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Die Europäische Union ist ein in der Geschichte einzigartiger politischer Versuch und – bei allen Schwierigkeiten – ein zukunftsweisendes Modell friedlicher Koexistenz. Was aber sind die Wurzeln dieses Staatengebildes, was die geistigen Grundlagen? Jürgen Elvert zeichnet in einem breiten, kulturhistorischen Einleitungskapitel die Idee und Vorstellung von Europa von der Antike bis ins 20. Jahrhundert nach, um dann in drei Kapiteln den Gang der europäischen Integration von der ›Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl‹ (EGKS) von 1952 bis zum vorerst gescheiterten Verfassungsvertrag 2005 detailliert darzustellen. Es ist eine Analyse unserer politischen Wirklichkeit auf aktuellstem Stand, die für das Nachdenken über die Zukunft Europas unerlässlich ist.
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Seitenzahl: 331
Veröffentlichungsjahr: 2013
Herausgegeben vonKai Brodersen, Martin Kintzinger,Uwe Puschner, Volker Reinhardt
Herausgeber für den Bereich Neuzeit:Uwe Puschner
Beratung für den Bereich Neuzeit:Walter Demel, Merith Niehuss, Hagen Schulze
Jürgen Elvert
2. Auflage
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
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2., bibliographisch aktualisierte Auflage 2013©2013 by WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt1. Auflage 2006Die Herausgabe des Werkes wurde durch die Vereinsmitgliederder WBG ermöglicht.Einbandgestaltung: schreiberVIS, BickenbachSatz: Lichtsatz Michael Glaese GmbH, HemsbachRedaktion: Christina Kotte, Freiburg
Besuchen Sie uns im Internet: www.wbg-wissenverbindet.de
ISBN 978-3-534-25726-3
Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich:eBook (PDF): 978-3-534-73473-3eBook (epub): 978-3-534-73474-0
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Innentitel
Inhaltsverzeichnis
Informationen zum Buch
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Impressum
Geschichte kompakt
I. Europäische Variationen in der Geschichte
Europa als geographischer Begriff
Antike Europabilder
Europa in Mittelalter und Renaissance
Socialitas, Balance of Power und Ewiger Frieden
Das napoleonische Europa und seine Gegner
Das romantische Europa
Europa auf dem Wiener Kongress
Das „Wiener System“
„Europäismus“ und Nationalstaat
Nationalismus und Imperialismus
Die Zwischenkriegszeit: Föderationspläne gegen Hegemonialstreben
Europa im Zweiten Weltkrieg
II. Die Gründungsphase (1952–1973)
Die Problemkonstellationen der Nachkriegszeit
Problemkreis 1: Europa als „Dritte Kraft“ zwischen Ost und West
Problemkreis 2: Sicherheitsfragen
Problemkreis 3: Ökonomische Erfordernisse und Möglichkeiten
Möglichkeiten und Grenzen europäischer Zusammenarbeit zwischen 1948 und 1952
Die Montanunion als Ausgangspunkt des supranationalen Integrationsprozesses: Der Schuman-Plan
Der Pleven-Plan – Eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft als Motor der europäischen Integration?
Der Neustart des Integrationsprozesses – Von der Relance Européenne zu den Römischen Verträgen
Nachbarschaftliche Reaktionen
Schwierige Anfangsjahre
Der Abschluss der Gründungsphase: Die erste Erweiterung von 1973
III. Die Konsolidierungsphase(1970–1992)
Politische Zusammenarbeit als Programm: Die Europäische Zusammenarbeit gewinnt an Profil
Neue Impulse für eine gemeinsame Wirtschafts- und Währungspolitik
Die Europäische Union gewinnt Konturen: Auf dem Weg zur Einheitlichen Europäischen Akte
Aus neun werden zwölf: Die zweite Erweiterungsrunde
Die Europäische Union wird gegründet: Der Vertrag von Maastricht
IV. Die Europäisierung der Europäischen Union (seit 1989/90)
Die schwierige Umsetzung der Maastrichter Bestimmungen
Die dritte Erweiterungsrunde
Von 15 auf 25: Der Vertrag von Nizza, die Osterweiterung und der Vertrag über eine Verfassung für Europa
Und was nun?
Abkürzungsverzeichnis
Auswahlbibliographie
Personenregister
In der Geschichte, wie auch sonst,
dürfen Ursachen nicht postuliert werden,
man muss sie suchen.
(Marc Bloch)
Das Interesse an Geschichte wächst in der Gesellschaft unserer Zeit. Historische Themen in Literatur, Ausstellungen und Filmen finden breiten Zuspruch. Immer mehr junge Menschen entschließen sich zu einem Studium der Geschichte, und auch für Erfahrene bietet die Begegnung mit der Geschichte stets vielfältige, neue Anreize. Die Fülle dessen, was wir über die Vergangenheit wissen, wächst allerdings ebenfalls: Neue Entdeckungen kommen hinzu, veränderte Fragestellungen führen zu neuen Interpretationen bereits bekannter Sachverhalte. Geschichte wird heute nicht mehr nur als Ereignisfolge verstanden, Herrschaft und Politik stehen nicht mehr allein im Mittelpunkt, und die Konzentration auf eine Nationalgeschichte ist zugunsten offenerer, vergleichender Perspektiven überwunden.
Interessierte, Lehrende und Lernende fragen deshalb nach verlässlicher Information, die komplexe und komplizierte Inhalte konzentriert, übersichtlich konzipiert und gut lesbar darstellt. Die Bände der Reihe „Geschichte kompakt“ bieten solche Information. Sie stellen Ereignisse und Zusammenhänge der historischen Epochen der Antike, des Mittelalters, der Neuzeit und der Globalgeschichte verständlich und auf dem Kenntnisstand der heutigen Forschung vor. Hauptthemen des universitären Studiums wie der schulischen Oberstufen und zentrale Themenfelder der Wissenschaft zur deutschen und europäischen Geschichte werden in Einzelbänden erschlossen. Beigefügte Erläuterungen, Register sowie Literatur- und Quellenangaben zum Weiterlesen ergänzen den Text. Die Lektüre eines Bandes erlaubt, sich mit dem behandelten Gegenstand umfassend vertraut zu machen. „Geschichte kompakt“ ist daher ebenso für eine erste Begegnung mit dem Thema wie für eine Prüfungsvorbereitung geeignet, als Arbeitsgrundlage für Lehrende und Studierende ebenso wie als anregende Lektüre für historisch Interessierte.
Die Autorinnen und Autoren sind in Forschung und Lehre erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Jeder Band ist, trotz der allen gemeinsamen Absicht, ein abgeschlossenes, eigenständiges Werk. Die Reihe „Geschichte kompakt“ soll durch ihre Einzelbände insgesamt den heutigen Wissenstand zur deutschen und europäischen Geschichte repräsentieren. Sie ist in der thematischen Akzentuierung wie in der Anzahl der Bände nicht festgelegt und wird künftig um weitere Themen der aktuellen historischen Arbeit erweitert werden.
Kai BrodersenMartin KintzingerUwe PuschnerVolker Reinhardt
Am 23. Juli 1952 trat der Gründungsvertrag für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) als der ersten echten, weil supranationalen europäischen Gemeinschaft mit eigenen Zuständigkeiten und eigener unmittelbarer Rechtssetzungskompetenz in Kraft. Die politischen Entscheidungsträger in den sechs beteiligten Staaten – Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande – waren sich vor dem Hintergrund der im Zweiten Weltkrieg gemachten Erfahrungen darüber einig, dass westlich des „Eisernen Vorhangs“ eine Zone politischer Stabilität und wirtschaftlichen Wohlstandes geschaffen werden musste, um die jahrhundertealten Gräben überwinden zu können, die auf der Suche nach der Durchsetzung nationalstaatlicher Interessen zwischen den europäischen Staaten aufgerissen worden waren. Um diesen Gründungskonsens verwirklichen zu können, galt es überdies, die Ursachen für die deutsch-französische „Erzfeindschaft“ zu beseitigen und Westdeutschland möglichst fest in die neue Staatengemeinschaft einzubinden. Dafür reichte die nur partielle Integration des Kohle- und Stahlsektors nicht aus. Die Gründung der EGKS markiert lediglich den Beginn der wirtschaftlichen Integration der beteiligten Staaten, die ihrerseits als Grundlage eines politischen Integrationsprozesses dienen sollte, der in nicht allzu ferner Zukunft Grundlage eines europäischen Bundesstaates sein würde.
Die drei Phasen des Integrationsprozesses
Doch auch wenn sich aus den bescheidenen Anfängen des Jahres 1952 bis heute die Europäische Union der 25 (Stand September 2005) herausbilden konnte und der Integrationsgrad eine Tiefe erreicht hat, von der die Gründerväter der EGKS nur träumen konnten, besteht nach wie vor keine Klarheit über die endgültige Ausgestaltung des „europäischen Hauses“, über die finalité politique des Integrationsprozesses. Dennoch werden die Spezifika des europäischen Integrationsprozesses mit zunehmender Distanz zum Ausgangspunkt immer deutlicher sichtbar. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive lässt sich die europäische Integration als ein in drei größere, einander teilweise überschneidende Phasen unterteilbarer Entwicklungsprozess darstellen. In der Gründungsphase (1952–1973) fanden sich die westeuropäischen Demokratien mit Ausnahme jener, die aus bestimmten Gründen die Exklusion vom Integrationsprozess bevorzugten, unter dem Dach supranationaler Institutionen zusammen und legten gemeinsam die Richtung des Integrationsprozesses fest. Die Konsolidierungsphase (1970–1992) ist einerseits markiert durch den Beitritt der drei ehemals autoritär regierten Staaten Griechenland, Portugal und Spanien, andererseits durch die systematische Vertiefung der europäischen Binnenstrukturen, so wie sie in der Einheitlichen Europäischen Akte (1987) und dem Maastrichter Vertrag (1993) zusammengefasst wurden. Die Europäisierungsphase (seit 1991) ist schließlich dadurch gekennzeichnet, dass die Spaltung des Kontinents durch den „Eisernen Vorhang“ überwunden wurde, womit zunächst die Gründe für den Selbstausschluss einiger westeuropäischer Demokratien entfielen und die EFTA-Erweiterung von 1995 stattfinden konnte. Darüber hinaus wurden infolge des Zerfalls des Warschauer Paktes und der Sowjetunion die Voraussetzungen für die Osterweiterung der Europäischen Union geschaffen. Für die Europäische Union (EU) stellte das Ende des Kalten Krieges jedoch nicht nur eine quantitative Herausforderung dar, sondern auch eine qualitative, schließlich hatte der Ost-West-Gegensatz der späten 1940er Jahre die Einleitung des Integrationsprozesses mit vorangetrieben. Im Umkehrschluss bedeutete dessen Ende für die EU als Nachfolgerin der EGKS die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden. Die einzelnen Integrationsphasen werden in den Kapiteln 2 bis 4 dieses Buches näher betrachtet. Da ein angemessenes Verständnis der Geschichte der europäischen Integration ohne hinreichendes Wissen um die Geschichte des Bildes, das sich die Menschen Europas im Laufe der Zeit von „ihrem“ Kontinent gemacht haben, nicht möglich wäre, ist das erste Kapitel dieses Buches der Einführung in die wechselvolle Geschichte des Begriffs „Europa“ gewidmet.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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