20,99 €
Laurin hat es geschafft, sich durchzusetzen. Als neuer Kaiser von Palminien hat er einen Angriff der ihm feindlich gesinnten Königreiche abgewehrt. Sein Anspruch auf die Krone ist verteidigt, und er kann sich nun in Ruhe seinen Verpflichtungen als Regent widmen. Einfach ist allerdings auch das normale Leben als Kaiser nicht. Laurin ist mit zahlreichen Aufgaben und Anfragen konfrontiert. Darüber hinaus muss er weiter seine Zauberkraft trainieren, die noch lange nicht voll entwickelt ist. Kann er das alleine schaffen? Derweil geben sich die feindlichen Ex-Könige im Exil nicht mit ihrer Niederlage gegen Laurin zufrieden. Sie haben sich bereits einen neuen Plan überlegt, um endlich wieder an die Macht zu gelangen …
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 261
Veröffentlichungsjahr: 2026
Impressum
Zusammenfassung
Danksagung
Glossar
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
EPILOG
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
Cover
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2026 novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-99185-047-2
ISBN e-book: 978-3-99185-048-9
Lektorat: Lucas Drebenstedt
Umschlagabbildungen: Agit77, Razvan Nitoi | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Die Bruderschaft Band I (Flucht)
Laurin, ein Waisenknabe, der im Kloster Königsberg aufwuchs, wird zusammen mit seinem Lehrer Pipin auf eine geheime Mission in die Hauptstadt des palminischen Kaiserreiches entsandt.
Die beiden sollen dort versuchen, eine Versammlung der Könige zu erwirken, bei der die Angriffe auf verschiedene Klöster des Reiches besprochen werden.
Bevor es dazu kommt, werden sie hinterrücks zusammengeschlagen und ins Gefängnis gesteckt.
Das Oberhaupt der kaiserlichen Familie, Prinzessin Amalaswintha, erfährt, dass Laurin der Sohn ihrer lange vermissten Tochter ist. Es gelingt ihr in letzter Minute, Laurin und Pipin aus dem Gefängnis zu befreien.
Laurin ist seit zweihundert Jahren der erste männliche Nachkomme in der direkten Linie der kaiserlichen Familie und wird zum Kaiser ausgerufen.
Einige der sieben Königreiche, die das Kaiserreich bilden, erklären ihm den Krieg und marschieren auf die Hauptstadt Palmina zu.
Laurin vermag sich mithilfe magischer Drachen zu wehren und die Hauptstadt vor dem Großangriff zu schützen.
Großen Dank gebührt meiner lieben Schwester Gabriela für das erste Durchlesen des Manuskriptes. Ihre Korrekturen und Anregungen haben wesentlich zu diesem Buch beigetragen.
Hauptpersonen
Laurin, Kaiser von Palminien
Amira, Laurins Mutter
Anastasia, Laurins Tante
Amalaswintha, Laurins Großmutter
Pipin, Laurins Lehrer und Freund vom Kloster Königsberg
Pankraz, Freund Laurins aus dem Kloster Königsberg
Adalwin, der gute «Geist» und Seneschall des Kaiserpalastes
General von Bärenfels, Befehlshaber der palminischen Armee
Quirin, Kommandant der kaiserlichen Leibgarde
Valentin, Stellvertreter Quirins
Warin, Laurins Privatsekretär
Oberst von Winterthal, Chef des palminischen Geheimdienstes
Baron von Blaustern, neuer Truchsess
Kadin, masuristanischer Kronprinz
Litha, Lehrerin Laurins
Laurins Widersacher:
Aswin, Laurins Cousin
Cosmin Semmelbrock, Metzgersohn und Freund Aswins
Malwin Himmelzorn, Sohn eines Bankiers und Freund Aswins
Jorin, Zauberer von Tenebrien
Esmeralda, kossetische Hofhexe
Der Kaiser Kossetiens
Exkönig Sigismund und dessen Mutter
Kümmerling, Ex-Stabsoffizier, genannt die Ratte, Herr von Rato
Die sieben palminischen Königreiche:
Haptinien, König Askwin
Volezien, König Quintin
Tetonien, König Severin
Suram, König Veltin
Ursprünglich von Gegnern Laurins regiert:
Bamalanca, Hauptstadt Bamala
Salvatien, Hauptstadt Königsberg
Kessinien, Hauptstadt Lauwinda
Weitere Länder:
Kaiserreich Kossetien
Masuristan
Malwesinien
Sie öffnete eine Phiole mit Pfefferminzöl, verteilte einen Tropfen davon auf ihre Finger und massierte sich damit die Schläfen. Manchmal half es, wenn sie Kopfschmerzen hatte wie jetzt.
Prinzessin Amalaswintha saß allein in ihrem Arbeitszimmer. Es war ein Moment der Stille. Der Duft der Pfefferminze und die entstehende Kühle beruhigten sie, und tatsächlich, die Kopfschmerzen nahmen langsam ab.
Sie musste unbedingt Pipin für das Pfefferminzöl danken.
In letzter Zeit hatte sie öfter Kopfschmerzen, aber es war ja auch kein Wunder, sie hatte kaum Zeit, sich zu entspannen. Sie massierte weiter, bis die Kopfschmerzen gänzlich weg waren.
Sie blieb entspannt sitzen, atmete durch und genoss die Ruhe.
Es klopfte aufdringlich an ihrer Tür. Die Tür wurde geöffnet, bevor sie etwas sagen konnte.
«Kaiserliche Hoheit, entschuldigen Sie bitte, wenn ich störe …»
Die Prinzessin schaute ihre Privatsekretärin, Aurela, einen Moment unverhohlen giftig an. Die schluckte verlegen.
Dann sammelte sich die Prinzessin, und man konnte förmlich sehen, wie sich die kaiserliche Fassade über ihr Gesicht legte.
«Ja, bitte, was gibt es?» Beinahe hätte sie dazu noch jetzt schon wieder hinzugefügt.
«Die beiden neuen Sekretärinnen sind eingetroffen und kaiserliche Hoheit haben den Wunsch geäußert, sie zu begrüßen.»
«Ja, natürlich. Sind sie schon im Ostflügel?»
Sie hatte den Ostflügel, in dem sich das Arbeitszimmer ihres verstorbenen Mannes befand, und ein paar der dortigen Salons in einen Arbeitsbereich für das zusätzliche Personal umgewandelt. Der Ostflügel war jahrelang nicht benutzt worden. Um Arbeitskräfte zu sparen, war alles abgesperrt und eingemottet worden.
«Ja, kaiserliche Hoheit, ich habe sie im Arbeitszimmer 2 untergebracht.»
Sie verbeugte sich andeutungsweise, immer noch etwas verlegen, denn sie spürte, dass sie die Prinzessin wirklich gestört hatte.
Amalaswintha stand etwas mühsam auf. Seit dem Giftanschlag war sie immer noch etwas geschwächt, aber vielleicht war es auch nur ihr Alter.
Die Prinzessin und ihre Privatsekretärin gingen zusammen zum Ostflügel, wo ihr die beiden neuen Mitarbeiterinnen vorgestellt wurden.
Beide sahen tüchtig genug aus und verbeugten sich nervös, als sie der Prinzessin vorgestellt wurden.
«Ich wünsche Ihnen einen guten Arbeitsbeginn. Es wird Ihnen sicher nicht langweilig werden.» Sie lächelte leicht. «Und falls Sie Fragen haben, können Sie sich an meine Privatsekretärin, Aurela, wenden. Sie kann Ihnen alles beantworten.»
Aurela nickte aufmunternd.
«Ich würde vorschlagen, dass Sie zuerst mit der Aussortierung der Korrespondenz beginnen.» Sie deutete auf drei riesige Stapel Briefe.
Amalaswintha verabschiedete sich von ihnen und überließ Aurela die weiteren Ausführungen. Sie machte sich auf den Weg zurück zum Arbeitszimmer und setzte sich ächzend nieder. Die Kopfschmerzen waren wieder etwas zurückgekommen. Es war höchste Zeit für eine Entlastung, für einen neuen Truchsess.
Seit dem Angriff auf Palmina war viel vorgefallen. Die Bewohner waren mit dem Schrecken davongekommen und man spürte, dass sich ihre Beziehung zum jungen Kaiser geändert hatte. Viele Bewohner brachten ihm nun Bewunderung und Ehrfurcht entgegen. Ein Jüngling hatte sie alle vor dem sicheren Tod gerettet.
Man verehrte ihn beinahe, was sich auch in der Flut der Briefe und Päckchen spiegelte, die zum Palast geschickt wurden.
Amalaswintha konnte ihren armen Enkel nicht allein die ganze Arbeit machen lassen und versuchte, ihm so viel wie möglich abzunehmen.
Unter anderem hatte sie sich vorgenommen, sein Geburtstagsfest zu organisieren. Sie hätte nie gedacht, dass die Vorbereitungen fast aufwendiger als für einen Krieg waren. Die ganze Geburtstagskorrespondenz wurde von ihr übernommen, die anderen Bereiche hatte sie delegieren können. So sorgte der Seneschall Adalwin für die Unterkünfte, Verpflegung und die Feiern im Palast, General von Bärenfels für die Sicherheit, und ein spezielles Stabsbüro wurde für die Feiern in der Stadt eingerichtet.
Die Briefe wurden an sie weitergeleitet, die Päckchen wurden von Laurins Privatsekretär Warin entgegengenommen, der auch entsprechende Dankesbriefe verfasste.
Sie hatte inzwischen vier zusätzliche Sekretärinnen eingestellt.
Amela, ihre Assistentin, die schon seit zwanzig Jahren für sie arbeitete, war hoffnungslos überfordert. Früher musste sie ein paar Briefe pro Woche bearbeiten, heute waren es Hunderte.
Ein schüchternes Klopfen ertönte an ihrer Tür.
«Herein.»
Dieses Mal streckte ihre Privatsekretärin nur kurz den Kopf herein.
«Kaiserliche Hoheit, mit Verlaub, wir haben wieder so einen Brief erhalten …»
Sie winkte sie herein und streckte ihre Hand aus. Aurela übergab ihr einen Brief.
An Ihre kaiserliche Hoheit, Prinzessin Amalaswintha von Palminien
Verehrte kaiserliche Hoheit
Vielleicht mögen sich Eure kaiserliche Hoheit an die Gartenausstellung in Palmina erinnern, die kaiserliche Hoheit vor fünf Jahren eröffnete.
Meine Tochter Amalia und ich hatten die große Ehre, Ihnen vorgestellt zu werden.
Aus diesem Grund erlaube ich mir, Ihnen ein paar Zeilen über meine Tochter zu schreiben.
Wie Sie wissen, war sie schon damals ein schönes junges Mädchen und ist inzwischen zu einer entzückenden jungen Frau herangewachsen. Ich kann ohne Bedenken sagen, dass sie in allen Belangen, die einer hochgestellten Person zugemutet werden, ausgezeichnet ausgebildet wurde.
Ihre Musik- und Hauswirtschaftslehrer loben sie in höchsten Tönen. Sie geht regelmäßig in die Ballettstunden und hat dadurch eine anmutige, ja, ich möchte sagen, beinahe königliche Haltung. Sie hat die Konversationskurse an der höheren Töchterschule besucht und das Examen mit Bravour bestanden. Sie hat regelmäßig Reitunterricht und einige Preise bei Turnieren gewonnen.
Ich würde mich daher äußerst freuen, wenn Eure kaiserliche Hoheit unsere und vor allem die Bekanntschaft meiner lieben Tochter Amalia im Rahmen der Feierlichkeiten zum 15. Geburtstag Ihrer Majestät des Kaisers erneuern könnte und auch eine Vorstellung beim Kaiser in Erwägung ziehen würden.
In großer Dankbarkeit, Ihre untertänigste Dienerin
Baronin Irina von Grottenfeld
«Wieder so ein Brief.» Prinzessin Amalaswintha gab ihn ihrer Privatsekretärin Amela kopfschüttelnd zurück. «Wie viele dieser Briefe, die eine Verkuppelung mit Laurin wünschen, haben wir schon erhalten?»
Sie schaute ihre Privatsekretärin an.
«Ich schätze ungefähr 120, kaiserliche Hoheit.»
«Hmm. Sie werden etwas aussortieren müssen. Den höhergestellten Schreibern werden wir einen Platz bei einem größeren Anlass reservieren, wo sie zwar Laurin sehen, aber nicht mit ihm in Kontakt treten können.
Was für Anlässe wären geeignet?»
«Nun, kaiserliche Hoheit, wir hätten da zum Beispiel die Blumenschau zum Anlass des Geburtstages seiner Majestät oder die Fahnenweihe.»
«Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Sorgen Sie dafür, dass dort ein paar Plätze für die Gäste des Kaisers reserviert werden. Aber mein Enkel darf auf keinen Fall über diese Briefe informiert werden, wir müssen das für uns behalten. Er hat schon genug Belastung, der arme Junge.»
«Sehr wohl, kaiserliche Hoheit.» Sie nickte verständnisvoll. «Und wie soll ich mit den anderen verfahren?»
«Na, senden Sie vielleicht einen Standardbrief, in dem Sie schreiben, dass im Moment keine Möglichkeiten zur Vorstellung ihrer Tochter mehr bestünden, jedoch die öffentlichen Veranstaltungen allen offenstünden. Irgendetwas in der Art.»
Die Privatsekretärin machte sich kurz Notizen, verbeugte sich und zog sich aus dem Arbeitszimmer der Prinzessin zurück.
Amalaswintha spürte ihr Alter in Situationen wie diesen.
Sie hatte vor, einige altersentsprechende Prinzessinnen einzuladen, aber sie wollte nicht übertreiben. Es handelte sich nicht um eine Brautschau, sondern um den 15. Geburtstag und den ersten Geburtstag als Kaiser. Sie wollte Laurin die Feierlichkeiten nicht vermiesen.
Aber bis dahin gab es noch viel zu tun.
Für Laurin war die Zeit auch nicht stehen geblieben. Er hatte ein äußerst vollgepacktes Programm.
Er musste vieles in kurzer Zeit nachholen, was den früheren Kronprinzen in Jahren beigebracht worden war.
Neben all den Regierungsgeschäften musste Laurin auch seine Zauberkraft trainieren.
Für das Training hatten sich Laurin und Pipin den kleinen Wald im kaiserlichen Park ausgesucht. Darin befand sich eine Lichtung, die den idealen Platz und Abschirmung bot. Dort trafen sich Laurin und Pipin jeden Morgen nach dem Frühstück. Für etwa eine Stunde übten sie die Zaubersprüche, dann folgte der normale Unterricht, der in einem Zimmer in der Nähe der Bibliothek stattfand.
Meistens aßen er und Pipin anschließend zusammen das Mittagessen, außer wenn Pipin gerade mit einem dringenden Experiment beschäftigt war, was etwa zwei- bis dreimal pro Woche der Fall war.
Am Nachmittag folgten für Laurin stundenlange Regierungsgeschäfte und Sitzungen. Einige wurden ihm immer noch von seiner Großmutter abgenommen. Praktisch jeden Tag musste er wichtige Entscheidungen fällen. Manchmal zusammen mit dem kaiserlichen Rat, manchmal alleine.
So entschied er zum Beispiel, dass die Tausenden Gefangenen wieder in ihre Heimat zurückgeschickt werden konnten, allerdings wurden die Offiziere noch für die Gerichtsverhandlungen zurückbehalten.
Sigismunds Mutter wurde ebenfalls erlaubt, ihrem Sohn ins Exil zu folgen. (Stabsoffizier Kümmerling gelang, obwohl er als Geheimdienstchef in einer Hochsicherheitsanlage untergebracht worden war, die Flucht. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben, aber er tauchte erfolgreich unter und verschwand spurlos.)
Ansonsten hatte sich das Leben wieder etwas normalisiert, wenigstens für die Bevölkerung Palminas.
Sonntags hatte Laurin keinen Unterricht. Er verbrachte den Sonntagmorgen mit einer Reitstunde und Regierungsgeschäften, der Nachmittag war, sofern es irgendwie möglich war, für die Familie reserviert.
Er fuhr häufig mit Pipin zum Mittagessen zu seiner Großmutter, manchmal kamen sie – und neuerdings auch seine Mutter und Tante Anastasia – zu ihm in den Kaiserpalast, wo er sie bewirtete.
Seit Langem hatte Laurin wieder einen Sonntagnachmittag ohne andere Verpflichtungen und freute sich auf den Besuch bei seiner Großmutter.
Er fuhr mit Pipin in einer der Kutschen los, begleitet von einer Schwadron Leibgardisten. Ein paar der Leibgardisten begleiteten ihn, wo immer er auch hinging, aber sie hielten sich stets diskret im Hintergrund.
Das Mittagessen fand im Palaisgarten unter dem Schatten der großen alten Bäume statt. So war es trotz der üblichen Mittagshitze schön kühl.
Pipin und Laurin wurden von Jakob, Großmutters Hund, mit einem freudigen Bellen und Hochspringen und dann von seiner Großmutter, Mutter und Tante begrüßt, die bereits am Esstisch auf sie warteten.
Neben dem mit einem weißen Tischtuch bedeckten großen Esstisch befand sich ein weiterer, mit allerlei Speisen und Getränken gedeckter Tisch, von dem sie Gajus, der Kammerdiener seiner Großmutter, bediente. Ein paar Bedienstete brachten immer wieder neue Gerichte direkt aus der Küche. Es roch verführerisch.
Großmutter hatte eine exzellente Köchin, die auch Gerichte zubereitete, die nicht mehr so häufig auf den Tisch kamen, da sie sehr aufwendig zu kochen waren.
Sie unterhielten sich über Banalitäten und aßen köstliche palminische Speisen.
Nach der Mahlzeit wurden üblicherweise etwas Tee und eine Süßspeise gereicht.
Was den Tee anbelangte, waren sie seit dem Vergiftungsversuch an seiner Großmutter viel vorsichtiger geworden, überhaupt wurden alle Speisen genauestens überprüft und das Essen vorgekostet.
Der heutige Tee war von Tante Anastasia mitgebracht worden. Es handelte sich um einen Apfelblütentee mit einem Schuss Blutorangenaroma. Er passte ausgezeichnet zum feinen Mandelkuchen.
Sie waren bei der zweiten Tasse angelangt, als Großmutter zu Anastasia sagte: «Ich wollte dich noch etwas wegen der Wolle zu einem Pullover fragen, den ich gerade stricke. Kannst du schnell in mein Arbeitszimmer mitkommen?»
«Wolle, ich verstehe nicht, ich habe doch gar keine Ahn…»
Sie brach ab, als ob sie unter dem Tisch getreten worden war. Großmutter machte eine Bewegung mit dem Kopf, die besagte «nun komm schon endlich, bist du so schwer von Begriff», und schaute dabei auf Laurin und seine Mutter.
«Ahh, natürlich, die Wolle …», sagte Anastasia und stand etwas schmerzverzerrt auf.
Großmutter stand auf und fragte Pipin: «Könntest du mir als Mann der Welt mit deiner Meinung zum Strickmuster helfen?»
Pipin erhob sich mit stolzgeschwellter Brust und folgte den beiden Damen zum Palais.
Gajus zog sich mit dem zusammengeräumten Geschirr zurück. Einzig Jakob blieb im Schatten liegen. Laurin war zum ersten Mal mit seiner Mutter allein.
Sie schenkte sich zuerst etwas zittrig noch mal eine Tasse Tee ein, als ob sie nicht recht wusste, wie sie sich verhalten sollte.
«Mama, endlich sind wir einmal allein. Ich wollte dir schon lange einmal ein paar Fragen stellen.»
Sie blickte ihn unsicher an. «Was willst du denn wissen?»
«Na, wie es zu all dem gekommen ist. Es hat mir bis jetzt niemand so richtig erzählt, was eigentlich passiert ist. Ich weiß nur, dass du auf der Flucht warst und mich im Kloster abgegeben hast, aber nicht, warum und wieso, und auch nicht, was du danach gemacht hast.»
Sie lächelte ihn nachsichtig an. «Vielleicht ist es besser, wenn ich dir alles von Anfang an erzähle.»
Laurin nickte ihr aufmunternd zu.
Sie schien sich zu sammeln und begann dann zu erzählen.
AMIRAS GESCHICHTE
«Nun, wie du weißt, bin ich hier bei deiner Großmutter aufgewachsen und die ganze Geschichte begann eigentlich zu meinem zwanzigsten Geburtstag, besser gesagt, kurz davor.
Meine Mutter hatte für meine Geburtstagsfeier einen Haufen wichtiger Leute eingeladen, vor allem auch die Prinzen der umliegenden Königreiche. Sie hoffte, dass sich daraus eine Verbindung ergab. Ein paar der Prinzen, darunter Sigismund von Salvatien, trafen schon ein paar Wochen davor hier ein und machten mir den Hof.
Sigismund war gut aussehend, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und schaute mich anerkennend an. Ich habe erst später gemerkt, dass er das bei allen Frauen tat. Aber ich war von seinem Aussehen geblendet, und wir kamen uns langsam näher. Meine Mutter nahm kurz vor meinem Geburtstag zum ersten Mal das Wort ‹Verlobung› in den Mund.
Am Abend der Feier, ich weiß nicht mehr genau, warum, musste er, der mich vorher in Beschlag genommen hatte, früher weg. So stand ich etwas verloren in einer Ecke und beobachtete die Feier. Ich wurde in meinen Betrachtungen durch einen ungemein gut aussehenden Mann unterbrochen. Wie sich später herausstellen sollte, war es der Kronprinz Kadin von Masuristan.
Er fragte mich, was denn eine wunderschöne Frau so alleine täte. Er war sehr exotisch gekleidet, braun gebrannt, athletisch, seine Augen funkelten, seine Zähne blitzten, ich sehe ihn noch heute vor mir.» Sie blickte einen Moment lang mit glänzenden Augen in die Ferne, als ob sie ihn vor sich sah. «… nun, kurzum, ich verliebte mich auf der Stelle in ihn.» Sie errötete.
«Er leistete mir den ganzen weiteren Abend Gesellschaft. Als die langweiligen Ansprachen begannen, flüchteten wir heimlich in den Garten und gingen zu jenem Pavillon da drüben.» Sie zeigte auf ein kleines Häuschen, das Laurin bisher übersehen hatte, das von Büschen verborgen in der Nähe der Rosenbeete stand.
Sie fuhr leise und etwas verlegen fort.
«Er verführte mich. Um ehrlich zu sein, brauchte es nicht viel dazu, und wir gaben uns der Leidenschaft hin.»
Laurin lauschte ihr mit stockendem Atem, aber so viele Details wollte er eigentlich gar nicht hören.
«Wir hörten einen Tusch und ich realisierte, dass schon viel Zeit verstrichen war und ich wieder bei der Feier erscheinen musste. Wir machten uns zurecht, so gut wir konnten, und kamen gerade zur rechten Zeit zurück in den Saal, um zu hören, wie die palminische Hymne angespielt wurde.
Kadin und ich gesellten uns zu den anderen und taten so, als ob wir die ganze Zeit zugehört hätten. Ich glaube nicht, dass jemand unsere Abwesenheit bemerkt hatte, außer vielleicht Mutter oder Anastasia, aber sie sagten nichts.
Am Schluss der Feier verabschiedeten wir uns wie gute Freunde. Er flüsterte mir ins Ohr: ‹Ich hoffe, ich sehe dich bald wieder, mein Morgenstern.›
Doch wie es das Schicksal so wollte, musste er am nächsten Tag abreisen, da seine Mutter anscheinend im Sterben lag. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah.»
Amira liefen Tränen über das Gesicht.
«Ich wusste es damals nicht, aber ich wurde von ihm schwanger, er ist dein Vater. Er weiß aber nichts davon. Und das sollte auch unser Geheimnis bleiben.»
Sie schaute ihn unsicher an.
Laurin war erschüttert. Er wusste, was es für seine Mutter bedeutet hatte.
«Der Kronprinz von Masuristan ist mein Vater», murmelte er vor sich hin.
Dann rief er: «Den Göttern sei Dank, ich dachte schon, es sei Sigismund …»
Sie schaute ihn verblüfft an. Dann lachten sie beide.
«Wie kommst du auf diesen Gedanken?»
«Nun ja, man sagte, du seist mit ihm verlobt gewesen und ich dachte …»
«Ach so, ich verstehe. Aber ich erzähle besser noch etwas weiter, dann wirst du verstehen, dass das nicht gut möglich war. Wir kamen uns zwar einmal ein wenig näher, als wir betrunken waren, aber ich glaube nicht, dass dabei etwas passierte.»
Laurins Mutter fuhr fort: «Nachdem Kadin abgereist war, suchte mich Sigismund wieder auf und hielt mehr oder weniger um meine Hand an. Es war noch nicht offiziell, und er wollte mich zuerst seinen Eltern vorstellen. Meine Mutter ermutigte mich, ein paar Wochen später nach Salvatien zu reisen. Es ergab sich die Möglichkeit, mit dem Truchsess mitzureisen, der ein alter Freund der Familie war und damals die sieben Königreiche besuchte und mit Salvatien beginnen wollte. Sie meinte, es sei eine wunderbare Gelegenheit, die verschiedenen Königreiche auf eine sichere Art und Weise zu sehen.
Wir reisten mit einem großen Tross nach Königsberg, wo der Truchsess und ich Gäste im Palast waren. Ich wurde den Eltern Sigismunds vorgestellt. Der König war freundlich, aber die Königin, Sigismunds Mutter, war ziemlich schnippisch, und ich merkte bald, dass sie mich nicht mochte. Wir hatten einen Aufenthalt von zwei Wochen geplant, wobei ich die meiste Zeit mit Sigi hätte verbringen sollen, während der Truchsess sich seinen offiziellen Aufgaben widmete.
Es war am vierten Abend, ich weiß es noch ganz genau, als ich mich nach dem vielen Tanzen kurz in meinen Zimmern erfrischen wollte. Ich ging zurück und hörte auf dem Weg Stimmen, die aus einem der königlichen Zimmer kamen. Die Türe war nicht vollständig geschlossen.
‹Ich kann es nicht ausstehen, wie diese Schlampe meinem Sigi den Kopf verdreht hat. Er hat ja gar nicht mehr Zeit für mich, für mich, seine Mutter, es dreht sich alles um sie. Sie meint wahrscheinlich, sie sei etwas Besseres, weil sie eine kaiserliche Prinzessin ist. Hochnäsiges Luder. Und sie ist richtig widerlich, klebrig und hat, glaube ich, auch nicht alle Tassen im Schrank. Nein, Kümmerling, da muss etwas geschehen und zwar schnell. Sorg dafür, dass sie einen kleinen Unfall hat, mir ist gleich, was. Du kannst deine Fantasie walten lassen, ich will nur Resultate sehen und zwar bald. Haben wir uns verstanden?›
Ich hörte eine andere, etwas krächzende Stimme sagen: ‹Majestät können sich auf mich verlassen.›
Ich entfernte mich schnell und ging zu meinen Zimmern.
Der Truchsess hatte mir auf unserer Reise erzählt, dass er unheimliche Geschichten über den salvatischen Geheimdienst gehört hatte. Ich fürchtete um mein Leben. Ich war ganz allein im Palast des Königs, außer meiner Kammerzofe war niemand bei mir, der Truchsess und seine Leibgarde waren auf einer Veranstaltung.
Ich wollte meine Kammerzofe nicht ins Unglück hineinziehen. Deshalb beauftragte ich sie, mir aus der Palastküche ein spätes Abendessen zu holen, was sie sicher für einige Zeit beschäftigte. Ich ließ ihr ein paar Zeilen zurück, in denen ich erklärte, dass ich kurz wegmüsse.
Dann packte ich meine nötigsten Habseligkeiten zusammen und flüchtete heimlich aus dem Palast. Zuerst wusste ich nicht, wo ich mich hinwenden sollte, dann erinnerte ich mich an eine alte Freundin meiner Mutter namens Laura, die unweit des Palastes wohnte. Ich fragte eine alte Frau nach ihr, und sie wies mir den Weg zu Lauras Haus. Ich klopfte an ihre Tür. Es war inzwischen schon spät geworden, aber sie öffnete die Tür und erkannte mich sogleich. Ich sagte ihr, dass ich auf der Flucht vor der Königin sei, und sie nahm mich, ohne zu zögern, ins Haus mit. Am nächsten Tag war Königsberg wie ein Wespennest.
Es wurde überall nach mir gesucht, auch die Häuser in der Stadt wurden durchsucht, sodass ich mich in ihrem Haus auf dem Dachboden in einem Hohlraum im Boden verstecken musste, bis die Geheimpolizisten wieder weg waren.»
Sie nahm einen Schluck Tee.
«Laura versuchte zuerst, meiner Mutter einen Brief zu senden, aber eine Nachbarin erzählte ihr, dass alle Briefe geöffnet würden, um Hinweise auf den Verbleib der verschwundenen Prinzessin zu finden.
Es war etwa zur gleichen Zeit, da ich bemerkte, dass ich schwanger war. Ich fühlte mich so elend, dass ich mich kaum bewegen konnte.
Der Truchsess blieb ein paar Wochen länger in Königsberg, aber es gelang mir nicht, ihn zu kontaktieren, dann reiste er widerwillig und erschüttert wieder ab.»
Laurin konnte sehen, wie sich seine Mutter aufregte, wahrscheinlich machte sie sich Vorwürfe.
«Laura umsorgte mich die ganze Zeit meiner Schwangerschaft und half mir auch bei der Geburt, ohne sie wärst du heute nicht hier.» Sie senkte den Kopf und hielt inne, um sich zu sammeln.
«Ich habe ihr kürzlich einen Brief geschrieben, um zu fragen, wie es ihr geht, aber bis jetzt habe ich keine Antwort erhalten.» Amira zupfte am Ärmel herum, man sah ihr das schlechte Gewissen an. Vielleicht hatte sie eine unschuldige Frau ins Verderben gestürzt, als sie bei ihr um Hilfe gebeten hatte.
«Jedenfalls, kaum warst du geboren, vielleicht zwei Wochen nach deiner Geburt, wurden wir von einer Nachbarin verraten. Wir hörten, wie sie einem Soldaten erzählte, dass eine fremde Frau mit einem Säugling im Nachbarhaus lebe.
Ich wusste, dass ich keine Zeit verlieren durfte. Ich wickelte dich in ein paar Tücher ein. Ich legte dir mein Amulett mit den Delfinen um den Hals, damit du irgendetwas von mir bei dir hast. Dann rannte ich zum einzigen sicheren Ort in Königsberg, dem Kloster, und gab dich an der Pforte ab.
Kaum entfernte ich mich von dem verdatterten Mönch, der die Pforte geöffnet hatte, hörte ich Pferdegalopp hinter mir, die Geheimpolizisten. Sie fassten mich und steckten mich ins Gefängnis am Höllenloch.»
Laurins Mutter schaute ganz erschöpft aus. Laurin wurde durch das Bellen Jakobs an einer Bemerkung gehindert. Seine Großmutter, Pipin und Anastasia erschienen wieder freundlich plaudernd.
Seine Großmutter schaute ihn und seine Mutter mit einem abwägenden Blick an und sagte dann: «Meine Köchin hat noch eine Überraschung für euch, wenn ihr wollt. Sie hat dieses neue Gericht ‹Eiscreme› hergestellt. Es sei ihr sehr gut gelungen, aber man sollte es schnell essen. Was meint ihr?»
Pipin musste man nie fragen, und Laurin konnte nach dem Geständnis seiner Mutter eine Ablenkung vertragen. Sie fanden es alle eine sehr gute Idee. So verbrachten sie die nächste halbe Stunde mit Eisessen. Die Köchin hatte Eis in vier verschiedenen Aromen hergestellt: Palminaapfel, Blaubeeren, Kirsche und Vanille. Es war köstlich.
Sie unterhielten sich über ihre Pläne. Tante Anastasia wollte noch einige Monate bleiben und vielleicht mit Pipin ein paar Experimente durchführen.
Pipin berichtete ihnen von seinen neuesten Forschungen über den schwarzen Salpeterbaum, den er im Gewächshaus entdeckt hatte. Daneben versuchte er, Ambrosia, die Frucht der Götter, zu züchten.
Großmutter erzählte ihnen von dem großen Kartenspielturnier, das sie veranstalten wolle, und seine Mutter erwähnte, dass sie ein paar alte Freundinnen von früher in Palmina besuchen wolle.
Der Nachmittag war schnell vorbei. Sie aßen noch einen kleinen Imbiss am Abend, der Hunger war nach dem ausgedehnten Mittagessen nicht mehr groß. Dann machten sich Laurin und Pipin auf den Weg zurück zum Kaiserpalast und unterhielten sich dabei, wie sie mit dem Zauberunterricht fortfahren sollten.
Für den Zauberunterricht hatte Laurin eine Liste der Zaubersprüche angefertigt, die er sich so weit merken konnte. Solange er nur deren Titel niederschrieb, war das in Ordnung. Einmal hatte er an einem Vollmond versucht, einen ganzen Zauberspruch niederzuschreiben, doch kaum war der Vollmond vorbei, ging das Papier in Flammen auf.
So konnte er Pipin eine Liste von etwa vierzig Zauberspruchtiteln in die Hände drücken. Sie übten jeden Tag, d. h. Pipin sagte ihm einen Titel aus der Liste, und Laurin musste ihm beweisen, dass er den Spruch beherrschte.
Aber nach einigen Wochen mussten sich beide eingestehen, dass sie nicht viel weiterkamen.
Als Laurin beim nächsten Vollmond erwachte, lag das Zauberbuch geöffnet auf seiner Brust. Der Basilisk zwinkerte ihm vom Bettende aus zu und legte sich danach wieder schnurrend hin.
Laurin richtete das Zauberbuch auf und blickte auf die aufgeschlagene Seite.
Es drückte ihm ziemlich stark in den Bauch, aber er war neugierig, warum das Buch so aufgeschlagen war.
Zusammenfassung einer statistischen Untersuchung der Zauberbücher:
Von Zaubermagister Albin von Nelkenthal, Vizedirektor der Zauberakademie Sinostrien, unter der Mitwirkung von Studenten der Akademie, im Jahre 13 des Kaisers Valentin II.
Eine statistische Erhebung aller Zauberbücher der letzten zweihundert Jahre hat ergeben, dass 85 % der Zauberbücher unter 100 Seiten dick sind.
10 % weisen 100 bis 200 Seiten auf, 3 % 200 bis 500 Seiten,
2 % 500 bis 700 Seiten.
Es gab anscheinend seltene Fälle, bei denen noch dickere Zauberbücher geschenkt wurden, aber die lassen sich an einer Hand abzählen. In diesen Fällen handelte es sich bei den Beschenkten immer um echte Zauberer, die die Zaubersprüche in den Büchern nur als Übungen benutzten …
Laurin überlegte. Nach seinem Wissen war dieses Papier etwa vor 650 Jahren geschrieben worden.
Zauberakademie Sinostrien … er hatte schon einmal von Sinostrien gehört. Doch wo? Dann fiel ihm wieder der Raum mit den Portalen ein. Natürlich, wahrscheinlich führte das unbekannte Portal zu der Zauberakademie. Eine Zauberakademie … interessant.
Da sein Zauberbuch viel dicker war, hieß das etwa, dass er ein echter Zauberer war?
Laurin musste unbedingt Pipin fragen, was das bedeutete.
Er versuchte, sich noch ein paar neue Zaubersprüche zu merken, aber er war nicht ganz bei der Sache. Der Artikel im Zauberbuch beschäftigte ihn weiter.
Doch als er ihn beim nächsten Training darauf ansprach, wusste Pipin auch keine Antwort. «Ich werde in der Bibliothek Nachforschungen anstellen. Dort sollte sicher etwas darüber vorhanden sein.»
«Und weißt du, woher die Zauberkraft eigentlich kommt?»
«Na ja – wissen tut das wahrscheinlich niemand genau, aber ich habe einmal eine Abhandlung gelesen, die es zu erklären versucht. Die Gelehrten haben die Hypothese aufgestellt, dass unsere Zauberkraft von den Göttern stammt.
Gut, das haben wir auch schon gewusst.» Er nickte Laurin zwinkernd zu.
«Aber sie gehen noch weiter. Da die Mondgöttin nur eine Teilzeitbeschäftigte sei, sie habe eigentlich nur Vollbeschäftigung, wenn Vollmond sei, hätten die anderen Götter sie ausgesucht, um sich um die Verteilung der Zauberkraft an die Menschen zu kümmern.» Er lächelte.
«Jeder der Götter opferte dazu ein Quäntchen seiner Zauberkraft, welches von der Mondgöttin angeblich in einem großen Kelch gesammelt und gemischt wurde und dann an die Günstlinge der Götter verteilt wurde. Beim Tod der Günstlinge ging die Zauberkraft wieder zurück in den Kelch.»
Laurin hörte ihm staunend, mit offenem Mund zu.
