucille. Sieht das dort nicht wie ein Pfad aus? Er scheint nach unten zu führen!“

Ich spähte in die angegebene Richtung und entdeckte den schmalen Weg ein Stück unterhalb von uns.

Seltsam, warum sollten die Riesen einen Fußweg in den Bergen anlegen, wo sie doch jeden Ort mit ihren Flugobjekten erreichen konnten?, fragte ich mich in Gedanken selbst und wollte schon losmarschieren und mich auf den Pfad hinabbegeben, als Elhim mich beim Arm packte und zurückzog.

„Psst, ich glaube, da kommt jemand.“

Schnell duckten wir uns hinter knorrigen Stauden und spähten zwischen kleinen runden Blättern hindurch auf den Weg hinab, wo auch schon drei merkwürdig gekleidete kleine Gestalten um eine Felsecke den Trampelpfad hinauf kamen. Mein Herz pochte heftig, als ich sie erblickte und hoffte, dass sie uns hinter dem Gestrüpp nicht zu entdecken vermochten. Der Vorderste der kleinen Gruppe, ein Mann mit einem schmalen Schnurrbart über der Oberlippe, hielt in beiden Händen einen metallenen Stock fest, die er mit jedem Schritt abwechselnd vor sich in die Erde stemmte. Über seinem Rücken hing ihm ein rotfarbener Sack, der je mit einem schwarzen Riemen über seine beiden Schultern und einem um seinen Bauch befestigt war. Auch die anderen zwei buckelten solche Säcke. Alle trugen enge blaue Beinbekleidungen, die ihnen bis hinunter zu den Fußknöcheln reichten und ebenso enganliegende Oberbekleidungen. Wobei die Stoffe ihrer oberen Körperverhüllungen verschiedenfarbig waren und zum Teil auf Brusthöhe fremdartige Schriftzeichen aufwiesen. Ihre Köpfe wurden von sonderbaren bunten Mützen bedeckt, die an der Vorderseite lange Krempen hatten und ihre Gesichter beschatteten. Ihre Füße steckten in klobigen braunen Schuhen, mit einer festen schwarzen Sohle. Die mittlere der drei Gestalten war von sehr kleiner Statur, doch da sie das Gesicht von uns abwandte, konnte ich nicht erkennen, ob es sich um einen Mann oder einer Frau handelte. Wohingegen ich bei der dritten Person deutlich weibliche Züge feststellen konnte. Ohne uns zu bemerken, marschierten sie geradewegs unterhalb von uns vorbei und wechselten Worte in einer uns fremden Sprache, die aber völlig anders klang als die, die wir von den Riesen aus unserer Gefangenschaft kannten.

Als sie hinter einer weiteren Wegbiegung verschwanden und ich mir sicher sein konnte, dass sie uns nicht mehr hörten, flüsterte ich verwundert: „Was sind das für seltsame Wesen? Sind dir solche je schon mal begegnet?“

Elhim schüttelte den Kopf. „Nein, solche Gestalten habe ich bisher auch noch nie zu Gesicht bekommen.“

Er schürzte die Lippen und starrte grüblerisch in die Richtung, in der die kleine Gruppe eben noch entlanggelaufen war. „Keine Ahnung, was das für welche sind und ob sie auch zu Samiel gehören. Aber auf jeden Fall finde ich, dass wir uns auch vor ihnen in Acht nehmen sollten!“

Ich kratzte mich am Hinterkopf. „Denkst du, sie könnten ebenfalls aus seiner Hexenküche stammen?“ Nur allein schon der Gedanke daran, was für scheußliche Kreaturen Samiel bis jetzt hervorgebracht hatte, ließ mich erschaudern

Elhim sah mich mit nachdenklich hochgezogenen Augenbrauen an und zuckte nur mit den Schultern. „Möglich!“

„Vielleicht sollten wir ihnen unauffällig folgen, um zu erfahren, wer sie sind und was sie vorhaben“, schlug er mir dann vor.

„Wenn sie zu Samiel gehören, dann arbeiten sie bestimmt auch für die Riesen.“ Ich schüttelte energisch den Kopf. „Nein, ich will dieses Risiko nicht eingehen. Ich will nicht, dass wir wieder in ihre Gefangenschaft geraten!“

„Hey, das wird nicht wieder geschehen. Ich passe dieses Mal auf, versprochen!“ Er hob eine Hand, strich sanft mit seinem Daumen über meine Wange und sah mich mit einem leicht gequälten Lächeln an. „Ich werde nicht zulassen, dass sie dir nochmals wehtun!“

Sicher, seine Worte sollten mich beruhigen, doch in seinem geplagten Blick erkannte ich, dass er im Moment, wegen des eben gemachten Dimensionssprungs, keine Magie mehr wirken und uns somit auch nicht aus einer Gefahrensituation retten konnte. Elhim wickelte eine Haarsträhne, die mir aus dem Zopf gefallen war, um seine Finger und zupfte leicht daran. „Außerdem, waren es nicht deine Worte, als du mir gesagt hast, dass es unser Auftrag sei, uns gemeinsam gegen Samiel zu stellen?“

Ich schaute einen Moment lang schmollend in seine leuchtend blauen Augen, die mich forschend betrachteten. Und als ich schließlich seiner Aussage widerwillig mit einem Nicken zustimmte, wies er mit dem Kopf in Richtung der eben um die Ecke verschwunden fremden Wesen und fragte: „Bringst du das hin?“

„Was bringe ich hin?“

Er drehte sich zu mir um und zeigte mit dem Daumen über seine Schulter. „Na, diese komische Körperbedeckung. Ich denke, wir würden weniger auffallen, wenn wir auch solche Sachen tragen würden wie sie. Oder sollen wir weiterhin so herumlaufen?“ Er erhob sich und zeigte dabei auf unsere spärliche Körperbedeckung aus leinenartigen Stoffbahnen, die wir seit unserer Gefangenschaft trugen und die unsere Blöße nur knapp bedeckten.

„Ach so.“ Ich nickte und suchte mir ein paar kleine Steine zusammen, legte sie vor mir auf einen kleinen Haufen und hielt meine Hände darüber. Dann schloss ich meine Augen und konzentrierte mich auf den Zauber, der die Steine in Kleider verwandeln sollte. Doch dies war nicht so einfach! Wie sollte ich Bekleidung erschaffen, von der ich keine Ahnung hatte, woraus sie überhaupt bestand? Vor allem, da ich zuvor noch nie mit solchen Materialien in Berührung gekommen war.

Ohne einen Zauber gewirkt zu haben, öffnete ich wieder meine Augen und sah ratlos zu Elhim hoch: „Ich habe keine Ahnung, wie ich es machen soll!“

„Wie, was, keine Ahnung?“ Er sah mich verwirrt an. „Du hast keine Magie mehr?“

„Doch schon, aber ich weiß nicht, aus was für Materialien ich diese Kleider zaubern soll.“

Sichtlich erleichtert fasste sich Elhim an die Brust: „Puh und ich dachte schon…“, dann sah er schmunzelnd zu mir hinunter und zeigte auf die Stoffbahn, die ich mir um Brüste und Unterleib gewickelt hatte, „Mach sie doch einfach aus demselben Stoff.“

Ich sah an mir selbst hinab und dann wieder hoch zu ihm und zuckte mit den Schultern: „Gut, wenn du meinst…“

Das erste Kleidungsstück, das ich schließlich in den Händen hielt, war für die Verhüllung der Beine gedacht. Ich hatte es in demselben blauen Farbton gefertigt, wie ich es bei den drei merkwürdigen Wesen gesehen hatte. Oben am Bund hatte ich einen Stoffgürtel angebracht, den man sich um den Bauch schnüren konnte, damit einem die Beinbekleidung nicht wieder von den Hüften rutschte.

„Probiere es mal an.“ Ich warf es Elhim zu, der sich inzwischen auf einen großen Stein gesetzt hatte. Er fing es auf und betrachtete das Kleidungsstück misstrauisch, zwängte dann aber schließlich, nachdem er zuerst sich seiner Stoffbahn entledigt hatte, sein rechtes, dann sein linkes Bein hindurch. Um es aber über seinen Po ziehen zu können, musste er dafür aufstehen. Von einem Bein aufs andere hüpfend, zog er sich den Bund über seine schmalen Hüften. Ich sah ihm dabei zu und musste beim Anblick seiner komischen Verrenkungen unweigerlich kichern. Er schielte ärgerlich zu mir hinüber und versuchte gleichzeitig unbeholfen den tiefsitzenden Bund an seiner Taille zu verschnüren. Als er damit fertig war, hob er seine Arme und strahlte mich an. „Na, wie sieht es aus?“

„Gut, sehr gut sogar!“, sagte ich mit ehrlicher Bewunderung.

„Und jetzt bist du dran“, forderte er mich auf.

Schnell schuf ich nochmals dieselbe, aber etwas kleinere, Beinverhüllung für mich selbst und schlüpfte dann rasch, nachdem ich mich ebenfalls zuvor von meinen alten Sachen entledigt hatte, in sie hinein. Und entgegen meiner Befürchtung war diese Beinbekleidung gar nicht mal so unbequem und sie passte mir zudem wie angegossen. Elhim beäugte mich dabei skeptisch, nickte dann aber anerkennend. Danach zauberte ich uns noch die Stoffe für die Verhüllung der Oberkörper. Für Elhim ein weißes und für mich ein grünes, die wir uns dann ebenfalls rasch überzogen. Auch unsere Füße mussten noch in das ungewöhnliche Schuhwerk gezwängt werden, das ich uns ebenfalls rasch und unkompliziert schuf. Doch mit diesen Dingern konnten wir uns überhaupt nicht recht anfreunden. Sie schützten zwar unsere Fußsohlen vor Dornen und spitzen Steinen, dafür konnten wir aber die Energie der Erde nicht mehr unter unseren Füßen spüren. Elhim meinte, wir sollten sie trotzdem anbehalten, um nicht aufzufallen.

Schließlich fertig angekleidet, begutachteten wir uns gegenseitig. Elhim forderte mich dabei auf, mich einmal um mich selbst zu drehen.

„Wow, daran könnte ich mich gewöhnen!“ Er starrte mit einem sonderbaren Ausdruck in seinen Augen auf meine Brüste, die sich durch den enganliegenden Stoff deutlich abzeichneten. Ich sah an mir hinab und dann wieder zu ihm auf. Grollend stieß ich ihn mit beiden Armen vor die Brust, sodass er ein paar Schritte rückwärts taumelte und machte dabei nur: „Tssss!“

Er grinste.

Nachdem ich für uns ebenfalls noch zwei der eigenartigen Rucksäcke gefertigt hatte, stiegen wir zum Pfad hinunter und eilten mit schnellen Schritten den gleichen Weg entlang, wie eben noch die drei uns unbekannten Gestalten. Auf einer kleinen Lichtung, eingebettet zwischen hohen Bäumen mit nadelartigen grünen Blättern und anderen niederen knorrigen Gewächsen, holten wir sie schließlich ein. Die Drei hatten sich etwas unterhalb des Bergpfades um ein kleines Lagerfeuer niedergelassen und unterhielten sich lebhaft in der uns unbekannten Sprache. Qualm erhob sich von dem Feuer, das eben erst entzündet worden war.

Zögerlich und mit vor Angst wild klopfendem Herzen näherten wir uns der kleinen Gruppe. Wenn wir herausfinden wollten, wer sie waren und was sie vorhatten, musste ich einen körperlichen Kontakt mit ihnen herstellen. Nur so war es mir möglich, die benötigten Informationen aus ihren Körpern zu ziehen.

Ich konnte Elhims Anspannung deutlich spüren, denn er hielt meine Hand fest gedrückt. Und so ließen wir es mit gemischten Gefühlen darauf ankommen, ob uns diese Gestalten angreifen würden oder auch nicht.

Als einer von ihnen aufstand, um neues Brennholz ins Feuer zu legen, bemerkte er uns aus dem Augenwinkel, wandte sich in unsere Richtung um und riss bei unserem Anblick weit die Augen auf. Sein Kieferladen klappte nach unten und das Holz in seinen Armen fiel zu seinen Füßen. Die beiden anderen bemerkten seine entsetzte Reaktion und schauten dann ebenfalls erstaunt und mit fassungslosen Gesichtern zu uns hinauf.

Uns war bewusst, dass wir wohl wegen unserer enormen Größe ihnen gegenüber wie Riesen erscheinen mussten und trotzdem fürchteten wir, dass sie uns nun angreifen könnten. Innerlich wappnete ich mich schon für einen Kampf. Doch zu unserer Überraschung starrten die Drei uns nur scheinbar bewegungsunfähig an. Und als sie aus ihrer kurzen Schreckstarre erwachten, beäugten sie uns zwar immer noch argwöhnisch, nickten uns aber dann freundlich zu und machten sich wieder daran, das Feuer zu schüren.

Wachsam traten wir näher und nickten ebenfalls höflich. Ich stupste Elhim mit der Schulter an: „Sie haben Waffen!“

Ich flüsterte so leise, sodass nur er mich hören konnte und wies unmerklich mit meinem Kinn auf das Messer, mit dem eines der kleinen Wesen gerade einen langen Holzspieß bearbeitete. Doch der Kleine machte keine Anstalten, uns damit zu bedrohen, sondern klappte das Messer nach getaner Arbeit zu und steckte es in eine Tasche seiner Beinbekleidung. Dann entnahm er seinem Rucksack einen braunen länglichen Gegenstand, den er vorher aus einem silbrigen Papier ausgewickelt hatte und steckte es auf die geschnitzte Spitze des dünnen Asts. Voller Stolz über sein gelungenes Werk, trat er zum Feuer und hielt den Spieß mit dem braunen komischen Ding über die Flammen. Dasjenige Wesen, das ich als Mann einschätzte, trat neben die kleinere Gestalt und hielt seinen Spieß dann ebenfalls über das Feuer. Die andere Gestalt hielt auf einmal ein kleines flaches rechteckiges Kästchen in den Händen, mit dem sie auf uns zeigte. Ich befürchtete schon, dass sie jetzt auf uns schiessen würde und drückte mich fester an Elhims Seite. Auch Elhim zuckte zusammen. Doch nichts geschah. Die Frau lächelte scheinbar zufrieden und steckte das rechteckige Ding wieder weg und gesellte sich danach zu den anderen beiden. Während sie zusammen um das Feuer standen und ihre langen Spieße in die Gluten hielten, unterhielten sie sich lebhaft. Wobei sie uns immer wieder verstohlen neugierige Blicke zuwarfen.

Elhim und ich standen unschlüssig da, bevor wir uns etwas abseits von den Dreien auf einen umgestürzten Baumstamm setzten. Ich beobachtete, wie einer mit dem Kinn in unsere Richtung wies, dann löste er sich von der Gruppe und kam zögerlich auf uns zu. Ich stutzte, denn ich konnte nicht einordnen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Seine Gesichtszüge ähnelten jedoch sehr denen des anderen Mannes. Und da diese Ähnlichkeit so prägnant war, fragte ich mich, ob sich diese Wesen ebenfalls wie die Tiere fortpflanzten und Junge gebaren. Auf jeden Fall war das Wesen, das uns nun entgegentrat, sehr klein und wirkte noch sehr jung. Es konnte also durchaus ein Junges der anderen zwei sein. Es hatte kurzgeschnittenes kupferbraunes Haar und winzig kleine hellbraune Flecken in seinem Gesicht, die vor allem um seine Nase und über seinem Jochbein verteilt waren und ihm ein verschmitztes Aussehen verliehen.

Es sprach uns an, doch die Worte waren für mich und Elhim völlig unverständlich. Sie hörte sich eigenartig an. Mit vielen chs… und gerollten rrs…, die tief aus seiner Kehle kamen.

Dann hielt es uns den Spieß mit dem angebrannten länglichen Ding vorne auf der Spitze entgegen. Und auf seinem Gesicht kam ein breites Grinsen mit einer Reihe weißer Zähne zum Vorschein. Das komische braune Ding roch widerlichen nach Tod. Ähnlich dem, was wir in unserer Gefangenschaft von den Riesen vorgesetzt bekommen hatten. Ich rümpfte die Nase, nutzte aber sofort die höfliche Geste des jungen Wesens und berührte es kurz an seiner Hand. Seine blaugrauen Augen verdunkelten sich und sein Blick ging für einen Bruchteil von Sekunden ins Leerelose. Für mich aber genug Zeit, um mir einen Großteil seiner Sprache anzueignen. Doch unter der riesigen Flut an weiteren Informationen, die ebenfalls auf mich hereinstürmte, drohte mein Verstand zu kollabieren. Hastig und schockiert zugleich, zog ich meine Hand wieder zurück und musste erst einmal schwer durchatmen.

Der Junge blinzelte jedoch nur kurz, als ob nichts geschehen wäre und sagte, in nun verständlicher Sprache für mich: „Ihr dürft meine Wurst gerne essen, ich habe noch zwei weitere dabei.“

„Danke, dass du mir deine… mmh…“ Ich hüstelte kurz in meine Faust, denn immer noch drehte sich mir, von der riesigen Informationsflut, der Kopf „… Wurst anbietest, aber wir haben keinen Hunger. Wir wollen uns hier nur ein bisschen ausruhen.“ Das war natürlich gelogen, denn in Wirklichkeit knurrte mir fürchterlich der Magen. Seit unserer Zurschaustellung in der Arena der Riesen hatte ich nichts mehr zwischen die Zähne bekommen. Elhim wohl auch nicht, denn in diesem Moment rumorte laut hörbar sein Magen. In der ganzen Hektik mit unserer Flucht und dann noch mit der Begegnung dieser sonderbaren Wesen hatte ich einfach vergessen, uns Nahrung zu zaubern. Und jetzt wurde mir umso mehr bewusst, wie sehr ich Hunger und Durst hatte. Aber das Wissen, dass diese Wurst, die mir der Junge freundlicherweise anbot, aus dem Fleisch geschlachteter Schweine gemacht war, verdarb mir augenblicklich den Appetit.

Der Junge sah mich etwas enttäuscht an. „Nicht? Wirklich?“ Doch dann hellte sich sein Gesichtsausdruck auf. „Och, selbst schuld! Wenn ihr sie nicht wollt, dann esse ich sie eben.“ Er rieb sich mit der freien Hand über den Bauch. „Ich habe nämlich einen Bärenhunger!“

Er wollte sich schon von uns abwenden, als er es sich scheinbar anders überlegte und sich wieder etwas verlegen an Elhim wandte. „Ähm… bist du Herkules?“

Elhim sah mich fragend an. Und da er die Sprache des Jungen nicht verstand, antwortete ich an seiner Stelle.

„Herkules? Nein, er ist nicht Herkules.“

„Och schade…, ich dachte nur…“, meinte der Junge etwas beschämt, „Herkules ist doch auch so groß und so stark!“

„Wer ist denn Herkules?“, wollte ich wissen.

Der Junge sah mich mit großen Augen ungläubig an. „Du kennst Herkules nicht?“

Ich schüttelte verneinend den Kopf.

„Peter!“, rief der Vater in unsere Richtung. „Lass die Leute mit deinen Geschichten in Ruhe und komm wieder zum Essen zu uns hinüber!“

Peter trat näher an mich heran und flüsterte: „Herkules ist der Sohn des Zeus und einer Menschenfrau. Ein Halbgott und der stärkste Mann auf Erden!“

Jetzt sah ich ihn mit großen Augen an: „Ach ja?“ Ich hatte keine Ahnung, von wem oder was er sprach.

Er nickte, wie zur Bestätigung, zwinkerte verschmitzt und machte auf dem Absatz kehrt. Auf halben Weg warf er uns noch einmal einen entschuldigenden Blick über seine Schulter hinweg zu und hüpfte dann fröhlich zu seinen Eltern, die sich bereits etwas weiter vom Feuer entfernt wieder hingesetzt hatten, und genüsslich ihre Würste verspeisten.

Elhim sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen fragend an und ich wies mit den Augen zum Pfad hinauf, während ich ihm gleichzeitig den Ellbogen in die Rippen stupste. Einerseits war ich erleichtert über die glimpflich verlaufene Begegnung mit den eigenartigen Wesen und andererseits auch etwas beunruhigt mit dem, was ich von dem Jungen in Erfahrung gebracht hatte. Ich wollte unbedingt ungestört mit Elhim darüber reden können. Mir war bewusst, dass sie unsere Sprache nicht verstanden und wir in ihrer Gegenwart alles hätten besprechen können. Aber ich wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns lenken, denn ich hatte in dem Jungen deutlich eine schwache Präsenz Samiels wahrgenommen. Und daher war es mir nur Recht, so schnell wie möglich von ihnen wegzukommen.

Ich stützte meine Hände auf die Knie ab, erhob mich und hielt danach Elhim meine Hand entgegen, um ihm ebenfalls aufzuhelfen. Seine Finger fest mit den meinen verschränkt, zog ich ihn schließlich hinter mir her zum Bergpfad hinauf und winkte gespielt fröhlich der Familie zum Abschied zu.

„Puh, die waren ja richtig nett“, meinte Elhim erleichtert und wischte sich mit dem Handrücken den Angstschweiß von der Stirn. Dann sah er mich fragend an: „Und, was konntest du herausfinden?“

„Mmh, naja“, entgegnete ich nachdenklich, während ich gleichzeitig nochmals die neu erworbenen Informationen des Jungen in meinem Kopf abspulte. „Da war so eine… schwache Präsenz von Samiel!“

Elhim hob erstaunt die Brauen, während er neben mir auf dem schmalen Pfad herging. „Ehrlich? Dann gehören sie also doch zu ihm?“

„Ja und nein…“, meinte ich zögerlich, währenddessen ich selbst noch zu verstehen versuchte, was ich da in Erfahrung gebracht hatte.

Ich blieb stehen: „Da ist einerseits diese Präsenz von Samiel, ja…“ Ich runzelte die Stirn „Und andererseits… aber auch etwas von uns!“

„Etwas von uns?“ Elhim blieb ebenfalls stehen und wandte sich zu mir um. Zwischen seinen Augen hatte sich eine steile Falte gebildet. „Das ist doch völlig unmöglich!“

Ich zuckte mit den Schultern: „Mhm, ist aber so“, und ging weiter den Pfad entlang.

„Ich kann es mir auch nicht erklären, Elhim, aber es ist so, wie es ist. Zumindest habe ich es so bei diesem Jungen wahrgenommen!“

„Junge?“, fragte er und eilte hinter mir nach, da der Pfad inzwischen schmaler geworden war, als dass wir nebeneinander gehen konnten.

„Ja, Junge. Es ist ihr Junges, ihr Sohn.“

„Sohn… mmh“, wiederholte Elhim grüblerisch. „Konntest du auch erfahren, woher sie kommen?“

„Woher sie kommen… mmh… mal sehen…“, ich forschte kurz in meinem inneren Speicher nach. „Ich erkenne da einen Namen… warte mal…“, ich blieb wieder stehen, „mmh… ja genau, Rorschach!“

„Rorschach? Was ist denn…“

„Au!“

„Ups… oh, Entschuldigung.“ Elhim war in mich hineingelaufen. Ich wandte mich zu ihm um und sah ihn ärgerlich an. Er grinste schief und trat einen Schritt zurück.

„Was ist das, Rorschach?“, wiederholte er dann seine Frage.

„Keine Ahnung“, gab ich ebenso verwundert zurück.

Und als ich in meinem Kopf weitersuchte, runzelte ich abermals meine Stirn. „Ich sehe da viele Gebäude, Wege und Straßen mit… Autos. Genau, der Junge sagt zu diesen Fahrzeugen Autos! Und viele Menschen, die dort in diesem Ort hausen.“

„Menschen? Nennen sich diese Wesen so?“, wollte Elhim wissen.

„Ja, ich glaube schon. Auf jeden Fall sieht es der Junge so. Warte mal, dann gibt es eine… mmh… Schriftsprache, die sie Deutsch nennen… ja genau… Deutsch. Sie sprechen aber einen Dialekt, den sie wiederum als Schweizerdeutsch bezeichnen. Mmh… das ist aber eigenartig… da gibt es noch viele andere Sprachen, aber der Junge kann sie nicht verstehen.“

Ich verwarf entrüstet die Hände: „Ach… es ist echt schwierig, alles klar zu erkennen.“ Ich marschierte wieder los. „Weißt du, einerseits vermischen sich die realen Erfahrungen dieses Jungen mit Bildern aus einem rechteckigen Apparat, den er… mmh… Fernseher nennt und andererseits musste ich die Verbindung zu ihm vorzeitig abbrechen, da der Datenfluss einfach zu viel für mich wurde.“

Ich sah über die Schulter hinweg zu Elhim, der hinter mir auf dem schmalen Pfad herging und lächelte ihn an: „Aber wenigsten habe ich einen großen Teil ihrer Sprache aufgenommen. Zumindest so, wie sie der Junge beherrscht.“

Elhim legte die Stirn in Falten und sah mich mit schräg gelegtem Kopf an. „Was ist denn ein Fernseher? Können sie damit in die Ferne schauen?“

Da ich selbst zu wenige Hinweise über die Funktion dieses sonderbaren Apparates aufgenommen hatte, zuckte ich nur mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber ich vermute, dass es so etwas ähnliches sein muss, wie die Kameras der Riesen. Aber wie gesagt, ich habe da einfach zu wenige und ungenaue Bilder erhalten.“

Ich lauschte nochmals konzentriert in mich hinein und durchwühlte meine neu erworbenen Kenntnisse genauer nach aufschlussreicheren Informationen, die uns weiterhelfen konnten, dabei kam mir auf einmal ein schrecklicher Verdacht auf.

„Sag mal, Elhim,“ fragte ich dann argwöhnisch und drehte mich zu ihm um, „hattest du eigentlich ein besonderes Ziel vor Augen, als du uns hierherbrachtest?“

Er sah mich unsicher an. „Wieso? Du weißt doch selbst, dass ich nie genau weiß, wo ich jeweils rauskomme.“

„Ja, aber ich meine, ob du diesmal überhaupt ein Ziel vor Augen hattest“, wollte ich genauer wissen.

Elhim schürzte seine Unterlippe nach vorn und überlegte kurz. „Ich glaube nicht… Nein, ich habe mir diesmal kein Ziel vor Augen gesetzt. Ich wollte uns da einfach nur rausbringen!“, gab er schließlich kleinlaut zu.

„Glaubst du, wir sind womöglich auf einem anderen Planeten gelandet?“, hörte ich ihn hinter mir befangen nachfragen, als ich mich wieder umdrehte, um weiter zu marschieren.

Ich machte mit der Hand eine abschätzige Bewegung nach hinten. „Nein, das denke ich nicht. Ich glaube eher, wir stecken hier in einer anderen Zeit fest!“ Erneut rief ich mir im Geiste die Hinweise des Jungen auf. „Ja, es muss so sein. Das ist die einzige logische Erklärung. Wir stecken in einer anderen Zeit fest!“, bekräftigte ich meine eigenen Gedanken nochmals laut.

Elhim blieb bei meinen Worten abrupt stehen und schüttelte verdutzt den Kopf: „Das ist unmöglich, ich kann doch gar nicht in eine andere Zeit…“

„Was ist, kommst du!“, rief ich über die Schulter hinweg. Und als ich zu ihm zurücksah, konnte ich in seinem Mienenspiel deutlich erkennen, wie sich seine Gedanken im Kopf überschlugen. Dann sah er zu mir hinüber, räusperte sich konsterniert und eilte mir mit raschen Schritten nach.

Inzwischen kamen wir zu einer Wegverzweigung, wo zwei metallene Tafeln in Form von gelben Pfeilen an einem Felsen angebracht waren. Sie wiesen je in eine Richtung der beiden Wege und waren mit uns unbekannten Schriftzeichen versehen. Elhim studierte die Wegweiser aufmerksam und schüttelte schließlich nur verwirrt den Kopf. Ich lächelte, denn ich hatte durch die Berührung des Jungen nicht nur die Fähigkeit erlangt, in seiner Sprache zu reden, sondern auch einfache Worte und Sätze zu lesen und zu schreiben.

„Gib mir deine Hand, Elhim, dann kann ich dir meine neu erworbenen Informationen übermitteln, die ich von dem Jungen erhalten habe.“

Ich hielt ihm meine offene Hand entgegen und er legte seine erwartungsvoll in die meine. Dann schloss ich die Augen, konzentrierte mich und ließ schließlich meine informelle Energie in ihn fließen. Elhims Augen weiteten sich dabei immer mehr und sein ganzer Körper nahm eine versteifte Haltung ein. Als ich mit der Übertragung fertig war, tätschelte ich mit meiner freien Hand auf die seine, die immer noch fest meine andere Hand umklammert hielt, sodass es richtiggehend schmerzte. Elhim blinzelte verwirrt, atmete schwer durch und schien dann wieder aus seiner steifen Haltung zu erwachen. Erst danach ließ er mich los und sah mich verstört an. „Batman? Minions? Was um Himmels Willen soll denn das sein?“ Fassungslos schüttelte er den Kopf.

Ups, da hatte ich wohl etwas zu viel in ihn hineinfließen lassen. Denn genau an dieser Stelle musste auch ich meine Hand von dem Jungen lösen, da der enorme Informationsfluss sonst drohte, meinen Verstand zu überfordern. Ich sah zu ihm auf und grinste schief. „Ähm…, ich glaube, dieser Batman und diese Minions existieren nicht wirklich! Denn Peter hat diese Erinnerung aus diesem Apparat, den er Fernseher nennt. Aber lass uns das später diskutieren und schauen wir mal zuerst, ob wir nun die Tafeln entziffern können.“

Ich drehte mich zu den Wegweisern um und studierte die Schriftzeichen stumm, während Elhim hinter mich trat und über meine Schultern hinweg, die Zeichen laut zu Buchstabieren versuchte.

„Berggasthaus, dreieinhalb bis vier Stunden. Tristelhorn fünf Stunden.“ Konnten wir schließlich zusammen entziffern.

„Was ist ein Tristelhorn?“, grübelte Elhim laut nach. Ich hob beide Schultern und prustete: „Keine Ahnung. Aber Haus bedeutet in ihrer Sprache so etwas wie ein Gebäude oder eine Behausung.“

Elhim nickte und sah dann zu den Berggipfeln hoch: „Ich vermute, das Tristelhorn ist eher so etwas wie ein Bergspitz und das Berggasthaus irgendeine Art Unterkunft.“

Dann wandte er sein Gesicht gegen den Himmel. „Der Sonne nach ist es schon Nachmittag. Es wäre schon von Vorteil, wenn wir irgendwo für die Nacht einen Unterschlupf finden könnten.“

Ich sah ihn fragend an. „Du hast doch nicht etwa vor, in dem Haus, bei diesen Menschen zu übernachten?“

„Nun ja, es wäre einfacher, als jetzt irgendwo noch eine Höhle zu suchen. Außerdem könnten wir dann noch mehr über sie herausfinden.“

Ich schürzte skeptisch die Lippen. „Sollen wir dieses Wagnis wirklich eingehen? Was ist, wenn sie uns an Samiel verraten?“ Elhim hob eine Hand und schob mir die Strähne hinter das Ohr, die sich auf meinem Haarzopf gelöst hatte und strich danach mit dem Daumen meine Wangenkontur entlang. Dann meinte er lächelnd: „Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Und irgendwie und irgendwo müssen wir ja mit unserer Mission beginnen. Außerdem gibt es in den Erinnerungen des Jungen keine Hinweise dafür, dass er Samiel kennt. Und da diese Menschen ja auch etwas von uns in sich haben, dürften sie uns nicht unbedingt feindlich gesinnt sein.“

Ich kaute unschlüssig auf meiner Unterlippe herum. „Na gut, aber du sollst wissen, dass ich von nun an meine Magie nicht mehr zurückhalten werde, gleich, was auch immer geschehen mag, auch wenn ich mich dadurch selbst verrate. Ich werde uns nicht noch einmal Samiels Knechtschaft ausliefern!“

Elhim umrahmte mein Gesicht mit seinen Händen, drückte sanft seine Lippen auf meine Stirn und sah mich dann wieder mit einem leisen Prusten an. „Sicher, ich will das auch nicht. Und trotzdem sollten wir mit unseren Gaben sorgsam umgehen. Denn solange Samiel nicht weiß, zu was wir alles fähig sind, haben wir den Vorteil auf unserer Seite.“

Er sah mir dabei eindringlich in die Augen, bis ich tief einatmete und nickend zustimmte.

„Also, dann lass uns aufbrechen und diese Zeit und diesen Ort mit ihren Menschenwesen erkunden!“, meinte er schließlich voller Enthusiasmus und klopfte mir dabei aufmunternd auf die Schulter.

Und so machten wir uns wieder auf und wanderten den von den Pfeilen weisenden Weg Richtung Berggasthaus entlang.

Unterwegs verstrickten wir uns in eine lautstarke Diskussion über die Informationen, die ich aus dem jungen Menschenwesen herausgelesen hatte. Peter hiess der Junge, war gerade mal neun Jahre alt, wohnte mit seinen Eltern in einer Gemeinde, die Rorschach genannt wurde und besuchte dort die dritte Realklasse. Diese Klasse war eine Schule für Menschenkinder, wo sie von Erwachsenen in diversen Sachen, wie zum Beispiel das Lesen, Schreiben oder Mathematik, unterrichtet wurden. Auch Erdkunde, Geschichte, Religion und Sport gehörten dazu. Weiter fanden wir heraus, dass Peter und seine Eltern ein paar Tage Urlaub bei seinen Großeltern in Sargans verbrachten und sie hier oben in den Bergen unterwegs waren, um zu wandern. Man muss sich das einmal vorstellen! Diese Wesen marschieren nicht zu Fuß, um von einem Ort zum anderen zu gelangen, sondern sie wandern als Freizeitbeschäftigung! Aber es gab da nicht nur das Wandern, nein, da gab es noch unzählige andere unsinnige Sachen, mit denen sich die Menschen in ihrer Freizeit beschäftigten. Fragwürdige Dinge wie Einkaufen, Sport oder Fernsehschauen. Elhim und ich konnten über diesen Unsinn nur den Kopf schütteln.

Wir waren überzeugt, dass es im kurzen Leben dieses Jungen einige verfälschte Erinnerungen geben musste, die mit viel Fantasie vermischt worden waren. Denn dass es riesige Flugobjekte geben sollte, die mehrere Menschen von einem Ort zum anderen transportierten, oder Fahrzeuge, die mit enormer Geschwindigkeit über künstlich angelegte Wege brausen sollten, konnten wir uns ja noch vorstellen, da wir dies ja schon selbst mit eigenen Augen beobachtet hatten. Aber dass Männer mit Fledermauskostüme durch die Luft schwebten, oder gelbe eiförmige Wesen mit nur einem riesigen Auge wirklich existieren sollten, das überstieg bei Weitem auch unsere Vorstellungskraft. Vor allem, da Peter diese fantasiereichen Erinnerungen nicht selbst erlebt, sondern aus dem Apparat hatte, den er Fernseher nannte. Auch über ein eigenartiges Spiel, dem Peter sehr angetan war, wunderten wir uns. Denn dabei stritten sich zweiundzwanzig Männer um einen Ball! Völlig in unserem Gespräch vertieft, wanderten wir weiter den Pfad hinunter, der uns an zahlreichen knorrigen Sträuchern mit kleinen roten Blüten vorbeiführte. Wir trafen auch auf Blumen mit spitzen blauen Kelchen, oder niedrig wachsende Pflänzchen mit weißen Rosetten und noch viele Pflanzen und Blumen mehr, die wir weder kannten noch je zuvor gesehen hatten. Auch die hohen Bäume mit den grünen stachelartigen Blättern säumten immer öfters unseren Weg. Und endlich, nach einigen Stunden des Fußmarsches, kamen wir kurz vor Sonnenuntergang bei dem Berggasthaus an.

Die aus Holz gebaute Hütte ragte stolz auf einem Steinplateau auf, nah über einer beinahe senkrecht abfallenden Felswand. Neben dem Haus, an einer langen Stange befestig, flatterte im Wind ein großes viereckiges rotes Stück Stoff, das in der Mitte ein dickes weißes Kreuz trug.

Wir stiegen die paar Steinstufen zum Haus hinauf und betraten die Terrasse. Vier Menschenwesen, zwei Frauen und zwei Männer, saßen an einem hölzernen Tisch und tranken aus merkwürdigen durchsichtigen Kelchen. Als eine der Frauen uns erblickte, verschluckte sie sich an ihrem Getränk und musste, nach Luft ringend, husten. Der Mann, der rechts neben ihr saß, klopfte ihr auf den Rücken und redete beruhigend auf sie ein. Nachdem sie sich wieder etwas gefasst hatte, sprach sie aufgeregt zu ihren Begleitern und zeigte dabei in unsere Richtung. Die anderen drehten sich ebenfalls um, nur um kurz danach ihre Köpfe zusammenzustecken und, mit verstohlenen Blicken in unsere Richtung, miteinander zu tuscheln. Doch keiner von ihnen machte Anstalten, uns anzugreifen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, dass diese Menschen uns nicht feindlich gesinnt waren und deren Sorge wohl nur unserem Aussehen galt. Elhim und ich beachteten sie nicht mehr weiter und gingen rund um das Haus herum zum Eingang.

Ein älterer Mann, ein dichter weißer Bart umrundete seine Wangen- und Kinnpartie, hockte links neben der Türe auf einer Holzbank. Ein gebogener Gegenstand klemmte zwischen seinen Zähnen, mit dem er kleine Rauchringe in die Luft blies. Als er uns erblickte, klappte sein Kiefer nach unten und das rauchende Utensil drohte aus seinem Mund zu fallen. Flink packte er es im letzten Moment mit seiner schwieligen rechten Hand und bekam dabei einen Hustenanfall.

„Heiliger Bimbam. Aus welchem Hollywoodfilm seid ihr denn entsprungen?“, krächzte er immer noch hustend.

Elhim und ich sahen uns fragend an. Ich trat einen Schritt vor und versuchte mich, in meiner neu erworbenen Sprache: „Können wir hier übernachten und vielleicht auch noch etwas zu essen bekommen?“

Der Blick des alten Mannes wanderte stirnrunzelnd von meinen Füßen nach oben zu meinem Gesicht. Dann stand er gemächlich von seiner Bank auf, schritt auf den Eingang zu und winkte uns mitzukommen. „Kommt, hier entlang!“

Gespannt, was uns im Inneren dieser Hütte wohl erwarten würde, folgten wir ihm durch den für uns viel zu niedrigen Eingang. Wir mussten uns ziemlich ducken, damit wir überhaupt durch die Pforte passten. Auch im Hausinnern fanden wir kaum Platz zum Stehen und mussten aufpassen, dass wir unsere Köpfe nicht an den Deckenbalken stießen. Seltsame rhythmische Klänge, die von einer rauchigen Männerstimme begleitet wurden, drangen an unser Ohr. Ich sah mich verstohlen um, konnte aber den Sänger nirgends ausfindig machen, obwohl die eigenartige Musik laut und klar zu hören war. Zwar verstand ich kein einziges Wort dieses gesprochenen Gesangs, dennoch lauschte ich aufmerksam der fremden Sprache.

Der Mann führte uns in einen weiteren Raum mit Holzbänken und Tischen. Verschiedene Bilder und Karten zierten die mit Holz getäferten Wände und zeigten verschiedene Landschaften aus der Vogelperspektive. Und zwischen den Bildern gab es viereckige durchsichtige Scheiben, durch die das helle Tageslicht ins Innere drang und durch die wir auch von innen nach draußen zu den Menschen auf der Terrasse blicken konnten.

Die Stimme des Sängers wurde plötzlich laut und wild. Die Worte wurden regelrecht herausgebrüllt und von ebenso raschen und heftigen Trommelwirbeln und anderen mir unbekannte Ton erzeugenden Instrumenten begleitet. Und dann verstummte die Männerstimme wieder und man hörte nur noch den Klang der einzelnen Instrumente. Doch dann erhob sich die Stimme des Sängers noch einmal laut, bevor sie, zusammen mit den Instrumentenklängen endgültig verstummte.

Der Mann forderte uns auf, Platz zu nehmen und fragte uns, ob wir etwas trinken möchten. Klar mochten wir, denn seit wir aus dem See entstiegen waren, hatten wir keinen einzigen Tropfen Wasser mehr zu uns genommen. Wir entledigten uns unserer Rucksäcke, stellten diese beim Türeingang an die Wand und setzten uns erleichtert auf eine der Bänke. Es war angenehmer in sitzender Position als in gebückter Haltung stehend, wo wir uns ständig den Kopf an der Decke stießen.

Der Alte sah uns erwartungsvoll an und als er keine Antwort von uns erhielt, fragte er nach: „Was darf ich euch bringen?“ Dabei betonte er das Wort ‚was` sehr lange. Jetzt lag es an uns, ihn fragend anzublicken.

Was gibt es denn schon anderes als Wasser, das man trinken könnte, fragte ich mich.

„Wasser?“, gab ich deshalb dem Mann zur Antwort und fragte dies mehr als dass ich es sagte.

„Mit oder ohne?“, erkundigte sich der Mann weiter. Wieder stutzte ich und wusste nicht, was er damit meinte.

„Ohne, einfach nur Wasser!“, gab diesmal Elhim spontan zur Antwort und lächelte den Mann verstohlen an. Der Alte nickte, ging aus dem Raum hinaus und verschwand um die Ecke. Elhim sah mich mit hochgezogener Augenbraue an und zuckte, wie zur Entschuldigung, mit den Schultern. Plötzlich erklangen wieder leise musikalische Instrumente. Dieses Mal aber wurden sie von einer angenehmen weiblichen und einer männlichen Stimme begleitet. Obwohl das Lied wieder in einer mir unbekannten Sprache gesungen wurde, konnte ich dennoch eine gewisse Sehnsucht und Traurigkeit daraus erkennen, sodass ich davon sogar Gänsehaut bekam.

Den Klängen aufmerksam lauschend, sah ich mich neugierig um, während Elhim ein Bild mit einer Kartenabbildung studierte, das neben ihm an der Wand hing. Rechts von uns gab es einen hölzernen Wandschrank mit einer kleinen Theke, auf der verschiedene Dinge lagen. Ich hatte gerade die Absicht aufzustehen, um mir diese Sachen näher zu betrachten als der Mann mit dem rauchenden Gegenstand zwischen seinen Zähnen und einem durchsichtigen Krug und zwei ebensolchen Trinkkelchen in den Händen, wieder zurückkam. Er stellte alles vor uns auf dem Tisch ab und goss uns das Wasser in die Becher.

„Meine Frau kommt gleich. Sie erledigt das ganze Administrative", erklärte er und verschwand wieder zur Tür hinaus.

„Sonja, wir haben neue Gäste!“, hörten wir ihn dabei rufen. Dann kehrte er erneut zurück und strich nachdenklich über seinen grauen Bart, wobei er uns von Kopf bis Fuß musterte.

„Mmh, das Nachtessen ist kein Problem, aber mit den Betten wird’s schwieriger werden.“

In diesem Moment trat eine zierliche kleine Frau mit kurzgeschnittenen hellen Haaren durch die Türe. Sie schien um einiges jünger zu sein als der Mann. Als sie uns erblickte, riss sie überrascht ihre Augen weit auf.

„Jesses, Maria und Gottes!“ Sie schlug beide Hände vor ihrem Mund zusammen. Und als ihr bewusst wurde, wie ihre Reaktion auf uns gerade gewirkt haben musste, entschuldigte sie sich rasch. „Oh, bitte verzeihen Sie mein unhöfliches Benehmen, aber ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals so große Leute gesehen.“

Sie kam raschen Schrittes auf uns zu und setze sich uns gegenüber auf die Bank. Dann beugte sie sich vor und starrte von unten herauf abwechselnd und scheinbar fasziniert in unsere Augen.

„Wow, das sind ja echt coole Linsen.“ Dann räusperte sie sich verlegen, setzte sich wieder gerade hin und streckte mir ihre Hand entgegen.

„Ähm… Entschuldigung. Ich bin die Sonja!“

Ich blickte zu ihr hinunter und dann verwirrt auf ihre Hand. Ich hatte keine Ahnung, warum sie mir ihre Hand entgegenstreckte. Doch dann ergriff ich diese, denn eine bessere Gelegenheit würde sich mir wohl kaum mehr so schnell bieten, um Informationen aus einem dieser Menschenwesen zu ziehen. Obwohl die Berührung nur wenige Augenblicke dauerte, musste ich ihre Hand panikartig wieder loslassen. Zu viele Informationen auf einmal strömten in mich hinein. Mein Verstand war nicht mehr in der Lage, all dieses Wissen auf einmal aufzunehmen und als Folge davon drehte sich mir alles im Kopf. Elhim bemerkte mein Schwanken und schlang sofort, einen besorgten Blick auf mich gerichtet, seinen Arm um meine Schultern. Sonja blinzelte ein paar Mal verwundert, dann klärte sich auch ihr Gesichtsfeld wieder. Lächelnd schaute sie zu Elhim hinauf und reichte ihm ebenfalls die Hand. Elhim blickte ebenfalls verständnislos auf ihre Hand, ergriff diese dann aber mit einem verlegenen Schmunzeln auf den Stockzähnen. Und da er die Hand nicht gleich wieder losließ, sah Sonja einen Moment lang verunsichert zwischen uns hin und her und fragte, während sie ihre Hand Elhim wieder mit einem Ruck entzog: „Und wie ist Ihr Name?“

„Oh!“, sagte ich nun selbst etwas verlegen - und auch noch immer ziemlich benommen von der riesigen Informationsflut, die ich gerade aufgenommen hatte - ich hatte meinen Namen ja gar nicht genannt. Anscheinend musste es hier so einen Art Tradition sein, einander die Hände zu schütteln und dabei gleich auch noch seinen Namen bekannt zu geben.

Also nannte ich ihr meinen Namen und zeigte dann auf meinen Gefährten. „Und das ist Elhim.“

Sonja lächelte freundlich und sah zwischen uns hin und her. „Lucille und Elhim“, wiederholte sie unsere Namen. „Herzlich Willkommen in unserer Berghütte. Ich hoffe, ihr hattet einen angenehmen Wandertag? Das Wetter war heute ja geradezu dafür gemacht.“

Elhim und ich nickten gleichzeitig.

„Darf ich fragen, woher ihr kommt?“

Ich blickte Elhim fragend an, denn ich hatte keine Ahnung was ich der Frau antworten sollte.

„Aus dem…, ähm… genauer gesagt aus, aus…“, stotterte ich völlig wortverlegen.

„Aus Ägypten“, ergänzte Elhim meinen Satz. Ich sah ihn verwirrt an. Woher hatte er diese Antwort?

„Wirklich? Aus Ägypten?“ Die Frau schien es kaum zu glauben. „Seid ihr hier in der Schweiz in den Ferien oder seid ihr geschäftlich unterwegs?“

Wieder schielte ich fragend zu Elhim. Doch bevor ich meinen Mund aufmachen konnte, beantwortete er gleich selbst die Frage: „Ja, Ferien und geschäftlich.“

Der alte Mann, der bisher stumm neben Sonja gestanden hatte, tätschelte nun der Frau auf den Oberarm. Sie solle doch ein wenig zur Seite rücken, damit er sich auch neben sie auf die Bank setzen konnte.