Die Eloquenz der Computer - Johannes Oster - E-Book

Die Eloquenz der Computer E-Book

Johannes Oster

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Beschreibung

Seit dem »ChatGPT-Moment« im November 2022 ist die Welt eine andere. Sprachmodelle sind über Nacht von einem Forschungsexperiment zu einem kulturellen Phänomen geworden und haben sich tief in unseren Alltag eingewoben. Johannes Oster unternimmt den Versuch, diese rasante Entwicklung in einer Momentaufnahme nachzuzeichnen. Beginnend mit einem Blick von außen ergründet er, warum die sprachliche Gewandtheit von KI auf uns so magisch wirkt. Er erklärt das Innenleben der Technologie – wie Sprache in atomare Bausteine (»Tokens«) übersetzt, ihre Bedeutung in hochdimensionalen Vektorräumen als »Karte der Bedeutung« verankert wird und wie die KI durch die simple Aufgabe, das nächste Token vorherzusagen, die komplexen Muster unserer Sprache erlernt. Schließlich wirft er einen kritischen Blick auf das große Ganze und die tiefgreifenden Konsequenzen dieser Revolution.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 49

Veröffentlichungsjahr: 2026

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WIENER VORLESUNGEN

Band 217

Herausgegeben für die Stadt Wien von der Wienbibliothek im Rathaus

Vortrag

am 12. Mai 2025

JOHANNES OSTER

DIE ELOQUENZ DER COMPUTER

MACHT, MAGIE UND MECHANIK

PICUS VERLAG WIEN

Copyright © 2026 Picus Verlag Ges.m.b.H.

Friedrich-Schmidt-Platz 4/7, 1080 Wien

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Grafische Gestaltung: Buntspecht, Wien

ISBN 978-3-7117-3038-1

eISBN 978-3-7117-5554-4

Informationen zu den Wiener Vorlesungen unter

www.wienervorlesungen.at

Informationen über das aktuelle Programm des Picus Verlags und Veranstaltungen unter www.picus.at

INHALT

DIE WIENER VORLESUNGEN

VORWORT

TEIL 1 EIN BLICK VON AUSSEN

DER TRAUM VON ELOQUENTEN MASCHINEN

NOVEMBER 2022 – DER »CHATGPT-MOMENT«

SPRACHE – IHRE ALLGEGENWART, ZUGÄNGLICHKEIT UND WIRKMACHT

TEIL 2 EIN BLICK INS INNERE

DIE ANATOMIE EINES SPRACHMODELLS

DIE MATHEMATIK SEMANTISCHER BEDEUTUNG

VOM ZUFÄLLIGEN ZAHLENSALAT ZUM SPRACHGENIE

DIE MAGIE ELOQUENTER MASCHINEN

DIE GRENZEN DER MAGIE

WENN MASCHINEN SEHEN UND HÖREN LERNEN

TEIL 3 EIN BLICK AUFS GROSSE GANZE

DIE VERSTECKTEN KOSTEN VON INTELLIGENZ

EIN RENNEN UM INTELLIGENZ

DIE DUNKLE SEITE DER ELOQUENZ

SCHLUSSWORT

REFERENZEN

DER AUTOR

DIE WIENER VORLESUNGEN

Nur eine aufgeklärte Öffentlichkeit, die freien Zugang zu validen Informationen und aktuellen Wissenschaftskonzepten hat, ist in der Lage, sich differenziert mit den gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Mit dem unverwechselbaren Wissenschaftsformat Wiener Vorlesungen leistet die Stadtregierung nun bereits seit mehr als drei Jahrzehnten einen wertvollen demokratiepolitischen Beitrag. Offen für alle, niederschwellig und zugleich hochkarätig werden hier die neuesten Erkenntnisse, Ideen und Fragestellungen aus Wissenschaft und Forschung präsentiert und diskutiert.

Als Forschungsstandort und Universitätsstadt hat die Stadt Wien eine Spitzenposition im mitteleuropäischen Raum inne und sieht es auch in ihrer Verantwortung, Impulsgeberin für aktuelle und zukunftsrelevante Auseinandersetzungen zu sein. So beziehen die Wiener Vorlesungen die Öffentlichkeit in den wissenschafts- und technologiepolitischen Diskurs mit ein und verhandeln Themen, die für die Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner besonders relevant sind.

Neu in der langen Geschichte ist das Format Wiener Vorlesungen online – geschuldet natürlich den mit der Covid-19-Pandemie einhergehenden Einschränkungen. Doch aus der Not wurde hier eine Tugend: Mittlerweile sind alle Veranstaltungen jederzeit nachträglich abrufbar und es kann somit auch zeitversetzt an der Diskussion aktuellster Fragestellungen partizipiert werden. Denn gerade in der Krise wurde sichtbar, welche Bedeutung vertrauenswürdige Konzepte der Wissensvermittlung während des Überangebots an Meldungen haben, das allzu oft von Halbwissen, Unwissen und Falschwissen geprägt ist. Das zeitgemäße Veranstaltungsformat trägt dazu bei, Dimensionen abzuschätzen, Fragen zu bewerten und schlussendlich Entscheidungen für das eigene Handeln zu treffen. Eine fundierte Informationsbereitstellung und der öffentliche Diskurs über die Voraussetzungen und Folgen von Forschung ist gerade heute von zentraler Bedeutung.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die breite Diskussion des Nichtbeziehungsweise Noch-nicht-Wissens geworden, das gute Wissenschaft auszeichnet und zu ihrem Selbstverständnis zählt. Mit dieser Ungewissheit des Nicht-Wissens bewusst umzugehen und diese mit der Gesellschaft zu teilen, ist ein weiteres wichtiges Anliegen der Wiener Vorlesungen.

An unterschiedlichen Schauplätzen – denn auch bei ausschließlichen Online-Vorlesungen sollen verschiedene Orte der Stadt zu Stätten der Bildung werden – lädt das Dialogforum prominente Denkerinnen und Denker, den Nachwuchs der Wissenschaft und insbesondere Wissenschaftlerinnen ein, ihre Erkenntnisse und Einsichten über Fachgrenzen und Generationen hinweg mit der Bevölkerung zu teilen.

Um von den Wiener Vorlesungen zu profitieren, ist kein Studium nötig! Das ideale Publikum zeichnet sich durch große Wachheit und unbändige Neugier auf das Unbekannte und brennende gesellschaftliche Fragen aus. Bei kontrovers zu diskutierenden Themen ist dies umso entscheidender. Wenn hier individuelle Echokammern aufgebrochen werden, die ansonsten zu einer Engführung der Wahrnehmung führen können, hat das niederschwellige Wissenschaftsformat sein Ziel erreicht und den demokratiepolitischen Auftrag aufs Beste erfüllt.

In diesem Sinne freue ich mich, dass die Wiener Vorlesungen mit dieser Publikation nun auch schriftlich vorliegen und einen noch weiteren Adressat*innenkreis erreichen.

Veronica Kaup-Hasler

Stadträtin für Kultur und Wissenschaft

VORWORT

Ein Buch über große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) zu verfassen, gleicht dem Versuch, ein Aquarellbild eines Sonnenuntergangs vom Dach eines fahrenden Zuges zu malen; die Landschaft verändert sich schneller, als der Pinsel über das Papier gleiten kann. Es ist ein paradoxes Bestreben, eine Technologie zu erklären, die sich schneller wandelt, als Bücher gedruckt werden können. Als ChatGPT1 im Jahr 2022 als unscheinbare Vorschau auf frühe Experimente das Licht der Welt erblickte, durchbrach es binnen fünf Tagen die Millionen-Nutzer-Grenze – schneller als jede andere Technologie in der Menschheitsgeschichte. Was als Forschungsexperiment begann, wurde über Nacht zum kulturellen Phänomen. Hinter der scheinbaren Magie verbirgt sich ein Universum numerischer Parameter, gewaltiger Datenmengen und mathematischer Rechenoperationen. Dieses Buch hat nicht den Anspruch, eine zukunftssichere Enzyklopädie darzustellen, sondern dient vielmehr als Weitwinkel-Momentaufnahme. Es soll die technischen Grundlagen verständlich erklären, aktuelle Dynamiken analysieren und gegenwärtige systemische Herausforderungen skizzieren.

  1Chat beschreibt die Benutzeroberfläche; Generative Pre-Trained Transformer das Sprachmodell, das dahintersteckt. Diese Begriffe werden im Laufe des Buches entschlüsselt.

TEIL 1 EIN BLICK VON AUSSEN

DER TRAUM VON ELOQUENTEN MASCHINEN

Die Vision von menschengeschaffenen Wesen ist kein Produkt des 21. Jahrhunderts. Bereits im antiken Griechenland beschrieb Biotechnē2 den zeitlosen Impuls, durch Handwerkskunst Nachbildungen des Lebens zu erschaffen – »gemacht, nicht geboren«3 [1].

Jahrtausende später – im Sommer 1956 – legten John McCarthy, Marvin Lee Minsky, Nathaniel Rochester und Claude Elwood Shannon den Grundstein für das moderne Wissenschaftsfeld rund um Künstliche Intelligenz. Sie wollten »erforschen, wie Maschinen Sprache verwenden, Abstraktionen und Konzepte bilden, Probleme, die derzeit noch Menschen vorbehalten sind, lösen und sich selbst verbessern können«. Dazu versammelte sich die Gruppe ambitionierter Wissenschaftler am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, zu einem mehrwöchigen Symposium – dem »Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence«. Ihre hochgesteckten Ziele beruhten auf der verschriftlichten Prämisse, dass sich »jeder Aspekt des Lernens oder jeder andere Wesenszug von Intelligenz im Prinzip so präzise beschreiben lässt, dass eine Maschine gebaut werden kann, um ihn zu simulieren« [2]. Es war die Geburtsstunde des Begriffs »Artificial Intelligence« (Künstliche Intelligenz, KI) – ein Ausdruck, der ebenso sehr eine wissenschaftliche Disziplin wie ein Streben nach einer kulturellen Utopie war und ist.

In den darauffolgenden Jahren durchlebte diese Disziplin Wechsel von Blüte und Verfall: Zeiten, in denen Forschungsgelder flossen, in denen frühe Chatbots4 wie ELIZA