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Die Enthüllungen eines mutigen Whistleblowers, der für das US-Außenministerium auf einer CIA-Basis in Saudi-Arabien tätig war
Terrororganisationen wie al-Qaida oder ISIS prägen seit vielen Jahren unsere Nachrichten und auch das weltpolitische Geschehen. Selbst in Europa finden immer häufiger Anschläge statt, zu deren Ausführung sich dschihadistische Terrororganisationen bekennen. Doch wo laufen eigentlich die Fäden zusammen? Wie sind die »Terroristen« zu ihrer professionellen Ausbildung und ihrer internationalen Vernetzung gekommen? Woher haben sie ihre hochmoderne Ausrüstung und wer unterstützt sie finanziell?
Was aufmerksame Beobachter schon lange vermuten und was westliche Massenmedien mit ihrer Nähe zu transatlantischen Netzwerken und Denkfabriken immer wieder als Verschwörungstheorie abgetan haben, bestätigt und belegt nun ein mutiger Whistleblower: J. Michael Springmann.
ISIS und al-Qaida: Werkzeuge der CIA
Als US-Diplomat eingesetzt in Deutschland, Indien und Saudi-Arabien, wird Springmann Augenzeuge für die Rekrutierung tausender Kämpfer für den Terrorkrieg. Von Geheimdienstmitarbeitern in die USA geschleust, erhielten und erhalten Islamisten und Dschihadisten dort eine militärische Ausbildung an modernsten Waffen und Sprengstoffen, um an zahlreichen Fronten, sei es in Bosnien, im Kosovo, im Irak, in Libyen oder Syrien Stellvertreterkriege im Interesse der USA zu führen. Diese Praxis geht auf den US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski zurück.
J. Michael Springmann hat sich nicht einschüchtern oder kaufen lassen. Mit viel Mut kämpft er unerschrocken für die Wahrheit. Aus den Augenzeugenberichten, den Gesprächsprotokollen und brisanten Dokumenten von NSA und CIA geht klar hervor, wie CIA-Strategen genau jene Männer bewaffnet und angeleitet haben, aus denen die Führung von al-Qaida und dem Islamischen Staat hervorgeht. Es werden aber auch direkt Terroranschläge von westlichen Geheimdiensten unter falscher Flagge durchgeführt. Welche Rolle dabei MI6 und der Mossad spielen, wird von Springmann ebenfalls aufgedeckt.
Lesen Sie den Enthüllungsreport eines US-Diplomaten, der unversehens in ein Spinnennetz aus Intrigen und Landesverrat gerät und einen hohen Preis dafür bezahlt, dass er die Wahrheit ans Licht bringt.
»Es ist an der Zeit, Mord, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen durch die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Geheimdienste aufzudecken.« J. Michael Springmann
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Veröffentlichungsjahr: 2016
»Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt.
Die Wahrheit steht von allein aufrecht.«
– THOMAS JEFFERSON,NOTES ON THE STATE OF VIRGINIA
Dieses Buch ist den Menschen Afghanistans, des Irak, Libyens, Russlands, Syriens und Jugoslawiens gewidmet.
Es ist mein bescheidener Beitrag, um der Lebenden und Toten dieser bedauernswerten Länder zu gedenken, besonders jener Millionen, die von den Vereinigten Staaten von Amerika ermordet wurden.
J. Michael Ressers Großzügigkeit und seine Prinzipientreue haben dieses Buch ermöglicht.
Ich bin sehr dankbar für das Beispiel, die Ermutigung und die Hilfe von Barbara Nimri Azis, Ph. D., François Bringer, Habib, Andrew Kreig, Wayne Madsen, Richard Ray, Barrie Zwicker und einem europäischen Diplomaten im Ruhestand.
Mein Dank gilt außerdem der Association of National Security Alumni, einschließlich Verne Lyon und David MacMichael; sie haben mir die Möglichkeit geboten, in Unclassified, der Zeitschrift der Gesellschaft, von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich danke auch dem Foreign Policy Journal, Global Outlook (Kanada), Global Research (Kanada), OpEdNews und The Public Record dafür, dass Sie mir großzügig erlaubt haben, mehrere mit dem Thema dieses Buches in Zusammenhang stehende Artikel zu veröffentlichen. Und ich freue mich, dass ich in der Alex Jones Show, in der Sendung Newsnight der BBC, in der Sendung Dispatches von Radio One der CBC und in Corbett Report von James Corbett meine Meinung vertreten konnte. Giulietto Chiesa hat mich freundlicherweise für seinen Film Zero interviewt, und Elizabeth Metz erlaubte mir 2010, in Valley Forge, Pennsylvania, auf ihrer Treason Conference zu sprechen. Falls ich versehentlich jemanden vergessen haben sollte, der mir die Möglichkeit bot, diese Themen auf Websites oder in Radiosendungen zur Sprache zu bringen, so bitte ich um Entschuldigung.
Dr. Aziz, David MacMichael und Habib haben beim Lektorat des Buches mitgearbeitet.
Und natürlich bedanke ich mich bei Joe Trento, dem Journalisten, der mich auf das Projekt Visa für Terroristen sowie dessen De-facto-Verbindung zu al-Qaida und der Arabisch-Afghanischen Legion aufmerksam gemacht hat.
Al-Qaida (arab. für »die Basis«) entwickelte sich aus der Arabisch-Afghanischen Legion und wurde damit identisch. Es handelt sich dabei um Terroristen, die von den Vereinigten Staaten, dem Königreich Saudi-Arabien und der Islamischen Republik Pakistan rekrutiert wurden. Ursprünglich hatte man sie nach der sowjetischen Invasion von Afghanistan zum Kampf gegen die russische Armee und Luftwaffe dort eingesetzt. Später schickte die Central Intelligence Agency sie über die Grenze, um die muslimischen Republiken der Sowjetunion zu destabilisieren. Noch später brachte die amerikanische Regierung sie auf den Balkan, um Jugoslawien zu zerstören, und im Anschluss daran mit dem gleichen Ziel in den Irak, gefolgt von Libyen und Syrien.
Üblicherweise wurden die Visa, mit denen sie zur Ausbildung, zu Lagebesprechungen und aus anderen Gründen in die Vereinigten Staaten reisten, in Saudi-Arabien ausgestellt. Indem amerikanische Regierungsbeamte ihnen die Einreise ermöglichten, verstießen sie sowohl gegen das Einwanderungs- und Nationalitätsgesetz als auch gegen das Regelwerk des Außenministeriums, das im Außenpolitischen Handbuch zusammengefasst ist.
Ich weiß es. Ich war dabei. Ich habe die Visa erteilt. Und ich habe gegen die groben Verstöße gegen Gesetze und Regulierungen protestiert. Als Folge geschah das, was den meisten Whistleblowern widerfährt: Ich wurde entlassen. Seit dieser Zeit habe ich ungeheure Probleme, E-Mails zu senden und zu empfangen; ich werde mit mehr Spam überschwemmt, als Monty Python bewältigen könnte; ich habe immer wieder Probleme mit dem Telefon, mysteriösen Computerabstürzen und automatisierten Telefonnachrichten, die gegen die Regeln der Federal Communications Commission (FCC) verstoßen. Und die Arabisch-Afghanische Legion marschiert immer noch.
Es ist ganz einfach überfällig, die von den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Geheimdiensten begangenen Morde, Kriegsverbrechen und Verstöße gegen die Menschenrechte ans Licht zu bringen. Unter dem fragwürdigen Vorwand der »nationalen Sicherheit« haben die Vereinigten Staaten durch die Central Intelligence Agency (CIA) und die National Security Agency (NSA) weltweit, vor allem im Nahen Osten, Umstürze und andere destabilisierende Operationen durchgeführt oder organisiert. Von Libyen bis zum Iran wurden Regierungen gestürzt, wurden Attentate auf Politiker verübt und normale Bürger ermordet. All das geschah nicht nur mit Wissen des Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Exekutive, sondern auch der Legislative und der Judikative.
In den Mainstream-Medien sucht man vergeblich nach Berichten, die diese Vorgänge als das enthüllen würden, was sie sind. Tatsächlich gibt es in Fernsehen, Radio und Presse volle Unterstützung dafür. Anstatt die Machthaber zu hinterfragen und, wenn nötig, ihnen Einhalt zu gebieten, agieren die elektronischen und Printmedien üblicherweise als Agenten der Regierung, übernehmen gedankenlos die offiziellen Verlautbarungen und attackieren (oder ignorieren) Berichte und Quellen, die Ungerechtigkeit oder illegales politisches Vorgehen aufdecken.
Ich kenne tatsächlich gesetzeswidrige Pläne der Regierung. Als Beamter des Handels- und des Außenministeriums war ich während meiner 9 Jahre im diplomatischen Dienst Zeuge solcher Vorhaben. Ich war zuerst in der Wirtschafts- und Handelsabteilung des Konsulats in Stuttgart tätig (1977 – 1980) und danach als Handelsattaché in New-Delhi (1980 – 1982). Später arbeitete ich als Visumsbeamter in Dschidda (1987 – 1989), in der politisch-wirtschaftlichen Abteilung in Stuttgart (1989 – 1991) und schließlich als Wirtschaftsanalyst im Amt für Geheimdienstinformation und Forschung des Außenministeriums (1991). Ich habe beinahe ein Vierteljahrhundert lang der Regierung und der Öffentlichkeit die Wahrheit gesagt. Manche Menschen haben meine Artikel gelesen, andere haben mich sprechen hören. Meine veröffentlichte Kritik an dem Programm »Visa für Terroristen«, meine Arbeiten über die bewusste Zerstörung des Irak und meine offenen Worte auf vielen Veranstaltungen über den nach meiner Meinung von zahlreichen Beamten begangenen Staatsverrat haben mich nicht unsichtbar gemacht. Doch wie mir scheint, haben sich viele progressive Persönlichkeiten wie Stephen Zunes, Peter Kuznick und Phyllis Bennis nicht einmal mit einem Teil des Problems auseinandergesetzt. Unsere Vergangenheit bleibt weiter im Dunkel. Das war ein Grund für mich, dieses Buch zu schreiben.
Nach über 20 Jahren Frustration im Umgang mit dem Dilettantismus im Außenministerium, mit stümpernden Beamten im diplomatischen Dienst, korrupten Bundesrichtern und skrupellosen Anwälten bin ich zum Schluss gekommen, dass es endlich an der Zeit ist, über die Unterstützung von Terrorismus durch die amerikanische Regierung die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, und sie in Verbindung zur Lage in der Welt zu bringen.
Ich möchte Ihnen, geschätzte Leser, etwas vom Hintergrund dieser Situation aufzeigen, besonders in Hinblick auf die Personen, die von der amerikanischen Regierung bezahlt werden, um deren imperialistische Außenpolitik zu formulieren und durchzusetzen. Ich zeige anhand meiner eigenen Geschichte auf, wie die amerikanische Außenpolitik wirklich erarbeitet und umgesetzt wird, ganz besonders in Bezug auf die »Arabisch-Afghanische Legion« (meine eigene Wortschöpfung). Dabei handelt es sich um Terroristen, die von den Vereinigten Staaten angeheuert und ausgebildet werden. Das Buch wird Licht in die dunklen und hässlichen Winkel des Außenministeriums und seiner Handlangerin, der CIA, bringen und zur Erkenntnis beitragen, wie beide einen großen Teil der Welt destabilisiert haben.
Es ist eine schmutzige Geschichte von Verrat, Treulosigkeit, Hinterhältigkeit, Falschheit, Niedertracht, faulen Kompromissen, Heimtücke und Betrug. Das alles kommt zur Dummheit und Inkompetenz hinzu, die das Außenministerium und die Geheimdienste für gewöhnlich an den Tag legen.
Bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Bilanz der amerikanischen Außenpolitik katastrophal: schwerwiegende politische Fehler, die sowohl zum Ersten als auch zum Zweiten Weltkrieg und deren Nachwirkungen geführt hatten, sowie unsere fragwürdigen Interventionen, Invasionen und Okkupationen mehrerer Länder in der Karibik, in Zentralamerika und anderswo. Nach der sogenannten »Professionalisierung« des Auslandsdienstes und dessen Zusammenschluss mit der CIA (und deren nicht gerade sehr geheimem Dienst) wurde die amerikanische Außenpolitik zu einer Folge absoluter Desaster: Israel, Korea, der Iran, Guatemala, Vietnam, Chile und Argentinien sind nur einige der Katastrophen, die unsere Regierung in der Welt angerichtet hat.
Meine Geschichte zeigt, wie die Dinge wirklich laufen. Unfähige, verkommene Regierungsbeamte und karrieregeile Dummköpfe schufen das Klima für die Entstehung der Arabisch-Afghanischen Legion – oder von al-Qaida bzw. ISIS/ISIL, wie andere sie nennen. Meine Geschichte weist auch nach, wie die Qualität der amerikanischen Regierung zunehmend schlechter geworden ist. Das Buch zeigt auf, wie und warum die Vereinigten Staaten sich so massiv in Südasien und Südwestasien, in Nordafrika und auf dem Balkan eingemischt haben.
Behalten Sie das ganze Buch hindurch das Credo des Vereins der Ehemaligen der Staatssicherheitsbehörde im Gedächtnis:
Verdeckte Aktionen sind kontraproduktiv und schaden den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten. Sie sind nachteilig für die Arbeit einer wirksamen staatlichen Sicherheitsorganisation und verhängnisvoll für Bürgerrechte, einschließlich der Funktionsfähigkeit der Justiz und der freien Presse. Wichtiger noch, sie widersprechen den Prinzipien von Demokratie, nationaler Selbstbestimmung und internationalem Recht, denen die Vereinigten Staaten verpflichtet sind. 1› Hinweis
Ich war gerade in den »echten« diplomatischen Dienst eingetreten (nach Anstellungen beim State-Commerce Exchange Program und dem Foreign Commercial Service) und wurde dem Konsulat in Dschidda, der Großmutter aller Städte, zugeteilt. (Eva, die Urmutter von uns allen, soll dort begraben liegen.) Wie ich bald merkte, ist das Königreich Saudi-Arabien ein geheimnisvolles, exotisches Land, doch nicht annähernd so geheimnisvoll und exotisch wie das Amerikanische Generalkonsulat an der Palestine Road.
Nach meiner Ankunft stellte ich fest, dass man von mir als Visumsbeamtem erwartete, über einhundert Visumanträge am Tag zu sichten und nach »Ausstellung«, »Ablehnung« und »Freifahrtscheinen für CIA-Agenten« zu ordnen. Doch keiner der adretten jungen Herren im Konsulat (oder auch der etwas beleibteren alten Hasen) machte sich die Mühe, mich über »Freifahrtscheine«, diese besondere Kategorie von Anträgen, aufzuklären.
Eines Tages jedoch stoppte mich Eric Qualkenbush, der Leiter des CIA-Stützpunkts, auf dem Weg über das riesige Gelände des Konsulats (zu dem ein Neun-Loch-Golfplatz gehörte). Er hatte eine Bitte. Könnte ich wohl ein Visum für einen seiner Agenten ausstellen, einen Iraner, dessen Familie ein Geschäft für Orientteppiche besaß? Eric sagte mit einem Augenzwinkern: »Mike, machen Sie es so, dass es gut aussieht. Wir wollen ihn zu Besprechungen in Washington haben.«
Verblüfft erwiderte ich: »Sicher.« Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich beinahe täglich mit Jay Freres, dem Generalkonsul, und mit anderen CIA-Beamten zu kämpfen gehabt, die Visa für eigenartige Leute verlangten, das heißt für Personen, deren Anträge ich gemäß Gesetz und Bestimmungen ablehnen musste. Daneben gab es ständig Reibereien mit Antragstellern, die verlangten, ich solle ihre Papiere stempeln, sonst würden sie sich bei Freres beschweren und er werde sich über meine Entscheidung hinwegsetzen.
Weshalb, so überlegte ich, erklärte mir Qualkenbush genau, was auf mich zukommen würde? Und weshalb gab er mir keinen Tipp über all die anderen Fälle, anstatt mich allein gegen die ständigen Verstöße gegen Bestimmungen und Anweisungen kämpfen zu lassen? Als Erics Agent vor der Panzerglasscheibe in der Visumsabteilung des Konsulats stand, hinter der ich auf meinem Hocker saß, war ich noch mehr verwirrt. Ich führte das Gespräch in der Sicherheit meines Büros aus Betonziegeln. Ein Schreiben auf Geschäftsbriefpapier, in dem der Reiseanlass und die Namen der zu besuchenden Kunden erklärt wurden? Abgehakt. Der auf Formular DS-156 korrekt ausgefüllte Visumantrag? Abgehakt. Ein einwandfreier Reisepass ohne versteckte Vermerke über frühere Visaverweigerungen? Abgehakt. Eine schlüssige und ausführliche Schilderung des Reisezwecks? Abgehakt. Ältere amerikanische Visastempel? Abgehakt. Passende Antworten auf meine Fragen zur geplanten Reise? Abgehakt. Ich erteilte das Visum und wünschte, ich hätte mehr Antragsteller wie ihn.
Doch seltsam … in Washington hatte ich von allen möglichen Problemen im Hinblick auf in Dschidda ausgestellte Visa gehört. Nichts von alledem hatte damals Sinn ergeben … Nach meiner Ankunft jedoch baute sich im Büro eine zunehmend giftige Atmosphäre auf, nachdem ich wiederholt auf das Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetz sowie auf das Handbuch des Außenministeriums verwiesen hatte, um schmuddelige Typen an ihrem offenbaren Versuch zu hindern, in die USA auszuwandern. Zwar machte ich weiter meinen Job, doch allmählich kam mir der Verdacht, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Ich wusste ohne jeden Zweifel, dass etwas nicht stimmte, als das Außenministerium mich später ohne eine Erklärung entließ und meine Bemühungen blockierte, den Grund dafür zu erfahren.
Im Folgenden berichte ich, wie ich erfuhr, was in Dschidda wirklich abging, wie ich dorthin kam und was die schrecklichen Folgen dessen waren, was sich als vorsätzliche amerikanische Strategie entpuppte.
Erstens: Die Konsulatsabteilung hatte die Aufgabe, Visa für CIA-Agenten zu beschaffen, d. h. für Ausländer, die von amerikanischen Führungsoffizieren angeworben wurden. Das Außenministerium und die CIA schickten gemeinsam massenweise ahnungslose Männer nach Dschidda, wo jährlich etwa 45 000 Visumanträge bearbeitet wurden. Wenn die Beamten dort den Papierkram wie Automaten erledigten und keine unangenehmen Fragen über die Antragsteller stellten, behielten sie ihren Posten. Wenn sie das Gesetz und die Bestimmungen ernst nahmen und sich dem illegalen Druck, über Personen hinwegzusehen, die keinen echten Grund für eine Reise in die Vereinigten Staaten hatten, nicht beugten »spielten sie nicht mit« und konnten leicht als unfähig abberufen werden.
Zweitens: Das Außenministerium hatte dort bereits einen Wachhund stationiert, um solche Probleme zu vermeiden, nämlich das Büro für diplomatische Sicherheit. Auf dessen Website ist zu lesen:
D[iplomatische] S[icherheit] arbeitet mit dem Büro für Konsulatsangelegenheiten in Fällen zusammen, die Anschuldigungen gegen korrupte Beschäftigte amerikanischer Botschaften, betrügerische Beschaffung von Dokumenten und die Verwendung von Visa durch Terroristen betreffen, sowie den Schmuggel und Handel mit Drogen und Menschen.
Vergehen gegen die Pass- und Visabestimmungen sind Verstöße gegen Bundesrecht und werden mit bis zu 10 Jahren Gefängnis und einer Geldbuße in Höhe von 250 000 Dollar bestraft. Die Höchststrafe kann bis zu 15 Jahre Gefängnis betragen, wenn das Verbrechen im Zusammenhang mit Drogenhandel steht und bis zu 20 Jahre, wenn es mit Terrorismus in Zusammenhang steht. 2› Hinweis
Wer beging also diese Gesetzesverstöße, und worin bestanden sie genau? Warum hat der Wachhund nicht aufgepasst? Wie ich später zu meinem Entsetzen erfuhr, handelte es sich bei den Antragstellern für die Visa um Rekruten für den Kampf gegen die Streitkräfte der Sowjetunion in Afghanistan.
Im Laufe der Zeit zogen die in den Vereinigten Staaten ausgebildeten Kämpfer dann weiter zu anderen Kriegsschauplätzen in Jugoslawien, im Irak, in Libyen und Syrien. Zusammen mit den amerikanischen Geheimdiensten und dem Außenministerium machten sie sich daran, Regierungen zu destabilisieren, die den Vereinigten Staaten nicht genehm waren. Obwohl das kein Geheimnis ist, weigern sich die meisten Menschen, die Kenntnis davon haben, über dieses Thema zu sprechen.
Der Auftakt
1986 bestand A-100, der Einführungskursus für neue Beamte des Auswärtigen Dienstes (FSOs), aus wochenlangem Absitzen schrecklich langweiliger und im Wesentlichen nutzloser Vorträge (wofür ich bezahlt wurde). In der Abschlussveranstaltung erhielten die Teilnehmer ihre Anweisungen, zusammen mit einer kleinen Flagge jenes Landes, in dem sie ihren Dienst antreten sollten. Ich bekam die grüne Flagge des Königreichs Saudi-Arabien. Ich sollte Konsulatsbeamter in Dschidda, an der Westküste des Landes, werden.
Ich war überrascht. Als ich mich diskret bei John Tkacik erkundigte, wieso ich dort gelandet war, erwiderte er, er glaubte, ich hätte mich um die Stelle bemüht, weil ich bei der Zeremonie so glücklich gewirkt habe. Später wandte ich mich an einen der Referenten von A-100 (dessen Namen ich vergessen habe). Mein Ansprechpartner erklärte mir, das Außenministerium wolle für die Position in Dschidda jemanden, der etwas älter war als die üblichen unteren Beamten (ich war 41 Jahre alt) und jemanden mit meiner Erfahrung in der Handelsabteilung, denn Dschidda sei ein Handelszentrum. Nach dieser Begründung hatte ich eigentlich mehr Fragen als zuvor.
Entsprechend den Gepflogenheiten des diplomatischen Dienstes schrieb ich an Walter Cutler, den amerikanischen Botschafter in Riad, wie sehr ich mich darüber freue, ein neues Mitglied seiner offiziellen Familie zu sein. Ein ähnliches Schreiben schickte ich an Jay Philip Freres, den damaligen amerikanischen Generalkonsul in Dschidda. Dann belegte ich einen Sprachkurs für Arabisch und studierte am Foreign Service Institute (FSI), der Akademie des Außenministeriums in Washington, regionale und konsularische Angelegenheiten. Zu meiner Überraschung rief mich eines Tages ein Referent für Saudi-Arabien an (im Grunde sind das Beamte, die das politische, wirtschaftliche und soziale Geschehen eines Landes vom Schreibtisch aus verfolgen). Botschafter Cutler hielt sich für Konsultationen mit den Beamten des Außenministeriums über Saudi-Arabien in der Stadt auf, und er wollte mich treffen. Ich rechnete mit einem lockeren 5-Minuten-Gespräch. Stattdessen dauerte das Ganze etwa 45 Minuten, und Cutler sprach mit mir über die Schwierigkeiten, die Greta Holtz, meine Vorgängerin und Vizekonsulin in Dschidda, für die Botschaft in Riad geschaffen hatte. Sie hatte sich geweigert, für Dienstboten reicher saudischer Frauen, die schließlich nicht ohne ihren Anhang von Friseuren, Schneidern und Mädchen für alles reisen konnten, Visumspapiere auszustellen. Ich hörte mir das alles in Ruhe an, wunderte mich jedoch ein wenig über seinen Bericht. Eindeutig übermittelte mir Cutler eine Botschaft, aber welche, das konnte ich mir um alles in der Welt nicht erklären. Hinterher sprach ich mit dem Referenten, der während des Treffens neben mir gesessen hatte, und fragte ihn, worum es dabei überhaupt gegangen sei. Er erwiderte, das wisse er nicht, und erklärte, Cutler (der davor Botschafter in Zaire und Tunesien gewesen war) sei einfach ein »komischer Vogel«.
Jahre später lehnte es Cutler, inzwischen Leiter von Meridian House, einer Non-Profit-Organisation, die sich für internationale Verständigung einsetzt, rundweg ab, mit mir über Dschidda zu sprechen. Trotz seines Schweigens wusste er sehr genau, was vor sich ging. In Devil’s Game von Robert Dreyfuss wird Cutler in einer Diskussion über Rekruten für den Krieg in Afghanistan mit den Worten zitiert: »Dort, wo ich war, hat sich niemand Gedanken darüber gemacht, was später aus den arbeitslosen Freiheitskämpfern werden würde.« 3› Hinweis (Wie ich später erfuhr, handelte es sich im Gegensatz zu dem, was Cutler mir gesagt hatte, bei vielen der Antragsteller um in Dschidda rekrutierte Mudschaheddin, um angebliche »Freiheitskämpfer«, und nicht etwa um Dienstboten reicher saudischer Frauen.)
Ein weiterer Brief ging an John D. Moller, den Leiter der Konsulatsabteilung. Anders als auf meine Schreiben an Greta Holz erhielt ich eine unverfängliche Antwort (obwohl er erklärte, das Ministerium habe ihn nicht über meine Ernennung informiert, und bis zum Eintreffen meines Briefs habe er nichts davon gewusst). Im Juni 1994 spürte ich Moller im Kings Court in Palm Coast, Florida, auf. Als Antwort auf mein Schreiben zu »Problemen« mit Visa und zu einem Treffen mit dem Stellvertretenden Botschafter Dave Dunford und Nick LaRoche, dem Botschaftsrat für Konsularfragen, sowie Jay Freres erklärte er, er sei lieber frühzeitig aus dem Dienst ausgeschieden, als sich ständig mit Freres und anderen wegen fragwürdiger Visa in den Haaren zu liegen.
Alles wurde noch seltsamer. Ich besaß ein gelbes VW-Cabrio, das die Regierung für mich nach Dschidda transportieren sollte. Doch nachdem ich in einem offiziellen Bericht über Saudi-Arabien gelesen hatte, dass Gelb für Taxis reserviert war und deshalb keine Autos in dieser Farbe im Land erlaubt waren, suchte ich Rat. Sollte ich den Wagen neu lackieren lassen? Die saudischen Behörden um eine Ausnahmegenehmigung bitten und versprechen, nicht illegal als Taxifahrer zu arbeiten? Seltsamerweise erhielt ich aus Washington keine Antwort. In Anbetracht des Zeitunterschieds von 7 Stunden zwischen Washington und Dschidda und weil ich keinen Staub aufwirbeln wollte, beschloss ich, nicht zum Telefon zu greifen und mich zu erkundigen, warum niemand meine Anfragen beantwortete. Aber ich fragte mich, was los war.
Von »unersättlicher Neugier« getrieben wie das Elefantenkind von Rudyard Kipling, begann ich mich umzuhören, um mehr über Cutlers eigenartige Bemerkungen zur Visavergabe in Dschidda zu erfahren. Ich befolgte den Rat eines Konsulatsbeamten, dass man alles, was aus dem normalen Rahmen fiel, als mögliche Quelle von Schwierigkeiten betrachten sollte, und setzte mich mit Ellen Goff im Executive Office for the Bureau of Near Eastern Affairs (NEA/EX) in Verbindung; das ist im Wesentlichen eine Stelle für administrative Angelegenheiten. Sie sagte ja, sie habe Geschichten über Probleme mit Visa in Dschidda gehört. Aber sie kannte keine Einzelheiten.
Im September 1987 reiste ich immer noch ratlos und verwirrt nach Dschidda. Später fand ich heraus, dass ich einer CIA-Basis zugeteilt worden war – eine weitere unerfreuliche Überraschung. (Die meisten amerikanischen Beamten und Angestellten im Konsulat arbeiteten nicht für das Außenministerium, sondern für die »Firma« [die CIA, auch »Langley« genannt, nach dem gleichnamigen Sitz der CIA in Virginia] oder für die National Security Agency [NSA].)
Jay Freres, der Generalkonsul (der deutsche Journalist Julius Mader hat ihn als Beamten der CIA identifiziert) und Henry Ensher von der Politischen Abteilung empfingen mich mit offenen Armen und erklärten, ich sei ein Fortschritt gegenüber Greta Holtz, mit der das Konsulat angeblich riesige Probleme gehabt hatte. [Jahre später begriff ich allmählich, dass sie mir etwas vormachen wollten, denn unsere Ablehnungsquoten unterschieden sich nur um etwa 5 Prozentpunkte. Einer Biografie zufolge unterhielt Grete Holtz enge Beziehungen zu den Geheimdiensten. Sie hatte früher für den Militärischen Nachrichtendienst (DIA) gearbeitet und war (laut einer anderen Biografie) später von der CIA mit dem Christopher Award ausgezeichnet worden.] 4› Hinweis
Als jemand, der für unsere Botschaft in Riad so große Probleme heraufbeschworen hatte, war Greta Holtz überaus erfolgreich und ist auf der Karriereleiter kontinuierlich nach oben gestiegen. Von 2009 bis 2010 war sie Gesandte Botschaftsrätin für Provinzangelegenheiten an der US-Botschaft in Bagdad und wurde danach stellvertretende Staatssekretärin. Im September 2012 ernannte Präsident Barack Obama sie zur Botschafterin in Oman. In ihrer neuen offiziellen Biografie findet sich seltsamerweise kein Hinweis auf ihre Tätigkeit beim DIA, sondern nur die Angabe, sie habe in der NATO-Abteilung des Verteidigungsministeriums gearbeitet. Wenn sie sich in Washington, D. C., aufhält, lebt sie in einem 2,4 Millionen Dollar teuren Haus im nahegelegenen Potomac, Maryland.
Während meiner Zeit in Dschidda bekam ich von Freres und Ensher (sowie anderen, wie Paul Arvid Tveit, einem Beamten der Wirtschaftsabteilung, der bei namebase.org als CIA-Mitarbeiter aufgeführt war) Empfehlungen. Anfangs geschah das zurückhaltend und unter dem Vorbehalt, dass nach Gesetz und geltenden Vorschriften die letzte Entscheidung bei mir läge, sie aber unbedingt Visa für ihre Kontaktpersonen haben wollten. Mir fällt gerade kein Beispiel ein, doch die meisten Empfehlungen waren harmlos.
Später, nachdem ich angefangen hatte, die Referenzen vieler Antragsteller in Zweifel zu ziehen, weil sie in keiner Verbindung zu Saudi-Arabien oder ihrer Heimat standen, wurden aus den Bitten Forderungen. Dann wurden daraus Drohungen.
Im diplomatischen Dienst wimmelt es zwar von Leuten, die nicht für das Außenministerium arbeiten, doch in Dschidda erlebte ich zum ersten Mal eine Dienststelle, in der die Mehrzahl der Beschäftigen Spooks waren. (Geheimdienstmitarbeiter werden im Jargon des Außenministeriums Spooks [Gespenster] genannt, weil sie unsichtbare Wesen aus einer anderen Welt sind.)
Sowohl nach den Aussagen des ehemaligen Chefs einer CIA-Station (der Leiter der Geheimdienstaktivitäten in einem Land), der ungenannt bleiben will, und Jay Hawley, inzwischen ein FSO im Ruhestand, liegt das Verhältnis von Geheimdienstlern und tatsächlichen Diplomaten in einem beliebigen diplomatischen Standort bei 1 : 3. Nach meinen Erfahrungen in Dschidda, Stuttgart und Neu-Delhi ist es vermutlich höher – zumindest 1 : 1, wenn nicht noch mehr. Nach Angaben der zwölfseitigen, 1983 in Kanada erschienenen Broschüre (siehe namebase.org) mit dem Titel Anti-CIA Club of Diplomats: Spooks in U.S. Foreign Service liegt ihr Anteil bei etwa 60 Prozent. In Dschidda arbeiteten meines Wissens von mehr als zwanzig amerikanischen Staatsbürgern nur drei Personen, einschließlich meiner selbst, für das Außenministerium. Die übrigen waren Mitarbeiter der CIA, der NSA oder ihrer Partner.
(Die NSA entwickelt Verschlüsselungsverfahren oder dechiffriert codierte Nachrichten, hört Telefongespräche ab und liest E-Mails. Das macht angeblich Nachrichten der amerikanischen Regierung sicherer und die amerikanischer Bürger und anderer Nationen weniger sicher. Eine der Sprachen, die Analysten der beiden Dienste lernen, ist »Spezialarabisch« – das heißt Hebräisch. Es soll dabei mithelfen zu verbergen, dass Israel ein Ziel von Aktivitäten der NSA ist.)
Die Situation verschlechterte sich sehr schnell weiter.
Der Visumstempel, mit dem die Einreiseanträge abgestempelt wurden, trug meinen Namen, und das machte mich persönlich verantwortlich für meine Entscheidungen. Nachdem ich fragwürdige Visumanträge abgelehnt hatte, begann ich mich zu erkundigen, was wirklich vor sich ging. Ich fragte zuerst Jean Bradford, die Leiterin der Bürgerabteilung des Konsulats. Sie sagte mir: »Jay Freres (der den meisten Druck wegen illegalen Visa machte) gibt kleinen Kindern eben gern Bonbons.« Danach versuchte ich es bei Justice Stevens, dem Leiter der Konsularabteilung. Er sagte, ich solle nicht darüber reden und tun, was Freres verlangte. Später sprach ich mit Stephanie A. Smith (eine ehemalige französische Staatsbürgerin) über die Sache. Sie war Beraterin für Konsularangelegenheiten in Riad. Sie gehörte ebenfalls zu den in Anti-CIA Club of Diplomats: Spooks in U.S. Foreign Service als CIA-Mitarbeitern aufgeführten Personen, und sie sagte mir, die Forderungen von Freres und anderen nach illegalen Visa seien »sehr schlimm«. Später riet sie mir, das Thema bei meinem nächsten Besuch in Washington im Büro für Konsularfragen zur Sprache zu bringen.
Eric Qualkenbush, 5› Hinweis der Leiter des CIA-Büros in Dschidda, der zur Tarnung die Politik- und Wirtschaftsabteilung leitete, trat mit einer neuen Vorgabe an mich heran: Er oder seine Mitarbeiter hatten alle Visa zu überprüfen und zu genehmigen, die meine Mitarbeiter und ich ausgestellt hatten, bevor den Antragstellern die gestempelten Pässe ausgehändigt wurden. Ich fragte mich, ob diese Praxis von seinen Erfahrungen als Geheimagent im CIA-Büro von Neu-Delhi oder als Leiter des Büros in Sofia, Bulgarien, herrührte, wo er, wie mir ein europäischer Diplomat berichtete, vor seiner Zeit in Dschidda stationiert gewesen war. (Von Dschidda ging Eric nach Bonn.) Nach Aussage ehemaliger Konsulatsbeamter war eine solche Vorgabe sehr ungewöhnlich. Ein anderer Beamter, der mich bat, seinen Namen geheim zu halten, verriet mir, dass die CIA häufig die Akten zu Visumanträgen herausfischte oder bestimmte Informationen über Antragsteller suchte.
Qualkenbushs Dreistigkeit war mir suspekt. Erstaunlicherweise legte er einmal unnötigerweise besonderen Wert darauf, dass ich einem seiner iranischen Kontakte, einem Teppichhändler aus Dschidda, ein Visum erteilte. Eric hielt mich eines Tages auf dem Konsulatsgelände an und sagte, er werde einen seiner Agenten zu mir schicken (Ausländer, die von der CIA angeworben und von einem CIA-Mitarbeiter geführt wurden). Er erklärte, das Visumsinterview müsse »gut aussehen«, denn die CIA wolle den Iraner zu Besprechungen in Washington haben. Hinterher fragte ich mich, weshalb Eric diesen Wunsch überhaupt geäußert hatte. Der Iraner betrieb ein legales Geschäft, reiste in die Vereinigten Staaten, um sich dort mit echten Teppichkäufern zu treffen, und man hatte ihm bereits mehrmals ein Visum erteilt.
In unserem Konsulat in Dschidda, in dem es von »Gespenstern« wimmelte, war es für mich ein täglicher Kampf, meine Arbeit zu machen. Hier sind nur einige wenige Beispiele dafür, was ich herausfand und wie man sich regelmäßig über die Gesetze der Vereinigen Staaten hinwegsetzte. Ich ahnte nicht, dass ich es mit Rekruten für die Arabisch-Afghanische Legion zu tun hatte.
Zwei Pakistanis kamen zu mir und wollten ein Visum. Sie sagten, sie wollten auf einer vom Handelsministerium organisierten Reise eine Messe für Kfz-Zubehör in den USA besuchen. Allerdings kannten sie weder den Namen der Messe noch wussten sie, wo die Veranstaltung stattfinden sollte. Ich lehnte ihre Visumanträge ab. Innerhalb einer Stunde rief mich Paul Arvid Tveit an (der inzwischen als Pensionär in Virginia lebt) und verlangte, dass ich den Pakistanis Visa erteilte. Ich erklärte ihm die Gründe für meine Ablehnung und führte § 214 (b) des Einwanderungs- und Nationalitätsgesetzes an (dem Antragsteller ist eine Einwanderungsabsicht zu unterstellen, sofern er nicht das Gegenteil beweisen kann) und das Handbuch des Außenministeriums (FAM – die »Bibel«, mit Instruktionen für alles, inklusive der Maßgabe, ein Visum zu verweigern, falls Zweifel an der Ehrlichkeit des Antragsstellers bestehen). Tveit setzte sich über Gesetz und Vorschriften hinweg, wandte sich an Justice Stevens, und die Visa wurden erteilt.
Dann verlangte Karen Sasahara von der Politischen Abteilung, die Nachfolgerin von Henry Ensher, ein Visum für einen Sudanesen, der aus seiner Heimat geflohen war und arbeitslos in Saudi-Arabien lebte. Ich hielt mich an Geist und Vorschrift des Gesetzes und lehnte ab. Sasahara wandte sich sofort an Justice Stevens, und das Visum wurde ereilt. Als ich Justice später fragte, weshalb er die Erteilung eines Visums für jemanden autorisiert hatte, der weder Verbindungen im Sudan noch in Saudi-Arabien hatte, antwortete er einfach mit »nationale Sicherheit«, ein Begriff, der gesetzlich nicht definiert ist. 6› Hinweis
Außer Mitarbeitern, die sich an Stevens wandten (er ist inzwischen pensioniert und lebt in der Schweiz), gingen Leute von außerhalb des Konsulats auch immer wieder zu Jay Freres, um meine Entscheidungen rückgängig zu machen. In einem Fall erschien ein in Saudi-Arabien lebender Amerikaner und Bote eines Unternehmens mit einem Stapel von Pässen am Visumschalter und erklärte, ich könne die Visa entweder sofort erteilen oder nachdem er bei Freres gewesen sei. Laut Vorschrift konnte eine Ablehnung nur von einem höheren Beamten mit konsularischen Aufgaben rückgängig gemacht werden, und das war Freres nicht. Zudem musste dieser Beamte im Besitz von Informationen sein, die der ablehnende Beamte nicht kannte. Deshalb handelte Freres ohne Berechtigung, und er unterließ es auch, den erforderlichen schriftlichen Bericht zu verfassen. (Vgl. 9 FAM 41.121)
Eine Frage, der ich nie nachging, war: Wenn ein untergeordneter Beamter wie ich die Referenzen all dieser merkwürdigen Antragsteller anzweifelte, wie reagierten dann die Beamten der Einwanderungsbehörde (INS) mit ihrer sehr viel größeren Erfahrung bei der Einreise dieser zwielichtigen Gestalten? Weshalb wurde niemand abgewiesen und zurückgeschickt? Ich erinnere mich noch gut an eine Geschichte, die mir Mike Carpenter, der Leiter der Konsularabteilung in Stuttgart, in den 1970er-Jahren erzählte. Eine Antragstellerin, der er ein Visum erteilt hatte, war von New York nach Hause zurückgeschickt worden. Zwar hatte sie dem Inspektor gegenüber erklärt, es handle sich nur um einen kurzen Besuch in den USA, doch der Beamte fand in ihrer Handtasche einen Zweijahresvorrat an Empfängnisverhütungspillen, die auf ihren Plan für einen längeren illegalen Aufenthalt hinwiesen.
Jay Freres verhalf nicht nur zweifelhaften Personen zu einem Visum; er half der auch saudischen Regierung, in ihrem Land lebende Ausländer ins Gefängnis zu bringen. Das schien zu seiner fragwürdigen Vergangenheit zu passen, etwa zu seiner Rolle in Kabul im Jahr 1979, als der amerikanische Botschafters »Spike« Dubs entführt und ermordert wurde. Während die afghanische Polizei wild auf die Personen losfeuerte, die Dubs im Zimmer 117 des Kabuler Hotels festhielten, hielt sich Freres, der Leiter der Wirtschafts- und Handelsabteilung, rein zufällig in unmittelbarer Nähe auf. Dean Henderson, ein Autor, Kolumnist und Blogger, behauptet, dass Dubs auch Leiter der CIA-Dienststelle war, was gut unterrichtete Leute für unwahrscheinlich halten. Doch nach Ansicht eines europäischen Diplomaten waren Dubbs und vermutlich auch Freres von der CIA angeworbene Diplomaten. Freres wurde 1982 Botschaftsrat in Ankara. (Neben seiner Stellung als Generalkonsul in Dschidda waren dies seine einzigen Stationen, die ich im Key Officers of Foreign Service Posts, einer Broschüre des Außenministeriums, finden konnte. 7› Hinweis)
Bald nachdem ich angekommen war und in der Stadt Kontakte zu knüpfen begonnen hatte, luden mich zwei Beamte von zwei europäischen Konsulaten zum Essen ein. Bei einem guten Mahl und »Saudi-Champagner« (Sprudelwasser, Apfelsaft und Zitronenscheiben), baten sie mich, sie bei der Identifizierung eines Mannes unbestimmter Nationalität mit mehreren Reisepässen und der Bekanntmachung seiner Aktivitäten zu unterstützen. Sie sagten, der Mann habe eine Abmachung mit der saudischen Regierung, die ihm den Import und Verkauf von Alkohol und Drogen erlaubte. Nach den Worten meiner Gesprächspartner veranstaltete der Mann im alkoholfreien Dschidda Partys und versorgte die Leute großzügig mit Schnaps und Drogen. Nach dem, was ich verstand, gab er dann die Namen seiner Gäste an die saudischen Behörden weiter, die bei solchen Partys hin und wieder Razzien veranstalteten und so viele Teilnehmer festnahmen, wie sie nur konnten. Als Gegenleistung durfte er seine Gewinne behalten (und musste nicht ins Gefängnis).
In der Folge lernte ich bei einer der »Poolpartys« des Konsulats einen Amerikaner kennen, der bei einer solchen Veranstaltung eine Razzia erlebt hatte. Er schien über fünfzig zu sein und war ziemlich übergewichtig. Er erzählte mir, als die Polizei zur Vordertür hereinkam, sei er auf und davon und schneller über die Mauer an der Rückseite des Hauses geklettert als ein sportlicher Teenager.
Nachdem ich von dieser Masche erfahren hatte, hielt ich es für ratsam, Einzelheiten über diesen mysteriösen Dealer bekannt zu machen, um Amerikaner im Zuständigkeitsbereich unseres Konsulats, dem Hedschas, zu warnen. Mir erschien es am einfachsten, eine Notiz an alle beim Konsulat registrierten Amerikaner zu schicken, um sie zu schützen. Als ich Freres, dem Leiter des Konsulats, das vorschlug, verweigerte er seine Zustimmung. Er sagte, das würde die Saudis verärgern, und befahl mir zu schweigen.
Zwar arbeitete ich nicht im Bürgerservice des Konsulats, wo man sich um Belange amerikanischer Bürger kümmert und in Fällen von Festnahmen und Gefängnisaufenthalten aktiv wird, doch ich hielt es für klug (und meine Pflicht), Freres hin oder her, Bekannte unauffällig über die Sache zu informieren.
Alkoholgenuss war in Saudi-Arabien kein Kavaliersdelikt. Wenn man trank und sich dabei erwischen ließ, wurde man (1) festgenommen, (2) ausgepeitscht und (3) deportiert. Doch trotz unserer Bemühungen, den Alkoholkonsum im Konsulat zu »verbergen« (indem wir zum Beispiel die Flaschen zerschlugen und Bierdosen zerquetschten), wussten die Saudis genau, was die Amerikaner taten. Saudische Bürger und Regierungsbeamte kamen zu Empfängen zu mir nach Hause, wo ich verbotene Getränke servierte. Sie nahmen auch an Poolpartys und Veranstaltungen im Marine House 8› Hinweis teil, wo Alkohol ausgeschenkt wurde. Saudische Bürger und Regierungsbeamte besuchten Veranstaltungen im Brass Eagle – dabei handelte es sich um mehrere Räume, die als Privatbar des Konsulats dienten. Und auch wenn sie nichts vom Alkoholkonsum weitererzählten, so gab es immer noch die bewegliche Kamera zur »Verkehrsüberwachung«, die das Gelände und die dort stattfinden Partys überblickte und aus der Vogelperspektive alles aufzeichnete, was dort geschah, einschließlich des Trinkens und des gemischten Tanzens.
Lonnie Washington, der einzige Kommunikationsbeamte des Außenministeriums (er verschickte und erhielt offizielle Nachrichten) und ich erfuhren bald nach unserer Ankunft vom Brass Eagle. Die Bar verdankte ihre Existenz der Ehefrau des früheren Konsularbeamten Brad Bradford und war ein bemerkenswert trostloser und wenig besuchter Ort, den hauptsächlich CIA-Leute frequentierten. Da Lonnies und mein Hausrat noch nicht angelangt waren, beschlossen wir, offizielle und private Kontakte in diese Bar einzuladen. Wir verkauften Eintrittskarten zu umgerechnet 10 Dollar, für die es fünf Drinks gab, und hatten das Brass Eagle im Nu voll. Damit bescherten wir dem Verein zur Unterstützung der Familien amerikanischer Beschäftigter (AEFSA) (hinter dem möglicherweise die CIA steckte) einen satten Gewinn. Der CIA gefiel nicht wirklich, dass wir nicht nur Amerikaner in das Konsulat brachten. Deshalb platzierte sie im Gegenzug Stolpersteine in dem ansonsten glatten Partybetrieb.
Nachdem die CIA später begriffen hatte, was für eine gute Idee es war, ihre fern der Heimat weilenden Mitbürger mit Alkohol zu traktieren, begann sie, Partys am Pool des Konsulats zu veranstalten. Die Partys mit 200 oder mehr Gästen brachten dem erwähnten Verein, einer angeblich gemeinnützigen Organisation, etwa eine Million Dollar im Jahr ein. 9› Hinweis
Das Marine House war ebenfalls eine Bar. Einladungen dorthin waren sehr begehrt, und die Gäste versuchten, eine alkoholfreie Woche dadurch wettzumachen, dass sie in ein paar Stunden möglichst viel tranken. Viele Gäste torkelten danach mehr oder weniger betrunken hinaus auf die Palestine Road vor dem Konsulat. (Ich war zu spät nach Dschidda gekommen, um die »Tarts and Vicars«-Partys im Marine House zu erleben, bei denen die weiblichen Gäste beim Verlassen des Geländes in einer eklatanten Verletzung saudischer Moralvorstellungen reichlich alkoholisierte Haut zur Schau trugen.) Später in meiner Dienstzeit kam ein Inspektionsteam des Marine Corps, um dem Konsum von Alkohol und dem Gewinn aus dessen Verkauf nachzugehen.
Die Parole des Generalkonsuls Jay Freres im Konsulat war: »Kein Ärger mit den Saudis«. Gleichzeitig weigerte er sich, eine fähige, in den USA ausgebildete Saudi-Araberin für eine Position im Informationsservice einzustellen, der Interessenten für wissenschaftliche Studien beriet. (Ich erfuhr, dass der Vorgänger entlassen worden war, weil er bei einer Poolparty angeblich einen CIA-Beamten enttarnt hatte.) Außerdem erlaubte Freres im Konsulat beleuchtete Weihnachtsbäume (die in Dschidda als religiöse Symbole gelten) und das Abspielen von Weihnachtliedern über Lautsprecher. (Das mag sich harmlos anhören, aber die einzige im Königreich erlaubte Religion ist der Islam. Jeder, der bei der offenen Ausübung eines anderen Glaubens ertappt wird, hat die unverhältnismäßigen Folgen zu tragen.)
Wäre Freres tatsächlich daran interessiert gewesen, die Saudis nicht zu verprellen, hätte er mehr dafür tun können, dass auf dem Konsulatsgelände nur Diplomaten Alkohol zu trinken bekamen. Bei offiziellen Empfängen hätte man Obstsaft und alkoholfreie Getränke servieren und er hätte aufhören können, dem Schiff der Mobil Oil Corporation Alkohol zu liefern.
Das Motto »Kein Ärger mit den Saudis« von Jay Freres hatte so viele Löcher wie ein Stück Schweizer Käse nach dem Beschuss mit einer Ladung Schrot. Ich wiederhole: In Saudi-Arabien ist der Islam die einzig legitime Religion. Anhängern anderer Bekenntnisse nimmt man an der Grenze ihre Gebetbücher, Gesangbücher und religiösen Gegenstände ab, und wenn sie ihren Glauben offen zur Schau tragen, können sie des Landes verwiesen werden. Doch der römisch-katholische Freres ließ in seiner offiziellen Residenz sonntags von einem Priester, der im Untergrund arbeitete, für seine Glaubensbrüder und – schwestern im Konsulat und außerhalb die Messe lesen. 10› Hinweis Protestantischen Amerikanern war es gestattet, im Auditorium des Hauptgebäudes Gottesdienste abzuhalten. Beamte des Außenministeriums wie ich wussten davon nichts. Nach dem Ausscheiden von Freres aus dem Dienst erfuhr ich von Tim Hunter, einem gläubigen Katholiken, dass ihm (Hunter) aufgetragen worden war, vom Gottesdienstbesuch in der Kirche des Konsulats abzuraten. Als er Einwände erhob, wurde er von Regierungsbeamten deshalb angegriffen.
Die Gespenster, die »Unsichtbaren«, suchten nicht nur die Konfrontation und gaben zweifelhafte »Hinweise«, sondern sie waren zur »Tarnung« auch als Diplomaten der Konsularabteilung zugeteilt. Philip Agee, ein ehemaliger Sachbearbeiter, erzählte mir, in Mexiko City, wo er gearbeitet hatte, sei ein Posten im Konsulat immer mit einem Mitarbeiter der CIA besetzt gewesen. Nach allem, was mir die Leute in Dschidda sagten, war Brad Bradford, der Vorgänger von Andrew C. Weber, der Visumabteilung als »Teilzeit«-Mitarbeiter zugeteilt gewesen. (Er wurde als politischer/Militärbeamter nach Dharan versetzt.) Angeblich hatten er und Andy Weber sich über die fragwürdige Visumvergabe von Jay Freres beschwert. (Freres hatte sich einen Unterschriftsstempel 11› Hinweis anfertigen lassen und wahrscheinlich auch benutzt, obwohl er kein Konsularbeamter war.) Weber saß ab und zu am Visumfenster und sagte zu mir: »Mike, überlass mir den nächsten Typen, er ist einer von meinen Männern.« 12› Hinweis
Die Verwicklung der CIA in Kungeleien bei der Visumvergabe ist in beinahe allen Auslandsvertretungen an der Tagesordnung. Wenn das bekannt wird, vertuscht man es schnell. Man darf nicht vergessen, es war ein »Konsularbeamter« der CIA in Khartum im Sudan gewesen, der Scheich Omar Abdel Rahman, der später mit dem Bombenanschlag von 1993 auf das World Trade Center in Zusammenhang gebracht wurde, ein Touristenvisum ausstellte. Der »blinde Scheich« stand auf einer Beobachtungsliste für Terroristen des Außenministeriums, als man sein Visum genehmigte und er 1990 über Saudi-Arabien, Pakistan und den Sudan in die USA einreiste. [Ich habe mich später gefragt, ob es sich um den Mann handelte, der in Dschidda einen Boten mit seinem Reisepass und dem Einreiseantrag geschickt hatte. Da für Personen aller Nationalitäten außer Saudis (und manchmal auch für sie) das persönliche Erscheinen vorgeschrieben ist, sagte ich dem Stellvertreter, ich müsse den Antragssteller sehen, erhielt aber die Antwort, der Mann sei »behindert«. Wieso, dachte ich, kann er nicht trotzdem in Mekka in den Bus steigen und ins Konsulat kommen?] 13› Hinweis
Dschidda erschien mir bald als ein höchst seltsamer Ort mit mir völlig unbekannten Leuten, die sich auffallend merkwürdig verhielten. Fragen brachten mich nicht weiter. Viele Kontaktpersonen konnten mir nicht sagen, was im Konsulat wirklich vor sich ging. Europäische Diplomaten fragten regelmäßig nach, wie viele Agenten auf der Gehaltsliste von Uncle Sam standen; das kam vielleicht daher, dass die Geheimdienstler sich nicht um ihre »Tarnung« zu scheren schienen. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Beamten fuhren sie alle die gleichen olivbraunen Toyota Landcruiser mit orangefarbenen und roten Blitzen an den Seiten und gelbbraunen saudischen Nummernschildern anstelle der grünen des konsularischen Corps, wie die echten Diplomaten sie an ihren Wagen hatten.
Ich habe bereits erwähnt, dass ich vor meiner Abreise nach Dschidda mehrmals Greta Holtz geschrieben und mich nach meiner Arbeit erkundigt hatte. Und ich hatte sie gefragt, was sie rückblickend gern gewusst hätte, bevor die den Dienst dort antrat. Ich erhielt niemals eine Antwort. Inzwischen war sie im Jemen stationiert, und als ich sie bei einem ihrer Besuche in Dschidda kennenlernte, sagte sie mir, sie sei »zu durcheinander« gewesen, um mir klare Auskünfte zu geben. Nachdem ich aus dem Dienst ausgeschieden war, rief Holtz mich in Washington an und erkundigte sich nach den Fortschritten bei meinen Beschwerden über Dschidda, obwohl ich dieses Thema ihr gegenüber nie mit einem Wort erwähnt hatte.
Dann trafen die Inspektoren ein.
Diplomatische Missionen im Ausland werden in regelmäßigen Abständen auf ihre ordnungsmäße Arbeit in Hinblick auf Gesetze und Vorschriften überprüft. Darüber wird dann ein Bericht erstellt. Nestor Martin, ein Amerikaner kubanischer Herkunft und einer meiner engen Kontakte mit guten Beziehungen, hatte sehr enge Verbindungen zu Geheimdienstkreisen. Er hatte mich davor gewarnt, den Inspektoren gegenüber etwas von Problemen zu erwähnen. Dazu gehörten verdächtige Visa, höchst lukrative und umfangreiche Verkäufe von Alkohol an Amerikaner, Muslime und andere sowie die Schikanen, denen die arabisch-amerikanische Sprachlehrerin Salma Webber ausgesetzt war. »Wenn du das tust«, ermahnte er mich, »wirst du gefeuert.«
In Dschidda wurde ich von Joseph O’Neill, einem Mitglied des Inspektionsteams, befragt. 14› Hinweis Bei dem Gespräch drängte er mich zu bestätigen, was er über Probleme bei der Visaerteilung und den Verkauf von Alkohol gehört hatte. Er erwähnte Details, die mir neu waren, und erklärte wiederholt, alles, was ich ihm sagte, würde vertraulich behandelt. Als ich berichtete, was Nestor mir geraten hatte, versicherte mir O’Neill, meine Karriere werde keinen Schaden nehmen. Nach etwa einer Stunde wurde ich weich und bestätigte im Vertrauen auf meine Regierung O’Neills Vermutungen. Nur wenige Tage später schrieb Jay Freres einen gemeinen Leistungsbericht, der praktisch meine Entlassung aus dem diplomatischen Dienst sicherstellte.
Im Laufe meines Gesprächs mit O’Neill berichtete ich ihm von dem Stapel dubioser Visa, die ich aufbewahrte. Ich versäumte es, Kopien zu machen oder die Akte mitzunehmen, und musste später feststellen, dass sie mysteriöserweise vernichtet worden war (von wem, war nicht bekannt). Ich vermute, O’Neill hatte das veranlasst, denn er wusste als einziger Beamter von der Existenz der Unterlagen. In der Folge wandte ich mich schriftlich an ihn, als er Generalkonsul auf den Bermudas war (und bevor er, nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst, auf mehreren Missionen des Außenministeriums nach Afghanistan, in die Ukraine und nach Usbekistan reiste), und erkundigte mich, was in Dschidda wirklich vor sich gegangen war. Keine Antwort. Vielleicht hing das damit zusammen, dass O’Neill ein inoffizieller Verbindungsmann zur Arabisch-Afghanischen Legion geworden war, die er zu decken schien. Vielleicht lag es aber auch an seiner Verbindung mit der CIA, die bis zu seinem Aufenthalt in Teheran zurückreichte, als die Botschaft 1979 von aufgebrachten Studenten gestürmt wurde. 15› Hinweis (O’Neill war in dem 1979 veröffentlichten Key Officers Booklet nicht aufgeführt und war auch nicht im Jimmy Carter Presidential Library and Museum als Geisel verzeichnet.) 16› Hinweis
