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Gerade auf Reisen werden wir sowohl mit anderen als auch mit der eigenen Mentalität konfrontiert. Aber auch zu Hause treffen wir auf Menschen aus anderen Kulturen. Wie gehen wir mit Menschen aus anderen Ländern, aus anderen Kulturkreisen um? Wie werden wir gesehen? Was ist typisch? Es gibt viele Arten, ins Fettnäpfchen zu treten. Aber auch als Deutsche*r fühlt man sich oft missverstanden oder gar brüskiert, obwohl es der/die Andere gar nicht so gemeint hat. Eva Blumenfeld war bisher selbst rund sieben Jahre ihres Lebens in vielen Regionen der Welt unterwegs. Sie versucht auf humorvolle Weise und aufgrund ihrer Erfahrungen, den Fragen auf den Grund zu gehen. Was ist deutsch? Wie ticken wir Deutschen? Wie kann man uns am besten begegnen? Und wenn es ganz toll läuft, verstehen wir uns selbst ein wenig besser.
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2021
Eva Blumenfeld, wurde 1956 in Wiesbaden geboren und lebt immer noch dort.
Nach ihrer Lehrerausbildung reiste sie 5 Monate mit dem Rucksack durch Südamerika. Als Teil der Lehrerschwemme arbeitete sie einige Jahre lang als selbständige Jazztanz- und Gymnastiklehrerin. In den 1980er Jahren absolvierte sie eine EDV-Umschulung und landete in einem Versicherungskonzern, wo sie zuletzt als Online-Redakteurin arbeitete.
Fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen war und ist ihr großes Hobby, ihre Leidenschaft. In zusammengenommen 7 Jahren bereiste sie über 40 Länder weltweit und hatte viele Gelegenheiten, Erfahrungen als Deutsche und mit Deutschen zu sammeln, sowie mit eigenen Vorurteilen und denen anderer konfrontiert zu werden.
Für Angelika
Vorwort
Ab in die Schublade
Der Deutsche – eine Promenadenmischung
Föderalismus in Deutschland
Heimat - was ist das?
Die deutsche Sprache
Stolz, ein*e Deutsche*r zu sein?
Kulturelle Eigenheiten und Mentalität
Jammern auf hohem Niveau
Weltmeister im Sparen
Reiseweltmeister - Deutsche im Ausland
Die deutsche Pünktlichkeit
Organisieren, Optimieren und Planen
Wir wissen alles besser - die deutsche Arroganz
Deutsche Arbeitsmoral
Soziale Kontrolle
Haben Deutsche überhaupt Humor?
Lockerheit und Leichtigkeit
Die deutsche Seele
Die Musik der Deutschen
Ein Prosit der Gemütlichkeit
Typisch deutsche Dinge und Verhaltensweisen
Deutsches Essen
Frühstücksbrettchen und Abendbrot
- Gartenzwerge
- Der Stammtisch
- Der Verein
Umweltschutz und Mülltrennung
Feste feiern in Deutschland
Schaffe, schaffe, Häusle baue
König Fußball
Das Auto – des Deutschen liebstes Kind
Freundschaften schließen
Zu guter Letzt
Das vorliegende Machwerk bezieht sich nur zum kleinen Teil auf Statistiken und auf wissenschaftliche Untersuchungen – und ist somit alles Andere als typisch deutsch. Und es ist auch alles Andere als objektiv, denn als Deutsche bin ich natürlich betroffen. Dafür kann ich aus dem Nähkästchen plaudern.
Da, wo es möglich ist, bin ich humorvoll an das Thema rangegangen und da wo es nötig ist, auch mal ernsthafter - aber immer subjektiv.
Ein großer Teil dieses Buches beruht einfach auf den Erfahrungen von meinen 65 Lebensjahren.
Den Großteil meines bisherigen Lebens habe ich in Deutschland verbracht, aber auch zusammengenommen ca. 7 Jahre auf zum Teil mehrmonatigen Reisen in viele Regionen dieser Welt.
Gerade auf Reisen wird man sowohl mit anderen, als auch mit der eigenen Mentalität konfrontiert. Was stimmt davon? Was ist typisch? Wie gehen wir mit Menschen aus anderen Ländern, aus anderen Kulturkreisen um, und wie werden wir gesehen? Es gibt viele Arten, ins Fettnäpfchen zu treten. Aber auch als Deutsche*r fühlt man sich oft missverstanden oder gar brüskiert, obwohl es der/die Andere gar nicht so gemeint hat.
Ich versuche einfach aufgrund meiner Erfahrungen, den Fragen auf den Grund zu gehen, was ist deutsch, wie ticken wir Deutschen, und wie kann man uns am besten begegnen?
Und wenn es ganz toll läuft, verstehen wir uns selbst ein wenig besser ;-)
Abb.: P.Rittmeister
Ach ja, noch was – dieses Buch habe ich 2020/2021 geschrieben, als unser Leben komplett von der Covid-19-Pandemie auf den Kopf gestellt wurde.
Diese weltweite Krise hat nicht nur unser Denken und Fühlen beherrscht, sondern auch interessante Beispiele für schräge, aber doch typische Verhaltensweisen aufgezeigt.
Und sie wird unser Fühlen, Denken und Handeln nachhaltig verändern.
Aus diesem Grund gehe ich gelegentlich auf die Corona-Krise ein.
Die Franzosen sind per se ungehorsam und streikbereit, aber ihre Küche ist phantastisch. Und erst in der Liebe ...
Die Griechen können nicht mit Geld umgehen, sind chaotisch und lebensfroh. Tanzen wie Alexis Zorbas ...
Die Italiener hauen Dich gerne übers Ohr, können aber gut kochen. „La Mama“ ist die Chefin ...
Die Holländer sind knauserig und nur mit Wohnwagen unterwegs. Und Frau Antje isst immer Käse aus Edam...
Die Amerikaner sind ungebildet und kennen nichts außer den USA. Zwischen Hot Dog und Hamburger immer zu einer militärischen Invasion bereit. Weltpolizei.
Die Inder sind rückständig, schmutzig, frauenfeindlich und ersticken im Kastenwesen. Essen mit der Hand scharfe Curries und Reis.
Die Deutschen sind pünktlich, immer korrekt, gut organisiert und humorlos.
Und so weiter und so fort.
Ab in die Schublade (Foto: E.Blumenfeld)
Wir sind geneigt, alles und jeden in eine Schublade zu packen, die munter mit Vorurteilen gespickt ist. Das ist der Versuch, Ordnung in diese komplexe Welt zu bringen. Eine Welt, die uns durch die Globalisierung mit immer mehr Informationen überschüttet.
Die Informationen, die in der Wochenendausgabe der FAZ stecken, hatte ein durchschnittlicher Mensch der Antike in seinem ganzen Leben und ein Mensch im 18.Jahrhundert in einem Jahr.
Und wir? Kein Wunder, dass wir ein Ordnungssystem brauchen, um der Informationsflut Herr zu werden – oder einen pandemiebedingten Lockdown.
Aber bleiben wir mal bei unseren Schubladen. Grundsätzlich ist ja nichts gegen diese Schubladen einzuwenden, bzw. sie mögen sogar notwendig sein – solange wir bereit sind, in den Schubladen immer wieder aufzuräumen, Ansichten raus zu nehmen oder zu ersetzen.
Vorurteile lassen sich gar nicht vermeiden, ich behaupte sogar, dass es keinen Menschen ohne Vorurteile gibt. Das können positive wie negative Vorurteile sein. Solange wir bereit sind, uns unseren Vorurteilen zu stellen und sie, falls nötig, zu revidieren, ist das auch gar nicht problematisch.
Aber was steckt in der Schublade über die Deutschen? Gibt es die Deutschen, die Franzosen, die Italiener usw. überhaupt?
In diesem Buch möchte ich versuchen, den Vorurteilen über die Deutschen auf den Grund zu gehen.
Was die Vorurteile über andere Länder und deren Bewohner*innen betrifft: Nichts ist besser, als sich selbst ein Bild zu machen. Wie heißt es so schön: Reisen ist tödlich gegen Vorurteile.
Und wie sagte schon der olle Goethe:
„Für Naturen wie die meine, die sich gerne festsetzen und die wichtigen Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar; sie berichtigt, belehrt und bildet.“
Aber es geht nicht nur darum, durch Reisen andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen sondern auch darum, gespiegelt zu bekommen, wie die eigene Kultur und Mentalität gesehen wird.
Und wenn uns Vorurteile entgegen gebracht werden, können wir Anderen die Chance geben, diese zu revidieren.
Was in der Kapitelüberschrift so despektierlich klingt, ist auch so gemeint.
Die Römer besetzten 500 Jahre lang einen Großteil Europas und somit auch einen Teil des heutigen Deutschlands. Die Grenze zum Römischen Reich, der Limes, verlief mitten durch Germanien. Nördlich der Grenze lebten viele germanische Stämme, die sich auch gegenseitig ständig bekriegten.
Die Römer, die auch nicht alle aus Rom, sondern aus vielen verschiedenen Teilen des riesigen Römischen Reiches kamen, vermischten sich mit den Germanen und Kelten.
Abb. Kampf zwischen Germanen und Römern
Im 4. und 5. Jahrhundert setzte der Einfall der Hunnen, ein mongolisches Reitervolk, vom Osten her eine riesige Völkerwanderung nach Westen in Gang und beendete damit die römische Besetzung. Es gab Ostgoten, Westgoten, Kelten, Germanen, Slawen, Gallier, Alemannen, Franken, Vandalen, Burgunder, Thüringer, Friesen und Sachsen und weiß der Teufel noch wie viele Völker. Es wurden Kriege geführt, Sklaven verschleppt und alle vermischten sich munter. Mit anderen Worten und um es völkisch auszudrücken: Es gibt kein reines deutsches Volk!
Wenn man davon ausgeht, dass der erste Mensch, „Lucy“ aus Afrika kommt, dann können wir davon ausgehen, dass in unseren Genen auch Anteile von dunkelhäutigen Afrikaner*innen stecken. Das mag den Rassisten dieser Welt nicht passen – aber so isses!
Bleiben wir jetzt mal in Deutschland. Dieser Nationalstaat ist noch sehr jung. Bis 1806 gab es das heilige römische Reich deutscher Nation geführt unter anderem von Franken, Karolingern, Staufern und Habsburgern. Diese deutschen Nationen verliefen jedoch in anderen Grenzen und waren zum Teil sehr viel größer als das heutige Deutschland. So beinhalteten diese Reiche zeitweise zum Beispiel Teile des heutigen Österreichs, Ungarns, Tschechiens, der Slowakei, Polens, Burgunds, der Lombardei und Siziliens.
Die Grenzen änderten sich im Laufe der Zeit immer wieder. Die Kaiser wurden von Königen, Adel und Klerus gewählt, d.h. es gab einfach kein Deutschland, sondern viele mehr oder weniger kleine Königreiche, Fürstentümer, Bistümer, Grafschaften und freie Reichsstädte. Und auch hier gab es ständig kriegerische Auseinandersetzungen, sowohl untereinander, als auch mit der Kirchenmacht.
Ach ja, und dann gab es ja auch noch den 30-Jährigen Krieg – eine Scheißzeit. In diesen ganzen Jahrhunderten vermischten sich wieder die Völker durch Kriege, Flucht vor Hunger, Gewalt und Krankheiten wie die Pest. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges im Jahre 1648 bekamen die einzelnen Fürsten die volle Landeshoheit. Es gab die Königreiche Bayern, Sachsen und Preußen. Daneben Kurfürstentümer und Grafschaften. Insgesamt regierten Adel und Klerus in rund 372 kleinen und kleinsten unabhängigen Obrigkeitsstaaten.
Erst 1871 wurde das (zweite) kleindeutsche Kaiser-Reich ohne Österreich gegründet nach einem Krieg gegen Frankreich. Der König von Preußen Wilhelm I. wurde der deutsche Kaiser. Deutschland wurde zum Nationalstaat – hier wurde den Deutschen Disziplin und Gehorsam eingebläut, eine „Tugend“, die das Land in den ersten Weltkrieg führte und die uns heute noch nachhängt.
Nachdem der erste Weltkrieg (1914-1918) verloren war, musste der Kaiser abdanken und in einer verfassunggebenden Nationalversammlung wurde die Weimarer Republik gegründet.
Prägte das Bild über die Deutschen: Kaiser Wilhelm II., 1915
Die Schmach über den Verlust dieses Krieges stärkte den Nationalismus und führte letztendlich zur Herrschaft der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Jetzt ging der Wahnsinn von der reinen deutschen Rasse, die es gar nicht gibt, siehe oben, richtig los. Groß, blond und blauäugig – das war das Ideal, dem die nationalsozialistischen Führer selbst, wie 90% der Bevölkerung, überhaupt nicht entsprachen.
Mit deutscher Perfektion entwickelte die faschistische Staatsführung die grauenhafte Vernichtung der Staatsfeinde. Ca. 6 Millionen Juden wurden in den Konzentrationslagern umgebracht, dazu Hunderttausende Behinderte, Homosexuelle, Bibeltreue, Sinti und Roma, sowie politische Gegner, Kommunisten und Widerstandskämpfer.
Mindestens weitere 2 Millionen Menschen starben durch grauenhafte Massaker. Die Gefangennahme und Tötung so vieler Menschen wurde mit deutscher Gründlichkeit penibel geplant und verwaltet. Die Schattenseiten des Organisationstalents hängen uns heute noch nach.
Parallel dazu brachen die Deutschen 1939 den 2. Weltkrieg vom Zaun, der unglaubliches Leid über ganz Europa und die Welt mit 50 Millionen Toten brachte. Zum Glück verloren wir den Krieg 1945 und das 1000-jährige Reich endete nach nur 12 Jahren. Und das waren schon 12 Jahre zuviel!
Die Siegermächte teilten Deutschland in vier Besatzungszonen.
Nun wurden 2 deutsche Staaten gegründet: Die sozialistische DDR mit Hilfe und unter Einfluss der Sowjetunion und die kapitalistische BRD mit Hilfe und unter Einfluss von USA, Großbritannien und Frankreich. Beide Staatssysteme rangen im kalten Krieg zwischen NATO und Warschauer Packt um die Vorherrschaft in Europa und der Welt.
Nach und nach bröckelte jedoch der eiserne Vorhang, der Europa in Ost und West geteilt hatte. Willy Brandt und Michail Gorbatschow sei Dank. Nach dem Mauerfall Ende 1989 gab es ein wiedervereinigtes Deutschland.
Deutschland hat zwar eine gewählte Bundesregierung, ist aber föderalistisch organisiert. Es gibt 16 Bundesländer, die eine eigenständige Landespolitik betreiben.
Aber es ist auch wirklich so, dass es selbst heute nicht den typischen Deutschen gibt: Die Schleswig-Holsteiner sind den Dänen ähnlicher als den Bayern und diese sind wiederum den Österreichern ähnlicher als den Brandenburgern und so weiter und sofort.
Es ist also alles viel komplizierter und komplexer, als in unseren einfach sortierten Schubladen.
Puuh, das war jetzt ein scharfer Galopp mit vielen Abkürzungen durch die deutsche Geschichte. Aber diese Geschichte ist notwendig, um zu zeigen, wer wir sind und warum wir so sind, bzw. warum wir so gesehen werden. Aber auch, um zu zeigen, dass es gar nicht so einfach ist, uns in eine Kategorie zu packen.
Trotzdem gibt es eine Mentalität und kulturelle Eigenheiten, die uns einen und uns von Bürger*innen anderer Nationen unterscheiden. Und die wollen wir uns mal genauer ansehen.
Ein bisschen Politik muss jetzt sein, um Deutschland und seine Politik zu verstehen.
Wie im Kapitel vorher bereits geschrieben, ist Deutschland in 16 Bundesländer aufgeteilt. Diese Bundesländer besitzen eine gewisse, begrenzte Eigenstaatlichkeit, sind jedoch zu einem Nationalstaat, der Bundesrepublik, zusammengeschlossen.
Es gibt 16 Landesregierungen und die übergreifende Bundesregierung. So wählen die Bürger*innen nicht nur alle 4 Jahre die Bundesregierung sondern auch alle 4 Jahre ihre Landesregierung.
Einzelne Bereiche sind unterschiedlich verteilt. So liegen zum Beispiel Außenpolitik und Verteidigung in der Entscheidungsgewalt der Bundesregierung. Andere Bereiche wie Bildung, Kultur, Gesundheitswesen und Polizei liegen in der Entscheidungsgewalt der Bundesländer. Aber es gibt auch für diese Bereiche immer auch noch eine Bundesbehörde zum Beispiel Bundespolizei und Bundesgesundheitsministerium.
Ganz schön verwirrend, nicht wahr? Und zum Teil auch grotesk.
Nehmen wir das Beispiel Bildung: Um zukünftig eine Gleichschaltung wie unter den Nazionalsozialisten zu verhindern, wurde die Bildungspolitik in der Hochschulreform 1949 dezentralisiert und der Entscheidungsgewalt der Bundesländer übertragen.
Leider führte das zu sehr uneinheitlichen Standards: In manchen Ländern gab es Gesamtschulen, in anderen nicht.
In einigen Ländern können Schüler*innen das Abitur nach 12 Schuljahren absolvieren, in anderen nach 13 Schuljahren. Und selbst das liegt auch noch in der Verantwortung der einzelnen Schulen. Lerninhalte sind teilweise so unterschiedlich, dass Schulabschlüsse für die Vergabe von Studien- und Ausbildungsplätzen unterschiedlich bewertet werden.
Dadurch haben es Kinder, die mit ihren Eltern in ein anderes Bundesland ziehen, oft schwer, in der Schule Fuß zu fassen.
In manchen Ländern herrscht Lernmittelfreiheit, das heißt, die Schüler bekommen ihre Schulbücher kostenlos, in anderen Ländern müssen die Eltern diese selbst bezahlen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur jedes Land, sondern auch viele Fachkonferenzen der Schulen die Auswahl des Lehrmaterials selbst bestimmen. Das macht die Schulbücher, die in relativ kleinen Auflagen gedruckt werden, sehr teuer.
In Italien ist das anders: Ein Mathebuch für das 7. Schuljahr an einem Gymnasium ist im ganzen Land dasselbe. Und das kann man dann für 3 Euro im Supermarkt kaufen.
Die Probleme des Föderalismus treten in der Pandemie besonders deutlich zutage.
Jedes einzelne Bundesland entscheidet über die Coronamaßnahmen im Land. Die sind dann auch recht unterschiedlich: Die Regierung eines Landes mit niedriger Inzidenz möchte mehr Lockerung für ihre Bürger*innen, während die Maßnahmen eines anderen Landes besonders streng sind.
Der Bundesgesundheitsminister versucht verzweifelt, alle Landesregierungen auf eine einheitliche Linie zu bringen, während die Opposition im Bundestag meckert, dass sie nicht genügend eingebunden ist. Denn laut Verfassung leben wir in einem Land mit Gewaltenteilung. In der Corona-Krise entscheiden aber die Ministerpräsident*innen wie einst die Landesfürsten über Gesetze. Das riesige Parlament ist fast überflüssig.
Dies ist für viele Bürger*innen nicht nur unverständlich, sondern führt zu gewaltigem Verdruss. Manche Corona-Leugner*innen bezeichnen daher die Regierung auf Demonstrationen als Merkel-Diktatur. Sie scheinen nicht zu wissen, dass niemand in einer Diktatur demonstrieren darf.
Ich bin ja begeisterte Konsumentin von Krimis sowohl in Buch- als auch in Filmform.
Was da auffällig oft beschrieben wird, ist das Kompetenzgerangel zwischen der örtlichen Polizei und dem Vertreter der Bundesbehörde. Da ärgert sich der örtliche Kriminalkommissar gewaltig über die Einmischung des BKA-Mannes in „seinen“ Mordfall.
Wie realistisch das ist, kann ich nicht beurteilen, aber wenn das so häufig thematisiert wird, scheint was dran zu sein…
Bei allen Problemen, die der Föderalismus mit sich bringt, ist er doch Ausdruck einer Gewaltenteilung, die eine absolutistische Zentralmacht verhindert. Außerdem trägt diese Aufteilung in Bundesländer den unterschiedlichen geografischen Gegebenheiten und Mentalitäten Rechnung. So hat zum Beispiel die Windenergie an der Küste eine andere Bedeutung als im Voralpenland, wo die Energiegewinnung durch Wasserkraft eine höhere Priorität besitzt.
Und das schlägt sich auch in der Politik nieder.
Weltweit gibt es 28 Länder, die eine föderalistische Staatsstruktur haben. Die größten demokratisch orientierten Staaten sind: USA, Kanada, Brasilien, Indien und Australien.
Der Begriff „Heimat“ ist im Denken vieler Deutscher verankert. Ich weiß nicht, wie das in den anderen Ländern ist. Bei uns gibt es den Begriff „Heimatliebe“, und es gibt jede Menge Heimatromane und Heimatfilme, die meistens sehr schnulzig daherkommen und viele Menschen der 68’er Generation unangenehm an den Heimatbegriff der Nazis erinnern.
Oder zumindest an den Mief der 1950’er Jahre. Dazu gehören für diese Generation auch Dirndl, Lederhosen und Blasmusik.
Diese Attribute werden von Amerikanern und Asiaten übrigens gerne als typisch deutsch angesehen. Dabei sind Dirndl, Lederhosen und Blasmusik hauptsächlich in Bayern anzutreffen – einem von 16 deutschen Bundesländern! Es gibt in jeder Region unterschiedliche Trachten, Volkstänze, Volkslieder, Bräuche, die im Alltag kaum noch eine Rolle spielen. Der Tourismus jedoch profitiert davon.
Deutsche Heimat: Wegekreuz und Fachwerk, (Fotos: E. Blumenfeld)
Nüchtern betrachtet ist Heimat, lediglich die Umgebung, geographisch und sozial, in der wir aufgewachsen sind, und/oder in der wir leben und die unsere Mentalität und unsere Denkweise beeinflussen.
